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Full text of "Journal für Ornithologie"

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JOURNAL 

für 

ORNITHOLOGIE. 

GEGRÜNDET VON J. C AB ANIS. 

Im Auftrage der 

Deutschen Ornithologischen Gesellschaft 

mit Beiträgen von 

E. Detmers, H. Duncker, J. Gengier, H. Grote, 

M. Härms, W. Hagen, M. Hagendefeldt, 0. Heinroth, E. Hesse, 

R. Heyder, A. Nehrkorn, 0. Noumaun, Th. Pleske, N. Sarudny, 

J. Thieneraann, H. Weigold, 0. Graf Zedlitz, 

herausgegeben 
von 

Prof. Dr. Ant. R eichenow, 

Geh. Regieningsrat, Zweiter Direktor des Kgl. Zoologischen Masenms in ;Berlin, 
Generalsekretär der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft. 



60. Jahrgang. 

Mit Sonderheft und 10 Tafeln. 



Verlag von L. A. Kittler. 
London, Paris, New-York, 

Williams & Norgate, 14 F. Vieweg, rue Richelieu 67. Lemcke & Buechner 

Henrietta Street, Coven^arden. 30-32 West, 27 th Street. 



Inhalt des 60. Jahrganges (1912). 



Seite 
E. Detmers, Studien zur Avifauna der Emslande. (Schlufs) . . 1 
H. D u n ck e r, Die Verbreitung der Gattung Emherissa, eine ornitho- 

geographische Studie. (Hierzu Taf. 1) 69 

J. Gen gier, Die Klein'schen Vogelbilder. (Hierzu Taf. 10) . . 570 
H. Grote, [Später Abzug des Mauerseglers] 496 

— Beitrag zur Ornis des südöstlichen Deutsch-Ostafrika. (Hierzu 

Taf. 8 u. 9) 501 

W. Hagen, Über den Vogelzug 1911 bei Lübeck 470 

M. Hagendefeldt, Zum Vogelzug auf der Insel Sylt 1910 . . 410 
0. Heinroth, [Ergebnis des Brieftaubenwettfluges Berlin-Rotterdam] 315 

— [Bericht über die während des Jahres 1911 dem Berliner zoo- 

logischen Garten zugegangenen Neueinführungen] .... 316 

— [Eine im zoologischen Garten in Berlin gezeichnete Lampronessa 

sponsa in Lothringen erlegt] 494 

E. Hesse, Beobachtungen und Aufzeichnungen während des Jahres 

1911 298 

— Über Balzflüge und Stimmen der Weihen und Sumpfohreule . 481 
R. Hey der, Zur Erinnerung an August Franz Helm .... 243 

A. Koenig, Avifauna Spitzbergensis. Bericht 621 

A. Nehrkorn, Wilhelm Blasius f. Nachruf 619 

0. Neumann, [Über die afrikanischen Arten der Gattung Tarsiger'] 497 

— [Habitusähnlichkeit nebeneinander lebender Vögel] .... 499 
Th. Pleske, Zur Lösung der Frage, ob Cyanistes plesJcei eine 

selbständige Art darstellt 96 

Ant. Reichenow, [Die Übereinstimmung der Gattungen Neo- 
cossyphus und Stizorhina in Form und Färbung; Cassinia 
eerikeri =. Neocossyphus poensis'] 119 

— Neue Arten aus dem Uelle-Gebiet in Mittel-Afrika .... 820 

— [Anas sparsa und A. leucostigma verschiedene Arten] . . 319 
N. Sarudny und M. Härms, Bemerkungen über einige Vögel 

Persiens 592 

J. Thienemann, X. Jahresbericht (1910) der Vogelwarte Rossitten 
der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft. IL Teil. (Hierzu 
Tafel 2—6) 133 

— XI. Jahresbericht (1911) der Vogelwarte Rossitten der Deutschen 

Ornithologischen Gesellschaft. I. Teil 429 

H. Weigold, Ein Monat Ornithologie in den Wüsten und Kulturoasen 

Nordwestmesopotamiens und Innersyriens 249, 365 

0. Graf Zedlitz, Von Suez zum Sankt Katharinenkloster. (Ein 

ornithologischer Streifzug). (Hierzu Taf. 7) . . . . 325, 529 



52293 



Deutsche Ornithologische Gesellschaft. 

Bericht über die Jahresversammlung 1911. Von 0. Heinroth . 109 

Bericht über die Septembersitzung 1911. 

Bericht über die Novembersitzung 1911. 

Bericht über die Dezembersitzung 1911. 

Bericht über die Februarsitzung 1912. 

Bericht über die Januarsitzung 1912. 

Bericht über die Märzsitzung 1912. 

Bericht über die Aprilsitzuog 1912. 



desgl. 


117 


Von E. Hesse . . 


. 120 


Von 0. Heinroth . 


. 314 


desgl. 


318 


desgl. 


494 


desgl. 


495 


desgl. 


499 



Mitgliederverzeichnis 1912 122 



Dem Herausgeber zugesandte Schriften .... 129, 322, 500, 630 



Abbildungen. 

Taf. 1. Karte der Ausbreitungsstrafsen der Gattung Emheriea. 
„ 2 — 5. Zugkarten zum Jahresbericht der Vogelwarte Eossitten. 
„ 6. Karte des Vorkommens der Waldschnepfe in Ost- und West- 

Preufsen und Posen 1909 u. 1910. 
„ 7. Karte der Sinai-Halbinsel. 
„ 8. Baus reichenowi, Macrosphenus griseiceps, Phyllastrephus 

grotei. 
„ 9. Eier afrikanischer Vogelarten. 
„ 10. Facsimile-Nacbdruck einer Klein'schen Tafel (Ardea cinerea). 



JOURNAL 



für 



ORNITHOLOGIE. 



Sechzigster Jahrgang. 



No. 1. Jannar 1913. 

Studien zur Avifauna der Emslande. 

Von Dr. Erwin Detmers. 

(Schlufs von Jahrg. 1911 S. 434.) 
Familie: Falconidae. 

88. Circus aeruginosus (L ) — Rohrweihe. 

Ein ziemlich seltener Brutvogel unserer grofsen Brüche und 
Moore. Im Ochsenbruch haben in früheren Jahren verschiedent- 
lich Rührweihen gehorstet, ebenso in der „Wöste", ferner bei 
Wietmarschen und wahrscheinlich in anderen Mooren. So ist sie 
vielleicht Brutvogel im Lahrer Moor, dort wurde in Bödikers 
Beisein ein Tier geschossen. In der Zugzeit ist C. aeruginosus 
in Geeste ein ständiger Gast vom August bis zum September. 
Am 28. VlII. 09 erlegte SchimmöUer ein Exemplar in Geeste. 
Niederen Fluges kreisen die Weihen das ganze Terrain dort ab, 
aber wehe ihnen, wenn sie in einen Schwärm Kiebitze geraten, dann 
ist es mit der Jagd vorbei. Meistens trifft man auf dem Zuge 
junge Tiere, ganz alte sehr selten. Im Oktober erscheinen nur 
ganz vereinzelt noch Rohrweihen, so am 6. X. 09. Mehr als drei, 
höchstens vier Rohrweihen habe ich selbst zur Hauptzugzeit zur 
selben Stunde nie in Geeste beobachtet, sie scheinen wohl nur 
einzeln, höchstens pärchenweise zu wandern. In den Niederlanden 
sehr gemeiner Brutvogel, häufig auch in Oldenburg und Ostfries- 
land, sehr selten, vielleicht jetzt fehlend aber in Westfalen. 

89. Circus pygargns (L.) — Wiesenweihe. 

Es ist schwierig zu sagen, ob die Korn- oder Wiesenweihe 
in unserem Gebiete häufiger als Brutvogel ist. Ich glaube, dafs die 
Wiesenweihe an manchen Orten häufiger angetroffen wird, an 
anderen wieder die Kornweihe. Es wurden Nester von C. pygargns 
gefunden in der Gemeinde Biene, ferner bei Schepsdorf, wo ein 
altes Männchen präpariert im Besitz des Küsters sich befindet, 
und Imming nennt sie einen häufigen Brutvogel an den Emswiesen, 

Joum. t. Gm. LX. Jahrg. Januar 1912. 1 



2 Dr. Erwiö Detmers: 

so erlegte er 1904 beide Eltern bei Bernte am Horste. In der 
Nähe von Wietmarschen und Neuenhaus traf ich häufig Wiesen- 
weihen. Nach Behnes ist sie in der Umgebung Meppens seltener 
als die Kornweihe. In Oldenburg tritt sie weniger, in Westfalen 
häufiger als die folgende Art auf. 

90. Circus cyaneus (L.) — Kornweihe. 

In den verschiedensten Gegenden unseres Gebietes habe ich 
die Kornweihe angetroffen, doch scheint sie im Norden häufiger 
zu sein als im Süden. So berichtet mir Behnes, dafs sie sich 
als ziemlich häufiger Brutvogel sowohl in der Heide, wie im Moor 
in der Umgebung Meppens finde. Kreymborg u. Boediker fanden 
sie verschiedentlich in der Umgebung von Haselünne, z, B. brütend 
in der Esch und 1903 brütend in Getreidefeldern nahe bei den 
Malemoorschen Tannen. Bei Bernte ist sie nach Imming seltener 
als die Wiesenweihe, bei Gleesen brütete sie nach Tegeder regel- 
mäfsig bis vor 15 Jahren, dann wurden an diesem Brutplatze 
Eichen gepflanzt und die Tiere verschwanden. Ich beobachtete 
sie im Bernter Moor, im Ochsenbruch, vor Wietmarschen, bei 
Neuenhaus und auf dem Zuge in Geeste. Ab und zu trifi't man 
Exemplare auch im Winter. In Westfalen ist sie aufi'allender- 
weise ein ungemein seltener Brutvogel, wenigstens nach den über- 
einstimmenden Berichten der Autoren. 

91. Circus macrouriis (Gm.) — Steppenweihe. 

Wigger erhielt diese seltene Weihe von Engden, und glaubt 
sie auch im Sommer in der „Wöste" beobachtet zu haben. Nach 
Imming erscheint sie nur im Winter in der „Wöste" und wurde 
zu dieser Jahreszeit auch im Bernter Moor erlegt. Aus dem 
benachbarten Münsterlande berichtete Altum (5 und 8.), dafs Bols- 
mann von Gimbte drei Steppenweihen erhalten habe, darunter 
ein Weibchen mit Eiern, das am Horste erlegt worden ist. Aufser- 
dem soll nach Wigger diese Weihe 1886 bei Langenhorst gebrütet 
haben, und Wigger erhielt im Juni 1896 ein Männchen im Pracht- 
kleide von Osterwick. Es liegen nun drei Möglichkeiten vor. 
Erstens kann diese, der Kornweihe sehr ähnliche Spezies, die 
eigentlich in Osteuropa und dem mittleren Asien wohnt, mit C. 
cyaneus verwechselt worden sein, zweitens bleiben in ganz ver- 
einzelten Fällen, vielleicht bewogen durch die Steppenähnlichkeit 
der riesigen Moore und Heiden, ab und zu wandernde Steppen- 
weihen zurück, und drittens haben wir vielleicht in der Wöste 
und den anschliefsenden Heiden Westfalens einen ständigen, ganz 
isolierten Brutplatz dieses östlichen Vogels im nordwestlichen 
Deutschland. Die Lösung dieser faunistisch hochinteressanten 
Frage mufs die Zukunft bringen. — Koch (123.) erhielt aus West- 
falen ganz vereinzelt junge Tiere und Weibchen. In Holland 



Studien zur Avifauna der Emslande. 3 

wurde die Steppenweihe erst dreimal, ebenfalls in Westfalen erst 
dreimal erlegt, aus Oldenburg ist ein Fall bekannt. 

92. Astur gentilis L. — Hühnerhabicht. 

Ganz im Gegensatz zu den sogenannten „Kulturangepafsten" 
hat sich Ä. gentilis bis jetzt dadurch in beträchtlicher Anzahl 
zu halten gewufst, dafs er, wenigstens in unserer Gegend, mit 
Ausnahme der Brutzeit zu einem strengen Waldvogel geworden 
oder es geblieben ist, der scheu die Städte und freien Felder 
meidet und die meiste Zeit des Tages dicht über den hohen 
Kiefernwäldern jagt. Gewöhnlich wird von Biologen, die in 
anderer Gegend unseren Vogel beobachteten, Ästur gentilis anders 
charakterisiert, denn sie schildern ihn als frechen Räuber, der 
die Bauerngehöfte tyrannisiert und offen überall zu jagen pflegt. 
Diese Beschreibung stimmt aber hier nur für die Brutzeit, dann 
richtet er zwar auf allen Geflügelhöfen bedeutenden Schaden an. 
In der anderen Zeit sieht man den hier verhältnismäfsig häufigen 
Vogel nur sehr selten, er treibt sich dann über den grofsen 
Waldungen umher und schlägt, wie ich durch Horst- und GewöU- 
untersuchungen feststellte, in den allermeisten Fällen Eichhörn- 
chen, die hier den gröfsten Teil seiner Nahrung ausmachen. 
Natürlich verschmäht er keine andere Beute, jagt auch häufig, 
wo Waldungen an Heiden und Moore grenzen, und ist dort den 
Birkhühnern ein gefährlicher Feind, vor allem andern aber 
den Ringeltauben, die neben Eichhörnchen hier seine Haupt- 
nahrung bilden. Zur Brutzeit wird der Bestand des Habichts 
hauptsächlich durch Förster und Holzhauer reduziert. Wenn 
zwar die im übrigen Teil des Jahres zurückgezogene Lebens- 
weise den Vogel bis jetzt auch vom Untergange gerettet hat, so 
steht doch zu erwarten, was ja auch teilweise schon eingetreten 
ist, dafs er mehr und mehr zurückgedrängt und schliefslich, wie 
schon in vielen Gegenden Deutschlands, ganz ausgerottet sein 
wird. Ich habe ihn in den Jahren 1904—08 als regelmäfsiger 
Brutvogel am Wellberge, im Pollersande, bei ßaccura, in der 
Schlips und an anderen Stellen, so bei Geeste 1908, bei Leschede 
1909 in je einem, zwei oder drei Pärchen gefunden und erhielt 
aufserdem aus anderen Gegenden häufig Junge angeboten. Tegeder 
schrieb mir, dafs er in Gleesen (Tegeders Feldbrook) dann mit 
dem Fällen der hohen Fichten und Kiefern verschwunden sei. 
Nach Schöningh ist er indessen bei Meppen noch regelmäfsiger 
Brutvogel. Bodemann (46, 1887.) nennt ihn 1885 vereinzelten 
Brutvogel bei Haselünne, Kreymborg schrieb mir über sein 
Vorkommen: „Den Habicht birgt die Haselünner Umgebung in 
erschreckender Anzahl. In den Malemoorschen Kiefern zählte 
ich vor 3 Jahren 16 Horste, wovon 4 jedes Jahr besetzt sind. 
Ferner horstet er in den Forsten hinter der Wirtschaft Balster, 
deren Inhaber er sehr stark jedes Jahr schädigt, z. B. hat er 



4 Dr. Erwin Detmers: 

ihm in diesem Jahre seinen ältesten und schönsten Pfauhahn 
geschlagen, so dafs dieser an den Wunden gleich darauf einging, 
nachdem er dem Räuber abgejagt wurde." Da der Habicht fest 
an dem einmal gewählten Reviere hält, kann man seinen Bestand 
leicht kontrollieren, obwohl er unter unseren Raubvögeln einer 
der eifrigsten Horstbauer ist. Im Pollersande horstet ein Pärchen, 
das in 5 Jahren 5 Horste gebaut hat, die kaum 5 Minuten von 
einander stehen. In den Nachbargebieten überall Brutvogel. 

93. Accipiter nisus (L.) — Sperber. 
Noch jetzt überragt der Sperber an Häufigkeit des Vor- 
kommens alle andern Raubvögel mehr oder weniger, aber in 
absehbarer Zeit wird sich dieses Verhältnis sicher ändern und 
wie an anderen Stellen Deutschlands mit der vorschreitenden 
Kultivierung der Turmfalke an seine Stelle treten. Der Sperber 
ist den Sommer über wenig auffallend, er horstet an den ver- 
schiedensten Stellen des Gebietes in Stangenholz und mittelhohen 
Bäumen, meistens in Kiefern, ich fand sogar sein Nest fast an 
der Strafse in einem Park bei Lingen. Rings um seinen Horst 
herrscht meistens ein reges Kleinvogelleben, ja ich fand den 
Eichelheher dicht daneben nistend, da der Sperber ebenso wie 
der Habicht, neben dessen" Horst ich schon Buntspecht und 
Tannenmeise nistend fand, die nähere Umgebung seines Horstes 
stets unberührt läfst und erst in weiterer Entfernung zu jagen 
beginnt. Ob von unsern heimischen Sperbern einige wegziehen, 
kann ich nicht angeben, möglich ist, dafs dies einige junge Tiere 
und ältere Männchen tun, möglich ist aber auch, dafs die durch- 
ziehenden Vögel aus nordischen Wanderern bestehen. Sobald 
der Winter beginnt, rücken die Sperber, hauptsächlich die Weib- 
chen, aus den Wäldern in die Städte und machen sich dann 
wenigstens soweit nützlich, dafs sie die im Sommer so grofs 
herangewachsene Zahl der Sperlinge auf das gehörige Mafs 
reduzieren. Zugleich aber vermindern sie ihren eigenen Bestand, 
denn diese stürmischen Gesellen sind keine „Kulturangepafsten", 
und viele zerschmettern sich die Flügel an Telephondrähten, 
rennen den Kopf an Mauern ein, geraten in Häuser und Ställe 
und werden erschlagen. Ich erhielt im Winter 1907/08 sechs 
auf diese Weise ums Leben gekommene Sperber allein aus 
Lingen (22.), und wie viele mehr mögen so verunglückt sein, von 
denen ich nichts hörte. Brütet im ganzen Gebiet. 

Accipiter minulltis (64.), ein wahrscheinlich entflogenes 
Tier, wurde in Ostfriesland erlegt. 

94. Circaetus gallicus (Gm.) — Schlangenadler. 

Nach Tegeder und Schöningh wurde vor 12—15 Jahren bei 
Wesuwe ein C. gallicus erlegt, der sich jetzt in der Sammlung 



Studien zur Avifauna der Emslande. 5 

des Meppener Gymnasiums befindet. In Hannover hat nach 
Pralle (95 und 97.) bei Celle C. gallicus 1859 gehorstet, beide 
Elterntiere befinden sich im Hann. Prov.-Mus., und nach Löns 
wurde er noch 1895 bei Ribberloh (71.) in Hannover brütend 
gefunden. Im Rheinland hat er noch 1905 nach le Roi im Kondel- 
wald gebrütet. Koch (123.) erhielt einen Schlangenadler von 
Mesum in Westfalen, das gleich hinter der Grenze unseres Ge- 
bietes liegt. In Holland wurde dieser seltene Adler viermal 
geschossen und einmal gesehen. Auch auf Borkum erlegte man 
ihn einmal (58.), aber in allen anderen Gebieten fehlt er. 

95. Buteo buteo (L.) — Mäusebussard. 

Der Bestand dieses Raubvogels hat sich wahrscheinlich in 
den letzten Jahren vergröfsert. Zwar sieht man ihn viel häufiger 
als den Hühnerhabicht, aber das liegt wohl mehr an der freieren 
Lebensweise, er dürfte wohl jetzt in derselben Anzahl wie dieser 
vorkommen, früher aber war er bedeutend seltener und noch 
jetzt übertrifft ihn in manchen Gegenden der Habicht an Zahl 
bedeutend. Dieses Verhältnis dürfte sich aber in einer Reihe 
von Jahren sehr zu Gunsten von Buteo buteo ändern. Ich fand 
ihn als Brutvogel im Pollersande, am Wellberge, bei Altenlingen, 
zwischen Biene und Geeste und aufserdem wurden mir noch 
Brutplätze in der Umgebung von Haselünne, Meppen und Bent- 
heim genannt. Auf dem Durchzuge werden häufig Exemplare 
geschossen, denn man findet ihn von allen Vögeln am zahlreichsten 
ausgestopft im Privatbesitz. 

Buteo buteo zimmermannae wurde zweimal und Buteo 
ferox einmal in Holland erlegt. 

96. Archibuteo lagopus (Brunn) — Rauhfufsbussard. 

Ziemlich seltener Wintergast. Nach Imming wurde 1908 
oder 1907 ein Rauhfufsbussard bei Bernte geflügelt und dann 
aus nächster Nähe sehr zerschossen, so dafs er nicht zu prä- 
parieren war. In der Sammlung Lichte steht ein bei Frenswegen 
erbeutetes Exemplar. Bödiker traf einen Fuhrmann bei Hase- 
lünne, der einen tot aufgefundenen Vogel bei sich trug, den 
Bödiker wegen der eingetretenen Dämmerung nicht ganz bestimmt 
erkannte, er hielt ihn aber ziemlich sicher für A. lagopus. 

In den Nachbargebieten ist der Rauhfufsbussard unregel- 
mäfsiger Wintergast. 

97. Aquila chrysaetus (L.) — Steinadler. 

Da ich sehr wohl weifs, dafs in den allermeisten Fällen, wo 
in den Tageszeitungen von erlegten Steinadlern im westlichen 
Deutschland die Rede ist, diese sich hinterher als See-, Fisch- 



6 Dr. Erwin Detmers: 

adler oder sonstige grofse Raubvögel entpuppen, habe ich aus 
der grofsen Reihe von mir gemachten Mitteilungen nur drei 
sichere Fälle ausgewählt. Von dem bekannten Ornithologen Pralle 
wird die Mitteilung gemacht (Jahresb. der naturhistor. Gesell- 
schaft zu Hannover 1878—1880), dafs am 19. X. 1877 bei Hase- 
lünne ein Steinadler erlegt worden ist. Möllmann (84.) erwähnt 
diesen Fall ebenfalls in seiner Wirbeltierfauna des Artlandes; 
und Landois (54.) gibt an, dafs dieser von Windau präparierte 
Adler in einer Sektionssitzung zu Münster vorgezeigt worden sei. 
Wie mir Karger mitteilte, wurde Anfang der siebziger Jahre bei 
heftigem Schneegestöber ein Goldadler erlegt, der sich lange 
Jahre im Besitze der Familie Karger in Neuenhaus befand. 
Nach Tegeder wurde 1893 bei Wesuwe ein Steinadler auf einem 
geschlagenen Lamm erschossen, das Belegexemplar besitzt das 
Meppener Gymnasium. In Kolland wurde A. chrysaetus 6 mal, 
in Oldenburg 2 mal, in Westfalen auch nur vereinzelt und vier- 
mal im Rheinland erlegt. 1859 findet sich im Jahresb. der Naturh. 
Ges. zu Hannover folgende Mitteilung: „Vor 20 Jahren ist bei 
Celle ein junger aus dem Nest genommen und 10 Jahre in 
Gefangenschaft gehalten worden." 1858 (67.) wurde bei Celle ein 
Steiuadlerweibchen geschossen und das Männchen gefangen. In 
der „Osnabr. Volkszeit." fand sich am 4. XI. 10 die Notiz, dafs 
A. Wilken auf Honeburg einen Steinadler erlegt habe, ob dieser 
Vogel richtig bestimmt ist, weifs ich nicht. 

Aquila clanga fulvescens wurde am 1. XI. 1901 bei 
Korneburg i. W. erlegt (Jahresb. des west. Pr. V. 1901/2). 
A. clanga ist 2 mal in Oldenburg und 6 mal in den Niederlanden 
nachgewiesen. 

Aquila imperialis ist einmal in Holland erlegt worden. 

Aquila pomarina (Brehm) — Schreiadler. 

Obwohl er nach Aussage eines Jägers bei Baccum beobachtet 
sein soll, kann ich ihn nicht zu den Vögeln unseres Gebietes 
rechnen, weil keine Belege irgend welcher Art vorliegen. Das 
Lingener Gymnasium besitzt einen Adler, der vielleicht im Gebiet 
geschossen wurde. 

Nach Pralle (Jahresb. der naturh. Gesell, zu Kann. 1878—80) 
hat er früher in verschiedenen Teilen der Prov. Hannover ge- 
horstet. Nach Löns (67.) brütete er noch 1904 bei Haste, und 
von Fritze erhalte ich eine Notiz, dafs im Mai 1910 ein Tier 
bei Celle aus dem Horste genommen sei, das sich im Zool. Garten 
zu Hannover befindet. In den Nachbargebieten vereinzelt erlegt 
worden. 

98. Pernis apivorus (L.) — Wespenbussard. 

F. apivorus scheint nur in wenigen Teilen als Brutvogel 
in unserem Gebiet vorzukommen. Um Lingen herum fand ich 



Studien zur Avifauna der Emslande. 7 

ihn noch nirgends brütend. Wigger entdeckte seinen Horst in 
den Wäldern von Theishing bei Engden, und Kreymborg nennt 
ihn als Brutvogel der Malemoorschen Tannen bei Haselünne, wo 
er vereinzelt brütend auftritt, ferner scheint er bei Grasdorf zu 
brüten, denn ein dort erlegtes Exemplar besitzt Lichte in seiner 
Sammlung. Ein bei Lingen wahrscheinlich auf dem Zuge erlegter 
Wespenbussard steht präpariert bei einem Waftenhändler in Lingen. 
Auf dem Zuge habe ich P. apivorus verschiedentlich beobachtet 
und zwar meistens in der ersten Hälfte des Septembers. — In 
den Nachbargebieten ziemlich sparsamer Brutvogel. Möllmann 
(87.) beschreibt einen bei Kniphausen in Oldenburg beobachteten 
Durchzug, wo am 26. V. 1892 über 1000 Wespenbussarde durch- 
zogen, diese Schar wurde auch bei Bremen damals gesichtet. 

99. Milvus milvus (L.) — Roter Milan. 

Obwohl unser Gebiet mit dem zum gröfsten Teile un- 
befahrenen Emslauf, mit den grofsen Brüchen und Mooren dem 
Milan sehr zusagen müfste, habe ich trotz sorgfältigster Er- 
kundigungen nur einen Fall konstatieren können, dafs 31. milvus 
dort gehorstet hat. Nach der Beschreibung, die man mir gab, 
kann es sich nur um die Gabelweihe handeln. Zu Beginn der 
60er Jahre horstete ein Pärchen bei Bernte an der Ems in 
einer mächtigen Eiche, ein Tier wurde damals abgeschossen und 
der Horst zerstört. Selbst auf dem Durchzuge ist dieser so auf- 
fallende Vogel sehr selten. Ich habe nur einmal ein Exemplar 
am 6. X. 1909 bei mittelstarkem W.-Wind und klarem Wetter in 
Geeste gesehen, das vergeblich nach Bläfshühnern stiefs, die sich 
rasch durch Tauchen retteten. Bödiker beobachtete vor mehreren 
Jahren bei Haselünne eine kleine Schar hoch in der Luft ziehend. 
Löns (78.) schätzte 1907 den gesamten Bestand der in der Pro- 
vinz Hannover noch brütenden Milane auf 12 Paar, doch dürften 
sich jetzt kaum noch soviele Brutplätze finden. Nach Seemann 
(116.) wurde er zur Brutzeit bei Osnabrück beobachtet. 

M. milvus ist nach Edmund Löns im Münsterland vielleicht 
bis auf ein Paar ausgerottet (Wild und Hund, XVL, 46), brütete 
nach Wiepken in Oldenburg an ganz wenigen Plätzen, in Holland 
noch nicht sicher als Brutvogel festgestellt. 

100. Milvus korschiin (Gm.) — Schwarzer Milan. 

Der verstorbene Prof. Wenker aus Meppen berichtete an 
Löns (78.), dafs bei Meppen M. korschun erlegt worden sei. 
Weitere Beobachtungen sind über diesen Vogel nicht gemacht 
worden. Aus Hannover sind zwei Brutplätze bekannt, 1854 hat 
er in der Nähe von Lüneburg und 1902 bei Moringen am 
SoUing gehorstet, v. Droste (123.) erwähnt für Westfalen einen 
Horstplatz bei Lembeck 1872. In Holland brütet er nicht, 



8 Dr. Erwin Detmers: 

ist erst fünfmal auf dem Zuge erlegt worden, in Oldenburg 
nicht nachgewiesen. 

101. HaUaetus albicilla (L.) — Seeadler. 

Dieser Vogel tritt zwar bedeutend seltener auf als der 
Flufsadler, kommt aber im Winter immerhin so häufig vor, dafs 
er den Heidebewohnern eine bekannte Erscheinung ist, denn er 
wird von ihnen allgemein ,,Gauseornt", d. h. Gänseadler, weil 
er Wildgänse schlägt, genannt. Über sein Vorkommen in der 
„Wöste" schreibt mir Wigger, dafs er den Schäfern und Land- 
wirten der dortigen Gegend wohlbekannt sei, denn man sehe ihn 
in strengen Wintern regelmäfsig. Bei Nordhorn wurde ein Exem- 
plar erlegt, das in der Sammlung Lichte steht, ebenso wurde 
nach Kreymborg und Bödiker in den siebziger Jahren in Lahre 
bei Haselünne ein Seeadler geschossen, der vor einem Entenfaug 
die Lockente rauben wollte, das Tier befindet sich im Besitze 
der Familie Bödiker in Haselünne. In einem Entenfang lebend 
gefangen wurde ein Adler bei Bramhar, nach der Beschreibung 
konnte es sich nur um einen Seeadler handeln, dies wurde mir 
nachträglich durch Schöningh bestätigt. Schliefslich befindet sich 
ein bei Meppen vor 12— 15 Jahren geschossener Seeadler in der 
Vogelsammlung des Meppener Gymnasiums, und vor einigen 
Jahren soll bei Klein Hesepe im Moor ein Adler dieser Art er- 
legt worden sein. In allen Nachbargebieten vereinzelter Gast, 
je weiter im Binnenlande, desto seltener. 

102. Pandion haliaetus (L.) — Fischadler. 

Obwohl ich nach einer Mitteilung SchimmöUers, dafs 1906 
auch im Sommer Fischadler in Geeste erschienen seien, die 
schliefslich beide abgeschossen wurden und jetzt präpariert in 
Privatbesitz in Osnabrück stehen, vermutete, dafs sie dort irgend- 
wo gebrütet hätten, konnte ich dies doch nicht sicher feststellen. 
Später schrieben mir Schöningh und Behnes, dafs vor einigen 
Jahren ein Pärchen in den Varloher Tannen gehorstet habe. Die 
Varloher Tannen grenzen an Geeste, und die dort im Sommer 
1906 täglich erschienenen Adler dürften sicher das in den Var- 
loher Tannen horstende Pärchen gewesen sein. Dies ist der 
einzige sicher nachgewiesene Fall des Brütens vom Fischadler 
in der Provinz Hannover, denn alle von Löns (75.) angestellten 
Nachforschungen ergaben nur ein negatives Resultat. Auf dem 
Zuge erscheint dieser Adler relativ häufig. Am 13. IV. 10 beob- 
achteten Hennemann und ich bei schwachem W.wind und ziemlich 
klarem Himmel einen Fischadler in Geeste, der in geringer Höhe 
von der Ems heranstrich, gerade auf einen Teich zusteuerte, in 
dem am Tage zuvor 763 einpfündige Karpfen eingesetzt waren. 
Der Adler fing auf den ersten Stofs einen Fisch heraus, den er 



Studien zur Avifauna der Emslande. 9 

mit dem Kopfe nach vorn in etwas bedeutenderer Höhe verfolgt 
von. vielen Krähen, in derselben Richtung, aus der er kam, 
davontrug. Am 15. IV. waren wir wieder in Geeste und beob- 
achteten nochmals unsern Vogel mittags zwischen 12 — 1 wie er 
bei klarem Himmel an dem ziemlich starken Südwind wie an 
einer Wand gleichsam auf und niederstieg, umkreist von zwei 
Wanderfalken, die sich in prächtijien Flugspielen neckten. Der 
Adler stand ungefähr 100 m hoch. Wie mir Schimmöller erzählte, 
erscheinen seit Bestehen der Teiche in jedem Frühjahr einige 
Adler, sobald die Karpfen in die Sommerteiche übergesetzt 
wurden und holten sich morgens, mittags und abends einen 
Karpfen, wodurch sie empfindlichen Schaden anrichten. Im 
Herbst wurde JB. haliaettis bis jetzt von mir in Geeste nicht 
beobachtet. Über den Herbstzug an der Ems schrieb Tegeder: 
„Der Fischadler hält sich seit etwa 4 Jahren im Herbst mehrere 
Wochen an der Ems, Ahe und am Dortmund -Ems -Kanal auf; 
1908/09 wurden bei Gleesen zwei Exemplare erlegt." Nach 
Imming wird er bei ßernte im Herbst beobachtet, nach Wigger 
dort beinahe alljährlich erlegt. Wigger besitzt ein Exemplar, 
ebenso van Werde in Leschede und iMeier in Grafeid, letzteres 
ist bei Emsbüren geschossen. An der Hase bei Haselünne wurde 
P. haliaetus erlegt, Belegexemplar steht bei Wilhelmsen in 
Haselünne, an der Vechte bei Neuenhaus erbeutete Gramer in 
den achtziger Jahren einen Fischadler, und schliefslich hat ihn 
Schöningh häufig bei Meppen beobachtet. Im benachbarten West- 
falen soll 1902 ein Paar bei Hiltrup an der Ems gebrütet haben, 
früher war er im Rheinland Brutvogel, vielleicht auch in Olden- 
burg am Zwischenahner See. Sonst ist F. haliaetus überall nur 
Durchzugsvogel, oder es halten sich junge, ungepaarte Exemplare 
den Sommer über auf. 

103. Falco stibhiiteo L. — Baumfalk. 

In der Umgebung von Lingen fand ich ihn als Brutvogel 
erst einmal 1906, wo ich zusammen mit Hennemann eine gerade 
dem Horste entflogene Brut in hohen Eichen an der Ems bei 
Reitlage aus nächster Nähe beobachtete. Aufserdem hat er 
1910 bei PoUe (Kreis Lingen) gebrütet. Im Kreise Meppen 
scheint er bedeutend häufiger als Brutvogel vorzukommen; so 
schrieb mir Schöningh, dafs er jährlicher ßrutvogel in seiner 
Jagd bei Meppen sei. Am häufigsten scheint er in der Umgebung 
von Haselünne vorzukommen. Dort fand Bödiker seinen Horst 
in den Elter Tannen, Bolle beobachtete ihn sehr häufig und er- 
hielt ihn verschiedentlich zum Präparieren, ein Exemplar steht 
im dortigen Kloster, ein anderes besitzt Bödiker. Kreymborg 
berichtete mir ausführlich über die dortigen Baumfalken. Er 
beobachtete Pfingsten 1908 5 Individuen, die sich gegenseitig in 
der Luft neckend verfolgten, sah ihn am Haselünner Kirchturm 



10 Dr. Erwin Detmers: 

den Schwalben und Staren nachjagen und fand ihn brütend an 
der Landstrafse von Haselünne nach Polle. Bei Haselünne ist 
er häufiger als Cerchneis tinnuncula. Imming schofs einen Lerchen- 
t'aiken hinter einem Rebhuhn weg, das dieser verfolgte. Geschossen 
wurde er aufserdem in verschiedenen Gegenden unseres Gebietes 
und befindet sich präpariert verschiedentlich in Privatbesitz. Auf 
dem Zuge ist er häufig; 1909 beobachtete ich den letzten Durch- 
zügler im Herbst am 16. IX. im Bienerfeld, Hens sah den letzten 
in Roermond 1909 am 21. IX. Die Zugsrichtung ist nach W., 
SW. und SSW., weshalb ich annehme, dafs die Angabe, unsere 
Falken überwintern in Indien, nicht für alle stimmen wird. In 
den Nachbargebieten Brutvogel, doch nennt ihn Möllmann (87.) 
für das Artland 1893 nur Durchzügler, ebenso hat er um 1876 
in Oldenburg (129.), wo er früher horstete, nicht mehr gebrütet. 

104. Falco peregrinus Tunst. — Wanderfalke. 

Im Frühjahr und im Herbst erscheinen alljährlich mehr 
oder weniger häufig Wanderfalken, und nicht selten bleiben 
einige den ganzen Winter über. Sicherlich werden deshalb 
ebenso wie in Holland und Belgien auf unseren Mooren und 
Heiden zur Zeit der Falkenjagden hier die Fänger ihre Netze 
gestellt haben. Beobachtungen über jagende Wanderfalken, die 
zum gröfsten Teil in der Lingener Umgebung gemacht waren, 
stellte ich in der Orn. Monatsschr. 1910, VIII zusammen. Der 
Beginn des Durchzugs fällt oft schon auf Anfang September, 
nicht erst in den Oktober, wie meistens angegeben wird. 1909 
beobachtete ich ziemlich viele Wanderfalken, besonders Ende 
September und Anfang Oktober. 1910 sah ich den ersten 
F. peregrinus im Herbst am 16. IX. in Geeste, wo sich im 
Herbst stets Falken aufhalten, die viele Kiebitze, Bläfshühner etc. 
erbeuten, aber nur selten einmal eine Ente fangen, während er 
nach v. Droste (34.) in Borkum auf dem Zuge fast nur von 
Enten leben soll. Eine Krickente fand ich nur einmal geschlagen, 
sah aber häufig vergebliche Jagden. Im Frühjahr nehmen die 
Falken wieder den Weg direkt durch unser (}ebiet, und zwar 
trifft man sie oft pärchenweise an, so am 15. IV. 1910 in Geeste. 
In Haselünne, Meppen, Bentheim, Lingen wurden von mir und 
anderen Beobachtern ebenfalls verschiedentlich Falken auf dem 
Zuge gesichtet. Erlegt wird unser Vogel wegen seiner nur in 
hoher Luft sich abspielenden Jagd, und weil er mit der ge- 
schlagenen Beute sich nur auf freiem Gelände niederläfst, wo er 
selten überrascht werden kann, nur ausnahmsweise, wenn er sich 
in den Städten niederläfst. Wigger erhielt ihn aus der „Wöste", 
Lichte schofs ein Exemplar bei Nordhorn, Schöningh erlegte ihn 
in den Mooren bei Schöninghsdorf. In Westfalen ganz verein- 
zelter Brutvogel, im Rheinland brütet er häufiger, in Hannover 
fand ihn Matschie (46, 1888.) am Andreasberg 1886, Meyer bei 



Studien zur Avifauna der Emslande. 11 

Fuhrberg horstend (Deutsche Jägerzeitung 1908), in allen anderen 
Nachbargebieten nur Durchzugsvogel. — Die nordafrikanische 
Form Falco peregrinus harharus wurde zweimal in Nord-Brabant 
erlegt. 

Falco rusticolus L. — Norwegischer Jagdfalk. 

Wurde einmal am 6. III. 1880 auf Juist und am 12. X. 1905 
bei Hollinde, Kreis Harburg, erlegt, beide Exemplare befinden 
sich im Hann. Prov.-Mus. Beobachtungen aus dem Binnenlande, 
die ich veschiedentlich las, sind sehr mit Vorsicht aufzunehmen. 
Aus Holland sind sieben Vorkommnisse bekannt. 

105. Cerchneis tinnuncula L. — Turmfalk. 

Ungefähr dasselbe Verhältnis wie zwischen Habicht und 
Bussard herrscht in faunistischer Beziehung zwischen Turmfalk 
unb Sperber. Unter allen Raubvögeln die am besten an die 
Landwirtschaft angepafste Form, nicht zu grofs und deshalb kein 
zu ausgedehntes Jagdgebiet beanspruchend, folgt C. tinnuncula 
der Kultivierung der Heiden und Meliorierung der Moore. An 
manchen Stellen ist er häufig, an anderen tritt er vereinzelt auf 
oder fehlt ganz. Im allgemeinen aber kann man sagen, dafs er 
sich in letzter und allerletzter Zeit sehr verbreitet hat. Ich er- 
hielt Junge von Freren, beobachtete im Frühjahr 1910 kreisende 
Pärchen bei Baccum, Altenlingen, Elbergen, Bernte, am Südende 
des Pollersandes und bei Wietmarschen, sowie in Adorf und er- 
hielt verschiedene Nachrichten über Brutplätze bei Meppen, Bent- 
heim und Haselünne. 

Der Herbstzug verläuft nach meinen Notizen meist ganz im 
September und zwar war der Hauptdurchzugstag der 15. IX., 
ein sonniger, ziemlich windstiller Tag. An diesem Tage zogen 
auch viele alte Vögel noch pärchenweise durch. Im Oktober 
sieht man nur ganz vereinzelte Durchzügler und ich war sehr 
erstaunt, als ich aus der Liste der Vogelzugsbeobachtungen in 
Roermond, die P. Hens in liebenswürdigster Weise für mich aus- 
gearbeitet und aufgestellt hat, für das Jahr 1909 noch im Ok- 
tober und sogar am 25. November „viele" oder „mehrere" durch- 
ziehende Turmfalken angegeben fand. Überwinternd habe ich 
erst einmal ein Exemplar im Januar 1908 angetroffen. 

106. Cerchneis merilla (Gerini) — Merlinfalk. 

Nicht gerade häufig, aber doch regelmäfsig erscheint dieser 
kleine Falk bei uns im Gebiete. Ich sah ihn zuletzt am 8. X. 
1910 kurz vor Haren an der Ems. Ein bei Nordhorn geschos- 
senes Exemplar steht in der Sammlung Lichte, ferner erlegte 
Schöningh einen Merlinfalken bei Schöninghsdorf im Moor. In 
der Nähe der Küste scheint er am häufigsten und weiter im 
Binnenlande seltener durchzuziehen. 



12 Dr. Erwin Detmers: 

107. Cerchneis vespertinus (L.) — Rotfufsfalke. 

Diesen im westlichen Deutschland nur sehr selten erschei- 
nenden Gast erhielt ich im Spätsommer 1905 aus der Umgebung 
von Lingen an der Ems. Das Tier, ein altes Männchen, war ge- 
flügelt auf dem Felde gefunden worden. Leider ging dieser 
Falke nach einigen Tagen ein und wurde in einem unbewachten 
Augenblick von einem zahmen Waldkauz aufgefressen. Andere 
Schriftsteller haben diesen von mir im „Zool. Beob." 1907, XII 
veröffentlichen Fall in das Lahntal verlegt, was ich hier berich- 
tigen möchte. In Westfalen wurde C. vespertinus vereinzelt, ein- 
mal nach Koch (123.) 1902 (oder 1903) an der Grenze unseres 
Gebietes bei Rheine erlegt, auch soll er nach einer mündlichen 
Mitteilung einmal in einem Garten im Nachbarkreise Bersenbrück 
geschossen sein, aus Holland ist erst ein Belegexemplar bekannt. 
Im Journ. f. Orn. 1863, S. 279 findet sich ohne Nennung des 
Berichterstatters die Meldung, F. rußpes hätte im Hannoverschen 
an der Mecklenburger Grenze gebrütet. Nach Salzmann (Orn. 
Monatsschrift 1908) ist Mitte Juni bei Gotha ein Rotfufsfalk mit 
deutlichem Brutfleck geschossen worden. 

C, naumanni wurde nach Koch einmal bei Burgsteinfurt 
in Westfalen erlegt. 

Familie: Strigidae. 
108. Syrnium aluco (L.) — Waldkauz. 

Au allen geeigneten Plätzen Brutvogel, jedoch zieht er Laub- 
holz, in der Nachbarschaft bebauter Felder, jedem andern Aufent- 
halt vor. Vereinzelt nistet er schon auf den Böden von Bauern- 
häusern im Heu, und es dürfte sich vielleicht hierin jetzt ein 
Umschwung in seiner Brutgewohnheit anbahnen. Da der sandige 
Boden einer gröfseren Ausbreitung der Muriden entgegenwirkt, 
ist er auch auf andere Nahrung angewiesen, und so fand ich in den 
Gewölben häufig Reste von Maulwürfen und in manchen Gegenden, 
so bei Haselünne, von wilden Kaninchen, ferner bei Lingen in einer 
Höhle sechs Eisternflügel (21,), Sogar noch im Juli erhielt ich 
ganz junge Käuze, so am 6. Juli 1907, Vielleicht ist es ein Nach- 
gelege, oder sollte es eine zweite Brut sein, was nicht unmöglich 
wäre, da der Kauz schon im März zu legen beginnt. In den 
Nachbargebieten häufig, 

109. Athene noctua (Retz.) — Steinkauz. 

Der Bestand dieses Vogels bleibt gleich, denn obwohl er 
zwar an manchen Stellen, infolge des Vernichtens alter hohler 
Weiden- und Eichenstubben abnimmt, vermehrt er sich, wo diese 
als Grenze zwischen benachbarten Feldern stehen bleiben, da er 
ein Freund des kultivierten Bodens ist. Die Brutzeit wurde 



Studien zur Avifauna der Emslande. 13 

von mir sicher auf 16 Tage festgelegt, frühere Autoren gaben 
2—4 Wochen an (Zeitschr. für Ool. und Orn. 1907, Juniheft). 
Er liebt dieselben Plätze wie der VValdkauz, besonders die an der 
Ems gelegenen Eelder, hängt sehr an einmal gewählten Brutplätzen, 
von denen einige in unserni Gebiet schon seit vielen Jahren stets 
aufgesucht werden. 

110. Strix flammea (L.) — Schleiereule. 
Im ganzen Gebiet zwar an passenden Orten Brutvogel, tritt 
Sirix flammea aber doch nicht in ungewöhnlich grofser Zahl auf, 
zumal ihr Vorkommen stark abhängig ist von der Anzahl der 
Muriden. Sie brütet bis in den November hinein. Eine Eule, 
die ich längere Zeit täglich beobachten konnte, brütete 1907 ohne 
ein Männchen, ein in freier Natur sicherlich seltener Fall. 

111. Nyctea nyctea (L.) — Schneeeule. 
Diese in Westdeutschland sehr seltene Eule wurde vor un- 
gefähr zehn Jahren einmal in der Nähe von Schöninghsdorf von 
Schöningh erlegt, als sie dicht vor ihm aus der Heide aufstieg. 
Leider wurde das Tier nicht piäpariert, es war ein nicht ganz 
junges Exemplar, Auf den Nordseeinselu ist sie erlegt worden, 
ferner verschiedentlich in Holland, einmal im Rheinland, und 
einmal wurde sie in Westfalen erbeutet, ein anderes Mal (123.), 
dort beobachtet. Aus Oldenburg ist nur ein Fall bekannt. 

Glaucidiuni passerimim (L.) — Sperlingskauz. 

Bödiker glaubt diese seltene kleine Eule im Herbst in den 
Kämpen bei Sidnaz gesehen zu haben. Vereinzelt wurde GL 
passerinum in Westfalen und Hannover erlegt, auch liegen Fälle 
aus dem Rheinland vor, wo sie sogar gebrütet haben soll. 

Nyctäla tengmalmi (Gm.) — Rauhfufskauz. 
Nur in den Nachbargebieten vereinzelt gefunden. Wiepken 
erhielt Exemplare aus Jever, darunter ein noch nicht flügges Junges; 
soll im gebirgigen Teile Westfalens brüten, Wemer erhielt 1905 
ein Exemplar von Laggenbeck (Westf. Zoolog. Sekt. 1907, p. 49), 
in Holland scheinbar noch nicht erlegt. 

Surnia ulula (L.) — Sperbereule. 
Surnia ulula wurde vereinzelt in Oldenburg und Westfalen, 
noch nicht in Holland erlegt. 

112. Asio otus (L.) — Waldohreule. 
In fast allen etwas ausgedehnteren, oft auch in kleineren 
Kieferngehölzen ist Ä. otus Brutvogel, und man kann sagen, dafs 
sich der Bestand in ungefähr derselben Höhe hält, wie in 
früheren Jahren. 



14 Dr. Erwin Detmers: 

113. Asio accipitrinus (Pall.) — Sumpfohreule. 

Über Ä. accipitrinus schrieb ich im „Zoolog. Beob. 1907, 
XU": „In diesem Jahre erfuhr ich zum erstenmale, dafs die 
Sumpfohreule als Brutvogel in unserer Gegend vorkommt. Am 

2. Juni wurde hier im Moor, ungefähr zwei Stunden von Lingen, 
ein Nest mit fünf Jungen in einem Heidebusch gefunden. Ferner 
schofs Anfang Juli Graf M. v. Galen einen alten Vogel dieser 
Art." Nachträglich habe ich A. accipitrinus noch als Brutvogel 
im Moor bei Grofs-Hesepe festgestellt, und sie dürfte vielleicht 
auch in verschiedenen andern Mooren brüten. Auf dem Herbst- 
zuge ist A. accipitrinus ungemein häufig und sind mir aus allen 
Teilen unseres Gebietes Belegexemplare bekannt. Die letzte Eule 
erhielt ich am 10. XI. 1909, von Küfs in der Gemeinde Biene 
geschossen. Darnach schofs Tegeder noch ein Exemplar auf einer 
Treibjagd bei Bramsche, wo drei Stück beobachtet wurden, am 

3. XL 1910, dort soll sie auch brütend vorkommen. In den 
Nachbargebieten seltener, oft ganz fehlender Brutvogel, nach 
Süden immer seltener auftretend. 

Bubo bubo (L.) — Uhu. 

Nach meinen genauen Erkundigungen und Nachforschungen 
glaube ich feststellen zu können, dafs JS. bubo nie Brutvogel in 
unserm Gebiet gewesen ist. H. Löns (68.) stellt sehr kritisch 
und genau alles über den Uhu in Nordwestdeutschland Gefundene 
zusammen. In Westfalen ganz vereinzelt, im Rheinland noch 
häufiger Brutvogel. In Holland nicht bekannt, in Oldenburg 
einmal erlegt. 

Pisorhina scops wurde dreimal in Holland, häufiger im 
Rheinland erlegt, wo sie nach le Roi (104.) vielleicht auch brütet; 
aus Westfalen ist kein sicherer Fall bekannt. Mir entflog ein 
Exemplar im Herbst in Lingen. 



Familie: Cucuiidae. 
114. Cuculus canorus (L.) — Kuckuck. 

Im ganzen Gebiet häufiger Standvogel. Ich überraschte 
ihn einmal auf einem Sumpfrohrsängerneste. Erwachsene Tiere 
wurden mir verschiedentlich als Raubvögel gebracht, ebenso er- 
hielt ich alljährlich einige junge Tiere. Auffallend häufig trifift 
man nach Schöninghs und meinen Beobachtungen den Kuckuck 
mitten im Moor. Bödiker schrieb mir, dafs, als vor fünf Jahren 
die Nonne verheerend im Karlswalde IV2 Stunden von Haselünne 
auftrat, dort an hundert Kuckucke erschienen seien, von denen 
man nachher verschiedene tot auffand. 



Studien zur Avifauna der Emslande. 15 

Familie: Picidae. 
115. lynx torquiUa (L.) — Wendehals. 

Nimuit wie Upupa epops an Zahl immer mehr ab, nistet 
aber noch im ganzen Gebiet, wenn auch nur sehr vereinzelt. 
Ich traf ein Pärchen in Eichenstubben bei Schepsdorf in der 
Nähe der Ems an. Nach Nordhoff brütet er ganz selten bei 
Engden, Bolle fand ihn bei Lehrte an der Hase brütend, und 
Tegeder nennt ihn als Brutvogel der Eichenstubben bei Gleesen, 
wo er selbst früher Eier dem Neste entnommen habe. Bei 
Meppen wird er nach Schöningh ebenfalls immer seltener. In 
Holland noch häufiger, in Westfalen und anderen Nachbargebieten 
z. T. schon sehr selten gewordener Brutvogel. 

116. Dendrocopus fnaior (L.) — Grofser Buntspecht. 

Überall im Gebiet gemeiner Brutvogel, doch nicht so häufig 
wie der Grünspecht. Ich klopfte einst aus einer Kiefer im Poller- 
sande, die dicht neben einer Kiefer mit bewohntem Habichtshorst 
stand, eine ganze Familie heraus. 

117. Dendrocoi>us mediiis (L.) — Mittelspecht. 

Sehr seltener Brutvogel, von mir erst zweimal zur Brutzeit 
im Pollersand beobachtet, auch Tegeder sah ihn nur einigemale, 
z. B. bei Gleesen. Ein Exemplar aus der Nähe von Frenswegen 
steht in der Sammlung Lichte. In Holland ist dieser Specht erst 
einmal als Brutvogel gefunden worden und aufserdem sind nur 
drei Belegexemplare bekannt. Auf Borkum und im Artlande 
wurde er einmal beobachtet. In Westfalen, Oldenburg und im 
Rheinland z. T. sehr seltener Brutvogel. Wigger erhielt ihn in 
Weibergen, nahe an der Grenze unseres Gebiets häufig. 

118. Dendrocopus tnitior (L.) — Kleinspecht. 
Vielleicht breitet sich diese Spechtart in letzter Zeit nach 
Nordwesten hin aus, denn Wiepken erhielt bis 1876 innerhalb 
vierzig Jahren nur zwei Weibchen aus Oldenburg und in Hol- 
land ist er erst in letzter Zeit verschiedentlich auch in den 
unserem Gebiete benachbarten Provinzen brütend angetroffen 
worden. Bei uns ist er ein seltener Brutvogel, wird aber im 
Herbst und Winter häufig beobachtet. Ich fand ihn an der Land- 
strafse zwischen Lingen und der Bienerbrücke in einer Birke 
nistend. Tegeder traf ihn in Gleesen, Rottum, Lengerich. Ein 
Belegexemplar aus der Umgebung von Nordhorn steht in der 
Sammiung Lichte. In den Nachbargebieten seltener Brutvogel. 

Dendrocopus leuconotus soll nach Wolf (Meyer und 
Wolf, Taschenbuch, Bd. I, 1810) im Winter in Westfalen vor- 
gekommen sein. 



16 Dr. Erwin Detmers: 

119. Picus viridis (L.) — Grünspecht. 
Sehr häufiger Brutvogel, dessen Stimme man überall hört. 

120. Picus canus viridicanus (Wolf) — Grauspecht, 
Dieser Vogel des Gebirges und der Laubwälder ist in der 
ganzen Nordwestdeutschen Ebene eine ungemein seltene Er- 
scheinung. In Oldenburg ist er nur einmal erlegt, in Holland 
noch nie mit Sicherheit nachgewiesen worden, ebenso fehlt er in 
Ostfriesland. Aus der Lüneburger Heide ist er nicht mit Sicher- 
heit bekannt. Nur im gebirgigen Teile der Rheinprovinz ist er 
häufig, dagegen in Westfalen erst neuerdings von Wemer (Zeitschr. 
f. Ool. und Orn. 1908) einmal als Brutvogel festgestellt worden, 
sonst wurden im Münsterlande nur selten Grauspechte erlegt, 
so hat ihn Wigger zweimal in dem unserem Gebiete benach- 
barten Weibergen erhalten. Für unser Gebiet stellte ihn Tegeder 
schon vor Jahren als Brutvogel fest, er schrieb mir: „Der Grau- 
specht brütete früher in den alten Buchen der Gleesener Kämpe. 
Zusammen mit Grünspechten, von denen allabendlich 15 — 20 Stück 
eintrafen, benutzen sie dort die vielen hohlen Buchen als Schlaf- 
plätze. Leider habe ich damals viele geschossen. Diese alte 
Buchenecke ist jetzt abgeschlagen." Auch im Kreise Bentheim 
scheint P. canus Brutvogel zu sein, denn in der Sammlung 
Lichte befindet sich ein bei P'renswegen erlegtes Exemplar, jedoch 
konnte mir Lichte nicht Auskunft geben, ob die Tiere dort ge- 
brütet haben. 

121. JJryocopus inartius (L.) — Schwarzspecht. 

Über D. mariius schrieb ich in der „Deutschen Jägerzeitung" 
vom 3. XL 1910 folgendes: 

„Zum Vordringen des Schwarzspechtes in den Emslanden. 
Au wenigen Vogelarten nur läfst sich so leicht und trefflich beob- 
achten, wie ihre geographische Verbreitung vor sich geht, wie an 
dem leicht kenntlichen, sehr auffallenden Schwarzspecht. An 
manchen Stellen Deutschlands hat er zwar sehr abgenommen, andere 
Gebiete aber hat er sich dafür erobert, und erobert er sich noch 
jetzt. Wiepken (134.) kennt bis 1878 einen Fall seines Vorkommens 
in Oldenburg. Noch vor wenigen Jahren fehlte er in Westfalen und 
in dem westlichen Teile Hannovers als Brutvogel völlig, ebenso 
in Belgien, Holland und Nordfrankreich, wo er sich auch jetzt, 
vielleicht mit Ausnahme des östlichen Teiles von Holland und 
Belgien, noch nicht angesiedelt hat. Erst 1905 wurde der Schwarz- 
specht in Westfalen als Brutvogel festgestellt. Das erste Beleg- 
stück für das Vorkommen dieses Vogels überhaupt wurde in 
Westfalen am 21. Januar 1895 bei Surenburg erlegt. Im De- 
zember 1903 wurden Schwarzspechte in der Nähe von Rheine an 
den Ufern der Ems beobachtet. Kurz darauf beobachtete Herr 
Imming einen Schwarzspecht bei Bernte im Kreise Lingen, und 



Studien zur Avifauna der Emslande. 17 

im Herbst 1909 erzählte mir ein Forstbeamter, dafs Schwarz- 
spechte im Beutheimer Walde, also dicht an der holländischen 
Grenze, genistet hätten; leider vergafs ich, mich nach der Jahreszahl 
zu erkundigen. Immer häufiger scheinen auch jetzt die Emslande 
von umherstreichenden Schwarzspechten aufgesucht zu werden, 
denn Fischmeister Schimmöller in Geeste hat die Vögel ver- 
schiedentlich an den Bäumen der Landstrafse von Lingen nach 
Meppen beobachtet. In der Nähe dieser Landstrafse hörte ich 
am 29. August 1910, als ich dort jagte, zum ersten mal in diesem 
Gebiet den mir aus den märkischen Wäldern wohlbekannten Ruf 
des Schwarzspechtes. Leicht konnte ich mich anpirschen und 
beobachtete nun längere Zeit vier Schwarzspechte, die eifrig an 
einigen mittelgrofsen Kiefern nach Nahrung suchten. Die Vögel 
waren wenig scheu und liefsen mich bis auf 40 Schritt heran- 
kommen, um dann ein kurzes Stückchen weiter zu fliegen. 
Mindestens acht Häher folgten laut lärmend den Spechten, und 
auch zwei Grünspechte schlössen sich ihnen an." Nachträglich 
erfuhr ich noch, dafs D. martius in den letzten Jahren häufig 
im Winter im Pollersande bei Lingen, ferner bei Meppen, von 
verschiedenen Beobachtern und bei Haselünne gefunden sei, und 
dafs ein Tier vor einigen Jahren bei Rottum erlegt worden ist. 
Das Exemplar befindet sich in Privatbesitz in Lingen. Nach 
Bödiker wurden Schwarzspechte im Spätherbst 1910 bei Varloh 
gesehen. Besonders interessant war mir aber eine Mitteilung von 
Tegeder, der mir am 30. X. 1910 schrieb: „Der Schwarzspecht 
hält sich in Gleesen seit 5—6 Jahren auf, früher wurde er nie 
dort gesehen. Im Jahre 1910 ist sogar im Gleesener Busch ein 
Gelege ausgekommen. Neulich habe ich bei meinem Urlaube 
dort mehrfach solche beobachtet, hätte auch solche schiefsen 
können, was aber selbstverständlich unterblieb, da ich vor zwei 
Jahren bereits ein Exemplar von dort erhielt." Schliefslich 
schrieb mir Schöningh, dafs 1910 zum ersten Male an der Radde 
bei Meppen in alten Buchen der Schwarzspecht als Brutvogel von 
ihm beobachtet sei. In allen drei Kreisen ist unser Vogel also 
in letzter Zeit brütend angetroffen worden und so hat sich vor 
unsern Augen eine Art ein neues Gebiet erobert, eine Art, die 
dort sicherlich nach wenigen Jahren ein allbekannter Brutvogel 
sein wird. — 

Famile: AIcedinidae. 
122. Alcedo ispida L. — Eisvogel. 

An der Ems hat A. ispida in den allerletzten Jahren stark 
abgenommen, noch bis 1908 war er dort sehr häufig. Ich fand 
verschiedentlich Nester und erhielt junge Vögel. Eine Nisthöhle 
befand sich 1907 gerade an der Emsbrücke zu Lingen, wo man 
die Alten trefflich beobachten konnte. In Geeste an den Karpfen- 
teichen hat er ebenfalls gebrütet, und man konnte dort noch 

Journ. f. Orn. LX. Jahrg. Januar 1912. 2 



18 Dr. Erwin Detmers: 

1909 und 1910 im Herbst häufig Eisvögel an den Zuliufsgräben 
sehen. Schimmöller besitzt ein dort geschossenes Exemplar. Bei 
Meppen an der Radde brütet der Eisvogel ebenfalls nach 
Schöningh. An der Vechte tritt er bedeutend seltener auf als 
an der Ems. In der Fischbrutanstalt bei Lingen wurden viele 
der schönen Vögel in Schnappfallen gefangen. Bodemann (46, 
1888) nennt ihn 1886 ziemlich seltenen Standvogel bei Haselünne. 
Ich sah A. ispida ferner an verschiedenen kleineren Gräben und 
Bächen, so an den Verbindungsgräben zwischen Ems und Dort- 
mundemskanal. — In allen Nachbargebieten Brutvogel. — Ceryle 
alcyon wurde einmal in Holland erlegt. — 

Familie: Meropidae. 
Merops apiaster L. — Bienenfresser. 

In den Nachbargebieten ganz vereinzelt erlegt worden, so 
in Westfalen dreimal und in Oldenburg von drei Tieren zwei 
Exemplare und einmal in Holland. 

Familie: Coraciidae. 
123. Coracias garrulus L. — Blaurake. 

Ein Exemplar dieses schönen Vogels sah ich in der ersten 
Septemberwoche 1908 vor dem Laden eines Wildhändlers in 
Lingen hängen. Das Tier war leider sehr zerrupft und deshalb 
zur Präparation untauglich. Nach meinen Erkundigungen war 
es bei Hohen-Darme erlegt worden. Nach Tegeder wurde einmal 
vor Jahren eine Blaurake von seinem Vater geschossen; aber 
leider war das Tier so zerschossen, dafs es nicht präpariert 
werden konnte. — In Westfalen war C. garrulus noch in der 
Mitte des vorigen Jahrhunderts Brutvogel und hat gleich an der 
Grenze unseres Gebietes bei Rheine nach Westhoff (130.) bis 
1823 gebrütet, ebenfalls brütete ein Pärchen bis Anfang der 
70er Jahre in Oldenburg, sonst überall nur ganz vereinzelter 
Durchzugsvogel, der nach Löus (76.) in Nordwest-Deutschland 
bis auf ein oder zwei Pärchen im Kreise Hameln ausgerottet ist, 

Familie: Upupidae. 
124. Vpupa epops L. — Wiedehopf. 

Der Vogel ist im ganzen Gebiet nur selten und sein Bestand 
nimmt immer mehr ab. Eine Reihe von Brutplätzen, die zum 
Teil noch jetzt besetzt sind, habe ich ausfindig gemacht. Ich 
erhielt im Sommer 1906 zwei Nestjunge aus der Nähe von 
Altenlingen. Nach Nordhoff brütet er ganz vereinzelt bei Engden, 
Tegeder schreibt mir über sein Vorkommen in Gleesen, dafs dort 
noch ein Pärchen niste, während er früher zahlreicher gewesen 



Stadien zur Avifauna der Emslaode. 19 

sei, bis ihm z. T. die Nistgelegenheiten durch die Grenzregulierung 
mit Stacheldraht genommen wurden nach Abschlag der herrlichen 
alten Eichen- und Weidenstubben. Bödiker nennt ihn für Haselünne 
selten und beobachtete einmal eine ganze Wiedehopffamilie in 
Rumps Kamp. Bodemann hörte ihn 1886 zum ersten Male am 

23. IV. bei Haselünne. Um Meppen herum verschwindet V. epops 
nach Schöningh immer mehr, im Schwefinger Holz gab es, und 
gibt es wohl noch brütende Pärchen nach Behnes. In der Samm- 
lung Lichte steht ein bei Nordhorn geschossenes Exemplar, ebenso 
besitzt das Meppener Gymnasium ein Tier, doch ohne Fundorts- 
angabe. Überall in den Nachbargebieten selten. 

Familie: Caprimulgidae. 
125. Caprimulgus europaeus L. — Ziegenmelker. 

Die Nachtschwalbe kommt im ganzen Gebiet bald als ver- 
einzelter, bald als häufiger Brutvogel vor. Ihr Bestand scheint 
sich auf derselben Höhe zu halten, in einigen Gegenden ist er 
sogar im Steigen begriffen; so schreibt mir Schöningh, dafs sie 
bei Meppen zunehme. Ich erhielt 1906 ein Gelege aus der 
näheren Umgebung von Lingen, beobachtete den Vogel alljährlich 
in der Gemeinde Biene an derselben Stelle, wo eine Kiefern- 
schonung an einen älteren Bestand stöfst, so 1909 am 13, IX. 
und 1910 am 26. VIII. Bodemann (46, 1888.) aus Haselünne 
schreibt 1886: „Die ersten gesehen am 5. V., die letzten am 

24. VIII." Bödiker bemerkte C. europaeus verschiedentlich in 
der Umgebung von Haselünne und erhielt ein Exemplar von 
Bawinkel. In den Nachbargebieten keineswegs selten. 

Familie: Macropterygidae. 
126. Apus apus (L.) — Mauersegler. 

Während die Schwalben an Individuenzahl zurückgehen, 
nehmen die Segler fast überall im Bestände zu. In Lingen ist 
ihre Zahl sehr angewachsen in den letzten Jahren. Interessante 
Brutplätze der Segler befanden sich unter der alten, jetzt ab- 
gerissenen Emsbrücke bei Schepsdorf. Ihre Ankunfts- und Abzugs- 
zeit ist dieselbe wie im übrigen Norddeutschland. — 

Apus nielba wurde nach le Roi (105.) einmal 1907 in 
der Rheinprovinz erlegt. 

Familie: Hirundinidae. 
127. Hirundo rustica L. — Rauchschwalbe. 

Der Bestand dieser Schwalbe hat am wenigsten abgenommen 
und scheint sich auch ferner zu halten, da sie in den Bauernhäusern 

2* 



20 Dr. Erwin Detmers: 

und -Scheunen ein gern gesehener und regelmäfsiger Gast ist. 
Die Schwalben scheinen häufig drei Brüten zu machen, denn 
1910 traf ich noch in der zweiten Hälfte des Septembers in 
Biene Junge in den Nestern. 1910 kamen die ersten Rauch- 
schwalben, die ich in Haselünne sah, am 14. oder in der Nacht 
vom 13. auf den 14. April dort an, am 13. herrschte bei West- 
wind am^ Tage klares Wetter. Bodemann (46, 1887.) schreibt 
1885 aus Haselünne: ,,ürhica und rustica, die ersten 14. IV., 
Hauptzug 21. IV., Abzug 7. X." P. Hens meldete mir als Ankunfts- 
tag von H. rustica in Koermond (Holland) den 13. April. Über 
den Bestand an Schwalben einer Gegend kann man sich kurz 
vor deren Abzug einen Begriff machen. So schrieb mir Bödiker: 
„Am 13. IX. 1905, als die Schwalben sich zum Wegzug rüsteten, 
sah ich ca. 180 auf einem Telegraphendraht bei Haselünne sitzen, 
ferner 120 auf dem Dache eines Hauses und 100 auf den Steig- 
tritten eines hohen Fabrikschornsteins." 

128. Jtiparia riparia (L.) — Uferschwalbe. 

Wo nur die sandigen Emsufer jäh und unbewachsen abfielen, 
konnte man in früheren Jahren darauf rechnen, eine mehr oder 
weniger grofse Kolonie der Uferschwalbe zu finden. Mir waren 
solche bei Reitlage und Wachendorf, ferner in einiger Entfernung 
rechts und links von der Emsbrücke bei Schepsdorf und zwischen 
Haneken und Polle bekannt. Diese Kolonien sind nur zum Teil 
noch besetzt, denn oft wurden die gesamten Nester einer Kolonie 
von mutwilligen Buben an einem Nachmittag zerstört. In der 
Nähe von Meppen hat B. riparia nach Schöningh ebenfalls sehr 
abgenommen. Bödiker berichtet mir ausführlich über den Ufer- 
schwalbenbestand au der Hase bei Haselünne: „In meinen Jugend- 
jahren gab es hier am hohen Haseufer 3 Kolonien, die sämtlich 
verschwunden sind. 1909 hatten sich etwa je 6 Paare beim 
Judenkirchhof und auf dem Bramland, wo infolge des Sandgrabens 
hohe Ufer entstanden waren, wieder angesiedelt. 1910 habe ich 
wiederum eine kleine Kolonie am Haseufer entdeckt." Bodemann 
(46, 1888.) schreibt 1886, dafs es bei Haselünne mehrere Kolonien 
gebe, die gröfsten aus ca. 40 Paaren bestehend. 

129. Delichon urbica (L.) — Mehlschwalbe. 

In Lingen war D. urhica in früheren Jahren ein häufiger 
Brutvogel, aber jetzt finden sich nur noch ganz wenige Nester. 
Ebenso geht es auch mit dem Mehlschwalbenbestande in anderen 
Gegenden und diese Tatsache erweckte vor einigen Jahren in 
ornithologischen Zeitschriften einen heftigen Meinungsaustausch 
über die Gründe des Verschwindens von B. urbica. Ich schrieb 
über die Mehlschwalben in und um Lingen a. d. Ems in No. 8, 
1908, der Zeitschr. f. Ool. und Orn., und legte klar, dafs diese 
sich von der Stadt auf das Land verzogen hätten, wo sie geeignete 



Studien zur Avifauna der Emslande. 21 

Häuser, hauptsächlich Bahnwärterhäuser, Landhäuser, nicht die 
Häuser der Bauern wegen ihrer für die Nestanlage ungünstigen 
Bauart, zum Nistplatz wählen. Dort hat sie Baumaterial und 
ein vorzügliches Jagdgebiet. A.n einem Bahnwärterhäuschen in 
Geeste klebten 95 besetzte Nester 1908, und als ich den Bahn- 
wärter am 14. August aufsuchte, kam gerade die zweite Brut aus 
und wenn die geschäftigten Alten zur Fütterung ins Nest flogen, 
folgten ihnen die Jungen der ersten Brut und suchten mit ein- 
zudringen. 1907 war das Landhaus eines mir bekannten Herrn 
im Bienerfeld so dicht mit Schwalbennestern verpappt, dafs der 
ganze Wein am Hause verdarb, und man kaum unbeschmutzt 
ins Haus gehen konnte. 1908 wurden dort die Nester über der 
Tür und dem Wein zerstört, worauf die Schwalben in Scheunen 
und Ställe übersiedelten. 1910 hatte der Schwalbenbestand 
bedeutend abgenommen. — Ich sah bei schlechtem Wetter die 
Schwalben unter Bäumen oder dicht über dem Wasserspiegel 
des Kanals jagen, dort flogen sie so, dafs sie das Rohr mit dem 
Flügel streiften, wobei sie Mücken und Insekten abstiefsen, die sie 
dann rüttelnd auffingen. Verschiedentlich habe ich ferner Heid- 
schnuckenheerden gesehen, welche von einer ganzen Schwalben- 
wolke umgeben waren, die dort Fliegen und Mücken wegfingen. 
Nach Bödiker sind die Mehlschwalbeu bei Haselüuue weniger 
häufig als H. rustica. Bödiker zählte an einem Hause in der 
Nähe von Haselünne 1910 36 Nester. Mit dem Nest herunter- 
gefallene junge Mehlschwalben wurden von Rauchschwalben, in 
deren Nest man sie setzte, aufgezogen. 

Familie: Bombycillidae. 
130. Bombycilla garrula (L.) — Seidenschwanz. 

Periodenweise erscheinen diese nordischen Gäste und dann 
oft in grofser Zahl. Da sie wenig scheu sind, lassen sie den 
Beobachter nahe an sich herankommen und werden auch häufig 
erlegt. Am 7. II. 07 erhielt ich zwei Exemplare, die Graf M. v. 
Galen bei Beversundern geschossen hatte. Schöningh traf sie in 
manchen Jahren massenhaft, es wurden dann viele Tiere lebend 
gefangen, andere hingen in den Dohnen. Im Kloster zu Hase- 
lünne steht ein dort erlegtes Exemplar. In früheren strengen 
Wintern erhielten die Wildhändler oft grofse Mengen der schönen 
Vögel, die unbenutzt alle verkamen. In den Nachbargebieten 
trat er ebenfalls nur periodenweise auf. 

Familie: Muscicapidae. 
131. Muscicapa grisola L. — Grauer Fliegenschnäpper. 

Häufiger Brutvogel im ganzen Gebiete, der in den ersten 
Tagen des Mai zu erscheinen pflegt und überall an Häusern, 



22 Dr. Erwin Detmers: 

die mit wildem und zahmen Wein bewachsen sind, brütet. 1910 
notierte ich den letzten Herbstdurchzügler am 22. IX. 

132. Muscicapa atricapilla L. — Trauerfliegenschnäpper. 

In der ersten Hälfte des Mai kann man regelmäfsig im 
ganzen Gebiete Durchzügler antreffen, die oft mehrere Tage an 
demselben Platze verweilen. Brutvogel aber ist M. atricapilla 
nur sehr vereinzelt und im ganzen Gebiete zerstreut, so z. B. 
bei Salzbergen, Nordhorn, ein Pärchen traf ich 1908 in Biener- 
busch, Tegeder beobachtete und erlegte ihn (1902) bei Lengerich 
und sah 1904 Ende Mai ein Pärchen an einem Bache im Gleesener 
Busch, Behnes hat ihn wiederholt bei Meppen beobachtet und 
Bödiker nennt ihn als Durchzügler im Mai für Haselünne. Nach 
Wigger brütet er häufig in der Nachbarschaft unseres Gebietes 
bei Weibergen, aus den andern Nachbargebieten wird er bald 
als Brutvogel, bald als Durchzügler genannt, in Oldenburg kannte 
Wiepken (129.) nur zwei sichere Brutplätze. 

Muscicapa parva Bebst. — Zwergfliegenschnäpper, 

Nach Seemann (117.) beobachtete v. Wacquant im Hörner 
Bruch bei Osnabrück im Sommer 1884 zwei Paare des seltenen 
Vögelchens, und Löns sah im Mai 1910 an zwei verschiedenen 
Stellen der Eilenriede bei der Stadt Hannover Zwergfliegen- 
schnäpper. In Holland wurde M. parva erst zweimal erlegt. 

Muscicapa coUaris Bebst. — Halsbandfliegenschnäpper. 

Wurde vereinzelt in Holland und Westfalen als Brutvogel 
nachgewiesen. — 

Familie: Laniidae. 

133. Lanius excubitor L. — Raubwürger. 

Nistet vereinzelt wahrscheinlich im ganzen Gebiet. 1905 
erhielt Hennemann ein ganzes Nest mit flüggen Jungen von Brög- 
bern. Ich traf L. excubitor zur Brutzeit in zwei Pärchen bei 
Geeste 1908, sah die Vögel im Herbst 1909 und 1910 dort wieder 
sogar auf demselben abgestorbenen Standbaum, von wo aus sie 
Beute machten. Am 1. IX. 09 stiefs in Geeste ein Würger ver- 
gebens auf einen fliegenden Pieper. Nach Schöningh nimmt sein 
Bestand bei Meppen sehr zu. Kreymborg schrieb über L. ex- 
cubitor aus der Umgebung von Haselünne: ,,Der Raubwürger hat 
verschiedentlich in der Male gebrütet. Ich beobachtete ihn 
Pfingsten 1909 bei den Hammer Kiefern. Ebenso Pfingsten 1908 
in Eltern, wo er nach Aussage des Jagdpächters jedes Jahr in 
mehreren Paaren brütet." Nach Bödiker nistet er bei Haselünne, 
ferner in „Lütken Feld" und Lägefeld," in einsamer Gegend. 



Studien zur Avifauna der Emslande. 23 

Ein bei Frenswegen erbeutetes Exemplar besitzt Lichte. — L. 
excuhitor maior erhielt Koch (123.) mehrfach aus Westfalen, eben- 
so wurde er verschiedentlich in der Lüneburger Heide erlegt, 
dürfte deshalb auch bei uns durchziehen. 

134. Lantus collurio L. — Rotrückiger Würger. 

Der Bestand von L. collurio hat im Münsterlande an Zahl 
bedeutend abgenommen, jedoch ist der Vogel bei uns noch über- 
all häufig. Ich fand verchiedentlich Nester in der Umgebung 
Lingens und beobachtete viele Neuntöter auf den Telephon- und 
Telegraphendrähten. Bödiker fand Nester in Wachholdersträuchern 
und Wallhecken bei Haselünne, wo er nach Kreymborg auf der 
Kuhweide so gemein ist, dafs dieser im Herbst 1908 in acht Tagen 
16 Stück mit einer gezogenen 6 mm Pistole erlegen konnte. 
Kreymborg fand verschiedentlich Nester mit Eiern und Jungen 
und in der Nähe eines Nestes vier aufgespiefste junge Goldammern. 

135. Lantus Senator L. — Rotköpfiger Würger. 

L. Senator ist höchst wahrscheinlich, wenn auch ganz ver- 
einzelt, Brutvogel, denn ich habe ein Pärchen Anfang Juni oder 
Ende Mai 1908 beim Haneken beobachtet, und aufserdem ist er 
gerade jenseits der Grenze unseres Gebietes bei Rheine und nach 
Wigger bei Weibergen brütend gefunden worden. Lichte besitzt 
ein bei Frenswegen geschossenes Exemplar. Auf dem Zuge sah 
ich L. Senator erst zweimal, einmal bei Lohne und einmal bei 
Altenlingen, im Anfang der zweiten Hälfte des Aprils 1910. In 
den Nachbargebieten fehlender oder nur vereinzelter Brutvogel. 

Lantus mtnor Gm. — Grauer Würger. 

2 Gelege aus der Lüneburger Heide befinden sich in Pralles 
Sammlung im Römermuseum zu Hildesheim (67.). Wemer fand 
1905 ein Nest bei Wolbeck in Westfalen, wo er vorher erst ein- 
mal erlegt worden war. Im Rheinlande ist er sehr seltener 
Brutvogel, in Holland wurde erst ein Exemplar erlegt. 

Familie : Corvidae. 
136. Corvus corax L. — Kolkrabe. 

Wie das Vordringen und Einrücken mancher Tierformen 
läfst sich bei C. corax das allmähliche und unvermeidliche Aus- 
sterben, des prächtigen Vogels, wie es zwar langsam, aber sicher 
vor sich geht, beobachten. In früheren Jahren mufs unser Vogel 
in einer Zahl vorgekommen sein, die man im Verhältnis zu seiner 
Gröfse und zu der Gröfse des Jagdgebietes, das er gebraucht, 
mit Recht „häufig" nennen darf. Während die andern Corviden 
sich allmählich die Oberhand über die Vogelfauna unserer Gegend 



24 Dr. Erwin Detmers: 

angeeignet haben, mufste dieser Vogel, der den andern Corviden 
an intellektueller Bildungsfähigkeit mehr als gleich kommt, aus 
verschiedenen Gründen zurückgehen. Vor allen Dingen war er 
den Menschen zu gefährlich als Jagd- und Kulturschädling und 
konnte sich aus diesem Grunde nicht, wie er es wohl in 
andern Ländern getan hat, an den Menschen und seine Kultur 
anpassen, da er daran von dem Menschen selbst gehindert wurde. 
Die Ausrottung wurde ferner noch erleichtert durch sein festes 
Hängen an dem einmal erwählten Brutplatze, und dadurch, dafs 
nur wenige Tiere auf einen grofsen Platz sich verteilen, weil sie 
ein grofses Jagdgebiet gebrauchen, wie es alle nicht vom Menschen 
direkt oder indirekt abhängigen Raubvögel nötig haben. — Zwei 
vor ungefähr 25 Jahren bei Lingen aus dem Horst gehobene 
Vögel lebten bis vor ganz kurzer Zeit in Lingen in der Gefangen- 
schaft. Nach Schöningh horstete der Rabe vor zehn Jahren im 
Rühlen Twist, von wo Schöningh ein junges Tier erhalten hat, 
und etwa zur selben Zeit befand sich, wie mir Behnes schrieb, 
ein Horst in den Varloher Tannen, nach Tegeders Mitteilung 
brüteten sie früher regelmäfsig in hohen Buchen im Kamp bei 
Gleesen, seitdem diese geschlagen sind, ist der stattliche Vogel 
verschwunden. Wie mir Lichte schrieb hat bei Nordhorn ein Kolk- 
rabenpärchen lange gehorstet. Lichte hat ein Tier abgeschossen, 
das in seiner Sammlung steht, und nach einigen Tagen hatte der 
überlebende Teil schon einen Genossen gefunden. Da die Vögel 
hier immer gestört wurden, zogen sie nach üelsen, wo sie noch 
brüten sollen. Um 1900 brütete ein Pärchen, wie mir Bolle mit- 
teilte, zwischen Hertum und Malle. Über den Kolkraben ver- 
danke ich Kreymborg folgende Mitteilungen, die mir von Bödiker 
bestätigt wurden: „Im April 1868 entdeckte Herr Bödiker aus 
Haselünne als Knabe auf einer sehr hohen Kiefer in den 
Hörener Tannen bei Haselünne den Horst eines Kolkraben. Er 
erstieg den Baum und entnahm dem Horste drei Eier, deren 
eines Herr B. noch jetzt ausgeblasen besitzt. In den vielleicht 
mehr als 100 Jahre alten Kiefern waren schon viele Jahre vor- 
her Nägel eingeschlagen, um zu dem Rabenhorste zu gelangen. 
Leider fiel der gröfste Teil der Hörener Tannen dem furchtbaren 
Orkan von 7. XII. 1868 zum Opfer, und damit verschwand wieder 
eine uralte Horststätte des Kolkraben. Dann hat Herr B. vor 
1900 verschiedentlich im Frühjahr kreisende Rabenpaare beob- 
achtet und die typischen Rufe vernommen. Das letzte Mal beob- 
achtete er einen einzelneu Raben im Jahre 1899. Herr B. hatte 
am Tage vorher einen Hasen angeflickt und konnte diesen nicht 
finden. Am folgenden Tage stieg in der Nähe der Stelle, wo der 
Schufs gefallen war, ein Rabe auf und Herr B. fand dort den 
gesuchten Hasen." Schliefslich wurde bei Haselünne nach Bödiker 
vor einiger Zeit von einem Förster ein Rabe erlegt. Den oben 
erwähnten alten Horstbaum bei Haselünne, in dem Nägel zum 
besseren Besteigen des Horstbaumes geschlagen waren, finde ich 



Studien zur Avifauna der Emslande. 25 

im Journ. f. Orn. 1888, p. 429 ohne Nennung des Beobachters 
beschrieben. Bodemann (46.) nennt C. corax 1886 nicht häufigen 
Standvogel bei Haselünne. Vor zwei bis drei Jahren wurde dem 
Meppener Gymnasium ein Rabengelege eingeliefert, das aus der 
dortigen Gegend stammte, doch ist die Möglichkeit vorhanden, 
dafs dieses Gelege in dem benachbarten Hümmling gefunden 
worden ist, wo C. corax noch jetzt brütet. Das Meppener Gym- 
nasium besitzt ferner ein präpariertes Exemplar, aber leider auch 
ohne Fundortsangabe. Ich selbst habe C. corax nur einmal in 
den Baccumer Forsten im April oder Mai 1907 gehört, dort hatte 
er nach Aussage des Försters auch gebrütet und die Jungen 
glücklich hochgebracht. In demselben Jahre horstete er im Poller- 
sande, doch wurden die Vögel damals gestört und hatten in den 
letzten Jahren nach Aussage des Försters nicht mehr dort ge- 
nistet. — In allen Nachbargebieten nur vereinzelter Brutvogel. — 

137. Corvus corone L. — Rabenkrähe. 

Mit Recht glaube ich behaupten zu können, dafs in unserer 
Zeit kein anderer Vogel imstande ist, in dem Mafse faunistisch 
zerstörend aufzutreten wie die Krähe. In wunderbarer Weise an 
die Kultur angepafst, hat sie sich überall eingedrängt; in der Nähe 
der Dörfer, der Felder und in den Anlagen nistet sie, und selbst 
draufsen im Moore in 3 m hohen Krüppelkiefern fand ich ihr 
Nest. Nicht nur das Plündern der Starkästen oder Ausrauben 
kleiner Vogelnester in Anlagen macht sie zu dem riesigen Schädling, 
sondern hauptsächlich das systematische Plündern der Moor- und 
Wasservögelgelege. Wie furchtbar ein Pärchen schaden kann, 
davon macht sich nur der einen Begriff, der gesehen hat, wie 
morgens in aller Frühe die schwarzen Gesellen hinausziehen und 
gemeinsam die Moore absuchen. Ein auf dem Felde arbeitender 
Mann zeigte mir ein Krähenpärchen, das in der Zeit von einer 
halben Stunde vier oder fünf Kiebitzgelege geplündert hatte. Als 
Allesfresser stellen sie sich auch sofort ein, wenn Teiche zum 
Abfischen abgelassen werden, so z. B. in Geeste in riesigen Scharen. 
Ein Einschränken des Kiähenbestandes ist deshalb nötig, aber 
man braucht nicht zu fürchten, dafs man den Charaktervogel 
unserer Zeit vernichten kann, der noch als einer der in Gewohn- 
heiten am modulationsfähigsten Vögel, Charaktervogel des Kultur- 
landes in Zukunft, mehr als er es jetzt schon ist, werden wird. — 
Die frühsten Gelege fand ich Ende März, so 1907 am 27. III. 
Über die Zug- oder Strichgewohnheiten von Corvus corone ist noch 
wenig bekannt und kann erst durch Ringversuche Klarheit geschaffen 
werden. 

138. Corvus cornix L. — Nebelkrähe. 

Ganz vereinzelt hat wohl einmal ein Pärchen Nebelkrähen, 
häufiger C. cornix mit C. corone gepaart in Westfalen (1865), im 
Rheinland (1903), in Holland und Oldenburg genistet und auch 



26 Dr. Erwin Detmers: 

in unserm Gebiet beobachtete Bödiker im Sommer 1868 einige 
Nebelkräheu bei Haselünne und ebenso wurden in einem andern 
Sommer, leider ohne Jahresangabe, nach Bödiker einige Nebel- 
krähen in Hamm bei Haselünne gesehen, die sich dort längere 
Zeit hielten. Auf dem Durchzuge sind die Winterkrähen ungemein 
häufig. 1909 beobachtete ich die ersten C. cornix am 14. X. bei 
W.-Wind und heftigem Regen in Geeste, P. Hens sah in Swalmen 
(Holland, Limburg) die ersten Durchzügler am 18. X. bei SW.- 
Wind und schönem Wetter und Leege erscheinen auf den ost- 
friesischen Inseln die ersten Krähen aus NNO. am 10. oder 11. X. 
Die Zugrichtung dieser ersten Krähen ist fast stets von NNO. 
nach SSW., sie kommen übers Meer von Skandinavien, gebrauchen 
für die Reise von Juist, Borkum über unser Gebiet nach Swalmen 
in Holland (Richtung ist von NNO.— SSW.) ungefähr acht Tage. 
Im Herbst 1910 glaubte ich eine einzelne Krähe schon am 13 X. 
bei Haren zu sehen, aber sicher sah ich erst wieder, wie 1909 
am 14. X. ungeheure Schwärme bei heftigem NNO. in SSW.- 
Richtung ziemlich niedrig über Biene hinstrichen. Die Krähen 
ziehen hier in grofsen Schwärmen oder einzeln durch, und dann 
vereinigen sie sich abends oder zum Futtersuchen in günstigem 
Gelände wieder. Bastarde habe ich noch nicht mit Sicherheit 
feststellen können. 

139. Corvus frugilegus L. — Saatkrähe. 

Aus unserem Gebiet wurden mir aus der Grafschaft Bent- 
heim einige kleinere Kolonien genannt, ferner gibt Bödiker an, 
dafs in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Kolonie 
bei Lahren sich befand, und Bodemann (46, 1888) schreibt 1886, 
dafs C. frugilegus vor Jahren Brutvogel bei Haselünne war. Die 
gröfste und bekannteste Kolonie aber war bis 1910 bei Lengerich. 
Rörig führt sie in seiner Arbeit: „Die Verbreitung der Saatkrähe 
in Deutschland 1900", unter den Kolonien von über 1000 Nestern 
an. Die Geschichte dieser Kolonie will ich hier kurz anführen, 
da sie ein lehrreiches Beispiel zu der Frage ist, ob die in gröfseren 
Gesellschaften zusammenlebenden Vögel in unserer Zeit noch 
Vorteile von dem Zusammenleben haben, oder ob ihnen seit der 
Ausbreitung des Menschen das Zusammenleben mehr Nachteile 
als Vorteile bietet. Tegeder schrieb mir über die Kolonie bei 
Lengerich : 

„Die Kolonie befindet sich etwa 300 ra vom Dorfe in dem 
Kiefernbestande des Gutes Lengerich (Eigentum des Grafen Droste- 
Vischering). Der verstorbene Lehrer Gröne sagte mir, dafs er 
in den 90er Jahren mehr als 1100 Nester gezählt habe. Im 
Jahre 1903 habe ich mehrere Male versucht, die Nester zu zählen, 
ich kam zu dem Resultate, dafs 820—850 Nester dort standen. 
Im Sommer 1904 habe ich in einem Somm.er dort 463 Krähen 
abgeschossen, meistens Junge, deren Mageninhalt durchweg aus 



Studien zar Avifauna der Emslande. 27 

allerlei Gewürm bestand." Über den Bestand 1910 hat Tegeder, 
der noch im September 1910 die Kolonie persönlich besucht hatte, 
Erkundigungen bei einem Bekannten in Lengerich eingezogen, 
der am 22. XL 1910 schrieb: „Soeben werden leider die letzten 
Bäume der Kolonie gefällt. In diesem Jahre sind bis 400 Nester 
im Busch gewesen, auf einem Baume allein 30 Stück, die in Etagen 
von 2 oder 3 Nestern übereinander gefunden wurden. Der Busch 
ist nun verschwunden, die Krähenjagd beendet." 

140. Cölaeus fnonedula (L.) — Dohle. 

An vielen Stellen unseres Gebietes ist C. monedula mehr 
oder weniger häufiger Brutvogel. In manchen Städten trat sie 
früher häufig auf und verschwand dann wieder. Nach meinen 
Erkundigungen scheinen die Dohlen in der hiesigen Gegend fast 
stets zu überwintern und die grofsen durchziehenden Scharen 
bestehen aus nordischen und östlichen Individuen. In Lingen 
war sie nach älteren Berichten häufiger Brutvogel, jetzt fehlt 
sie dort völlig. Nur am 5. Juni 1907 erhielt ich eine junge 
Dohle von Graf M. v. Galen aus Beversundern bei Lingen. Es 
hatte dort ein einzelnes Pärchen gebrütet, und ich erwähne diesen 
Fall besonders, weil es nach Naumann nicht vorkommen soll, 
dafs einzelne Pärchen für sich allein nisten. In der Grafschaft 
Bentheim brüten sie häufig, so fand ich sie in den hohlen Bäumen 
des Bentheimer Waldes und in Veldhausen. Kreymborg schrieb 
mir über die Dohlen zu Haselünne: „Vor längerer Zeit warf man 
vom Haselünner Kirchturm wohl Y2 Fuder Reisig, das die Dohlen 
zusammengeschleppt hatten, herunter aus wohlberechtigter Furcht 
vor Brandgefahr, denn im 17. Jahrhundert schlug der Blitz in 
den Meppener Kirchturm, setzte die vielen Dohlennester am Turm 
in Flammen, und die ganze Turmspitze geriet dadurch mit in 
Brand." In allen Nachbargebieten Brutvogel. 

141. Pica pica (L.) — Elster. 

Es gibt in unserer Gegend kaum eine charakteristischere 
und auffallendere Erscheinung in der Avifauna als P. pica, viel- 
leicht im Herbst G. glandarius ausgenommen. Fast jeder Bauern- 
hof hat sein Elsternnest, und sie dringen bis in die Anlagen der 
Städte vor. So nistete ein Pärchen Jahre lang vor und hinter 
unserem Hause in Lingen (17.), wo sie in jedem Jahre einen 
neuen Horst errichteten. Sogar bis ziemlich weit in die Moore 
wagen sie sich hinein, und im Ochsenbruch fand ich verschiedene 
Nester in Armhöhe in ganz niedrigen Krüppelkiefern. Obwohl 
sie zur Brutzeit in den frühen Morgenstunden sich plündernd in 
den Gärten umhertreiben, wirken sie doch faunistisch bei weitem 
nicht so schädigend wie die verwandten Krähen. Nur in wenigen 
Gegenden wird sie von den viel zu phlegmatischen Bauern ver- 
folgt, sogar in Dörfern, in denen ihr Ruf unheilbedeutend gilt, 



28 Dr. Erwin Deimers: 

läfst man sie ruhig gewähren ; häufiger plündern die Städter ihre 
Nester. Ihr Hauptfeind ist der Hühnerhabicht, der selbst aus 
der mit Dornen und Reisig überdeckten Burg die Jungen heraus- 
holt, denn ich fand verschiedentlich am Habichtshorst noch fast 
nackte junge Elstern vor. Als Kuriosum will ich erwähnen, dafs 
ich auch einmal einen oben nicht verdeckten Elsternbau mit 
Jungen gefunden habe. Im ganzen westlichen Deutschland und 
in Holland mehr oder weniger häufiger Brutvogel. 

142. Garrulus glandarius (L.) — Eichelheher. 
Mehr als irgend ein anderer Corvide an Bäume und schützen- 
des Buschwerk gebunden tritt die „Marklaue", wie G. glandarius 
in unserer Gegend genannt wird, überall häufig an allen ihm 
zusagenden Stellen auf und wird sogar brütend in der Stadt 
Lingen in geschützten Gärten gefunden. Soweit der Schutz der 
Bäume reicht, wagt er sich bis in die Moore hinaus. Als Brut- 
platz wählt er die verschiedensten Baumarten, denn ich fand 
ihn in Kiefern, Fichten, Eichen, Buchen, Trauerweiden und Vogel- 
beerbäumen brütend. In der Brutzeit und im Sommer wagt 
Cr. glandarius selten über gröfsere freie Strecken zu fliegen, aber 
im Herbst sieht man ihn häufig in mehr als Schufshöhe von 
einem Walde zum andern „zappeln", und wenn eine gröfsere 
Gesellschaft solch einen Überlandflug wagt, dann folgen sich die 
einzelnen Vögel in Abständen von 50 — 150 m, doch man wird 
sie nie in geschlossenem Zuge fliegen sehen. Der übergrofse 
Heherbestand wird durch Habicht und Sperber stark eingeschränkt. 
Dem Menschen entgeht der ziemlich versteckt nistende Vogel 
leicht, und wenige Jäger vergeuden einen Schufs Pulver an ihn. 
Der Kleinvogelwelt ist er zwar schädlich, aber längst nicht in 
dem Mafse, wie gewöhnlich angegeben wird. In der ornitholo- 
gischen Literatur wird der Heher meistens nicht als Zugvogel 
geführt, aber das geschieht sehr mit Unrecht, denn die grofsen 
Wanderungen, die er macht, kann man nicht mehr ein „Streichen" 
nennen. Zwar ist es möglich, dafs die heimischen Heher nicht 
wandern, oder dafs nur die jungen Tiere wandern, was sich eben 
einzig durch Beringungsversuche feststellen läfst. Jedoch mufs man 
geradezu blind sein, wenn man die grofsen Massen, die im Herbst 
durchkommen, nicht als Zugvögel erkennt, P. Hens schrieb mir, 
dafs im vorigen Jahre der Herbstzug in Roermond (Holland) am 
21. September eingesetzt habe, ich stellte 1910 den Beginn des 
Zuges am 17. oder 18. fest, am 20. war der Durchzug schon in 
vollem Gange, und die Landstrafse von Lingen nach Meppen 
wimmelte damals von Hebern. 

143. Nucifraga caryocatactes macrorhynchus Brehm — 
Langschnäbeliger Tannenheher. 
Periodenweise durchzieht die langschnäbelige B'orm dieses 
Hebers und dann ziemlich häutig unser Gebiet, doch werden in 



Studien zur Avifauua der Emslande. 29 

beinahe allen Jahren im Winter vereinzelte Individuen angetroffen. 
Nach Schöniugh zeigt er sich in manchen Jahren massenhaft auch 
im Moore in den Birkenalieen. Bodemann (46, 1889.) sah ihn 
1885 bei Haselünne und erlegte zwei Exemplare. Tegeder besitzt 
ein in Gleesen geschossenes Exemplar, Küfs schofs und beob- 
achtete Tanuenheher bei Biene, Imming bei Bernte, ein 1907 
erlegtes Tier besitzt das Lingener Gymnasium, einen Vogel ohne 
Fundortangabe besitzt das Meppener Gymnasium, ein bei Nord- 
horn erbeuteter Vogel findet sich in der Sammlung Lichte und 
schliefslich besitzt Nave (Lingen) einen 1907 oder 1908 dort 
erlegten Vogel. In den Nachbargebieten periodenweise auf- 
tretend. — 

Nucdfraga caryocatactes ist von Löns (71.) im Ober- 
harz brütend nachgewiesen worden. 

JPyrrhocorax graculus wurde zweimal in Holland erlegt 
und soll nach Pfannenschmidt (Gef. Welt, 1888) oft in Ostfries- 
land sogar in Scharen beobachtet und auch erlegt worden sein, 
da aber nirgends diese Beobachtung bestätigt wird, erscheint sie 
höchst zweifelhaft. 

Pyrrhocorax pyrrhocorax soll nach Pfannenschmidt 
ebenfalls in Ostfriesland vereinzelt unter Saatkrähen beobachtet 
sein, was schon eher möglich ist, da dieser Vogel in England 
brütet. 

Familie: Oriolidae. 

144. Oriolus oriolus (L.) — Pirol, 

Bei uns überall häufig, besonders in der Nähe baumreicher 
Dörfer. Nach Schöningh hat er bei Meppen sehr zugenommen. 

Familie: Sturnidae. 

145. Sturnus vulgaris (L.) — Star. 

Überall gemein und immer mehr in die Städte vordringend. 
In günstigen Jahren werden vereinzelt 2 Brüten gemacht. Im 
Sommer treiben sich auf den Weiden ungeheure Schwärme 
umher, sie mischen sich dort oft unter Krähen und Kiebitze. 
1907 trafen in Lingen die ersten Stare am 21. IL ein, 1908 am 
8. IL Einige überwintern aber nur in milden Wintern. 

Pastor roseus (L.) — Rosenstar. 

Wurde zweimal bei Münster 1876 („Gef. Welt" 1876) und 
verschiedentlich in Holland nachgewiesen, erschien einmal in 
einer Schar von 30—40 Stück im Rheinland. 



30 Dr. Erwin Detmers: 

Familie: Fringillidae. 

146. Passer domesticus (L.) — Haussperling. 

Überall sehr gemein. Im Winter wird der Bestand sehr 
durch Sperber gelichtet. 

147. Fasser montanus (L.) — Feldsperling. 
Ebenfalls sehr häufig, doch viel seltener als P. domesticus. 

Passer petronia wurde zweimal in Holland und einmal 
in Westfalen (1. V. 1906) bei Ahaus (123.) erlegt. 

148. Coccothraustes coccothraustes (L.) — Kernbeifser. 

Der Kernbeifser ist als Brutvogel sehr selten, konnte nur 
einmal von mir sicher brütend konstatiert werden. 1907 nistete 
ein Pärchen in einem Apfelbaume eines Gartens in Lingen. Das 
Nest ist leider zerstört worden. Ferner sah ich Pfingsten 1908 
einen Kernbeifser bei Bentheim, der dort wohl sicherlich gebrütet 
hat. Er tritt auch auf dem Zuge nur sehr vereinzelt auf, wurde 
früher ab und zu im Dohnenstieg gefangen. Ein bei Frenswegen 
erbeutetes Exemplar besitzt Lichte, ein bei Gleesen im Dohnen- 
stieg gefangenes Tier Tegeder. Brütet in allen Nachbargebieten 
nur ganz vereinzelt, oder fehlt als Brutvogel. Bei Osnabrück 
scheint er häufiger zu sein. (116.) 

149. JFringilla coelebs L. — Buchfink. 

Ungemein häufiger Brutvogel im ganzen Gebiet. Viele Finken 
überwintern, doch in den meisten Fällen alte Männchen. Der 
Herbstdurchzug begann 1909 am 23. IX., wo man einzelne 
Schwärme umherstreifen sah, setzte dann am 28. IX. bedeutend 
stärker ein und steigerte sich weiter im Oktober. Die grofsen 
Züge bestehen fast nur aus jungen Tieren und aus Weibchen. 
Auch im Frühjahr rücken die Finken getrennt wieder ein, so 
konstatierte ich am 8. IV. grofse Schwärme weiblicher Buchfinken. 

150. Fringüla montifringilla L. — Bergfink. 

Regelmäfsiger Herbst-, Winter- und Frühlingsgast, der bald 
in grofsen Mengen, bald nur vereinzelt erscheint. 1909 erschienen 
die ersten Durchzügler, die ich bei Lingen beobachtete, am 28. IX., 
während P. Hens diese schon am 21. IX. in dem weiter südlich 
in Holland gelegenen Roermond beobachtete. In der Zeit vom 
13. — 16. X. 09 erschienen die Bergfinken schon häufiger. Im 
Frühling 1910 sah ich die letzten Heimziehenden am 10. IV. bei 
sonnigem Wetter in der Schlips, Hens in Roermond die letzten 
ebenfalls am 10. IV. 1909/10 war ein sehr gutes Bergfinkenjahr, 



Studien zur Avifauna der Emslande. 31 

aber auch 1910/11 scheint es zu werden, denn Bödiker meldete 
mir aus Haselünne gröfsere Schwärme. 

151. Chloris chloris (L.) — Grünfink. 

Während der Grünfink in allen Nachbargebieten ein sehr 
häufiger Brutvogel ist, fehlt er seltsamerweise bei uns im Gebiet 
an manchen Stellen völlig und hat sich an andern Lokalitäten 
erst in jüngster Zeit angesiedelt. Aus Lingen sind mir nur 
zwei Fälle bekannt, dafs Ch. chloris in Gärten genistet hat. 
Schöningh schrieb mir: „In meinem Garten in Meppen brütet 
seit einigen Jahren der Grünling, der in Westfalen häufig ist, 
hier bis dahin kaum bekannt war." Tegeder berichtete: „Den 
Grünfink habe ich in Lengerich allenthalben gesehen, in Gleesen 
ist er dagegen nicht." Nach Bödiker ist er bei Haselünne selten, 
und sein Vorkommen dort ist erst seit einigen Jahren festgestellt 
worden. 1894 oder 95 überwinterten Grünfinken in Haselünne. 

152. Acanthis cannabina (L.) — Bluthänfling. 

Charaktervogel der mit Wacholdern besetzten Heiden, brütet 
aber auch überall anders, sogar mitten in den Städten in Gärten 
und Hecken. Streicht im Herbst in Scharen umher. 

153. Acanthis linaria (L.) — Birkenzeisig. 

Vielleicht erscheint A. linaria vereinzelt in allen Jahren 
im Winter, sein massenhaftes Auftreten aber ist sicherlich nur 
sehr periodisch. 1908 scheint er häufiger gewesen zu sein, denn 
damals habe ich ihn verschiedentlich in der Umgebung von Lingen 
beobachtet, wo auch Tiere gefangen wurden. 

A. linaria Jwlboelli ist wahrscheinlich nur übersehen 
worden, denn diese Form erscheint häufig auf den Nordseeinseln 
und in Holland, A. l. cabaref zieht ebenfalls durch Holland. 

Acanthis flavirostris (L.) — Berghänfling. 

In Holland und an der ostfriesischen Küste regelmäfsiger 
Wintergast. In Oldenburg seltener, in Westfalen und im Rhein- 
land sehr seltener Gast. Im kalten Winter 1906/07 erinnere ich 
mich, bei Reitlage verschiedentlich Trupps kleiner Vögel in den 
Wacholderbüschen gesehen zu haben, die ich damals nicht er- 
kannte. Ich halte es für sehr wohl möglich, dafs es sich um 
A. flavirostris gehandelt hat. 

154. Chrysomitris spinus (L.) — Erlenzeisig. 

Im Herbst und Winter erscheinen regelmäfsig grofse Flüge. 
Ich traf sie sogar weit draufsen in Krüppelkiefern im Moor. In 



32 Dr. Erwin Detmers: 

Westfalen und einigen Teilen Hollands ist er Brutvogel, hat ein- 
mal in Oldenburg und einmal gleich jenseits der Grenze unseres 
Gebietes bei Menslage gebrütet, 

CJi, citrinella wurde ganz vereinzelt im Rheinland erlegt 
und einmal auf Juist beobachtet. 

155. Carduelis carduelis (L.) — Stieglitz. 

Dieser Freund der Marsch und der Obstgärten ist in unserra 
ganzen Gebiet als Nistvogel eine höchst seltene Erscheinung, 
Bei Lingen brütet er nicht, ebenso fehlt er bei Meppen, wie 
Borgas an Löns berichtet. Über sein Vorkommen in der Graf- 
schaft Bentheim ist mir nichts Näheres bekannt. Tegeder schrieb 
mir, der Stieglitz brüte in Gleesen nicht, er habe aber Nester 
resp. Junge gefunden bei Lengerich, einmal im sogenannten „Weh", 
ein andermal auf der Berlage. Dies scheint der einzige isolierte 
Brutplatz in dem ganzen sandigen Gebiet zu sein. Auf dem 
Zuge erscheint er häufiger. Behnes beobachtete ihn und fing ihn 
verschiedentlich im Dohnenstiege bei Meppen, ich sah ihn bei 
Adorf, Schüttdorf und Grofs-Hesepe auf den Feldern. Möll- 
mann (87.) fand im benachbarten Artlande nur einmal sein Nest 
bei Osnabrück. 

Serinus canaria serinus (L.) — Girlitz. 

Noch ist der Girlitz nicht bei uns erschienen, aber er 
dürfte in den nächsten Jahren wahrscheinlich zu erwarten sein, 
da er seit 1903 in der Stadt Hannover brütet, da er ferner von 
Schacht (Orn. Monatsschr. 1906) als Brutvogel in Lippe fest- 
gestellt ist, und da er am 19. V. 1903 bei Warstein in Westfalen 
beobachtet wurde (Westf. Sektion 1903/04). Seemann (116.) be- 
richtet, dafs 1884 ein Pärchen Girlitze bei Osnabrück gebrütet 
hat, doch ist es sehr gut möglich, dafs dieses Pärchen nach 
Osnabrück von Braunschweig aus, wo Blasius 1883 40 Pärchen 
ausgesetzt hat, verflogen ist. Man sieht, wie schädlich für einen 
klaren Einblick in die Ausbreitung einer Art solche Experimente 
sein können. 

156. JPyrrhula pyrrhula europaea Vieill. — Gimpel. 

Breitet sich in den letzten Jahren sehr im ganzen Gebiet 
aus, fehlt aber jetzt noch an verschiedenen Plätzen. 1910 er- 
schien er nach Bödiker zuerst als Brutvogel in einem Pärchen 
bei Haselünne, und ein Pärchen nistete in einem etwas von der 
Stadt entfernt gelegenen Garten. Ständig kann man den Gimpel 
in mehreren Pärchen an der Biener Kanalbrücke, ferner in Biene 
und in Holthausen finden. Nach der Brutzeit schwärmen die 
Gimpel umher, und besonders die jungen Tiere dringen in die 



Studien zur Avifauna der Emslande. 33 

Gärten und sind dort immer in Vogelbeerbäumen anzutreffen, 
mir wurden 1909 verschiedentlich junge Tiere und Weibchen, 
die dort geschossen waren, gebracht. In den Dohnenstiegen 
fingen sich viele Tiere. 

157. JPyrrhula pyrrhula pyrrhula (L.) — Grofser Gimpel. 

Weihnachten 1908 schofs ich von drei grofsen Gimpeln ein 
Exemplar an der Landstrafse von Meppen nach Lingen in der 
Nähe der Geestener Karpfenteiche. Wie ich nachträglich von 
P. Hens hörte, war 1908 diese Art auf dem Zuge bei Roermond 
in Holland sehr gemein, während sie dort 1909/10 überhaupt 
nicht gesichtet wurde. Wahrscheinlich kommt sie häufiger auch 
in unserm Gebiet vor und ist nur übersehen worden. In Holland 
ist sie periodenweise sehr häufig, in Westfalen nach Koch (123.) 
sehr selten, im Rheinland noch nicht beobachtet. Doch, wenn 
sie in Holland oft gemein ist, mufs sie, um dorthin zu kommen, 
doch deutsches Gebiet durchstreifen. An der Küste erscheint 
F. pyrrhula nach Leege (58.) nicht auf dem Zuge. 

Pinicola enucleator (L.) — Hakengimpel. 
Dieser im westlichen Deutschland höchst seltene Vogel wurde 
im benachbarten Artlande bei Ankum 1889 in zwei Exemplaren 
erbeutet, aufserdem vor mehreren Jahren bei Stade (67.) gefangen 
und erst einmal in Holland erlegt, aufserdem wurden im Rhein- 
land mehrere Exemplare auf dem Vogelherd gefangen. Schöningh 
glaubt, dafs ihm vor vielen Jahren ein bei Meppen im Dohnen- 
stieg gefangenes Exemplar gebracht worden ist. 

Carpodacus erythrinus (Fall) — Karmingimpel. 
Wurde in Oldenburg (133.) 1876 beobachtet und einmal 
erlegt, ist in Holland sechsmal nachgewiesen. 

158. JLoxia curvirostra curvirostra L. — 

Fichtenkreuzschnabel. 
Ziemlich seltener Gast in unserer Gegend, aber in manchen 
Jahren zahlreich. 1909 sahen Botschen und ich am 12. IX. bei 
bedecktem Himmel und Ostwind auf der Landstrafse zwischen 
Leschede und Schüttdorf mehrere Kreuzschnäbel aus nächster 
Nähe, am folgenden Tage beobachteten wir zwei Kreuzschnäbel an 
der Landstrafse zwischen Biene und Geeste. Behnes hat in früheren 
Jahren den Kreuzschnabel bei Meppen im Herbst beobachtet und 
im Dohnenstieg gefangen. Nach Schöningh wurde er verschiedent- 
lich im Dohnenstieg erbeutet. Tegeder bemerkte einmal im Winter 
vor etwa 10 Jahren im Feldbrook bei Gleesen drei oder vier 
Tiere. Der Fichtenkreuzschnabel hat einmal in Holland gebrütet, 
wird auch, ohne genauere Angaben, als sparsamer Brutvogel 
Westfalens (123.) genannt. 

Jonm. f. Om. LX. Jahrg. Januar 1912. 3 



34: Dr. Erwin Detmers: 

Loxia curvirostra pityopsitacus Bebst. — 
Kiefernkreuzschnabel. 

Da der Kiefernkreuzschnabel mehrfach in Holland und ver- 
einzelt in Westfalen nachgewiesen ist, dürfte er auch unser Gebiet 
ab und zu besuchen. 

Loxia Mfasciata (Brehm.) — Bindenkreuzschnabel. 

Wurde im benachbarten Artlande von MöUmann (64.) einmal 
bei Ankum erbeutet und von Koch (123.) einmal bei Münster 
1889 erlegt. In Holland seltener Gast. 

159. Passerina nivalis (L.) — Schneearamer. 

Seltener und nur periodischer Wintergast. Tegeder erhielt 
ein bei Schüttorf lebend gefanges Tier im Herbst 1903, das er 
bis zum Juli 1904 im Flugbauer hielt, worauf er das ziemlich 
zahm gewordene Tier bei Lengerich fliegen liefs. 3 Wochen 
später traf er die jetzt völlig verwilderte Ammer bei Gersten 
wieder an. 1903 scheinen die Schneeammern häufiger erschienen 
zu sein, denn Wemer (123.) erlegte in diesem Jahre auch ein 
Tier im benachbarten Westfalen. In den Nachbargebieten seltener 
Gast, an den Küsten sehr häufig. 

Calearius lapponicus (L.) — Sporn am mer. 

Wurde einmal In Westfalen nachgewiesen, soll einmal bei 
Osnabrück (116.) beobachtet sein, in Holland erscheint sie in 
kleinen Trupps, Leege erbeutet sie ein einziges Mal auf Juist (58.). 

160. Mmberiza calandra L. — Grauammer. 

Wenn man die Angaben über die Grauammer in der nord- 
westdeutschen Literatur vergleicht, so scheint es, als wenn dieser 
Vogel von Osten her vorgedrungen sei und sich noch weiter nach 
Westen ausbreite. Aus Oldenburg und Ostfriesland wird er als 
häufig gemeldet, dasselbe gibt Seemann für Osnabrück (116.) an, 
V. Droste nennt ihn für das Münsterland nur bei Rheine gemein, 
bei Münster wurde er erst 1868 von Koch und Wigger (123.) als 
Brutvogel festgestellt, in Holland ist er nur aus wenigen Provinzen 
bekannt. In unserm Gebiet ist er keineswegs häufig, fehlt noch 
an manchen Orten ganz. Ich sah ihn bei Haren, Biene und Wiet- 
marschen. Nach Wigger ist er Brutvogel bei Engden, Tegeder 
gibt E. calandra als nicht häufigen Standvogel bei Gleesen an, 
wo er ein Nest in Tegeders Holtkamp fand und die Ammer im 
sog. Schliepstriet (Sommerland) sah. Nach Bufs brütet sie bei 
Meppen, Schöningh traf sie häufig im Moor und nach Bödiker 
ist die Grauammer selten bei Haselünne, wo sie in den letzten 
Jahren nicht mehr gesehen wurde. 



Studien zur Avifauna der Emslande. 35 

161. JEhriberiza citrinella L. — Goldammer. 

Einer der häufigsten Brutvögel im ganzen Gebiet, überall 
als „Gälgäusken" bekannt. Im Winter in den Städten. 

162. Emberi^a hortulana L. — Ortolan. 

Da dieser Vogel sich streng an bebautes Sandland hält, 
brütet er nur an manchen Stellen in den Niederlanden, und in Ost- 
friesland ist er bisher nicht nachgewiesen. Nach Altum (8.) stellte 
er sich im ebenen Münsterlande erst 1864 als Brutvogel ein 
und nistet auch jetzt nur stellenweise. MöUmann (87.) stellte ihn 
als Brutvogel für das Artland fest, und in Oldenburg brütet er 
nach Wiepken (129.) vereinzelt. Über sein Vorkommen in den 
unteren Emslanden ist mir nichts Näheres bekannt, doch da 
diese nach Holland zu allmählich in Marschland auslaufen, wird 
er hier wie in Ostfriesland fehlen. In unserm Gebiet ist er in 
dem Südzipfel an der westfälischen Grenze, z. B. bei Engden, 
nach Wigger keine Seltenheit, weiter nach Norden wurde er von 
mir nur zur Brutzeit bei Hohen-Darme beobachtet. Aufserdem 
sind mir keine Brutplätze in unserm Gebiet bekannt, und es ist 
möglich, dafs die Nordgrenze, wenigstens gegen das untere Ems- 
land und Ostfriesland, durch unser Gebiet verläuft. Auf dem 
Zuge erscheint er keineswegs häufig. 

163. Emberi^a schoeniclus (L.) — Rohrammer. 

An geeigneten Stellen ein recht häufiger Brutvogel, so z. B. 
in den Rohrbeständen am Dortmund-Emskanal, an der Ems, Hase 
und in Geeste. Bödiker fand in einem nassen Sommer das Nest 
von E. schoeniclus ziemlich weit vom nächsten Gewässer auf dem 
Boden im Gestrüpp eines hohen Kiefernwaldes. Der Beginn des 
Durchzuges im Herbst und Frühjahr ist schwer zu konstatieren, 
man trifft z. B. in Geeste nach der Brutzeit stets einzeln und 
familienweise umherschweifende Ammern, im September er- 
scheinen sie oft in gröfseren Schwärmen, und man kann selbst 
in den kältesten Wintern dort ständig eine Menge Rohrammern 
finden, doch kann ich nicht angeben, ob es sich um heimische 
Tiere oder um nördlichere Gäste handelt. 

Emberi^a cirlus L. — Zaunammer. 

Brütet im nordwestlichen Teile der Rheinprovinz, wurde 
einmal in mehreren Exemplaren in Westfalen beobachtet. (Westf. 
Sektion 1901/02) und vereinzelt in Holland erlegt. 

Emberi&a da brütet im Rheinland, wurde dreimal in 
Holland, E. rustica und E. aureola einmal in Holland, E. pusilla 
verschiedentlich dort erlegt. 



36 Dr. Erwin Detmers: 

Familie: Motacillidae. 
164. Anthtis pratensis (L.) — Wiesenpieper. 

Aus der Kleinvogelwelt gibt es keine Erscheinung, die 
charakteristischer für unsere Moore ist, als Ä. pratensis. Zwar 
wirkt der Steinschmätzer durch Gestalt, die Heidelerche durch 
Gesang auffallender, jedoch wenn wir die trockene Heide verlassen, 
verläfst uns erst die Lerche und dann der Schmcätzer, aber der 
kleine unscheinbare Pieper bleibt und scheint gerade das sumpfige 
Moorterrain am meisten zu lieben, und es kann vorkommen, dafs 
wir im weiten Moore keinen andern Genossen haben wie jhn. 
Von "Wigger wurde ich zuerst darauf aufmersam gemacht, dafs 
die Moorpieper anders gefärbt sind als die eigentlichen Wiesen- 
pieper, auch glaubt Wigger Unterschiede in den Lebensgewohn- 
heiten feststellen zu können. Wigger sandte mir Gelege und ein 
Exemplar des Piepers, das verglichen mit den Exemplaren des Ber- 
liner Museums auffallend dunkel war. Ich habe später in der 
„Wöste" mehrere Pieper Ende August geschossen, von denen 
einer fast schwarz war. Die Tiere standen gerade vor der Mauser 
und besafsen alle eine sehr dunkle Färbung. Diese schwarz- 
dunkle Färbung scheint aber nur eine rein sekundäre Erscheinung 
zu sein, bewirkt durch das Leben am moorigen Untergrunde, 
denn die weifsen Federfahnen am Schwänze waren sehr schmutzig 
gefärbt. Diese „künstliche" sympathische Färbung kommt den Pie- 
pern vortrefflich zu Gute. — 1909 verlief der Herbstzug viel grofs- 
artiger als 1910. Auf dem Zuge liegen die Pieper, wenn sie in der 
Heide rasten, auf ein sehr grofses Terrain verteilt. Gerät man in einen 
solchen Schwärm, so stehen die Vögel rings um den Beobachter 
in Abständen von wenigen Metern auf und fallen bald wieder ein. 
1909 waren die Heidestellen in Geeste zwischen den Teichen am 
27. IX. buchstäblich mit Piepern wie besät, es herrschte bei be- 
decktem Himmel ganz schwacher Nordwestwind. Ä. pratensis 
findet sich vereinzelt auch im Winter. 

165. Anthus trivialis (L.) — Baumpieper. 

Brütet überall häufig, besonders in Heiden mit vereinzelt 
stehenden Kiefern, oder wo Kiefern an Heide grenzen. 1910 
erschienen die Pieper schon sehr früh, denn ich sah die ersten 
zwischen Bernte und Elbergen am 12. IV. P. Hens beobachtete 
die ersten Pieper in Roermond (Holland) am 10. IV. Der Herbst- 
zug dauert von Ende August bis Oktober. 

166. Anthus campestris (L.) — Brachpieper. 

Es ist nicht ausgeschlossen, dafs dieser Pieper bei uns brütet, 
da er ganz vereinzelt in Westfalen nistet, auch in Hannover ist 
er nach einer mündlichen Mitteilung von Löns vor einigen Jahren 
einmal brütend gefunden; in Oldenburg ist er seit Mitte der 



Studien zur Avifauna der Emslande. 37 

70er Jahre seltener Brutvogel. In Holland brütet er häufiger. 
Auf dem Zuge habe ich diesen Pieper verschiedentlich gesehen, 
meistens in Geeste, dort schofs ich auch am 14. IX. 09 ein 
Belegexemplar aus einer gröfseren Gesellschaft. 

167. Anthus spinoletta (L.) — Wasserpieper. 

Erscheint wahrscheinlich regelmäfsig auf dem Durchzuge 
und im Winter. Bestimmt habe ich ihn nur einmal um Weih- 
nachten 1908 auf den Steinen unterhalb des Emswehres bei 
Haneken in wenigen Exemplaren gesehen. 1909 glaubte ich ihn 
schon im Oktober in Geeste zu beobachten, doch ist ein Irrtum 
leicht möglich. Im Rheinland und Westfalen erscheint er regel- 
mäfsig im Winter; Möllmann (87.) sah 1889 drei Exemplare bei 
Quakenbrück; aus Holland sind erst drei sichere Fälle des Vor- 
kommens bekannt ; an der Küste ist er sehr selten, dort erscheint 
Anthus spinnoleita Uttoralis sehr häufig. 

Anthus cervinus ist ein seltener Gast an der Küste. 

Anthus richardi wurde verschiedentlich an der Küste 
und in Holland erlegt. 

168. Motacilla alba L. ~ Weifse Bachstelze. 

Sehr gemein, brütet sehr gern auf hervorstehenden Balken- 
enden an den Wohnhäusern. „Wipp-" oder „Quäkstertken" vom 
Volke genannt. Vereinzelte überwintern. Hauptdurchzugsmouat 
im Herbst ist der September. 

169. Motacilla boarula L. — Graue Bachstelze. 
Trotz genauer Erkundigungen habe ich M. boarula noch 
nicht bestimmt brütend nachweisen können. Wigger zweifelt nicht, 
dafs sie in unserm Gebiet, besonders an der Vechte, wo Wasser altes 
Gemäuer umspült, Brutvogel ist, denn er wies sie brütend gleich 
jenseits der Grenzen unseres Gebietes schon 1886 bei Haus Well- 
bergen und an andern Plätzen an der Vechte nach. In Holland 
brütet sie jetzt auch schon an verschiedenen Stellen, Hens schrieb 
mir, dafs sie 1910 bei Roermond genistet habe, Löns hat die 
Ausbreitung der Gebirgsbachstelze in der Ebene von Hannover 
genau beschrieben (80. u. 82.). Auf dem Durchzuge erscheint 
sie häufig, man kann sie zur Zugzeit stets in den Geestener 
Teichanlagen finden. Der Hauptdurchzug findet im September 
und Oktober statt, aber auch im Winter 1908 beobachtete ich 
um Weihnachten zwei Exemplare. 

Motacilla lugubris Tem. — Trauerbachstelze. 
Erscheint wahrscheinlich bei uns auf dem Zuge. Auf den 
ostfriesischen Inseln ist sie regelmäfsiger Gast. Hat in der 



38 Dr. Erwin Detmers: 

Stadt Münster schon zweimal gebrütet, zuletzt 1900 nach Koch 
(123.), brütet auch vereinzelt in westlichen Holland. 

170. Buäytes flaviis (L.) — Kuhstelze. 

Kommt hauptsächlich auf Äckern ganz unabhängig vom 
Wasser vor, ist dort überall häufiger Brutvogel; folgt auch gern 
dem Vieh auf den Weiden. 

Budiftes melanocephaltis soll (?) durch Westfalen 
(123.) ziehen, wurde am 26. V. 05 von Leege auf Juist erlegt, 
JB. campesiris soll im Mai vereinzelt in Westfalen anzutrefien sein, 
wurde vereinzelt in Holland erlegt. Budytes horealis wurde 
häufiger in Holland gesehen, soll 'in Westfalen durchziehen und 
ist aus dem Rheinland bekannt. 

Familie: Alaudidae. 
171. Alauäa arvensis L. — Feldlerche. 

Überall sehr häufiger Vogel, der in manchen Jahren schon 
Anfang Februar, gewöhnlich aber in der ersten Märzhälfte 
erscheint. Fast allwinterlich trifft man einige zurückgebliebene 
Feldlerchen an. Die meisten ziehen im Oktober weg, doch sah 
ich 1909 und 1910 schon einige Scharen Ende August. 

172. Melanocoi'ypha calaiidra (L.) -- Kalanderlerche. 

Wie mir Tegeder mitteilte, wurde um 1894 (?) in Helte bei 
Meppen eine Kalenderlerche erlegt, von dem verstorbenen Orni- 
thologen Prof. Wenker in Meppen bestimmt und der Sammlung 
des dortigen Gymnasiums einverleibt. Üb es sich um einen Irr- 
gast oder um ein aus der Gefangenschaft entflohenes Tier handelte, 
kann ich nicht entscheiden. Äl. calandra ist einer der seltensten 
Gäste in Deutschland und wurde dreimal bei Brüssel nach Dubois 
(35.) erlegt. 

173. LuUvla arborea (L.) — Heidelerche. 

Eine der lieblichsten Erscheinungen unserer grofsen Heiden, 
wo sie aber nirgends grade häufig ist. Oft wird sie auch mit 
Änthus pratensis verwechselt. Ich hörte sie in der ersten April- 
hälfte im Ochsenbruch oft schon um vier Uhr morgens hoch in 
der Luft schlagen, in manchen Nächten singen sie auch die ganze 
Nacht hindurch. 

174. Galerida cristata (L.) — Haubenlerche. 

Wie Altum (3.) mitteilt, war die Haubenlerche noch um 
1840 im Münsterlande seltener Wintergast. Jetzt ist sie in West- 
falen und in unserm Gebiet beinahe überall eingebürgert, ja sie 



Studien zur Avifauna der Emslande. 39 

tritt an manchen Stellen ziemlich häufig auf. Verschiedentich 
habe ich die Beobachtung gemacht, dafs sofort, wenn an einer 
Stelle gebaut wird, sich dort einige Haubenlerchen einstellen, des- 
halb kann man sie am sichersten auf den Landstrafsen an der Peri- 
pherie der Städte, wo neue Häuser entstehen, antreffen. Im 
Winter und Herbst erscheinen häufig Haubenlerchen in den 
Städten. In Holland ist sie noch nicht überall Brutvogel. 

Eremophüa älpestris (L.) — Alpenlerche. 
Erscheint seit einigen Jahrzehnten regelmäfsig auf dem Zuge 
an den ostfriesischen Küsten, ist in Holland uuregelmäfsiger 
Wintergast und wurde zweimal in Westfalen beobachtet, tritt in 
Oldenburg selten auf. 

Familie: Certhiidae. 

175. CeHliia familiaris hrachydactyla Brehm — Kurz- 
zehiger Baumläufer. 

Da leider die Autoren in früherer Zeit keinen Unterschied 
zwischen C. fam. hrachydactyla und C. fam. familiaris gemacht 
haben, läfst sich über das Verbreitungsgebiet dieser beiden sehr 
verschiedenen Formen io Nordwestdeutschland noch wenig sagen. 
Ich habe Baumläufer sehr häufig in Nadel- und auch in Laub- 
waldungen angetroffen und davon einige erlegt, die alle zu C. 
hrachydactyla gehörten, doch ist die Möglichkeit, dafs C. fami- 
liaris ebenfalls bei uns brütet, nicht ausgeschlossen. Wenn je- 
doch Werner (123.) von C. familiaris schreibt: ,,In der ganzen Pro- 
vinz gemeiner Brutvogel", und von C. fam. hrachydactyla Koch 
ebendort angibt, „gehört gleichfalls der Provinz an", so dürften 
diese beiden Notizen umzustellen sein. Baron Snouckaert van 
Schauburg (111, und 112.) weist für Holland nur Certhia hrachy- 
dactyla nach. Im Rheinland kommen beide Formen vor, jedoch 
ist Certhia hrachydactyla entschieden häufiger. 

Tichodronia niuravia wurde nach Altum (8.) und See- 
mann (116) einmal 1844 in Osnabrück gefangen, aus Westfalen 
sind zwei Fälle bekannt, zuletzt 1904 aus Arnsberg (Westf. Sek- 
tion 1905). 

Famile: Sittidae. 

176. Sitta caesia Wolf. — Kleiber. 

In der Umgebung von Lingen ziemlich häufiger Brutvogel, 
in manchen Gegenden z. B. bei Haselünne nach Bödiker sehr 
selten. Viele Tiere überwintern. 

Familie: Paridae. 
177. Pavus rnaior L. — Kohlmeise. 
Häufigste überall gemeine Meisenart. 



40 Dr. Erwin Detmers: 

178. Favus caevuleiis L. — Blaumeise. 
Ebenfalls sehr häufiger Brutvogel. 

179. JParus ater L. — Tanneumeise. 

Über die Einwanderung dieser Meise in das benachbarte 
Müusterlaud verdanken wir Altum (3.) einige Angaben. Bis 
1843 war sie im Münsterlande gänzlich unbekannt, erschien 
dann auf dem Zuge regelmäfsiger und 10 Jahre später nistete 
sie schon an verschiedenen Stellen. Dasselbe sagt v. Droste 
(123.) (gestorben 1874) in einem von Werner veröffentlichten 
Manuskript, wo er angibt, dafs P. ater im Münsterlande erst 
vor 25 Jahren eingewandert zu sein scheint. In uuserm Gebiet 
ist sie jetzt überall, wenn auch relativ selten, Brutvogel in den 
Kiefernwäldern. Streicht im Winter in Scharen umher. 

180. Partis palustris longirostris Kleinschm. — 
Glanzköpfige Sumpfmeise. 

Brütet überall, aber nicht sehr zahlreich, in der Nähe des 
Wassers. Im Winter viel in den Städten. 

Favus atvicapillus vheuanus Kleinschm. — 
Weidensumpfmeise. 

Leider habe ich in früheren Jahren nicht auf diese, jetzt 
in ornithologischen Kreisen so allgemeines Interesse hervorrufende 
Meiseuform geachtet, aber ich möchte annehmen, dafs sie auch 
in unserm Gebiet vereinzelt brütet. Im September 1909 habe 
ich in einem Apfelbaume, der in einem Garten bei Lingen stand, 
lange Zeit aus ganz geringer Entfernung in Gesellschaft zweier 
Sumpfmeisen ein Exemplar gesehen, dafs ich, zumal die Vergleichs- 
stücke in allernächster Nähe waren, bestimmt für P. atricapiUus 
rhenanus hielt. Da aber die Erkennung so riesig schwierig ist, 
möchte ich diese Beobachtung nicht als Nachweis des Vorkommens 
dieser Art gelten lassen. Aus den Nachbargebieten liegen mir 
über die Weidenmeise folgende Nachrichten vor: In Holland 
(111 u. 112.) ist sie in mehreren Provinzen Brutvogel, P. Hens 
machte mir nähere Angaben über ihr Vorkommen in Limburg. 
Am Fufse des Teutoburger Waldes wurde ein Exemplar bei 
Brackwede am 30. IV. 1908 geschossen. Aus Westfalen verdanke 
ich Wigger folgende Nachrichten, die vielleicht auf die Weiden- 
meise zu beziehen sind: „Eine von der Sumpfmeise verschiedene, 
aber ihr sehr ähnliche Meise ist erlegt im Kreise Ahaus (Otten- 
stein), im Kreise Coesfeld von mir (zwischen Dülmen und Lt)tte) 
und ist noch im laufenden Jahr mehrmals bei Hamm gesichtet 
worden." 



Studien zur Avifauna der Emslande. 41 

Parus atricapülus horealis wurde vor Jahren einmal 
in Holland geschossen. 

181. Parus cristatus mitratus Brehm. — 
Deutsche Haubenmeise. 

Häufiger Brutvogel in allen Kiefernwäldern. 

182, Aegithalus caudatus europaeus (Herrn.) — 
Schwanzmeise. 

Ohne dafs mir augenblicklich Vergleichsexemplare vorliegen, 
glaube ich doch unsere Schwanzmeisen richtig als A. c. europaeus 
anzusprechen. Die Schwauzmeise ist überall, wenn auch nicht 
häufig, bei uns Brutvogel, im Herbst habe ich auch typische, 
rein weifsköptige A. caudatus geschossen. 

183. Panuvus Marmicus (L.) — Bartmeise. 

Da diese Meise, wie mir Snoukaert van Schauburg schrieb, 
in einzelnen Paaren in den Rohrwäldern der unserm Gebiet be- 
nachbarten Provinzen Friesland und Overijsel brütet, sollte man 
annehmen, dafs sie häufiger bei uns erschiene oder vielleicht 
sogar Brutvogel sei, aber trotzdem gehört sie zu unseren selten- 
sten Gästen. Im Herbst 1908(?) wurde ich in der Nähe von 
Bernte, wo ein getreidefeldähnlicher Rohrwald an der Ems steht, 
von einem Bekannten auf vier Bartmeisen aufmerksam gemacht, 
von denen zwei so wenig scheu waren, dafs man sie mit einem 
Steinwurf hätte erlegen können. Die niedlichen Tiere drangen, 
wenn man ihnen allzu nahe kam, immer weiter in den Rohr- 
wald ein. In Oldenburg wurden vereinzelte Tiere beobachtet 
und erlegt. Gleich jenseits der Grenze wurde sie bei Rheine 
erlegt, auch Bolsmann (12.) schofs einige Tiere bei Gimbte, 
V. Droste sah sie bei Neuenkirchen. Im Rheinland ist sie nur 
selten nachgewiesen. 

Hemiza pendulina soll bei Meschede in Westfalen 
vorgekommen sein (Westf. Sekt. 1889) und Seemann (116.) 
schreibt: „Sah Herr v. Wacquant nur einmal im Herbste bei 
Schumla" in der Nähe von Osnabrück. Sollte es sich nicht etwa 
um die vorhergehende Art handeln? 

184. üegidus regulus (L.) — Gelbköpfiges Goldhähnchen. 

185. Regulus ignicapillus ([Brehm] Tem.) — 

Feuerköpfiges Goldhähnchen. 

Beide Arten nisten zerstreut in unsern Nadelhölzern. Tegeder 
sah R. ignicapillus am häufigsten, ich halte R, regulus für 
häufiger. Seltsamerweise scheint R. ignicapillus in Holland als 



42 Dr. Erwin Detmers: 

Brutvogel zu fehlen, auch Wiepken (129.) nennt es nicht für 
Oldenburg. jR. regulus erscheint im Winter ungemein zahlreich 
in allen Waldungen, E. ignicapillus überwintert aber nur sehr 
selten. 

Familie: Timeliidae. 

187. Troglodytes trogloäytes (L.) — Zaunkönig. 
Häufiger Standvogel im ganzen Gebiet. Gewöhnt sich immer 

mehr an menschliche Bauten, nistet gern unter Holzbrücken, in 
Ställen, Scheunen etc. 

Familie: Silviidae. 

187. Accentor modularis (L.) — Heckenbraunelle. 

Weit verbreitet in allen Gärten, Feldgehölzen, überhaupt 
in Gegenden mit dichtem Unterholz. Schon Anfang März hört 
man ihren Gesang. Einige bleiben den Winter über. Ich traf 
A. modularis beinahe auf allen Bauernhöfen, wo Holzhaufen lagen. 

188. Sylvia simplex (Lath.) — Gartengrasmücke. 
Überall häufiger Brutvogel, wo Gärten mit Unterholz sich 

finden am liebsten. Sie tritt in manchen Jahren häufiger, in 
andern weniger auf. Erscheint nach Bödiker bei Haselünne 
gewöhnlich am 7. oder 8. Mai. 

189. Sylvia sylvia (L.) — Dorngrasmücke. 
In allen Hecken und besonders in dem auf Wällen zwischen 
den Kämpen stehenden Strauchwerk häufig, gewöhnt sich all- 
mählich an Gärten. 

190. Sylvia curruca (L.) — Zaungrasmücke. 
Nicht so häufig wie die vorhergehenden Arten, aber doch 
fast überall im Gebiete brütend, nimmt im Bestände ab. 1910 
sah ich die erste schon am 19. IV., sonst erscheinen sie selten 
vor dem 22. IV. 

191. Sylvia atricapilla (L.) — Mönchsgrasmücke. 

An manchen Orten häufig, meistens aber nur vereinzelt 
vorkommend. 1910 sah ich die erste am 18. IV. 

Sylvia nisoria (Bebst.) — Sperbergrasmücke. 
Wurde 2 mal in Holland erlegt, ist einmal bei Quakenbrück 
(87.) beobachtet, hat in Oldenburg (129.) einmal gebrütet und ist 
dort zweimal gesehen worden. Brütet vereinzelt in Osthannover 
(67.). Nach von Wacquant soll sie Brutvogel bei Osnabrück sein, 
was ich bezweifle. (116.) 



Studien zur Avifauna der Emslande. 43 

192. Acrocephalus streperus (Vieill.) — Teichrohrsänger- 

Die Hauptverbreitungslinie des Teichrohrsängers zieht sich 
wie ein scharfer Strich mitten durch das Gebiet am Dortmund- 
Emskanal entlang. Dort in dem breiten Rohrbestande am Ufer 
des Kanals ist A. streperus ein überall verbreiteter Brutvogel, 
der an manchen Stellen so häufig auftritt, das man in Abständen 
von wenigen Metern seine Nester finden kann. An andern 
Örtlichkeiten ist der Teichrohrsänger im Vergleich zu seinem 
Bestände am Dortmund-Emskanal nirgends häufig. Ich traf ihn 
brütend in Geeste, selten nur an der Ems und einmal nur in 
wenigen Paren an der Hase vor Bokoloh. Bödiker beobachtete 
ihn nur im Lahrer Moor. 

193. Acrocephalus palustris (Bchst.) — Sumpfrohrsänger. 

Kommt weniger in der Nähe von grofsen Rohrwäldern vor, 
sondern liebt mehr die Nähe der Ems, wo er häufig in Weiden- 
gebüsch oder an Wallhecken brütet, auch trifft man ihn fern vom 
Wasser in Getreidefeldern. 

194. Acrocephalus schoenobaenus (L.) — Schilfrohrsänger 

Der Schilfrohrsänger tritt an geeigneten Plätzen oft sehr 
häufig auf. Ich beobachtete ihn in Geeste und an der Ems hinter 
Bernte. Bufs nennt ihn Brutvogel für die Umgebung von Meppen. 
Tegeder hat ihn oft gesehen und gehört, z. B. an den Emsufern, 
an der Ahe und an dem sogenannten Flüdder bei Polle. 

195. Acrocephalus aquaticus (Gm.) — Binsenrohrsänger. 

Nur einmal konnte Ä. aquaticus auf dem Durchzuge in 
unserm Gebiet festgestellt werden. Die Mitteilung davon ver- 
danke ich Tegeder, der den Vogel in einer aufgestellten Aalreuse 
gefangen hatte. Wahrscheinlich passiert dieser Rohrsänger häufig 
unser Gebiet, wird aber hier wie auch in den Nachbargebieten 
übersehen. In Nordholland hat A. aquaticus einmal 1892 gebrütet 
und wurde auf dem Zuge erst dreimal in Holland erlegt. In 
Oldenburg ist er nur einmal gesehen worden. Aus Westfalen ist 
er nur als Durchzugsvogel bekannt. Bolsmann (12.) gibt an, 
dafs er bei Gimbte, am 8. oder 9. und 10. August durchzuziehen 
pflege. Im Rheinland ist A. aquaticus ganz vereinzelter Brutvogel. 

196. Acrocephalus arundinaceus (L.) — Rohrdrossel. 

A. arundinaceus tritt im westlichen Deutschland nur sehr 
periodisch auf. Da Altum (8.) 1880 angibt, dieser Rohrsänger 
habe sich 1864 bei Rheine, das unserm Gebiet benachbart ist, 
angesiedelt, hoffte ich ihn auch bei uns irgendwo brütend fest- 
zustellen, aber vergebens fragte ich überall an und suchte vergebens 



44 Dr. Erwin Detmers: 

die breiten Rohrbestände des Dortmund-Emskanales und andere 
RohrÜächan ab. Auch auf dem Zuge habe ich nur einmal 4 Kohr- 
drosseln am 1. IX. bei Geeste angetroffen Es herrschte an dem 
Tage SSW.-Wind, und strömender Regen wechselte mit Sonnen- 
schein. In Oldenburg ist er seit 1847 Brutvogel und hat sich 
dort seitdem verbreitet. In Holland brütet er überall. 



197. Locustella naevia (Bodd.) — Heuschreckenrohrsänger. 

Diesen Rohrsänger konnte ich erst einmal brütend bei Herz- 
forth, Pfingsten 1908, feststellen, doch glaube ich, dafs er trotz 
seines charakteristischen Gesanges häufig von mir übersehen ist. 
1909 sah ich noch am 16. IX. einen Heuschreckenrohrsänger im 
Ochsenbruch mausartig vor mir im Grase laufen. MöUmann (87.) 
fand ihn von 1891 an brütend im Artlande, ferner wurde er 
bei Osnabrück (116.) als Brutvogel gefunden, und ist als solcher, 
wenn auch nur vereinzelt, aus Westfalen, häufiger aus Holland 
bekannt; er breitet sich immer mehr aus. 

Locustella luscinioides Savi. — Nachtigallrohrsänger. 
Brütet in Holland und vereinzelt im Rheinland. 



198. Hypolais hypolais (L.) — Gartensänger. 

Überall im Gebiet, wo er sich selten im Unterholz, meistens 
in Bäumen und hohem Strauchwerk aufhält. Er erscheint selten 
vor dem zweiten Drittel des Mai; nach Bödiker bei Haselünne 
gewöhnlich am 11. oder 12. Mai. 

199. JPhylloscopus sihilator (Bebst.) — Waldlaubsänger. 

Ph. sihilator ist bei weitem der seltenste von allen Laub- 
sängern in unserm Gebiet. Ich stellte ihn zur Brutzeit häufig 
in der Vorschlips und Schlips, ferner seltener im Biener Busch 
und nahe bei Lingen fest, Bödiker fand ihn 1910 in den Mause- 
tannen bei Haselünne. Wiepken entdeckte in Oldenburg erst 
einmal sein Nest. 



200. Phylloscopus trochilus (L.) — Fitislaubsänger. 

Überall in gemischten Waldungen und in der Nähe von 
Weidengebüsch, besonders an der Ems gemein, liebt auch die 
Birken sehr. 

Vielleicht berührt unser Gebiet auch Fh. trochilus eversmanni 
(Bp.), denn diese graue Form wurde am 4. IV. 1909 von P. Hens, 
wie er mir schrieb, bei Roermond erlegt. 



Studien der Avifauna der Emslande. 45 

201. Phylloscopus collybita (Vieill.) — Weidenlaubsänger. 

Dieser Laubsänger teilt die Wohngebiete mit Fh. trochilus, 
ist aber noch häutiger als dieser und findet sich auch sehr gerne 
in Gärten, wo man schon Ende März, gewöhnlich Anfang April 
sein „Zilp zalp" hört. Im Herbst zieht er sehr spät weg, in der 
zweiten Hälfte des Oktober, seltener erst im November, vielleicht 
handelt es sich auch um fremde Durchzügler. 

Phylloscopus superciliosus wurde dreimal in Holland 
gefangen. 

Cinclus nierula (J. C. Schaff.) — Wasserschmätzer. 

Erscheint sehr selten in den Nachbargebieten, brütet in 
gebirgigen Gegenden des Rheinlandes und Westfalens. 

Cinclus cinclus (L.) — Nordischer Wasserschmätzer. 

Vereinzelt in Holland auf dem Zuge. Ein bei Lüneburg 
erlegtes Exemplar besitzt das Hann. Prov. -Museum. 

202. Turdus merüla L. — Schwarzdrossel. 

Hauptsächlich tritt T. merula noch als Waldvogel auf und 
der Zug in die Städte hat sich erst seit einigen Jahren eingestellt. 
In Lingen brütet sie jetzt überall und hängt sehr an dem einmal 
erwählten Reviere. Partielle oder Totalalbinos, wie man sie z. B. 
in Berlin so häufig trifft, habe ich bis jetzt noch nicht gefunden, 
ein nach meiner Ansicht sehr gesundes Zeichen, bewirkt vielleicht 
auch durch die Arbeit der Sperber im Winter. Ueber die Ein- 
bürgerung von T. merula in Haselünne schreibt mir Bödiker: 
„Früher war T. merula nicht sehr häufig. Seit 1905, wo das 
erste Paar sein Nest in einem Oleanderbusch am Pastoratshause 
baute, hat sie sich überall in den Gärten eingebürgert. Ich fand 
1909 ein Nest, das die Jungen glücklich verliefsen, und nach einiger 
Zeit lagen in demselben Neste — (vgl. 26.) — wiederum sechs 
Eier, und wurde die zweite Brut ebenfalls »flügge«". T. merula 
überwintert häufig. 

203. Turdus ntusicus L. — Singdrossel. 

Nicht gerade häufiger Brutvogel des ganzen Gebietes. Ich 
fand Nester bei Holthausen am 22. V. 07, ferner bei Lingen und 
in der Schlips und am 6. VII. 07 von der zweiten Brut ein Nest 
in der Spitze einer 6—7 m hohen Kiefer in den Kanalforsten 
an der Biener Brücke. Bei Haselünne scheint sie sich nach Bö- 
diker seit Verbot des Dohnenstieges mehr einzubürgern, Bö- 
diker fand verschiedentlich Nester, einmal eins in einem Wacholder- 
busch in der Marsch, ca. V/2 m vom Boden. Nach Tegeder 



46 Dr. Erwin Detmers: 

brütet sie in den Busch- und Neuenwiesen bei Gleesen. Diese 
Drossel sah ich nur sehr selten im Winter, dasselbe bestätigt 
mir auch Baron Snouckaert van Schauburg für Holland. 

204. Turdus viscivorus L. — Misteldrossel. 

Über den einzigsten Brutplatz dieser Drossel, der aus unserra 
Gebiet bekannt ist, erfuhr ich von Bödiker folgendes: „In dem 
Wald bei Balster in der Nähe von Haselünne nisten einige Pär- 
chen, Weithin schallt der eigenartige Gesang, den sie meistens 
von den Gipfeln der hohen Kiefern vernehmen lassen. Die Mistel- 
drossel singt schon beim ersten Erwachen des Frühlings im März. Der 
Vogel ist sehr scheu, es gelingt selten, nahe an den Sänger 
heranzukommen." Bodemann (46, 1888) nennt 1886 die „Schnarre" 
ebenfalls als vereinzelten Brutvogel bei Haselünne. In allen 
Nachbargebieten ist diese Drossel nur vereinzelter Brutvogel, 
oder fehlt als solcher ganz. Auf dem Durchzuge im Herbst und 
Frühjahr erscheint die „Doppelzippe" regelmäfsig, wenn auch in 
geringer Zahl. 1909 notierte ich die ersten am 29. IX. Einzelne 
überwintern. 

205. Turdus iliacus L. — Weindrossel. 

Die Weindrossel, ein Brutvogel des nördlichsten Europas 
und Nordsibiriens, wurde nach Landois (54.) von Pfarrer Westhoff 
in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in einem Paare 
bei Dortmund in Westfalen brütend gefunden, aufserdem sind 
aus Holland einige Fälle gemeldet worden, die aber Zweifel er- 
wecken, erst 1906 wurde ein beglaubigter Brutversuch von T. 
iliacus bei Velp in Holland beobachtet, leider wurden die Tiere 
durch eine Katze gestört. Nun machte mir Bödiker folgende 
hochinteressante Mitteilung: „Mir hat ein durchaus glaubwürdiger 
Mann aus Westerloh, der sehr viele Weindrosseln in den Dohnen 
gefangen hat, und daher den Vogel genau kennt, im Jahre 1909 
bestimmt versichert, er habe vor ca. 9 Jahren das Nest der Ptot- 
drossel in dem alten Urwald „Male" gefunden". Irgend einen 
Grund, die Richtigkeit dieser Mitteilung zu bezweifeln, habe ich 
durchaus nicht, denn dafs der Beobachter die Weindrossel gut 
kennt, geht schon daraus hervor, dafs er den Fall als Besonder- 
heit erzählt hat. — Auf dem Durchzuge erscheinen oft ungezählte 
Massen, und ich möchte glauben, dafs wohl nur wenige Gegenden 
Deutschlands so häufig auf dem Zuge berührt werden, wie unser 
Gebiet und der angrenzende Hümmling. Vor 30 oder 40 Jahren 
mufs der Durchzug noch unendlich viel gröfser gewesen sein, denn 
damals wurden die „Krametsvögel", neben T. iliacus hauptsäch- 
lich T. musicus^ in Karren von den Dohnenstiegen weggefahren 
und kosteten in besonders ertragreichen Jahren 2 Pfennige, sonst 
3 oder 4 Pfennige, später stieg der Preis sehr schnell mit der 
Abnahme der Durchzügler. Sehr viele Weindrosseln überwintern 



Studien zur Avifauna der Emslande. 47 

bei uns und auch in Holland, wie mir Baron Snouckaert van 
Schauburg schrieb. Der Herbstdurchzug beginnt selten vor Anfang 
Oktober. Nur 1909 beobachtete ich schon am 23. IX. einen Trupp 
Weindrosseln an der Ems, sah die ersten am 1. X. beim Wild- 
händler; P. Hens notierte die ersten Weindrosseln in Roermond 
(Holland) am 5. X. 09. In der ersten Hälfte des Aprils ziehen 
die letzten zurück. 

206. Turdus pilaris L. — Wacholderdrossel. 

Hat einmal bei Osnabrück (116.) dreimal bei Dortmund (54.) 
und einige Male in Holland gebrütet. Bei uns auf dem Durch- 
zuge, meistens vom November, seltener von Mitte Oktober an 
häufig, doch bedeutend seltener als T. musicus und iliacus. Diese 
Drosseln überwintern nach meinen und Bödikers Beobachtungen 
nicht nur, sondern sind gerade in recht kalten Wintern besonders, 
häufig. Am 9. II. 07 beobachtete ich in einem von Häusern 
ganz eingeschachtelten Gärtcheu, mitten in der Stadt Lingen, einige 
Wacholderdrosseln beim Verzehren von Ilexbeeren. 

207. Turdus torquatus L. — Ringdrossel. 

Ein Paar hat 1863 und 1864 bei Osnabrück (54.) gebrütet; 
zwei Brutplätze sind aus Oldenburg (129.) bekannt. Werner fand 
sie 1903 nistend bei Münster (123.). In Holland sind einige Brutplätze 
gefunden, nicht aber im Rheinland. 

T. torquatus ist von den bisher genannten Drosseln auf dem 
Durchzuge bei weitem die seltenste. Ich sah sie selbst zur Zeit 
der Dohnenstiege bei den Wildhändlern nur vereinzelt. 1909 er- 
schienen, soweit ich es beobachten konnte, die ersten Ringdrosseln, 
die ich laei sonnigem Wetter in der Nähe der Ems bei Reitlage 
sah, am 10. X. 09. P. Hens erhielt die erste T. torquatus in 
Roermond (Holland) schon am 5. X. 09 vom Wildhändler. BöUe 
beobachtete sie verschiedentlich in gröfseren und kleineren Trupps 
bei Haselünne. Bodemann (46, 1887) sah sie 1885 bei Haselünne 
zuerst am 18. IX., der Hauptzug war der 25. IX., wo ungemein 
viele durchkamen. 1886 (46, 1888) sah er die ersten am 23. IX. 

Turdus atrigularis Teva. — Schwarzkehlige Drossel. 

Aus dem Münsterlande liegen bis jetzt 4 Fälle des Vor- 
kommens von T. atrigularis vor, das letzte Mal wurde sie in der 
Nähe unseres Gebietes bei Wettringen gefangen und Koch ein- 
geliefert (Jahresb. d. westf. Prov.-Ver 1892), in Oldenburg ist 
sie zweimal erlegt worden (129,). 

Turdus dubius ist einmal in Holland und nach Dubois 
(35.) zwei bis dreimal in Belgien gefangen worden; T. ohscurus 
wurde zweimal in Oldenburg, einmal in Holland, dreimal in Belgien 



48 Dr. Erwin Detmers: 

und zweimal im Rheinland festgestellt; T. ruficollis ist nach 
Baron Snouckaert von Schauburgs Untersuchungen fälschlich als 
Gast in Holland angesehen und mit T. naumanni verwechselt 
worden, die dort einmal erlegt ist. Von T. migratorius wurde 
am 13. X. 1876 ein Stück bei Upjever in Oldenburg gefangen (46, 
1877, p. 288). Ferner glaubte iMöllmann (64.) sie im benachbarten 
Artlande 1894/95 bei Menslage boobachtet zu haben. Geocichla 
sihirica (Pall) wurde einmal in Belgien und dreimal in Holland 
erlegt; G. varia wurde einmal in der Rheinprovinz erlegt. 

Monticold saocatilis (L.) — Steindrossel. 

War bis vor wenigen Jahren nach le Roi (1905) Brutvogel 
der Rheinprovinz. Bolsmann erhielt (13.) ein bei Sendenhorst in 
Westfalen gefangenes Tier, das gerade ausgeflogen war, und 1850 
hat sie bei Goslar (71.) im Harz gebrütet. 

Monticola cyaneus wurde im Rheinland und Belgien 
(35.) je einmal sicher beobachtet, während ein Vorkommnis in 
Holland nicht richtig zu sein scheint, weil van Schauburg in 
seiner trefflichen „Avifauna Neerlandica" den Fall nicht erwähnt. 

Von den obengenannten Drosseln mag sich unter den vielen 
tausenden, in unserm Gebiet im Dohnenstieg gefangenen Tieren 
wohl eine oder die andere befunden haben, die übersehen oder 
nicht erkannt worden ist. 

208. Saxicola oenanthe (L.) — Steinschmätzer. 

In den ödesten Hochmooren, den sandigsten Heiden oder in 
den jungen, auf Sandboden sprossenden Kieferubeständeu ist 
S. oenanthe oft der einzige Gast, der dort — besonders die alten 
Männchen — belebend auf das Landschaftsbild wirkt. Ich traf 
ihn brütend im ganzen Gebiet an allen günstigen Lokalitäten, 
besonders häufig im Hochmoor bei Adorf und Scböningbsdorf, 
ferner am Rande der Bernter „Wöste" und in der Dalummer 
Heide, sowie bei Wachendorf. Auf dem Durchzuge sieht man sie 
überall auf den Äckern, jedoch vermochte ich mir nicht volle 
Klarheit über den Verlauf des Zuges zu verschaffen, Thienemann 
gibt für Rossitten (120.) an, dafs die Steinschmätzer getrennt 
ziehen und zwar die Jungen in Scharen im August, die alten 
Männchen einzeln Ende September. Ich habe in unserer Gegend 
noch viele Scharen von S. oenanthe in der zweiten Hälfte des 
Septembers angetroffen, von denen ich einige erlegte, die sich als 
junge Tiere zeigten. W^iederum schofs ich Ende August einzelne 
alte Männchen und Weibchen, doch ist es sehr gut möglich, dafs 
diese Tiere noch gar nicht auf dem Zuge waren. Nach Bode- 
mann (46, 1888) erschienen 1886 die ersten Ankömmlinge am 
25. III. bei warmem Wetter und gelindem SW. 






Studien zur Ayifauua der Emslande. 49 

Saxicola oenanthe leucorhoa (Gm.)- 

Über das Erscheinen dieser langflügeligen Form in Deutschland 
scheint jetzt Klarheit zu kommen. Früher war S. oen. leucorhoa 
in Deutschland ganz unbekannt, in letzter Zeit aber hat sich 
herausgestellt, dafs sie vom zweiten Drittel des Oktobers an auf 
den ostfriesischen Inseln regelmäfsig erscheint. Ich habe drei 
auf Juist am 10. und 11. XI. 10 dort geschossene Exemplare, 
die sich im Kann. Prov.-Museum befinden, im Berliner Museum 
bestimmt. In Holland wurde ein Tier am 27. XI. 1907 in Limburg 
und 1908 ein Tier von van Schauburg an der belgischen Grenze 
geschossen (Orn. Monatsberichte, 1908). Sicherlich erscheint diese 
Form in der zweiten Hälfte des Oktobers auch im Binnenlande, wo 
sie wegen ihrer Ähnlichkeit mit S. oenanthe nur übersehen wurde. 

209. P*'afiwco?af*wöefra(L.)— Braunkehliger Wiesenschmätzer. 

Tritt in manchen Teilen unseres Gebietes recht häufig auf, 
in andern wieder scheint er ganz zu fehlen. Ich beobachtete 
F. ruhetra zur Brutzeit an der Ems oberhalb von PoUe, ferner 
rings um das Dorf Bernte herum und häufig im ganzen Biener- 
feld. Tegeder kennt das Braunkehlchen aus der Umgebung von 
Lengerich. In Westfalen hat der Bestand dieses Vogels nach West- 
hoff (130.) und V. Droste um die zweite Hälfte des vorigen Jahr- 
hunderts zugenommen, während er jetzt nach Wemer und Wigger 
(123.) stark zurückgeht. 

210. JPratincöla t*ubicola (L.) — Schwarzkehliger 
Wiesenschmätzer. 

Das Schwarzkehlchen scheint in letzter Zeit in unserm Gebiet 
zugenommen zu haben, während für Westfalen fast übereinstimmend 
über starke Abnahme im Bestand geklagt wird. Ich fand es 
brütend häufig im Ochsenbruch, sah es Junge füttern an der Ems 
zwischen Haneken und Polle und traf es zur Brutzeit bei Klein- 
ringe. Tegeder sah das Schwarzkehlchen oft auf dem Sandspiek 
bei Heischen. Die Tiere benehmen sich mit ihrem grofsen Tem- 
perament, und da sie gern die Spitzen von kleinen Kiefern und 
von Wacholderbüschen, sowie anderem Strauchwerk einnehmen, 
sehr auffallend. WahrscheiuHch wird der Bestand des Schwarz- 
kehlchens mit der Trockenlegung der Heiden bald wieder stark 
abnehmen. In den Nachbargebieten ist es zum Teil häufig, zum 
Teil nur selten. Wiepken (129.) hat aus Oldenburg nur einmal 
ein Schwarzkehlchen erhalten und nur einmal ein Pärchen 
beobachtet. 

211. Ei*it7iacus titys (L.) — Hausrotschwanz. 

Vor hundert Jahren ungefähr wanderte diese Art, den Städten 
mit ihren Steinmassen folgend, in Holland ein, und da ferner 

Joain. L Orn. LX. Jahrg. Jaaaar 1912. 4 



50 Dr. Erwin Detmers: 

E. titys in der unserm Gebiet benaciibarten Stadt Rheine nach 
Altum (3.) erst seit 1817/18 heimisch ist, wird der Hausrotschwanz 
um diese Zeit auch bei uns eingewandert sein. In Oldenburg trat 
der Hausrötel nach Wiepkens 1876 erschienenem „Verzeichnis der 
Wirbeltiere des Herzogtums Oldenburg" vor etwa 50 Jahren, also 
in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auf, und in 
Ostfriesland ist er wohl erst seit etwa 10 Jahren allgemein bekannt. 
Jetzt ist E. titys im ganzen Gebiete in den Städten, besonders 
an Lagerplätzen mit alten Schuppen oder in der Nähe von Fabriken, 
bei uns anzutreffen und an manchen Plätzen geradezu gemein. 
Der Hausrötel erscheint im zweiten Drittel des März, selten früher, 
und zieht erst verhältnismäfsig spät ab, Die alten Männchen 
bleiben bis zuletzt und ziehen Ende Oktober oder Anfang November 
weg. Einen nach Alter und Geschlecht getrennten Zug beobachtete 
P. Hens ebenfalls bei den holländischen Rotschwänzen, und aufser- 
dem schrieb er mir folgendes: „Diese Art zieht im Norden Hollands 
schon Ende September ab, aber in Limburg verläfst E. titys das 
Land erst Ende Oktober oder in den ersten Tagen des Novembers, 
Ende Oktober und im November sieht man nur schwarze, im 
September meistens graue Vögel." Die Verhältnisse in Limburg 
gleichen also genau den Verhältnissen in unserm Gebiet. 

212. Erithacus phoenicurus (L.) — Gartenrotschwanz. 

Bedeutend seltener als die vorige Art tritt E. phoenicurus 
auf. Er zieht die Geest der Marsch vor, brütet nach Bödiker 
gerne in hohen Weidenbäumen bei Haselünne. Im Frühjahr 
erscheint er selten vor Anfang April, meistens im zweiten Drittel, 
und verläfst uns wieder Ende September oder Anfang Oktober. 

213. Mrithacus ruheculus (L.) — Rotkehlchen. 

Überall im ganzen Gebiet ist das Rotkehlchen häufig und 
unter dem Namen „Rotböfscben" bekannt. Im Winter trifft man 
regelmäfsig einige Tiere in der Nähe der Häuser, aber auch im 
Walde an. Vielleicht sind es alte Männchen, vielleicht auch 
nordische Gäste. In den Dohnenstiegen wurden häufig Rotkehlchen 
gefangen. 

214. Erithacus cyaneculus (Wolf.) — Weifssterniges 
Blaukehichen. 

An den geeigneten Lokalitäten, besonders in mit Erlen- und 
Weidengebüsch bestandenen Brüchen ein garnicht seltener, aber 
auch manchmal ganz fehlender Brutvogel. Ich fand sie brütend 
im Ochsenbruch und zwischen Bawinkel und Haselünne. Schöningh 
schreibt mir: „In den letzten Jahren hat sich das Blaukehichen 
als Brutvogel besonders in den Mooren bei Schöninghsdorf stark 
vermelirt; ich habe hier auch Tiere mit reinem blauem Brust- 
schmuck beobachtet". Solche früher als E. Wolf beschriebene 



studier zur Avifauna der Emslande. 51 

alte Männchen habe ich bisher noch nie zu Gesicht bekommen. 
Tegeder traf das Blaukehlchen in den Buschwiesen bei Gleesen 
und einmal bei Lengerich. Nach Lichte brütet es bei Frenswegen 
und bei Nordhorn, von wo Lichte ein Exemplar in seiner Sammlung 
besitzt. Es nimmt stark zu im Bestände und dasselbe gilt für 
sein Vorkommen in Westfalen, von wo es vielleicht in unser 
Gebiet eingewandert ist. In Westfalen soll es erst nach den 
Angaben vieler Ürnithologen in den 40er Jahren eingewandert sein 

JSrithacus suecicus (L ) — Rotsterniges Blaukehlchen. 

Wurde vereinzelt in Holland und Oldenburg, sehr selten 
in Westfalen erlegt, ist im Herbst auf den Nordseeinseln nach 
Leege (58.) ziemlich häufig. 

215. EritJiacus luscinia (L.) — Nachtigall. 

Überall auf der Geest ist die Nachtigall in unserm Gebiet 
Brutvogel. Ich traf sie nicht nur in allen Gärten und Anlagen, 
sondern z. B. besonders häufig fern von menschlicher Niederlassung 
in der Vorschlips, wo Michwald mit dichtem Unterwuchs stand. 
1907 sah ich zur Brutzeit ein Tier in einer Kiefernschonung in 
rein sandiger Gegend hinter Baccum, Nach Bödiker erscheinen 
um und in Haselünne ungefähr 25 Pärchen Nachtigallen in jedem 
Jahre gegen Ende April, welche durch die in den letzten Jahren 
dort eindringenden Schwarzdrosseln stark belästigt werden. 

III. Allgemeines über die Avifauna der Emslande und 
die Gründe ihrer allmähliclien Veränderung. 

Betrachtet man die Avifauna unseres Gebietes, das bei ge- 
ringer Ausdehnung eine grofse geologische Einförmigkeit aufzu- 
weisen hat, im allgemeinen, so mufs man die Avifauna eine sehr 
mannigfache nennen. Zwar haben sich bei dem Fehlen von Ge- 
birge, bei dem verhältnismäfsig geringen Vorkommen von Marsch- 
boden und Laubwäldern, die typischen Bewohner dieser Gegenden 
entweder garnicht oder nur sehr vereinzelt als Brutvögel ein- 
gefunden, aber dafür zeigt sich eine grofse Zahl von der geologischen 
Beschaffenheit des Bodens mehr oder weniger unabhängiger 
Vögel, und die Fauna des Geestlandes und des Moores ist eine 
ungewöhnlich reichhaltige. 

Ganz von der Bodenbeschaffenheit unabhängige Vögel dürften 
sich wohl überhaupt nicht finden, obwohl die Klasse der Vögel 
von allen Wirbeltieren sicher die von der Bodenbeschaffenheit 
unabhängiste ist; selbst die in unser Gebiet aus ganz andern 
Gegenden neu eingewanderten Arten haben, trotzdem sich manche 
Gewohnheiten schon bei ihnen änderten, doch in gewisser Be- 
ziehung noch dieselben Instinkte beibehalten, die sie in dem 
neuen Gebiet auf die der alten Heimat am ähnlichsten aussehenden 



52 Dr. Erwin Detmers: 

Lokalitäten hinweisen. Motacilla hoarula liebt in der Ebene 
üiefsende Gewässer, Picus canus, ein Vogel mit Laubholz be- 
standener Gebirge, zieht auch im neuen Gebiet Laubbestände 
Nadelhölzern vor. Galerita cristaia läfst sich durch Laudstrafsen 
und Baustellen die asiatischen und osteuropäischen Steppen vor- 
täuschen, Erühacus titys findet in unsern Steinbauten die Stein- 
brüche und Felsen des Gebirges wieder. Während manche Vögel, 
wie Cardnelis carduelis, Corvus frugilegus dem Marschboden in 
unserm Gebiet unbedingt treu bleiben, verbreiten und schieben 
sich andere über ihr Wohngebiet hinaus und erscheinen, wie z. 
B. Emheriza calandra, im trockenen Heideland, oder Fica pica 
verläfst die Bauernhöfe und Viehweiden und siedelt sich im Moor 
an; von Corvus corone garnicht zu reden, die schon ßrutvogel 
im ganzen Gebiet ist. Die beiden letzten Arten dürften über die 
Grenzen der alten Wohngebiete vielleicht hauptsächlich durch ihre 
absolute Häufigkeit in unser Gebiet gedrängt sein, was ihnen 
durch die grofse Anpassungsfähigkeit der Corviden noch erleich- 
tert wurde. Individuenreichtum einer Art treibt diese in vielen 
Fällen dazu, mit alten Gewohnheiten zu brechen. Apus apus 
nistete unter der Emsbrücke, Äcrocephalus palustris ist zum Bau- 
landvogel geworden, Turdus merula fand ich in Dachrinnen 
nistend, Troglodytes troglodytes dringt in Ställe und Häuser ein, 
ebenso vereinzelt Syrnium aluco. Auf die vielen Änderungen in 
den Gewohnheiten der Arten habe ich im speziellen Teil meiner 
Arbeit hingewiesen. Wenn man sie kurz charakterisieren will, so 
kann man sagen, dafs die meisten Änderungen in den Gewohn- 
heiten darauf hinaus spielen, die Tiere an die von den Menschen 
gegebenen Verhältnisse anzupassen. Wir gehen immer mehr einer 
vollständigen Quintärfauna, wie Löns die an die menschliche 
Kultur augepafste Fauna nannte, entgegen, und auch die meisten 
jener so freudig begrüfsten Fremdlinge aus dem Osten sind weiter 
nichts als Zeugen des Unterganges einer alten Fauna, die abgelöst 
wird durch die Fauna der Kultursteppe und Unterholz ent- 
behrenden Hochwälder. Betrachten wir einmal die im nordwest- 
lichen Deutschland in den letzten Jahren neu erschienenen Brut- 
vögel, meistens kommen sie aus dem Osten, weniger aus dem 
Süden und garnicht aus dem Westen; von Norden her dringen 
verschiedene Arten herab. Vielleicht mit Ausnahme von Totanus 
ochropus sind sie alte Freunde der Kultur. Dryocopus martius 
folgt den Hochwäldern, ebenso Picus canus und Dendrocopus 
medius. Auf Freunde der Kultursteppe und der Stein bauten 
wurde eben schon hingewiesen, selbst die künstlichen Wasser- 
flächen brachten neue Formen, wie Colymhus cristatus und Fulica 
atra. Gröfsere Wasserflächen gibt es im nordwestlichen Deutsch- 
land wenig, und dies ist der Hauptgrund für das Fehlen vieler 
östlichen Formen, die zum Teil in dem wasserreichen Holland 
wieder nisten. Ja es dürfte sehr wenig wahrscheinlich sein, dafs 
periodische Gäste aus Steppengebieten, wie Syrraptes paradoxus, 



Studien zur Avifauna der Emslande. 53 

auch in dem Deutschland der Vergangenheit mit seinen riesigen 
Urwäldern und Sümpfen erschienen sind, sondern ihr Erscheinen 
wird wohl erst mitder Umwandlung der Landschaft in die Kultur- 
steppe begonnen haben. 

Am konservativsten ist die Fauna der Moore, und deshalb 
ist sie höchst wahrscheinlich einem sichern Untergange geweiht, 
sie wird zugleich mit den Mooren untergehen, und dann fällt 
gerade der für unsere Gegend charakteristischste Teil der Fauna. 
Man darf sich die Verteilung der Brutvögel über die Moore nicht 
etwa als eine willkürliche denken, sondern auch sie sind streng 
an verschiedene Umstände, besonders an Feuchtigkeitsverhältnisse 
und an das Auftreten verschiedener Pflanzenarten gebunden. 
Besonders fiel mir diese regelmäfsige Verteilung in der Wöste 
auf, wo sie auch einem so trefflichen Beobachter wie Wigger nicht 
entging. Die Möglichkeit der Erhaltung unserer Moorfauna ist 
rein abhängig von ihrer Fähigkeit, sich an veränderte Verhältnisse 
anzupassen. Sie ist zugleich eine Frage der Zeit, denn wenn 
die Entwässerung und Meliorierung schnell vor sich geht, ist eine 
Anpassung dieser konservativen Tiere unmöglich. Man mufs in 
der Moorfauna zwei Kategorien unterscheiden, solche Vögel, 
welche mehr den trockenen Teil der Moore bewohnen, und solche, 
welche die Feuchtigkeit lieben. Die ersteren könnten sich halten, 
wenn sie langsam, die Heide als Zwischenstufe benutzend, auf 
trockenes Kulturland übergingen, die zweiten, wenn sie, den 
Brüchen folgend, sich an feuchte Wiesen anpafsten. Dafs die 
Möglichkeit solcher Anpassungen bei manchen Arten nicht ganz 
ausgeschlossen ist, habe ich im speziellen Teil zu zeigen versucht. 

Gerase die Avifauna der Moore und Brüche in unserm 
Gebiet ist für den Faunisten von allergröfstem Interesse. Denn ob- 
gleich unser Gebiet 100 km und mehr von der ostfriesischen 
Küste entfernt ist, zeigt unsere Moorfauna doch ein höchst auf- 
fälliges Küstengepräge, was sie wohl hauptsächlich der von der 
Küste sich herabziehenden Kette mehr oder weniger zusammen- 
hängender Moore verdankt. Ja, für manche Moor- und Küsten- 
vögel ist unser Gebiet in der Gegenwart die südlichste Grenze, 
während sie z. T. in früherer Zeit noch in dem an unser Gebiet 
sich anschliefsenden Westfalen Brutvögel waren. Ich weise hier 
nur auf Totanus pugnax, T. totanus, Larus ridihundus, Gallinago 
media, Tringa alpina schinzi und Charadrius auratus hin. Für 
manche Arten, die bei uns häufig sind, verläuft die Südgrenze 
ihrer Verbreitung etwas weiter unterhalb durch Westfalen zum 
nördlichen Rheinland, z. B. für Numenius arquatus und Limosa 
limosa, auch Ciconia ciconia möchte ich, obwohl nicht zur Moor- 
fauna rechnend, hier erwähnen, dessen südliche Verbreitungs- 
grenze gegen Westfalen fast durch unser Gebiet läuft, da er nur 
ganz selten im Münsterlande brütet. Mit der fortschreitenden 
Kultivierung dürfte die Südgrenze der Verbreitung von Numenius 
arqimtus und Limosa limosa bald auf unser Gebiet zurückgedrängt 



54 Dr. Erwin Detmers : 

werden. Wie lange mag es dauern und von dieser interessanten 
Heide- und Moorfauna auch in unserm Gebiet zeugen nicht viel 
mehr als diese Zeilen? 

Vielleicht dürfte es angebracht sein, auf einige Gründe hin- 
zuweisen, welche hauptsächlich im Stande waren und sind, das 
allgemeine Bild unserer Vogeifauua im Zeitlauf weniger Menschen- 
alter so sehr zu verändern. Dafs eine solche Änderung eingetreten 
ist, vermag diese Arbeit, glaube ich, wohl zu beweisen, zumal es 
mir verschiedentlich gelungen ist, Angaben aus früheren Zeiten 
zum Vergleich mit der Gegenwart anführen zu können. Verschiedene 
Arten sind ganz oder fast ganz ausgestorben, solche, die früher 
häufig und allgemein bekannt waren, sind jetzt selten geworden, 
dafür breiten sich andere Arten aus und dringen neue ein. 

Fast der einzige Grund an diesen Veränderungen ist direkt 
oder indirekt der Mensch. Klimatische oder meteorologische 
Einflüsse vermögen in so kurzer Zeit nicht eine Fauna in diesem 
Mafse zu verändern, sie können höchstens in geologischen Epochen 
wirksam arbeiten. Zwar kann ein wasserreiches Jahr unzählige 
Bodenbrütergelege vernichten, oder ein trockenes Jahr den Sumpf- 
vögeln zum Verderben gereichen, ein Sturm, ein spätes Schnee- 
wehen vermag vielen zarten Singvögeln verderblich sein, aber 
solche Gewalten vernichten nur periodenweise und werden durch 
normale oder für die Fauna sehr günstige Zeiten abgelöst. 
Etwas ganz anderes ist es mit der Wirksamkeit des Menschen. 
Langsam erst und dann schneller und schneller greift er ver- 
ändernd um sich, da entstehen Städte, Kanäle, bebaute Felder, 
Eisenbahnnetze, Telegraphenleitungen, Landstrafsen, Dämme 
u. s. w. Die Moore werden entwässert, die Sümpfe zu Wiesen 
gemacht, Laubwälder fallen, aus den Heiden erheben sich Kiefern, 
unnütze Tümpel, Gräben und Teiche verschüttet man, Gestrüpp 
wird ausgerodet, Stacheldraht vertritt die natürlichen Hecken, 
hohle Bäume duldet man nicht. Die Zahl der Jäger mehrt sich 
von Jahr zu Jahr, was an Vögeln auffallend ist, und was sie 
nicht kennen wird abgeschossen und — weggeworfen. Wer möchte 
sich da noch wundern, dafs viele Formen schwinden mufsten, 
und anderseits viele Arten sich ausbreiten, und viele Arten neu 
einwandern konnten? Aber sogar schon kulturangepafste Vögel 
gingen im Bestände zurück, weil Änderungen in der Bauart der 
Häuser eintraten. Colaeus monedula hat keine Nistplätze mehr 
an den modernen Kirchen, Hirundo rustica hat keine Zuflucht 
in den Backsteinbauten, die jetzt in den Dörfern entstehen, und 
Delichon urhica findet in den Städten kein Baumaterial. Anderseits 
ist für verschiedene Heide- und Moorvögel das Nachlassen der 
Heidschnuckenzucht, deren riesige Heerden viele Gelege zertreten, 
sehr förderlich gewesen. Vielleicht haben wir diesem Umstand 
hauptsächlich die Vermehrung des Bestandes von Tetrao tetrix und 
Numenius arquatus zu verdanken, während anderseits üpupa 
epops und andere dadurch eine wichtige Nahrungsquelle verloren. 



Studien zur Avifauna der Emslande. 55 

Aufser durch diesen direkten Einflufs wirkte der Mensch 
indirekt ebenfalls verändernd auf die ihn umgebende Fauna. 
Begünstigt durch seine Kultur breitete sich eine Anzahl kultur- 
angepafster Vögel in grofsem Mafse aus und verdrängte die 
weniger angepafsten Arten. Den tyrannisierenden Einflufs von 
Corvus corone in unserm Gebiet habe ich im speziellen Teil 
geschildert, ähnlich, aber doch bedeutend weniger zerstörend 
wirken die übrigen, häufiger vorkommenden Corviden. Fasser 
domesticus verdrängt viele Höhlenbrüter, Turdus merula stört 
die zarteren Singvögel, und der kreischende Segler vertreibt die 
lieblichen Schwalben aus den alten Brutgebieten. Im allgemeinen 
mufs man den Raubsäugern und -vögeln volle Existenzberechtigung 
zusprechen, weil sie als Gesundheitspolizei und durch Ausrotten 
aller abnormen Individuen arterhaltend wirken, zugleich aber 
schwerlich eine Art auszurotten imstande sind, da sie, sobald die 
Beute in einer Gegend spärlich wird, in anderes Gebiet ziehen 
müssen. Dagegen hat die von Menschen eingeführte Hauskatze 
eine ganz andere Bedeutung. Als Raubtier streicht sie mehr 
oder weniger w<eit die Umgebung des Hauses ihres Besitzers ab, 
und wenn sie die Gegend ausgeplündert hat, braucht sie aber 
nicht wie wild lebende Raubtiere in andere Jagdgebiete zu 
wandern, sondern ernährt sich im Hause, jedoch fallen ihr alle 
sich neu ansiedelnden, ihr eben erreichbaren Brutvögel zur 
Beute. Bei der Häufigkeit der Hauskatzen vermögen sie schon 
stark zerstörend aufzutreten. 

Aufser den wenigen hier angeführten Punkten wirken noch 
eine grofse Reihe anderer und arbeiten schnell daran, uns eine 
neue Kulturfauna zu schaffen. Wie sehr auch in anderen Gegen- 
den bestimmte Vögel zurückgegangen sein müssen, zeigt sich 
daran, dafs sie im Laufe der Zeit immer seltener bei uns auf 
dem Zuge erscheinen, ich erinnere hier nur an Charadrius auratus^ 
niorinellus und duhius, von denen man kaum annehmen kann, 
dafs sie neue Zugstrafsen eingeschlagen haben, weil unser Gebiet 
ihnen sehr günstiges Terrain bietet. 

In neuester Zeit hat in unserm Vaterlande, wie überhaupt 
in der ganzen gebildeten Welt, die Naturschutzbewegung stark 
um sich gegriffen und sucht die dem Untergange geweihten seltenen 
Formen zu schützen. Ich selbst bin eifriger Naturschützler und 
glaube, dafs durch zweckmäfsige Vorrichtungen man eine grofse 
Reihe „Nichtkulturangepafster", soweit sie in Kolonien leben, 
noch bei gröfster Sorgfalt für eine lange Zeit erhalten kann; aber 
in den meisten Fällen bedeutet der Naturschutz bei unsern Moor- 
und Heidevögeln und bei unsern Grofsen nicht angepafsten Einzel- 
brütern nur ein kurzes Hinausschieben ihres Aussterbens in einer 
Gegend, denn sie sind unfehlbar, wie das jede vergleichend 
statistische Faunistik lehrt, dem Untergange preisgegeben, wenn 
sie sich nicht anzupassen vermögen. Corvus corax, Buho bubo, 
Ciconia nigra, Circaetus gallicus, Äquila pomarina, Milvus milvus 



56 Dr. Erwin Detmers: 

und migrans und alle andern grofsen Einzelbrüter brauchen 
weite ruhige Jagdgründe, wie sie jetzt noch vereinzelt in Deutsch- 
land zu finden sind, die es aber in dem Deutschland der Zukunft 
mit seinen wachsenden Millionen von Menschen nicht mehr geben 
wird. Manche jetzt noch nicht angepafste Höhlenbrüter wie 
TJpupa epops, Columha oenas, Coracias garrula dürften vielleicht 
zu retten sein, wenn sie sich an künstliche Nisthöhlen gewöhnen. 
Sonst aber kann man sagen, dafs selbst intensivster Vogelschutz 
nur kulturangepafste Formen wie Vertreter der Familien der 
Sylviideu, Pariden und Fringilliden wirklich zu fördern vermag, 
und dafs nichts an der für den Naturfreund traurigen Tatsache 
ändern kann, dafs immer mehr die auffallenden und interessantesten 
Vogelformen einer einförmigen, zwar an Individuenzahl der einzelnen 
unscheinbaren Arten oft viel reicheren Fauna der Kulturlandschaft 
Platz machen müssen. 



Studien zur Avifauna der Emslande. 



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62 



Dr. Erwin Detmers; 



Im Bestände 

zunehmende 

Arten. 


Turdus merula 
Turdus musicus 
(in den letzten Jahren) 

Pratincola rubicola 
Erithacus titys 

Erithacus rubeculus 
Erithacus cyane- 
culus 


Im Bestände 
ungefähr gleich- 
bleibende Arten. 


Phylloscopus sibi- 

lator 
Phylloscopus tro- 

chilus 
Phylloscopus colly- 

bita 

Saxicola oenanthe 
Pratincola rubetra 

Erithacus phoeni- 
curus 

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Im Bestände 

abnehmende 

Arten. 




Im Bestände 

stark abnehmende 

Arten. 




Nur vereinzelt als 
Brutvögel festgestellte 
oder schwerkon- 
trollierbare Arten, 


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festgestellte Arten. 


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Studien zur Avifauna der Emslande. 63 

IV. Einiges über die Vogelzugserscheinung in den 
Emslanden. 

Seit dem Einsetzen der Beringungsversuche ist überhaupt 
erst die Möglichkeit geschaffen worden, mit Hoffnung auf teil- 
weise Lösung an die Vogelzugsfrage heranzutreten. Vorher 
konnten alle Arbeiten nichts weiter bringen als phänologische 
Beobachtungen, die klarzulegen versuchten wie an einem be- 
stimmten Platze unter gewissen meteorologischen Bedingungen 
die Vogelzugserscheinung zu verlaufen pflegt, man konnte diese 
Beobachtungen mit an andern Plätzen gemachten vergleichen 
und daraufhin einige Hypothesen aufstellen, die aber der posi- 
tiven Grundlage entbehrten. Erst wenn wir wissen, woher die 
Gäste kommen, die unser Gebiet besuchen, und wohin sie gehen, 
können wir entscheiden, ob Zugstrafsen benutzt werden, oder ob 
die Vögel in breiter Front vorrücken, ob erst die heimischen 
Vögel abziehen, und dann die fremden der gleichen Art ankommen, 
ob unsere Tiere überwintern, oder ob es fremde Gäste sind. 
P>st nachdem wir durch die Beringung Belege in der Hand 
haben, sind diese und noch viele andere ornithologische Fragen 
zu lösen. 

Auch ich war nur imstande im speziellen Teil bei ver- 
schiedeneu Arten phänologische Angaben zu machen und konnte 
über den migratorischen Teil meistens nur Vermutungen aus- 
sprechen. Allgemeine Thesen über die Zugerscheinung bei allen 
Zugvögeln lassen sich nur sehr wenige aufstellen. Die Zug- 
gewohnheiten sind bei den einzelnen Arten sehr differenziert, 
meistens aber hat wenigstens jede Familie ihre bestimmten Zug- 
gewohnheiten, und selbst von den meteorologischen Verhältnissen 
sind oft die einzelnen Arten ganz verschieden abhängig. 

Am leichtesten und sichersten lassen sich Angaben über die- 
jenigen Arten machen, die in einem Gebiete nicht Brutvögel sind, 
sondern nur auf dem Zuge erscheinen, denn in diesem Fall kom- 
men verschiedene, schwierig zu lösende Fragen nicht in Betracht. 
So wird man nie im Zweifel sein, wann der Zug einsetzt, ferner 
hat man nicht zu entscheiden, ob erst die heimischen Arten 
abziehen, und dann die Fremden einrücken, oder wenn die Art 
z. T. überwintert, ob die Überwinterer aus fremden Gästen oder 
aus heimischen Vögeln bestehen. 

Über das Einhalten oder Nichteinhalten der viel umstritte- 
nen Zugstrafsen suchte ich mir vor allen Dingen Gewifsheit zu 
schaffen. Voerst möchte ich kurz folgendes zur allgemeinen 
Charakteristik der gesamten Zugserscheinung sagen. Die Haupt- 
zugswelle flutet von Osten nach Westen über unser Gebiet oder 
von NO nach SW. Weniger Vögel ziehen direkt von N nach S, 
ganz vereinzelte Arten ziehen aus unserm Gebiet, d. h. ihren 
Brutplätzen, zur Küste, also von S nach N. Eine Zugrichtung 
von W nach oder von NW nach SO vermochte ich nur bei 
Ciconia ciconia festzustellen, und auch holländische Ornithologen 



64 Dr. Erwin Detmers: 

konnten mir keine andere in dieser Richtung abziehende Art 
nennen. Die Begrenzung des Durchzugsgebietes für Grus grus 
verläuft in der Nähe des nördlichen und westlichen Teiles unserer 
drei Kreise, doch wird diese Grenze häufig nach N und W von 
Kranichen überflogen. Geographisch fest begrenzte, unverrückbare 
Zugstrafsen lassen sich in unserm Gebiet nicht erkennen. Die 
Zugvögel sind nur mehr oder weniger an ein ihnen zusagendes 
Terrain gebunden, das sie fliehen, sobald es sich verändert, das 
sie neu aufsuchen, sobald es irgendwo entsteht. Am ausgepräg- 
testen ist dieses Gebundensein an ein bestimmtes Terrain natür- 
lich bei den ürinatoren, ferner bei Tringen, Scolopaciden, Tota- 
niden und vielen Anatiden, die sich z. T. fest an die Ems und 
ihre Nebenflüsse klammern und an ihnen herauf und herabwandern; 
aber von diesen streng an ein Terrain gebundenen Arten finden 
sich alle Übergänge bis zu den überall herumstreifenden Pariden 
oder Fringilliden. Seit dem kurzen Bestehen der Geestener 
Karpfenteiche erscheinen dort viele fluviale Zugvögel von der 
Ems her, und andere Arten, die stille Wasserflächen lieben, und 
sonst im Gebiet selten auf dem Zuge erlegt wurden, finden sich 
dort häufig, wie z, B. Fulica atra, das zu vielen Hunderten in 
Geeste auf dem Zuge anzutreffen ist, während es früher unser Ge- 
biet überflogen oder selten berührt hat. Man darf deshalb die Ems 
nicht als geographisch festliegende Zugstrafse bezeichnen, denn 
die Vögel folgen der Ems nicht, weil sie gerade unter dem und dem 
Längengrade fliefst, sondern weil sie ihnen zum Nahrungserwerb 
nötig ist, und sobald sie andere günstige Plätze haben, finden sie 
sich auch dort ein. Ein treffliches Beispiel bilden die meisten 
Anatiden. Solange die Witterung günstig ist, liegen sie an be- 
stimmten Plätzen im Moor, wo sich gröfsere Wasserflächen finden, 
verteilt und pflegen hier durchzuziehen, sobald aber der Winter 
mit Eis die Tümpel verschliefst, werden sie auf die Flüsse ver- 
drängt. 

Trotzdem es also den Anschein hat, dafs von den Vögeln 
im Binnenlande, wenigstens in unserm Gebiet, keine bestimmten 
geographischen Zugstrafsen eingehalten werden, ist es nicht aus- 
geschlossen, dafs doch solche bei vielen Arten bestehen. Diese 
Zugstrafsen dürfte man sich natürlich nicht als schmale Streifen 
denken, sondern sie sind viele Kilometer breit für Vögel aus 
einem bestimmten Gebiet anzunehmen. Z. B. Corvus cornix. 
Überall im westlichen Deutschland erscheinen Nebelkrähen, 
Thienemanns grofsartige Ringversuche haben schon sehr inter- 
essante Resultate zutage gefördert. Keine von den in Rossitten 
markierten Krähen wurde von den Niederlanden, von Ostfriesland 
oder von den Emslanden eingeliefert, wohl aber weiter südlich 
von den genannten Gebieten. Wenn man nun meine Angaben 
über die Nebelkrähe im speziellen Teil mit Thienemanns Resultaten 
vergleicht, so ist es sehr gut möglich, dafs in den Niederlanden, 
den Emslanden und Ostfriesland nur skandinavische, vielleicht 



Studien zur Avifauna der Emslande. 65 

auch nach diesen noch ostdeutsche, nicht aber Kur-, Liv- oder 
Esthländische Nebelkrähen erscheinen. Diese Skandinavier 
kreuzen später das Durchzugsgebiet der russischen Nebelkrähen. 
In dieser Weise könnten sich für Vögel aus geographisch be- 
grenzten Gebieten ebenfalls geographisch begrenzte Durchzugs- 
gebiete annehmen lassen. Natürlich vermischen sich an den Grenzen 
überall die Durchzügler und erwecken den Schein einer in breiter 
Front vorrückenden Masse, deren gemeinsame äufsere Grenze man 
ohne Experiment durch gewöhnliche Beobachtung feststellen kann. 

Allgemeine Thesen über den Einflufs des Luftdruckes oder 
der meteorologischen Verhältnisse überhaupt konnte ich aus dem 
reichen Beobachtungsmaterial, das ich mir gesammelt hatte, kaum 
aufstellen. Selbst nur eine bestimmte feste Regel aufzustellen 
war meistens unmöglich, denn es zeigten sich immer Widersprüche. 
Im allgemeinen kann man sagen, dafs die meisten Vögel bei 
hohem Luftdruck, klarem Wetter und schwachem Winde am lieb- 
sten zu ziehen pflegen. In der Hauptzugsperiode einer Art pflegt 
diese aber selbst bei ungünstigem Wetter zu ziehen. Der Ab- 
zug kann durch ungünstige VVitterung etwas hinausgeschoben 
werden. Die meisten Anatiden sind z. B. von der Witterung be- 
deutend unabhängiger als die Kiebitze und diese wieder unab- 
hängiger als die Bekassinen. Am auffallendsten war mir die 
Vorliebe für klares Wetter bei Raubvögeln, und es hat den An- 
schein, als ob sie im Binnenlande Gegenden mit geringem Luft- 
druck und widrigen Winden häufig umgehen, denn bei Roermoud 
herrschte an manchen klaren Tagen nach P. Hens's Aufzeichnungen 
starker Raubvogelzug, wenn in unserm Gebiet Raubvögel bei 
ungünstigster Witterung ganz fehlten. Die Kälte hat auf alle 
Wintergäste und besonders auf die an den Küsten überwinternden 
Arten einen ungemein starken Einflufs und treibt sie mit Gewalt 
ins Binnenland. Am auffallendsten ist die Flucht vor dem Frost 
bei allen Wasservögeln, die oft in wirklich riesigen Scharen an 
unsern offenen Flüssen erscheinen. Diese Wintergäste vom 
Küstengebiet folgen aber bestimmt nicht durch feste Instinkte 
vorgeschriebenen, geographischen Zugstrafsen, sondern sie werden 
einer Welle gleich vor dem Froste in ein ihnen fremdes Gebiet 
getrieben. Hier eine Grenze zwischen Irrgästen und Zugvögeln 
zu ziehen, ist oft völlig unmöglich. Plötzlich eintretende Kälte 
nach dem Einsetzen des Frühlingszuges treibt auch viele Vögel, 
besonders wieder Anatiden, in südlicher Richtung zurück. Über- 
haupt kann man eine Regulierung des Zuges durch die Tempe- 
ratur am besten bei den Auatiden beobachten. 

Je schärfer die Zuginstinkte sind, desto mehr hängen die 
Vögel an einem bestimmten Datum, an dem sie anzukommen und 
abzuziehen pflegen. Werden sie nach ihrer Ankunft im Frühjahr 
von ungünstiger Witterung überrascht, so fluten sie meist nicht 
nach südlicheren Gegenden zurück, sondern bleiben in der Heimat 
und kommen womöglich um, da in ihren scharf umschriebenen 

Jonm. f. Om. LX. Jahrer« Janaar 1912. 5 



66 Dr. Erwio Detmers: 

Instinkten mit der Ankunft in die Heimat die Zugfrage erledigt ist. 
Anders die nicht mit so scharf umschriebenen Zuginstinkten ausge- 
statteten Arten; diese sind mehr von der jeweiligen Temperatur 
abhängig und wechseln ihre Plätze, ungünstige Gegenden fliehend. 

Ein Nachlassen des Zuginstinktes macht sich bei verschiedenen 
Arten bemerkbar und äufsert sich meistens darin, dafs die Tiere 
sich allmählich zu Strichvögeln umbilden, oder aber, einem grofsen 
organischen Gesetze gehorchend, darin, dafs die jungen Tiere 
noch Zugvögel bleiben, die alten aber schon Standvögel geworden 
sind, z. B. Ärdea cinerea und Fringilla coelehs. Auch die Tat- 
sache, dafs bei manchen Arten, die noch echte Zugvögel sind, 
die alten Tiere erst viel später abziehen als die jungen, wie ich 
es z. B. für Erithacus titys sicher nachwies und für Saxicola 
oenanthe vermutete, läfst sich nach dem Gesetz der Vererbung 
erklären, zumal ich keinen Fall festlegen konnte, dafs die alten 
Vögel vor den Jungen abziehen, oder dafs nur die alten Tiere Zug- 
vögel sind, die Jungen aber zu Standvögeln sich ausgebildet hätten. 

Bei vielen andern Arten ist es schwierig festzustellen, ob 
die Überwinterer nur alte Tiere sind. Es liegt ferner die Mög- 
lichkeit vor, dafs sie gar nicht aus Bewohnern der Gegend be- 
stehen, sondern weiter nördlich wohnende Gäste derselben Art 
sind. In solchen Fällen können nur die Beringungsversuche ent- 
scheiden, z. B. bei Sturnus vulgaris, Garrulus glandarius, Anthus 
pratensis, Emheriza schoenidus, Turdus merula, Anas boschas, 
Fulica atra, Gallinula chloropus^ Gallinago gallinago, Cerchneis 
tinnuncula, Accipiter nisus, Buteo huteo, Erithacus ruheculus, 
Accentor modularis, Sitta caesia, bei den Pariden und den vielen 
anderen, teilweise überwinternden Arten, die in unserm Gebiet 
Brutvögel sind, aber auch in nördlicheren Gegenden zu brüten 
pflegen. Etwas anderes ist es bei Arten, wie Corvus cornia;, 
Gallinula gallinula, den fremden Anatiden- und Turdus-Arten, 
da sie nur bei uns überwintern, aber nicht bei uns Brutvögel sind. 

"Wie sehr sich in den Zuggewohnheiten unserer Vögel Über- 
gänge zeigen, merkte ich erst recht bei einem Versuche, die in 
den Emslanden beobachteten Arten in einer Tabelle unter folgende 
Rubriken zu verteilen: Irrgäste; periodische Gäste; Wintergäste; 
Standvögel; Herbst-, Winter- und Frühjahrszugvögel. Die Irr- 
gäste liefsen sich oft nicht von den Zugvögeln, die selten beob- 
achtet waren, trennen, die periodischen Gäste waren zum Teil 
nicht von den Wintergästen, die in besonders strengen Wintern 
zu erscheinen pflegen, zu unterscheiden, und die drei andern 
Kategorien gingen ganz in einander über bei vielen Arten, die 
bald Stand-, bald Strich-, bald Zugvögel sind oder teilweise über- 
wintern. Natürlich zeigten sich für jede Rubrik typische Beispiele, 
aber da die Übergänge in der Mehrzahl vorhanden waren, habe ich 
den Versuch einer derartigen Klassifikation wieder aufgeben müssen. 

Am Schlufs meiner Arbeit angelangt, die, wie ich hier noch- 
mals betonen möchte, nur ein kleiner Beitrag zu einer Avifauna 



Studien zur Avifauna der Emslande. 67 

der Emslande sein soll, möchte ich nochmals auf die grofse Zahl 
ungelöster oder nur halbgelöster Fragen und Probleme hinweisen, 
die ich in den vorsiehenden Zeilen angeschnitten habe. Es ist 
noch ein sehr reiches Feld hier zu bearbeiten, und es werden 
sich noch viele weitere Fragen finden. Unsere deutschen Vogel- 
warten an der Küste haben in letzter Zeit sehr viel für die Lösung 
der Vogelzugsfrage getan und sehr interessante Resultate, besonders 
über den Vogelzug im Osten unseres Vaterlandes zutage gefördert, 
sodafs es sich sicher lohnen dürfte, auch im Binnenlande eine 
Beobachtungsstation zu errichten, zumal sich viele Zuggewohn- 
heiten derselben Vögel im Binnenlande ganz anders gestalten als 
an der Küste. Eine Vogelwarte im westlichsten Deutschland müfste 
Hand in Hand vorgehen mit den andern Vogelwarten, und deren 
Beobachtungen zu ergänzen suchen, ferner hätte sie auch fau- 
nistisch zu arbeiten und genaue Karten herauszugeben über das 
Vordringen der einzelnen östlichen Einwanderer, hätte die Gast- 
und Brutvögel des Gebietes zu beringen, damit endlich Klarheit 
über ihre Wanderungen geschafft würde. In den grofsen Mooren 
wäre vor allem auf die aussterbende Avifauna zu achten, und 
die Zuggewohnheiten dieser interessanten Vögel einer Küsten- 
fauna im Binnenlande zu studieren, ehe es zu spät ist, oder soll 
eine so eigenartige Fauna vor den Augen so vieler Zoologen hin- 
schwinden, ohne dafs wenigstens ein Versuch gemacht wird, vor 
dem Untergänge ihre Geheimnisse zu enthüllen? 

NaoMrag. 

Herr Dr. le Roi war so liebenswürdig, mich auf einige 
Arbeiten über Avifaunen der umliegenden Gebiete, die mir ent- 
gangen waren, aufmerksam zu machen. Besonders interessant 
war mir eine Notiz im 24. Jahrb. d. Westf. Prov.-Ver. f. Wissensch. 
u. Kunst 1895/96 p. 4b, in der meine Vermutung, dafs die in 
der Sammlung des Meppener Gymnasiums aufbewahrte Sturm- 
schwalbe auch in dortiger Gegend erlegt worden sei, bestätigt 
wurde. In dieser Notiz wird die von mir erwähnte Zwergtrappe 
ebenfalls als in der Umgebung von Meppen gefunden sicher 
gestellt. Recker berichtet dort nämlich: „Herr Oberlehrer Borgas 
schrieb mir am 23. II. 1896: Kürzlich wurde hier eine Zwerg- 
trappe, Otis tetrax L., erlegt. Auch fand einer meiner Schüler 
eine Sturmschwalbe, Thalassidroma pelagica, welche wahrscheinlich 
gegen die Telegraphenleitung geflogen war, unter welcher sie lag." 

Von den andern mir von Herrn Dr. le Roi genannten Arbeiten 
erwähne ich aus den Angaben von Knickenberg über die Vögel 
von Iburg bei Osnabrück in den Jahrb. des Westf. Prov.-Ver. 
für Wiss. u. Kunst 1896/97 p. 93—96, 1897/98 p. 37, dafs der 
Schwarzspecht schon zwischen 1868 u, 1872 im Rüthener 
Walde genistet hat, und dafs dieser Vogel am 6. XI. 1897 
am Fufs des Döhrenberges beobachtet wurde. Ferner berichtet 



68 Dr. Erwin Detmers: Studien zur Avlfauna der Emslande. 

M. Neuhaus (Jahrb. d. Westf. Prov.-Ver. f. Wiss. und Kunst 
1906, p. 20) am 20. VII. 1905, dafs Hydrochdidon nigra in mehr 
als 100 Exemplaren auf dem Venn bei Gr. Burlo genistet habe 
und zwar seit 23 Jahren zum ersten Male in solcher Zahl. 

Spatula clypeata (L ). In diesem Jahre haben die Löffel- 
enten wieder im Ochseubruch oder in den Geestener Teichen 
selbst gebrütet, denn Schimmöller schofs dort im Juli 1911 von 
8 Löffelenten 2 junge Tiere, und Schöningh aus einer grofsen 
Schar ein junges Tier. 

Flatalea leucorodia L. Ein junges Tier hielt sich mehrere 
Wochen in Geeste auf, safs stets ganz ungedeckt an demselben 
Platze. Am 4. VIII. wurde das Tier krank geschossen und mir 
gebracht. Leider starb es, da die Lunge verletzt worden war, schon 
am andern Tage. Im Benehmen zeigte das Tier ganz und gar nichts 
reiherähnliches, war sehr zu traulich — wahrscheinlich wegen 
seiner Verwundung — und frafs gleich kleine Fische aus der Hand. 
Scolopax rusticola L. Die erste Waldschnepfe sah ich schon 
am 5. X. 11 vor einem Wildladen in Lingen hängen. 

Buteo buteo (L.) hat nach Bödiker 1911 bei Haselünne gebrütet. 
Fandion haliaetus (L.) wurde in diesem Jahre zum ersten 
Male auch auf dem Herbstdurchzuge in Geeste beobachtet. Das 
Brüten dieses Adlers in Oldenburg 1910, 20 km südlich der 
Stadt Oldenburg, ist zum ersten Male sicher festgestellt worden 
(Deutsch. Jägerz. Bd. 57). 

Corvus cornix L. Die ersten Nebelkräheu traf ich schon am 
6.x. 1911 beiBernte, doch mögen sie noch früher angekommen sein. 
Nachrichten über ihr Erscheinen auf den ostfriesischen Inseln und 
den andern Nachbargebieten wären zum Vergleich sehr interessant. 
Änthus campestris (L.). Am 7. VIII. 1911 sahen Hennemann 
und ich diesen Pieper im Elberger Moor. Vielleicht dort Brutvogel ? 
Motacilla boarula L. Die Gebirgsbachstelze beobachtete 
ich im Frühling 1911 bei Laggenbeck, unweit der Grenze unseres 
Gebietes, mit Futter für die Jungen im Schnabel. In den ersten 
Tagen des Augusts traf ich mehrere Exemplare am Emswehr 
beim Haneken im Kreise Lingen. Höchst wahrscheinlich haben 
sie dort gebrütet. 

Die grofse Trockenheit dieses Sommers (1911) hat sich in 
ihren Folgen auf die Sumpfvögel stark bemerkbar gemacht. So 
durchwanderte ich Anfang August das Bernter Moor, dessen 
grofse Wasserflächen völlig ausgetrocknet waren. Ich traf dort 
nur einen Pieper, der Junge fütterte und einige Kornweihen. 
Selbst das Birkwild hatte sich an die Emswiesen zurückgezogen, 
wo mehrere Junge beim Mähen getötet wurden. Der Kiebitzzug 
war in diesem Jahre so gering wie selten, der Bekassinenzug in 
seiner ersten Hälfte ebenfalls sehr gering, dagegen traf man 
im Oktober an manchen Tagen ziemlich viele Sumpfschnepfen an. 



Journ.P.Ornith,1912. 



Taf.l. 




Ph(itolifliv*lh.Greve,6rlinS.W 




Die Verbreitung der Gattung JEmberi^cü 

eine ornitho-geographische Stu \^ \>ß'^**^'^o5^ Cby 
Von Dr. H. Duncker, Bremen. V^ >/- — ^^aS'/ 

Die Klagen über die ungenügende Kenntnis der Verwandt 
Schaftsverhältnisse der Finkenvögel sind nur zu berechtigt. Die 
3 landläufigen Urkunden, welche uns über die Phylogenie einer 
Tiergruppe Aufschlufs geben können, die vergleichende Morpho- 
logie und Anatomie, die Embryologie und die Palaeontologie 
versagen teils vollständig, teils geben sie nur sehr spärliche 
Resultate. Bei den Finken wie bei allen Oscines herrscht noch 
die Schnabel-, Klauen- und Schwungfedersystematik, denn die 
wenigen anatomischen Merkmale, die gelegentlich mitgeteilt sind, 
haben noch nicht vermocht, ein einigermafsen den natürlichen 
Verwandtschaftsverhältnissen angepafstes System zu schaffen. 
Sharpe gibt im Brit. Cat. eine Dreiteilung an: Coccothraustinae =: 
Dickschnabelfinken, Fringillinae [= Dünnschnabelfinken] und 
Emberizinae = Ammerfinken, zu welch letzteren auch die Gattung 
Emberiza gehört. Die Unnatürlichkeit dieses Systems, die z.B. darin 
zu Tage tritt, dafs unser Grünling und Kirschkernbeifser mit den 
südamerikanischen Dickschnabelfinken zusammengeworfen wird, 
hat dazu geführt, letzteren unter dem Namen Coccoborinae 
(Kernknacker) den Rang einer Unterfamilie zu geben, und die 
Grünlinge und Kernbejfser zu den Fringillinae zu zählen. Ich 
will nicht alle Umänderungen, welche vorgeschlagen sind, hier 
erwähnen, da sie mit meinem Thema zunächst noch nichts zu 
tun haben. Befriedigend sind sie alle noch nicht und können 
es noch nicht sein, weil der Urkunden — der vergleichenden 
Anatomie zumal — noch zu wenige sind. Auch die Embryologie 
mufs hier versagen, weil die Unterschiede auf so engbegrenztem 
Gebiete zu gering sind. Die Palaeontologie vollends hat nur so 
spärliche Überbleibsel aus älteren Erdperioden zu verzeichnen, 
dafs auch von dieser Seite nichts zu erwarten ist. Und so ist 
es nur zu verständlich, wenn Hartert (Die Vögel der palae- 
arktischen Fauna p. 54) zu dem Schlufs kommt: „Eine Ein- 
teilung der Fringilliden in Unterfamilien scheint nicht durch- 
führbar." 

Auf der Suche nach neuen Methoden, um dennoch zu einem 
Resultate zu kommen, gewann ich die Überzeugung, dafs die 
heutige und, soweit bekannt, auch die ehemalige Verbreitung 
der Tierwelt für stammesgeschichtliche Untersuchungen prächtige 
Urkunden abgeben müfsten. Man mufs nur die Schrift dieser 
Urkunden erst zu lesen verstehen. Für die jetzige Verbreitung 
der Vögel ist genügend Material vorhanden in den zahlreichen 
faunistischen Arbeiten, in den grofsen Sammlungen der Museen 
u. s. w. Man ist durchaus in der Lage, die Verteilung der 



70 Dr. H. Duncker: 

Formen auf dem Erdball übersehen zu können. Mit der Verteilung 
der Vögel in früheren Erdzeitaltern sieht es allerdings sehr 
traurig aus und wir sind durchaus auf Rückschlüsse angewiesen, 
welche naturgemäfs nur mit gröfster Vorsicht anzuwenden sind. 
Der Grundgedanke meiner Untersuchungsmethode ist auch 
von A r 1 d t ^) erkannt. Auch er fufst auf dem Gedanken des 
monophyletischen Ursprungs der Organismenwelt und sucht nun 
nach Spuren der zeitlichen Entwicklung im Räume. Er glaubt 
die Fauna der einzelnen Gebiete in „Schichten" zerlegen zu 
können, deren geologisches Alter und Herkunft er fixiert. Für 
die Placentalier und einige andere Gruppen hat Arldt auf Grund 
seiner Untersuchungen sogar einen Stammbaum aufstellen zu 
können geglaubt, der deswegen für uns interessant ist, weil er 
Entwicklungszeit und Entwicklungszentrum für jede Familie ent- 
hält. Wie weit der Stammbaum der Kritik Stand halten kann, 
soll hier nicht erörtert werden. Es wäre aber sehr zu wünschen, 
wenn es in derselben Weise auch für die Vögel möglich wäre, 
einen Stammbaum zu fixieren. Leider ist dies noch nicht der 
Fall, und auch Arldt scheint sich gescheut zu haben, seine 
Tabellen zu einer derartigen Konstruktion zu verwenden. Und 
mit Recht! Die eigenartigen Verhältnisse bei den Vögeln, die 
enge Geschlossenheit ihrer Klasse, die leichte Zerstörbarkeit 
ihrer Überreste, die enorme Fähigkeit, Ausbreitungshindernisse 
zu überwinden, lassen in jedem einzelnen Falle Behauptungen 
ohne ganz spezielle Untersuchungen als sehr gewagt erscheinen. 
So ist es sehr kühn, aus dem vereinzelten Vorkommen des 
Archaeopteryx in Deutschland darauf schliefsen zu wollen, dafs 
Europa die Wiege unserer rezenten Vögel sei — ganz abgesehen 
davon, dafs auch aus anatomischen Gründen der Archaeopteryx 
nicht als Vorfahr unserer jetztlebenden Vögel gelten kann — . 
Aus dem LaopteryxfnudQ im Malm Nordamerikas aber folgern zu 
wollen, dafs die erste Ausbreitung nach Amerika erfolgt sei, und 
von dort aus die südlicheren Kontinente erobert seien, ist zum 
mindesten verfrüht. Das geringe Material, welches uns augen- 
blicklich zur Verfügung steht, verbietet, so meine ich, das 
Spekulieren über den Ursprungsort des gesamten Vogelgeschlechts. 
Wir gehen zu leicht mit vorgefafsten Meinungen an das Studium 
der Urkunden, und statt aus ihnen herauszulesen, lesen wir in 
sie hinein. Nicht mit dem Entstehungsort des gesamten Vogel- 
geschlechts müssen wir unser Studium beginnen, sondern mit 
irgend einer spezialisierten aber örtlich und morphologisch gut 
abgegliederten Gruppe, am besten Gattung mit zahlreichen Ver- 
tretern. Entstehungsort und Ausbreitung müssen an solchem 
Beispiel eingehend untersucht werden und daraus allgemeine 
Ausbreituugsgesetze gefolgert werden. 



1) Dr. Theodor Arldt, Die Entwicklung der Kontinente und ihrer 
Lebewelt, Leipzig 1907. 



Die Verbreitung der Gattung Emheriza. 71 

Nach eingehender Prüfung habe ich die Sharpe'sche Gruppe 
der Emberizinae und speziell die Gattung Emheriza als sehr 
tauglich für einen solchen ersten Versuch angesehen und will 
zunächst die Ausbreitungsverhältuisse dieser Gattung darlegen, 
immer unter dem Gesichtspunkte, allgemeine Prinzipien daraus 
abzuleiten. 

Zunächst einiges über die Unterfamilie der Emberizinae: 
Im Brit. Cat. finde ich 46 Gattungen der Ammern angegeben, 
wobei zu berücksichtigen ist, dafs ich Phyrrhulorhyncha, Miliaria 
und Fringillaria nach dem Vorgang von Hartert bereits der 
Gattung Emheriza zugeteilt habe. Ihrem Wohnsitze nach ver- 
teilen sich die Gattungen wie folgt: Europa und Asienö 
{Urocynchramus, Emheriza^ Melophus, Fasserina, Calcar%us)\ 
Nordamerika 19 {Passerina, Calcarius, Rhynchophanes, 
Chondesies, Calamospiza, Zonotrichia, Cyanospiza, Ämphispiza, 
Junco, Spizella, Pooecetes, Passerculus, Ammodromus, Melospiza, 
Feucaea, Fasserella, Atlapetes, Fipilo, Spiza), Mittelamerika 
incl. Mexiko \b{Zonotrichia, Cyanospiza, Haplospiza^JuncOy Spizella, 
Fasserculus, Ammodromus, Melospiza, Feucaea, Haemophila, 
Chamaeospiza, Fyrgisoma, Atlapetes, Fipilo, Emhernagra), Süd- 
amerika 24 [Zonotrichia, Forphyrospiza, Haplospiza, Poospiza, 
Ammodromus, Haemophila^ Fyrgisoma, Saltatricula, Emhernagra, 
Coryphospiza, Emherizoides, Fseudochloris, Phrygilus, Idiopsar 
Spodiornis, Xenospingus, Diuca, Coryphospingus, Lophospingus, 
Schisiospiza, Tiaris, Fhodospingus, Faroaria, Guhernatrix). 

Wir beobachten demnach ein starkes Überwiegen der 
Emberizinae in Nord-, Mittel- und Südamerika, demgegenüber 
Eurasien nur einen verschwindenden Bruchteil von Gattungen, 
aufzuweisen hat. Es kommt noch hinzu, dafs die Gattung Melo- 
phus der Untergattung von Emherixa — Fringillaria — sehr nahe 
steht, und durchaus als eine Abspaltung von der Gattung Em- 
heriza aufzufassen ist. Ihr Brutgebiet liegt im Himalaya und 
Nordindien und pafst sich, wie wir später sehen werden, durch- 
aus dem Rahmen der Ausbreitung der Emberizen an. — Die 
beiden Gattungen Fledrophenax und Calcarius, zwei dem hohen 
Norden angepafste Ammerformen, kann man ferner nicht für Eu- 
asien allein in Anspruch nehmen, sie sind im arktischen Nord- 
amerika mindestens ebenso stark vertreten, sodafs man ebenso 
gut eine Einwanderung von Nordamerika nach Eurasien, wie von 



^) A n m. Die Gattung Junco könnte vielleicht auch zu den euro- 
päischen Gattungen gerechnet worden, doch ist bisher noch kein Brüten 
in Eurasien nachgewiesen. Junco hyemalis (L.) wurde in einem Exem- 
plar am 4. VI. 1879 an der Küste der Tschuktschen Halbinsel gefunden 
und Junco siemseni G. H. Martens^) 1906 cf im April unweit 
Kieningfu in der Provinz Fukien, Süd China. Besonders die letzte Fund- 
stätte bedarf noch sehr der Erklärung. 

2) G. H. Martens, Ornis Fokiensis, Journ. f. Ornith. 1910 pg. 432. 



72 Dr. H. Duncker: 

Eurasier! nach Nordamerika annehmen kann. Ja von Calcarius 
lapponicus glaubt man noch heute ein Vordringen von Osten 
nach Westen beobachten zu können (vergl. Gaetke^) u. a. 0.), sodafs 
Amerika als Urheimat dieser Formen sehr stark in Betracht kommt. 

Die Gattung TJ romjnchramus Przew. endlich mit der einzigen 
Art ü. pylzowi Przew. stammt aus dem westlichen China. Dem 
Schnabel nach ist diese Gattung durchaus Ammer, den Hand- 
schwingen nach — die zehnte (vergl. Gadow ^) ist nämlich nicht 
mehr als rudimentär zu bezeichnen — steht sie den Spermestinae 
sehr nahe. Es ist zweifelhaft, ob wir hier wirklich eine Ammer 
vor uns haben, obwohl auch das Gefieder an nordamerikanische 
Aramerfinken erinnert, oder ob wir alles dies nur als Convergenz- 
erscheinungen zu deuten haben. Bis die Anatomie uns einmal 
über diese Verhältnisse gröfsere Klarheit gebracht haben wird, 
mufs ich diese Form von meinen Untersuchungen ausschliefsen. 
Vom Standpunkte der Ausbreitung der Ammern aus stünde aller- 
dings nichts im Wege, die Gattung ZJrocynchramus von den 
Emberizinae abzuspalten, es müfste dann aber schon sehr früh 
erfolgt sein. 

Es verbleibt dann noch eine einzige Gattung, Emberiea, welche 
die Ammern in Eurasien und Afrika alle umfafst. Vergleicht mau 
mit dem eben gesagten die zahlreichen Gattungen Amerikas, so 
kann kein Zweifel sein: Das Entstehungszentrum der 
Emberizinae liegt in Amerika. 

Für unsere Untersuchung betreffs der Urheimat und Ver- 
breitung der Gattung Emheriea ist diese Feststellung von grofser 
Wichtigkeit, weil sie uns zwingt, auf der Suche nach dem Ent- 
stehungszentrum der Emheriea^Sitiung nicht zuweit nach Westen 
zu gehen, weil wir uns dann zu sehr von dem Entstehungsort 
der Emberizinae entfernen. 

Die altweltliche Gattung Emberiza^ deren Untersuchung ich 
mich jetzt zuwende, wurde früher vielfach in Untergattungen ge- 
spalten wie — Cynchramus, Fyrrhulorhyncha, Miliaria, Fringil- 
laria u. s. w. (vgl, Hartert 1. c. p. 164), eine Einteilung, die 
Hartert mit Recht verwirft. 

Vertreter dieser Gattung fanden wir in Asien mit Ausnahme 
des Malayischen Archipels, Hinterindiens und Vorderindiens, wo 
höchstens einzelne als Wintergäste vorkommen. Nach Norden 
finden wir sie etwa bis zur Baumgrenze. Europa und Afrika 
werden ebenfalls von ihnen bewohnt. Wir finden sie demnach 
in der ganzen sog. alten Welt, sie fehlen dagegen in Australien 
und den südlichen Teilen Asiens. Die Begrenzung des Brut- 
gebietes der Ammern nach Süden auf dem asiatischen Kontinente 
ist für unsere Untersuchung wichtig und erfordert daher ein 
genaueres Studium. 



1) Gaetke, Vogelwarte Helgoland, 

2) Gadow, Bronns Klassen und Ordnungen, Vögel. 



Die Verbreitung der Gattung Emheriea. 73 

Im äufsersten Osten bilden die japanischen Inseln das süd 
lichste Brutgebiet und zwar brüten auf der Insel Hondo: sulphurata 
Tenini. u. Schleg., spodocephala personata Temm., elegans Temm. 
(selten), cioides ciopsis Bp., fucata fucata Fall., schoeniclus pyrrhu- 
linus Swinh., variabilis Temm. Auf Formosa kommt dagegen keine 
einzige Ammer mehr brütend vor. Auf dem Festlande finden 
sich die südlichsten Formen in Nord-China: spodocephala melanops 
Blyth (bis zum Jangktsekiang), rutila Fall., fucata fucata Fall, 
(bis Hoangho), aureola Fall, (bis Feking). 

Von dort zieht die Südgrenze weiter nach Kansu und Ala- 
schan , allerdings sind nur cia godlewsJcii Tacz., und pyrrhuloides 
centralasiae Hart, als in diesen Gegenden noch brütende Formen 
zu nennen. Für bei weitem die meisten Formen ist die nördliche 
Mongolei und die mongolischen Randgebirge — Altai, Sajan, — 
sowie weiter im Osten, Süd-Daurien und die Wüste Gobi die 
Südgrenze ihres Brutgebietes. Es gehören hierher: chrysophrys 
Fall , tristrami Swinh., cioides cioides Brandt, aureola Fall., pallasi 
Gab., fucata fucata Fall. scJweniclus pallidior Hart., pusilla Fall., 
rustica Fall., buchanani Blyth (nur im Westen), luteola Sparm. 
(nur im Westen), leucocephala G. S. Gmelin, citrinella erythrogenys 
Brehm (nur im Westen). Das sind 13 Arten. — Der weitere 
Verlauf der Grenze geht von Alaschan resp. von der Mongolei, 
die Dsungarei, den Tienschan und das Tarirabecken in das 
Brutgebiet einschliessend, nach dem nordwestlichen Teile des 
Himalaya hinüber, und zwar finden wir in diesem Gebiete folgende 
Arten: pyrrhuloides centralasiae Hart., buchanani Blyth., cia godlews- 
kii Tacz., hortulana L., luteola Sparm., stewarti Blyth. Die letzte 
Form ist sogar bis ins Hochland von Tibet vorgedrungen. Dieses 
Eindringen kann jedoch nur von Westen her geschehen sein, 
da stewarti Blyth. zwar in Turkestan, Afghanistan, Kaschmir und 
Gilgit und auf den Abhängen des Himalaya gefunden wird, nicht 
aber in China. 

In den Tälern des Himalaya finden wir drei Formen, (zum 
Teil bereits genannt): 

1. fucata arcuata Sharpe, welche nur über China dorthin ge- 
kommen sein kann. Sie erweist sich deutlich als eine geo- 
graphische Ilasse von fucata fucata Fall. Diese findet sich 
aber in S.-Daurien, Mandschurei, Ussuri, Korea, Japan und 
Nord-, Mittel- und Süd-China. 

2. cia siracheyi Moore. Bei dieser Form ist es zweifelhaft, aus 
welcher Richtung sie gekommen ist. Es ist eine geographische 
Rasse von cia cia L., welche bekanntlich in Süd-Europa ihr 
Brutgebiet hat. Das ist aber keineswegs ein Beweis dafür, 
das stracheyi Moore aus Westen gekommen ist. Unsere 
Typen und Rassen sind nur Frioritätsbezeichnungen. Die 
Rasse, welche zuerst aus einem Formenkreis entdeckt wurde, 
erhielt den Namen der Species, die anderen wurden 
Rassen. Trotzdem ist es sehr häufig, dafs die sogenannte 



74 Dr. H. Duncker: 

Hauptform in Wirklichkeit eine spezialisierte Nebenform einer 
ihrer geographischen Rassen ist. Und so dürfte es auch bei 
cia da L. sein. Es fragt sich nun, von welcher Rasse stra- 
cheyi Moore sich wohl herleiten dürfte. Es kommen noch 
in Betracht: cia godlewskii Tacz. und cia pur Hart. 
Erstere findet sich in der Mongolei, Ost-Turkestan, Alanschan, 
Kansu; letztere in Turan, Afghanistau, Persien, Transkaspien, 
Kaukasien. Rein aus den Ausbreitungsverhältnissen heraus 
möchte ich mich dafür entscheiden, dafs stracheyi Moore von 
par Hartert abzuleiten ist. Die Hochebene von Tibet ist 
nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Vögel ein 
unwirtliches Land, welches nur schwer überschritten wird. 
Das müfste aber geschehen sein, wenn godlewskii Tacz, und 
stracheyi Moore auf einander zurückzuführen wären. 
3. stewarti Blyth. Diese Form ist wohl von Nordwesten ein- 
gewandert, denn aufser im Himalaya finden wir diese Art 
in Afghanistan und Turkestan, sie fehlt dagegen in der 
Mongolei und Nord-China. 

Vom Himalaya aus ist diese Form dann als einzige nach 
Tibet vorgedrungen. 

Im nordwestlichen Indien erreicht dann die Südgrenze der 
Ammern das Arabische Meer und fällt von nun an mit der Küste 
von Persien, Arabien und Afrika zusammen. Es ist hervorzuheben, 
dafs auf der Insel Sokotra 2 Formen vorkommen, nämlich insularis 
Grant Forb. und socotrana Grant Forb., die aber beide sich als 
der in Afrika sehr weit verbreiteten Form tahapisi (A. Sm.) sehr 
ähnlich erweisen. i) 

Auf Madagaskar kommt keine Ammer vor. In Arabien 
finden wir arabica Lz. Hellm., ebenfalls in die ^«Äa^m-Gruppe 
gehörig und insularis Grant Forbes sehr ähnlich. Es weist dieses 
darauf hin, dafs die Insel Sokotra wohl von Arabien aus ihre 
Besiedelung erfahren hat. Ferner ist für Arabien striolata strio- 
lata (Lcht.) zu nennen, welche auch bereits im nordwestlichen 
Indien und Persien vorkommt. In Nordostafrika brüten saturatior 
Sharpe, septemstriata Rüpp,, affinis Heugl, poliopleura Saivad. 
und flaviveniris Steph., Südafrika beherbergt reidi Shell, capensis 
(L.), tahapisi (A. Sm.), impetuani (A. Sm.), Westafrika major 
(Gab.), cahanisi (Rchw.), tahapisi (A. Sm.) und schliefslich Nord- 
westafrika, z. B. Senegambien affinis Heugl, Dazu kommen in 
Nordwestafrika vor allem in Marokko vor: cirlus L., calandra 
calandra L. und striolata saharae Tristr. Eine geographische 
Ilasse calandra thanneri Tschusi ist auf den Kanaren entstanden. 
Auch in Europa fällt die Westgrenze des Gebietes mit der 
Küste zusammen Wir finden Ammern in Spanien, Portugal, Frank- 
reich, England, Norwegen. Die einzelnen Formen sind: calandra 
calandra L., cirlus L., cia cia L,, hortulana L., (nur im Norden), 



1) Vgl. Reichenow, Die Vögel Afrikas p. 291 ff. 



Die Verbreitung der Gattung Eniberiza. 75 

pprrhuloides palustris Savi (Spanien), schoeniclus schoeniclus (L.) 
citrinella citrineMa L. Es erübrigt noch, die Nordgrenze etwas 
genauer zu betrachten. Im allgemeinen fällt sie, wie bereits 
gesagt war, mit der Baumgrenze zusammen. Nur pusilla Fall, 
kommt an der Mündung des Jenissei und auf der Taimyrhalbinsel 
etwas nördlicher vor und findet sich bis zum 1\.^ n. Br. 

Die nördlichsten Vertreter der Ammern in Europa sind 
hortulana L. (bis Polarkreis), schoeniclus schoeniclus (L.) (ganz 
Skandinavien), citrinella citrinella L. (bis TO** und Nord-Rufsland), 
pusilla Fall. (Fetschoraj, rustica Fall. (Archangelsk), aureola 
Fall. (Archangelsk), ferner in Asien pallasi (Gab.), citrinella ery- 
throgenys Brehm, leucocephala S. G. Gmelin und rutila Fall., 
dazu von den für Europa schon genannten Formen schoeniclus 
schoeniclus (L.), pusilla Fall., aureola Fall., rustica Fall. 

Nach Osten zu ist noch als Grenzgebiet der Ammern 
Kamtschatka zu nennen, wo schoeniclus schoeniclus (L.) (nach 
Tacz.), aureola Fall, und rustica Fall, gefunden wurden. 

Über dieses so umgrenzte Gebiet gehen einige Ammerarten 
behufs Aufsuchen der Winterquartiere noch hinaus und zwar 
beobachten wir solches naturgemäfs in Süd-China, Hinderindien 
und Vorderindien. Ich nenne: 

1. aureola Fall; im Winter in China, Fegu, Tenasserim, Siam, 
Nikobaren, Vorderindien. 

2. rutila Fall.; Süd-China, Sikkim, Firma, Siam, Tenasserim. 

3. rustica Fall.; Shanghai, Nord-Indien (lieichenow). 

4. pusilla Fall.; Birma, Nord-Indien. 

5. spodocephala melanops Blyth; Hinterindien, Birma. 

6. fucata fucata Fall.; Süd-China, Hainan, Hinterindien, 
Tenasserim. 

7. stewarti Blyth; Nord-Indien. 

8. tristrami Swinh,; Süd-China. 

9. buchanani Blyth; Nord- West-Vorderindien. 

10. cia par Hart.; Vorderindien. 

11. melanocephala Scop. ; Nord- West-Vorderindien, Dekan. 

12. luteola Sparm.; Dekan, Malabar- und Coromandelküste. 

Mit dieser Aufstellung ist aber nicht etwa die Reihe der im 
Winter nach Süden ziehenden Arten erschöpft, nur bleiben die 
übrigen Formen auch im Winter innerhalb des von Ammern 
überhaupt bewohnten Gebietes. Es fragt sich, wie wir jenen 
Wanderzug aufzufassen haben, ob wir in ihm eine Rekapitula- 
tion alter Ausbreitungsstrafsen sehen müssen, oder ob es ein 
Anzeichen dafür ist, dafs sich diese Formen anschicken, neue 
Gebiete für ihre Art zu erwerben, oder ob es lediglich eine Flucht 
vor den Schrecken des Winters ist. Die Erledigung dieser Fragen 
mufs ich auf später verschieben, — 

Das gesamte Gebiet der Gattung Emheriea sah ich mich 
genötigt, zu weiterer Untersuchung in Regionen, Unterregionen 
und Bezirke zu teilen, über deren genauere Begrenzung die bei- 



76 Dr. H. Duncker: 

gefügte Karte Aufschlufs geben mag. Einleitend sei dazu folgendes 
gesagt. Die gewöhnliche Einteilung in Regionen kann auch für 
die Ammern gelten. In der arktischen, orientalischen und austra- 
lischen Region fehlen sie, in der aethiopischen Region finden sich 
nur endemische Formen: cabanisi (Rchw.), major (Gab.), flaviveniris 
Bodd., poliopleura Salvad., affinis Heugl., capensis (L.), reidi 
Shell., tahapisi Smith, septemstriata (Rüpp.), insularis Grant 
Forb. (nur auf Sakotra), socoirana Grant Forb. (nur auf Sokotra), 
arähica Lz. Hellra. (nur in Arabien), saturatior Sharpe, im- 
petuani Smith. Es sind dieses 14 Arten, wobei aber zu beachten 
ist, dafs einige Formen einander in der Färbung sehr nahe 
stehen, sodafs man sie wohl als geographische Rassen auffassen 
könnte, wenn nachgewiesen würde, dafs sie sich in ihrem Brut- 
gebiete ausschliessen. Ich denke dabei an capensis (L.) und 
reidi Shell, einerseits und tahapisi Smith, insularis Grant 
Forb. und arabica Lz. Hellm. anderseits. i) — Die Formen 
verteilen sich auf die Arldt'schen ünterregionen in folgender 
Weise: 1. Savannengebiet: major Gab., flaviveniris Bodd., polio- 
pleura Salvad., affinis Heugl., tahapisi Smith, septemstriata (Rüpp.), 
saturatior Sharpe, insularis Grant Forb., socotrana Grant Forb., 
arabica Lz. Hellm. (10 Arten). 2. Südafrika: flaviventris Bodd. 
capensis (L.), reidi Shell., tahapisi Smith, impetuani Smith. 
3. Westafrika: cabanisi (Rchw), major (Gab.). 

Alle übrigen Arten, die sicheren geographischen Rassen 
mitgezählt, 51 au der Zahl, gehören dem palaearktischen Gebiet 
an. Wir können daher mit einiger Sicherheit behaupten: 

Das Entstehungsgebiet der Gattung ^möema liegt 
in der palaearktischen Region und das Überwiegen 
der Arten in Nord- Ost-Afrika zeigt, woher die Ein- 
wanderung erfolgte. 

Arldt teilt die „Palaearktische Region" in 5 Unterregionen: 
Europa, Mittelmeergebiet, Sibirien, Innerasien, Ostasien. Für die 
Verbreitung der Ammern können wir nicht ganz bei dieser 
Einteilung bleiben. Das Mittelmeergebiet und Westeuropa grenzen 
sich nicht scharf ab, da z. B. hortulana L., calandra calandra L., 
da da L. und cirlus L. in beiden Gebieten vorkommen. Viel 
schärfer ist die Grenze zwischen Ost-Europa, also Rufsland, und 
West-Furopa. Nur schoenielus schoeniclus L. ist in ganz Europa 
beheimatet. Zwischen Mittelmeergebiet und Innerasien bezw. 
Süd-West-Sibirien haben wir allerdings auch für die Ammern 
eine scharfe Grenze, nur verläuft sie nicht von der Südostecke 
des Kaspischen Sees, entlang dem Nordiranischen Randgebirge 
nach dem Pamirplateau (vgl. Arldt), sondern weiter südlich vom 
Kaspischen Meer über die Salzwüste und die Wüste Lut nach 
Belutschistan. Diese Grenze wird nur von hortulana L. und 



^) Vergl. auch N e u m a n n , Vögel von Scboa und Aethiopien. 
J. f. 0. 1905. u. V. E r 1 a n g e r , J. f. 0. 1907. 



Die Verbreitung der Gattung Emheriza. 77 

calandra calandra L. nicht respektiert, indem erstere aufser im 
Mittelmeergebiet und West-Europa noch inTurkestan, derDsungarei 
und West-Mongolei vorkommt, letztere sowohl in Europa und 
Vorderasien als auch dem südlichen Turkestan und Transkaspien 
beheimatet ist. 

Innerasien grenzt sich zwar gegen das Mittelmeergebiet 
scharf ab, nicht aber gegen die Sibirische ünterregion sowohl 
in Turkestan als auch in der Mongolei. Die in Betracht kommenden 
Formen sind alle beiden Gebieten gemeinsam, ein Hinweis darauf, 
dafs Innerasien erst spät von den wenigen Formen, die dort 
brüten, besetzt worden ist. 

Ostasien kann auch von der sibirischen Unterregion nicht 
scharf getrennt werden; eine grofse Anzahl Ammerarten brütet 
heute noch in Ostasien, hat sich aber weit nach Sibirien hinein 
verbreitet. In West-Sibirien scheint der Ural für die Ammern 
auch kein grofses Hindernis gebildet zu haben, denn nicht weniger 
als 5 Arten haben ihn überschritten und sind nach Rufsland ein- 
gewandert: schoeniclus schoeniclus L., pusilla Fall., rustica Fall., 
aureola Fall., citrinella erythrogenys Brehm. Nur 2, nämlich 
leucocepJiala G. S. Gmeliu und cioides cioides Brandt, haben am 
Ural Halt gemacht. Auffallend ist jedoch, wie alle jene 5 Arten 
sich auf Nord-Russland beschränken und auch zumeist im öst- 
lichen Finnland nicht mehr vorkommen. 

Der westlichste Funkt für pusilla Fall, ist der Onegasee, für 
rustica Fall. Ost-Finnland, für citrinella erythrogenys Brehm Ost- 
Freufsen (?), für aureola Fallas Moskau. Nur schoeniclus schoeni- 
clus (L.) breitet sich weiter nach Westen aus: Deutschland, Frank- 
reich und Spanien. Citrinella citrinella L. dagegen beginnt erst 
im nord-westlichen und westlichen Rufsland mit ihrem Brutgebiet 
und ersetzt in Westeuropa seine Rasse erythrogenys Brehm. 

Fassen wir alles dieses zusammen, so ergeben sich für die 
Ammern 2 grofse Unterregionen. 
l. Ostasien, Innerasien, Sibirien und Nord-Rufsland, dazu Tur- 
kestan und Nord-Iran bis zur Salzwüste und der Wüste Lut. 
II. Das Mittelmeergebiet und Westeuropa. 

Zu Unterregion I gehören folgende Formen: 

1. citrinella erythrogenys Brehm, 2. leucocephalaG. S. Gmelin, 
3. luteola Sparm. (Süd-West-Sibiren und Turkestan), 4. rutila 
Fall., 5. aureola Fall., 6. elegans Temm., 7. spodocephala spodo- 
cephala Fall., 8. spodocephala melanops Blyth, 9. spodocephala 
personata Temm., 10. spodocephala suhspec.'i Rsivt., W. sulphurata 
Temm., 12. stewarti Blyth., 13. buchanani Blyth, 14. cia par Hart., 
15. cia godlewskii Tacz., 16. cia stracheyi Moore, 17. cioides cioides 
Brandt, 18. cioides castaneiceps Moore, 19. cioides ciopsis Bp., 
20. janTiowskii Tacz., 21. fucata fucata Fall., 22. fucata arcuata 
Sharpe, 23. rustica Fall., 24. pusilla Fall., 25. chrysophrys Fall., 
26. variabilis Temm., 27. iristrami Swinh., 28. yessoensis (Swinh.), 
29. pallasi Gab., 30. schoeniclus pallidior Hart., 31. schoeniclus 



78 Dr. H. Duncker: 

pyrrhulinus Swinh., 32. pyrrJiuloides pyrrhuloides Pall, (auch au 
der Wolgamündung), 33. pyrrhuloides centralasiae Hart., 34. 2W- 
rhuloides subspec? Hart. 

Das sind inkl. geographische Rassen 34 Formen. 

Schoeniclus schoeniclus (L.) habe ich noch nicht einmal mit- 
gezählt, weil diese Form beiden Unterregionen gemeinsam ist. 

Der Unterregion II gehören folgende Formen an : 

1. Calandra calandra L., 2. calandra thanneri Tschusi, 
3. hortulana L. (greift allerdings auch nach Turkestan, ja sogar 
der Dsungarei und West-Mongolei hinüber), 4. cirlus L., 5. caesia 
Cretzschmar, 6. melanocephala Scop., 7. cinerea Strickld., 8. citri- 
nella citrinella L., 9. cia cia L., 10. striolata striolata (Lath.), 
11. striolata saharae Levaill., 12. pyrrhuloides reiseri Hart., 
13. pyrrhuloides palustris Savi, 14. schoeniclus canneti (ßrehm), 
1 5. scÄocm'c^MS ^ÄCÄwsii Reiser und Almiisy, 1 6. schoeniclus othmari Hart. 

Das sind 16 Formen, also weniger als die Hälfte der in der 
andern Region vertretenen Formen. 

Ich schliefse d a r a us w i e d e r , dafsdieasia- 
tische Unter region (I) die Heimat der Gattung 
Emheriza i s t. 

Die asiatische Unterregion müssen wir wieder in Bezirke ein- 
teilen, um die Urheimat der Ammern noch genauer zu lokalisieren. 

Bezirk P): Rufsland: schoeniclus schoeniclus (L.), citrinella 
erythrogenys Brehm, pusilla Pall., rustica Fall., aureola Pall. 
(5 Formen). 

Bezirk 2: West-Sibirien und Turkestan. Die Grenze bildet 
im Osten der Jenessei, im Süden die innerasiatischen Hochgebirge, 
die Salzwüste Persiens und die Wüste Lut, im Westen die untere 
Wolga und der Ural. Es finden sich in diesem Bezirk folgende 
Formen: pusilla Pall, rustica Pall., aureola Pall., schoeniclus 
schoeniclus (L.), citrinella erythrogenys Brehm, hortulana L. (nur 
im Südwesten des Bezirks), leucoccphala Graelin, pyrrhuloides 
pyrrhuloides Pall., pyrrhuloides subspec? Hart., cia par Hart., 
cia godlewsJcii Tacz., huchanani Blyth, stewarti Blyth, luteola 
Sparm., cioides cioides Brandt (15 Formen). 

Bezirk 3: Innerasien mit den schon des öfteren bezeichneten 
Grenzen : hortulana L., luteola Sparm., leucoccphala Gmeliu, pyr- 
rhuloides centralasiae Hart., cia godlewskii Tacz., cia stracheyi 
Moore, stewarti Blyth, fucata arcuata Sharpe (8 Formen). 

Bezirk 4: Ostsibirien. Die Ostgrenze bildet das Meer, die 
Südgrenze das Jablonoi- bezw. Stanowoigebirge und der Baikal- 
see, die Westgrenze der Jenessei: pMS^7Za Pall., rutila Pall,, rustica 
Pall., aureola Pall., schoeniclus pallidior Hart , schoeniclus schoeni- 
clus (L.) (?), pallasi Gab., leucoccphala Gmelin, chrysophrys Pall., 
elegans Temm., spodocephala spodocephala Pall. (11 Formen). 



^) In dieser Tabelle sind alle in dem betreffenden Bezirk brütenden 
Arten genannt. 



Die Verbreitung der Gattung Emberiza. 79 

Bezirk 5: Mandschurei, Amurprovinz, Japan, Nordchina: 
jankowsTcü Tacz., iristrami Swinb., ruiila Pall., pusilla Pall., au- 
reola Pall., leucocephala Gmel., chrysophrys Pall.', elegans Temm., 
cioides castaneiceps Moore, cioides ciopsis Bp. (Japan), fucata 
fucata Pall., spodocephala spodocephala Pall., spodocephala mela- 
nops Blyth, spodocephala personata Temm. (Japan), spodocephala 
subspec. ? Hart., pallasi (Gab.), schoeniclus pyrrhulinus Swinh. 
(Japan), sulphurata Temm. und Schleg. (Japan), variabilis Temm. 
(Japan), yessoensis (Swinhoe) (Japan) (20 Formen). 

Schon nach dieser Aufstellung würde der mandschurische 
Bezirk als Entstehungszentrum der Ammergattung am meisten 
in Betracht kommen, wenn auch Bezirk 2 stark mit ihm konkurriert. 

Um daher ganz sicher zu gehen, stelle ich noch einmal die 
Formen zusammen, welche in ihrem Bezirk endemisch sind, nämlich: 

1. Bezirk: 0. 

2. Bezirk: pyrrhuloides pyrrhuloides Pall., pyrrhuloides 
subspec? Hart, cia par Hart., buchanani Blyth, cioides cioides 
Brandt (5 Formen). 

3. Bezirk: pyrrhuloides centralasiae Hart., cia stracheyi 
Moore, fucata arcuata Sharpe (3 Formen). 

4. Bezirk: schoeniclus pallidior Hart. (1 Form). 

5. Bezirk: jankowsJcii Tacz., cioides castaneiceps Moore, 
cioides ciopsis Bp. (Japan), fucata fucata Pall., yessoensis (Swinh.) 
(Japan), iristrami Swinh., variabilis Temm. (Japan), spodocephala 
melanops Blyth, spodocephala personata Temm., spodocephala 
subspec? Hart. {^'ACch^Xm), schoeniclus pyrrhulinus Swinh. (Japan), 
sulphurata Temm. u. Schleg. (Japan). (12 Formen, davon 5 nur 
in Japan). 

In dieser Aufstellung tritt das Übergewicht des 5. Bezirkes 
ganz besonders zu Tage. Ich schliefse daraus: 

Der mandschurische Bezirk ist das Entstehungs- 
zentrum der Gattung Emberiza. 

Es stimmt die Lage des Entstehungsgebietes auffallend zu 
der oben bereits ausgesprochenen Behauptung, dafs das Ent- 
stehungszentrum der Emberizinae in Amerika liege. Das durch 
meine üntersuchungsmethode gefundene Resultat gewinnt damit 
an Wahrscheinlichkeit. Umgekehrt nimmt aber auch meine 
Untersuchungsmethode, da sie zu einem richtigen Resultat ge- 
führt hat, an Beweiskraft zu, und es läfst sich der Satz aussprechen: 

Aus der h eutigen Verteilung derVögel läfst sich 
insofern auf das A u sbreitungszentrum einerGattung 
schliefsen, als eine Anhäufung von Arten ein und 
derselben Gattung in einem Bezirke auf ein solches 
Ausbreitungszentrum in diesem Bezirke hinweist. 

Wir werden nicht bei jeder Vogelgattung in der glücklichen 
Lage sein, eine derartige Anhäufung von Arten konstatieren zu 
können. Es setzt dieses vor allem voraus, dafs das Entstehungs- 
gebiet nicht etwa von Wasser überflutet ist, und die Formen so 



80 Dr. H. Duncker: 

zur Auswanderung gezwungen wurden (vgl. Gadow's Anschauung 
über den Entstehungsort der Singvögel auf der hyothetischen 
südpazifischen Landbrücke zwischen Australien und Amerika). 
Ferner verlangt solches stets eine artenreiche Gattung, die sich 
über ein grofses Gebiet verbreitet. Alle diese Bedingungen sind 
bei der Gattung Emheriza erfüllt, weshalb ich sie ja auch zum 
Gegenstand meiner Untersuchung machte. — Der oben ausge- 
gesprochene Gedanke ist übrigens nicht neu. Ich selbst habe 
ihn 1905 bereits in meinem Buche: „Über den Wanderzug der 
Vögel" pag. 65 ff. ausgesprochen, auch findet er sich andern Orts 
hie und da angedeutet. Es schien mir aber der Mühe wert, ihn 
einmal einer Untersuchungsmethode zu Grunde zu legen. 

Die heutige Verteilung der Ammern kann uns jedoch noch 
mehr erzählen von ihrer Entstehung und darauf wollen wir jetzt 
eingehen. 

Die Gattung Emheriza ist durch einen scharfen Schnitt 
von den amerikanischen Ammern getrennt, nur die Gattungen 
Fasserina und Calcarius vermitteln zwischen Amerika und 
Eurasien. Beides sind hochnordische Vögel, dem Leben unter 
PCis und Schnee mit dem damit verbundenen spärlichen Nahrungs- 
erwerb angepafst. Was hat diesen Gegensatz verursacht? Es 
kann nicht die Trennung der Kontinente allein gewesen sein, 
denn gerade so wie Fasserina und Calcarius, zum Teil auch 
Junco hyemalis, diese Kluft überwandt, ganz abgesehen davon, 
dafs einem Vogel ein verhältnismälsig enger Meeresarm kein 
unüberbrückbares Hindernis ist, hätten es auch andere amerika- 
nische Ammerformen tun können, und die vollständige Isolierung 
der Gattung Emheriza bleibt nicht verständlich. 

Nun wissen wir, dafs das Festlandseis während der Eiszeit 
auch Südalaska, die Aleuten und die Tschukschen-Halbinsel 
bedeckte, demnach durch die Eismassen eine wirksame Trennung 
der beiden Kontinente herbeigeführt wurde, wenigstens in dem 
südlichen Teile der Landbrücke. Ganz Asien war eisfrei, ebenso 
die nördliche Hälfte der Landbrücke und Nordalaska. Sodann 
lag aber ganz Nordamerika durchschnittlich bis zum 43.° n. Br. 
vollkommen unter dem Eise. Die südlichen Teile der Vereinigten 
Staaten waren demnach auf längere Zeit vollständig von Eurasien 
abgeschnitten. Ich schliefse nun so : Vor der Eiszeit dehnte sich 
das Gebiet der Emherizinae aus über Amerika — wie weit nach 
Süden soll vorerst noch unerörtert bleiben — und dem nordöst- 
lichsten Teil von Asien. Die Emherizinae hatten damals vielleicht 
noch den Rang einer Gattung — nennen wir sie einmal Falaeo- 
emheriza — , welche amerikanische und einzelne asiatisch-amerika- 
nische Arten aufwies. Die sich vorschiebenden Eismassen trennten 
die asiatisch-amerikanischen Arten von den amerikanischen und 
drängten erstere ganz nach Asien hinüber. 3 dieser asiatisch- 
amerikanischen Arten glaube ich nachweisen zu können. Es 
sind die 3 Gattungen Emheriza, Fasserina und Calcarius 



Die Verbreitung der Gattung Emberiza. 81 

Die erste Art wich dem Vordringen des Eises nach Süden aus 
und entwickelte sich in dem mandschurischen Bezirk zur Gattung 
Emberiza. der meine Untersuchung bisher galt. Fasserina und 
Calcarius hielten zäher fest an ihrem alten Brutgebiet, pafsten 
sich den strengeren Verhältnissen immer mehr an, wurden polare 
Formen und behaupteten die im Norden eisfreie Landbrücke 
zwischen Amerika und Asien. Vielleicht kann TJrocynchramus als 
eine 4. asiatisch-amerikanische Art der Gattung Falaeoemberiza 
gedeutet werden, welche mit Emberiza gleichzeitig nach Süden 
gedrängt wurde und sich in einer Art erhielt. — Die amerika- 
nischen Ammern wurden etwa bis 40° n. Br. zurückgedrängt und 
sind allmählich erst wieder weiter nach Norden vorgedrungen. 
Jetzt haben wir auch die Möglichkeit, ungefähr die Zeit an- 
zugeben, wann die Gattung Emberiza als solche entstanden ist. 
Die Gattung Emberiza ist jedenfalls während der 
Eiszeit oder kurz nach ihr entstanden. Gegen eine weit 
frühere Ansetzung ihrer Entstehung, etwa im älteren oder mitt- 
leren Tertiär spricht auch noch die fehlende Ausbreitung nach 
Indien, Die im mittleren Tertiär beginnenden und noch weit in 
die spätere Zeit hineinreichenden Faltungen Innerasiens, welchen 
der Himalaya mit seinen nördlich vorgelagerten Gebirgszügen 
sein Dasein verdankt, mufsten bereits beendet gewesen sein, als 
sich die Gattung Emberiza nach Westen ausbreitete — eine un- 
mittelbare Folge von Artenbildung — . Es wäre sonst nicht zu 
verstehen, dafs in den innerasiatischen Hochebenen eine solche 
Armut an Ammern herrscht und in Indien überhaupt keine brütend 
gefunden werden. Der Einwurf, das aethiopische Klima Indiens 
sage den Ammern nicht zu und daher der Mangel, ist leicht durch 
den Hinweis auf Afrika, wo sich Ammern finden, entkräftet. 

Meine nächste Aufgabe ist es nun, die Ausbreitungsstrafsen 
zu verfolgen, welche die einzelnen Formen genommen haben. 

Abgesehen von den japanischen Formen ist die allgemeine 
Ausbreitungsrichtung naturgemäfs westlich. Man kann jedoch 
deutlich eine kleine unbedeutende Abzweigung nach Süden wahr- 
nehmen. Schwach [angedeutet wird dieser Weg von fucata fu- 
cata Fall., die noch bei Futschau in Süd-China brütet, weiter auf 
ihm vorgedrungen ist fucata arcuata Sharpe und zwar durch 
Central-China nach dem Himalaya hinüber. 

Nach Japan, das zur Eiszeit noch mit dem Festland zusammen- 
hing (Hondo), begaben sich: sulphurata Temm. u. Schleg., schoe- 
niclus pyrrhuUnus Ea,Yt, spodocephala^Jersonataliemm., spodocephala 
subspec? Hart, (heute nur noch in Sacchalin), variabilis Temm., 
yessoensis^mwh. (wird als Irrgast vonFutschan gemeldet, vgl. Martens 
0. Fokiensis J. f. 0.), cioides ciopsis Bp. Alle diese Formen sind für 
Japan endemisch, ein Zeichen der artenerhaltenden und bildenden 
Kraft der Isolation. Ammern, welche auch auf dem Festlande 
vorkommen, gibt es in Japan nur fucata fucata Fall, und sehr 
selten aureola Fall, und elegans Temm. 

Journ. f. Gm. LX. Jahn?. Januar 1912 ß 



82 Dr. H. Duncker: 

Alles übrige hat sich nach Westen gewendet. Es läfst sich 
eine mehr nördliche Ausbreitungsstrafse von einer mehr südlichen 
deutlich scheiden. Erstere geht zunächst nach Norden, gabelt 
sich aber bald in einen weiter nördlich verlaufenden und einen 
nach Westen umbiegenden Ast. Dieser Ausbreitungsstrafse folgten 

1. rutila Fall. Bereits am Baikalsee und an der Lena er- 
reicht diese Form ihre Westgrenze, hält aber noch an der alten 
Heimat fest, denn wir finden sie noch in der Mandschurei und 
N.-China. Dafs wir es bei dieser Form jedoch wirklich mit einer 
A usbreitun g nach Norden zu tun haben und sein heutiges Brut- 
gebiet nicht etwa sein altes Brutgebiet darstellt, ersehe ich aus 
dem bei ihm wahrgenommenen Wanderzug. Dieser stellt eine 
Rekapitulation seines Ausbreitungsweges dar; nur schiefst er über 
sein Ziel hinaus und wandert bis Süd-China, Sikkim, Birma, Siam, 
Tenasserim. Wir dürfen jedoch nicht daraus schliefsen wollen, 
dafs hier sein Ausbreitungszentrum liege, sondern wir beobachten 
nur eine Prolongation der Zugstrafse (vgl. Palmen) i). 

2. elegans Temm. Die Ausbreitungsstrafse dieser Form ist 
eine noch mehr nördlichere, er gelangt nur bis Ostsibirieu, im 
übrigen deckt sich das Brutgebiet der beiden Formen. Auch 
elegans zieht im Winter, aber nur bis in die chinesischen Tief- 
ebenen, was auch als Rekapitulatii)n der Ausbreitungsstrafse mit 
geringer Prolongation anzusehen ist. 

3. spodocephala spodocephala Pall. Das Brutgebiet und die Aus- 
breitungstrafse deckt sich fast mit elegans Temm., nur kommtspodo- 
cephala spodocephala Pall. im südlichen Sibirien weiter westlich bis 
Irkutsk vor. Die Zugverhältnisse sind die gleichen. Nicht unerwähnt 
lassen möchte ich, dafs am 5. Nov. 1910 1 Expl. dieser Form in 
Helgoland erbeutet wurde, vgl. Weigold Orn. Mon.-Ber. Jan. 1911. 

3 a. spodocephala melanops Blyth wohnt in der Urheimat 
und zieht im Winter nach Indien und Birma. Die Form soll 
hier nur wegen ihres Zuges aufgeführt werden, der mit dem der 
hierhergehörigen Arten so grofse Ähnlichkeit hat, aber doch ganz 
anders aufzufassen ist. Melanops Blyth ist eine südl. Abart von 
spodocephala spodocephala Pall., welche entstand zu einer Zeit, 
als die Hauptform bereits mit der Ausbreitung nach Norden die 
Eigentümlichkeit des Wandertriebes sich erworben hatte. Die 
Rasse melanops Blyth brütete nun zwar im Winterquartier der 
Stammform, erbte aber noch den Wandertrieb, der sie nun 
natürlich noch weiter südlich führen mufste. 

4. pallasi (Gab.). Die Form brütet in Ussuri, im Stanowoi- 
gebirge, an der Lena, in Daurien und am Baikalsee und ist bis 
zum Jenessei westlich vorgedrungen. Sie gehört demnach durch- 
aus der nördlicheren der beiden Ausbreitungsstrafsen au und zwar 
ist sie schon weiter nach Westen vorgedrungen als 1. — 3. Seine 
Beziehungen zur Urheim.at deutet pallasi (Gab.) durch seinen 



1) Palmön, Zugstrafsen der Vögel p. 233 ff. 



Die Verbreitung der Gattung Emherisa. 83 

Winterzug an, welcher nach Nord- und Mittel-China, Korea, Mand- 
schurei und Mongolei führt. 

Den Umstand, dafs pallasi{CQ.\).) in der Mongolei überwintert, 
führe ich, auf eine geringe Deviation der Zugstrafse zurück. Da- 
gegen ist nicht anzunehmen, dafs er die Mongolei jemals als 
Brutgebiet innegehabt und später wieder aufgegeben hat. Die 
Einwanderung in das Gebiet zwischen Lena und Jenessei dürfte 
wohl von Daurien aus vor sich gegangen sein. 

5. rustica Fall, Die Ausbreitung dieses Vogels ist nicht schwer 
zu erkennen ; zudem gehört er zu den Formen, welche gerade in der 
heutigen Zeit noch eifrig dabei sind, ihr Brutgebiet zu vergröfsern. 

Zunächst wandte sich rustica Fall, nach Norden, bevölkerte 
Kamtschatka und Ostsibirien, wo er auch heute noch brütend 
zu finden ist. Sein Winterzug nach Japan, Mandschurei und China 
zeigt, auf welchem Wege er sich ausgebreitet hat. Besonders 
interessant ist Japan als Winterquartier, weil es uns einen Finger- 
zeig gibt dafür, wie der Vogel nach Kamtschatka gekommen ist. 
Dann ging die Ausbreitung nach Westen weiter. Er erreichte 
den Jenessei, den Ural, Archangelsk, ja sogar O.-Finnland. Diese 
Richtungsänderung der Ausbreitungsstrafse hatte eine starke 
Deviation der Zugstrafse zur Folge und an die Stelle der alten 
Urheimat, wo nur die P'ormen östlich des Jenessei überwintern, 
trat für die westlicheren Artgenossen die Mongolei, Turkestan 
und nach Reichenow sogar Indien als Winterquartier. Wie bereits 
gesagt, scheint die Waldammer aber noch keine Ruhe zu haben, 
der Ausbreitungstrieb macht sie häufig zum Irrgast in Schweden, 
auf Helgoland (zuletzt am 19. Sept. 1910), in England, Deutschland, 
Holland, Österreich, ja sogar in Süd-Frankreich und Italien. 

6. pusilla Fall. Dieser Vogel zeigt nahezu dieselben Verhält- 
nisse wie rustica Fall, nur wird er nicht in Kamtschatka und 
dem nordöstlichsten Sibirien gefunden. Die Nordgrenze seines 
Brutgebietes verstreicht von der Amurraündung nach der Taymir- 
halbinsel zu. Er hat also die rein nördliche Abzweigung über 
die japanischen Inseln nicht mitgemacht, kommt daher auch im 
Winter nicht in Japan vor. Seine westliche Ausbreitungsstrafse 
ist sehr breit entwickelt, finden wir ihn doch auch in der Mongolei 
und Turkestan. Das Endziel seiner Ausbreitung ist bis jetzt 
ebenfalls Nord-Rufsland, wo er an der Fetschora, Dwina und am 
Onegasee brütend gefunden wird. Bei der Zwergammer können 
wir sowohl eine Deviation als auch Frolongation des Winterzuges 
wahrnehmen, die ihn einmal nach Nord-West-Indien, das andere- 
mal nach Birma führt, ja ihn sogar als Irrgast auf den Fhilip- 
pinen und Andamanen erscheinen läfst, während er im allgemeinen 
in China überwintert. Dafs auch dieser Vogel in seiner Aus- 
breitung noch nicht zur Ruhe gekommen ist, beweist sein häu- 
figes Auftreten als Irrgast in 0. Preufsen, Oesterreich, Schonen, 
England, Holland, Belgien, Frankreich, Italien, ja sogar Klein- 
Asien und Algier. 

6* 



84 Dr. H. Duncker: 

7. aureola Pall. Diese Form deckt sich in ihren Ausbrei- 
tungsverhältnissen mit den beiden vorhergehenden und zwar mit 
rustica Pall. noch mehr als pusüla Fall., da sie auch nach Kamt- 
schatka vorgedrungen ist — ihr zwar seltenes Auftreten auf 
Jesso steht sicher damit in Zusammenhang — . Sie scheint aber 
neben dieser rein nördlichen Strafse noch eine zweite mehr nord- 
westliche über Daurien, den Baikalsee, das Sajan-Gebirge und den 
Altai nach dem Ob eingeschlagen zu haben. Die westliche 
Grenze des Brutgebietes findet sich wiederum bei Archangelsk, 
an der Dwina, der Onega und bei Moskau. Die alte Beziehung 
zur Urheimat wird durch Brüten in derselben und durch das 
Winterquartier in China — bei Peking brütet er sogar auch noch — 
aufrecht erhalten. Im übrigen beobachten wir auch bei der 
Weidenammer eine starke Prolongation — Pegu, Tenasserim, 
Nikobaren! — und Deviation — Himalaya und Vorderindien — 
des Winterzuges. Als Irrgast wurde die Weidenammer auf Helgoland, 
in Holland, in der Provence, in Italien, Böhmen, Schlesien und 
Galizien beobachtet, welcher Umstand ebenso zu erklären ist, 
wie bei pusüla Pall. und rustica Pall. 

8. schoeniclus schoeniclus (L.). Die Rohrammer ist in ihrer 
Ausbreitung nur verständlich, wenn man die voraufgehenden 
Formen besprochen hat; dann tritt aber deutlich hervor, dafs 
wir hier nur ein etwas weiter vorgeschritteneres Stadium der 
Ausbreitung vor uns haben, ein Stadium, das von der Wald-, Zwerg- 
und Weidenammer auch wohl noch erreicht werden wird. Das 
Brutgebiet der Rohrammer erstreckt sich von Kamtschatka, Ost- 
Sibirien, West-Sibirien, Nord-Rufsland, Skandinavien, Deutschland 
und dem nordwestlichen Ungarn bis nachGrofsbritannien und Irland, 
Frankreich, Italien und Nord-Spanien. Es sind also von der 
Rohrammer bereits alle die Gegenden besetzt, in welchen die 
vorhergehenden Formen als Irrgäste auftreten. Ein zweites 
Zeichen dafür, dafs die Ausbreitung der Rohrammer bereits in 
früherer Zeit stattfand, sind die mangelhaften Beziehungen zur 
Urheimat und die enorm starke Deviation ihres Winterzuges. 
Schoeniclus schoeniclus (L.) wird als Wintervogel in China und 
Mandschurei nicht genannt, dagegen kommt eine geographische 
Rasse schoeniclus pallidior Hart, dort im Winter vor, auch in 
Japan ist schoeniclus schoeniclus (L.) als Wintergast nicht bekannt, 
— was doch bei ihrem Vorkommen in Kamtschatka nur so natür- 
lich wäre, — dagegen wiederum eine geographische Rasse schoeni- 
clus pyrrhulinus Swinh , die auch in Nord-Japan brütet. Ich 
finde dieses so auffällig, dafs ich glauben möchte, dafs die in 
Kamtschatka brütenden Formen mit der geographischen Rasse 
pyrrhulinus Swinh. und die ostsibirischen mit der Rasse pallidior 
Hart, zusammenfallen. Es würde sich dann das Brutgebiet von 
schoeniclus schoeniclus (L.) östlich nur bis zum Jenessei erstrecken. 
Die geographischen Rassen pallidior Hart, und pyrrhulinus Swinh. 
müfsten dann als die der Urheimat nähergebliebenen und daher 



J 



Die Verbreitung der Gattung Emheriza. 85 

ursprünglicheren Formen gelten. FyrrJiulinus Swinh. repräsentiert 
dann die rein nördliche Ausbreitungsstrafse über Japan, pallidior 
Hart, mehr die westliche. Bei pyrrhuliniis Swinh. hätten wir 
dann im Winterzug nach S.-Japan und China (vgl. Hart. Vögel d. 
pal. F. pag. 197) eine reine Rekapitulation der Ausbreitungs- 
strafse, pallidior Hart., welche wir im Winter am Jangtsekiang, 
Lobnor, Kaschgar und Turkestan finden, zeigt dagegen neben 
seinen Beziehungen zur Urheimat eine überraschend starke 
Deviation. Schoeniclus schoeniclus (L.) selbst ist dann aber gänz- 
lich zur westlichen Form geworden. Nur den Wandertrieb hat 
die Rohrammer nicht abgelegt, die Deviation ist aber so stark 
geworden, dafs man die alte Heimat aus dem Winterquartier 
nicht mehr ersehen kann. Süd-Spanien, Süd-Deutschland, Italien, 
Griechenland, Klein-Asien und Nordafrika sind heute ihr Winter- 
aufenthalt. An vergangene Zeiten erinnert vielleicht noch ihr 
fragliches Vorkommen im Pendschab. 

Ich kann nicht an der Rohrammergruppe vorübergehen ohne 
noch auf eine Tatsache aufmerksam zu machen, die auch für ein 
höheres Alter dieser Gruppe spricht. Es ist dies die Abspaltung 
zahlreicher geographischer Rassen. 3 habe ich bereits erwähnt 
und 3 sind noch zu nennen: In Süd-Rufsland, in der Dobrudscha, 
in Cis- und Trauskaukasien (Lenkoran) — vielleicht nur als 
Wintergast — wohnt schoeniclus tschusii Reiser und Almasy, in 
Ungarn, Dalmatien, Griechenland findet sich schoeniclus canneti 
(Brehm) und dazwischen — in Bulgarien nachgewiesen, in Kleiu- 
Asien vermutlich auch vorhanden — schoeniclus othmari Hart. 
Alles dreies sind Formen, die sich von schoeniclus schoeniclus 
(L.) wahrscheinlich in Süd-Rufsland und Galizien abgezweigt 
haben und direkt nach Süden vorgedrungen sind. Dafs der Aus- 
breitungstrieb nach Süden diesen Formen innewohnt, kann 
wenigstens an schoeniclus othmari Hart, gezeigt werden, der aus 
Egypten als Irrgast gemeldet wird. Neuerdings wird von Baron 
Loudon schoeniclus schoeniclus (L.) auch von Lenkoran und 
Transkaspien gemeldet, was auch für die südliche Ausbreitungs- 
tendenz spricht. 

9. leucocephala S. G. Gmelin. Diese Form hat sich eben- 
falls von der Urheimat Ostasien nach Westen gewendet, brütet 
aber noch am Amur. Seine Ausbreitungsstrafse hält sich mehr 
südlich und so finden wir ihn in der Mongolei, am Altai und 
bei Krasnoyarsk. Die Westgrenze seines Brutgebietes bildet der 
Ural. Dafs er jedoch heute noch in der Ausbreitung nach W^esten 
begriffen ist, beweist sein Auftreten als Irrgast auf Helgoland, 
im Isargebirge, in Oesterreich, Ungarn, Dalmatien, Italien und 
Süd-Frankreich. Die Winterquartiere: Nord-China, Süd-Mongolei, 
Turkestan, Turan, Afghanistan, Iran, West-Himalaya, zeigen teils 
die alte Beziehung zur Urheimat, teils eine starke Deviation. 

10. citrinella citrinella L. Diese Form hat nur insofern 
Berechtigung unter dieser Gruppe genannt zu werden, als sie 



86 Dr. H. Duncker: 

höchstwahrscheinlich ebenfalls diesen Weg bei ihrer Ausbreitung 
genommen hat. Ganz exakt läfst es sich bei der Goldammer 
nicht mehr nachweisen, weil sie fast alle Beziehungen zur alten 
Urheimat abgebrochen hat. Die östliche Grenze des Brutgebietes 
der Goldammer ist Süd-Rufsland bis Moskau; Kaukasien ist als 
Brutgebiet fraglich; dann aber kommt sie vor in Finnland, viel- 
leicht auch in Teilen Nordrufslands. Von dort aus nach Westen 
bewohnt sie Skandinavien bis zum 70. *• n. Br., England, ganz 
Mitteleuropa, Frankreich, Nord-Italien und Nord-Spanien. Den 
Winterzug hat sie fast ganz aufgegeben, ein Zeichen für ihr hohes 
Alter in diesen Gegenden. Man trifft sie in der kalten Jahres- 
zeit auf den Kanaren, in Süd-Spanien, Algier und Süd-Italien. 
Auch in der Goldammergruppe finden wir die Bildung einer geo- 
graphischen Rasse citrinella erythrogenys Brehm, welche uns deut- 
lich den Weg zur Urheimat zurückweist, wenn auch wiederum 
nicht vollständig. Der Jenessei bildet für citrinella erythrogenys 
Brehm die Ostgrenze, der Altai etwa die Südgrenze. Im Winter 
finden wir diese Form in Turkestan, Persien und Kleinasien, in 
letzteren beiden Ländern allerdings sehr selten. Würde er dort 
häufiger sein, so müfste mich eine derartig starke Deviation be- 
züglich der Heimat dieser Form doch etwas bedenklich machen. 
Es sind diese wenigen Wintergäste aber wohl südrussische Formen, 
welche eine weitere Deviation der Zugstrafse nämlich westlich 
um das kaspische Meer herum anbahnen. 

Damit ist die Reihe der nördlichen Gruppe erschöpft und 
ich wende mich nun den Formen zu, welche zwar nach Westen 
streben, aber sich dabei doch mehr südlich halten, vor allen 
Dingen nicht soweit nach Sibirien hinein sich ausbreiten. Die 
Südgrenze der Ausbreitung der beiden Gruppen ist dagegen 
kaum verschieden, sie wird eben durch die innerasiatischen Ge- 
birgszüge bedingt. Zunächst einige Formen, welche keine 
wesentliche Ausbreitung aufzuweisen haben. 

1. fucata fucata Fall. Es ist dieselbe Form, welche eine 
geographische Rasse nach dem Himalaya abgegeben hat, sie selbst 
scheint die Urheimat Nord-China, Mandschurei, Ussuri festhaltend, 
eine kleine westliche Ausbreitung nach Süd-Daurien und dem 
Baikalsee unternommen zu haben. Der Winterzug zeigt eine 
deutliche Prolongation und führt die Form nach Süd-China, wo 
sie übrigens nach Martens das ganze Jahr zu finden ist. 

2. tristrami Swinh. Das Brutgebiet und die Ausbreitung ist 
dieselbe wie von fucata fucata Pall., nur dafs sie in Nord-China 
schon nicht mehr brütet und nur noch als Durchzugsvogel beob- 
achtet wird, während sie in Süd- und Mittel-China überwintert. 

3. chrysophrys Pall. gliedert sich am besten hier ein, ob- 
wohl sein Vorkommen in Sibirien es fast der nördlicheren Gruppe 
zuweist. Es ist diese Ausbreitung nach Norden jedoch so gering- 
fügig, und es steht demgegenüber das Vorkommen in der Mon- 
golei, sodafs ich keinen Anstofs nehme sie hier ein einzuordnen. Im 



Die Verbreitung der Gattung Emberiza. 87 

übrigen kommt auch diese Form in Nord-China (Peking) nur noch auf 
dem Durchzuge vor und überwintert in Nord- und Mittel-China. 

4. cioides cioides Brandt ist eine der älteren Formen, was 
sie durch die Bildung dreier geographischer Rassen dokumentiert. 
Cioides ciopsis ^\). beschränkt sich auf auf Japan. Cioides casta- 
neiceps Moore ist der alten Heimat, Ostasien, treu geblieben und 
findet sich im Winter auch in China. Cioides cioides Brandt end- 
lich repräsentiert den Auswanderer in westlicher Richtung und 
kommt bis nach Turkestan und Südwest-Sibirien. Der Merk- 
würdigkeit halber erwähne ich, dafs ein Exemplar cioides casta- 
neiceps Moore in England als Irrgast erbeutet wurde. 

Mit diesen Formen haben wir bereits das Ende der Liste 
der Vögel erreicht, welche der südlichen Gruppe der nach Westen 
sich ausbreitenden Formen angehören und dabei den Connex 
mit der Urheimat bewahren. Es schliefsen sich hier 2 Formen 
an, denen ich wegen ihrer Rassenbildung ebenfalls ein höheres 
Alter zusprechen möchte, und die ich auch der oben gekennzeichneten 
südlichen Gruppe zurechne, obwohl ihre Beziehungen zur Ur- 
heimat nicht mehr ganz klar sind. Es ist für sie etwa dasselbe 
zu sagen wie für scJioeniclus schoeniclns (L.) resp. citrinella 
citrindla L. in der nördlichen Gruppe. 

5. pyrrhuloides pyrrlmloides Fall. Die Gimpelammergruppe 
hat ein sehr ausgebreitetes Brutgebiet, von Alaschan in China 
durch die Mongolei, Ost- und West- Turkestan, Ost-Persien, 
Transkaspien, Wolgamündung, Nordkaukasus bis nach Griechen- 
land, Italien, Spanien und Südfrankreich. Sie ist die Parallelform 
zu der Rohrammergruppe und repräsentiert sicher den südlicheren 
Teil der in der Urheimat von der Urform sich abzweigenden und 
nach Westen vordringenden Rassen. Wie bei der Rohrammergruppe 
haben wir auch hier zahlreiche Rassen in verschiedenen Gebieten. 
Die östlichste und daher der Urform wohl noch am nächsten stehende 
Rasse ist pyrrhuloides centralasiae Hart. Alaschan, Nordwest- 
Mongolei und Ost-Turkestan ist ihre Heimat. Südwestlich daran 
schliefst sich eine von Hartert aufgestellte subspec. (pyrrhuloides 
korrejewi Sar.) ^), welche bis Ost-Persien gelangt. Dann folgt in 
westlicher Richtung in Turkestan, Transkaspien, an der Wolga- 
mündung und im Nord-Kaukasus die Hauptform pyrrhidoides 
pyrrhuloides Fall., in Griechenland pyrrhuloides reiseri Hart- und 
in SM-yieüt-EuYO\)Si pyrrhuloides 2}alustris Savi. Die Ausbreitungs- 
strafse dieser Form geht also mit einer kleinen südwestlichen 
Abzweigung von Turkestan nach Transkaspien, biegt nördlich um 
das Kaspische Meer, ebenso um das Schwarze Meer herum und 
gelangt so nach Griechenland, von wo dann südlich der Alpen 
die Ausbreitung nach Italien, Spanien und Frankreich weiter 
erfolgte. Ein Irrgast, unbekannt zu welcher Rasse gehörig — 
wurde in Helgoland erbeutet. 



1) vgl. Sarudny, Verzeichnis der Vögel Persiens J. f. 0. 1911. II. Heft. 



88 Dr. H. Duncker: 

6. cia da L. schliefst wegen Ausbreituog und Rassenbildung 
hier am besten an. Die östlichste Rasse cia godlewsJcii Tacz. 
bewohnt Kansu, Alaschan, Mongolei und Ost-Turkestan. Die Be- 
ziehungen zur Urheimat werden von ihr noch aufrecht erhalten 
durch ihr Vorkommen in China behufs Überwinterung. Von Ost- 
Turkestan aus hat auf südlichem Wege cia stracheyi Moore die 
Himalayatäler erreicht, während westlich cia par Hart, sich in 
Turkestan, Iran, Transkaspien und Kaukasus ausbreitete. Diese 
Form zeigt eine starke Deviation ihres Winterzuges, den sie 
nämlich nach Indien unternimmt, Sie hat von ihrer Stammrasse 
den Wandertrieb, nicht aber die Richtung des Zuges geerbt. 
Weiter westlich schliefst sich dann die Hauptform an, die also 
bei dieser Gruppe die jüngste Rasse zu sein scheint. Wir finden 
cia cia L. in Kleinasien und Palästina, auf der Balkanhalbinsel, 
in Italien, Österreich-Ungarn, dann wieder in Spanien, Portugal, 
Südfrankreich und im Rhein- und Neckartal. Die Ausbreitungs- 
strafse verlief demnach von Iran nach Mesopotamien und Palästina 
mit einer nördlichen Abzweigung zum Kaukasus, dann nach Klein- 
asien, Griechenland und Italien, wiederum mit einer nordwest- 
lichen Abzweigung nach Ungarn und Niederösterreich, schliefslich 
nach Spanien und Süd-Frankreich, wiederum mit einer nörd- 
lichen Abzweigung nach dem Rheintal. Wir haben hier die 
erste Ammer, die von Süden nach Deutschland eingewandert 
ist und daher einen direkten Gegensatz zu citrinella und schoeniclus 
bildet, die ja von Rufsland her zu uns kamen. — Im Winter trifft 
man cia cia L. in Nord-Afrika, einen Umstand, den ich auf sein 
Vordringen nach Norden in Europa zurückführe. Es ist also ein 
neu erworbener Wandertrieb und nicht von den Vorfahren ererbt, 
denn sonst müfsten auch die orientalischen Formen im Winter 
ziehen, was nicht der Fall ist. 

Mit der letzten Form haben wir schon eine Einwanderungs- 
route in das Mittelmeergebiet berührt, der noch eine grofse Anzahl 
Ammern folgen. Ich führe sie unter besonderen Nummern auf, 
weil ich der Meinung bin, dafs sie eine ganz besondere Gruppe 
bilden. Ihre Beziehungen zur Urheimat sind nicht mehr deutlich 
zu erkennen. Ich schliefse daraus, dals schon sehr lange Zeit 
vergangen sein mufs, seit sie oder ihre Vorfahren Ostasien ver- 
liefsen und auf dem Wege nach Westen nach Turkestan kamen. 
Andererseits sind es aber zu viele Arten, als dafs man annehmen 
könnte, dafs sie alle einstmals wirklich in der Mandschurei an- 
sässig waren. Am besten wird man den beiden Umständen 
— nämlich lockere Beziehungen zu Ostasien und Anschwellen der 
Artenzahl in Turkestan, Iran — gerecht, wenn man annimmt, dafs 
in sehr frühen Zeiten schon eine Auswanderung von^Ostasien erfolgte, 
von der einige Formen nach Turkestan gelangten; und dafs dort 
dann eine abermalige Entwicklung von Ammerarten stattfand, die 
nun ihrerseits nach Europa und Afrika vorgedrungen sind. Ich 
bezeichne alle diese Formen als Angehörige der Turkestangruppe. 



Die Verbreitung der Gattung Emheriza. 89 

> 1. hortulana L. Die Ostgrenze des Brutgebietes des Ortolans 
wird gebildet von West-Mongolei, Dsuugarei, vom Tarimbecken, 
von Turkestan und Afghanistan. Von dort hat sich die Art nach 
Persien, Mesopotamien, Syrien und Kleinasien ausgebreitet, die 
Türkei und Griechenland bevölkert und ist im Westen bis nach 
Italien und Süd-Frankreich vorgedrungen. Von der europäischen 
Türkei aus geht eine Abzweigung der Ausbreitungsstrafse nach 
Norden, die den Ortolan einmal nach Süd- und Mittel-Rufsland führt, 
dann aber nach Oesterreich-Ungarn, Mitteldeutschland, Holland und 
Belgien und hinüber nach Schonen, Schweden und Norwegen bis 
hinauf zum Polarkreis. Auch nach England, Schottland und 
Irland ist er im Vordringen. In Süd-England brütet er schon, 
in den nördlichen Gebieten der britischen Inseln wird er häufig 
als Irrgast beobachtet. Es ist behauptet worden, dafs gerade 
wie der Girlitz auch die Gartenammer diese Einwanderung 
nach Deutschland erst im 19. Jahrhundert unternommen habe, 
und es werden auch Daten genannt, welche das schrittweise 
Vorwärtsdringen beweisen sollen. Hartert ist dem gegenüber 
der Meinung, dafs die Meldungen vom Vorkommen der Garten- 
ammer immer eine Folge davon seien, dafs gute Beobachter in die 
betreuenden Gegenden kamen. Das Richtige dürfte in der Mitte 
liegen: Die Einwanderung einzelner Ortolane ist gewifs schon 
früher erfolgt, sie wären sonst nicht schon bis zum Polarkreis 
vorgedrungen. Aber eine Vermehrung der Individuenzahl hat 
Mitte des 19. Jahrhunderts entschieden stattgefunden, sonst 
wären die vielen Nachrichten von neuen Brutstätten des Or- 
tolans, wie sie auch von ausgezeichneten Beobachtern seiner Zeit 
gemacht wurden, nicht zu verstehen. Vor allem wäre es un- 
erklärlich, dafs ein solcher Kenner wie Naumann nur e i n- 
m a 1 im Anhaltisclien einen Ortolan beobachtete. Der Vogel 
mufs demnach nicht nur sehr scheu sondern auch sehr selten 
gewesen sein. Häufiger war er früher nur in Schlesien und 
der Lausitz. 

Von Hause aus ist der Ortolan kein Zugvogel, sein starkes Vor- 
dringen noch Norden in Europa hat ihn aber in den nördlicheren 
Teilen seines Brutgebietes zum Zugvogel gemacht. Er kommt 
verhältnismäfsig spät zu uns und zieht verhältnismäfsig früh 
wieder fort, bleibt also nur von Ende April, Anfang Mai bis 
Ende August, Anfang September bei uns. Der Ortolan zeigt 
demnach alle Eigentümlichkeiten eines Sommerfrischlers (vgl. 
Duncker, W-anderzug d. Vögel). Mit starker Prolongation erstreckt 
sich sein Winterzug bis nach Abyssinien und Somaliland. 

2. calandra calandra L. Diese Form ist ebenfalls in Tur- 
kestan entstanden, hat sich dann nach Persien, Transkaukasien, 
Palästina, Kleinasien ausgebreitet. Nördlich sowohl als südlich 
des Mittelmeers zog die Art dann weiter nach Westen. Südlich 
finden wir sie in Aegypten und ganz Afrika nördlich der Sahara. 
Auf den Kanaren hat sich die geographische Rasse calandra 



90 Dr. H. Duncker: 

thanneri Tschusi gebildet. Nördlich des Mittelmeers bevölkert 
die Grauammer ganz Süd- und Mitteleuropa und zeigt dadurch 
deutlich, dafs ihre Ausbreitungsstrafse sich nach Norden gewendet 
hat, nachdem sie im Westen am atlantischen Ozean eine Grenze 
gefunden hatte. Diese nördliche Ausbreitung hat sich bisher bis 
Kurland, Schonen, Dänemark und ganz Grofsbritannien vollzogen. 
Auch von der Grauammer glaubt man nachweisen zu können, dafs 
die Einwanderung erst im 19. Jahrhundert erfolgte. Es wird 
aber wohl dieselbe Bewandtnis haben wie beim ürtolan. Auf- 
fallend ist im Vergleich mit dieser Form aber zweierlei : Erstens 
ist die Grauammer in England viel weiter nördlich Brutvogel als 
die Gartenammer, während in allen Gebieten östlich davon der 
Ortolan höher nach Norden herauf vorkommt. Ich erkläre dies 
so, dafs die Grauammmer von Südwesten her in Mitteleuropa ein- 
gedrungen ist, also erst Frankreich besetzte und nun etwa zu 
gleicher Zeit nach Grofsbritannien hinüberging und das Rheintal 
überschritt. Der Ortolan dagegen kam von Süden nach Mittel- Europa, 
bevölkerte daher erst Rufsland, Deutschland und Skandinavien, 
ehe er nach England hinüberkam. 2. Die von Südwesten zu uns 
gekommenen Grauammern zeigen gar keinen oder einen nur sehr 
schwach entwickelten Zug. Stärker entwickelt ist dieser in Ost- 
europa und den Transkaspischen Steppengebieten. Wir finden ihn 
daher im Winter auf den Cykladen, in Nubien, im Petraeischen 
Arabien, an der persischen Küste und Sindh. In Persien selbst, 
sowie Kleinasien und Palaestina ist er wieder Standvogel. Diese 
merkwürdigen Zugverhältuisse sind nur in folgender Weise zu 
erklären. Von Hause aus ist er wie der Ortolan Standvogel. 
Da er aber nicht ein so starkes Vordringen nach Norden zeigte 
wie jener, vor allen Dingen sich mehr Zeit nahm und sich ak- 
klimatisieren konnte, hatte er auch keine Veranlassung, zum Zuge 
überzugehen. Nur in den Steppengebieten mit den scharfen 
klimatischen Wechseln wurde er gezwungen, sein Brutgebiet im 
Winter zu verlassen. Er ist demnach Winterflüchter. 

3. huchanani Blyth. An dieser Stelle reihe ich eine Ammer- 
art ein, welche allerdings in ihrer Ausbreitung weit hinter Or- 
tolan und Grauammer zurückbleibt; sie beschränkt sich auf Tur- 
kestan, findet sich im Osten im Altai, im Westen in Transkaspien 
— als Irrgast auch in Ciskaukasien und der Krim — , im Süden 
in Afghanistan und Persien. Der Vogel hat sein Brutgebiet dem- 
nach kaum erweitert. Uns interessieren an dieser Art jedoch 
einmal die in Süd-Rufsland gefundenen Irrgäste, welche auch für 
ihn ein Streben nach Westen beweisen, dann aber sein nach 
Nord-West-Indien gerichteter Winterzug, der sich ebenfalls wie 
bei der Grauammer nur als Ausflufs einer Winterflucht deuten 
läfst. Eine ererbte Gewohnheit von den Vorfahren her, die in 
Ostasien gesessen haben müssen, von denen aber nichts mehr 
nachzuweisen ist, und die nach Norden vordrangen, darin zu 
sehen, erscheint mir gar zu gekünstelt. Der starke Gegensatz 



Die Verbreitung der Gattung Emheriza. 91 

von Sommer und Winter in den Steppengebieten Turkestans 
macht dagegen auch hier eine Winterflucht sehr erklärlich. 

4. luteola Sparmann. Über den braunkehligen Ammer ist 
genau dasselbe zu sagen wie über huchanani Bl>th., sowohl was 
das Brutgebiet — Altai, Süd-West-Sibirien, Kirgisensteppe, Tur- 
kestan, Tarimbecken, Transkaspien, Afghanistan — als auch das 
Winterquartier anbetrifift. Entsprechend dem etwas weiter nörd- 
lich in die Steppen vorgeschobenen Brutgebiet beobachteten wir 
einen intensiveren Winterzug nach Süd-Persien, Pandschab, 
Nord-Indien, Dekan, Malabaren und Koromandelküste. Auch 
luteola Sparm. ist ein echter Winterflüchter. 

5. stewarti Blyth. gehört entschieden ebenfalls in diese 
Gruppe. Ihr Brutgebiet ist Turkestan. Von dort hat sich diese 
Form nach Süden ausgebreitet, nämlich nach Afghanistan, Kasch- 
mir, Gilgit und von dort nach dem Hochland von Tibet. Sie 
bildet demnach eine Parallelform zu cia stracheyi Moore und 
zeigt, dafs wir durchaus eine Ausbreitungsstrafse von Turkestan 
nach Süden haben. Als Brutvogel in Turkestan ist er auch 
Winterflüchter, der in Sindh und Nord-Indien überwintert. Die 
Brutvögel im Himalaja gehen 5 — 7000 Fufs hoch. 

6. melanocephala Scop. ist zwar kein Brutvogel in Tur- 
kestan mehr, schliefst sich aber ganz eng an die Gruppe 1.— 5. 
an. Die Ostgrenze seines Brutgebietes ist Iran und Belutschistau. 
Sein Vorkommen im Winter in N.W. Indien und Sindh führe ich 
auf ererbten Wandertrieb zurück aus der Zeit, wo der Vogel 
noch in Turkestan dem stark wechselnden Klima der Steppe aus- 
gesetzt war. Auch der Wandertrieb eines Winterflüchters ist erblich. 

Im übrigen breitete sich die Kappenammer westlich aus 
nach Palaestina, Kleinasien, Türkei, Griechenland und Italien. 
Zahlreiche Irrgäste in Süd-Frankreich, Süd-Deutschland und 
Oesterreich, auch an der unteren Wolga (?), in Helgoland und 
England zeigen, dafs der Vogel in seiner Ausbreitung noch nicht 
Halt gemacht hat. 

7. cinerea Strickld. brütet auch in Persieu und westwärts 
bis Kleinasien, auch ihn rechne ich zur Turkestangruppe, wenn 
er auch kaum Beziehungen in seinem Brutgebiet nach dort auf- 
recht erhält. Auch er ist noch Zugvogel aus ererbter Ge- 
wohnheit. Als Irrgast wurde die kleinasiatische graue Ammer in 
Helgoland (?) und Abessinien gefunden. Aus beiden Funden 
lassen sich naturgemäfs keine Schlüsse ziehen. 

8. caesia Cretzschmar. Den Grauen Ortolan rechne ich 
gleichfalls hierher, wenn er auch östlich nicht über Palaestina, 
Kleinasien und den Kaukasus hinauskommt. Sonst findet er sich 
noch im Nildelta und in Griechenland. Er zieht im Winter 
nach Süd-Arabien. Man findet ihn zu dieser Zeit auch in N.O. Afrika. 
Sein Ausbreitungstrieb ist nach Nordwesten und Westen gerichtet. 
Es beweisen dies die zahlreichen Irrgäste in Dalmatien, bei Wien, 
bei Genua, in Süd-Frankreich und auf Helgoland, 



92 Dr. H. Duncker; 

9. cirlus L. Die Zaunammer ist die letzte der Ammern, 
welche ich zur Turkestangruppe zähle. Sie findet im Osten ihre 
Grenze am Kaukasus und in Kleinasien und zeigt so gut wie gar 
keine Beziehung zu ihrer Heimat Turkestan mehr. Dafür haben 
wir aber eine starke westliche Ausbreitung zu verzeichnen über 
die Türkei, nach Griechenland, Italien, Korsika und Sardinien, 
S. -Frankreich, Spanien und Portugal. Von Spanien aus ist ein 
Teil südlich nach Marrokko und Algier vorgedrungen, ein anderer 
Teil hat sich nordwärts gewandt nach Nordfrankreich, dem Rheiu- 
tal und England. Vom Rhein her haben wir eine Einwanderung 
nach Deutschland hinein zu erwarten. Zahlreiche Irrgäste in 
Helgoland, Pommern, Thüringen weisen darauf hin. Aber auch 
von den Balkanländern aus scheint die Zaunammer nach Norden 
vorzudringen; das zeigen die Irrgäste in Ungarn. 

Damit hätten wir die Turkestangruppe erschöpft und zu- 
gleich die Formenreihe, welche Eurasien resp. der palaearktischen 
Fauna getreu geblieben sind. Es bleibt mir nun noch übrig 
nachzuweisen, dafs auch die aethiopischen Formen leicht von 
asiatischen Formen abzuleiten sind. Naturgemäfs werden wir 
an die Formen der Turkestangruppe anknüpfen, aus denen sich 
die „Afrikaner" entwickelt haben müssen. Wiederum sehe ich 
mich gezwungen, ein eigenes Entstehungszentrum für diese Formen 
zu suchen, und ich sehe es in den Steppen und vegetationsarmen 
Gegenden N. W. Indiens, Belutscbistans, S. Persiens und Arabiens. 

Allerdings finden wir heute nur noch eine einzige Form in 
diesem Gebiete, nämlich striolata striolata Lath. Und auch die 
Streifenammer hat schon eine beträchtliche Ausbreitung hinter 
sich. Wir finden sie aufser in den oben angegebenen Gebieten 
noch in Palästina, Nubien und Kordofan. Hierdurch wird der 
Zug nach Süden, welcher alle afrikanischen Formen zu beherrschen 
scheint, schon ganz deutlich zum Ausdruck gebracht. Eine 
geographische Rasse striolata saharae Lev. ist am Nordrand der 
Sahara vorgedrungen und bewohnt Algier und Marokko. Als 
Irrgast kommt er auch wohl nach Spanien. 

An die Streifenammer schliefsen sich die übrigen „Afrikaner" an. 

Von Vorderasien geht eine wichtige Ausbreitungsstrafse 
nach Arabien, ihr folgten: 

1. arabica Lz. Hellm., welche in Arabien endemisch ist. 

2. insularis Grant Forb. und 3. socotrana Grant Forb., 
welche beide auf Sokotra endemisch sind. Beide Formen sind 
einander sehr ähnlich und dürften wohl von Arabien nach Sokotra 
herübergekommen sein, wo sie sich dann zu besonderen Arten 
entwickelten. Die Zeit dieser Ausbreitung dürfte noch nicht 
allzuweit zurückliegen, da sich die artenbildende Kraft der Insel 
noch nicht sehr stark geltend gemacht hat. 

4. septemstriata (Rüpp.) scheint denselben Weg genommen 
zu haben, ist aber nach Afrika hinübergelangt und brütet nicht 
mehr in Arabien. Die Stelle, wo diese P'orm zum erstenmal 



Die Verbreitung der Gattung Emheriea. 93 

afrikanischen Boden betrat, mag Abyssinien gewesen sein, im 
nördlichen Aegypten wird sie jedenfalls nicht gefunden. Sodann 
zeigt aber diese Form eine starke westliche Ausbreitung am 
Südrand der Sahara entlang, welche sie bis ins Nigertal und 
und Senegambien führt. 

5. tahapisi Smith, eine Form, welcher v. Erlanger die 
Existenzberechtigung abspricht, da sie mit septemstriata zusammen- 
zuziehen sei. Man fafst unter dem Namen tahapisi Smith aber 
gemeinhin die Formen zusammen, welche an der östlichen Seite 
Afrikas von Abyssinien sich südwärts wandten, bis Kapland 
vordrangen und dann wiederum nach Norden bis zum Damaraland 
und Gabun sich ausbreiteten. Auf allen genannten Etappen 
findet man sie als Brutvogel. 

5. saturatior Sharpe, eine Abart der Streifenammer, welche 
ebenfalls nach Afrika hinüber gelangt ist und im südwestl. Somali- 
land brütet. 

6. impetuani Smith. Die Form gehört ebenfalls hierher. 
Sie hat denselben Weg genommen wie tahapisi Smith., nur brütet 
impetuani Smith, nicht mehr in Ostafrika. Die Form brütet nur 
in Südafrika (Transvaal und Damaraland, nach Hartlaub auch 
Angola). 

7. reidi Shell, nahm den gleichen Weg, kam aber nur bis 
Südostafrika, auf welches Gebiet die Form auch beschränkt ist. In 
Südafrika wird reidi Shell, ersetzt durch die ihr sehr ähnliche Form 

8. capensis (L ), welche also auf dem oben gekennzeichneten 
Wege vorgedrungen ist. Während bei dieser Gruppe durch nahe 
Verwandte die verschiedenen Etappen der Ausbreitung klargestellt 
sind, kann man solches von der nun folgenden Gruppe nicht sagen. 
Die Kontinuität ihres Gebietes in Afrika ist zwar gewahrt, aber 
es fehlen arabische Formen, welche nach der Turkestangruppe 
hinüberleiten. Sie aber von den gleichen arabischen Arten arabica 
Lz. Hellm., striolata striolata (Lcht.) wie die vorige Gruppe ab- 
zuleiten, dürfte aus morphologischen Gründen nicht angehen. So 
ist die Beziehung zur Turkestangruppe noch nicht geklärt. Den- 
noch müssen wir annehmen, dafs solche Beziehungen einmal 
bestanden haben, und daraus, dafs das Abreitungszentrum dieser 
2. Afrikanergruppe ebenfalls in Abyssinien zu suchen ist, schliefse 
ich, dafs auch diese Formen durch Arabien nach Afrika gelangten. 
Ich lasse die hierhergehörigen Formen folgen: 

1. flaviventris Steph. Sie bewohnt das östlich-südliche Steppen- 
gebiet stellenweise bis ins westliche Waldgebiet. Sie zeigt dem- 
nach eine Neigung quer durch das mittlere Afrika, entlang dem 
Kongogebiet nach Westen vorzudringen. 

2. poUopleura Salvad. Diese Form wird häufig nur als die 
nordöstliche geographische Rasse von flaviventris Steph. gedeutet. 
Ihr Brutgebiet liegt also dem Ursprungsort der Gruppe noch 
näher. Die Ausbreitung hört westlich bereits in Schoa auf und 
erstreckt sich südwärts bis Useguha in Deutsch-Ostafrika. 



94 Dr. H. Duncker: 

3. major (Cab.), von Neumanii nur als geographische Rasse 
von cabanisi (Rchw.) angesprochen, hat die von flaviventris Steph. 
bereits angedeutete Ausbreitungsstrafse quer durch Afrika hin- 
durch, dem Kongogebiet entlang, weiter ausgebaut und findet 
sich in Deutsch-Ostafrika (Pangani), in Maschona, ferner im Kongo- 
gebiet und bis Angola. 

4. cabanisi (Rchw.) hat denselben Weg gemacht, findet sich 
daher in Mittelafrika. Dann aber hat sie sich an der West- 
küste Afrikas nach Norden gewandt und brütet in Kamerun 
und an der Goldküste. 

5. afßnis Heugl, eine der flaviventris Steph. sehr ähnliche 
Form, die ähnlich der sepiemstriata (Rüpp.> aber etwas weiter 
südlich den Weg nach Westen einschlug. Wir finden sie noch im 
Gebiete des Blauen Nils, am Gazellenflufs, dann an der Gold- 
küste und in Senegambien. 

Bei dem Mangel an Material aus vielen Gegenden Afrikas 
ist es leider noch nicht möglich, mit einer derartigen Bestimmt- 
heit die Ausbreitungsstrafsen festzulegen wie in Asien und Europa. 
Dennoch sind Dank der spezifizierten Arbeit Reichenows ganz 
grobe Schnitzer nunmehr ausgeschlossen. Es läfst sich da- 
her mit Gewifsheit die Behauptung aufstellen, dafs 
die afrikanischen Ammern von dem Ammer-Stamm in 
Eurasien abzuleiten sind und dafs dies in ihrer Ver- 
breitung zum Ausdruck kommt. 

Naturgemäfs wird es auffallen, wenn ich den Entstehungsort 
der Gattung Emberiza in Ostasien annehme, weil dort die meisten 
Ammerarten zu finden sind, in Turkestan — Iran ein zweites Ent- 
wicklungszentrum sehe, weil dort eine Anhäufung von Ammern 
zu konstatieren ist, in Arabien dagegen das Entwicklungszentrum 
der „Afrikaner" suche, obwohl nur zwei Arten dort vorkommen ^). 
Wir haben aber bei den afrikanischen Arten gerade den Fall, wo 
das Kriterium der Anhäufung der Formen im Entstehungszentrum 
versagt. Der Grund, der diesen speziellen Fall erklärt, dürfte 
wohl die Versandung Arabiens sein. Es sind dadurch die Formen 
aus ihrer Heimat gedrängt worden. Striolata striolata Lath., 
als die der Wüste am meisten angepafste Form, ist dem ur- 
sprünglichen Gebiet noch treu geblieben, die andern sind nach 
Süden abgedrängt worden. 

Hier möchte ich noch einige Bemerkungen über Melophus 
melaniderus Swainson anschliefsen, der einzigen zur Gattung 
Melophus gehörigen Art. Sie brütet in Sindh, Nord-Indien, 
Himalaya, Birma und Süd-China. Die nahen Beziehungen mor- 
phologischer Natur zu den früher unter dem Gattungsnamen 
Fringillaria zusammengefafsten Formen veranlafste mich, in Über- 
einstimmung mit ihren Ausbreitungsverhältnissen, in dieser Art 
eine Abzweigung von der Urform der „Afrikaner" zu sehen. 



1) striolata striolata (Lebt.) und arabica Lz. Hellm. 



Die Verbreitung der Gattung Bmheriza. 95 

Sie war nur die einzige Form, welche aus der Heimat sich statt 
nach Westen nach Osten wandte. Sein Vorkommen als Irrgast 
in Tenasserim bestärkt mich in meiner Annahme. 

Alle Ausbreitungsstrafsen der Ammern führen 
demnach mit Deutlichkeit nach einem in Ostasien 
liegenden Zentrum hin. 

Durch die Durchführbarkeit einer solchen Rekonstruktion 
wird nun einerseits Ostasien als die Urheimat der Gattung Em- 
heriza klarer herausgestellt, andererseits aber wirkt der Umstand, 
dafs meine Untersuchungsmethode wiederum — und zwar zum 
dritten Mal — zu demselben Ziele führte, auf das Verfahren 
zurück und gibt ihm einen hohen Grad von Zuverlässigkeit. 

Es lassen sich folgende Leitsätze für die Bestimmung eines 
Ursprungszentrums einer Gattung aufstellen: 

1. Das Ursprungszentrum einer Gattung darf nicht 
zu weit von dem Gebiete entfernt liegen, dafs heute 
noch von verwandten Gattungen bewohnt wird, 
oder früher bewohnt wurde. 

2. Das Entstehungsgebiet einer Gattung weist nor- 
malerweise noch heute die meisten Arten dieser 
Gattung auf. 

3. Die Ausbreitungsstrafsen der einzelnen Arten, wie 
sie sich aus der heutigen Verteilung der Formen, 
durch Vergleichen und richtiges Gruppieren unter 
Berücksichtigung der geographischen Bedingungen 
und der Zugverhältnisse rekonstruieren lassen, 
laufen alle in dem Ursprungszentrum zusammen. 

4. Das Kriterium 1. und 3. gilt immer, das Krite- 
rium 2 gilt nur, wenn sich die Lebensbedin- 
gungen im En_tstehungsgebiet nicht geändert 
haben. Eine Änderung derselben kann häufig 
nachgewiesen werden. — Überflutung, Ver- 
sandung, Ve r gl e t s c h c r u ng , Gebirgserhebung. 

Bremen, April 1911. 



96 



Zur Lösung der Frage, ob Cyanistes pleskei Cab. eine 

selbständige Art darstellt, oder für einen Bastard Ton 

Cyanistes coeruleus (Linn.) und Cyanistes cyanus (Fall.) 

angesprochen werden mufs. 

Von Th. Pleske. 

In No. 1 der russischen Zeitschrift „Ornithologische Mit- 
teilungen" lür das Jahr 1910 veröffentlicht Prof. Dr. P. Ssuschkin 
sehr wertvolle Angaben über Cyanistes pleskei (Gab.). Herr 
Ssuschkin wirft unter anderem wiederum die Frage auf, ob 
diese Meise für eine selbständige Art angesehen werden darf 
oder sie blofs das Produkt der Kreuzung der Blaumeise mit 
der Lasurmeise darstellt. Der Verfasser spricht die Ansicht aus, 
dafs beide Fälle möglich sind, d. h. „es eine seltene und wahr- 
scheinlich alte Art — C. pleshei gibt und unabhängig davon 
C. coeruleus mit C. cyanus Bastarde erzeugen". Letzteren Fall 
bekräftigt Herr Ssuschkin durch sehr überzeugende Daten, 
schliefst aber seinen Aufsatz mit der Behauptung, „dafs nur ein 
Experiment diese Frage endgültig lösen kann — eine jener 
speziellen Fragen der Biologie, die eine sehr weittragende Be- 
deutung haben". 

Wenngleich ich bereits seit anderthalb Dezennien das Studium 
der Ornithologie aufgegeben habe, so entbrannte in mir dennoch 
der Wunsch, der Lösung dieser höchst interessanten Frage näher 
zu treten, umsomehr, da mir bekannt war, dafs die Kreuzung von 
Blau- und Lasurmeisen in der Gefangenschaft bereits mit Erfolg 
stattgefunden hatte. Durch Güte des Herrn Dr. 0. Heinroth 
erfuhr ich, dafs Herr Ernst H. Z o 1 1 i k o f e r , Präparator in 
St. Gallen, Schweiz, sich mit der Züchtung der Bastardmeisen 
beschäftigt habe. Eine mit letzterem Herrn angeknüpfte Korrespon- 
denz brachte mich in den Besitz einerseits von drei Exemplaren 
der von ihm gezüchteten Meisen, andererseits von einem ziemlich 
ausführlichen Berichte über die von ihm angestellten Züchtungs- 
Experimente. Gleichzeitig erfuhr ich durch Herrn V. B i a n c h i , 
dafs das Zoologische Museum der kaiserlichen Akademie der 
Wissenschaften in St. Petersburg, durch Vermittlung des Herrn 
A. Ssilantjeff, einige Exemplare der Cyanistes plesJcei Cab. 
aus dem Gouvernement Jaroslaw erhalten habe, die von sehr 
wertvollen Angaben des Sammlers, eines Herrn S. Pasch- 
tschenko, über die näheren Bedingungen des Auftretens 
genannter Form im Bereiche des Gouv. Jaroslaw, begleitet waren. 
Herr Ssilantjeff stellte mir das durch ihn zugestellte Material 
bereitwilligst zur Verfügung, Herr V. Bianchi gab mir Zutritt 
zu dem reichen Vergleichsmaterial des akademischen Museums 
und Herr Prof. Ssuschkin unterstützte mich freundlichst 
durch Zusendung seines umfangreichen und wertvollen Materials. 



J 



stellt Cyanistes plesJcei Gab. eine selbständide Art dar? 97 

Mit den aufgezählten Hülfsquellen ausgestattet, für deren Über- 
lassung ich den verzeichneten Kollegen meinen wärmsten Dank 
ausspreche, läfst sich die Frage über den Charakter des Cyanistes 
plesJcei Gab. mit ziemlicher Sicherheit lösen. 

Ich beginne mit dem Berichte über die Züchtungsversuche 
des Herrn Zollikofer in St. Gallen an Blau- und Lasurmeisen. 
Im April 1 903 erwarb Herr Zolikofer bei der Firma A. F o c k e 1- 
mann in Hamburg ein lebendes Exemplar des Cyanistes cyanus 
(Fall), welches er anfänglich für ein Männchen hielt, bis es nach 
2—3 Jahren Gefangenschaft Eier zu legen begann. Es gelang 
Herrn Zollikofer nicht, ein Männchen der Lasurmeise zu 
beschaffen und er setzte in die Voliere ein Exemplar der Blau- 
meise, aus der Schweiz stammend, welches aber wahrscheinlich 
ein Weibchen war, da die nächsten von der Lasurmeise gelegten 
Eier wiederum unbefruchtet waren. Erst im Jahre 1909 brachte 
die Lasurmeise mit einem neuen Exemplare der Blaumeise 9 Junge 
zur Welt, von denen 7 aufkamen. Im Jahre 1910 paarte sich 
die Lasurmeise mit einem neuen Blaumeisenmännchen (der Vater 
der ersten Brut war unterdessen eingegangen) und brütete 
5 Junge aus, von denen 3 grofsgezogen wurden. Somit kamen 
in der Gefangenschaft im ganzen 10 Bastardexemplare hoch, die 
von einer weiblichen Lasurmeise und zwei verschiedenen Blau- 
meisenmännchen abstammen. Aus den Schreiben des Herrn Zolli- 
kofer geht hervor, dafs alle von ihm grofsgezogenen Bastard- 
meisen sich ihrem allgemeinen Habitus nach mehr dem Cyanistes 
cyanus als dem Cyanistes coeruleus nähern. Unter anderen Kenn- 
zeichen fehlt ihnen allen der gelbe Anflug auf der Brust und ist 
der blaugraue Ton der Oberseite weniger intensiv gefärbt als 
bei der typischen Lasurmeise. Zollikofer spricht übrigens die 
Vermutung aus, dafs das Fehlen der gelben Färbung auf der 
Brust, sowie der fahlere Ton der Oberseite auf das Leben der 
Vögel in Gefangenschaft zurückgeführt werden mufs. Seinen 
Beobachtungen zufolge verlieren die gewöhnlichen Blaumeisen 
nach der Mauser in der Gefangenschaft die gelbliche Färbung 
der Unterseite fast gänzlich und die Oberseite wird auch blasser. 
Die Richtigkeit dieser Angabe kann ich auch vollständig bestätigen: 
ein sehr schönes, typisches Männchen des Cyanistes pleshei Gab. 
verlor bei mir im zweiten Jahre seiner Gefangenschaft die gelbe 
Brustbinde vollkommen und auch die Färbung der Oberseite nahm 
einen weniger lebhaften, bläulich-grauen Farbenton an. 

Nach Zollikofer's Bericht unterschieden sich die im 
Jahre 1909 ausgebrüteten Bastardmeisen nicht unwesentlich von 
denjenigen, die im Jahre 1910 zur Welt gekommen sind. Bei 
letzteren ist die blaue Scheitelplatte viel intensiver gefärbt (bei 
den Meisen aus der ersten Brut macht sich nur ein bläulich- 
grauer Anflug bemerkbar). Ferner besitzen die aus dem Jahre 
1910 stammenden Meisen einen ausgesprochenen, wenn auch nicht 
scharf ausgeprägten, dunklen Kehlfleck, welcher sich mit den 

Joarn. 1. Orn. LX. Jahr^. Januar 1912. 7 



98 Th. Pleske: 

auf den Halsseiten und dem Nacken liegenden Abzeichen ver- 
bindet. Bei den Meisen aus dem Jahre 1909 fehlte der Keblfleck 
im ersten Alterskleide gänzlich, und im zweiten Lebensjahre 
fehlte er entweder gänzlich oder war nur schwach angedeutet 
und mit den, dunkelblauen Flecken auf den Halsseiten nicht 
verbunden. Überhaupt neigen die im Jahre 1910 ausgebrüteten 
Bastardmeisen, laut Zollikofer, mehr zu C. coeruleus, als 
diejenigen vom Jahre 1909. Ein Männchen, [welches mir nicht 
zugesandt worden ist, zeichnet sich durch eine besonders intensive 
blaue Scheitelplatte aus und ist, nach Zollikofer, von seinem 
Vater, einer gewönlichen Blaumeise, im Flugraume nicht ganz 
leicht zu unterscheiden. 

Nunmehr wollen wir uns den sehr wertvollen Beobachtungen 
des Herrn Paschtschenko aus den Gouvernements Jaroslav 
und Wladimir zuwenden. Herr Paschtschenko schreibt Herrn 
A. S Sil an tjeff wie folgt: „Von 1882 bis 1893 habe ich Beob- 
achtungen über die Vogelfauna des Jurjefschen Kreises, Gouv. 
Wladimir, angestellt. Die Lasurmeise {Cyanistes cyanus [Pall.]) 
war daselbst bis zum Jahre 1882 sehr selten. Im Frühjahr ge- 
nannten Jahres nistete ein Pärchen dieser Vögel in einer alten 
hohlen Weide in einer sumpfigen Gegend beim Dorfe Nenaschefs- 
koje, 5 Werst von der Kreisstadt Jurjeflf-Polsky, Im Herbste 
wurden einige junge Lasurmeisen von Vogelfängern erbeutet. 
Im Winter 1883 — 84 traten wieder Lasurmeisen auf, die mehr- 
fach gefangen und auch von mir im Käfig gehalten wurden. Alle 
diese Exemplare waren typische Lasurmeisen mit weifsem Kopfe, 
ohne Kehlfleck und ohne gelben Anflug auf der Brust. In den 
nachfolgenden Jahren, bis 1888, traf man in genannter Gegend die 
Lasurmeise immer zahlreicher. Während der Wintermonate lebten 
sie in der Nähe der städtischen Behausungen, in den Gärten, 
Höfen, auf den Dächern und übernachteten in den Abflufsrohren 
der Dächer, kurz, benahmen sich genau wie Kohlmeisen (Farus 
major) und waren in manchen Jahren sogar zahlreicher als letztere. 
Besonders reich an Lasurmeisen war das Jahr 1886. Sie nisteten 
in genanntem Jahre in der nächsten Umgebung der Stadt, mög- 
licherweise sogar in der Stadt selbst und strichen von Ende Juni 
in Brüten in den Gärten der Stadt umher. Einige der jungen 
Vögel waren auf dem Scheitel grau angeflogen, entbehrten aber 
sowohl den Kehlfleck als auch den gelben Ton auf der Unter- 
seite. Seit 1889 zeigten sich die Lasurmeisen in der Stadt und 
ihren Umgebungen seltener und stellten in den neunziger Jahren 
unbedingt schon eine Seltenheit dar. 

Auf Grund der angeführten Beobachtungen halte ich es für 
wahrscheinlich, dafs zwischen 1882 und 1886 ein intensives Vor- 
rücken des Cyanistes cyanus von SO nach NW stattgefunden 
hat. Aus sehr sicherer Quelle ist mir bekannt, dafs um dieselbe 
Zeit im benachbarten Jaroslawschen Gouvernement sich dieselbe 
Erscheinung zugetragen hat. Die Lasurmeise war hier sehr ge- 



stellt Gyanistes plesJcei Gab. eine selbständige Art dar? 99 

mein und wurde zu Dutzenden gefangen. Nach Aussage der 
jaroslawschen Vogelfänger fanden sich unter den Lasurmeisen 
auch einige abweichende Exemplare, die in ihrer Färbung die 
Mitte zwischen C. cyanus und C. coeruleus inne hielten. Im Jahre 
1898 begann ich meine Beobachtungen im Gouv. Jaroslaw und 
bemerkte, das die typische Lasurmeise um Jaroslaw und in den 
benachbarten Kreisen selten war und nur zuweilen im Herbste 
und im Winter in Paaren und einzelnen Exemplaren auftrat. In 
den letzten zwei Jahren trat immer _ häufiger und häufiger eine 
Form auf, die das Gepräge einer Übergangsform aufwies. Sie 
läfst sich folgendermafsen kennzeichnen: 1. geringere Dimensionen 
als bei der echten Lasurmeise und plastisch die Mitte zwischen 
Lasur- und Blaumeise haltend. 2. die Gesamtfärbung der Lasur- 
meise ähnlich, doch mit Vorhandensein einer hellblauen Scheitel- 
platte, eines ausgeprägten dunklen Kehlflecks, welcher mit den 
Flecken der Halsseite verbunden ist, eines bald deutlichen, bald 
schwach angedeuteten, gelben Anfluges auf der Brust und einer 
ausgedehnteren weifsen Färbung auf Schwung- und Steuerfedern. 
Im Herbste 1902 sah ich ein Exemplar einer solchen Meise, dessen 
gelber Anflug an der Brust nur schwach angedeutet war. Im 
Herbste 1903 wurden bei Jaroslaw 6 solcher Meisen gefangen; 
bei zweien derselben war der gelbe Anflug schwach ausgeprägt, 
bei zwei anderen lebhaft gefärbt und bei einer fünften sogar sehr 
intensiv. Letztere scheint durch ihre geringeren Dimensionen und 
einige andere Kennzeichen der C.pleskei Gab. sehr ähnlich zu sehen. 
Das Auftreten dieser Form in den Umgebungen Jaroslaws im 
Zusammenhange mit der Einwanderung der typischen Lasurmeise 
in den achtziger Jahren bringt mich auf folgende Gedanken. 
Sehr wahrscheinlich hat C. cyanus in unserer Gegend für sein Vor- 
kommen ungünstige Lebensbedingungen vorgefunden, weshalb das 
von ihr bereits besetzte Gebiet wieder aufgegeben wurde. Mög- 
lich ist es, dafs die Konkurrenz mit der zahlreicheren gewöhn- 
lichen Blaumeise hierbei eine grofse Rolle gespielt hat? Ferner 
ist es möglich, dafs die wenigen, bei uns hinterbliebenen Lasur- 
meisen sich mit Blaumeisen gepaart und Bastarde erzeugt, die 
in den letzten Jahren sich allmählich zu einer selbständigen 
Art ausgebildet haben." Diese wertvollen Beobachtuugen hat 
Herr Paschtschenko durch Einsendung von fünf Meisen- 
bälgen bekräftigt, die von Herrn A. Ssilantjeff dem Zoolo- 
gischen Museum der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften 
in St. Petersburg einverleibt worden sind. 

Ehe ich zu einer eingehenden Charakteristik der von Herrn 
Zollikofer gezüchteten Bastardmeisen und der von H. Pasch- 
tschenko im Gouv. Jaroslaw gesammelten Exemplare übergehe, 
halte ich es für notwendig, einzelne Kennzeichen der bis jetzt unter- 
schiedenen zweiVarietäten desCyanistes plesIceiCaih. einer genaueren 
Besprechung zu unterwerfen. Wir wollen mit der Länge, der Form 
und der Färbung des Schwanzes beginnen : Schwanzlänge. Nach 



100 Th. Pleske: 

Ausmessungen von Prof. M. Menzbier schwankt die 
Schwanzlänge bei der typischen Cyanistes cyanus (Fall.): beim 
Männchen zwischen 60 und 70 mm, mit einem Durchschnitt von 
65,2 mm, und beim Weibchen zwischen 62—65 mm, bei einem 
Durchschnitt von 63,5 mm. Nach eigenen Messungen einiger 
weniger Lasurmeisen schwankt die Schwanzlänge beim cf zwischen 
64 und 68 inm, und beim Weibchen zwischen 63 — 67 mm. Für 
Cyanistes coeruleus (Linn.) weisen die Mafstabellen Prof. M e n z - 
b i e r ' s , nach Ausschlufs der augenscheinlich sehr kleinwüchsigen 
Form von den Inseln Grofsbritanniens, folgende Dimensionen auf: 
Schwanzlänge beim Männchen: 51—56 mm (Mittel 53,5 mm), 
beim Weibchen: 52—57 mm (Mittel 53,8 mm); nach meinen 
eigenen Messungen, die augenscheinlich auf etwas andere Art 
ausgeführt worden sind, beträgt die Schwanzlänge der Männchen 
bei der Blaumeise 57 — 57,5 mm. Bei Cyanistes pleskei Gab. 
finden sich nachfolgende Verhältnisse vor : bei der Form mit 
C. coeruleus-Ty\)ViS schwankt die Schwanzlänge des cT zwischen 
56,5—58,5 mm, bei einem Durchschnitt von 57,5 mm; diejenige 
des 9 zwischen 54—55,5 mm, bei einem Durchschnitt von 55 mm ; 
bei der anderen Varietät, die dem C. cyanus ähnlicher sieht, be- 
trägt die Schwanzlänge beim Männchen 60 — 62 mm und bei 
Exemplaren, bei welchen der Typus der Lasurmeise ganz besonders 
scharf ausgeprägt ist, ist der Schwanz noch länger und erreicht 
65—66 mm. Somit stimmt bei den Exemplaren mit ausge- 
sprochenem C. coeruleus-Tyi^üs, nach meinen Ausmessungen die 
Schwanzlänge fast vollkommen mit den Dimensionen der Steuer- 
federn der typische Blaumeise. Bei Exemplaren mit einer Nei- 
gung zum Lasurmeisen-Typus (mit gemischten Kennzeichen) weist 
auch der Schwanz intermediäre Kennzeichen auf und nur bei 
einzelnen Exemplaren mit ganz besonders ausgesprochenem Lasur- 
meisen-Typus erreicht der Schwanz die Dimensionen des typischen 
C. cyanicus. 

Ganz übereinstimmend damit sind auch die Verhältnisse 
der Schwanzform. Bei Cyanistes cyanus (Pall.) ist der Schwanz 
abgerundet und gestuft, d. h. die äufseren Steuerfedern sind um 
7—9 mm kürzer als die längsten; bei C. coeruleus (Linn.) ist der 
Schwanz dagegen fast gerade, d. h. die äufseren Steuerfedern 
sind höchstens um 2 — 3 mm kürzer als die längsten. Bei Cyanistes 
plesTcei Gab. mit C. coeruleus-Ty^^us sind die äufseren Steuerfedern 
um dieselben 2 — 3 mm kürzer als bei der gewöhnlichen Blaumeise, 
bei der Form mit C. c^/awws-Typus ist der Schwanz mehr abge- 
rundet, d. h. die äufseren Steuerfedern sind um 4—4,5 und in einem 
Falle sogar um 6 mm kürzer als die längsten. 

In der Färbung der äufseren Steuerfedern 
stehen die Sachen auch nicht anders. Die typische Blaumeise 
hat nur einen schmalen weifsen Saum auf der Aufsenfahne der 
ersten Steuerfedern, welcher die Spitze der Federn nicht erreicht; 
bei der Lasurmeise ist die ganze äufserste Steuerfeder weifs bis 



stellt Cyanisies plesTiei Gab, eine selbständige Art dar? 101 

auf das distale Viertel der Innenfahne. Beim C. pleskei Gab. 
mit Blaumeisen-Typus ist der weifse Saum an der Aufsenfahne 
der äufsersten Steuerfeder in der Regel breiter und erreicht 
die Spitze der Feder. Bei Exemplaren mit Lasurmeisen-Typus 
ist die Aufsenfahne in den meisten Fällen ganz weifs und die 
weifse Färbung erstreckt sich auch auf die Spitze der Feder und 
auf die sonst dunkle Innenfahne. 

Dieselben Schwankungen, in Übereinstimmung mit der Neigung 
des betreffenden Exeraplares zu der einen oder anderen Stamm- 
form, bemerken wir auch inbetreff der Breite der weifsen Flügel- 
binde. Bei der typischen Blaumeise ist diese Binde äufserst 
schmal und erreicht eine Breite von 2,5—3,5 mm; bei den Männ- 
chen der Lasurmeise schwankt die Breite der Flügelbinde zwischen 
10—12 mm, bei den Weibchen zwischen 8 und 9 mm. Cyanistes 
pleskei mit Blaumeisen-Typus hat eine Binde von 3 — 4,5 mm; 
bei den zur Lasurmeise neigenden Exemplaren hat die Binde eine 
Breite von 4,5—5,5 mm und bei den Exemplaren mit ganz be- 
sonders ausgesprochenem Lasurmeisen -Typus erreicht dieselbe 
6, ja sogar 7 mm. Alle anderen Kennzeichen, als Färbung der 
Scheitelplatte, Kehlfleck, gelber Anflug auf der Brust, weisen 
dieselbe Inkonstanz auf. Bald ist die Scheitelplatte von einem 
intensiven Kobalt-Blau, selbst mit stärkerem Glänze als bei der 
typischen Blaumeise, bald fehlt sie gänzlich oder ist durch einen 
schwachen, bläulich-grauen Anflug ersetzt, der die Färbung des 
Scheitels bei jungen Cyanistes cyanus oder bei Cyanistes cyanus 
tianschanicus Sew, nicht unähnlich sieht. Der Kehlfleck variiert 
auch sehr, zuweilen ist er markanter ausgeprägt als bei der ge- 
gewöhnlichen Blaumeise, dann fehlt er manchmal gänzlich und 
endlich schimmert er zuweilen durch die weifsen Säume der 
Kehlfedern durch. Dieselben Verhältnisse finden wir auch in 
Hinsicht des gelben Anfluges auf der Unterseite. Besonders 
lehrreich in Bezug auf die Färbung der Unterseite sind zwei 
Exemplare aus der Sammlung des Prof. Ssuschkin, die aller 
Wahrscheinlichkeit nach einer Brut angehören. Bei einem der 
Exemplare, welches seinem ganzen Habitus und seiner P'ärbung 
nach von ausgesprochenem Blaumeisen-Typus ist, ist der gelbe 
Anflug auf der Brust kaum angedeutet (er fehlt nicht ganz, wie 
es Prof. Ssuschkin behauptet), bei dem zweiten dagegen, mit 
Lasurmeisen-Typus, ist die ganze Brust lebhaft gelb gefärbt und 
erstreckt sich die gelbe Färbung, wenngleich in etwas anderem 
Farbentone, auch auf dem Bauch. Die Durchsicht einer ziemlich 
bedeutenden Anzahl von Exemplaren des Cyanisier pleslcei Cab. 
aus Moskau, alles ohne Zweifel Vögel im ersten ausgefärbten 
Kleide, bestätigt vollkommen überzeugend die von früheren For- 
schern, namentlich Prof. Ssuschkin, ausgesprochene Ansicht, 
über die ganz aufser gewöhnliche Variabilität 
und Inkonstanz der Kennzeichen des C. pleslcei Gab,, 
wobei diese Kennzeichen in Bezug auf die Stammformen einen 



102 Th. Pleske: 

Übergangscharakter tragen. Diese Erscheinungen finden, meiner 
Ansicht nach, eine durchaus befriedigende Erklärung, wenn wir 
C. pUskei Gab. als Bastard der Blau- und Lasurmeise an- 
sehen. Dann sind wir natürlich berechtigt bei solchen Bastarden 
das Auftreten der Kennzeichen der Stammeltern in den ver- 
schiedensten Kombinationen oder dasVorherrschen der Kennzeichen 
der einen Stammform vorauszusetzen. Wie gesagt, läfst sich auf 
diese Weise alles erklären. 

Wollen wir jetzt zu einer eingehenderen Besprechung und 
Charakterisierung der Exemplare übergehen, die einerseits von 
Zollikofer in der Gefangenschaft gezüchtet und anderer- 
seits von Hr. Paschtschenko im Gouv. Jaroslaw erbeutet 
worden sind. 

Exemplar I, cT, von E. Zollikofer in der Gefangen- 
schaft gezüchtet: Seinen Dimensionen und den plastischen 
Kennzeichen nach erinnert das vorliegende Exemplar ausgesprochen 
an C. cyanus (Flügellänge 70 mm; Schwauzlänge 66 mm). Trotz 
seiner bedeutenden Länge ist der Schwanz nur schwach gestuft, 
da die äufsersten Steuerfedern nur um 3 mm kürzer sind als die 
längsten. Die Scheitelplatte weist nur einen schwachen bläulich- 
grauen Anflug auf. Der Kehlfleck fehlt gänzlich. Die weifse 
Flügelbinde ist sehr breit und erreicht 6 mm; die Sekundär- 
schwingen sind ebenfalls breit weifs gesäumt. Die Aufsenfahne 
der äufsersten Steuerfeder ist fast ganz weifs (bis auf einen kleinen 
dunkelblauen Fleck im distalen Teile der Feder); die weifse 
Färbung hat auch die Spitze der Feder inue und geht auch etwas 
auf die Innenfahne über. Alle übrigen Steuerfedern haben weifse 
Spitzen, das zweite und dritte Paar aufserdem auch noch schmale 
weife Säume an den Aufsenfahnen, die beim zweiten Paare breiter 
sind als beim dritten. Die Federn des Bürzels und die oberen 
Schwanzdeckenfedern sind heller bläulich-grau gesäumt. Der 
gelbe Anflug auf der Brust fehlt gänzlich — ohne Zweifel eine Folge 
des Lebens in der Gefangenschaft. Seiner Färbung nach stimmt 
das vorliegende Exemplare fast vollständig mit dem Exemplar 
No. 2 der Sammlung Prof. Ssuschkin's überein, welches am 
18. September 1887 bei Nemtschinowo unweit Moskau erbeutet 
worden ist. Letzteres Exemplar scheint auch ziemlich lange in 
Gefangenschaft gelebt und vielleicht sogar im Käfige sein Nestkleid 
gewechselt zu haben. Das Zollikofer sehe Exemplar unter- 
scheidet sich durch intensivere bläuliche Färbung der Oberseite, 
das Vorhandensein eines scharf ausgeprägten dunklen Bauchflecks 
und das gänzliche Fehlen des Kehlflecks, welcher beim Exemplare 
Ssuschkins, wenn auch schwach, angedeutet ist. Von den im 
Jahre 1909 erbeuteten Stücken aus der Sammlung von Prof. 
Ssuschkin passen drei Männchen aus Masilowo bei Moskau 
(Ende September, Anfang Oktober und 4.— 11. Oktober 1909) 
ihrer Rückenfärbung nach gut zum vorliegenden Exemplare, 
unterscheiden sich aber alle durch lebhafter gefärbte Scheitel- 



stellt Cyanisies pleskei Gab. eine selbständige Art dar? 103 

platte, deutlichen, wenn auch nicht scharf ausgeprägten Kehlfleck 
und Vorhandensein eines gelben Anfluges auf der Brust. Zwei 
Exemplaren aus der Ausbeute Paschtschenko's (cT, 12. Xll. 
1903 und cf, 18. IX. 1904, Waldungen an der Wolga unweit 
Jaroslaw) sieht das vorliegende Stück sehr ähnlich in Betreff 
der Färbung der Oberseite und des Scheitels (der Ton der Ober- 
seite mag vielleicht etwas lebhafter sein und mehr in's Bläuliche 
ziehen) unterscheidet sich aber von denselben durch das Fehlen 
des Kehlflecks. 

Exemplare II und III (cf und 9) i"^ Jahre 1910 
ausgebrütet. Ihrem Habitus nach tragen beide Exemplare 
nicht den so scharf ausgeprägten Lasurmeisen-Typus, sondern 
stellen eher eine Mittelform zwischen den beiden Stammformen 
dar. (Flügellänge beim cT 67 mm, beim 9 66 mm; Schwanz- 
länge beim cT 60 mm, beim 9 61 mm; Breite der Flügelbinde 
beim cf 5,5 mm, beim 9 4 mm; die äufsersten Steuerfedern sind 
beim d* um 3 mm, beim 9 um 3,5 mm kürzer als die längsten). 
Die Oberseite ist, besonders beim Weibchen, etwas grauer als 
bei Exemplar No. I; überhaupt stimmen diese beiden Stücke noch 
mehr mit den obenerwähnten Exemplaren aus den Sammlungen 
von Prof. Ssuschkin und Paschtschenko überein, da 
bei ihnen die Scheitelplatte intensiver ist und auch Spuren des 
Kehlflecks vorhanden sind. Der gelbe Anflug auf der Brust fehlt 
bei beiden Exemplaren. 

Die Exemplare des Hr. S. Paschtschenko aus 
den Umgebungen der Stadt Jaroslaw: cT, 12. XII, 
1903 und cf, 18. IX. 1904. Aus dem Vergleiche dieser beiden 
Exemplare mit den von Z o 1 1 i k o f e r gezüchteten geht schon zur 
Genüge hervor, dafs beide zum Lasurmeisen-Typus neigen, jedoch 
einen schwachen bläulich-grauen Anflug auf dem Scheitel, einen, 
zwar schwach ausgedrückten, Kehlfleck und einen sehr schwachen 
gelben Anflug auf der Brust aufweisen, in Bezug auf ihre 
plastischen Kennzeichen, sowie auf die Ausdehnung der weifsen 
Färbung auf Schwingen und Steuerfedern stellen dieselben eine 
Mittelform zwischen den beiden Stammformen dar. (Flügellänge 
70 und 67 mm; schwanzlänge 62 und 61 mm; Breite der Flügel- 
binde bei beiden Exemplaren 6 mm; die längsten Steuerfedern 
überragen die äufsersten um 4,5 und 6 mm). 

cf, VII. 1904 und 9, 5. IX. 1904. Nähern sich ihrem Gesamt- 
habitus nach ausgesprochem dem Blaumeisen-Typus. Beide Stücke 
haben ohne Zweifel in der Gefangenschaft gelebt — alle Farben- 
töne sind wohl deshalb sehr düster. Die Scheitelplatte ist sehr in- 
tensiv ausgeprägt, entbehrt aber des kobaltblauen Tones; die 
Kehlflecke und der gelbe Anflug auf der Brust sind vorhanden. 
Die weifsen. Abzeichen auf Schwung- und Steuerfedern sind breiter 
als bei typischen Blaumeisen. Dimensionen: cf: Flügel 69 mm; 
Schwanz 61 mm; Breite der Flügelbinde 5,5 mm; die längsten 
Steuerfedern überragen die äufsersten um 4 mm ; beim 9 • Flügel 



104 Th. Pleske: 

63 mm; Schwanz 55 mm; Breite der Flügelbinde 4 mm; die 
Steuerfedern sind in der Gefangenschaft abgenutzt. 

d^, I. 1903. Ist von einer typischen Blaumeise kaum zu unter- 
scheiden. Stellt ohne Zweifel eine Bastardform dar, bei welcher das 
Lasurmeisen-Blut durch wiederholte Kreuzung der Bastarde mit 
reinblütigen Blaumeisen fast ganz verdrängt ist. Der Rücken dieses 
Exemplares weist aber deutlich die für Cyanistes plesJcei cha^rokteristi- 
sche bläulichgraue Färbung auf und die Kehlfedern haben breite weifse 
Säume, weshalb der dunkle Kehlfleck nur hindurchschimmert. 

Die ganze Unterseite ist lebhaft gelb gefärbt, ein Teil des 
Rückens hat einen ausgesprochenen grünlichen Anflug und die 
kobaltblaue Scheitelplatte ist sehr intensiv; die Flügelbinde ist 
etwas breiter als bei der typischen Blaumeise. In der Schwanz- 
färbung stimmt das Exemplar mit typischen C. coeruleus voll- 
kommen überein. Dimensionen: Flügellänge 67,5 mm; Schwanz- 
länge 56,5 mm; Breite der Flügelbinde 4 mm; die Steuerfedern 
sind in der Gefangenschaft abgenutzt. Ich wiederhole, dafs das 
vorliegende Exemplar ohne Zweifel ein Produkt der Kreuzung 
zwischen Cyanistes pleskei und C. coreuleus darstellt; man mufs 
sogar annehmen, dafs die Kreuzung der Bastarde mit typischen 
Blaumeisen in mehreren Generationen stattgefunden haben mufs, 
da die Kennzeichen der einen Stammform, nämlich des C. cyanus, 
durch das vorherrschende Blaumeisen-Blut fast ganz verdrängt 
worden sind. Das in Rede stehende Stück verhält sich ohne 
Zweifel zur typischen Blaumeise genau in derselben Weise, wie 
die von Prof. M e n z b i e r als Bastarde des Cyanistes pleskei 
mit dem C. cyanus angesprochenen Exemplare zur typischen Lasur- 
meise. Exemplare der letzteren Kreuzung habe ich leider nie- 
mals gesehen, und kann kein eigenes Urteil über dieselben ab- 
geben, hege aber andererseits nicht die geringsten Zweifel über 
die richtige Beurteilung derselben. In der Sammlung des Prof. 
Ssuschkin befindet sich ein Weibchen, welches am 13. März 
1910 bei Masilowo, unweit Moskau, erbeutet worden ist; dieses 
Exemplar trägt aus der Zahl aller von mir untersuchten Exem- 
plare den am meisten ausgeprägten Typus der Lasurmeise. Sein 
Scheitel ist ganz weifs, der Kehlfleck schimmert kaum durch, die 
Flügelbinde ist sehr breit, die weifsen Abzeichen auf den Sekun- 
därschwingen und auf den Steuerfedern sind auch stark entwickelt, 
der gelbe Anflug auf der Brust ist deutlich zu sehen und die 
Färbung der Flügel und der Oberseite erinnert vollkommen an 
diejenige der typischen Lasurmeise. Dimensionen: Flügellänge 
65,5 mm; Schwanzlänge 60 mm; Breite der Flügelbinde 5,5 mm; 
die längsten Steuerfedern überragen die äufsersten um 4 mm. 
Dieses Exemplar könnte man wohl mit Recht als Bastard von 
C. pleskei mit C. cyanus d. h. als Bastard in der zweiten Gene- 
ration ansprechen. Gewisse Bedenken erweckt in mir nur der 
Umstand, dafs das vorliegende Stück im März und beide Exem- 
plare des Prof. Menzbier im April erbeutet worden sind. 



stellt Cyanistes pleskei Gab. eine selbständige Art dar? 105 

Unwillkürlich verfällt man auf den Gedanken, dafs das Ver- 
schwinden des bläulichen Anfluges auf dem Scheitel und die ge- 
ringere Intensität der Färbung der Oberseite bei diesen Exem- 
plaren auf Abtragung des Gefieders im Winter zurückzuführen 
ist. Dennoch hebe ich nochmals hervor, dafs ich das Vorkommen 
von Bastarden zweiter und weiterer Generationen durchaus nicht 
in Abrede stelle, weil ich auch selbst das Vorhandensein der- 
selben bei den centralasiatischen Drosseln (so weit es mir er- 
innerlich ist Turdns afrigularis Temm. und Turdus rufficollis Fall., 
bei welchen es schwer hielt so reinblutige Exemplare zu finden, 
dafs sie nicht wenigstens ganz geringfügige Beweise der Kreu- 
zung der Stammformen lieferten; konstatiert habe. Aufserdem 
befinden sich in der Sammlung Prof. Menzbier's zwei Exem- 
plare, die ein frisches Herbstgefieder tragen und deren gröfsere 
Ähnlichkeit mit C. cyanus natürlich nicht durch Abnutzung des 
Gefieders erklärt werden kann. 

Somit weisen die von Zollikofer in der Gefangenschaft 
gezüchteten Exemplare, so wie die Exemplare aus dem Gouv. 
Jaroslaw, welche von Herrn Paschtschenko, einem unbedingt 
erfahrenen und tüchtigen Beobachter, für Bastarde angesprochen 
werden, keinerlei erhebliche Unterschiede von 
Exemplaren des Cyanistes pleshei Gab. auf. Das Fehlen 
des gelben Anfluges auf der Brust bei den in Gefangenschaft 
gezüchteten Exemplaren ist schon durch Herrn Zollikofer genügend 
erklärt worden ; ihrem sonstigen Habitus nach wird auch nicht 
ein Ornithologe Bedenken tragen sie für Exemplare des C. pleskei 
Gab. anzusprechen. Wir sind folglich in der Lage nachfolgende 
Thesen aufzustellen: 

1 . Cyanistes pleskei Gab. ist ohne Zweifel das Pro- 
dukt der Kreuzung des (7. coeruleus (L i n n.) mit 
C. cyanus (P a 1 1.) und folglich finden die Ansichten von 
Dr. Ssewerzow und Th. Lorenz, so wie zum Teil von 
Prof. Ssuschkin über das Wesen dieser Form ihre Bestätigung. 

2. Die von Herrn Th. Lorenz ausgesprochene Ansicht, dafs 
die häufigeren, den Blaumeisen-Typus tragenden Exemplare 
des C. pleskei Gab. vom cf der Blaumeise und vom 9 der 
Lasurmeise abstammen, findet keine Bestätigung. Die in 
der Gefangenschaft gerade aus einer solchen Kombination 
der Eltern gezüchteten Exemplare tragen ausgesprochenen 
Lasurmeisen-Typus. 

Ferner können wir die Vermutung ansprechen, dafs, unserer 
Meinung nach, im Gegensatze zu den Ansichten der Professoren 
M e n z b i e r und Ssuschkin, Cyanistes pleskei Gab. keine 
selbständige und noch dazu alte Art darstellt, sondern es sich 
im gegebenen Falle vielmehr um eine im Entstehen begriffene 
neue Form handelt. 

Die Auflösung des C. pleskei Gab. in ihren beiden Ahnen- 
Arten, dem C. coeruleus und dem C, cyanus, durch fortgesetzte 



106 Th. Pleske: 

Kreuzung der Bastarde mit typischen Exemplaren einer der 
Stammformen, findet in der Freiheit ohne Zweifel statt. Darauf 
weisen einerseits Prof. Menzbier's Exemplare hin, die die 
Auflösung in der Richtung des C. cyanus bestätigen und anderer- 
seits das Exemplar des Herrn Paschtschenko (cf, I. 1903), 
welches die Auflösung in der Richtung des C. coeruleus bekräftigt. 
Letzteres Exemplar könnte bei oberflächlicher Betrachtung leicht 
für eine typische Blaumeise angesehen werden; bei genauerer 
Untersuchung erweist es sich aber, dafs es eine gewisse Dosis C. 
pleshei-Blut besitzt, also in früheren Generationen unbedingt von 
C. cyanus abstammt. 

Während ich somit die partielle Resorption der Bastardform 
durch ihre Stammformen durch in mehreren Generationen fort- 
gesetzte Kreuzung durchaus nicht in Abrede stelle, bin ich aber 
durchaus nicht davon überzeugt, dafs die Bastardform, d. h. Cya- 
nistes plesJceiCsib. ihrem vollständigen Verschwinden entgegengeht. 
Das Schicksal der Bastardform erscheint mir, teilweise wenigstens, 
ganz anders und will ich den Versuch machen genauer festzu- 
stellen, unter welchen Bedingungen, meiner Ansicht nach, die 
Bastardform hat auftreten und sich zu der Begründerin einer 
neuen Art hat aufschwingen können. 

Das Vordringen der Lasurmeise in den siebziger und achtziger 
Jahren des vorigen Jahrhunderts nach Westen, weit über die 
Grenzen ihres normalen Verbreitungsgebietes hinaus, ist für die 
Gouvernements Jaroslaw und Wladimir von Herrn Paschtschenko 
konstatiert worden. Meiner Ansicht nach ist die Lasurmeise 
wohl noch viel weiter westlich vorgedrungen, denn nur durch 
dieses Vordringen kann ich das Faktum erklären, dafs um die 
besagte Zeit die Lasurmeise selbst bei Petersburg nicht besonders 
selten war. Alle Petersburger Vogelsammler erwarben damals 
auf dem hiesigen Vogelmarkte für ihre Sammlungen Exemplare 
der Lasurmeise; ebenfalls um dieselbe Zeit ist es, wie mir 
Herr V. Bianchi mitteilt, einem zuverlässigen und erfahrenen 
Vogelfänger gelungen das Nest der Lasurmeise in der Nähe 
Petersburgs zu finden. Ich betone noch ganz ausdrücklich, 
dafs die Lasurmeisen damals bis in die Umgebungen Petersburgs, 
gekommen sein müssen, weil im Laufe der letzten Jahre sie hier 
unbedingt nicht mehr vorkommen. Ich habe eifrig getrachtet 
einige lebende Exemplare für meine Voliere zu erwerben und 
ist mir dieses durch die hiesigen Vogelsteller nicht gelungen; 
alle drei von mir angekauften Stücke stammten aus Pensa und 
waren durch moskauer Vogelhändler nach Petersburg gelangt. 
Für mich unterliegt es keinem Zweifel, dafs in den siebziger und 
achtziger Jahren des XIX. Jahrhunderts die Lasurmeise ihr 
Verbreitungsgebiet in westlicher Richtung sehr bedeutend er- 
weitert hat. Ebenso unstreitig kommt es mir vor, dafs sie in 
dem neu besetzten Gebiete nicht festen Fufs gefafst und sich in 
demselben nicht lange gehalten hat. Es hält natürlich schwer 



stellt Cyanestes pleskei Gab. eine selbständige Art dar? 107 

genau festzustellen, wie viele Jahre die Lasurmeise das neu be- 
setzte Gebiet bewohnt hat, ist aber unschwer die Ursache ihres 
Verlassens desselben zu bestimmen. Es unterliegt nämlich gar 
keinem Zweifel, dafs im ganzen neu okkupierte Gebiete die 
Lasurmeise keine solchen Aufenthaltsorte hat finden können, die 
ihr ihren gewohnten Aufenthaltsort haben ersetzen können. Die 
Lasurmeise ist ein typischer Bewohner der Flufstäler, die im 
östlichen Rufsland mit Laubwald, namentlich Weiden, Linden 
und Pappeln bewachsen und mit Buschwerk bestanden sind. Die 
Gärten und Wälder desjenigen Teiles der Nadelwald -Region, 
welcher zu Ende des vorigen Jahrhunderts von der Lasurmeise 
besetzt worden sind, konnten ihr kein entsprechendes Aequivalent 
bieten. Sie war gezwungen, das neu besetzte Gebiet wieder zu 
verlassen, wobei sie aber unzweifelhaft eine geringe Anzahl von 
Exemplaren in demselben zurückliefs. Während des Vordringens 
der Lasurmeise nach Westen, so wie bald nach ihrem Ver- 
schwinden begannen in den Umgebungen von Petersburg und 
Moskau (ähnlich wie es für die Gouvernements Jaroslaw und 
Wladimir konstatiert worden ist) Exemplare der Cyanistes pleskei 
Gab. aufzutreten. Aus den Beobachtungen des Herrn N. 
S a r u d n y über C. plesJcei Gab. im Orenburger Gebiet, welches 
zum ständigen Verbreitungsgebiete der Lasurmeise gehört, geht es 
zweifellos hervor, dafs die Lasurmeise auch unter normalen Ver- 
hältnissen die Neigung hat, mit der Blaumeise Ehebündnisse zu 
schliefsen und Bastarde zu erzeugen. Um so erklärlicher ist es, 
dafs die verhältnismäfsig wenigen Individuen der Lasurmeise, die 
in dem von der Hauptmasse verlassenen Gebiete zurückblieben, 
gezwungen waren, sich mit Blaumeisen zu kreuzen und Erzeuger 
derjenigen Bastarde zu werden, die von Prof. C a b a n i s als 
C. pleskei Gab. beschrieben worden sind. Die Bastarde paaren 
sich ohne Zweifel einerseits mit typischen Exemplaren der Stamm- 
formen (und gehen in diesem Falle allmählich in denselben auf), 
andererseits aber auch, und wie mir dünkt viel häufiger, unter 
sich. Theoretische Bedenken über die Fruchtbarkeit solcher 
Bastarde hege ich nicht; ich verfüge augenblicklich nicht über 
eine erschöpfende diesbezügliche Litteratur und beschränke mich 
deshalb auf H. Seebohm's^) überzeugende Beobachtungen 
über die Fruchtbarkeit der Bastarde von Raben- und Nebelkrähen 
am Jenissei hinzuweisen. Es erweist sich ferner, dafs C. pleskei 
Gab. bei sorgfältiger Nachsuche in den Umgebungen St. Peters- 
burgs gar nicht so besonders selten ist und in jedem Jahre auf 
dem Vogelmarkte junge Vögel bald im Nest — bald im ersten 
ausgefärbten Kleide zu finden sind. Ich halte es für ganz aus- 
geschlossen, dafs alle diese Exemplare das Produkt einer Kreu- 
zung der Blau- und Lasurmeise in ersten Generation darstellen, 

1) Seebohm, H., Siberia in Asia, pag. 30, 65, 81, 84, 143, 
252 und History of British birds and Their eggs, I, p. 547. 



108 Th. Pleske: 

schon aus dem Grunde, dafs die Lasurmeise bei uns in jetziger 
Zeit positiv nicht vorkommt. Diese Stücke können somit nur 
für Nachkommen des C. plesJcei Cab., die sich unter sich paaren, an- 
gesehen werden, d.h. für die zweite und nachfolgenden Generationen 
der Bastarde der Blau- und Lasurmeise, ohne Beimischung frischen 
Blutes einer der Stammformen. Aufserdem mufs ich bemerken, 
dafs eine ganze Keihe von Exemplaren des C. pleshei Cab. aus 
den Umgebungen Petersburgs sich durch bedeutend konstanteren 
Habitus auszeichnen, als z. B. die Stücke aus den Umgebungen 
Moskaus, wo die fortgesetzte Kreuzung der Blau- und Lasur- 
meise in erster Generation stattfindet. C. pleskei Cab. mit Lasur- 
meisen-Typus ist von mir bei Petersburg überhaupt nur zweimal 
gefunden worden, und zwar im Spätherbste, also wohl während 
der Herbstwanderung aus entlegeneren Gegenden, wahrscheinlich aus 
den Umgebungen Moskaus. Die Form mit Blaumeisen-Typus, welche 
auch mit dem von Prof. C a b a n i s beschriebenen Originalexemplar 
übereinstimmt, habe ich dagegen in einigen Dutzenden erhalten. 
Diese Form hat meiner Ansicht nach weniger Neigung zur Auflösung 
durch Kreuzung mit typischen Blaumeisen als durch Paarung unter 
sich Stammvater einer neuen Form zu werden. Die Richtigkeit dieser 
Ansicht findet darin ihren Beweis, dafs die Nachkommen von Bastarden 
(d. h. C. pleskei Cab.) und typischen Blaumeisen, die mit dem von 
Paschtschenko im Gouv. Jaroslaw gesammelten Exemplare 
übereinstimmen müfsten, sehr selten zu sein scheinen; trotz sehr 
eifriger Nachsuche sind solche Exemplare nie in meinen Besitz 
gelangt. Wenn wir noch hinzufügen, dafs die neu entstehende 
Form stets frischen Zuschufs aus dem Grenzgebiete der Ver- 
breitungsgebiete der beiden Stammarten (wo ohne Zweifel die 
Hybridisation in erster Generation fortgesetzt stattfindet) erhält, so 
läfst sich die Lebensfähigkeit einer sich neu bildenden Art, so wie 
die Möglichkeit für dieselbe einen konstanten Typus auszuarbeiten 
und Bürgerrechte zu erhalten, nicht in Abrede stellen. 

Wenn wir das oben Gesagte kurz zusammenfassen, so er- 
gibt sich, dafs die Entstehung neuer Tierformen durch Hybridi- 
sation unter nachfolgenden Bedingungen möglich erscheint: 
L Ausdehnung des Verbreitungsgebietes der einen Stammform 
weit über dessen normale Grenzen. 

2. Rückgang dieser Art in ihre normalen Verbreitungsgrenzen mit 
Zurücklassung einzelner Individuen im temporär besetzten 
Gebiete. 

3. Kreuzung dieser zurückgelassenen Exemplare mit Individuen 
der anderen Stammart. 

4= Vermehrung der Bastarde unter sich und Entstehung hier- 
durch einer neuen selbständigen Form. Möglichkeit einer 
partiellen Auflösung dieser Form in den Stammarten durch, 
wenn auch seltene, Kreuzung derBastarde mit den Stammarten. 
Die Richtigkeit dieser Theorie kann selbstverständlich erst 
durch fernere, langjährige Beobachtungen nachgewiesen werden. 



stellt Cyamstes pleshei Gab. eine selbständige Art dar? 109 

Künftigen Forschern bleibt es vorbehalten, die für die Biologie 
höchst wichtige Frage zu lösen, ob die neuentstandene Bastard- 
form schliefslich vollkommen in ihren Stammarten aufgeht oder 
umgekehrt sich als Ursprung einer neuen Art erweist, die mit 
der Zeit konstante Kennzeichen erwirbt und eine der wichtigsten 
Fragen der Biologie löst, indem sie einen der Wege zur Bildung 
in der Natur neuer Arten des Tierreichs feststellt. Die Frage 
ist jedenfalls von so grofser Bedeutung für die gesammte bio- 
logische Wissenschaft, dafs alle sich für biologische Fragen 
interessierenden Personen und Körperschaften ihr ihre vollste Auf- 
merksamkeit zollen sollten. 



Bericlit über die 60. Jahresy er Sammlung 

der Deutschen Ornithologisclien (xesellschaft in Eberswalde 

und Freienwalde vom 7. bis 9. Oktober 1911. 

Anwesend die Herren : D e d i t i u s (Berlin), S c h a 1 o w 
(Berlin), Reichen ow (Berlin), J ung (Berlin), Voigt (Leipzig), 
Hesse (Berlin), Krause (Berlin), Graf v. Zedlitz und 
Trützschler (Schwentnig), v. Luc an us (Berlin), K. Neunzig 
(Hermsdorf), H e i n r o t h (Berlin), Domeier (Uckermünde), 
0. N e u m a n n (Berlin). 

Als Gäste die Herren : Hildebrandt (Altenburg), R. 
Neunzig (Hermsdorf), Eckstein (Eberswalde) und Frau 
H e i n r t h (Berlin). 

Vorsitzender: Herr S c h a 1 o w. 

Schriftführer : Herr H e i n r o t h. 

Am Sonnabend den 7. Oktober abends 8 Uhr, fand der 
Begrüfsungsabend im Hotel „Deutsches Haus*' statt, den Herr 
S c h a 1 w als Vorsitzender eröffnete. 

Die Herren Tischler (Heilsberg), v. Treskow (Berlin), 
Freiherr v. B e r 1 e p s c h (Seebach), W. B 1 a s i u s (Braun- 
schweig), Nehrkorn (Braunschweig) und Helm (Chemnitz) 
haben telegraphische oder schriftliche Grüfse übersandt und ihrem 
Bedauern Ausdruck gegeben, an den Sitzungen der Jahres- 
versammlung nicht teilnehmen zu können. 

Herr D e d i t i u s gibt den Kassenbericht über die letzten 
3 Jahre. Herr S c h a 1 o w dankt dem Kassenführer für seine 
hingebenden Mühewaltungen im Interesse der Gesellschaft. Die 
Herren Voigt und Hesse werden mit der Prüfung der Rech- 
nung beauftragt. 

Bei der Besprechung der Tagesordnung für die kommenden 
Tage wird auf Vorschlag des Herrn Eckstein beschlossen, sich 
am Sonntag früh nach der Moltke-Treppe am,Rande des Waldes zu 
begeben, da dort häufig um diese Jahreszeit ein interessanter und 
ausgedehnter Krähenzug stattzufinden pflegt. Gegen 9 Uhr soll 



110 Bericht über die 60. Jahresversammlung 1911. 

dann das Zoologische Museum der Königl. Forstakademie auf- 
gesucht werden und um 1 Uhr im Hotel Deutsches Haus das 
geraeinsame Mittagessen stattfinden. Von Nachmittags 4 Uhr 
ab sind Vorträge in Aussicht genommen. Herr Dr. L a v a 11 e in 
Schififmühle bei Freienwalde hat in liebenswürdiger Weise die 
Mitglieder der Jahresversammlung aufgefordert, seine Geflügel- 
züchterei zu besuchen. Man beschliefst daher, am Montag, den 
9. Oktober, vormittags von Eberswalde abzufahren, in Nieder- 
Finow die grofsartigen Schleusen und Kanalbauten des Spree- 
Oder Kanals zu besichtigen und dann nach Freienwalde weiter- 
zufahren, daselbst zu Mittag zu essen und nachmittags gegen 
3 Uhr Herrn Dr. L a v a 1 1 e aufzusuchen. Die Tagesordnung in 
der vorgelegten Form wird angenommen. 

Herr Eckstein legt eine bei Eberswalde geschossene und 
ihm eingelieferte Ente zur Bestimmung vor. Herr H e i n r o t h 
erklärt das Tier für eine Hausente und zwar für einen nicht ganz 
reinen Vertreter der Smaragdentenrasse. Das Tier hat etwa Stock- 
entengröfse und ist im wesentlichen mattschwarz mit einigen 
weifsen Federn an der Hals- und Kropfgegeud. Nach seinen 
Erfahrungen treibt sich gerade diese leichte und verhältnismäfsig 
gutfliegende Entenrasse weit umher und wird öfters erlegt. 

Herr Reichenow wirft die Frage auf, wieweit die im 
Osten Deutschlands in diesem Jahre bereits häufiger beobachteten 
Tannenheher schon nach Westen vorgedrungen seien. Am 22. 
September hat er den ersten Vogel der Art eingeliefert erhalten. 
Die Herren Grafv. Zedlitz, v. Lucanus und Eckstein 
haben diese Art verschiedentlich Ende September in Schlesien, 
Pommern und der Mark gesehen, Herr R Neunzig hat 6 Tage 
lang täglich einige Stücke bei Jüterbogk beobachtet. Auch Herr 
Hildebrandt hat in Altenburg schon einige Tannenheher 
erhalten; es handelt sich dabei stets um den sibirischen, dünu- 
schnäbligen Vogel. Herr Reichenow regt die Frage an, warum 
wohl ein so starker Tannenheherzug stattfinde, und ob dieser 
wohl durch Nahrungsmangel in der Heimat der Vögel verursacht 
werde. Leider fehlt es darüber an jeder Erfahrung. 

Herr S c h a l o w berichtet, dafs in den Vereinigten Staaten 
von Nordamerika seitens der Linnean Society of New 
York das Beringen der Vögel in grofsartigem Mafsstabe ausge- 
führt werden solle; er verspricht sich von diesen Versuchen 
ganz ausgezeichnete Erfolge für die Kenntnis der Wanderungen 
nordamerikanischer Vögel. 

Herr Eckstein meldet, dafs sich heute gegen Abend die 
ersten Saatgänse in Eberswalde eingefunden hätten. 

Herr Schalow spricht über den demnächst erscheinenden 
Bericht über die Verhandlungen des V. Internationalen Ornitho- 
logen Kongresses und rechtfertigt das späte Erscheinen desselben. 
Er schildert die Schwierigkeiten, die er mit einigen Verfassern 



Bericht über die 60. Jahresversammlung 1911. 111 

gehabt hat, deren zum Teil ungemein säumige Einlieferung ihrer 
Arbeiten an der Verzögerung schuld ist. 

Herr Voigt erkundigt sich nach dem Verhältnis der Ab- 
hängigkeit bezw. der Zugehörigkeit der Vogelwarte Rossitten zu 
der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft. Herr Reichenow 
beantwortet die Frage dahin, dafs die Vogelwarte der Deutschen 
Ornithologischen Gesellschaft gehöre, dafs das Museum derselben 
auf fiskalischem Boden, aus staatlichen Mitteln gebaut sei, und 
dafs sie eine jährliche Unterstützung seitens der Ministerien des 
Kultus und der Land- und Forstwirtschaft erhält. Aufserdem wird 
das Gehalt des Herrn Prof. Dr. Thienemann, der der Universität 
Königsberg als Kustos angegliedert ist, aus staatlichen Mitteln 
bezahlt, während die Kosten für die Drucksachen, Bericht über 
die Vogelwarte, etc. die Ornithologische Gesellschaft trägt. Herr 
Voigt dankt für die Aufklärung. Er berichtet auf eine Anfrage 
des Vorsitzenden über die Lage der Verhältnisse in Hiddensee, 
bezw. über eine daselbst zu errichtende Schutzstation. Die Insel 
Hiddensee gehört zu Stralsund, ihr Hauptort ist Kloster. Es 
sind Meinungsverschiedenheiten zwischen dem „Frauenbund zum 
Schutze der Vogelwelt", vertreten durch Herrn Steinmetz, und 
dem Stralsunder Ornithologischen Verein entstanden, die beide 
die Vogelbrutkolonien auf und um Hiddensee schützen wollen. 
Namentlich die Insel Fehr und der Gänsewerder kommen hier- 
bei in Betracht. Die praktische Ausübung des Vogelschutzes 
liegt hauptsächlich in den Händen des sehr interessierten und 
aufopferungsfreudigen Lehrers Segebrecht in Vitte. Es wird sich 
darum handeln, diesen Herrn für seine eifrigen Bemühungen in 
geeigneter Weise zu entschädigen. 

Herr S c h a 1 o w dankt für den sehr interessanten Bericht. 
Herr Eckstein rät, dafs man Herrn Geheimrat Professor 
Dr. Conwentz zur Schlichtung des Streites für die Sache 
interessieren solle. 

Herr Voigt betont, dafs es sich vor allen Dingen darum 
handle, dafs die Jagdscheine, die in Hiddensee an Kurgäste ver- 
geben würden und eine Einnahmequelle des Pächters in Kloster 
darstellten, abgeschafft werden müfsten, Herr Eckstein glaubt, 
dafs die Landesverwaltung bezw. Stralsund hierbei einschreiten 
können. 

Zum Schlüsse der Abendsitzung wirft Herr Eckstein die 
Frage auf, wie es möglich sei, dafs man trotz aller Vogelschutz- 
gesetze in Deutschland z. B. für Magenuntersuchungen beliebig 
viele Mägen geschützter Vögel erhalten könne. Auch sei es 
erstaunlich, das man jederzeit alle möglichen Singvögel unter 
der Hand kaufen kann. 

Bei einem Meinungsaustausch hierüber wird darauf hin- 
gewiesen, dafs die häufiger im Käfige gehaltenen Körnerfresser 
in grofsen Mengen aus Holland und Böhmen eingeführt würden. 
Einzelne Vögel werden natürlich auch in Deutschland unerlaubter 



112 Bericht über die 60. Jahresversammlung 1911. 

Weise häufig gefangen. Die Schuld an diesen Gesetzesüberschrei- 
tungen trage dabei namentlich derjenige, von dem die Nachfrage 
nach geschützten Vögeln ausgeht. 

Am Sonntag, den 8. Oktober begaben sich die Teilnehmer der 
Jahresversammlung nach der Moltke-Treppe, wo sich von der Höhe 
ein schöner Blick über Eberswalde eröifnet. Leider blieben die 
Krähen aus, denn es war regnerisches, trübes Wetter. 

Herr Eckstein geleitete die Versammelten nach seiner 
Wohnung. Dort tummelten sich im Garten drei reizende, junge 
Fischottern bei einer Kollihündin, die ihnen als Amme gedient 
hatte. Es gewährte viel Vergnügen, die munteren Spiele der 
wolligen kleinen Geschwister zu beobachten. 

Hierauf wurde das Zoologische Museum der Forstakademie 
besucht. Es enthält eine schöne Sammlung einheimischer Tiere, 
von denen natürlich die Vögel besonders in Augenschein genom- 
men wurden. Zu zwanglosen Gruppen vereinigt besichtigten die 
Teilnehmer der Jahresversammlung die interessanten Stücke der 
Sammlung. Einige Farben-Varietäten fanden besonderen Anklang, 
von seltenen Irrgasten sei Elanus erwähnt. 

Um 1 Uhr fand das Mittagessen im Deutschen Hause 
statt, und kurz nach 4 Uhr eröffnete Herr S c h a 1 o w mit der 
folgenden Ansprache die Hauptsitzung: 

„Ich eröffne die 60. Jahresversammlung unserer Gesell- 
schaft. Mit besonderer Freude begrüfse ich es, dafs unsere dies- 
jährige Tagung hier in Eberswalde abgehalten wird, in einer 
Stadt, in welcher ein Mann, dessen Name mit der Entwicklung 
der Vogelkunde in Deutschland immer verknüpft sein wird, lange 
gelebt und gewirkt hat: Bernard Altum. Im Jahre 1869 als 
Nachfolger des bekannten Forstentomologen Ratzeburg hierher 
berufen, hat er bis zu seinem im Jahre 1900 erfolgten Tode als 
Lehrer der Zoologie an der hiesigen Forstakademie eine segens- 
reiche Tätigkeit entfaltet. Ehe Altuui nach Eberswalde kam, hatte 
er sich vornehmlich mit der deutschen Vogelkunde beschäftigt. 
Nach seiner Übersiedelung hierher trat die Ornithologie in den 
Hintergrund. Zunächst waren es entomologiscbe, bezw. forst- 
entomologische Arbeiten, die seinen Studien Ziel und Richtung 
gaben. Kaum aber safs er hierin einigermafsen im Sattel, als 
auch die Beschäftigung mit der alten Lieblingswissenschaft wieder 
in den Vordergrund trat. Durch den Verkehr mit den Männern 
der grünen Farbe angeregt und im Mittelpunkt eines forstlich- 
zoologischen Versuchswesens stehend, wurden es vornehmlich 
biologische Fragen, die ihn mehr und mehr beschäftigten und 
für deren Lösung er Material herbeizuschaffen bemüht war. So 
enthält denn auch der hier in Eberswalde geschriebene , die 
Vögel behandelnde Teil seiner „Forstzoologie", eine Summe wert- 
voller Beobachtungen, die leider von den Fachgelehrten wenig 
benutzt worden sind. 



Bericht über die 60. Jahresversammlung 1911. 113 

Als Altum seine vogelkundlichen Studien begann, stand er 
ganz im Banne Naumann'scher Richtung. Voller Begeisterung 
blickte er zu dem schlichten Autodidakten empor, dessen zwölf- 
bändiges Werk über die Vögel Deutschlands soeben erschienen 
war, und dessen phänomenale Beobachtungsgabe uns Deutschen 
die erste, noch heute unübertroffene Beschreibung desäufseren 
Lebens unserer Vögel, aus eigener Kraft, geschaffen hatte. Nau- 
mann war kein spekulativer Kopf. Er schilderte das, was er mit 
scharfen Sinnen in der freien Natur beobachtet hatte. Anders 
Altum. In dialektischer Methode gebildet und zu scharfem 
Denken in dem Priesterseminar zu Münster erzogen, empfand 
er, bei aller Verehrung und Anerkennung für Naumanns Arbeit, 
sehr bald, dafs es eine dringende Forderung sein müsse, der bis- 
her allein geltenden Natur beschreibung eine Natur e r - 
k 1 ä r u n g an die Seite zu setzen. In seinem bekannten Tendenz- 
werk „Der Vogel und sein Leben" suchte er die Fragen zu 
formulieren und nach dem geringen, vorläufigen Material Schlüsse 
psychologischer Richtung zu gewinnen. Er stand hierbei in 
direktem Gegensatz zu Alfred Brehm. Friedrich von Lucanus 
hat die Anschauungen der beiden Männer, die sich übrigens im 
Leben freundschaftlich gegenüberstanden, trefflich charakterisiert. 
Brehm „der glühende Phantast, nach dessen Auffassung dem 
Tiere weiter nichts fehlt als die Sprache, um auch geistig mit 
dem Menschen sich messen zu können, Altum der nüchterne, 
aber auch nicht vorurteilsfreie Forscher und Priester, der im 
Tier nur eine seelenlose Reflexmaschine erblickt". Wenn Altum 
in der Beurteilung der Tierseele nach unserer heutigen Auffassung 
zu weit ging und viele seiner Schlüsse zu verwerfen sind, 
so können wir doch rückhaltlos zugeben, dafs er es gewesen, 
der zuerst das Dunkel dieser schwierigen Materie zu lichten ver- 
sucht hat. Die von ihm hierauf bezüglichen Mitteilungen sind 
nicht nur wegen der gewonnenen Ergebnisse von Wert, sondern 
sie weisen auch den Weg für die weitere Arbeit. Sie bilden 
die Brücke zu den heutigen intensiven Untersuchungen zur 
Psychologie der Vögel, an denen sich auch Mitglieder unserer 
Gresellschaft mit Erfolg beteiligt haben. 

Aber auf einen Punkt möchte ich noch hinweisen. Es will 
mir scheinen, als ob die Tierpsychologen mit einer gewissen 
Geringschätzung auf die Vertreter der übrigen Richtungen in 
der Erforschung des Vogellebens herabsehen. Ich halte dies 
für bedauerlich und möchte vor einer solchen Auffassung warnen. 
Nicht allein die Psychologie, nein Morphologie und Verbreitung, 
Systematik, Nomenklatur und Biologie der äufseren Daseins- 
erscheinungen sind miteinander berufen, die Kenntnis von Leben, 
Anatomie und Wesen des Vogels im weitesten Sinne zu klären 
und die Vogelkunde zu fördern." 

Nach diesen einleitenden Worten des Vorsitzenden berichten 
die Herren Voigt und Hesse über die Kassenführung und 

Jonni. f. Orm. LIX. Jahrg. Jannar 1912. Q 



114 Bericht über die 60. Jabresvcrsammlung 1911. 

beantragen, Herrn D e d i t i ii s mit bestem Dank die Entlastung 
zu erteilen. Die Entlastung wird von der Versammlung erteilt, 
und der Vorsitzende dankt Herrn Deditius für seine bewährte 
Rechnungsführung und den Revisoren für ihre Mühewaltung. 

Herr Graf v. Zedlitz berichtet über seine Reise in der 
Sinai-Halbinsel. Letztere ist bisher noch verhältnismäfsig wenig 
ornithologisch erforscht worden. 1898 hatte Professor K ö n i g- 
Bonn eine Reise dorthin gemacht, seine Sammlung ist aber noch 
nicht bearbeitet. Der Ausgangspunkt der Reise des Vortragenden 
war El-Tor. Von dort aus ging es dem Gebirge zu, das dann 
von Westen nach Osten durchquert wurde. Ein ausführlicher 
Bericht wird hierüber seitens des Vortragenden veröffentlicht 
werden, hier seien nur einige kurze zusammenfassende Mitteilungen 
wiedergegeben. Als Charaktervögel können Cercomela, Pycnonotus, 
Ammoperdix und eine der Columba schimperi nahestehende Form 
angesehen werden. In den Tamarisken haust Sylvia rüppcUi, 
im dürren Weidengebüsch treibt Scotocerca inquieta ihr Wesen, 
von der schon im April flügge Junge gefunden wurden, und 
Fhylloscopus honelli orientalis haust im niederen Gebüsch. Be- 
sonders auffallend ist der schwarze Star Amydrus tristrami; er 
ähnelt in seinem Verhalten der Alpendohle und belebt mit seinem 
hellen Pfiff die steilen Felswände, ferner kamen JBubo ascalaphus, 
Lanins auchcri, Hiparia rupestris ohsoleta, Dromolaea leucopyga 
zur Beobachtung, Carpodacns synoica lebt selbst zur Paarungszeit 
in kleinen Trupps ZM's^ixmmQW^ Ammomanes deserti fratercula, Corvus 
affinis sowie Gypaetus wurden angetroffen, letzterer konnte aber 
leider nicht erlegt werden. Fhoenicurus mesoleuca ist vielleicht 
Brutvogel dieser Gebiete, wenigsten wurde er im Frühling 
angetroffen. Aufserdem wurden sehr viele Zugvögel beobachtet, 
am ersten Mai sogar 1200 Störche auf einmal. 

Im wesentlichen kann gesagt werden, dafs die Vogelwelt 
der Sinaihalbinsel asiatisch und mit Palästina eng verwandt ist, 
mit Ägypten hat sie nichts Gemeinsames. Das Gebiet stellt eine 
bevorzugte Zugstrafse dar, die Vögel wandern ganz niedrig in 
den Tälern entlang, da es dort viel- windstiller als auf den Höhen 
ist. Namentlich unsere heimischen Grasmücken, Sylvia curruca 
und atricaxnlla^ letztere auch zum Frühjahr hin häufig auch im 
männlichen Geschlecht mit brauner Kopfplatte, wurden in Mengen 
beobachtet. 

Der Vorsitzende dankt dem Redner für seine anregenden 
Ausführungen, an die sich ein längerer Meinungsaustausch schliefst. 

Herr H e i n r o t h ist der Ansicht, dafs es sich bei den auf 
der Sinaihalbinsel beobachteten Stücken unserer heimischen Zug- 
vogelarten, mit Ausnahme der Störche, wohl nicht um deutsche 
und westeuropäische Vögel handeln könne, da diese ja doch vor- 
wiegend westlich und südlich ziehen, sondern es liegt der Gedanke 
nahe, dafs diese Tiere aus Westasien und Rufsland stammen. 
Er glaubt dies besonders deshalb annehmen zu dürfen, dafs Herr 



\ 



Bericht über die 60. Jahresversammlung 1911. 115 

Graf V. Z e d 1 i t z in der Frühjahrszugzeit männliche Mönchs- 
ftrasmücken gesammelt hat, die eine noch nicht ganz schwarze 
Kopfplatte hatten; unser deutscher Mönch pflegt aber bekanntlich 
schon in seiner ersten Mauser im Spätsommer die schwarze Kopf- 
platte zu bekommen. Dahingegen hat Heinroth in der Herbst- 
zugzeit in Süd-Rufsland eine grofse Anzahl von Männchen fest- 
gestellt, die eine noch braune Kopfplatte aufwiesen; es scheint 
also, als wenn die östlichen Stücke von S. atricapilla sich in diesem 
Punkt von den westlichen unterscheiden. 

Herr Keichenow wundert sich, dafs nach den Angaben 
des Herrn Grafen v. Zedlitz der dortige Bülbül schlecht 
singe, während doch die westafrikanische Form P. gahunensis 
und der Verwandte P. caffer als gute Sänger gelten. Was 
die Zugverhältnisse anbetrifft, so sei es wichtig, auch im 
Herbst im Sinai darauf zu achten : es wäre ja nicht un- 
möglich, dafs unsere deutschen Vögel auf einem andern Wege 
in die Heimat zurückzögen als der ist, den sie im Herbst 
einschlagen. 

Herr Eckstein glaubt auch nicht, dafs mit Ausnahme 
der Störche deutsche Vögel durch die Sinaihalbinsel ziehen. 
Auch die Wachteln zögen wohl über das Mittelmeer und nicht 
an der syrischen Küste entlang. 

Herr Graf Zedlitz bemerkt hierzu, dafs er sich keine 
feste Ansicht darüber bilden könne, ob die im Sinai beobachteten 
Sylvien west- oder osteuropäische Stücke sind. Was die Wachteln 
angeht, so hat er beobachtet, dafs diese Vögel im östlichen Nord- 
afrika im Winter viel häufiger sind, als im westlichen, dies schliefst 
aber nicht aus, dafs die ägyptischen Wintergäste aus Osteuropa 
stammen. Zu einer Bemerkung des Herrn Heinroth gibt er 
noch an, dafs er von Sylvia atricapilla und S. curruca im Sinai 
nie einen Ton gehört habe. Zu dem Storchzuge bemerkt Herr 
Krause, dafs Ciconia ciconia in Schlesien durchaus nicht dem 
Laufe der Oder folge, sondern stets quer über den 1600 m hohen 
Gebirgskamm ziehe. Herr Neu mann betont, dafs es wohl 
sehr schwer sei, an einzelnen Vögeln, ohne dafs die Tiere Ringe 
haben, die Zugstrafse festzustellen. Er ist der Ansicht, dafs die 
meisten unserer heimischen Vögel nach Westen über ihre alte 
Urheimat hinwegreisen. Männliche Mönchsgrasmücken mit rotem 
Oberkopf hat er im Winter auch in Ostafrika beobachtet. Diese 
kommen, wie Herr K. Neunzig bemerkt, auch gelegentlich bei 
uns in Deutschland vor. 

Herr v. Lucanus fragt, wie hoch etwa die Felswände, 
an denen man Amydrus und Gypaetus beobachtet, seien, und 
Herr Graf v. Zedlitz erwidert, dafs man ersteren noch gut 
auf 100 — 150 m sehen könne, von letzterem hat er ein Paar 
beobachtet, dafs in einer etwa 400 m hohen Felswand seinen Horst 
in etwa 250 m Höhe hatte. Was die Frage nach der Urheimat 
unserer Zugvögel angeht, so bemerkt Herr D o m e i e r , dafs der 

8* 



116 Bericht über die 60. Jahresversammlung 1911. 

Storch früher in der Ost-Sahara gelebt habe, und Herr Neumann 
pflichtet dieser Ansicht bei. 

Herr S c h a 1 o w fügt zu dem Vortrage des Herrn Grafen 
V. Z e d 1 i t z ergänzend hinzu, dafs P 1 a t e an der Küste des 
roten Meeres Fandion haliaetus auf der Erde brütend beobachtet 
habe. 

Herr v. Lucanus hält hierauf seinen mit allseitigem In- 
teresse aufgenommenen Vortrag: „Aeronautische Experimente 
über die Bestimmung der Höhe fliegender Vögel." Der Inhalt 
dieses Vortrags ist auszugsweise bereits im Bericht über die April- 
sitzung 1911 der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft im 
Journ. f. Orn. wiedergegeben worden, und der Vortragende hat 
die Absicht, in Kürze seine Beobachtungen selbst ausführlich zu 
veröff'entlichen. Es sei hier nur noch bemerkt, dafs Herr 
V. Lucanus sich in Ergänzung der Ballonversuche die dabei 
untersuchten Flugbilder in Vio natürlicher Gröfse auf grofse 
weifse PapierT)ogen verkleinert hat und dabei feststellen konnte, 
dafs sich die Erkennbarkeit dieser Objekte unter einander genau 
so verhält, wie die der wirklichen bezw. ausgestopften Vögel. 
Mit Hilfe dieses Mittels kann man bei bekannter Fluggröfse eines 
Vogels seine Sichtbarkeit ohne weiteres unter Bezugnahme auf 
die beim Ballonversuch festgestellten Werte berechnen. Aufser 
seinen eigenen Tabellen hat er noch die Angaben Gätkes und 
Humboldts über die Grenzen der Sichtbarkeit fliegender Vögel 
vorgeführt, und es stellte sich dabei heraus, dafs sich diese beiden 
Beobachter um etwa 3000 m überschätzt hatten. 

Herr H e i n r o t h legt eine Anzahl von Luftröhren und 
Knochentrommeln (Bulla ossea) verschiedener Anatiden-M3innchen 
vor. Er zeigt die Unterschiede dieser Gebilde bei den Fledro- 
pterinae, den Gattungen Casarca, Dendrocygna, Lampronessa^ Äex, 
Anas, Nettium, Querquedula, ferner bei den Fuligulinen Netta und 
Clangula sowie von Merganser serrator. Zum Vergleich hat er von 
vielen Formen auch die sehr einfachen Luftröhren weiblicher Stücke 
mitgebracht, die aufser bei Dendrocygna keinerlei Auftreibungen 
und Knochentrommeln zeigen. Er wies darauf hin, dafs bei vielen 
Entenmännchen zur Erzeugung eines einzigen Balzlautes ein kompli- 
ziertes Organ entstanden sei ; ein Umstand, der es aber gleichzeitig 
mit sich bringt, dafs sie im übrigen vollkommen stumm geworden 
sind: man hat es also hier so recht eigentlich mit einer Sackgasse 
zu tun, in die diese Vogelgruppe geraten ist. Das Nähere über diese 
Betrachtungen findet sich im wesentlichen in der im Bericht über den 
V. Internationalen Ornithologen-Kongress Berlin 1910 erschienenen 
Arbeit, „Beiträge zur Biologie, namentlich Ethologie und Psychologie 
der Anatiden." Der Vortragende bezeichnete es als den Hauptzweck 
seiner Demonstration, zum Sammeln von Luftröhren und Knochen- 
trommeln anzuregen ; leider würden diese Organe so gut wie nie- 
mals aufgehoben, sodafs wir über sie bei den seltener vorkommenden 
Anatiden wie Cyanochen, Fteronetia, Malacorynchus, Siictunetta, 



Bericht über die 60. Jahresversammlung 1911. 117 

Tachyeres, Eniconetta, Merganetta^ Erismatura, Biziura und vielen 
andern z. T. noch vollkommen im Unklaren sind, trotzdem sie 
wichtige Fingerzeige für die systematische Stellung und die nähere 
Verwandtschaft dieser Formen geben können. 

Etwa um 7 Uhr schliefst der Vorsitzende die Sitzung und 
dankt Jiamens aller Mitglieder den Herren Vortragenden für die 
interessanten Mitteilungen, sowie Herrn Professor Eckstein für die 
Liebenswürdigkeit, mit der er die Führung in seinem Museum 
übernommen. Herr Eckstein erwidert mit einigen herzlichen 
Worten. 

Der gröfste Teil der Teilnehmer fand sich am nächsten 
Morgen, den 9. Oktober, wieder zusammen. Man bestieg den 
Zug nach Nieder-Finow, besichtigte dort bei etwa zweistündigem 
Aufenthalt die ebenso interessanten als grofsartigen und umfang- 
reichen, im Entstehen begriffenen Schleusenanlagen, fuhr dann 
gegen Mittag nach Freieuwalde weiter und nach einem gemeinsam 
eingenommenen Mittagessen machte man sich auf den Weg nach 
der herrlich gelegenen Besitzung des Herrn Dr. Lavalle iu 
Schiffmühle. Es war ein Genufs, die ausgedehnte Rassegeflügel- 
zucht dieses Herrn, der die Mitglieder in liebenswürdigster 
Weise durch alle Räume geleitete, zu bewundern. Mechelner 
Kuckucks-Sperber, Brahmas, Langshans, Orpingtons, Plymouth- 
Rocks, Minorcas und Italiener in mehreren Farbenschlägen, 
ebenso allerliebste wie typische deutsche Möwchentauben, Strasser 
und Koburger Lerchen, sowie Emdener Gänse und indische 
Laufenten waren in grofsen sauberen Ausläufen und Ställen 
aufs zweckmäfsigste untergebracht. Etwa 600 Hühner trieben 
dort ihr Wesen, und lange Zeit kreiste ein kleiner Trupp flug- 
gewandter Hausenten (Hochtiugenten) über Haus und Garten. 
Eine Einladung des Herrn Lavalle zum Kaffee und zu einem 
Schluck seines aus Hühnereidotter selbst hergestellten Eierkognacs 
nahmen die Beteiligten mit Freuden an, zumal inzwischen draufsen 
recht kühles, unfreundliches, regnerisches Wetter eingetreten war. 
Bald nach 5 Uhr brach man unter herzlichen Dankesworten 
an Herrn Dr. Lavalle auf, um noch rechtzeitig den nach Berlin 
fahrenden Zug in Freienwalde zu erreichen. O. Heinroth. 



Dentsehe Oroithologisehe Gesellsehaft. 
Bericht über die Septembersitzung 1911. 

Verhandelt Berlin, Montag den 4. September, abends 8 Uhr 
im Architektenvereinshause Wilhelmstrafse 92. 

Anwesend die Herren: Freiherr Geyr von Schweppen- 
burg, Grote, Jung, Neunzig, Graf v. Zedlitz u. 
Trützschler, Deditius, Reichenow, Schalow, Krause, 
0. Neumann und Heinroth. 



118 Bericht über die September-Sitzung 1911. 

Als Gast: Frau Heinroth. 

Vorsitzender: Herr S c h a l o w. 

Schriftführer : Herr H e i n r o t h. 

Die Herren Reich enow, Neunzig und S c h a l o w 
legen die reichhaltige, während der Ferien eingegangene Literatur 
vor, die zum Teil ziemlich eingehend besprochen wird. Es wird 
ferner angeregt, an die Jahresversammlung in Eberswalde einen 
Ausflug nach SchiiTmühle zu Herrn Dr. La v alle zur Besichtigung 
seiner Geflügelzucht anzuschliefsen, ein Vorschlag, der allgemeinen 
Beifall findet. 

Herr Graf v. Z e d 1 i t z legt einen in Schlesien in der 
der zweiten Hälfte des Mai tot aufgefundenen Abendfalken vor, 
der sich dadurch auszeichnet, dafs er im wesentlichen sein alte?, 
sehr sark abgenutztes Jugendkleid trägt; nur der Rücken, einige 
Federn der Unterseite und die mittelsten Schwanzfedern sind 
gewechselt worden, dafs Tier mufs also im Beginne der Mauser 
stecken geblieben sein. Ferner hat Herr Grafv. Zedlitz einen 
Habicht aus Tromsö bekommen, der merkwürdig hell gefärbt ist. 
Im Anschlufs daran weisen die Herren Freiherr Geyr 
von Schweppenburg und H e i n r o t h darauf hin, dafs vor 
einigen Jahren ein junges ganz blasses Stück dem Berliner Zoolo- 
gischen Garten geschenkt worden ist, das angeblich aus Dänemark 
oder noch nördlicher herstammt. Mit der nächsten Mauser be- 
kam es ein ebenso helles Alterskleid, sein Balg befindet sich im 
Museum. Auch aus Nordrufsland erhält man ebenso hell gefärbte 
Stücke, andererseits sind aber aus nördlichen Gegenden auch 
Vögel bekannt, die so dunkel wie die deutschen gefärbt sind. 
Herr Reichen ow berichtet, dafs er aus der Schweiz einen Uhu 
bekommen habe, der ganz auffallend dunkel ist, genau so, wie 
die norwegischen Artgenossen. Es scheint sich hier also bei den 
Schweizer Stücken um eine Reliktenform zu handeln. 

Herr G r o t e legt eine ganze Anzahl Vögel vor, die er bei Mikin- 
dani im südlichen Deutsch-Ostafrika gesammelt hat. Es handelt 
sich dabei um neue Formen aus den Gattungen fitta, Batis, 
Macrosphenus, Camaropiera, Sylvietta und üraeginthus. Ein Hauben- 
perlhuhn, von dem man seiner ganz einfarbig blau gefärbten nackten 
Kopfseiten wegen zunächst glaubte, dafs es neu sei, hat sich als 
eine schon früher von G h i g i beschriebene Art Guttera harhata 
erwiesen. Herr Grote hat einen solchen Vogel auch lebend mit- 
gebracht, der sich z. Zt. im Berliner Zoologischen Garten befindet. 

Herr Reich enow weist auf die eigentümliche Überein- 
stimmung in Form in Färbung der beiden Gattungen Neocos- 
syphus und Stizorhina hin, von denen jene den Sylviidae 
insbesondere den Turdinae, diese den Muscicapidae zugerechnet 
wird. Die Flügel- und Schwanzform ist bei beiden die gleiche, 
Neocossyphiis hat auch verhältnismäfsig kurze Läufe, was dem 
Charakter der Drosseln nicht entspricht. Noch auffallender als in 
der Form ist die Übereinstimmung in der Färbung. In beiden 



Bericht über die September- Sitzung 1911. 119 

Gattungen kommt eine Art vor, die weifse Spitzen an den äufseren 
Schwanzfedern hat, Neocossyphus poensis und Stizorhina finschi, 
und ferner Arten mit rotbraunem Schwanz und hauptsächlich 
rotbrauner Färbung {Neocossyphus rufus und Stizorhina grandis), 
und diese Arten kommen nebeneinander in derselben Gegend vor. 
iV. poensis und St. finschi sind in der Färbung zum Verwechseln 
ähnlich, jene ist nur oberseits dunkler, die Stizorhina mehr oliven- 
bräunlich, die rotbraune Flügelbinde, die für beide Gattungen 
bezeichnend ist, ist bei N. poensis dunkler und breiter, bei St. 
finschi heller und schmaler. Der einzige Unterschied der beiden 
Gattungen Neocossyphus und Stizorhina besteht in der Form des 
Schnabels, der bei jenem schmaler und länger, bei dieser kürzer 
und flacher ist. Die Schnabelborsten sind bei Stizorhina etwas 
stärker als bei Neocossyphus, aber für einen Muscicapiden ver- 
hältnismäfsig schwach. Zu beachten ist auch, dafs die Form 
des Schnabes bei N. poensis nicht unbedeutend individuell ab- 
ändert. Die Breite des Schnabels beträgt bei manchen Stücken 
an der Stirn bis 10, bei anderen nur 8 mm. 

Der Vortragende weist sodann nach, dafs seine Cassinia 
zenheri auf ein durch Nässe in der Färbung verändertes und am 
Schnabel beschädigtes Stück von Neocossyphus poensis zurückzu- 
führen ist. 

Freiherr Geyr von Schweppenburg berichtet, 
dafs er Mitte August in Königsberg noch die Mauersegler ange- 
troffen habe, während Ritter vonTschusizu Schmid hoffen 
den Abzug von Apus in Hallein für den 24. Juli angibt. Ein 
Beweis, dafs der Eintritt des Zuges von der Beendigung des 
Brutgeschäftes abhängt, das natürlich, je nördlicher die Vögel 
wohnen, umso später im Jahre von statten geht. Der Vortragende 
hat in diesem Sommer in Ostpreufsen drei Nester des Zwerg- 
fliegenschnäppers gefunden, die aber nicht, wie gewöhnlich ange- 
geben wird, in Höhlen standen, sondern frei in den Ästen. 

Zum Abzüge von Apus bemerkt Herr Graf v. Zedlitz, 
dafs er noch in den ersten Septerabertagen in Schlesien einen 
solchen Vogel bekommen habe, und Herr Grote weifs von einem 
Mauersegler, der sogar erst am 5. Oktober gefunden worden ist. 

Herr Neunzig berichtet über geradezu erschreckende 
Zahlen, die die sicher bevorstehende Ausrottung der Paradies- 
vögel in Deutsch Neuguinea beweisen. Das Amtsblatt von Neuguinea 
meldet, dafs im Jahre 1909 3270 Paiadiesvogelbälge im Werte 
von 65000 M., 1910 dagegen 4850 Bälge, die mit 152000 M. be- 
wertet sind, ausgeführt worden seien. Herr Schalow bemerkt 
hierzu, dafs das Schufsgeld erhöht worden sei, auch auf die 
Ausfuhrsteuer werden 2,— Mark mehr erhoben, ein Betrag, der 
aber nicht danach angetan ist, den Verbrauch der Paradiesvogel- 
bälge zu Schmuckzwecken herabzumindern. 

Herr R e i c h e u o w hat den Münchener Zoologischen 
Garten kurz nach seiner Eröffnung besucht und berichtet aus- 



120 Bericht über die September-Sitzung 1911. 

ftihrlich über das dort Gesehene. Er kommt zu dem Ergebnis, 
dafs die ganze Anlage von der Natur durch landschaftliche Reize 
ganz aufserordentlich begünstigt sei, die Besetzung mit Tieren 
dagegen und ihre Unterkunft zur Zeit noch recht viel zu wünschen 
übrig lassen. 

Herr H e i n r o t h weist darauf hin, dafs der Berliner Zoo- 
logische Garten von Herrn A h a r o n i aus Jerusalem eine der 
Hubara nahestehende Trappe und einen kürzlich von Rothschild 
und Hartert beschriebenen Buho aharonü erworben habe. Herr 
N e u m a n n hat kürzlich den Londoner Zoologischen Garten 
besucht und berichtet über die trefflichen und praktischen Neu- 
bauten und die hervorragende Tiersammlung, die er dort ange- 
troffen hat. Zum Schlufs gedenkt er noch einer kürzlich einge- 
leiteten Forschungsreise nach Jan-Mayen, die deshalb leider ganz 
erfolglos verlaufen ist, weil es des schlechten Wetters wegen 
vollkommen unmöglich war, auf der Insel zu landen, die Teil- 
nehmer also ganz unverrichteter Sache wieder umkehren mufsten, 

O. Heinroth. 

Bericht über die November-Sitzung 1911. 

Verhandelt Berlin, Montag, den 6. November, abends 8 Uhr 
im Architektenvereinshause Wilhelmstrafse 92. 

Anwesend die Herren iKracht, Neumann, Gehlsen, 
Berger, Jung, Rörig, Krause, Schiller, Schalow, 
Reichenow und Hesse. 

Als Gäste : Frau H e i n r o t h und Frau B e r g e r. 

Vorsitzender: Herr Schalow. 

Schriftführer: Herr Hesse. 

Die Herren Reichenow und Schalow besprechen die 
eingegangene Literatur. 

Im Anschlufs an einige Bemerkungen ebengenannter Herren 
über insektenfressende Vögel und die oft recht grofse Zweideutig- 
keit des sogenannten Nutzens und Schadens, wobei speciell auf 
die Meinungsverschiedenheiten über die Wertung der Spechte 
hingewiesen wird, kritisiert Herr Rörig die in neuester Zeit 
ins Werk gesetzten Vogelschutzbestrebungen in den Weinbergen 
zur Bekämpfung des Heu- und Sauerwurms. Herr Rörig ist 
der Meinung, dafs die Vögel gar nicht im Stande und auch 
überhaupt nicht in genügend grofser Zahl vorhanden sein könnten, 
um den Millionen dieser Schädlinge in ihren verschiedenen Ent- 
wicklungsstadien wesentlichen Abbruch zu tun oder sie gar 
zu vertilgen. Es kämen weiterhin höchstens die Meisen in Frage, 
und es sei sehr zweifelhaft, ob diese Waldvögel in das freie Ge- 
lände der Weinberge übergehen würden. 

Herr Schalow gibt einen kurzen Überblick des Verlaufes 
der Jahresversammlung in Eberswalde. 



Beliebt über die November-Sitzung 1911. 121 

Herr S c h a 1 o w bemerkt ferner betreffs der diesjährigen 
Invasion der Tannenhäher, dafs nach den verschiedentlich publi- 
zierten Mitteilungen der Zug in Deutschland sich bereits bis 
zum fränkischen Jura und zu den Grenzen von Württemberg 
vorgeschoben habe. 

Anknüpfend hieran macht Herr Reichenow darauf auf- 
merksam, dafs einem Berliner Ausstopfer in Zeit von vier Wochen 
ca. 100 Stück dieser Vögel eingeliefert worden seien; einmal wohl 
ein Beweis, dafs letztere iu z. T. recht stattlicher Zahl auf- 
getreten sein dürften, andrerseits die nicht gerade erfreuliche 
Tatsache, dafs sehr viele dieser Durchzügler meist unnütz der 
Büchse zum Opfer fallen. 

Herr Reichenow erinnert bei dieser Gelegenheit an die 
Ausrottung der amerikanischen Wandertaube, die bekanntlich 
noch in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in uner- 
mefslichen Scharen vorgekommen sei. Infolge sinnlosester und 
mit allen nur möglichen Mitteln durchgeführter Vernichtung 
könne der Vogel jetzt als ausgestorben gelten; die letzten Stücke 
seien wahrscheinlich 1898 erlegt worden. Lebend in Gefangen- 
schaft befinden sich nur noch einige wenige im Zoologischen 
Garten in New-York. 

Herr N e u m a n n verbreitet sich sodann über die geo- 
graphischen Formen des Capüo bourcieri (Lafr.), darunter 
auch ein paar neue beschreibend, über die er an anderer Stelle 
berichten wird. Herr N e u m a n n legt ferner noch einen Bastard 
zwischen einer hourcieri-Form und einem Capüo richardsoni Gray 
vor und hebt im Zusammenhang damit an einigen Beispielen den 
Unterschied zwischen echten Bastarden, d. h. Bastarden zwischen 
zwei nebeneinander (miteinander) lebenden verschiedenen Arten, 
und Übergangsexemplaren verchiedener geographischer Formen 
hervor. Letztere sind sehr häufig, während echte Bastarde sehr 
selten sind. 

An der sich hieran schliefsenden Debatte beteiligen sich die 
Herren Reichenow, Schalow und R ö r i g. 

Herr Reichenow verliest zum Schlufs noch auszugsweise 
einen Bericht von Bernhard Hantzsch aus dem Dresdener An- 
zeiger, der im besonderen das Vordringen bis zum Kennedy-See, 
den Hantzsch als erster Weifser erreicht hat, und die damit ver- 
bundenen grofsen Schwierigkeiten schildert. Ein Referat über 
diesen Bericht hat Herr Reichenow bereits auf S. 188 Ornith. 
Monalsber. 1911 gegeben, worauf hier verwiesen sei. 

Dr. Erich Hesse. 



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Mitgliederverzeichnis 

der 

Deutschen Ornithologischen Gesellschaft. 

Vorstand: 
H. S c h a 1 w , Präsident. 
P. K 1 1 i b a y , Vizepräsident. 
A. Reicbenow, Generalsekretär. 
0. H e i n r t h , Stellvertr. Sekretär. 
K. D e d i t i u s , Kassenfiihrer. 

Ausschuss: 



Ä. N e h r k r n. 
Graf V. B c r 1 e p s c h. 
A. K e n i g. 
W. B 1 a s i u s. 



F. Heine. 
L. Heck. 
0. Reiser. 



Ehrenmitglieder : 

1908. Herr Allen, J. A., Dr., American Museum of Natural 
History, New York, City. 

1870. - Coli et t, Robert, Professor, Christiania,Oscarsgade 19. 

1900. - H e r m a n , 0., Direktor der Kgl. Ungarischen Ornitho- 
logischen Zentrale, Budapest H. Debröiüt 15. 

1862. - Krüp er, Theobald, Dr., Konservator am Universitäts- 
museum in Athen. 

1908. - R i d g w a y , R., Professor, 3413 13 th St. N. E. Wa- 
shington, D. C. 

1900. - GrafSalvadori,T., Professor, Vizedirektor des 
zoologischen Museums in Turin. 

1900. - Sclater, P. L., Dr., Odiham Priory. Winchfield 
(England). 



Mitglieder-Verzeichois. 123 

Mitglieder: 

1874. Seine Majestät Ferdinand König der Bulgaren in Sofia. 
1887. Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Therese von Bayern 

in München. 
1879. Direktion des Zoologischen National-Museums in Agram 

in Kroatien (vertreten durch den Direktor Hrn. Prof. 

Dr. Langhoffe r. Agram, Demetergasse 1). 

1909. Herr Angele, Th., Ingenieur, Linz a. D. 

1 898. - Graf Arrigoni Degli Oddi, Ettore, Professor, 
Dozent der Zoologie an der Universität Padua, 
(Italien). 

1897. Ornithologische Gesellschaft in Bayern (vertr. durch den 
Vorsitzenden Heim Oberleutnant, Frhn. Ludwig 
V. Besserer, München, Neuhauserstr. 51). 

1884. Herr von Bardeleben, Friedrich, Generalmajor z. D., 
Frankfurt a. M., Beethoven-Strafse 49. 

1903. - Bartels, Max, Pasir Datar, Halte Tjisaat, Preanger. 
Java. 

1908. - Berger,Dr.med.,Charlottenburg-Westend,Reichstr.l. 
1870. - Grafvon Berlepsch, Hans, Erbkämmerer in 

Kurhessen, Schlofs Berlepsch bei Gertenbach. 

1893. - Freiherr von Berlepsch, Hans, Mühlhausen i. Th., 

Lutteroth-Strafse. 
1897. - Bieder mann-Imhoof, Rieh., Dr., Eutin. 
1872. - Blasius, Wilhelm, Dr. med., Prof., Geh. Hofrat, 

Direktor des Herzogl. Naturhist. Museums u. Botan. 

Gartens, Braunschweig, Gaufs-Strafse 17. 

1910. - Blohm, Wilh., Lehrer, Lübeck, Hansa-Str. 78. 

1 902. - B r a u n , F., Gymnasial-Oberlehrer, Graudenz, Tuscher- 
damm 20 III. 

1895. - Brehm, Horst, Dr. med., Arzt, Berlin W. 62, 
Luther-Str. 33. 

1886. - Bün ger, H., Bankvorsteher, Potsdam, Victoria-St. 72. 

1909. ' V. Burg, G., Ölten (Schweiz). 

1 907. - B u t u r 1 i n , S., Friedensrichter, Wesenberg, (Ehstland). 

1894. - Cheruel von Chernelhaza, Stef., Köszeg (Com. 

Güns), Ungarn. 
1907. Ornithologischer Verein Joh. Friedr. Naumann in Cöthen 
(vertreten durch Herrn Otto Börner, Cöthen, 
Anhalt). 



124 Mitglieder-Verzeichnis. 

1884. Herr von Dallwitz, Wolfgang, Dr. jur., Rittergutsbesitzer, 
Tornow bei Wusterhausen a. d. Dosse. 

1902. Danziger Naturforschende Gesellschaft (vertreten durch Hrn. 
Prof. Dr. Lakowitz, Danzig, Frauen-Gasse 26. 

1884. Herr Deditius, Karl, Rechnungsrat, Grofs-Lichterfelde, 
W., Stubenrauch-Strafse 17. 

1910. - D b b r i c k , L., Lehrer, Treul bei Neuenburg W. Pr. 

1908. - Domeier, H., Forstassessor, Assistent an der 

Forstakadeniie Hann. Münden. 

1868. - D h r n , H., Dr., Stettin, Linden-Strafse 22. 

1910. - Drescher,E.,Rittergutsbesitzer,Ellguthb. Ottmachau. 

1898. Aktien-Verein „Zoologischer Garten" in Dresden. 

1912. Ornithologischer Verein in Dresden (vertr. durch Herrn 
Prof. Dr. K e p e r t , Dresden, Krenkestr. 17. 

1868. Herr D r e s s e r , H. E., 110 Cannon Street, London E. C. 

1912. - Duncker, H., Dr., Oberlehrer, Bremen, Rheinstr. 6. 

1882. - Ehmcke, H., Landgerichtsrat, Hamburg, Heu- 
berg 5 u. 7. 

1905. Freifrau von E r 1 a n g e r , C., Nieder-Ingelheim. 

1863. Herr Evans, A. H., Cambridge in England, 9 Harvey 
Road. 

1910. - Fenk, Reinhold, Erfurt, Krämpfer-Strafse 62a (am 

Anger). 
1868. - F r i t s c h , Anton, Dr., Professor, Kustos d. National- 

Museums in Prag, Grube 7. 
1888. - Fürbringer, M., Dr., Geh. Hofrat, ordentl. 

Professor der Anatomie a. d. Universität Heidelberg. 

1911. - Gehlsen, W., Heide in Holstein. 

1892. - G e n g 1 e r , J., Dr. med., Oberstabsarzt, Erlangen, 

Friedrich-Str. 1. 
1890. Bibliothek des Herzoglichen Hauses in Gotha. 

1909. Herr Grafshoff, K., Oberpfarrer und Superintendent, 

Strasburg i. U. 
1908. - Grote, H., St. Petersburg, Moika 82. 
1898. - H aase, 0., Adr. F. Sala & Co., Berlin NW. 7, 

Mittel-Strafse 51. 
1911. - Härms, M., Samhof bei Nustago, Livland. 

1910. - Hagen, W., Lübeck, Luisenstr. 27. 

1871. - Hagenbeck, Carl, Kommerzienrat, Stellingen 
(Bez. Hamburg). 



Mitglieder-Verzeichnis. 125 

1890. Zoologische Gesellschaft in Hamburg (vertreten durch 

Herrn Prof. Dr. J. Vosseier). Hamburg, Tiergartenstr. 
1902. Hamburger Ornithologisch-Oologischer Verein (vertreten 
durch Hrn. Landmesser H. Cordes, Hamburg, 
Wandsbecker Chausse 15). 

1904. Herr Hanke, G.,Rentmeister,Kentschkau b.Grofsmoschbern. 

1888. Direktion des Zoologischen Gartens in Hannover. 

1885. Herr Hartert, Ernst, Dr., Direktor des Zoologischen 
Museums in Tring in England. 

1889. - Heck, L, Dr., Prof., Direktor des Zoolog. Gartens 

in Berlin W. 62, Kurfürsten- Damm 9. (Für den 
zool. Garten.) 

1862. - Heine, F., Amtsrat auf Koster Hadmersleben bei 
Hadmersleben. 

1895. - Heine,F., Dr., Referendar, Domäne Ziilyb. Halberstadt. 

1898. - Heinroth, 0., Dr. med., Wissenschaftl. Assistent 
am Zoologischen Garten, Berlin W. 62, Kurfürsten- 
Damm 19. 

1898. - H e n n i c k e , C. R., Dr. med., Specialarzt für Augen- 
und Ohrenleiden, Gera (Reufs), Johannisplatz 7. 

1909. - Hesse, E., Dr. phil., Berlin N. 4, Kesselstr. 33. 

1905. - Heufs, Dr., Stabsveterinär, Dozent für Veterinär- 

vvissenschaft an der Offizier-Reitschule in Paderborn, 
Fürstenberg-Str. 11. 

1891. - vonHeyden, Lucas, Major z. D., Dr. phil. h. c, 

Professor, Frankfurt a. M. -Bockenheim. 

1908. - Heyder, R., Öderan Sa., Badgasse 146. 
1897. - Hilgert, C, Präparator, Nieder-Ingelheim. 

1890. - Hülsmann, H., Fabrikbesitz., Altenbach b. Würzen. 
1901. - H u n d r i c h , R., Kaufmann, Breslau, Königsplatz 5 a. 

1892. - Jacobi, A., Dr., Prof., Direktor des zool. anthrop. 

Museums in Dresden. 

1909. - Johansen, H., Konservator am zoolog. Museum 

der Universität Tomsk, West-Sibirien. 
1908, - Jourdain, Francis C. K., Reverend, Clifton Vicarage, 
Ashburne, Derbyshire (England). 

1906. - Jung, Rud. H., Charlottenburg, Bismarckstr. 66. 
1901. - Klei n, Eduard, Dr. med., prakt. Arzt in Sofia, Bulgarien. 
1897. - Kleinschmidt, 0., Pfarrer, Dederstedt, Prov. 

Sachsen. 



126 Mitglieder-Verzeichnis. 

1887. Herr Koenig, A., Dr., Professor, Bonn, Koblenzer Str. 164. 

1888. - K 1 1 i b a y , P., Justizrat, Neifse, Ring 12 I. 

1907. - Koske, F., Eisenbahn-Verkehrs-Inspektor, Breslau, 

Herdain-Str. 43. 

1908. - Kothe, K., Dr. phil, Bromberg, Talstr. 17a. 
1910. - Kracht, Ingenieur, Berlin W. 30, Berchtes- 

gadenerstr. 8. 

1899. - K r a e p e 1 i n , K., Dr. Prof., Direktor des natur- 

historischen Museums, Hamburg, Steintor-Wall. 

1907. - Krause, G., Konservator am Kgl. zoologischen 

Museum, Pankow-Berlin, Parkstr. 19 a. 

1910. - Kutter, F., Hauptmann, Rittergutsbesitzer, Boberau 

b. Liegnitz. 

1904. - Lampe, Ed., Kustosd.Naturhist.Museums, Wiesbaden. 
1898. - Lampert, Dr., Professor, Ober-Studienrat, Vorstand 

des Königl. Naturalien-Kabinets, Stuttgart. 
1902. - L a m p r e c h t, H., Fabrikbesitzer, Jauer. 

1911. - Laubmann, A., cand. zool., München, Gabelsberger- 

Strafse 37 H. 
1898. - Laute rbach, Dr., Stabelwitz b. Deutsch-Lissa. 
1896. Leipziger Ornithologischer Verein (vertreten durch Herrn 

Dr. R. Schulze, Leipzig, Sidonien-Str. 21), 

1908. Herr Lindner, C, Pfarrer, Wetteburg b. Mertendorf. 
1907. - Harald Baron London," Lisden b. Wolmar 

in Livland. 

1900. - von Lucanus, F., Rittmeister im 2. Garde-Ulanen- 

Regiment, Berlin NW. 23, Lessing-Str. 32. 
1906. - Mann,R., Rittergutsbesitz., Konradswaldau b.Stroppen 
(Kr. Trebnitz). 

1891. - M an nkopf,Oskar,Königl. Hof- und Garnisonapotheker 

Cöslin. 
1895. - Martin, Dr., Direktor des Grofsherzoglichen Natur- 

histor. Museums in Oldenburg (Grhzt.), 
1894. - V. Middendorff, E., Majoratsherr auf Hellenorm 

b. Elwa in Livland. 

1892. - Graf von Mirbach Gelder n-Egmont, Alphons, 

Kgl, Bayr. Kammerherr u erbl. Reichsrat, Kaiserl. 
Legationsrat, Schlofs Roggenburg bei Weifsenhorn 
(Bayern). 

1905. - Moyat, J., Mainz, Bauhof-Strafse 4. 



Mitglieder- Verzeichnis. 127 

1880. Herr Müller, August, Dr. phil., Inhaber des naturhistor. 
Instituts „Linnaea", Charlottenburg, Leibniz-Str. 85. 
1888. Königl Forst-Akademie in Hann. -Münden. 

1907. Herr Natorp, Dr. med., Knappschafts-Arzt, Myslowitz. 
1868. - Nehrkorn, A., Amtsrat, Braunschweig, Adolfstr. 1. 
1893. - Nehrkorn, Alex., Dr. med., Chefarzt am städt. 

Krankenhause in Elberfeld. 
1901. - de Neufville, Sobert, Sektionär der ornith. Samml. 
d. Senckenbergischen Naturh. Mus. in Frankfurt a. M., 
Taunus-Platz 11. 

1896. - N e u m a n n , 0., Professor, Berlin W. 30, Nollendorf- 

platz 2. 
1906. - Neunzig^ K., Hermsdorf b. Berlin. 
1895. Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes (vertreten 

durch Herrn Forstregistrator H. Hildebrandt, 

Altenburg S. A.). 

1897. Herr Paeske, Ernst, Berlin, SW. 48, Bessel-Str. 12 I. 

1908. - Paefsler, R., Kapitän des Kosmos-Dampfers „Assuan", 

Hamburg, Mattenwiete 10. 
1875. - Palmen, J. A., Dr., Professor, Helsingfors, Finland. 
1885. - Pasch, Max, Kommerzienrat, Kgl. Hof-Lithograph 

und Verlagsbuchhändler, Berlin SW. 68, Ritter-Str. 50. 

1911. - Pohl, Dr. med., prakt. Arzt, Berlin W. 62, Kalck- 

reuthstr. 1 1 . 

1912. - Pohl, Rud., Rittergutsbesitzer,Wessin b. Crivitz, Meckl. 

1903. - Ponebsek, J., Dr., K. K. Finanzsekretär, Laibach 

(Krain), K. K. Gebühren-Bemessungs-Amt. 

1904. - Proft, E., Dr. phil., Oberlehrer, Leipzig- Lindenau, 

Demmeringstr. 78. 
1892. - von Rabenau, H., Dr., Direktor des Museums der 

Naturforschenden Gesellschaft in Görlitz. (Für die 

Naturforschende Gesellschaft). 
1868. - Reichenow, Anton, Dr., Professor, zweiter Direktor 

des Kgl. Zoologischen Museums in Berlin, N. 4, 

Invaliden-Str. 43. 
1885. - Reiser, Othmar, Kustos d. Naturwissenschaftlichen 

Abteilung des Bosnisch-Herzegowinischen Landes- 
museums in in Sarajewo, Bosnien. 
1906 - Rimpau, W., Rittergutsbesitzer, Schlanstedt, Kr. 

Oschersleben. 



128 Mitglieder-Verzeichnis. 

1894. Herr Rörig, G., Dr., Prof., Geh. Regierungsrat, Grofs- 
Lichterfelde W., Gofsler-Str. 17. 

1906. - le Roi, Otto, Dr. phil., Bonn, Goeben-Str. 17. 
1893. - Baron von Rotschild, W., Dr. phil., Tringi. England. 

1907. - Friedrich Graf Schaffgotsch, Warmbrunn in Schi. 
1872. - Schalow, Herrn., Rentner, Berlin-Grunewald, Hohen- 

zollerndamra 50. 

1903. - Schiebel, G., Dr. phil., Graz, Staats-Realgymnasium. 

1907. - Schiller, Major z. D., Schlachten-See a. Wannseebahn, 

Heimstätten-Str. 2. 

1898. - Schillings,C.G., Professor, Berlin, Friedrich-Str. 100. 
1870. - Schlüter, Wilhelm, Naturalienhändler, Halle a. S. 

1904. - Schneider, C., Rittmeister, Braunschweig, Petritor- 

Wall 19. 

1908. - SchnÖckel, J., Assistent an d. Landwirtschaftlichen 

Hochschule, Berlin N. 4., Invaiiden-Str. 42. 
1906. - S c ü 1 1 1 ä n d e r , P., Dr. phil., Rittergutsbesitzer, 
Wessig b. Breslau, Post. Hartlieb. 

1905. - Schuler, F. W., Bayreuth. 

1910. - Schuster, L., Forstassessor, Mohoro (Deutsch-Ost- 

afrika). 

1905. - Freiherr Geyr von Schweppenburg, Hans, 

Müddersheim bei Düren. 
1908. - Josef Graf Seilern, Grofs-Lukov (Mähren). 
1879. Stettiner Ornithologischer Verein (vertreten durch Herrn 

A. Rawengel, Stettin, Friedrich-Karl-Str. 23). 

1906. Frl. S n e t h 1 ag e, E., Dr. phil., Assistentin am Museum 

Goeldi in Para, Brasilien. 
1912. Herr Steinmetz, H., Charlottenburg, Sesenheimerstr. 37. 

1911. - S toll, F., Riga, Schaalstr, 6 (Livland). 

1904. - Szielasko,Dr. med., prakt. Arzt, Nordenburg. 

1893. Kgl. Forstakaderaie Tharandt. 

1908. Herr T e i c h m ü 1 1 e r , B., Dr. Regierungsrat, Dessau, 

Beaumontstr. 4. 
1901. - Thieme, Alfred, Lehrer, Leipzig-R., Johannis-Allee 5. 

1899. - Thienemann, J., Dr. phil., Prof., Kustos an der 

zool. Sammlung der Univ. Königsberg, Leiter der 
Vogelwarte Rossitten a. d. Kurischen Nehrung. 

1908. - Tischler, F., Gerichtsassessor, Heilsberg, Ostpreufsen. 

1911. - Tratz, E. P., Hall (Tirol). 



Mitglieder-Verzeichnis. 129 

1890. Herr von Treskow, Major a. D., Charlottenburg, Spau- 

dauer-Str. 29. 
1868. - Ritter von Tschusi zu Schmidhoffen, Victor, 

Villa Tännenhof bei Hallein. 
1886. - Urban, L., Architekt u. Maurermeister, Berlin SW. 61, 

Blücherstr. 19. 

1908. - V. Versen, F., Rittmeister im Leib-Garde-Husaren- 

Regiment, Potsdam, Am Kanal 7. 
1901. - Voigt, Alwin, Dr. pbil, Prof., Leipzig, Färber-Str. 15. 

1909. - Weigold, H., Dr. phil., Assistent an der Kgl. Bio- 

logischen Anstalt, Helgoland. 
1890. - Wendlandt,P., Kgl. Forstmeister, St. Goarshausen, 
1911. - Wiese, V., Charlottenlund bei Kopenhagen. 

1910. - Graf V. Wilamo\vitz-Möllendorff,SchlorsGadow 

bei Lanz. 
1907. - Otto Grafv.Zedlitz und Trützschler, Schwent- 

nig bei Zobten. 
1909. - Zimmer, C, Dr. phil., Privatdozent, Kustos am 

Zoolog. Institut, Breslau IX., Sternstr. 21, 



Dem Herausgeber zugesandte Schriften. 

G. Abbott, The home-life of the Osprey. London 1911. 

L. Brasil, Notes sur quelques oiseaux remarquables du 
Musee d'Histoire Naturelle de Caen. (Abdruck aus: Revue 
Franc. d'Ornithol. No. 29 et 30, Sept.-Okt. 1911.) 

Brehms Tiei leben. Allgemeine Kunde des Tierreichs. Vierte, 
vollständig neubearbeitete Auflage, herausgegeben von Prof. 
Dr. Otto zur Strafsen. Vögel — Dritter Band. Leipzig 
und Wien 1911. 

L. Dobbrick, Ornis der Tuchler Heide. (Abdruck aus d. 
34. Ber. d. Westpreufs. Botan. -Zoolog. Vereins. Danzig 1912.) 

J. Grahame, Schottlands Vogelwelt (The birds of Scotland). 
1806. In deutscher metrischer Übersetzung von Dr. L. Hopf. 
Korneuburg. 

B. Gunning, New records and descriptions of new species of 
birds in the Transvaal Museum collection. (Aus Annais of 
the Transvaal Museum. Juli 1911.) 

N. Gyldenstolpe, Short notes on a collection of birds from 
Russian Turkestan. (Abdruck aus Arkiv för Zool. Bd. 7, 
No. 14. 1911.) 

Jonn. f. Om. LX. Jahrg. Januar 1912. 9 



130 Dem Herausgeber zugesandte Schriften. 

C. R. H e n n i c k e , Vogelschutzbuch. (Naturwissenschaftliche 
Wegweiser. Herausg. v. Prof. Dr. K. Lampert. Serie A 
Band 27.) 

R. Jourdain, The bird life of Corsica. (Abdruck aus Bericht 
üb. d. V. Internat. Ornith.-Kongr. Berlin 1910.) 

A. Koenig, Die Ergebnisse meiner Reise nach dem Sudan im 
Frühjahr 1910. (Abdruck aus Bericht üb. d, V. internal. 
Ornith.-Kongr. Berlin 1910.) 

— Avifauna Spitzbergensis. Forschungsreisen nach der Bären- 

Insel und dem Spitzbergen-Archipel, mit ihren faunistischen 

und floristischen Ergebnissen. Bonn 1911. 
K. Kothe, Zoologische Ergebnisse der Expedition des Herrn 

Hauptmann a. D. Fromm 1908/09 nach Deutsch-Ostafrika. 

2. Aves. (Abdruck aus Mitteil. a. d. Zool. Mus. i. Berlin 

V. Bd., 3. Hit. 1911.) 
E. Lampe, Katalog der Vogelsammlung des Naturhistorischen 

Museums zu Wiesbaden. IV. Teil. (Abdruck aus Jahrb. d. 

Nassauisch. Vereins f. Naturkunde i. Wiesbaden. 62. Jg. 1909). 

K. Neunzig, Gefiederte Hausfreunde. I. Heimische Stuben- 
vögel, n. Fremdländische Stubenvögel. Magdeburg, Creutz- 
'sche Verlagsbuchhandlung. 

E. D. van Oort, Report on birds from the Netherlands received 
from 1 September 1910 tili 1 September 1911. (Not. Leyd. 
Mus. Vol. XXXIV, Note VIII.) 

— On a small collection of birds from Mount Tengger, Fast 

Java. (Not. Leyd. Mus. Vol. XXXIV, Note IX.) 

— Eudynamis minima, an apparently new cuckoo from South- 

western New Guinea. (Not. Leyd. Mus. Vol. XXXIV, Note XL) 

— Bird-marking in the Netherlands. (Not. Leyd. Mus. Vol. XXXIV, 

Note Xn.) 

— On some new or rare birds from Sumatra, Java, Ceram and 

the Poeloe Toedjoe-group, north of Ceram. (Not. Leyd. Mus. 
Vol. XXXIV, Note XIIL) 

— On the catalogue of the collection of birds brought together 

by A. Vroeg. (Not. Leyd. Mus. Vol. XXXIV, Note XIV.) 

A. van Pelt Lechner, Oologia Neerlandica. Eggs of birds 
breeding in the Netherlands. Haag 1911. 

H. Poll, Mischlingstudien VI: Eierstock und Ei bei fruchtbaren 

und unfruchtbaren Mischlingen. (Abdruck aus Arch. f. 

mikroskop. Anatom. Bd. 78, Abt. II, 1911.) 
J. Ponebsek, Die Landesjagdausstellung Laibach. (Laibacher 

Zeitung Nr. 276—282, Dez. 1910; Wildgeflügel: Nr. 282, 

S. 2608—2609.) 



Dem Herausgeber zugesandte Schriften. 131 

M. Rausch, Die gefiederten Sängerfiirsten des europäischen 
Festlandes. II. Aufl. Magdeburg, Creutz'sche Verlagsbuch- 
handlung. 

A. Reichard, Praktischer Vogelschutz. Korneuburg. 

E. Rössler, Bericht über die Tätigkeit der „Hrvatska ornito- 

loska centrala" im Jahre 1910. Zagreb 1911. 

Hon. W. Rotschild, On the former and present distribution 
of the so called Ratitae or Ostrichlike birds with certain 
deductions and a description of a new form by C. W. An- 
drews. (Abdruck aus Bericht üb. d. V. internat. Ornith.- 
Kongr. Berlin 1910.) 

J. Schenk, Das Experiment in der Vogelzugsforschung. (Ab- 
druck aus Bericht üb, d. V. Internat. Ornith.-Kongr. Berlin 
1910.) 

F. Schulz, Ornithologische Tagebuchblätter von meiner Lapp- 

landreise 1909. (Abdruck ans Ornith. Monatsschr. XXXVI, 
No. 7, 8 u. 10.) 
H. S e 1 1 h e i m , Tiere des Waldes. (Naturwissenschaftliche 
Bibliothek f. Jugend u. Volk herausgegeb. v. K. Höller u. 
G. ülmer. Leipzig.) 

W. Stolz, Über die Vogelweit der preufsischen Oberlausitz in 
den letzten zwölf Jahren. (Abdruck aus Abhandl. Natur- 
forsch. Gesellsch. Görlitz, 27. Bd., 1911.) 

H. S. Swarth, Description of a new hairy Woodpecker from 
South-Eastern-Alaska. (Abdruck aus Univ. Californ. Publicat. 
Zool. Vol. 7, No. 9. 9. Okt. 1911.) 

J. T h i e n e m a n n , Die Ringversuche der Vogelwarte Rossitten. 

(Abdruck aus Bericht üb. d. V. Internat. Ornith.-Kongr. Berlin 

1910.) 
Victor Ritter von Tschusi zu Schmidhoffen, 

Ornithologisches Jahrbuch. Organ für das palaearktische 

Faunengebiet. 22. Jahrg. 1911, No. 3/4. 

— Über palaearktische Formen. (Abdruck aus Ornith. Jahrb. 

1911, XXII. Jahrg., Hft. 3, 4.) 

— Zum heurigen Wanderzuge des sibirischen Tannenhehers. 

(In „Urania", IV. Jg. Nr. 49, 1911.) 

H. Weigold, Die Vogelwarte Helgoland einst und jetzt und 
die Methoden der Vogelzugforschung. (Abdruck aus Bericht 
üb. d. V. internat. Ornith.-Kongr. Berlin 1910.) 

A. W i c h m a n n , Adolf Bernhard Meyers Reise nach Neu- 
Guinea i. J. 1873. (Abdruck aus Nova Guinea. Result. d. 
l'exped. scientif. neerland. ä la Nouv.-Guinee. Tir. ap. d. 
Vol. II, 1. Part. -Leiden.) 



9* 



182 

Ältere Jahrgänge des Journals für Ornithologie von 1894 an 
können zum ermäfsigten Preise bezogen werden vom General- 
sekretär der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft, Dr. Reichenow, 
Berlin N. 4, Invalidenstr. 43. 

Im Verlage von 

R. Priedländer & Sohn, Berlin, Karlstr. 11 

erscheinen und sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen 

Ornitholofisclie MonatsberlcMe 

herausgegeben von 

Prof. Dr. Ant. Reichenow. 
Preis jährlich 6 Mark. 



Die Ornithologischen Monatsberichte bilden ein ergänzendes 
Beiblatt zum Journal für Ornithologie. In monatlichen 
Nummern bringen sie Aufsätze systematischen, faunistischen und 
biologischen Inhalts, Referate über die neu erscheinende 
Literatur, Nachrichten über Reisen, Museen, zoologische Gärten 
und Privatsammlungen. Ein sachlich geordneter Index am Schlüsse 
des Jahrganges gibt eine bequeme Übersicht über die Jahres- 
literatur. 
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Druck von Otto DornblUth in Bernburg. 



JOURNAL 



für 



ORNITHOLOGIE. 



Sechzigster Jahrgang. 



No. 2. April 1913. 

X. Jahresbericht (1910) der Vogelwarte Bossitten 
der Deutschen Ornithologischen (xesellschaft. 

n. Teil. 

Von Prof. Dr. J. Thienemann. 

Hierzu 6 Karten. 
(Vergl. Journ. f. Orri. 1911 S. 620 u. ff.) 



Bericht über den Ringversuch im Jahre 1910 
und Erläuterungen zu den beigegebenen 5 Zugkarten. 

Im Jahre 1910 wurden folgende Vögel auf der Vogelwarte 
Rossitten selbst markiert: 

1 Haubensteifsfufs {Colynibus cristatus) 
3 Heringsmöwen (Larus fuscus) 

2 Sturmmöwen {Larus canus) 

56 junge Lachmöwen (Larus ridibundus) 
111 junge Flufs-Seeschwalben (Sterna hirundo) 
6 Sandregenpfeifer {Charadrius hiaticula) 

3 Alpenstrandläufer {Tringa alpina) 

2 Bogenschnäblige Strandläufer (Tringa ferruginea) 
1 Zwergstrandläufer (Tringa minuta) 

1 Grauer Strandläufer (Tringa temmincki) 
1 Bruchwasserläufer (Totanus glareola) 
1 Rauhfufsbussard (Ärchihiiteo lagopus) 
1 Schwarzer Milan (Milvus Jcorschun) 
1 Seeadler (Ealiaeius albicilla) 
1 Wanderfalk (Falco peregrinus) 
1 Rauchschwalbe (Hirundo rustica) 

11 Mehlschwalben (Delichon urhica) 

30 Nebelkrähen {Corvus cornix) 
5 junge Stare (Shirnus vulgaris) 

3 Grünlinge (Chloris chloris) 

Jonrn. f. Orn. LX. JahrR. April 1912. 10 



134 J. Thienemann: 

20 Grofse Gimpel (Pyrrhula pyrrhula) 
5 Fichtenkreuzschnäbel {Loxia curvirostra) 

1 Wachholderdrossel {Turdus pilaris) 

2 Amseln {Turdus merula). 



Zusammen 269 Stück. 

Nach auswärts wurden folgende Ringe ausgegeben (es soll 
dazu wieder bemerkt werden, dafs diese Ringe unentgeltlich und 
portofrei von der Vogelwarte geliefert werden); 
4 für Adler, 

1415 „ Störche, 

1931 ,, Krähen, Raubvögel, 

1714 „ Möwen und andere Vögel in dieser Gröfse, 

2238 „ Drosseln, Stare, 

997 „ K leinvögel. 

Zusammen 8299 Stück. (Im Vorjahre 5208 Stück.) 

Zusammen wurden also im Jahre 1910 8568 Ringe gebraucht. 
(Wieviel davon tatsächlich auswärts verwendet sind, kann nicht 
genau augegeben werden.) Seit Beginn des Versuches im Herbste 
1903 sind auf der Vogelwarte Rossitten selbst 3405 Vögel markiert 
worden. Erbeutet oder zurückgeliefert wurden seit 1903 426 
Vögel. Dabei sind aber nur die Stücke gerechnet, die von 
wissenschaftlichem Werte waren und in den Jahresberichten ihre 
Bearbeitung gefunden haben, ebenso sind die Vögel nicht mitge- 
zählt, die von der Vogelwarte Helgoland bearbeitet werden. 

Im Jahre 1910 wurden folgende Ringvögel erbeutet und 
zurückgeliefert oder zurückgemeldet: 

9 Nebelkrähen (Corvus cornix) 

11 Störche (Ciconia ciconia) 

13 Lachmöwen (Larus ridibundus) 

18 Silbermöwen (Larus argeniatus) 

1 Eismöwe {Larus glaucus) 

2 Strandvögel {Tringa alpina) 

1 Flufsseeschwalbe {Sierna hirundo) 

1 Purpurreiher (Ärdea purpurea) .■:■ 

2 Löffler {Platalea leucorodia) 

1 Sperber {Accipiter nisus) 

2 Pfeifeuten {Anas penelope) 
1 Kleiber {Sitta caesia) 

17 Kohlmeisen {Parus major) 
1 Haubenmeise {Parus cristatus) 
1 Sumpfmeise {Parus palustris) 
1 Heckenbraunelle {Accentor nodularis) 
1 Star {Sturnus vulgaris) 
1 Rothkehlchen {Erithacus rubeculus) 
Zusammen 84 Vögel. Dazu mufs bemerkt werden, dafs die in 
den Brutkolonien an der Nordsee im Jahre 1910 mit Rossittener 
Ringen markierten Vögel von der Vogelwarte Helgoland bearbeitet 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 135 

werden, hier also nicht aufgeführt sind. Die Silbermöwen haben 
dabei wieder die Hauptmassen gestellt. 

Im allgemeinen ist über den Beringungsversuch folgendes zu 
sagen. Im verflossenen Jahre haben wieder mehrere ausländische 
neu gegründete oder neu zu gründende Zentralstellen für die Vogel- 
markierung Gutachten und Proberinge von der Vogelwarte Rossitten 
eingefordert. Die für's Ausland bestimmten Ringe sind dann nach 
dem Rossittener Muster hergestellt worden, zum Teil sogar in der- 
selben deutschen Fabrik, die für die Vogelwarte Rossitten liefert. 

Für R u f s 1 a n d die neue biologische Station K i e 1 k o n d 
auf der Insel Ösel im Rigischen Meerbusen und die ornithologiscbe 
Sektion der „Kaiserlich russischen Gesellschaft der Akklimatisation 
der Tiere und Pflanzen" in Moskau. 

Für Frankreich Dr. Menegaux für eine auf der Insel 
Camargue an der Rhonemündung zu gründende Vogelwarte. 

Für die Schweiz „die Schweizerische Gesellschaft für Vogel- 
kunde und Vogelschutz" mit G. von Burg an der Spitze. Diese 
Ringe tragen die Aufschrift „Helvetia Bern". 

Rechnen wir nun noch die bekannten, schon seit längerer Zeit 
markierenden Zentralstellen in Dänemark, Ungarn, England und 
Schottland hinzu, so darf man wohl bald von einem internationalen 
Gepräge des Beringungsversuches reden, und die gefiederten leicht 
beschwingtenVersuchsobjektefliegen,ohnesich an politische Grenzen 
zu halten,von einem Lande,ja von einemErdteil zum andern und tragen 
ihr Schärflein dazu bei, die Völker zusammenzuführen, wenigstens 
deren wissenschaftliche Arbeiten in gemeinsame Bahnen zu lenken. 

Das Interesse an dem Ringversuche — und darauf kommt 
alles an — war auch im verflossenen Jahre in breiten Schichten 
der Bevölkerung sehr grofs. Ich müfste eine lange Reihe von 
Namen nennen, wenn ich die Behörden und die Herren und Damen 
alle einzeln anführen wollte, die sich in geradezu aufopfernder und 
begeisterter Weise für das Experiment bemüht haben. Allen sei 
an dieser Stelle im Namen der Vogelwarte Rossitten und im Namen 
der Wissenschaft der gebührende Dank abgestattet. 

Es sollen nun die einzelnen Vogelarten durchgesprochen 
werden und zwar in der Weise, clafs erst an der Hand der bei- 
gefügten Karten ein kurzer Überblick über den Zug der betref- 
fenden Art gegeben wird. Die Fundorte und Daten, ebenso die 
Erleger von Ringvögelu werden dabei nicht alle erwähnt. Sie 
sind ja in den früheren Jahresberichten ausführlich aufgeführt, 
und dann spricht ja auch die Karte für sich selbst und legt alles 
klar. Es wird also vorausgesetzt, dafs beim Lesen der folgenden 
Zeilen immer die Karte zur Hand liegt. Am Schlufs jedes Ab- 
schnittes finden sich dann die Stücke aufgeführt, die im ver- 
flossenen Jahre neu hinzugekommen sind. 

Ich gebe mich der Hoffnung hin, dafs es mir so gelingt, den 
Lesern des X. Jahresberichtes ein einigermafseu deutliches Bild 
von dem jetzigen Staude des Versuches vor Augen zu führen. 

10* 



136 J. Thienemann: 

I. Nebelkrähen (Corvus comix). 

Karte 1. 

Neu hinzugekommen sind seit dem Jalire 1908, wo die vor- 
liegende Karte entstand, 12 Stück, und zwar 9 aus Rufsland und 
3 aus Deutschland; alles Stücke, die in den Jahren 1903—1906 
aufgelassen waren. 

Die 9 russischen Fundorte, die auf der Karte nachgetragen 
worden sind, heifsen von Süden nach Norden: Wind au, Kur- 
land ; Riga; Werro (Livland) ; Dorpat; Reval; Gat- 
s c h i n a ; B o r g a ; W i r k k i 1 a 40 km vom Ladoga-See und 
St. Michel im mittleren Finland. 

Die 3 deutschen Fundorte liegen in P o m m er n , Mecklen- 
burg und bei Bremen. 

Die sämtliciien neuen Fundstellen fallen bis auf eine in das 
schon im Jahre 1908 auf der Karte schraffierte Besiedelungsge- 
biet hinein. Es ist also nach der Richtung hin keine nennens- 
werte Veränderung oder Ergänzung im Krähenzuge zu verzeichnen, 
was für eine grofse Gleichmäfsigkeit des Krähenzuges spricht und 
die Richtigkeit der Karte bestätigt. Die eine aus dem schraf- 
fierten Gebiete herausfallende Fundstelle liegt bei Bremen. 
Sie fehlt noch auf der Karte. Man mufs sich das betreffende 
Kreuz etwa 1 cm nördlich von dem Worte ,, Hannover" an der 
Weser eingezeichnet denken. Dann wäre das Besiedelungsgebiet 
etwas weiter nach Nordwesten zu zu schraffieren. 

Bemerkt mufs dazu werden, dafs die Krähenmarkierungen in 
den letzten Jahren auf der Vogelwarte nur in ganz kleinem Mafs- 
stabe betrieben wurden. 

Im Jahre 1910 sind folgende Nebelkrähen neu hinzugekommen: 

Nr. 802. Gezeichnet am 24. Oktober 1 905 in Rossit- 
ten mit noch 3 Artgenossen. 

Erbeutet im Dezember 1908 in (Mühle) A ngerm ünde 
bei Schlofs Popen Kreis W i u d a u in Kurland, Rufsland, ca. 
8 Werst (Luftlinie) von der Ostsee entfernt. 

Entfernung: 1) ca. 250 km. ,- 

Zeit;!) ca. 3 Jahre, 2 Monate. 

Nachricht und Ring erhalten durch Herrn Oberförster 
K a r p i e n s k y. Ring gar nicht abgenutzt. 

Der Erbeutungsmonat (Dezember) ist von Interesse unter 
Berücksichtigung des Erbeutungsortes. Die Krähe hätte eigent- 
lich um diese Zeit im Süden sein müssen. 1905 ist sie gewandert, 
da wurde sie im Oktober bei Rossitten gefangen, 1908 ist sie 
zuhause geblieben. 



1) Unter „Entfernung** ist immer die Strecke von der Auflafsstelle 
(bei Störchen, Schwalben und anderen im Neste markierten Vögeln vom 
Heimatneste) bis zur Erbeutungsstelle verstanden; unter ,,Zeit" der Zeit- 
raum vom Anlegen des Ringes bis zur Erbeutung des Versuchsobjektes. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 137 

Nr. 615. Gezeichnet am 12. Oktober 1905 an den 
Korallenbergen bei Rossitten mit 48 Artgenossen. 

Erbeutet am 6. November 1910 auf der Dünainsel Vege- 
sacksholm bei Riga in Livland durch Herrn G. Feldt auf 
der Krähenhütte. 

Zeit: 5 Jahre, 24 Tage. 

Entfernung: 300 km. 

Hat ihre Reise, da im November erlegt, nach Süden erst 
spät angetreten. Herr Feldt überläfst die Krähe freundlichst 
der Vogelwarte. Herr F. E. S t o 1 1 in Riga Gr. Küterstr. 8 
schickt sie mir als Balg zu. Sie steht jetzt ausgestopft in der 
Sammlung der Vogelwarte. Der Ring ist ziemlich abgenutzt. 
Der Vogel befand sich in ganz normaler Leibesverfassung. Herr 
Feldt hat seit 1898 etwa 6000 Krähen geschossen und jetzt 
erst den ersten Ringvogel in die Hand bekommen. Man sieht 
daraus welch aussichtsloses Unternehmen es wäre, mit Absicht 
auf Ringvögel zu jagen. In den Ostseeprovinzen wird das Krähen- 
schiefsen im Interesse des Jagdschutzes zur Zugzeit in grofsem 
Umfange durchgeführt. Man kann darüber öfter in den Bal- 
tischen Waidmannsblättern lesen. 

Nr. 638. Gezeichnet am 12. Oktober 1905 an den 
Korallenbergen bei Rossitten mit 48 Artgenossen. 

Erbeutet im Herbst 1906 oder 1907 dicht bei Reval 
in Estland. Der Vogel wird Herrn Direktor Petersen in 
Reval frisch überbracht. Den Ring erhält die Vogelwarte erst 
am 17. August 1910 durch Herrn Professor Vogel in Königs- 
berg i. Pr., Hint. Rofsgarten 48. 

Entfernung: 540 km. 

Zeit kann nicht genau angegeben werden. 

Das ist die erste Ringkrähe aus Estland. Sie kann in Est- 
land gebrütet haben, kann sich aber auch schon, da das Erbeu- 
tungsdatum nicht genau bekannt ist, auf dem Zuge nach dem 
Süden befunden haben. 

Nr. 527. Gezeichnet am 11. Oktober 1906 an den 
Korallenbergen in Rossitten mit 32 Artgenossen. (Möwenring.) 

Erbeutet am 26. August 1910 im Kirchspiel A s k o 1 a , 
etwa 20 km nördlich von der Stadt B o r g a in Finland am 
Finnischen Meerbusen, nahe Helsingfors, von Herrn Kullerio 
1 1 m n e n. 

Nachricht durch Herrn Ingenieur Albert C o 1 1 i n in Lathis 
Pyhaniemi in Finland. 

Entfernung: 680 km. 

Zeit: 3 Jahre 10 Mon. 15 Tage. 

Ohne Zweifel hat sich diese im August erlegte Krähe in 
ihrem Brutgebiete befunden. 

Nr. 702. Gezeichnet am 20. Oktober 1905 an den 
Korallenbergeu bei Rossitten. 



138 J. Thienemann: 

Erbeutet im April oder Aufang Mai 1910 im Kirchspiel 
Kangasniemi etwas nördlich von der Stadt St. Michel 
im mittleren F i n 1 a n d. 

Mit dieser Krähe hat es eine eigene Bewandtnis. Herr Alb. 
C 1 1 i n aus Kotka in Finland, dem die Vogelwarte schon manche 
wertvolle Notiz über erbeutete Riugkrähen verdankt, teilte mir 
unterm 16. Mai 1910 mit, dafs nach einer Notiz aus der Zeitung 
„Hufondstadsbladet" Nr. 130 vom 5. 5. 1910 Seite 11 eine „Elster" 
mit Ring ,, Vogelwarte Rossitten 702" an dem oben genannten Orte 
erbeutet worden sei. Die Nr. 702 von sämtlichen Ringsorten der 
Vogelwarte ist aber durch Möwen, oder andere Vogelarten belegt, 
zum Teil auch noch gar nicht verwendet, eine Elster ist nicht 
markiert worden. So kann sichs also nur um den Krähen ring 
702 handeln, der wie oben angegeben in Rossitten verwendet 
wurde. 

Dieser Ort Kangasniemi ist nach Savonlinna in Finland, der 
bis jetzt nördlichste Fundort einer beringten Nebelkrähe, also die 
zweitnördlichste Fundstelle. 

Entfernung: 840 km. 

Zeit: etwa 47» Jahre. 

Näheres war von der Zeitungsredaktion über diesen Ring- 
vogel nicht zu erfahren. 

Nun folgen die in Deutschland neu erbeuteten Krähen: 

Nr. 505. Gezeichnet am 11. Oktober 1906 an den 
Korallenbergen bei Rossitten mit 32 Artgenossen. (Möwenriug.) 

Erbeutet am 18. Dezember 1910 bei Preetz bei 
Neuenhagen Kreis Schlawe in Pommern durch Herrn Ernst 
Schulz in Preetz; jedenfalls im Winterquartiere. 

Zeit: 4 Jahre, 2 Mon. 7 Tage. 

Entfernung: 285 km. 

Ich bekomme den beringten Fufs eingeschickt, der tadellos 
gesund ist. Der Ring ist gar nicht abgenutzt, obgleich er über 
4 Jahre getragen worden ist. 

Nr. 102. Gezeichnet am 11. Oktober 1903 an den 
Korallenbergen bei Rossitten mit 70 Artsgenossen. 

Erbeutet am 6. Dezember 1910 dicht bei Bremen 
von Herrn Zimmermeister Wilhelm Bädecker über dem mecha- 
nischen Uhu auf der Krähenhütte; jedenfalls im Winterquartiere. 

Das ist der einzige Krähenfundort, der, wie oben bereits be- 
merkt, aus dem auf der beigegebenen Karte schraffierten, schon seit 
1908 festliegenden Krähen-Zug- undBesiedeluugsgebiete herausfällt. 
Das Gebiet mufs nunmehr von Hannover aus etwas weiter nach 
Norden und Nordwesten zu ausgedehnt werden bis Bremen. 

Entfernung: 815 km. 

Zeit: 7 Jahre, 1 Mon. 25 Tage. 

Diese Krähe ist der älteste Ringvogel, der mir bisher vor- 
liegt. Am 9. Oktober 1903 begann die Vogelwarte Rossitten die 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 189 

Ringversuche, die Bremer Krähe stammt, wie oben ersichtlich, 
vom 11. Oktober. 

Leider habe ich nicht den ganzen Vogel, sondern nur den 
beringten Fufs bekommen, aber auch der reizt uns seines ver- 
hältnismäfsig hohen Alters wegen zur genaueren Besichtigung. 
Zunächst betrachten wir den Ring. Der ist sehr abgeschliffen. 
Noch einmal 7 Jahre hätte er nicht gehalten. Ich möchte ihn gern 
vom Fufs ablösen, um den Gewichtsverlust an Metall festzustellen, 
fürchte aber, er bricht dabei entzwei. An der Verschlufsstelle 
ist er so dünn, dafs ihn die Krähe mit ihrem kräftigen Schnabel 
vielleicht hätte abreifsen können. Aber die Trägerin hat sich 
augenscheinlich gar nicht um das Anhängsel gekümmert. Keine 
Kratzer sind auf dem Ringe zu sehen, die etwa von Schnabelbissen 
herrühren könnten, nur gleichmäfsig abgenutzt ist die Marke. Die 
Eingravierungen sind aber noch vollkommen deutlich. — Die Ring- 
abnutzungen zeigen sich nach den bisher vorliegenden Erfahrungen 
merkwürdigerweise bei den eingelieferten Vögeln sehrungleichmäfsig. 
Wir haben oben gesehen, dafs z. B. ein 4jähriger Ring noch fast un- 
verändert war. Allerdings war es ein enger Möwenring, der dem 
Krähenfufse fester anliegt und nicht viel wackeln kann. Ein Ring 
von 5 Jahren dagegen war ziemlich abgenutzt, und einer von 
3 Jahren wieder sehr gut erhalten ; und auch von früher her 
liegen solche Verschiedenheiten vor. Zunächst kommt dabei in 
Betracht, ob sich der Ring am Fufse viel bewegen kann oder 
nicht. Je lockerer er sitzt, um so gröfser die Abnutzung. Ferner 
sprechen aber sicher auch besondere Lebensgewohnheiten des be- 
treffenden Versuchsobjektes mit, ob der Ring mehr geschont oder 
mehr angegriffen wird. Nach dem Gesagten wäre es für die Erhaltung 
des Materiales gut, wenn die Ringe immer möglichst genau, aber dabei 
bequem den Füfsen anliegen würden. Das ist aber nicht durchführbar, 
da wir dann zuviel verschiedene Ringsorten und damit zuviel gleiche 
Nummern bekommen würden. Eine Ringsorte mufs für verschiedene 
Vogelarten, die nicht alle gleich grofs sind, verwendet werden. 
Ringe lieber etwas zu weit als zu engl — so müssen 
wir im Interesse der gefiederten Versuchsobjekte sagen. Ob da- 
mit der Vogel ein paar Zehntel oder Hundertstel Gramm mehr 
oder weniger zu tragen hat, das ist ihm ganz gleichgiltig. Der 
Beweis dafür ist nicht schwer zu erbringen. Jeder Hüttenjäger 
weifs, dafs man oft Krähen schiefst, die grofse Schmutzklumpen 
an den Füfsen mit herumschleppen. Die Krallen sind oft ganz 
verklebt. Ich habe neulich mal das Gewicht eines solchen Bal- 
lastes festgestellt, und zwar in einem Falle, wo die Anhäufung 
des Schmutzes noch gar nicht so sehr arg war. Es handelte sich 
um eine Nebelkrähe. Das Gewicht des anhängenden Fremd- 
körpers betrug 5,1 gr., ein Krähenring wiegt 0,6 gr. So hätte 
man also der Krähe 8V2 Krähenringe an den Füfsen befestigen 
können, um ihr die Traglast zu geben, die sie ganz freiwillig 
auf sich genommen hatte. Die Krähe wurde aus ziehenden 



140 J. Thienemann: 

Scharen bei Ulmenhorst erlegt, Sie kam von Süden her. Da gibt 
es erst in einer Entfernung von etwa 30 Kilometern am Anfang der 
Nehrung Äcker, wo die Erdklumpen hätten aufgenommen weiden 
können. Sonst ist alles Sand, Wenn also die Krähe bei ihrem 
Zuge von dem Anghängsel etwa belästigt worden wäre, so brauchte 
sie sich doch nur einem Augenblick niederzulassen, um das Übel 
mit ihrem kräftigen Schnabel zu beseitigen. Sie hat's nicht ge- 
tan, sondern ist ruhig weiter gezogen, und wäre sicher noch die 
ganze Nehrung entlang geflogen. 

Nun sehen wir uns weiter den Fufs selbst an, der über 
sieben Jahre lang den King getragen hat. Alles tadellos gesund! 
Der Ring ist durch das Abschleifen noch weiter geworden, als 
er ursprünglich v^'ar und hat am Fufse grofsen Spielraum, — 
Wenn uns ein Vogelfufs vorgelegt würde mit der Aufforderung, 
danach das Alter des betreffenden Vogels zu bestimmen, was 
natürlich sehr schwer ist, so würden wir leicht geneigt sein, die 
Abnutzung der Krallen als Unterscheidungsmerkmal heranzuziehen 
und vielleicht sagen, dafs mit zunehmendem Alter die Krallen 
stumpfer würden. Da würden wir bei der vorliegenden Krähe 
ganz in Irrtum geraten. So spitze scharfe Krähenkrallen, wie 
bei^diesem Stücke, das nachgewiesenermafseii mindestens 7 Jahre 
lang in der Freiheit sich bewegt hat, wird man selten finden. 
Viel mehr abgenutzt sind z. B. die Krallen von einer Ringuebel- 
krähe von 2^]^ Jahren oder einer solchen von 3 Monaten, die 
mir zum Vergleich vorliegen. Jedenfalls spielen Aufenthaltsort, 
Nahrungsaufnahme u. a, für das Schonen oder Abnutzen der 
Krallen eine Ausschlag gebende Rolle. 

Die Bremer Krähe ist übrigens vom Schützen ganz zufällig 
unter einem Posten geschossener Krähen gefunden worden, der 
an einen Koch abgehen sollte. Der Koch hat gemeint, es hätte 
sich unter früheren Sendungen schon ein Ringkrähe befunden. 
Der Ring konnte aber leider nicht mehr zur Stelle gebracht werden. 

Nr. 4997 und 4999. Gezeichnet am 25. Oktober 1910 
auf dem Hofe der Vogelwarte Rossitten. 

Erbeutet am 26. Oktober 1910 bei Rossitten; die eine 
gefangen, die andere geschossen. Das ist insofern von Interesse, 
als der 25., 26. und 27. Oktober, was den Vogelzug anbelangt, 
ganz tote Tage waren. Nichts zog, und so sind auch diese Ring- 
krähen mit ihren Genossen nicht weiter gezogen, sondern haben 
bei Rossitten gerastet. 

Zeit: 1 Tag. 

II. Störche {Ciconia ciconid). 
(Karte 2 u. 3.) 

Eine ausführliche Darstellung des Storchzuges auf Grund 
der durch den Ringversuch erzielten Resultate findet sich in den 
„Zoologischen Jahrbüchern", Supplement 12, Heft 3, Gustav 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 141 

Fischer, Jena 1910, worauf hier hingewiesen sei.^) Es ist natür- 
lich unnoögüch, alles dort Gesagte jetzt zu wiederholen. Da aber 
der vorliegende Jahresbeiicht vielfach in die Hände von Behörden 
und Privatpersonen kommt, die das liingexperinient freundlichst 
unterstützt haben, so mufs auch hier auf die Hauptsachen kurz 
hingewiesen werden. 

Zunächst dürfen wir unserer Freude darüber Ausdruck 
geben, dafs gerade die Storchniarkierungen, zieht man die 
verhältnismäfsig kurze Spanne Zeit ihres Bestehens in Betracht, 
recht gute, ja man kann sagen überraschend günstige Ergebnisse 
gezeitigt haben. Was habe ich um dieser Sache willen aber 
auch alles „dulden", was habe ich von gewisser gegnerischer 
Seite alles hören müssen! Als reinen Vogelmörder hat man mich 
ausgegeben, ja der zur Abwechslung mal mit „Ulenspeigel" 
zeichnende Gegner hat den Leiter der Vogelwarte mit Wellmann, 
dem Hauptmann von Köpenik, Cook, einem quacksalbernden Schäfer, 
Tolstoi, Sarah Bernhard, Caruso u. a. in Parallele gestellt. Die 
Tätigkeit dieser Personen beruhte nach Ansicht des Verfassers mehr 
oder weniger auf leerer ,, Reklame" und Marktschreierei. Der 
schlimmste von ihnen ist und bleibt aber doch der Mann dort 
auf der Vogelwarte Rossitten. Er wurde als Haupttrumpf zuletzt 
genannt (cf. Hannoversches Tageblatt, 59. Jahrgang, Nr. 292 vom 
Sonntag, den 2B. Oktober 1910). Ich habe persönlich auf solche 
Angriffe nicht geantwortet. Mufs ich für diese Unterlassung 
öffentlich um Verzeihung bitten und Aufklärung über das warum 
geben? Ich wufste einfach nicht, was ich sagen sollte. Sollte 
ich ä la Cook „Bekenntnisse' niederschreiben V Ja, ich hatte ja 
doch nichts zu bekennen. Nun, lassen wir diese tragikomische 
Geschichte. Wenn ich meine Storchkarten ansehe, wenn ich 
meine „Afrikaner" aufmarschieren lasse, die in den Mägen der 
schwarzen Eingeborenen verschwunden sind, deren zurück- 
gelassene liinge aber einem schönen wissenschaftlichen Zwecke 
dienen konnten, dann vergesse ich alles „Leid", ja dann danke 
ich noch meinem Herrn Gegner, dafs er durch seine spafsigen 
Angriffe manchen, der vorher niclits von den Ringversuchen wufste, 
darauf hingewiesen und so der Sache indirekt gnützt hat. 

Bei der nun, folgenden Besprechung der Storchresultate 
möchte ich der Übersichtlichkeit wegen die Einteilung bei- 
behalten, die ich schon in den früheren Jahresberichten und auch 
in der oben erwähnten zusammenfassenden Arbeit gewählt habe. 

a) Die von den Störchen im Herbste verfolgte 

südöstliche oder südwestliche Zugrichtung. 

Dazu Karte 2. 

Die gezogenen Linien geben mit ihren Pfeilen deutlich die 
Zugrichtung an. Am Markierungsorte steht der Tag des Abzuges 

^) Die hier beigegebenen Karten stammen von dieser Arbeit her, 
weshalb die neu erbeuteten Ringstörche darauf noch nicht eingetragen sind. 



142 J. Tbienemann: 

oder nur die Jahreszahl der Markierung. Das „09" bei Lang- 
felde z. B. sagt, dafs der Storch im Jahre 1909 in Langfelde 
seinen Ring erhalten hat. Da nun die Störche nur in den 
Nestern als junge Vögel gezeichnet werden können, so ist allemal 
auch der Monat der Markierung, nämlich Juni oder Juli, gegeben. 
„Langfelde 09" sagt also, dafs der betreffende Storch im Juni 
oder Juli 1909 in Langfelde als junger Vogel im Neste seinen 
Ring erhalten hat, und dafs er dann, wie die Worte am andern 
Endpunkte der Linie sagen, am 15. 8. 1909 bei Grubieszow auf 
dem Zuge erbeutet worden ist. Die gleichen Zeichen an den 
Endpunkten der Linien (Kreuz, Stern u. s. w.) geben den zu- 
sammengehörigen Markierungs- undErbeutungsort des betreffenden 
Storches an. Man beachte die auffallende Übereinstimmung in 
den Erlegungsdaten: 26. 8. 07; 25. 8. 08; 25. 8. 09. Ist es nicht, 
als ob die Störche aus ihrer Heimat, wie auf ein gegebenes 
Kommando zugleich aufgebrochen sind. Die neben den Strecken 
stehenden Kilometerzahlen geben die Entfernung zwischen Mar- 
kierungs- und Erbeutungsort an. Der Storch Bühne — Sehma 
mufs das Erzgebirge überflogen haben. 

Die Störche sind also alle im Gegensatz zu anderen Zug- 
vögeln nach Südosten, nach Ungarn hinein geflogen. 

Die punktierte Strecke Wüsche — Sorquitten gehört eigent- 
lich unter Abschnitt c) auf Karte 4, ist aber des dort fehlenden 
Raumes wegen auf Karte 2 gesetzt. 

Neu hinzugekommen und auf der beigegebenen Karte noch 
nicht verzeichnet sind für die vorliegende Frage des Storchzuges 
2 Störche: 

Nr. 3492. Gezeichnet am 28. Juli 1910 in Aut- 
hausen Kreis Bitterfeld, Provinz Sachsen von Herrn Landwirt 
Prautsch durch Vermittelung des Königlichen Landratsamtes 
in Bitterfeld. 

Erbeutet am 28. August 1910, abends 7 Uhr in dem 
Walde der Gemeinde Perete in der Nähe der Laudesstrafanstalt 
1 1 1 a w a in Ungarn, Trencsiner Comitat. 

Zeit: 1 Monat. ' 

Entfernung: ca. 475 km. 

Mitteilung unter Beifügung des Ringes durch Herrn Robert 
Grigar, Direktor der Königl. Ungarischen Landesstrafanstalt 
Illawa. Der Storch wurde erschossen aufgefunden. 

Zugrichtung genau südöstlich wahrscheinlich dem Laufe 
der Elbe folgend, durch Böhmen nach Ungarn hinein. 

Nr. 3605. Gezeichnet am 15. Juni 1910 in We r k e 1, 
Hessen Nassau, Regierungsbezirk C a s s e 1 , etwa 21 km südwest- 
lich von Cassel durch Vermittlung des Herrn Bürgermeisters 
Sauer. Es befanden sich in einem Neste die 4 Nummern 3603—3606. 

Erbeutet aus einem Fluge Störche Ende August oder 
Anfang September 1910 bei San Quirico de Besora Provinz 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 143 

Barcelona, Bez. Vieh, in Spanieu. Die betreffende Notiz stand 
in der spanischen Zeitung El Notigiero universal; Direktor: 
D. Francisco Peris Mencheta, vom 15. September 1910. (Oficinas: 
Galle de Lauria, 35 junto a la Gran Via Barcelona). Die 
Zeitung wurde der Vogelwarte Rossitten zugeschickt. Etwas 
Näheres konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. 

Zeit: etwa 2V2 Monate. 

Entfernung: ca. 1200 km. 

Dieser Storch verdient besondere Beachtung. Er ist der 
erste, der eine süd westliche Zugrichtung über Spanien ein- 
geschlagen hat. Sein Geburtsort Werkel liegt westlich der 
Weser, 9" 18' ö. L. von Greenwich. 

Wir wollen zum Vergleich die Geburtsorte von Ringstörchen 
heranziehen, die auch Mitteldeutschland angehören, aber ihre Störche 
alle nach dem Südosten haben abziehen lassen. Da ist zu 
nennen Bühne bei Osterwieck a. Harz, nur etwa 130 km 
nordöstlich von Werkel gelegen, 10° 43' ö. L. Der betreffende Storch 
war, wie die Karte zeigt, in süd östlicher Richtung übers 
Erzgebirge abgezogen und wurde südlich von Chemnitz ange- 
troffen. Ferner Authausen bei Bitterfeld, 12<> 42' ö. L. 
gelegen. Von den von hier stammenden Störchen wurde der eine 
in Ungarn, der zweite in Britisch Ostafrika erbeutet. 

Zu nennen wäre hier auch Geschendorf in Schleswig 
Holstein 10*^ 25' ö. L. gelegen, dessen Storch in südöstlicher 
Richtung nach Schlesien abgezogen war. 

So liegen also die Geburtsstätten der nach Süd s t e n und 
andrerseits nach Süd w e s t e n abgewanderten Störche räumlich 
gar nicht weit auseinander. Aber die Weser üiefst zwischen- 
durch. Vielleicht dürfen wir annehmen, dafs dieser Flufs für die 
deutschen Störche die Grenzscbeide zwischen der südöstlichen 
und südwestlichen Zugrichtung bildet. 

b) Der Zug nach und in Afrika. 
Karte 1. 

Die vorliegende Karte sagt eigentlich alles, so dafs ich mich 
kurz fassen kann. Wir hatten im vorigen Abschnitte die nord- 
und mitteldeutschen aus den Gebieten östlich der Weser her- 
stammenden Störche in südöstlicher Zugrichtung bis nach Ungarn 
hinein verfolgt. Die vorliegende Karte bildet nun die Fortsetzung 
des Zuges. Durch Ungarn hindurch helfen uns die schönen 
Resultate der Königlichen Ungarischen Ornithologischen Zentrale. 
Dann klafft vorläufig noch von Ungarn aus eine Lücke in den 
Fundstellen bis Syrien. Wir können aber den Reiseweg der 
Storchscharen sehr wohl so annehmen, wie er auf der Karte 
schraffiert ist, nämlich über den Bosporus, denn in Kon- 
stantinopel ist der weifse Storch zur Zugzeit eine ganz gewöhn- 
liche Erscheinung. Fritz Braun sagt darüber in seinen „tier- 



144 J. Thienemann: 

geographischen Fragen das propontische Gebiet betreffend" p. 15 
(Königliches Gymnasium zu Graudenz. Wissenschaftliche Beilage 
zum Programm Ostern 1909): ,,Die Zugvögel, die der Bewohner der 
Stadt (Konstantinopel) am meisten zu sehen bekommt, sind die 
gemeinen weifsen Störche {Ciconia ciconia L.). Eine ihrer wich- 
tigsten Zugstrafsen mufs geradeswegs über den Bosporus führen, 
denn ihre ausdrucksvollen Flugbilder sind für den blauen Himmel 
über Konstantinopel ein recht bezeichnender Schmuck. Nur 
während kurzer Zeit fehlen sie gänzlich," 

Vom Bosporus aus braucht man sich nun nicht ängstlich 
an die auf der Karte schraffierte Bahn durch Kleinasien zu 
halten. Man darf annehmen, dafs die Storchscharen auch das 
Mittelländische Meer teilweise überfliegen, worüber der Vogel- 
warte Rositten von Seefahrern direkte briefliche Mitteilungen zu- 
gegangen sind. 

Die nächsten Fundstellen von Ringstörchen liegen in 
Syrien und Palästina, wie die auf der Karte eingezeichne- 
ten kleinen schwarzen Kreuze zeigen. Vier Kreuze befinden sich 
da auf verhältnismäfsig engem Räume beisammen. 

Nun führt die Strafse nach Afrika hinüber, wo gleich an 
der Eingangspforte bei Alexandrien eine Fundstelle liegt; 
dann den Nil aufwärts, Rosaires am blauen Nil, von da ins 
Innere abbiegend nach dem Tsade-See-Gebiete (Jawa), 
dann weiter nach Süden bis Transvaal, Natal und bis zum 
Basutolande, wo die starke Anhäufung von Fundstellen die Haupt- 
winterquartiere der in Frage kommenden Störche anzeigt. So 
ist also die Storchzugstrafse von den Küsten der Nord- und Ost- 
see bis zur Südspitze Afrikas durch den Beringungsversuch in 
verhältnismäfsig kurzer Zeit festgelegt. 

Neu hinzugekommen sind im Jahre 1910 folgende erbeuteten 
Ringstörche, deren Fundstellen auf der Karte noch nicht ver- 
zeichnet sind (sie werden von Norden nach Süden aufgeführt): 

Nr. 3491. Gezeichnet am 28. Juli 1910 in Authausen, 
Kreis Bitterfeld von Herrn Landwirt P r a u t s c h , gleichzeitig 
mit der obigen Nr. 3492, die in Ungarn angetroffen wurde. 

Erbeutet am 4. Februar 1911 auf Njoro-Farm im Be- 
zirk Njoro Britisch Ostafrika nördlich vom Kilima-Ndjaro. Ist es 
nicht ein merkwürdiger Zufall, dafs von den auf einem Gehöft gleich- 
zeitig markierten Störchen bald darauf zwei Stück erbeutet 
wurden? Der eine in Ungarn, der andere in Afrika. Herr Farmer 
J. R, Wood, der den Storch tot aufgefunden hat, schickte 
den Ring an das Kaiserlich Deutsche Vizekonsulat in Mombasa 
mit folgendem Briefe: „Er (der Ring) wurde am 4. Februar d. 
Js. am Beine eines toten schwarz-weifsen Storches mit rotem 
Schnabel in einem Weizenfelde gefunden. Es sind hier in der 
letzten Zeit viele Störche gestorben, oder durch Raubzeug getötet. 
Ich sah hier die Störche zuerst im Dezember etwa am 10. Sie 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 145 

kamen in Zügen zu 40—50 an, einige sind noch hier, aber nicht 
viel. Sie sind nur einen Teil des Jahres über hier." 

Hierzu bemerkt das Vizekonsulat, das den Ring unterm 21. 
Februar 1911 an die Vogelwaite Rossitten weiter schickt, dafs 
Njoro im innerafrikanischen Hochlande liegt, und dafs die Störche 
dort häufig den Heuschrecken folgen. Auf der beiliegenden 
Strochzugkarte mufs man sich das Kreuz östlich vom Victoria 
Njansa, etwas aus der schraffierten Bahn herausfallend, einge- 
zeichnet denken. 

Zeit: 7 Monate 6 Tage. 

Entfernung: 6400 km. 

Geographische Lage desErbeutungsortes: 
20 30' s. Br. 

Der Ort liegt östlich vom Victoria Njansa, fällt also in die 
bereits auf der Karte festgelegte Zugstrafse. 

Man fragt sich, woher es kommt, dafs so viele tote Störche 
in Afrika gefunden werden? Inzwischen ist die Nachricht ein- 
getroffen, dafs die Störche in Südafrika massenweise an ver- 
gifteten Heuschrecken eingehen. Das zeigen jedenfalls die Ring- 
versuche schon jetzt aufs deutlichste, dafs die Scharen unserer 
deutschen Störche auf ihren Reisen nach dem Süden sehr stark 
gelichtet werden. 

Nr. 1 542. Markiert in der Nähe von Quanditten 
bei D r u g e h n e n im Satnlande, Ostpreufsen, durch Herrn 
Rittergutsbgsitzer E. U 1 m e r entweder im Sommer 1908 oder 
1909, wahrscheinlich 1909. 

Erbeutet im Januar 1910 im Distrikt Utrecht oder 
Wakkerstroom in der Transvaalkolonie in der 
Nähe des Büffelflusses. 

Zeit: ?. 

Entfernung: ca. 9100 km. 

Geographische Lage des Fundortes: ca. 27 ^ 
40' s. Br. 

Der Ort fällt in die bereits auf der Karte angegebenen 
Winterquartiere. Er bietet nichts neues. 

Die Nachricht verdanke ich Herrn Missionar A. Manzke zur 
Zeit Berlin NO. 43, Georgenkirchstrafse 70, der mir unterm 15. De- 
zember 1910 die in der Zulusprache gedruckte Zeitung „Isitunywa" 
(auf Deutsch „der Gesandte") zuschickte, worin die betreffende 
Storchnotiz stand. Die Zeitung, deren Herausgeber Revd. H. K. 
Leisegang P. 0. Mapumolo, Natal, heifst, ist ein Gemeinde- 
blatt der lutherischen eingeborenen Christen in Natal und Zulu- 
land und wird in Dundee (Natal) von der Schwedischen Mission 
gedruckt. Der Herausgeber gestattet den Eingeborenen, Briefe 
etc. für den Druck zu senden. Die von Herrn Manzke 
freundlichst beigefügte Übersetzung der Notiz lautet folgender- 
mafsen : 



146 J. Tbienemann: 

„Der Ring des Vogels. 
In Ergebenheit sage ich: Sei gegrüfst Grofser Gnädiger, welcher 
uns kund tut viele weltliche und geistige Geschichten. Jene 
des Herren, welche uns erfreuen, sie trösten uns wieder wenn 
wir in Schmerz oder Leid uns befinden. Der „Gesandte" 
(Name der Zeitung) im März 1910 kam mit den Vogelgeschichteu, 
welche weifse Ringe haben. ^) Ja mein Vater, wir lasen jene 
Geschichte, es erschien Maten Mnyandu, er sagte, hier ist ein 
Ring, nimm ihn und bringe ihn nach eurem Magistrats-Office, 
sie werden dir Geld geben, bringe es zu mir. Ich rede nur, 
hier ist der Ring bei mir. Er hat Eingravierungen, hier sind 
sie: — Vogelwarte Rossitteu 1542 Germania, so lauten jene 
Eingravierungen des Ringes. Er (der Vogel) wurde gefunden, 
er ist mit dem Ringe gestorben. Ich frage und sage, wie viel 
wird ein Mensch erhalten für seine grofse Mühe wegen des 
Vogels? Er verläfst seine Arbeit durch das Gehen nach der 
Magistratur, dort wartet er und bittet. Sei doch so freundlich 
und sage mir, ist es recht, dafs ich mit dem Ringe nach Ut- 
recht unserer Magistratur gehe, oder nach Wakkerstroom Trans- 
vaal, wohin Maten Mnyandu gehört, er aber sagte, der Ring 
gehört mir, denn ich halte die Zeitung (den „Isitunywa"), er 
kam mit dieser Geschichte. Aber auch ich kann meine Zeit 
nicht unnütz verbringen, wenn ich nämlich nicht höre, was für 
denselben gefunden (bezahlt) wird. Jenes Eisen (Ring) wurde 
gefunden im Januar 1910. — Ich bedarf einen Kalender für 
1910, das Geld 50 Pf. werde ich Dir schnell postfrei senden. 
Antwort eilig. Ich bin der Deinige welcher hineingeht (hält) 
in die herrliche Zeitung, die genannt wird Isitunywa. 

Philippus Kumalo." 

Es folgen noch zwei Störche, die in ein und demselben 
Neste am 7. Juli 1910 in A g i 1 1 a in Ostpreufsen am Süd- 
rande des Kurischen Haffs durch Herrn Hauptlehrer 
Tolkmitt gezeichnet und im darauffolgenden Winter 1910/11 
in Südafrika erbeutet wurden. Die Nummern 204; 205; 206 und 
207 safsen in dem betreffenden Neste. Die beiden erlegten 
Stücke sind die Nummern 204 und 206. Jedenfalls ein merk- 
würdiger Zufall! 

Nr. 204 in Betschuanaland von einem Kaffer 
getötet. 

Die näheren Umstände, wie der Fall zur Kenntnis der 
Vogelwarte gelangt ist, sind folgende: Eine Dame aus Aston in 
England hat die Nachricht von der Erbeutung dieses Ringstorches 
von ihrem Bruder aus Betschuanaland erhalten. Dann hat die 
Notiz unter der Überschrift „Marked Birds" in „Daily Mail" 
Birmingham vom 1. April 1911 gestanden. Von der Redaktion 



^) Bericht über die Ringversucbe. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Kossitten. 147 

erhielt die Vogelwarte das Blatt freundlichst zugeschickt. Es 
ist darin irrtümlicherweise von einem „Kranich" die Rede. 

Erbeutungs-Ort und Zeit sind nicht genau angegeben, so 
dafs sich Zeit, Entfernung und geographische Lage nicht genau 
feststellen lassen. 

Die Notiz sagt, dafs ohne Zweifel viel mehr Ringvögel er- 
beutet werden, als den Auflafsstellen zurückgemeldet werden. Auch 
der vorliegende Fall sei durch reinen Zufall bekannt geworden. 

Interessant, dafs der Storch von der Küste aus so weit ins 
Innere vorgedrungen ist! Den Erbeutungsort mufs man sich 
südlich von dem Kreuze in der Kalahari eingezeichnet denken 

Ferner Nr. 206. Erbeutet im Winter 1910/11 im U g i e 
Distrikt in Ost-Griqualand. Der Finder, Herr C. N. L a k e 
aus Blackwoods, Ugie, hat den Ring auf einer der höchsten 
Spitzen der Drakenberge dem Vogel abgenommen. 

So lautet eine Notiz aus der Tembuland-Zeitung, die Herr 
H. D,i e t e r 1 e n , von der Pariser evangelischen Mission in Leribe 
im Basutolande, der Vogelwarte freundlichst einschickte. Das 
Blatt vermutet, dafs der Storch von Deutsch SW. -Afrika stammt 
und wahrscheinlich einer der Vögel ist, „die von der Deutschen 
Regierung gezüchtet werden, um die Heuschreckenplage in jenem 
Teile des Landes zu bekämpfen". Dazu wird die Verwunderung 
ausgesprochen, dafs dieser merkwürdige Vogel eine „so weite 
Reise gemacht hat". 

Ich habe natürlich sofort einen aufklärenden Bericht ab- 
geschickt. Da wird die Verwunderung wohl noch gröfser werden, 
wenn mau erfährt, dafs der Vogel von der Küste der Ostsee stammt. 

Entfernung: etwa 9600 km. 

Geographische Lage des Ortes: Sl*' 12' s. Br. 

Das ist der bis jetzt südlichste Vogelwartenstorch. Man 
denke sich das Kreuz südlich von Quithing und Umzimkulu aut 
der Karte eingezeichnet. 

Die Zeit kann nicht genau angegeben werden, weil das 
Erbeutungsdatum nicht bestimmt feststeht. Es. ist ein junger 
Storch von 1910. 

Herr Dieterlen teilt noch mit, dafs im Jahre 1909 die 
Störche im Basutolande am 21. November angekommen sind, 
1910 am 19. November, 

Im allgemeinen fällt die auf der Storchkarte schraffierte 
Storchzugbahn mit dem grofsen ost-afrikanischen Grabenbruch zu- 
sammen, einer geologischen Störung, die ungemein viel Seen aufweist. 

c. Rückkehr der Störche in ihr Heimatgebiet. 

Dazu Karte 4. 

Der Markierungs- und Erbeutungsort ein und desselben 
Storches sind durch gleiche Zeichen (z. B. *) kenntlich gemacht. 
Beide Orte sind durch punktierte Linien mit einander verbunden, 



148 J. Thienemann : 

neben denen sich die Entfernung in Kilometern angegeben findet. 
Am Markierungsorte steht die betreifende Jahreszahl. m = markiert. 
Da sämtliche Störche als junge Vögel im Neste den Ring 
erhielten, so fällt das Markierungsdatum regelmäfsig in die Monate 
Juni oder Juli. 

Am Erbeutungsorte findet sich das genaue Datum, erb. =: 
erbeutet. 

Agilla — Süden ort stellt die Zugrichtung im Herbste 
dar, gehört eigentlich nur auf Karte 2, ist aber auf Karte 4 
nochmals in vergröfsertem Mafsstabe aufgeführt worden. 

Neu hinzugekommen sind im Jahre 1910 folgende zwei 
Störche, die auf der Karte noch nicht eingetragen sind: 

Nr. 437. Markiert im Sommer 1907 in Cullmen- 
J e n n e n , Kreis Tilsit Ostpreufsen durch Herrn S i n n h u b e r 
auf dem Stalle des Herrn T e u b 1 e r. 

Erbeutet am 20. Juli 1910 bei S tr i p p o w bei Hohen- 
felde Kreis Köslin in Pommern. Nachricht unterm 22. Juli 
1910 durch Herrn Rittergutsbesitzer Dr. jur. von Blanken- 
b u r g-Strippow. 

Zeit: 3 Jahre, 2 Monate. 

Entfernung: 395 km. 

Der Storch gehört also zu den Stücken, die in gröfserer 
Entfernung vom Heimatneste angetroffen wurden, was nach den 
bisherigen Ergebnissen des Kingversuches zu den Ausnahmen 
gehört. Sonst fanden sich die zurückgekehrten Ringstörche 
immer in nächster Nähe ihrer Heimat vor. 

Der Storch hat nach den eingegangenen Nachrichten schein- 
bar nicht gebrütet, sondern befand sich in Gesellschaft von etwa 
10 Artgenossen, die sich zusammengeschlagen hatten, räubernd 
auf dem Felde. 

Nr. 990. Gezeichnet am 16. Juli 1907 in Dru- 
g e h n e n , Samland, Ostpreufsen durch Herrn Rittergutsbesitzer 
E. U 1 m e r auf dem Gehöft des Herrn P o r s c h i e n. Im Nest 
waren 3 Junge, die die Nummern 989, 990 und 991 trugen. 

Erbeutet am 7. August 1910 bei D r u g e h n e n , etwa 
500 m vom heimatlichen Neste entfernt. 

Zeit: 3 Jahre, 1 Monat. 

Entfernung: 500 m. 

Der Storch ist also in unmittelbarer Nähe seines 
Heimatnestes nach 3 Jahren wieder angetroffen worden. 

Der ganze Vogel wurde von Herrn Ulmer an die Vogel- 
warte eingeschickt und steht jetzt als interessantes Stück, dessen 
Alter man genau kennt, in der Sammlung. Es ist ein Männchen. 
Die Hoden waren ziemlich stark entwickelt, wie kleine Hasel- 
nüsse, sodafs man annehmen kann, dals der Vogel gebrütet hat. 
Die LeibesverfassuDg war durchaus normal; Bein trotz des langen 
Ringtragens ganz gesund. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 149 

Das Ergebnis dieses Abschnittes ist folgendes: 

1) In der nächsten Umgebung des heimatlichen Nestes 
wurden bisher angetroffen : 

3 Ringstörche im ersten Lebensjahre. 
1 Ringstorch „ zweiten „ 
3 Ringstörche „ dritten „ 

Die zugehörigen Entfernungen betragen: 500 m, ferner 6, 
13, 15, 28, 30 und 97 km. 

2) In weiterer Entfernung vom heimatlichen Neste 
wurden angetroffen: 

1 Ringstorch im zweiten Lebensjahre. 
1 „ „ dritten „ 

Die zugehörigen Entfernungen sind: 700 km (Wüsche — 
Sorquitten; Karte 2) und 395 km (Kreis Tilsit — Kreis Köslin). 
Danach darf als Regel aufgestellt werden, dafs die jungen 
Störche in den auf ihre Geburt folgenden Jahren in ihr engeres 
Heimatgebiet, ja direkt an das heimatliche Nest zurückkehren. 
Brütend hat man bisher aber noch keinen Ringstorch an- 
getroffen. 

Es folgen nun noch 3 Störche, die für die Zugforschung 
nicht in Betracht kommen, die aber doch auch einige wertvolle 
Fingerzeige geben und daher hier aufgeführt werden sollen: 

Nr. 3275. Gezeichnet am 6. Juni 1910 in Z e v e n- 
b e rg e n in den Niederlanden durch Vermittelung des Herrn 
Dr. D elsman von Herrn W. Engelsen. 

Erbeutet im August 1910 in Z w a'l u w e , Nord Brabant, 
Niederlande. Mitteilung durch Herrn Pieter Vos. 

Zeit: etwa 2 Monate. 

Entfernung: 10 km. 

Der Storch hat sich nach dem Ausfliegen in der Umgebung 
des Nestes umhergetrieben. 

Nr. 3283, Der Ring wurde im Jahre 1910 einem von 1909 
her zahm gehaltenen Storche in Piontkowo bei Zielen, West- 
preufsen auf Veranlassung von Gräfin Potocka und Herrn Dr. 
von Slaski umgelegt. 

Am 7. Dezember 1910 entfloh der Storch, trieb sich in der 
Nähe noch einige Zeit umher und wurde am 27. Dezember 1910, 
dem Hungertode nahe, auf der Feldmark von Braunsfelde 
bei Hohenkirch im Kreise Graudenz, Westpreufsen erbeutet. 
Nachricht durch Herrn Postverwalter S c h i 1 d e r m a n n in 
Hohenkirch. Braunsfelde liegt 20 km nördlich von Piontkowo ; 
der Storch ist also ganz planlos nach Norden geflogen, hat die 
übliche Reise nach Süden nicht angetreten. 

Man mufs solche Fälle, die sich aufserhalb der Zugzeit 
abspielen, wenn der Zugtrieb in den Vögeln erloschen ist, auf- 
merksam sammeln. 

Jouo. f. Orn. LX, Jahrg. AprU 1912. H 



150 J. Thienemann: 

Nr. 3673. Gezeichnet im Sommer 1910 in Pe trell e n 
bei Saugen, Regierungsbezirk Gumbinnen, Ostpreufsen durch 
Herrn Besitzer Jurgis Uszpurwis. 

Erbeutet am 29. August 1910 in Bartscheiden bei Neu- 
kirch, Kreis Niederung, Ostpreufsen. Nachricht durch Herrn 
Gemeindevorsteher Reimer I. Der Storch konnte nicht fliegen. 
Die Nummer wurde festgestellt, der Storch wieder frei gelassen. 

Bartscheiten liegt 44 km südlich von Petrellen. 

III. Lacilmöwen (Larus ridibundus). 

Karte 5. Man vergleiche, um den Fortschritt zu sehen, die im VIII. Jahres- 
berichte erschienene ganz ähnliche Karte. 

1. Die auf dem Bruche bei Rossitten erbrüteten und 
im Halbdunenkleide gezeichneten Möwen, 
a) Die Stücke, die auf dem Zuge oder im Winter- 
quartiere erbeutet worden sind. 

Auf der Karte sind die Fundstellen dieser Stücke mit 
schwarzem Kreuzchen (-f-) bezeichnet, und die schraffierten 
Bahnen stellen die vermuteten Zugstrafsen dar. Dazu sei be- 
merkt, dafs die in Süddeutschland und Österreich an den Neben- 
flüssen der Donau und an der Regnitz erbeuteten Stücke aus 
dem überaus milden Winter 1909/1910 stammen. Da sind also 
die Rossittener Möwen nicht so weit nach Süden gegangen wie 
sonst. 

Neu hinzugekommen sind im Jahre 1910 folgende Exem- 
plare, die alle auf der jetzt besonders angefertigten Karte 5 ein- 
getragen sind (wir gehen zunächst auf der von Rossitten aus 
nach Westen zu an der Seeküste entlang führenden Strafse 
vorwärts) : 

Nr. 3814. Gezeichnet am 14. Juli 1910 auf dem 
Möwenbruche bei Rossitten mit 36 Artgenossen. 

Erbeutet am 27. Februar 1911 auf den Rieselfeldern 
bei Z p p t in Westpreufsen. Verendet aufgefunden durch 
Herrn Förster W r o b e 1 in Zoppot. 

Zeit: 7 Monate, 13 Tage. 

Entfern ug: 165 km. 

Das Stück ist in der bekannten Weise an der Küste entlang 
nach Südwesten gezogen. 

Es folgen zwei Möwen, die gleichzeitig aufgelassen und auch 
an ein und derselben Stelle wieder erbeutet wurden. 

Nr. 1888 und 1875, Gezeichnet beide am 16. Juli 
1909 auf dem Möwenbruche bei Rossitten mit 48 Artgenossen. 

Erbeutet Nr. 1888 am 3. November 1910 und Nr. 1875 
am 4. Januar 1911 am Lauwers-See in den Niederlanden. 
So ist eine von mir längst ersehnte und erwartete Zwischenstation 
zwischen der Elb- und Rheinmündung geschaffen. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. l&l 

Zeit für Nr. 1888: 1 Jahr 3 Mon. 17 Tage; für Nr. 1875: 
1 Jahr 5 Mon. 18 Tage. 

Beide Stücke sind also noch nicht brutfähig, wären es im 
Frühjahr 1911 geworden. 

Entfernung: 960 km. 

(Gleichzeitig mit diesen beiden Möwen wurde auch das Stück 
markiert, das am 6. Januar 1910 auf den Balearen erbeutet wurde.) 

Nachricht in beiden Fällen durch Herrn J. deVries, 
Journalist in Zoutkamp, der sich um die Förderung der 
Ringversuche schon grofse Verdienste erworben hat. 

Weiter an der Küste entlang und über den Kanal nach 
England hinüber: 

Nr. 1201. Gezeichnet am 16. Juli 1908 auf dem 
Möwenbruche bei Rossitten mit 99 Artgenossen. 

Erbeutet am 29. November 1910 bei Lowestoft, 
Suffolk, an der Ostküste Englands, 12 km von der Stelle ent- 
fernt wo am 15. Oktober 1909 bereits eine Rossittener Lachmöwe 
angetroffen worden war, die ebenfalls am 16. Juli 1908 ihren Ring 
erhalten hatte. So ist also der Möwenjahrgang 1908 vom Ros- 
sittener Bruche sowohl im Jahre 1909, als auch 1910 an der 
Ostküste Englands im Winterquartiere gewesen. 

Nachricht durch Herrn T icehurst in Lowestoft, Belle Vue, 
der mitteilt, dafs im Winter viel Vögel in jene Landstriche kommen. 

Die Möwe Nr. 1201 wurde uuter einem Telegraphendrahte 
tot aufgefunden Es handelt sich um ein brutfähiges Stück. 

Zeit: 2 Jahre, 4 Monate 13 Tage. 

Entfernung 1300 km. 

Der Vogel, der in tadelloser Leibesverfassuug war, wird 
durch freundliche Vermittelung des Herrn Ticehurst der Vogel- 
warte in ausgestopftem Zustande zugeschickt. Er trägt das Winter- 
kleid. Ring garnicht abgenutzt. 

Weiter an der französischen Küste entlang nach Südwesten: 

Nr. 3808. Gezeichnet, ebenso wie das unten folgende 
Stück vom Golf von Genua, am 14. Juli 1910 auf dem Rossittener 
Möwenbruche. 

Er b eu t e t im Dezember 1910 bei H arf 1 e ur , Dep. Seine 
Inf6rieure an der Seine-Mündung in der Nähe von LeHavre in Frank- 
reich. An der Stelle wurde schon früher, am 6. Januar 1908, 
eine Rossittener Lachmöwe angetroffen. Nachricht durch den 
Fischer Herrn Louedin Edmond in Harfleur. Ziehen wir 
den unten folgenden Fundort von Savona in Betracht, so können 
wir damit feststellen, dafs die Rossittener Möwen vom Jahrgang 
1910 im Winter 1910/11 sowohl in Norditalien, als auch an der 
Westküste Frankreichs in der Winterherberge gewesen sind. 

Zeit: etwa 5 Monate (noch nicht fortpflanzungsfähig). 

Entfernung: 1500 km. 

Das Stück wurde im Netze gefangen. 

11* 



152 J. TbienemaDD: 

Es folgt Nr. 3797, gezeichnet am 14. Juli 1910 auf 
dem Möwenbruche bei Rossitten mit 37 Artgenossen. 

Erbeutet am 18. Dezember 1910 in Zinola nahe 
der Mündung des Flusses Q u i 1 i a n o , Gemeinde S a v o n a am 
Golf von Genua in Oberitalien. Das Stück wurde an das Städtische 
Naturalmuseum in Savona eingeschickt, woher ich durch Herrn 
Direktor Prof. N. Mezzana freundlichst Nachricht erhalte. 
Die Möwe selbst bleibt im Museum von Savona. 

Ich möchte annehmen, dafs die Lachmöwenschwärme, denen 
diese Möwe angehört hat, von Westen her, also von der Rhone- 
mündung nach dem Golf von Genua gelangt sind. Wären sie 
von Nordosten, von der Pomündung hergekommen, dann hätten 
sie den Ligurischen Appennin überfliegen müssen. Ich habe also 
jetzt auf der Karte das Stück von der unteren Rhone bis zum 
Golf von Genua neu schraffiert, und nun ist der Zugstrafsen 
Kreis beinahe geschlossen. 

Zeit: 5 Monate, 4 Tage. (Also noch nicht fortpflanzungsfähig.) 

Entfernung: 1470 km. 

Schliefslich Nr. 767, gezeichnet am 26. Juli 1907 auf 
dem Möwenbruche bei Rossitten mit noch 29 Artgenossen. 

Erbeutet: Anfang März 1911 am Hafen von Neapel 
nahe der Mole St. Vincenzo. Die Notiz steht am 8. März 1911 
in der Zeitung ,,Mattino". Ohne Zweifel ist der Vogel kurz vorher 
erbeutet worden. Diese Möwe ist also von den sonst beliebten 
Winterquatieren in Oberitalien aus an der Küste entlang weiter 
nach Süden gewandert, jedenfalls dieselbe Strafse, die eine frühere 
in Tunis erbeutete Rossittener beringte Lachmöwe benutzt hat. 
Dazu sei bemerkt, dafs die ersten Lachmöwen am 28. März 1911 
auf dem Rossittener Bruche eintrafen. 

Zeit: etwa 3 Jahre, 8 Monate. 

Entfernung: 1650 km. 

Es handelt sich um ein fortpflanzungsfähiges Stück. Erste 
Nachricht durch Herrn Prof. Dr. T o r n q u i s t aus Königsberg, 
der sich gerade in Neapel aufhielt. Am 1. April 1911 erhielt 
die Vogelwarte die „Tribuna Sport" vom 26. März 1911 aus 
Neapel zugeschickt, worin dieser Fall ausführlich behandelt war. 

b) Die Stücke, die auswärts brütend angetroffen 

wurden. 

Auf der Karte mit Kreuz im Kreis bezeichnet. 

Es sind zwei Stücke, beide von der Umgebung von L i b a u 
in Kurland herstammend, wo sich auf dem Tosmarschen See, wie 
auf dem Rossittener Möwenbruche eine Lachmöwen- und Flufs- 
seeschwalbenkolonie befindet. So sind also die in Rossitten jung 
gewordenen Vögel noch weiter nach Norden gegangen, um zur 
Brut zu schreiten. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 153 

Das eine Stück ist schon im IX, Jahresberichte aufgeführt. 
Es kommt jetzt noch hinzu 

Nr. 1297. Gezeichnet am 16. Juli 1908 auf dem 
Rossittener Möwenbruche mit noch 99 Artgenossen. 

Erbeutet am 16. Mai 1910 bei L i b a u in Kurland, 
Rufsland, durch Herrn 0. v o n A r n i m in Libau, Thomasstr. 35. 
Nach Angabe des Herrn befinden sich die Möwenkolonien, wo 
bereits im Juni 1907 eine Rossittener Ringmöwe als B r u t vogel 
erbeutet wurde, etwa 5 Werst weiter südlich von Libau. So ist 
unter Berücksichtigung des Erlegungsdatums sicher anzunehmen, 
dafs auch diese Möwe Nr. 1297, die im Frühjahr 1910 fort- 
pflanzungsfähig geworden war, dort bei Libau gebrütet hat. 

Entfernung: 150 km. 

Zeit: ca. 1 Jahr 10 Monate. 

Der Fufs mit Ring sind an die Vogelwarte eingeschickt. 

2. Das auf dem Mol fsee bei Kiel in Schleswig-Holstein 

erbrütete und markierte Stück. 

Auf der Karte mit T bezeichnet. Zeichner ist Herr stud. 
rer. nat. Riede. Diese Möwe wurde an der Mündung der 
S m m e in Frankreich auf dem Zuge erbeutet. Ist bereits im 
IX. Jahresberichte erwähnt. 

Die von Kiel herstammenden Lachmöwenschwärme sind also 
auf derselben Strafse wie die Rossittener an der Küste entlang 
nach Südwesten gewandert. Man achte darauf, wie sich die 
Fundstellen der Möwen so gern an Flufs mündungen finden. 

3. Die auf dem Wörthsee, südwestlich von München in 

Oberbayern erbrüteten und markierten Stücke. 

Auf der Karte mit X bezeichnet. 

Die Kennzeichnung mit Rossittener Ringen hat Herr Strese- 
mann im Auftrage der ornithologischen Gesellschaft in 
Bayern mit gröfstem Eifer und Geschick am 14. und 16. Juni 
1910 ausgeführt. Die genannte Gesellschaft hat darüber in 
ihren „Verhandlungen" 1909, Band X selbst berichtet. Hier 
sollen die Fundorte nochmals aufgeführt werden, um, unterstützt 
durch die Karte, Vergleiche mit den Fundstellen Rossittener 
Lachmöwen zu ermöglichen. Der Ornithologischen Gesellschaft 
in Bayern sei gebührender Dank ausgesprochen, dafs sie diese 
Zusammenstellung hier gestattet. 

Es sind folgende Stücke (alle also am 14. und 16. Juni 
1910 markiert, demnach noch nicht fortpflanzungs fähig): 

Nr. 2461. Erbeutet Anfang Juli 1910 in der Gemeinde 
Entraching, Kreis Oberbayern am Ammersee von Herrn 
Gutsbesitzer Franz Schumacher in Hängenberg bei ütting. 



154 J. Tbienemann: 

Zeit: etwa 3 Wochen. 
Entfernung: etwa 10 km. 

Das Stück hat sich, wie das die Möwen tun, nach dem Aus- 
fliegen in der Umgegend umhergetrieben. 

Nr. 3098. Erbeutetet am 23. Oktober 1910 bei Worms 
am Rhein. Nachricht durch Herrn Direktor Dabermann. (Ge- 
sellschaft zur Herstellung alkoholfreier Weine Meilen-Bern. Filiale 
Nektar Worms am Rhein). 

Der nur leicht geflügelte Vogel wird vom Besitzer in Ge- 
fangenschaft gehalten. 

Zeit: 4 Monate, 7 Tage. 

Entfernung: 270 km. 

Zu bemerken ist, dafs der Vogel bei seinen Streifereien vom 
Brutplatze aus nach Norden, jedenfalls den Rhein abwärts, vor- 
gedrungen ist. 

Nr. 3130. E rb eu t e t am 19. November 1910 vormittags 
10 Uhr am Rothsee bei Luzern, Schweiz. Mitteilung durch 
Herrn Dr. med. Jul. Troll er in Luzern, Haldenstr. 39a. Es 
ist ein Männchen. Der Vogel bleibt in ausgestopftem Zustande 
im Besitze des genannten Herrn. 

Zeit: 5 Monate, 3 Tage. 

Entfernung: 243 km. 

Verbindungsstation zwischen Bodensee und Genfersee! 

Nr. 2449. Erbeutet am 27. Juli 1910 am Genfer 
See, etwa 10 km nördlich von Genf. Nachricht verdankt die 
Vogelwarte Herrn Prof. R. P o n c y in Genf, Roches 9, der die 
Ringversuche von jeher in der weitgehendsten Weise gefördert 
hat und auch im vorliegenden Falle mit gröfster Mühe alle 
Einzelheiten des Falles festzustellen suchte. 

Zeit: 1 Monat, 13 Tage. 

Entfernung: 395 km. 

Am Genfer See sind auch schon Rossittener Lach- 
möwen angetrofi'en worden. Dort haben sich also Münchener und 
Rossittener Vögel untereinander gemischt. Die Winterquartiere 
dieser beiden Möwengesellschaften verschiedener Herkunft sind 
dieselben. 

Herr Prof. Poncy sandte mir einen interessanten Bericht 
ein über den Abzug der Lachmöwen vom Genfer See. Die 
Richtung war südwestlich nach der Rhone zu. So wird also 
damit die Zugbahn bestätigt wie sie auf der Karte schraffiert ist. 

Der Bericht lautet in der Übersetzung folgendermafsen: 

„Nach den Gewittern und Überschwemmungen, 

welche am 23. Juli Italien, Oesterreich und Süddeutschland ver- 
wüsteten, hatte ich das Vergnügen, zahlreiche Lachmöwen auf 
dem kleinen See nahe bei Genf ankommen zu sehen. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Eossitten. 15B 

Ich liefs sofort folgenden Artikel in der „Genfer Tribüne" 
des 26. Juli veröffentlichen (folgt ein aufklärender Bericht 
über die Beringungsversuche) und schrieb folgendes in meine 
Notizen : 

„Als ich am 24. Juli, 1910, um 7 Uhr abends vor dem 
Park der Eaux-Vives in Genf einen Spaziergang machte, bei einem 
stillen und wolkenlosen Wetter, war ich nicht wenig erstaunt, 
einen Flug von ungefähr 200 jungen Lachmöwen (Larus ridi- 
hundus), in einer Entfernung von etwa 100 Metern vom Ufer 
„vom Himmel fallen" zu sehen. Nachdem sie hintereinander 
schnelle Bogen beschrieben hatten, liefsen sie sich auf die Ober- 
fläche des Sees nieder. 

Nachdem sie sich eine Viertelstunde lang ausgeruht hatten, 
fingen etwa 60 der Vögel an aufzufliegen, indem sie Kreise be- 
schrieben, die bald eine Höhe von mehreren Hundert Metern bis 
zu zwei Kilometern Durchmesser erreichten. Es schien als 
ob die Vögel sich über die Richtung, die sie nehmen sollten, zu 
orientieren suchten. Um 77« Uhr erhob sich ein zweiter Teil und 
ging auf dieselbe Art und Weise sich mit den ersten wieder zu 
vereinigen. Dann plötzlich versammelten sich die beiden Gruppen, 
indem sie ein Dreieck bildeten, welches in der Richtung des 
Weges auf Fort de l'Eclux an der Rhone in südwestlicher Rich- 
tung verschwand. 

Es blieben indessen auf dem Wasser noch 35 Lachmöwen. 
Ich hatte Zeit, wieder nach Hause zurückzukehren, und, (da ich 
annahm, dafs diese Vögel auch weggeflogen wären, nachdem sie 
das Gleiche wie die anderen getan hatten, setzte ich mich ans 
Fenster mit meiner treuen Gefährtin (einem trieder-binocle 
Goerz 9 X)- 

Von meinem Fenster aus sehe ich nur Dächer, den Jura 
von seinem Fufs ab, und den ganzen westlichen Himmel. Ich 
suchte am Himmel in der Nähe der untergehenden Sonne 
und hatte die Freude, meine 35 Vögel wiederzufinden ; die- 
selben hatten eine Höhe erreicht, welche ich nach Mafsen so ge- 
nau wie nur möglich auf 400 Meter über der Fläche des Sees 
schätze, d. h. 900 m über dem Meeres-Spiegel. 

Um 8V4 Uhr, als die Sonne untergegangen war, unterbrach 
der Flug seine Kreise und nahm, wie der frühere, die südwest- 
liche Richtung, bildete ein Dreieck und verschwand mit einer 
Geschwindigkeit von wenigstens ungefähr 60 km in der Stunde. 

Die Richtung des Fluges war nicht horizontal, sondern um 
ungefähr 5 Grade geneigt als wenn er eine gröfsere Höhe er- 
reichen wollte. 

Das war das erste Mal seit 25 Jahren, dafs ich einer wirk- 
lichen Wanderung von Lachmöwen beigewohnt hatte, besonders 
in dieser Jahreszeit, wo die Altern ihre Flügel vollständig un- 
gleich durch die Mauserzeit haben." 



156 J. Thienemann: 

Es folgt Nr. 3133. Erbeutet am 23, November 1910 
bei N i z z a in Südfrankreich. Ohne Zweifel hat deren Weg auch 
durch die Schweiz (das sagt das obige Stück von Luzern) über 
den Genfer See und dann die Rhone abwärts geführt. Während 
sich aber die am gleichen Tage markierte obige Nr. 3130 am 
19. November noch bei Luzern befand, war die vorliegende 
Nr. 3133 am 33. November schon in Nizza. Nehmen wir an, 
dafs die beiden Stücke gemeinsam gewandert sind, was aber nur 
Annahme ist, so hätte die vorliegende Lachmöwe vom 19. bis 
23. November, also in 4 Tagen etwa 750 km durchflogen, die 
oben angegebene Zugbahn vorausgesetzt, das wären pro Tag etwa 
187 km. 

Zeit: Etwa 5 Monate. 

Entfernung: 553 km. 

Die erste Nachricht erhielt ich durch Herrn Prof. Brasil 
in Caen. Dann hat der Fall im „Chasseur Franc^ais" vom Januar 
1911 p. 13 gestanden, und nun gingen eine ganze Anzahl Mel- 
dungen auf der Vogelwarte ein; unter anderen von den Herren 
Prof. P n c y in Genf, Prof. MattheyDupraz in Colombier, 
stud. rer. nat. Aug. Gausebeck in Münster, Westf. u. a. 

Ich bitte bei dieser Gelegenheit ebenso höflich wie dringend, 
dafs sich beim Lesen solcher Zeitungsnotizen Niemand auf den 
andern verlassen und eine Meldung an die Auflafsstation als 
überflüssig unterlassen möchte. Da könnte doch mancher Fall 
verloren gehen. 

Die Karte zeigt, dafs die Wörthsee-Möwen von München 
aus nicht etwa direkt nach Süden über die Alpen geflogen, sondern 
nach Westen abgebogen sind, dieselben Wege wie die Rossittener 
Möwen benutzend. 

Zum Schlufs noch eine Bemerkung über das Beobachten 
von Ringmöwen im Freien. 

Es ist mir durch Zuschriften bekannt geworden, dafs ver- 
schiedene Hamburger Einwohner darauf achten, ob sie unter den 
Möwenschwärmen, die an der Alster überwintern und durch täg- 
liches Füttern ganz unglaublich zahm werden, beringte Stücke 
erkennen können. Bis jetzt ist mir noch nicht mitgeteilt, ob dies 
einem Hamburger gelungen ist. Dagegen hat ein Königsberger, 
Herr Hauptmann Härder, bei einem Besuche in Hamburg am 
7. Februar 1911 das Glück gehabt, eine Ringmöwe, die auf 2 — 3 m 
an ihn herankam, deutlich zu erkennen. Eine Frau, die Fische zum 
Möwenfüttern feilbot, machte Herrn Härder auf den Vogel auf- 
merksam. Ob diese Möwe nun gerade eine Rossittenerin gewesen 
ist, läfst sich natürlich nicht sagen. Bisher hat Hamburg 3 er- 
beutete Rossittener Stücke aufzuweisen. Mir war's vor allem 
wertvoll zu hören, dafs sich auch schon die Fischfrauen für den 
Beringungsversuch interessieren. So mufs es sein. Dann gehen 
weniger Ringe verloren. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 157 

IV. Silbermöwen (Larus argentatus). 

Auf der Karte sind die Silbermöwen nicht verzeichnet. Das 
hätte wenig Zweck. 

Die Ergebnisse des Versuches mit dieser Möwenart zeigen 
ebenso wie im vergangenen Jahre, dafs sich die Silbermöwen 
auch im Winter nicht weit von der Stelle, wo sie erbrütet sind, 
entfernen. Die Entfernung schwankt zwischen 5 und 160 Kilo- 
metern. Im vergangenen Jahre war die weiteste Entfernung 
205 km. Die einzelnen Entfernungszahlen für 1910 sind folgende: 
5, 5, 5, 20, 25, 25, 27, 30, 45, 50, 77, 160 km. 

Die sämtlichen aufgeführten Silbermöwen sind am 13. und 
14. Juli 1909 von Herrn Lehrer 0. Leege in Ostermarsch auf 
dem M e m m e r t bei J u i s t gezeichnet. 

Es handelt sich um lauter noch nicht fortpflanzungsfähige 
Vögel. Ich halte hier nur Nachlese vom Jahrgang 1909. Die von 
1910 an markierten Stücke bearbeitet die Vogelwarte Helgoland. 

Nr. 2337. Am 25. April 1910 auf einer Düne auf der Insel 
Juist verendet und schon stark in Verwesung übergegangen auf- 
gefunden. 

Nachricht und Ring durch Herrn W. Altmanns auf Juist 
erhalten. 

Entfernung: 5 km. 

Zeit: 9 Monate, 10 Tage. 

Nr. 2938. Geschossen etwa Mitte März 1910 an der Küste 
bei Uithuizen, Holland. 

Nachricht vom 27. 4. 1910 und später den Ring erhalten 
durch Herrn Riepma, Uithuizen, Holland. 

Entfernung: 27 km. 

Zeit: ca. 8 Monate. 

Nr. 2556 und 3028. Im Zugnetz in Hornhuizen (Gemeinde 
Kloosterburen, im nördlichen Teil der Provinz Groningen), Holland 
gefangen. 

Nachricht vom 27. April 1910 durch Herrn J. deVries, 
Zoutkamp, Holland bekommen. 

Entfernung: etwa 30 km. 

Zeit: 9Vj Monate. 

Nr. 2685. Gegen Draht geflogen und verendet, aber nicht 
mehr frisch, auf der Insel Juist aufgefunden. 

Nachricht und Ring am 18. 5. 1910 von Herrn W. Alt- 
manns, Juist bekommen. 

Entfernung: 5 km. 

Zeit: ca. 10 Monate. 

No. 3064. Am 14. 5. 1910 südlich von Juist vom Boote 
aus erlegt. 

Nachricht und ganze Möwe durch Herrn W. A 1 1 m a n n s , 
Juist am 17. 5 1910 erhalten. 



158 J. Thienemann: 

Entfernung: 5 km. 
Zeit: 10 Monate. 

Nr. 2433 und 3000. Unterm 20. 6. 1910 sendet Herr 
H. Meyer, Ditzumerverlaat, Post Leer, Kreis Weener, Ost- 
friesland die beiden Ringe ein mit der Bemerkung, dafs die 
beiden Möwen in Fischnetzen gefangen worden sind. 

Entfernung: 50 km. 

Zeit: ca. 11 Monate. 

Nr. 2515. Herr Heinrich M e i n e r s , Signalstation Schillig- 
hörn, Post Horumersiel, Jeverland, Oldenburg meldet unterm 
28. 6. 1910, dafs er auf Minser, Oldeoog, nahe Wangeroog eine 
grofse graue Möwe mit Ring Nr. 2515 „per Zufall" ge- 
schossen hat. 

Entfernung: 77 km. 

Zeit: IIV2 Monate. 

Nr. 2946. ca. am 2. 10. 1909 von Herrn N. Klopp aus 
Leer, Ostfriesland am Nordstrande von Norderney verendet auf- 
gefunden, 

Ring am 8. 8. 1910 erhalten. 

Entfernung: 25 km. 

Zeit: ca. 2 Vi Monate. 

Nr. 2422. Im Mai 1910 bei Helder in Holland geschossen. 
Ring durch Herrn H. C. D e 1 s m a n n in Helder, Weltstraat 52 
eingeschickt erhalten. 

Entfernung: 160 km. 

Zeit: 10 Monate. 

Am 3. September 1910 schreibt Herr Deismann, dafs ihm 
ein Vogelhändler auf Texel mitgeteilt hat, dafs er im Winter 
1909/10 oft gezeichnete Möwen erhalten, die Ringe aber nicht 
aufbewahrt habe. Man sieht wieder, wie viel Ringe leider für 
die Auflafsstationen verloren gehen. 

Nr. 3047; 3099; 2921; 3094; 3046. Diese 5 Möwen sind 
in Norddeich, Ostfriesland erlegt worden, und zwar: 
Nr. 3047 etwa im März 1910. Z e i t ca. 8 Monate. 
Nr. 3099 am 11. 2. 1910. „ 6 Monate, 27 Tage. 

Nr. 2921 „ 7. 1. 1910. „ 5 „ 23 „ 

Nr. 3094 „ 25. 11. 1909. „ 4 „ 11 „ 

Nr. 3046 „ 4. 11. 1909. „ 3 „ , 20 „ 

Entfernung bei allen 5 Möwen: 20 km, 
Nr. 2812 und 2968. Erbeutet am 26. und 24. Dezember 
1910 auf dem Watt bei Ulrum, Provinz Groningen, Holland. 
Nachricht durch Herrn H. D. L u w e s , Westpolder, 
Gemeinde Ulrum. 

Entfernung: 45 km. 
Zeit: Nr. 2812: 1 Jahr, 5 Monate, 13 Tage. 
Nr. 2968: 1 „ 5 „ 11 „ 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 159 

Nr. 2642. Am 7. Februar 1911 bei Ostermarsch bei Norden 
geschossen und Herrn Lehrer 0. L e e g e überbracht. 

Entfernung: 25 km. 

Zeit: 1 Jahr, 6 Monate, 24 Tage. 

Der ganze Vogel wird von der Königlich biologischen Anstalt 
auf Helgoland der Vogelwarte Rossitten zum Aufstellen im 
hiesigen Museum überlassen. Er fängt an am Rücken in Blau 
zu vermausern. 

V. Strandvögel (Irin gen und Totaniden). 
(Dazu Karte 5.) 

Doppelfahne = Totanus littoreus (heller Wasserläufer), 

Dreifache Fahne = Tringa alpina (Alpenstrandläufer). 

Die Strandvögel werden zum Markieren hier bei Rossitten 
auf dem Herbstdurchzuge im Juli und August gefangen. Es sind 
hiesige Durchzugs vögel. Die Fundstellen von beringten 
Stücken zeigen also den Weg und die Winterquartiere der Strand- 
vogelscharen an, die im Herbste von Norden her die Kurische 
Nehrung passieren. 

Die Zugstrafse führt von Rossitten aus immer an der Küste 
entlang über das südliche England, wo teilweise schon Winter- 
quartiere bezogen werden, an der französischen Küste entlang 
bis zur Rhonemündung, genau wie die der Lachmöwen. 

Neu hinzugekommen sind im verflossenen Jahre folgende 
2 Stücke: 

Tringa alpina (Alpenstrandläufer) Nr. 253. 

Gezeichnet am 16. Juli 1909 in Rossitten. 

Erbeutet am 4. Januar 1911 bei Exmouth an der 
Mündung des Flusses Exe im südlichen England durch Herrn 
E. K n i g h t. Das Stück traf am 1. Januar mit etwa 50 Tringen 
am besagten Orte ein. 

Zeit: 1 Jahr, 5 Monate, 28 Tage. 

Entfernung: 1 700 km. 

Die Notiz stand in der Zeitung „The People" vom Sonntag 
den 29. Januar 1911, die Herr F. W. Bond, Milford Lane 
Strand W. C. freundlichst einschickte. 

Um die Feststellung dieses Ringvogels hatte sich Herr 
E. Marcuse in London, dem der Ringversuch schon manche 
grofse Förderung verdankt, in ganz aufserordentlicher Weise ver- 
dient gemacht. Seine Bemühungen waren schliefslich von Erfolg 
gekrönt. Herr Frank Seward aus Exmouth, der den 
Vogel präpariert hat, konnte den Schützen zur Herausgabe des 
Vogels veranlassen, und Herr Marcuse stiftete ihn für die Samm- 
lung der Vogelwarte. 

Ferner Tringa alpina, Alpenstrandläufer ad. Nr. 317: 

Gezeichnet am 24. Juli 1909 in Rossitten. 



160 J. Thienemann: 

Erbeutet: Am 10. April 1910 bei Aigiies Mortes 
westlich der Rbonemündung, Departement Gard in Südfrankreich. 

Zeit: 8 Monate, 16 Tage. 

Entfernung: 1770 km. 

Der Vogel wurde vom Herrn Naturalist Louis Castel 
für den „Cercle des Chasseurs" in Aigues Mortes präpariert und 
am 9. Juli 1910 für die Sammlung der Vogelwarte freundlichst 
eingeschickt. Ein interessantes Stück! Man freut sich immer, 
wenn man einen ganzen Ringvogel bekommt. Dieser Alpenstrand- 
läufer trägt das Winterkleid nicht rein. Auf den Schultern einige 
dunkle Federn mit rostbraunen Rändern. Unterbrust dunkel- 
gefleckt. 

VL Star {Stumus vulgaris). 

Auf Karte 5 mit * bezeichnet. 

Grofse Verdienste um den Beringungsversuch hat sich 
Harald Baron London in Lisden per Wolmar, Livland, er- 
worben. Mit vieler Mühe sind von ihm zahlreiche junge Stare 
in ihren Nestern, sowie andere Vögel gezeichnet worden. Es liegt 
bis jetzt ein Ergebnis vor, worüber man sich recht freuen darf. 

Der Star Nr. 108 erhielt den Ring zugleich mit seinen 
4 Geschwistern am 10. Juni 1 909 in einem Neste imLisden'schen 
Guts garten. 

Erbeutet wurde er kurz vor dem 20. März 1911 in 
Farnley, Leeds, Grafschaft York in England, wo sich in dieser 
Zeit sehr viel Stare niedergelassen hatten. So haben also diese 
russischen Stare in England überwintert, und zwar auffallender- 
weise so weit nördlich. 

Zeit: 1 Jahr, 9 Mon., 10 Tge. (also ein fortptianzungs- 
fähiges Stück). 

Entfernung: 1750 km. 

Herr Harry Biley schickt das beringte Starbein aus 
Farnley am 20. März 1911 an die Yorkshire Evening Post mit der Be- 
merkung, dafs der Star vor kurzem in Farnley geschossen sei. 
Die Notiz hat dann in der Zeitung „Canary and Caye Birds 
Life", London, 9, Aründel Street, Strand vom 31. März 1911 ge- 
standen. Die betreffende Nummer wurde der Vogelwarte durch 
Herrn Henry S c h e r r e n aus London zugeschickt. 

Vn. RauoMufsbussard {Archihuteo lagopus). 

Von den im VH. Jahresberichte ausführlich aufgeführten 
3 erbeuteten beringten Stücken sind auf der Karte 5 die in den 
Provinzen Posen, Schlesien und Sachsen liegenden Fundorte ein- 
gezeichnet. Man erfährt dadurch etwas von der Verbreitung der 
im Spätherbst von Norden her über die Kurische Nehrung ein- 
wandernden Rauchfufsbussarde. Der Zug ist regellos und richtet 
sich ganz nach den Nahrungsquellen. (Vorhandensein von Mäusen.) 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 161 

Die nun folgenden Vogelarten sind auf der Karte nicht auf- 
geführt. Ich fasse immer mehrere Arten in einer Überschrift 
zusammen. 

vm. Purpurreilier (Ärdea purpurea) und Löffelreilier 

{Platalea leucorodia). 

Nr. 2526. Mit diesem Storchring hat Herr Dr. J. Th. 
Oudemans, Amsterdam, P. Potterstr. 12 im Sommer 1910 im 
Naardermeer bei Amsterdam einen jungen Purpurreiher gezeichnet. 
Zugleich erhielten eine gröfsere Anzahl junger Purpurreiher Ringe, 

Erbeutet wurde das Stück am 20. August 1910 bei dem 
Dorfe Oudecapelle in Westflandern in Belgien, nahe bei 
Disemude, von Herrn Lean DotteBarrois in Firma Dalle 
Freres und Lecomte in Bousbecque, Dep. Nord. 

Nachricht unter Beifügung des Ringes durch den Schützen. 
Der Reiher war allein. Es sind nach eingegangener Mitteilung 
fast immer gewöhnliche Reiher dort zu finden. 

Entfernung: 190 km. 

Die holländischen Purpurreiher wandern also, zieht man den 
vorjährigen Fundort von Calais mit hinzu, an der Küste entlang 
nach SW. 

Mit den Purpurreihern zusammen markierte Herr Dr. Oude- 
mans im Sommer 1910 auch eine Anzahl junger Löffler 
(Elatalea leucorodia) im Naardermeer. Zwei davon wurden 
wieder erbeutet, und zwar: 

Nr. 2534 am 17. November 1910 bei Fiquefleur an 
der Seinemündung in Frankreich. 

Entfernung: 450 km. 

Zeit: etwa 5 Monate. 

Nachricht durch Herrn LouisTernier in Honfleur (Cal- 
vados), Mitglied des internationalen ornithologischen Comitees. 
Und 

Nr. 2538 Anfang August (am 4.?) 1910 bei Saint Puy 
(Gers) im südlichen Frankreich durch Herrn Dubourdieu, 
notaire in Saint Puy. 

Entfernung: 1920 km. 

Zeit: etwa 2 Monate. 

Auch diese beiden Löffelreiher-Fundorte deuten auf einen 
Zug von Holland aus nach SW. zu an der Küste entlang hin. 
Auffallen mufs es, dafs der zweite Löffler Nr. 2538 so weit im 
Binnenlande, etwa 140 km von der Küste entfernt, angetroffen 
worden ist. Ohne Zweifel ist er auf dem Wege nach der Rhone- 
mündung gewesen und hat dieselbe Strafse gewählt, die von den 
Rossittener Strandvögeln und Lachmöwen, wie die Karte zeigt, 
eingeschlagen worden ist, zunächst die Garonne aufwärts. 



162 J. Thienemann: 

IX. VerscMedene Arten von Kleinvögeln. 

Zweck der Beringung von Vögeln ist, das Individuum 
innerhalb der Spezies kenntlich zu machen, auf die Weise 
Gelegenheit zu schaffen seinen Lebensweg verfolgen zu können 
und in interne und intime Vorgänge des Vogellebens einzudringen. 

Es ist gewifs öfter Gelegenheit geboten, auch ohne Zuhilfe- 
nahme von äufserlichen Marken immer wieder dieselben Vögel 
aus ihren Artgenossen herauszufinden und eingehende Beob- 
achtungen an ihnen anzustellen. Solche Gelegenheit hat Dr. Na- 
to r p in Myslowitz, Oberschlesien, in Bezug auf 
Buchfinken (Fringilla coelebs) 
in höchst geschickter Weise ausgenutzt. Er nahm dann das 
Ringexperiment zu Hilfe, das seine Annahmen über den Zug 
der Buchfinken vollständig bestätigte. Dr. N a t o r p hat seine 
Beobachtungen der Vogelwarte Rossitten zur Verfügung gestellt. 
Sie folgen hier: 

„Die Wohnung, von der aus ich die Beobachtungen an- 
stellte, hatte ich von April 1907 bis jetzt (d. i. Ende April 1911) 
inne. Es war die 2. Etage, der Balkon liegt nach Norden. Die 
nächsten Bäume (Lazarettgarten) sind etwa 30 m entfernt, schräg 
rechts gegenüber liegt in etwa 70 m Entfernung der sog. Schlofs- 
garten (ein kleiner Park) mit hohen Laubbäumen. Ich hatte 
einen zahmen Edelfinken und stellte den Käfig im Mai 1907 
öfters auf den Balkon. Wohl durch Eifersucht angelockt fand 
sich bald ein Finken -cf ein. Diesem streute ich Futter, stellte 
ein Näpfchen mit Wasser daneben und hatte den ganzen Sommer 
die Freude, den Vogel als täglichen Gast auf meinem Balkon zu 
sehen. Er war bald so vertraut, dafs er sich durch unsere An- 
wesenheit auf dem Balkon nicht im geringsten stören liefs. 
Auch durch das Fenster konnte ich ihn mit Mufse betrachten: 
ein schönes altes cf, wie die tief gefärbten Flügel- und Schwanz- 
federn mit ihren relativ wenig abgenützten Räadern deutlich 
erkennen liefsen. Der Vogel war im reinen Frühlingskleide. 
Kin und wieder erschien auch ein 9i einigemal auch ein anderes 
cf, aber selten. Ich habe mir 1907 leider keine Notizen darüber 
gemacht. Die Mauser begann Ende Juli und war Ende Sep- 
tember beendet. So viel mir erinnerlich ist, verschwand der 
Vogel Anfang Oktober, obwohl täglich Futter gestreut wurde 
und solches stets reichlich vorhanden war. Ich streute Rüb- 
samen und Hanf. Letzterer wurde am liebsten genommen, 
leider aber auch von den Sperlingen, welche den Rübsamen 
aber verschmähten, sodafs der Fink immer gedeckten Tisch 
fand. Der Vogel erschien buchstäblich täglich auf dem Balkon. 
Seinen Standort hatte er im Park. Daher erhielt er die Be- 
zeichnung „das alte cf vom Park". Erwähnen will ich noch, 
dafs ich im Lazarettgarten allwinterlich auch Finken füttere. 
Diese sind aber sicher Gäste aus dem Norden resp. Osten. Im 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 163 

strengen Winter 1906/07 hatte ich 2—3 cf am Futterplatz. 
Diese verschwanden Anfang März. Im Winter 1907/08 hatte ich 
zeitweise 6—8 Finken am Futterplatz. Auch diese waren lange, 
bevor unsere Brutfinken zurückkehrten, verschwunden. Keiner 
von diesen Überwinterungsfinkeu besuchte unseren Balkon, ob- 
wohl dort Futter gestreut wurde und Spatzen verkehrten. Sie 
waren scheu, vorsichtig und mifstrauisch, wie das Naturell der 
Finken ist, und wären wohl nie, selbst wenn sie durch das 
Treiben der Sperlinge aufmerksam auf den Futterplatz des Bal- 
kons gemacht worden wären, dorthin gekommen. Sie suchten 
im Garten Futter und strichen in der Umgegend umher. Die 
Überwinterungsfinken zeigen sich erst gegen Ende November. 
Ich vermute in diesen Überwinterungsvögeln alljährlich dieselben 
Individuen, denen sich natürlich auch andere zugesellen. Sie er- 
scheinen auf der Futterstelle — es ist alljährlich derselbe Platz 
— ehe ich dort Futter ausstreue. (Auch die grofsen Scharen der 
hier überwinternden Saatkrähen, unter denen auch viele Nebel- 
krähen sind, halte ich alljährlich für dieselben Vögel. Sie kommen 
Ende Oktober und im November und verschwinden im März. 
Ihre Schlafplätze haben sie in einem Walde auf russischer Seite, 
wohin man sie allabendlich fliegen sieht.) In den letzten 2 Jahren 
war auch hin und wieder ein Bergfink {Fr. montifringilla L.) 
dabei. Winter 1908/09 war die Zahl dieser Finken etwa 10. Im 
Winter 1909/10 waren es etwa 16 bis 20, und hielten meist treu 
in einem Fluge beisammen. Sie waren sehr scheu und flüchtig, 
nur an den strengsten Wintertagen zutraulicher. Im Winter 
1910/11 waren es wieder weniger und zwar etwa 12 — 16 Stück. 
In diesem letzten Winter war auch ein 9 dabei. Im Januar und 
Februar 1911 kam ein 9 sogar an den kältesten Tagen mit den 
Sperlingen auf unseren Balkon. Au diesen Tagen bemerkte ich 
das 9 ^^ Futterplatz im Garten nicht, woraus ich schliefse, dafs 
es dasselbe 9 war, welches zum „Finkenfluge" im Garten gehörte. 
Doch nun zurück zu den „Balkonfinken". Am 25. III. 1908 
sah ich noch gegen Abend einen kleinen Trupp Finken gegen 
den Wind nach Osten ziehen. Der Ostwind hielt mehrere Tage 
an. In diesen Tagen sah ich viele Finken ziehen, stets gegen 
den Wind. (So habe ich es alljährlich immer wieder beobachten 
können, wie ich es bereits in der Ornith. Monatsschrift, Jahrgang 
1909 betont habe.) Am 27. März hörte ich früh einen Finken 
schlagen, der erste Finkenschlag in diesem Frühjahr (1908). Der 
Vogel kam auch gleich auf den Balkon, wo er den ganzen Tag 
tüchtig schmauste und sang. Ich erkannte sofort das „alte d* 
vom Park". Derselbe lebhafte Farbton des Gefieders, die breiten 
Säume der Tertiärschwingen, dasselbe Gebahren und dieselbe 
grofse Zutraulichkeit. Er war nun wieder täglicher Gast. Im 
Frühjahr 1908 kam dann noch ein junges cf (d. h. im Jahre 
vorher ausgebrütet) dazu. Dieses hatte eine etwas gedrungenere 
Gestalt, die Firste des Oberschnabels war ein wenig nach der 



164 J. Thienemann: 

Spitze zu gekrümmt, stärker wie bei seinen anderen Artgenossen, 
am Hinterkopf und Genick noch ein Kranz lichter Federsäume 
vom Herbstkleide her. Um Pfingsten herum erschien noch ein 
altes cf, welches sicher derselbe Vogel war, der auch schon 1907 
hin und wieder sich zeigte. Die Färbung war sehr lebhaft, ganz 
reines Sommerkleid. Besonders auffallend die weifsen Säume 
der Armschwingen, das Gefieder bereits stärker abgenützt, wie 
bei den anderen. (Dieses alte cf ist jetzt noch da und hat 
seinen Standort im Lazarettgarten. Er singt jetzt — während 
ich dieses schreibe — vor meinen Fenstern im Garten, der zu 
meiner jetzigen Wohnung gehört.) Der Finkenverkehr auf dem 
Balkon wurde immer reger. Es kamen von den Eltern geführt die 
Jungen der ersten Brut. Diese jungen Vögelchen fühlten sich auf 
dem Balkon, wo ihnen die Eltern so bequem und so schnell hinter- 
einander das Futter in die Schnäbel stecken konnten, so recht zu 
Hause. Sie verliefsen den Balkon ott viele Stunden überhaupt nicht 
und schliefen auch, wenn sie satt waren, am Tage oft. Als die 
Flügel- und Schwanzfedern ihre volle Länge erreicht hatten, 
wurden sie lebhafter und allmählich selbständig. Doch gebär- 
deten sie sich sehr hülflos, sobald eins der Eltern in die Nähe 
kam. Sie erreichten auch ihren Zweck und wurden noch ge- 
füttert. Die Stellung, die sie dabei annehmen, und die eigen- 
tümlich wackelnden Bewegungen, wenn sie um Futter bitten, 
sind bekannt. Die Jungen der ersten Brut verschwanden bald 
nach dem Selbständigwerden. Die Jungen der zweiten Brut 
waren oft noch nicht flügge, als die alten cT schon Ende Juli 
in Mauser kamen. Zuerst fallen die grofsen Armschwingendeck- 
federn und die mittlere Tertiärschwinge aus [auch vorletzte 
Armschwinge genannt, wenn man die Schwungfedern nur in 
Primär-(Hand-) und Sekundär-(Arm-)schwingen einteilt]. Von 
den Schwanzfedern fallen die mittelsten zuerst aus. Die jungen 
Finken beginnen etwa 4 Wochen nach dem Flüggewerden die 
Mauser, die sich dann nur auf das Kleiugefieder erstreckt. An 
den Schwung- und Schwanzfedern kann daher ein geübter Blick 
sofort erkennen, ob es sich um einen nur einmal (jüngeren Vogel) 
oder mehrmals vermauserten (alten) Vogel handelt. So ist es 
bei vielen Vogelarten. 2 junge cf der zweiten Brut spielten 
eine besondere Rolle. Das eine war im August eines Tages in 
unserem Efszimmer, wohin es aus dem Balkonzimmer gekommen 
war. Es hüpfte am Fenster herum und betrug sich ganz manier- 
lich. Es liefs sich von meiner Frau fangen, wurde zum Balkon 
gebracht, hüpfte von der Hand — ohne zu fliegen — herab und 
tat sich gleich am Futter gütlich, als wenn überhaupt nichts 
passiert wäre. Dieses Vögelchen war und blieb ganz auffallend 
zahm. Meine Frau nannte es das „Wuschpel". i) Es hatte eine 



1) Wuschpel ist in Schlesien eine Bezeichnung für ein kleines, 
niedliches, zutrauliches Geschöpf. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 165 

zierliche Gestalt und dunkle Gesamtfäibung, wodurch es sich 
leicht von den anderen unterschied. Fast beständig spielte es 
mit den Scheitelfedern, die gesträubt eine kleine Holle vor- 
täuschen (auch beim Bergfinken ist dieses Sträuben der Scheitel- 
federn charakteristisch). Das andere junge cf wurde das „stille 
cf" genannt. Es liefs selten einen Ruf hören, war bescheiden, 
liefs sich von den anderen Finken leicht verdrängen, frafs ge- 
wöhnlich still auf einem Fleck sitzend, sträubte die Scheitel- 
federn sehr selten und fiel durch einen angenehm gelblich- 
olivenfarbenen Ton im Gefieder auf, besonders nach der Mauser 
im frischen Herbstkleide, welches sich durch auffallend breite 
lichtere Säume der Federn auszeichnete. Von Gestalt war es 
gedrungen gebaut. Die Mauser dieser beiden jungen cf habe 
ich genau verfolgt, ebenso wie die der alten. Im Herbst 1908 
vor dem Wegzuge hatte ich 3 alte cf und 2 junge d* auf dem 
Balkon. Weibchen kamen viel seltener, auch konnte ich die 
Weibchen nur schwer unterscheiden. Die Männchen vertrugen 
sich im Herbst, abgesehen von kleinen Streitigkeiten aus Futter- 
neid, ziemlich gut und waren oft friedlich vereint. Im Frühjahr 
gab es erbitterte Kämpfe. Nur an kalten regnerischen Tagen kam 
es dann vor, dafs zwei oder gar drei gleichzeitig auf dem Balkon 
speisten. Das alte cf vom Park schlug stets alle in die Flucht, 
sein Erscheinen allein genügte schon, die anderen zu vertreiben. 
Diese Herrschaft behauptete es alle Jahre, auch jetzt 1911 noch. 
Wurden Junge gefüttert, so hörte die Streitlust der cf auf, auch 
das alte cf vom Park nahm dann wenig Notiz von den anderen. 
Die jungen cT flogen bald nach beendeter Mauser Ende September 
fort, die alten blieben noch etwas länger, am längsten blieb jedes 
Jahr das alte cf vom Park. Leider habe ich mir den Abzugs- 
termin 1908 nicht notiert. 

NundasJahrl90 9. Wir hatten damals einen strengen, 
hartnäckigen Winter. Erst Mitte März wurde es allmählich Früh- 
ling. Am 15. März erst sah ich die ersten Stare. Am 22. März 
beobachtete ich endlich mehrere Lerchen. Am 23- den ersten 
Trupp ziehender Finken und zwar wieder gegen den Wind nach 
OSO. Am 24. März erschienen zwei Finken cf auf dem Balkon. 
Ich erkannte sofort die beiden jungen cf, das „Wuschpel'' und 
das „stille cf ". Ersteres hatte bereits reines Frühlingskleid. Das 
Braun des Rückens war sehr dunkel, ebenso auch die übrige 
Färbung. Der Vogel war ebenso zutraulich wie im Jahre vor- 
her, zierlich in der Gestalt, bewegungslustig, auch das beständige 
Spielen mit den Scheitelfedern ! Das andere fiel auch jetzt 
wieder durch die breiten hellen Säume der Federn auf. Die 
Stirn war rein schwarz, auf dem Scheitel aber war das schöne 
helle Schieferblau noch zum Teil durch die inzwischen lichter 
gewordenen olivfarbenen Federsäume verdeckt. Der Rücken war 
ebenfalls viel lichter geworden, mehr olivengrau, während ein sehr leb- 
haftes Rotbraun hier und da bei verschobenem Gefieder durchblickte. 

Jonrn. f. Om. LX. Jahrer. April 1913. 12 



166 J. Thienemann: 

Sehr gute Studien über Lage des Gefieders konnte ich an den 
Vögeln auf dem Balkon machen, da sie sehr zutraulich waren 
und ich sie immer dicht vor mir hatte. Wie wundervoll glatt 
trugen sie ihr Gefieder! Viele Vogelmaler stellen die abgebil- 
deten Vögel möglichst ruppig und struppig dar, so etwa wie ein 
toter Vogel erscheint, wenn ihn recht ungeschickte Hände an- 
gefafst haben. Die schöuG streifige Zeichnung, die vielen Vogel- 
arten ihr charakteristisches Aussehen verleiht, ist in ausgepräg- 
tester Weise bei gesunden, in Freiheit befindlichen Vögeln zu 
bemerken. Im Sommer, wenn das Gefieder stark abgenützt ist 
und das Brutgeschäft dazu kommt, sowie auch in der Mauser- 
zeit ist das Gefieder oft so verschoben, dafs diese Zeichnung 
verloren geht. Auch bei den Finken war, solange die braunen 
Rückenfedern hellere Säume hatten, sehr deutlich eine streifige 
Zeichnung am Rücken zu erkennen. Im Sommer, wenn die braune 
Färbung des Rückens durch vollständiges Abnützen der Feder- 
kanteu rein zu Tage trat, war natürlich diese Zeichnung ver- 
schwunden. Am deutlichsten war sie im Herbstkleide nach voll- 
endeter Mauser. Der Schnabel war im Frühling bei der Rück- 
kehr der Vögel bereits hellblau. Diese beiden jungen cf waren 
nun wieder täglich auf dem Balkon. Bemerken will ich noch, 
dafs im Frühjahr, wenn die Vögel zurückkehrten, niemals ein 
Käfig mit Lockvogel auf dem Balkon war. Mein Fink war im 
Sommer 1908 eingegangen. Auch von Sperlingen wurde der Balkon 
wenig oder nicht besucht, da ich nur Rübsamen für die 
Finken, die ich im März erwartete, streute. Am 29. HL kamen 
2 alte cfcT zurück und zwar waren sie des Morgens früh schon 
da. Es waren „das alte cT vom Park'', welches die anderen 
wieder in die Flucht schlug, laut auf dem Balkon seinen frohen 
Schlag schmetterte und prachtvoll in Färbung und Gefieder war. 
Das andere alte cf war auch 1908 schon da; ich erkannte es 
gleich an der etwas stärker gekrümmten Firste des Oberschnabels, 
auch die Reste der lichten Federkanten am Hinterkopf waren 
wieder, wie im Frühjahr 1908 vorhanden. Nur war die Gesamt- 
färbung lebhafter, was besonders an den schwarzen Flügelfedern 
auffiel. Am 11. April erst kamen die Weibchen zurück. Vom 
12. April bis 2. Mai war ich verreist. In dieser Zeit ist vielleicht 
das 3. alte cf zurückgekehrt. Ich bekam es jedenfalls vorher 
nicht zu Gesicht, im Mai war es da. Es ist das cf mit 
den breiten, auffallend weifsen Säumen der Armschwingen; 
nennen wir es das „schöne cf". Bei meiner Rückkehr 
im Mai vermifste ich das „Wuschpel" und das „stille cT". Am 
19. Mai war Letzteres plötzlich wieder da, um aber nach einiger 
Zeit wieder zu verschwinden. Am 24. Mai vermisse ich das alte 
cf mit dem gebogenen Schnabel. Es hatte in einer Kastanie Nest 
mit Jungen. Ich erkundige mich vorsichtig und erfahre am 25. Mai, 
dafs in der Nachbarschaft ein mir bekannter Herr aus Versehen 
beim Spatzenschiefsen einen Finken angeflügelt hatte. Meine 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 16? 

Vermutung bestätigt sich, es war derselbe Vogel. Dafs Tierchen 
wurde im Käfig geflegt. Mir tat es sehr leid, meinen alten Be- 
kannten so wiederzusehen. Der Herr selbst hat es auch sehr be- 
dauert, aus Versehen den Finken geschossen zu haben. Das 9 
fütterte die Jungen allein grofs. Am 26. V. erschien ein ganz 
neuer Fink mit einem hellen Nackenstreif. Dieser Vogel war 
aufserordentlich frech-dreist, bifs alle anderen mit Wut weg, so- 
gar die 9 IJG^s er aus Futterneid nicht in Ruhe und war den 
ganzen Tag am Balkon. Dafs er den 9 gegenüber Paarungs- 
gelüste zeigte, habe ich nicht wahrgenommen. Die 9 fütterten 
damals Junge. Am 28. fing ich ihn, da er den Frieden gar zu 
sehr störte. Er reiste nach Breslau, wo er später allerdings aus 
der Haft entwich. Sein Benehmen trug ihm den schönen Namen 
„Lümmel" ein. Am 27. Mai erschien das „Wuschpel" wieder, 
ich hatte es die Wochen vorher nicht gesehen. Ende Juni kamen 
die Finken seltener und unregelmäfsiger. Am 18. Juli fütterte 
das „alte cT vom Park" noch nicht flügge Junge der 2. Brut, 
an diesem Tage kehrte auch das „stille cT" zurück, es war be- 
reits in Mauser! Sehr früh! Am 20. 7. sind drei Junge auf dem 
Balkon, darunter ein d*, welches besonders grofs und stark war. 
Damals kam von den alten Vögeln nur „das alte cT vom Park" 
und das „stille cf". Am 27. Juli erhielt ich von der Vogelwarte 
Rossitten einige Ringe für kleine Vögel, wofür ich hier noch- 
mals meinen besten Dank sage. Ich fing gleich das erst seit 
kurzer Zeit flügge gewordene cf und befestigte den Ring 959 am 
rechten Fufs. Am 29. Juli sah ich den Vogel zum ersten Mal 
wieder; er war nur einen Augenblick da. Das alte cT vom Park 
kam jetzt in Mauser. Am 31. Juli kam wieder nach längerer 
Abwesenheit das Wuschpel zurück; es war bereits stark in 
Mauser. Die grofsen Armschwingendecken waren bereits erneuert. 
Am 3. August kamen die Jungen des alten (f vom Park auf den 
Balkon, wo sie gefüttert wurden. Am 4. August kam der junge 
Vogel mit Ring 959. Er war sehr munter, sah glatt und schmuck 
aus. Von einem Unbehagen durch das Tragen des Ringes war 
nichts zu bemerken. Im Gegenteil, dieser junge Frechdachs bifs 
die alten Vögel vom Futter weg. Merkwürdigerweise mied er die 
kleine Stelle, wo er gefangen wurde, wenn auch dort der schönste 
Hanf lag. Von einem so jungen Vogel gewifs ein hoher Grad 
von Klugheit. Später hatte er es aber doch vergessen. Er blieb 
täglicher Gast. Am 18. August fing die Mauser bei ihm an. 
Ich habe nie gesehen, dafs er am Ring gepickt oder das Füfschen 
geschont hätte. Im August und September wurde der Balkon 
täglich stark frequentiert. Die alten Vögel kamen alle, auch 
einige 9> dazu eine ganze Anzahl Junge. Am 24. 8. kam ein 
junges cf, welches ich bis dahin nicht gesehen hatte. Es war 
stark in Mauser und benahm sich eben so frech wie der „Lümmel" 
im Mai. Es wurde gefangen, mit Ring 960 am linken Fufs ver- 
sehen, verschwand und ward nicht mehr gesehen. Im letzten 

12* 



168 J. Thienemann: 

Drittel des September verloren sich die jungen Vögel, bei denen 
die Mauser schneller von Statten ging wie bei den alten. In den 
letzten Tagen, ehe sie verschwanden, sahen die Vögel so glatt 
und schmuck aus, dafs ich daraus mit Sicherheit schliefsen kann, 
dafs die Mauser vollständig beendet war. Am 29. Sept. waren 
nur noch 3 alte cf da und zwar das alte cf vom Park, das Wuschpel 
und das stille cf. Letztere beiden verschwanden Anfang Oktober, 
das alte cf vom Park sah ich vom 13, Oktober an nicht mehr. 
Am 12. Oktober war es noch da. Zu meiner gröfsten Überraschung 
erschien aber am 16. Oktober das beringte junge cf mit Ring 959. 
Es war den ganzen Tag da, nahm viel Nahrung zu sich, war sehr 
munter und zutraulich. Am nächsten Tage sah ich es nicht mehr. 
Esblieb verschwunden un d kehrte auch im Frühjahr 1 9 10 nicht zurück. 
19 10. Der Winter war sehr mild. In den ersten März- 
tagen hatten wir NO.-Wind. Am 28. II. den 1. Star gesehen, 
am 1. März hörte ich bereits mehrere Lerchen singen. Am 
6. März sah meine Frau früh ein Finken cf auf dem Balkon. 
Meine Frau erkannte es sofort als das Wuschpel. Es trug reines 
Frühlingskleid. Der Kopf war schön schieferblau, der Rücken 
lebhaft dunkelrotbraun. Das Tierchen war so zahm und zutrau- 
lich, dafs wir in der offenen Balkontür stehen und es betrachten 
konnten, ohne dafs es Angst zeigte. Der Schnabel war hellblau. 
Es hielt sich den ganzen Tag auf dem Balkon auf und schien 
sehr hungrig gewesen zu sein. Es machte einen etwas müden 
Eindruck, schlofs auch zuweilen die Augen, war aber durchaus 
nicht krank. Es lockte laut und sang auch bald. Am nächsten 
Tage war es viel lebhafter. Es ist mir und meiner Frau öfters 
aufgefallen, dafs die Finken am ersten Tage nach ihrer Rück- 
kehr richtig müde erschienen und gewöhnlich die, welche sich 
zeitig am frühen Morgen einfanden. Sollten die Vögel die Nacht 
durch gezogen sein? Möglich ist es. Der Bergfink zieht des Nachts, 
denn ich habe schon znweilen in sternenklarer Nacht im freien 
Gelände seinen Lockruf gehört. 1909 erhielt ich ein Bergfink (f 
im Käfig. Dieser tobte im Frühjahr, besonders in der Zeit von 
Ende März bis etwa 10. April die ganze Nacht hindurch, genau 
wie die nachtsziehenden Sänger. Ich liefs ihn deshalb am 10. 
fliegen. Andere Bergfinken, die ich hielt, verhielten sich in dieser 
Hinsicht sehr verschieden. Buch- und Bergfinken ziehen aber 
hauptsächlich am Tage, wie ich dies seit vielen Jahren alljährlich 
sehr viel beobachten konnte. Wir hatten 1909, als der Berg- 
fink so heftig des Nachts tobte, im ersten Drittel des April Ost- 
winde. Ich sah damals grofse Scharen ziehender Finken, be- 
sonders am 4. April. Nach dem 12. April war der Finkenzug 
gleich Null. Nun weiter zu unseren Finken. Im März 1910 
bis etwa gegen Mitte des Monats hatten wir viel Ost-Wind. Am 
12. März kehrte das alte cf vom Park zurück. Im Sommer 
1909 verlor es wohl durch irgendwelche Zufälle zweimal nach- 
einander die rechte äufserste Schwanzfeder, die infolgedessen 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 169 

etwa Vi cm zu kurz blieb. Meine Aufmerksamkeit richtete sich 
nun auf diese Feder. Als der Vogel nach einiger Zeit mal den 
Schwanz breitete, bemerkte ich denn auch dieses besondere Kenn- 
zeichen gleich. Am 13. März war das stille cf zurückgekehrt. 
Auch bei diesem konnten wir deutlich Müdigkeit wahrnehmen. 
Es hatte, obwohl es doch schon ein alter Vogel war, auch jetzt 
wieder den hellen stark olivfarbenen Ton im Gefieder. Es war 
sehr schön in der Färbung, am Flügel fiel viel Gelb auf. Im 
April verschwand es leider und wurde nie mehr gesehen. Ob 
es verunglückte? Ich vermute, dafs es in der Nachbarschaft 
gefangen wurde. Vom 18. bis 22. März war ich verreist. Am 
23. März war früh das „schöne cT" da, mit den weifsen Säumen 
der Armschwingen. Am 25. März gesellte sich ein altes cf zu 
den anderen mit olivgrünem Kopf, wie im Winterkleid. Es war 
sonst sehr schön in der Färbung. Es kam auch in den nächsten 
Tagen hin und wieder, auch im Herbst einigemal. In diesem 
vermutete ich ein cT, welches am anderen Ende des Parkes seinen 
Standort hatte. Dort sah ich wenigstens oft ein cf mit oliv- 
farbenem Kopf. Ich sah es auch in diesem Frühjahr (1911) dort. 
Die Vögel lassen zuweilen nahe herankommen, sodafs man die 
Färbung erkennen kann. Die 9 kamen erst im April. Vom 
15. Mai bis 15. Juni war ich verreist. Nach meiner Rückkehr 
treffe ich an: 1. das alte cf vom Park, 2. das Wuschpel, 3. das 
schöne cf mit dem auffallenden Weifs im Flügel. Letzteres hat 
schon sehr stark abgenutztes Gefieder, wie in den Jahren vorher; 
dies ist also, ebenso wie die Schönheit der Färbung und vieles 
anderere zum Teil individuelle Anlage. Aufserdem kamen hin 
und wieder 9 und ausgewachsene Junge. Diese verschwanden 
bald. Das Wuschpel war am 21. Juli schon stark in Mauser. 
Es fütterte damals noch nicht flügge Junge im Park. Mit grofsem 
Eifer füttern die Eltern ihre Kinder. Unzählige Male legen sie 
am Tage den Weg zwischen Futterplatz und Nest zurück. Merk- 
würdigerweise war am 21. Juli das Wuschpel in ein Restaurant, 
welches sich unten im Hause befindet, geraten. Es ist mir ein 
Rätsel, wie es dahinein gekommen war. Glücklicherweise brachte 
der Wirt den Vogel zu uns herauf. Er wurde in einen Käfig 
gesperrt. Als ich nach Hause kam, erkannte ich das Wuschpel. 
Es war rührend anzusehen, wie der Vogel Futter nahm und ängstlich 
bestrebt war, aus dem Käfig herauszukommen, um seinen Kindern 
das Futter zu bringen. Die Gelegenheit war günstig ihm einen 
Ring anzulegen. Es erhielt 963 und wurde sofort in Freiheit 
gesetzt. Nach kaum V2 Stunde kam es wieder und trug wie 
vorher den Jungen Futter zu. Ich habe nie bemerkt, dafs es 
irgend welche Notiz vom Ringe nahm. Es war stets munter 
und fidel. Am|16. August fütterte das alte cf vom Park 
ein flügges Junges. Dies schien ebenso mutig und kampflustig 
zu sein wie sein Vater. Es focht einen Kampf mit einem jungen 
Wuschpel aus, der sehr drollig war. Im Herbst 1910 verliefsen 



170 J. Thienemann: 

uns die Finken früher wie sonst. Die Jungen verschwanden im 
September. Die alten cf Ende September und Anfang Oktober. 
Am 3. Okt. war nur das alte cf vom Park noch da. Von den 
alten zog jeden Herbst das „schöne cf " zuerst weg. Bemerkens- 
wert ist, dafs dieses auch im Frühjahr stets zuletzt ankam. Nach 
dem 3. Oktober sah ich auch das alte cf vom Park nicht mehr. 

19 11. Am 11. März kehrte das Wuschpel zurück, also 
auch dieses Jahr wieder als erstes. Noch ehe ich den Ring sah 
(ich sah die Vögel meist von oben), erkannte ich es. Der Vogel 
war sehr munter. Am 22. März kehrte das alte d* vom Park 
zurück. Es kündigte seine Ankunft durch lauten schmetternden 
Schlag an. In der Färbung erschien es mir dies Jahr besonders 
prachtvoll. 30. März. Das „schöne cT" mit den weifsen Säumen 
der Armschwingen angekommen. Es ist heller und leuchtender 
in der Färbung wie die anderen und in reinem Frühlingskleide. 
Anfang April schon vermifste ich das Wuschpel. Ich bekam es 
nicht mehr zu Gesicht. Sollte das arme Tierchen umgekommen 
sein? Ein 9 war dies Jahr schon im März da. 

Hoffentlich gelingt es mir, die Finken an einen Futterplatz 
bei meiner jetzigen Wohnung zu locken, damit ich meine Beob- 
achtungen fortsetzen kann. Wer einen geübten Blick hat, findet, 
dafs die Vögel alle individuelle Eigentümlichkeiten haben, nicht 
nur in der Färbung und Zeichnung, sondern auch in den Be- 
wegungen, Betragen und vielem anderen, was sich mit Worten 
nicht schildern läfst, wodurch man sie sehr gut unterscheiden 
kann. Ich kenne sämtliche Finken, die im Laufe der 4 Jahre 
meinen Balkon besucht haben, so genau, dafs ich jeden einzelnen 
aus dem Kopfe malen könnte mit allen Einzelheiten der Zeich- 
nung sowohl im Herbst- wie im Frühlingskleide. Noch eine Beob- 
achtung verdient Erwähnung. Lange bevor die 9 ankommen, 
zeigen die cT ein eigentümliches Betragen, besonders in den 
Morgen- und Abendstunden. Sie suchen dabei offenbar einen ge- 
eigneten Platz für __das Nest. Sichtlich erregt und lockend hüpfen 
sie zwischen den Ästen eines Baumes umher. Einige bestimmte 
Stellen werden dabei immer wieder aufgesucht, an solchen Stellen 
drehen sie sich wohl auch ein- oder zweimal herum, als prüften 
sie den Platz für die Anlage eines Nestes. An einer solchen 
Stelle, wo ich ein Finken cf öfters sich so benehmen sah, wurde 
auch tatsächlich ein Finkennest gebaut. Daraus könnte man wohl 
schliefsen, dafs die d* den Nistplatz suchen und bestimmen. Eine 
gewisse Regelmäfsigkeit im Wegzuge und in der Ankunft konnte ich 
bei meinen Finken konstatieren. So zog z, B. das alte cf vom Park 
alljährlich als letztes, nachdem es mit der Mauser schon längst 
fertig war, fort. Unmittelbar nach beendeter Mauser verlies uns 
das sogenannte „schöne cf", während dieses im Frühling zuletzt 
ankam. Das Wuschpel dagegen kehrte stets d. i. 3 Jahre nach- 
einander als erstes in die Heimat zurück. Die 9 kamen etwa 
2 bis 4 Wochen später. Die alten cf begannen die Mauser all- 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 171 

jährlich zu einer bestimmten Zeit, so z. B. hatte am 29. Juli das 
alte (f vom Park die grofsen Armschwingendecken und mittlere 
Tertiärschwingen verloren. Das Wuschpel verlor diese Federn 
zwischen 15. und 17. Juli. Die Jungen (der 2. Brut) begannen 
die Mauser etwa 4 Wochen nach dem Flüggewerden; die der 
ersten Brut verschwanden immer vom Schauplatz, während von 
denen der 2. Brut viele bis zum Wegzuge blieben, der früher er- 
folgte, wie bei den alten cf. Die Vögel beobachtete ich im Herbst 
stets mindestens solange, bis das glatte schmucke Gefieder er- 
kennen liefs, dafs die Mauser beendet war, einzelne der alten c? 
blieben dann auch wohl noch einige Tage. Ähnliche Beobach- 
tungen habe ich übrigens auch beim Steinschmätzer {Saxicöla 
oenanthe L.) und anderen Arten gemacht." So weit Natorp. 

Die folgenden Versuche mit Kleinvögeln geben uns über 
mancherlei Dinge Aufschlufs. Bemerkenswert ist besonders die 
Feststellung des Ausharrens von bestimmten Individuen an ein 
und demselben Orte, was gerade bei Meisen von Interesse 
ist. Die örtlichen Verschiebungen innerhalb des Meisenbestandes 
während der Zugzeiten sind meines Erachteus noch nicht ge- 
nügend beachtet und erforscht. 

Kohlmeise {Favus major). 

Nr. 1431. Gezeichnet am 14. Oktober 1910 in Lübeck 
durch Herrn W. Hagen in einem Garten. Die einzige, die 
beringt wurde. 

Am 8. Januar 1911 in demselben Garten, in demselben 
Fangbauer in Lübeck von Herrn Hagen wieder gefangen. 

Zeit: 2 Monate 24 Tage, (fast 3 Monate). 

Die Meise ist also im Winter an ihrer alten Stelle geblieben. 
Vogel munter und gesund, Bein intakt, schreibt Herr Hagen. 

Der Vogel wurde wieder freigelassen. 

No. 1426 und 1429. Gezeichnet in Lübeck durch Herrn 
W. Hagen und zwar No. 1426 am 21. Januar 1911. 
No. 1429 „ 19. „ 1911. 
Wieder gefangen an demselben Orte 
No. 1426 am 3. Februar 1911 nach 13 Tagen 
No. 1429 „ 22. Januar 1911 „ 3 „ 

Nr. 1579; 1580; 1582; 1583; 1585; 1587; 1588; 1591; 1592; 
1594; 1596; 1602; 1603; 1606. 

Diese 14 Kohlmeisen sind gezeichnet in Colombier, 
Neuchatel, Schweiz durch Herrn Professor A. Mathey Dupraz 
in seinem Garten und zwar 
Nr. 1579 (f am 16. 12. 1910. Wieder gefangen ebenda am 

20. 12. 1910 = 4 Tage. 
Nr. 1580 d* am 16. 12. 1910. Wieder gefangen ebenda am 21. 12. 
1910 = 5 Tage. 



172 J. Tbienemann: 

Nr. 1582 9 am 16. 12. 1910. Wieder gefangen ebenda am 23. 12. 

1910 und 28. 1. 1911 = 7 und 36 Tage. 
Nr. 1583 (f am 17. 12. 1910. Wieder gefangen ebenda am 19. 12. 

1910 = 2 Tage. 
Nr. 1585 9 am 17. 12. 1910. Wieder gefangen ebenda am 21. 12. 

1910 = 4 Tage. 
Nr. 1587 9 am 17. 12. 1910. Wieder gefangen ebenda am 20. 12. 

1910 = 3 Tage. 

Nr. 1588 9 am 18. 12. 1910. Wieder gefangen ebenda am 18. 1. 

1911 = 31 Tage. 

Nr. 1591 cf am 20. 12. 1910, Wieder gefangen ebenda am 22. 

12. 1910 = 2 Tage, 
Nr. 1592 cT am 21. 12. 1910. Wieder gefangen ebenda am 14. 1. 

1911 = 24 Tage. 
Nr. 1594 cT am 22. 12. 1910, Wieder gefangen ebenda am 22. 

12. 1910 = Tage. 
Nr. 1596 9 am 23. 12. 1910. Wieder gefangen ebenda am 24. 12. 

1910 = 1 Tag. 

Nr, 1602 cf am 26. 12, 1910. Wieder gefangen ebenda am 4, 1. 

1911 = 9 Tage. 

Nr. 1603 9 am 26. 12. 1910. Wieder gefangen ebenda am 14. 1. 

1911 = 19 Tage. 
Nr. 1606 cf am 1. 1. 1911. Wieder gefangen ebenda am 28. 1. 

1911 = 27 Tage. 

Haubenmeise (Farus crisiatus) . 

Nr. 1599. Gezeichnet am 24. 12. 1910 in Colombi er, 
Neuchatel, Schweiz durch Herrn Professor Ä. Mathey Dupraz 
in seinem Garten. 

Wieder gefangen am 24. und 26. Dezember 1910, also an 
demselben Tage, an dem sie markiert wurde, und zwei Tage später. 

S u m p f m e i s e (Farus palustris). 

Nr. 1619. G ez ei c h n et am 16. Januar 1911 in Colom- 
bier, Neuchatel, Schweiz durch Herrn Professor A. Mathey 
Dupraz in seinem Garten, 

Wieder gefangen am 28. Januar 1911, also nach 12 Tagen. 

Kleiber (Sitta caesia) . 

Nr. 482. Gezeichnet am 16. August 1910 im Zoolo- 
gischen Garten in Berlin durch Herrn Dr. Heinroth. Der Vogel 
wog 24 Gramm, war in bestem Zustande, mauserte das Klein- 
gefieder noch etwas. 

Am 16. Januar 1911 wieder im Zoologischen Garten in 
Berlin in einer Sperlingsfalle gefangen. Wog wieder 24 Gramm 
und war wieder in demselben guten Körperzustande. Der Fufs- 
ring ganz glänzend, geradezu poliert. Das Bein von tadelloser 
Beschaffenheit. Der Vogel erhält die Freiheit wieder. 

Zeit: 5 Monate. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 173 

Nachricht durch Herrn Dr. Heinroth, Berlin. Der Vogel 
ist also an derselben Stelle geblieben. Das Zeichnen hat ihm 
nichts geschadet. 

Heckenbraunelle (Accentor modularis). 

Nr. 1428. Gezeichnet am 19. Januar 1911 in Lübeck 
durch Herrn W. Hagen. 

Wieder gefangen am 26. Januar und 6. Februar 1911 nach 
7 und 18 Tagen an derselben Stelle. 

Rotkehlchen (Dandalus ruheculus). 

Nr. 1610. Gezeichnet am 4. Januar 1911 in Colombier, 
Neuchatel, Schweiz von Herrn Professor A. Mathey Dupraz 
in seinem Garten. 

Wieder gefangen am 8. 1. 1911, also nach 4 Tagen. 
Am 3. Februar 1911 ist der Vogel wieder da. 

Rauchschwalbe (Hirundo rusiica). 

Am 19. Juni 1910 setzte sich auf dem Fensterkopfe eines 
Hauses in Rossitten eine Rauchschwalbe (Hirundo rustica) 
nieder, die ich von der Stube aus auf etwa V» ^ Entfernung 
beobachten konnte. Sie trug am Fufse einen Ring und war ganz 
normal munter. Vielleicht war es das Stück, das am 24. Mai 1910 
im Vogelwartengebäude gezeichnet wurde, wo es ins Zimmer 
geflogen war. Ein altes Exemplar. Ferner wurden auch am 
8. Juni 1909 2 Rauchschwalben in Rossitten markiert. Genaueres 
läfst sich nicht sagen, da die Nummer nicht festgestellt wurde. 
Der Fall wird nur erwähnt, weil jede Beobachtung von Ring- 
vögeln, besonders von beringten Kleinvögeln draufsen in der 
freien Natur bei ihrem Tun und Treiben von Wert ist. Meist 
erkennt man den Ringvogel erst als solchen, wenn man ihn 
in der Hand hat, aber man will gerade noch mehr Erfahrungen 
darüber sammeln, ob die Ringträger ein Benehmen zur Schau 
tragen, das von dem ihrer unberingten Artgenossen irgendwie 
abweicht. Bis jetzt ist allerdings noch nichts bekannt geworden, 
was für eine abweichende Lebensweise spräche. Alle Gegen- 
behauptungen sind einfach aus der Luft gegriffen. 

Auch die folgende Beobachtung soll aus demselben oben 
angeführten Grunde hier Platz finden: 

Herr Lehrer Asmus, Hamburg 31, Osterstr. 170 II teilt 
unterm 19. August 1910 mit, dafs er am 3. August 1910 Rauch- 
schwalben (Hirundo rustica), die schon flugfähig waren, im 
Neste mit Vogelwartenringen gezeichnet hat. Am 11. August 
hatte er Gelegenheit, die beringten Jungen draufsen auf einem 
dürren Zweige zu beobachten. Die Alten trugen ihnen hin und 
wieder Futter zu. 



174 J. Thienemann: 

X. Eismöwe {Larus glaucus) und Flufsseeschwalbe (Stema 

hirundo). 

Im Winter werden ab und zu am Seestrande bei Rossitten 
E i s m ö w e n ganz unverletzt im Netze gefangen. Die Vögel 
ziehen am Strande entlang und fallen bei den Köderfischen ein. 
Von diesen grofsen Tieren markierte ich im Winter 1909/10 
fünf Stück. Trotz dieser geringen Anzahl liegt schon jetzt ein 
Resultat vor: 

Nr. 1922, ein junges Stück, wurde am 10. Februar 1910 
markiert, und am 27. März 1911 bei Li bau in Kurland ge- 
schossen. Voraussichtlich beim Rückzuge nach der nördlichen 
Heimat. So ist der Vogel 1910 und 1911 dieselbe Strecke am 
Seestrande entlang gewandert. 

Nachricht mit King durch Herrn 0, vonArnim,Libau, 
Thomasstr. 35. 

Entfernung: 152 km. 

Zeit: 1 Jahr, 1 Monat, 17 TagCc 

Flu fs -Seeschwalbe {Stema hirundo). 

Nr. 3270. Gezeichnet am 16. Juli 1910 auf dem 
Rossittener Möwenbruche. 

Am 6. August 1910 bei Nidden, Kurische Nehrung, am Haff 
vom Forstaufseher Herrn Woyke geschossen. 

Ring wird durch den Schützen eingeschickt. 

Der Vogel hat sich nach dem Ausfliegen in der Umgegend 
umhergetrieben. Nidden liegt nördlich von Rossitten. 

Entfernung: 22 km. 

Zeit: 21 Tage. 

XI. Pfeifente {Anas penelope). 

Nr. 4924. Im Sommer 1910 als halbzahme Lockeute für 
den Entenfang von Herrn H. J. Louwes in Westpolder, 
Gemeinde Ulrum, Provinz Groningen, Holland markiert. 

Im Herbst 1910 (Oktober) etwa 10 Stunden vom Markierungs- 
ort gefangen. 

Nr. 4927. Gezeichnet: ebenso wie das vorige Stück. 

Im November 1910 in einer Entenkoje bei Ellemeet 
auf Schouwen, Provinz Zeeland, Holland gefangen. 
Die Ente ist also an der Küste entlang nach SW. weiter ge- 
zogen. 

Nachricht durch Herrn Dr. E. D. van o r t , Leiden. 

Entfernung: ca. 250 km. 

Diese beiden Pfeifentenfälle sind für die Vogelzugsforschung 
ohne besondere Bedeutung. Sie haben allgemeines Interesse, 
denn sie zeigen, wie weit solche halbzahmen Lockenten umher- 



X, Jahresbericht der Vogelwarte Kossitten. 175 

streichen. Die Entenkojenbesitzer wollten darüber gern Auskunft 
haben. Nun wissen sie Bescheid. 

XII. Sperber {Accipiter nisus). 9 juv. 

Nr. 249. Am 29. September 1910 kurz vor 11 Uhr mittags 
bei Schaffhausen durch Herrn G, von Burg in Ölten, Schweiz 
gezeichnet. 

Am 2. Oktober 1910 wurde dieser Sperber im Hause 
des Herrn Direktor Schindler in Neuhausen am Rhein- 
fall bei Schatfhausen gefangen, als er auf einen in einem Vogel- 
bauer befindlichen Kanarienvogel stiefs. Ein Zeichen wie un- 
behindert sich der Vogel gefühlt hat! Herr Direktor Schindler 
schickt gütigst den ganzen ausgestopften Sperber ein. 

Entfernung: Markierungs- und Erbeutungsort dicht 
zusammenliegend. 

Zeit: 3 Tage. 

Xin. Amsel {Turdus merula). 

Seit einigen Jahren führt Herr Garnier in Homburg 
von der Höhe in dankenswerter Weise einen Beringungsversuch 
mit Schwarzamseln durch, indem er Nestjunge dieser Art 
markiert. 

Bis jetzt ist noch kein Ringvogel am Brutorte wieder be- 
obachtet worden. Herr Garnier nimmt daher an, dafs die 
jungen Amseln sehr bald den Brutort verlassen und auch im 
nächsten Frühjahre nicht zurückkehren, dafs dagegen die alten 
Vögel gröfstenteils Standvögel sind. Es wird in dem einge- 
schickten Berichte von dem genannten Beobachter darauf hin- 
gewiesen, dafs die Versuchsstation für Vogelschutz in Seebach 
mit ihrem Amselversuche bis jetzt zu denselben Ergebnissen 
gekommen ist. 

TTntersucliungen über den Zug der Waldschnepfe 

(Scolopax riisticola) im Herbst 1909 und 1910 in den 

Provinzen Ostpreufsen, Westpreufsen und Posen^ 

ffierzu Tafel 6. 

Im VHI. Jahresberichte der Vogelwarte Rossitten findet 
sich der Bericht über eine in der Nacht vom 16. zum 17. Ok- 
tober 1908 über Ostpreufsen hinweggegangene aufsergewöhnlich 
starke Zugwelle von Waldschnepfen. Das dazugehörige Beob- 
achtungsmaterial verdankte ich dem Entgegenkommen der König- 
lichen Regierungen Ostpreufsens in Königsberg, Gumbinnen und 
Allenstein. Ebenso hatten auf einen erlassenen Aufruf hin noch 
eine Anzahl Privatpersonen Notizen eingeschickt. Auf Grund 
des angesammelten Materiales konnte eine Karte entworfen 



176 J. Thienemann: 

werden, die den Scbnepfenzug, wie er an jenen kritischen 
Oktobertagen in Ostpreufsen vor sich gegangen war, klar und 
deutlich vor Augen führt. Nach den beiden Haffen hatten die 
Schnepfenmassen hingedrängt. Dort lagen sie, von Memel an 
bis auf die frische Nehrung, an jenen Tagen zu Tausenden, 
während der östliche und südliche Teil der Provinz Ostpreufsen 
von dem Einfall fast ganz verschont geblieben waren. Als die 
Karte fertig war, konnte man ein Bedauern darüber nicht unter- 
drücken, dafs nicht auch die folgenden Provinzen, zum mindesten 
Westpreufsen und Posen, in den Beobachtungsbereich mit hinein- 
gezogen waren. Dann hätte man den örtlichen Verlauf dieses 
seltenen Massenzuges sicher weiter verfolgen können. Und wenn 
der vorliegende Bericht von 1909 und 1910 seiner Bestimmung 
gemäfs in die Hände der Herren Revierverwalter von West- 
preufsen und Posen kommt und erweckt in den Jägerherzen 
noch Erinnerungen an jenen denkwürdigen 17. Oktober 1908, 
dann wäre die Vogelwarte Rossitten für freundliche Mitteilungen 
sehr dankbar. Vielleicht läfst sich sogar jetzt noch die Zugbahn 
etwas weiter verfolgen, denn wer jenen grofsen Schnepfentag im 
Revier mit erlebt hat, der vergifst ihn sein Lebtag nicht wieder 
und vermag auch jetzt noch sichere Angaben zu machen. *) 

Um die damalige Versäumnis nachzuholen, wandte sich die 
Vogelwarte zwecks Beobachtung des Schnepfenzuges auch in den 
Jahren 1909 und 1910 an die Königlichen Regierungen, und zwar 
nicht nur an die von Ostpreufsen, sondern auch von Westpreufsen 
(Danzig, Marienwerder) und Posen (Posen, Broraberg).^) Sie fand 
überall geneigtes Entgegenkommen, und so liegt mir nunmehr 
durch freundliche Vermittelung der Herrn Revierverwalter ein um- 
fangreiches Beobachtungsmaterial über den Herbstzug der Wald- 
schnepfe in den Jahren 1909 und 1910 aus den Staatswaldungen 
der oben genannten drei östlichen Provinzen vor. Da treibt es 
mich zunächst, den beteiligten Kreisen für alle Mühewaltung im 
Namen der Vogelwarte Rossitten den schuldigen Dank abzustatten. 
Die Vogelzugsforschung kann nun einmal der tätigen Mithilfe 
der Jägerwelt nicht gut entbehren. 

Nun seien erst ein paar Worte im allgemeinen über das 
angesammelte Beobachtungsmaterial gestattet. Man mufs sich 



1) Nachträglich will ich hier noch mitteilen, dafs Prof. P o n c y 
in Genf, der sich damals für diesen Massenzug der Waldschnepfe sehr 
interessierte, nach eingezogenen genauen Erkundigungen glaubt annehmen 
zu dürfen, dafs diese Zugwelle auch in seiner Gegend vorbeigegangen ist, 
und zwar zwischen Jura und Alpen. Nun, Rossittener Ringvögel (Lach- 
möwen, Strandvögel) sind ja schon öfter in dieser südwestlichen Ecke 
erbeutet worden. 

2) Ich bin mir wohl bewufst, dafs auch dieses Gebiet zu solchen 
Untersuchungen noch zu klein ist. Aber man kann ja erst mal klein 
anfangen. J. Th. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 177 

vor seiner Überschätzung hüten und darf nicht etwa aus jeder 
kleinen Übereinstimmung zwischen zwei örtlich weit von einander 
getrennten Beobachtungsstellen irgendwelche wichtigen Schlüsse 
ziehen wollen. Wenn z. B. zwei Oberförstereien, von denen die 
eine im nordöstlichsten Winkel Ostpreufsens, die andere in der 
Südwestecke Posens liegt, angeben, dafs der 11. Oktober 1909 
ein „sehr guter Schnepfentag" gewesen sei, so dürfen wir darauf- 
hin nicht befriedigt ausrufen: „Halt ich hab's! Der Zug ist in 
südwestlicher Richtung durch Ost-, Westpreufsen und Posen quer 
durch Deutschland hindurchgegangen". Das wäre übereilt. Man 
bedenke doch, wie solches Beobachtungsmaterial entsteht. Was 
ist ein „sehr guter" Schnepfentag? Für den Inhaber eines bevor- 
zugten Schnepfenreviers fängt er erst bei der 20, oder 30. Schnepfe 
an, die an einem Vormittage vor dem Hunde aufsteht, und der 
in einer mageren Schnepfenecke sitzende Jäger ist schon bei dem 
4. oder 5. Langschnabel, den er zu Gesicht bekommt, ganz aufserm 
Häuschen und segnet den Tag als einen „sehr guten", wo solches ge- 
schieht. Ferner hat eigentlich nur der Jäger einen vollständigen 
Überblick über den Verlauf des Schnepfenzuges während einer Zug- 
periode, der täglich mit einem guten Hunde die Suchjagd ausübt. 
Dem können die guten Einfallstage nicht entgehen, der kennt die 
Nächte, wann neuer Zuzug stattgefunden hat und dergl. mehr. Zu 
solcher intensiven Beobachtung hat natürlich nicht jeder Forstmann 
die nötige Zeit. Alles dieses mufs der Bearbeiter solchen Materiales 
sich immer vor Augen halten. Immerhin bieten die durch Umfrage 
gewonnenen Daten, zumal die Jägerwelt gerade an der Wald- 
schnepfe so reges Interesse nimmt, eine sehr gute, vielleicht die 
einzige Möglichkeit, über den Zug dieses Jagdvogels mehr Klar- 
heit zu gewinnen. Ja, wenn wir erst so weit wären, dafs wir eine 
gröfsere Anzahl beringter Schnepfen in der Luft umherfliegen 
hätten, dann wäre das Spiel gewonnen, denn die Erlegung einer 
einzigen markierten Waldschnepfe könnte uns unter Umständen 
mehr Aufklärung bringen, als dicke Stöfse mühsam gesammelten 
Beobachtungsmateriales. 

Bei meinen Eingaben an die Königlichen Regierungen hatte 
ich gebeten, vor allem folgende Fragen zu berücksichtigen: 
1. Wann ist die erste und wann die letzte Zugschnepfe beobachtet 
worden? 2. Wann fanden Haupttage statt? Das heilst, welche 
Nächte brachten einen ganz besonders starken Schnepfen- 
zuzug von auswärts? Wie lange hielten sich die Vögel im Reviere 
auf? Und wann zogen sie weiter? Welches war die Witterung 
an solchen Haupttagen? 3. Bemerkungen über sonstige Beob- 
achtungen? Nr. 2. ist entschieden die Hauptfrage, denn sie kann 
unter Umständen über den ganzen Verlauf des Zuges, vor allem 
über die Zugrichtung Aufschlufs geben, wie die oben erwähnte 
Karte vom 17. Oktober 1908 zeigt. Nur müssen's aber wirkliche 
Haupttage sein, die sich aus ihrer Umgebung deutlich heraus- 
heben. Es soll gleich von vorn herein bemerkt werden, dafs 



178 J. Thienemann: 

solche ausgezeichneten Haupttage, wie sie jedem aufmerksamen 
Jäger sofort auffallen, weder im Herbste 1909 noch 1910 im Beob- 
achtungsgebiete vorgekommen sind, weshalb die Vogelwarte Ros- 
sitten gezwungen ist, auch noch weiterhin bei der Schnepfenzugs- 
forschung die freundliche Unterstützung der staatlichen Organe 
in Anspruch zu nehmen, bis einmal ein sogenannter „grofser Tag'' 
abgefangen wird, der sich über weite Ländergebiete erstreckt. 
Der vermag uns dann den Weg zu zeigen und in der Erkenntnis 
vorwärts zu bringen. 

Tage, an denen mehr Schnepfen als gewöhnlich ganz plötz- 
lich im Reviere auftraten, sind allerdings auch in dem vorliegenden 
Beobachtungsmateriale verzeichnet, und wir werden sehen, dafs 
wir daraus schon recht bemerkenswerte Schlüsse ziehen können. 

Nun soll zunächst das angesammelte Beobachtungsmaterial 
folgen; erst das vom Jahre 1909, darunter das von 1910. Ich 
habe aus den eingegangenen Berichten die Hauptsachen heraus- 
gezogen und nach den oben genannten Fragen geordnet. 

Manche Berichte, die besonders wertvolle Beobachtungen 
enthalten, sind ungekürzt eingefügt. Die Beobachtungsorte sind 
zum bei weitem gröfsten Teile Königliche Oberförstereien. Bei der 
Aufzählung gehen wir von der nordöstlichsten Ecke Ostpreufsens 
in Querstreifen nach Süden zu vorwärts; genau wie damals 
im VIII. Jahresberichte. Zum Verständnis ist es unbedingt not- 
wendig, immer die beigegebene Karte einzusehen. 

1909. Klooschen, erste Schnepfe 23. September, letzte 8. November, 
Hauptzug 10. und 11. Oktober. In den Nächten vom 9. zum 
10. und 10. zum 11. Oktober Hauptmassen angekommen. In 
den nächsten Nächten weitergezogen. Windrichtung in den 
Reisenächten SSO, schwach. Wetter schön. Der Zug ging 
in diesem Jahre sehr allmählich vor sich. 

1910. Klooschen, erste Schnepfe letzte Septemberwoche, letzte: am 
19. Oktober bei eintretendem starken Ostwind war der Zug 
beendet, Hauptzug 5. und 7. Oktober, aber keine Massen. Zug 
ging allmählich vor sich, ohne besondere Haupttage. 

1909. Rossitten. (Den gröfsten Teil der Kurischen Nehrung um- 
fassend.) Erste Schnepfe Ende September, letzte 9. November, 
Hauptzug 10., 11., 25., 26., 28. Oktober und 2. November. 
Schnepfenzuzug fand statt in den Nächten vom 9. zum 10., 10. 
zum 11., 24. zum 25-, 27. zum 28. Oktober 1. zum 2. November. 
Der Abzug fand statt in den Nächten vom 10. zum 11., 11. zum 
12., 26. zum 27., 28. zum 29. Oktober, 2. zum 3. November; 
also immer in der nächsten Nacht weitergezogen. Die 
Schnepfen wurden durch östliche Winde gebracht. Zug verlief 
gleichmäfsig ohne „grofse Tage". Brutschnepfen kommen ver- 
einzelt vor. 

1910. Rossitten. Hauptzug 3., 4., 5., 7., 11., 17., 22. Oktober, 
3. November. Schnepfenzuzug von auswärts in den Nächten 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 179 

vom 2. zum 3,, 3. zum 4., 10. zum 11., 21. zum 22. Oktober, 
2. zum 3. November. 

Aasführllcher Bericht von Ulmenhorst bei Rossitten vom Herbst 1909. 

Durch eine Dienstreise nach Helgoland war ich verbindert, 
im September, sowie in der ersten Hälfte des Oktober Beob- 
achtungen in Rossitten persönlich anzustellen. Der erste Schnepfen- 
tag, den ich im Herbste 1909 erlebte, warder 25. Oktober. Es sei 
dazu bemerkt, dafs mir in der Umgebung von Ulmenhorst nur 
verhältnismäfsig kleine, vereinzelt stehende Birkenbestände zum 
Suchen und Beobachten zur Verfügung stehen. Der eigentliche 
Wald bei Rossitten selbst ist der Vogelwarte verschlossen. Ich 
habe mich deshalb mit dem im Waide suchenden Beamten in 
Verbindung gesetzt und meine Beobachtungen mit den seinigen 
verglichen. 

Was läfst sich nun über die dem 25. Oktober voraus- 
gehende Witterung sagen ?^) 

Der 2 4. Oktober war ein heller schöner Tag mit gutem 
Krähenzuge in der Luft. 

Temperatur früh 8,8, mittags 13,1, abends 10,4<^ C. 

Der Wind wehte aus SSO mit 3,8 dann 6,2 m p. Sek. und 
abends mit Stärke 5. 

Als ich in der Nacht vor die Hütte trete, ist der Himmel 
mond- und sternenhell , und ich höre mehrfach den Lockton 
ziehender Drosseln aus der Luft herabtönen. Das ist für den 
Schnepfenjäger immer ein gutes Zeichen; denn wenn Drosseln 
kommen, dann kommen auch Schnepfen. Am Morgen des 
25. Oktober sind denn auch in den Büschen Drosseln anzu- 
treffen, die in den letzten Tagen ganz gefehlt hatten und 
bald werden auch, wie erwartet, Schnepfen von mir gefunden; 
ebenso auch im Walde. Auch auf dem Abendzuge werden noch 
zwei Stück gesehen. Die eine streicht sehr schnell nach N, 
die andere nach S., beide etwa in einer Höhe von 30 m. 

Der Wind steht am 25. aus SSW etwa 3 m p. S. 

Temperatur: 8,1 ; 10,4 ; 8,3". Himmel bedeckt, trübe. 

Mäfsiger Vogelzug. 

An den Tagen vor dem 25. Oktober waren keine Schnepfen 
vorhanden ; alle sind in der Nacht vom 24. zum 25. angekommen. 

In der Nacht vom 25. zum 26. Himmel bedeckt, Mond durch 
die Wolken sichtbar. Drosseln in der Luft ziehend. 

2 6. Oktober: Windrichtung und -stärke: 
WSW 2,4; WSW 3,8 m; W. 1. 



1) Die genaue Schilderung der folgenden Tage siehe im IX. Jahres- 
berichte der Vogelwarte Rossitten (Journ. f. Orn. Juliheft 1910 p. 695 ff.). 

J. Th. 



180 J. Thienemann: 

Temperatur: 8,0; 10,6; 7,5<>; zunächst bedeckt; dann 
gegen 10 vorm. aufklarend, teilweise Sonnenschein. Von 2 nachm. 
an wieder trübe. 

Guter Vogelzug in der Luft. 

Die Schnepfen sind noch da, ebenso die Drosseln. 
Ob es die alten von gestern sind, oder neue hinzugekommene, läfst 
sich mit Bestimmtheit nicht feststellen. Ich möchte das Erstere 
annehmen. Ein erlegtes, sehr schwaches Männchen hat im 
Magen 7 Elateridenlarven, einige Fliegenlarveu und zerkleinerte 
Insektenreste. 

In der Dämmerung beobachte ich, wie Drosseln nach S 
abziehen, höre auch welche in der Nacht ziehen (Himmel bedeckt, 
Mond scheint durch die Wolken; ziemlich hell draufsen ; einige 
Regentropfen). 

27. Oktober: Windrichtung und -stärke: früh 
fast windstill, dann ONO 2,5 m p. Sek., abends NO 2. 

Temperatur: 3,0; 10,5; 8,5 <>; früh Reif; sehr kühl. Ein 
herrlicher klarer Herbsttag. 

Krähenzug sehr hoch. 

Die meisten Schnepfen, ebenso Drosseln und 
Zaunkönige von gestern sind in der vorigen Nacht weiter 
gezogen. Ich finde nur noch l Waldschnepfe. 

In der Nacht vom 27. zum 28. sehr hell, fast Vollmond, 
sternenklar. Von ziehenden Vögeln nichts bemerkt, auch gegen 
die mit dem Glase lange beobachtete Mondscheibe nichts gesehen. 

2 8. Oktober: Windrichtung und -stärke: OSO 
5,3 m; SO 5,2 m; SO 5,4 m. 

Temperatur: 8,6; 11,1; 8,6^; meist hell. 

Mäfsiger Krähenzug, ziemlich viel Raubvögel ziehend. 

In der vorigen Nacht neuer Schnepfenzu- 
z u g. Es werden sowohl Männchen als auch Weibchen auf der 
Suche geschossen. 

Die Nacht vom 28. zum 29. mond- und sternenhell ; starker SO. 

2 9. Oktober: Windrichtung und -stärke: SSO 
6 m; SO 4 m; SO 2,9 m p. S. 

Temperatur: 7,3; 11,3; 9,8°. Wieder ein schöner 
heller Tag. 

Guter Krähen- und Raub Vogelzug. 

Die Schnepfen scheinen in der vorigen Nacht alle fort- 
gezogen zu sein. Auch das K 1 e i n v o g e 1 1 e b e n ist in den 
Büschen fast ganz erstorben. Keine Schnepfe gefunden. 

30. Oktober: Windrichtung und -stärke: SSO 
6,7 m; SSO 5,6 m; SO 4. 

Temperatur: 9,0; 11,7; 8,4"; heller Tag, aber starker 
kühler Wind. 

Mäfsiger Krähenzug. 

In den Büschen ganz wenig K 1 e i n v ö g e 1. Keine 
Schnepfen. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 181 

31. Oktober: Windrichtung und -stärke: SO 5; 
SO 5; SO 5. 

Temperatur: 5,5 ; 8,9 ; 7,0 «; heller Tag. 

Guter Krähen- und Raubvogelzug. 

Ich bin im Dorfe Rossitten, kann also bei Ulmenhorst 
nicht selbst beobachten. Von Schnepfen wird nichts bemerkt. 

1. November: Windrichtung und -stärke: 
SSO 3,5 m; SW 2,4 m; WSW 2,4 ra. 

Temperatur: 6,1; 8,2; 8,2°; meist bedeckt. 

In den Büschen ist's tot. Keine Drosseln, keine Rotkehlchen. 
Auch keine Sehnepfen. Nacht vom 1. zum 2. November 
dunkel, ohne Sterne, fast windstill. Gegen 10 Nachts schwacher 
Regen. Das Barometer steigt aber. 

2. November: Windrichtung und -stärke: 
NO 3,7 m; 2,1 m; SO 2. 

Temperatur: 7,8; 7,8; 7,6<'; bedeckt; ein trüber Tag. 

In der Luft wenig Zug, aber in den Büschen herrscht Leben. 

In der vorigen Nacht sind viel Kleinvögel angekommen, 
besonders Zaunkönige, Rotkehlchen, Goldhähnchen, 
Baumläufer und auch Schnepfen. Ich finde in kurzer 
Zeit auf beschränktem Räume 5 Stück. Ein guterSchnepfentag. 

Nacht vom 2. zum 3. November dunkel, ohne Sterne, fast 
windstill. 

3. November: Windrichtung und -stärke: 
SSW 4,2 m; SSW 4,3 m; S 4. 

Temperatur: 8,2; 8,5; 8,0°; bedeckt; ein trüber, duns- 
tiger, feuchter Tag. 

Ganz wenig Vogelzug. 

In den Büschen ist das Leben gegen gestern mehr er- 
storben. Die meisten K 1 e i n v ö g e 1 sind in der vorigen Nacht 
abgezogen, mit ihnen auch die Schnepfe n. 

Von da ab keinen neuen Schnepfeneinfall mehr beobachtet. 

Zusammenfassung für Rossitten 190 9. 

Für das Rossittener Revier fand Schnepfenzuzug statt in 
den Nächten vom 

24. zum 25. Oktober. 
27. „ 28. „ 
1. „2. November. 
So waren also Haupttage, an denen viel Schnepfen zu 
finden waren, der 25. (auch noch 26.) und 28. Oktober und der 
2. November. 

Die Schnepfen wurden immer durch östliche Winde 
(SSO, NO, OSO) gebracht. 

Gewöhnlich blieben sie nur einen Tag im Revier liegen, um 
in der nächsten Nacht weiter zu wandern. Der Abzug erfolgte 
in den Nächten vom 

JMS. f. On. LX. Jahig. AprU 1912. 13 



182 J. Tbienemann : 

26. zum 27. Oktober. 
28. „ 29. 
2. „ 3. November. 
Von den 6 Zugnächten (bei Ankunft und Abzug der 
Schnepfen) sind in meinem Tagebuche 3 als „mond- und sternen- 
hell" bezeichnet, eine als „bedeckt, aber ziemlich hell" und 2 
als „dunkel ohne Sterne". So sind also die Schnepfen sowohl in 
hellen als auch dunkeln Nächten gezogen. 

Mit den Schnepfen zusammen kamen immer Kleinvögel 
(Drosseln, Rotkehlchen, Zaunkönige, Goldhähnchen) in den Büschen 
an und waren mit den Schnepfen auch immer ganz oder teilweise 
wieder verschwunden. 



iasführllcher Bericht von ülmenhorst bei Rossitten vom Herbst 1910. 

3. k 1 b e r : 1) Nach vorausgegangenen westlichen und 
südwestlichen Winden heute Ostwind: SO 3; 4; SO 4. 

Temperatur: 8,3; 13,0; 11,8°; schöner heller Tag, 
Sonnenschein. 

Guter Schnepfe ntag. Gleichzeitig viel Drosseln 
und Rotkehlchen in den Büschen. 

In der Nacht vom 3./4. Regen. 

4. Oktober: SW 3; SW 3; SW 4. 
Temperatur: 11,7; 11,1; 10,2^'. Regenschauer. In der 

Nacht ist der Wind umgeschlagen, Regen hat eingesetzt. 

Viel Schnepfen, auch K 1 e i n v ö g e 1 da. Es kann 
vorige Nacht neuer Zuzug stattgefunden haben. 

In der Nacht vom 4./5. Regen. 

5. Oktober: NO 4; N 4; NO 2. 

Temperatur: 9,1; 12,9; 9,7"; schönes helles Wetter. 
Schnepfen nach Meldung der Oberförsterei zahlreich im 

Reviere. 

In der Nacht 5./6. sternenhell. 

6. Oktober: SW 4; W 4; NW 4. 
Temperatur: 12,2; 12,6; 12,7 ">. Sprühregen. 
Schnepfen nicht gefunden. In den Büschen sehr wenig 

Leben. 

7. Oktober: NO 1; NW 4; W 3. 

Temperatur: 6,9; 13,5; 11,9«; heller Tag. 

Persönlich nichts von Schnepfen bemerkt. Die Ober- 
försterei meldet sie als verhältnismäfsig zahlreich. Wenig Dros- 
seln und Rotkehlchen in den Büschen. 



1) Die Angaben über den allgemeinen Vogelzug sind im I. Teile des 
X. Jahresberichtes unter den Beobachtungen von Ülmenhorst nachzulesen. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 



183 



Fast immer bedeckt, 
neuer Zuzug. Sehr 



8. Oktober: W 4; SW 4; S. 4. 
Temperatur: 12,0; 12,9; lO,?«. Es droht Regen. 
Ein ganz toter Tag. 

9. Oktober: W 4; W 5; W 5. \ Ich bin in Rossitten 

10. Oktober: W 7; NW 4; W 1. | und kann in Ulmen- 
horst nicht selbst beobachten. Von Schnepfenzug ist mir 
nichts bekannt geworden. 

11. Oktober: 4; 02; 5. 
Temperatur: 9,3; 12,0; 10,0«. 

Der Ostwind ist da, Schnepfen sind da. Auch die 
Oberförsterei meldet viele. Ebenso sind Drosseln neu an- 
gekommen. Die ersten Turdus pilaris beobachtet. Guter 
Krähen zug. 

Nacht vom 11./12. sternenhell. 

12. Oktober: SO 4; SO 2; SO 2. 
Temperatur: 10,1; 12,3; 10,4<'. 
Einzelne Schnepfen da, aber kein 

guter Krähen zug. 

13. Oktober: S3; SW4; NWll. 
Temperatur: 9,4; 14,9; 8,0 <>. Bedeckt. 

Kein neuer Schnepfenzuzug. Rotkehlchen und 
Drosseln nicht vorhanden. 

Bis Mittag sehr guter Krähen zug, dann wirds dunstig, Sturm. 

14. Oktober: N U; N8; NW 7. 

Temperatur: 6,6; 8,8; 9,0^. Hell, Sonnenschein, Sturm. 
Kein neuer Schuepfenzuzug von auswärts. 

15. Oktober: NW 5; NW 5; NW 1. 
Temperatur: 10,8; 12,5; 8,8«. 

16. Oktober: NW2; W5; NW 3. 
Temperatur: 10,4; 14,2; 11,0<>. 
Schönes, helles, warmes Wetter. 

17. Oktober: 02; Ol; Ol. 
Temperatur: 7,3; 10,5; 9,4 <». 
Schönes, helles, warmes Wetter. 

18. Oktober: S3; S04; S 1. 
Temperatur: 7,0; 11,0; 5,4 «. 
Schöner, warmer Tag. 

19. Oktober: S2; S3; S 3. 
Temperatur: 5,7; 8,5; 8,4 «. 
Dunstig, zuweilen Sprühregen. 

20. Oktober: SO 4; 4; 3. 
Temperatur: 6,5; 6,8; 6,4«. 
Bedeckt, etwas dunstig. 

21. Oktober; NO 4; NO 4; NO 7. 
Temperatur: 5,7; 10,5, 6,5«. 



Kein neuer 

Schnepfenzuzug 

zu bemerken. 

Einzelne 

Schnepfen sind 

wohl vorhanden, 

aber ihre Zahl 

nimmt immer 

mehr ab. In den 

Büschen tot. 
Keine Drosseln 
oder Rotkehlchen 
zusehen. Am 17. 
sollen nach Mel- 
dung der Ober- 
försterei etwas 
mehr Schnepfen 
dagewesen sein. 



13* 



184 



J. Thienemann: 



22. Oktober: NO 4; NO 5; NO 5. 
Temperatur: 4,4; 3,4; 2,1«. 

Guter Schnepfentag. Neuer Zuzug von auswärts. 
Auch die Oberförsterei meldet diesen Tag als besonders gut. 
Der 22. Oktober war fast der beste Tag für die Kurische Nehrung, 
und ich hatte natürlich geglaubt, dafs auch von den anliegenden 
Revieren des Festlandes günstige Nachrichten über diesen Tag 
einlaufen würden. Nichts von alledem 1 Niemand meldet guten 
Schnepfeneinfall vom 22. Oktober. Das ist eine recht bemerkens- 
werte Beobachtung, die uns zeigt, wie örtlich beschränkt ein guter 
Einfall sein kann. 

23. Oktober: NO 2; Ol; 02. 
Temperatur: —0,5; —0,8; 0,4». 
Schnepfen zum gröfsten Teile abgezogen. 

24. Oktober: 2; 3; 5. 
Temperatur: 0,0; 4,7; 1,9 <>. 

25. Oktober: 04; 04; 05. 
Temperatur: 2,1 ; 0,8; 0,1 <*. 

26. Oktober: 04; 04; SO 4. 
Temperatur: —0,5; 0,4; 0,0 «. 

27. Oktober: SO 4; 80 3; SO 4. 
Temperatur: —0,1; 0,5; 0,3 <>. 

28. Oktober: 5; 5; 6. 
Temperatur: —1,1; 4,2; 1,1«. 
Etwas heller wie an den vorhergehenden 

Tagen. 

29. Oktober: SO 6; SO 4; S 4. 
Temperatur: 0,1; 3,9; 3,2«. 

Etwas heller; ein paar vereinzelte Vögel ziehen. 
Von Schnepfen nichts gemerkt. 

30. Oktober: NW 4; NW 3; NW 2. 
Temperatur: 8,9; 9,1; 6,0«. 

Wetterumschlag. Nach langer Zeit einmal anderer Wind 
als und SO. Milder geworden. 

Nichts von Schnepfen gemerkt. 

31. Oktober: N03; N03; 05. ] 
Temperatur: 3,5; 3,5; 0,1. 

1 . N V e m b e r : SO 7; SO 7 ; SO 5. [ 
Temperatur: 0,0; 3,8; 4,5 «. 

2. November: 06; S5; S 4. 
Temperatur: 4,3; 5,8; 3,6«. 

3. November: SO 4; 2; SW3. 
Temperatur: 2,5; 4,7; 5,7«. 



Ganz tote Tage 
ohne jeden Vogel- 
zug ; so tot wie 
ich sie hier, in 
Ulmenhorst noch 
nicht erlebt habe. 
Immer ein eisiger 
Wind aus Osten. 
Trübe. 



Kein Vogelzug. 

Nichts von 
Schnepfen ge- 
merkt. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 185 

Neuer Schnepfenzuzug von auswärts. Einige Krähen 
ziehen. 

In der Folgezeit nichts mehr von Schnepfen bemerkt. 

Zusammenfassung Ro s s i t te n 1 9 1 0: 

Für das Rossittener Revier fand Schnepfenzuzug von aus- 
wärts statt in den Nächten vom: 

2. zum 3. Oktober. 



3. 


,, 4. 


»5 


10. 


„ 11. 


n 


21. 


„ 22. 


u 


2. 


,, 3. 


November. 



Tage, an denen Schnepfen zahlreicher als sonst im Reviere 
lagen, waren der 3., 4, 5., 7., IL, 17. und 22. Oktober und der 
3. November. Die Haupttage waren der 3., 4. und 2 2. Oktober. 
Die Schnepfen wurden immer durch östliche Winde (SO, 0, 
NO) gebracht. 

Sie zogen gewöhnlich in der nächsten Nacht weiter. Ein 
paar mal mögen sie durch ungünstiges Wetter kurze Zeit auf- 
gehalten worden sein. 

Ein Abzug erfolgte bestimmt in den Nächten vom 11. zum 
12. und vom 22. zum 23. Oktober. 

Die eine Zugnacht wird als sternenhell bezeichnet. 

Mit den Schnepfen zusammen waren gewöhnlich auch Klein- 
vögel (Drosseln und Rotkehlchen) neu angekommen, und ver- 
schwanden mit ihnen auch wieder. 

1909. Norkaiten, erste Schnepfe 23. September, letzte 3. November, 
Hauptzug 11. (auch 12.) Oktober. In der Haupt-Zugnacht vom 
10. zum 11. Oktober herrschte SSO dann 0, am 11. und 12. 
0. Im höheren Norden war dieser Windumschlag schon Tags 
zuvor eingetreten und hatte den Vögeln die Zugrichtung nach 
der Ostsee hin gegeben. 

Der lange Nachsommer und das Ausbleiben der Früh- 
fröste liefsen den Zug ganz allmählich vor sich gehen und 
schoben den Hauptzug hinaus, nämlich vom 10. Oktober bis 
3. November. Durchgehende Ostwinde fehlten, sodafs der 
sonst übliche Haupttag nicht eintrat und nur einzelne etwas 
stärkere Einfallstage zu verzeichnen waren, an denen in den 
nördlichen Brutgebieten (Finnland etc.) Ostwind geweht hatte. 

1910. Norkaiten, erste Schnepfe 18. September, Zug Mitte Oktober 
beendet, Hauptzug 5. und 12. Oktober, 22., 23. Oktober. Zug 
allmählich sich vollziehend. Am 22., 23. Oktober bei NO 
plötzlich auftretender Frühfrost. 



186 J. TbienemaDD: 

Der eingehende auf langen Erfahrungen beruhende Bericht 
des Herrn Oberförster Settegast folgt ungekürzt: 

Der diesjährige Herbstzug der Waldschnepfe zeichnete sich 
gegenüber anderen Jahren dadurch aus, dafs zunächst überhaupt 
weniger Schnepfen hier durchzogen bezw. einfielen, ferner dafs 
der Durchzug hauptsächlich in der ersten Hälfte der Zug- 
periode erfolgte und dafs drittens der Einfall sich nicht auf einzelne 
Haupttage konzentrierte, sondern sehr unregelmäfsig verlief und 
auch eine gewisse Unabhängigkeit von der hier herrschenden 
Windrichtung aufwies. 

Die Ursachen dieser Erscheinungen lassen sich ohne weiteres 
nicht feststellen. Ich möchte sie zwar vorwiegend in den Witterungs- 
verhältnissen suchen, will aber nicht unerwähnt lassen, dafs bereits 
im Frühjahr wenig Schnepfen hier beobachtet wurden und der 
Strich trotz des sehr günstigen Wetters fast gleich Null war. 
Ein guter Herbstzug konnte also garnicht erwartet werden, da letz- 
terer naturgemäfs um so besser ausfällt, je mehr Brutvögel den 
Norden im Frühjahr erreichten. Der verhältnismäTsig frühzeitige Auf- 
bruch der Langschnäbel aus den Brutgebieten dürfte in der an- 
haltenden Trockenheit des Spätsorameis seinen Grund haben, 
welche die Ernährungsverhältnisse ungünstig beeinflufste und den 
Wandertrieb rege machte, noch bevor die sinkende Temperatur 
dieses erheischte. Da nun durchgehende 0- bezw, NO-Winde, 
welche in einer Nacht stärkere Schnepfenwellen gegen die Küste 
zu drängen pflegen, in der zweiten Hälfte des Septembers und 
Anfang Oktober fehlten, sind dielndividuen aus dem Innern Rufslands 
wohl garnicht hier durchgekommen. Es zeigten sich vielmehr 
nur die Brutvögel der baltischen Küstenzone welche in kurzen 
Etappen gen Süden strebten und in den frischeren Revierteilen 
vom 18. September ab fast täglich vereinzelt zu finden waren. 
Die wenigen besseren Tage wie z. B. der 5. und 12. Oktober 
waren nicht immer durch die Windrichtung begründet, wenn es auch 
nicht ausgeschlossen erscheint, dafs zu diesen Zeitpunkten an 
den Stationsorten lokal östliche Winde wehten, deren Zone die 
Vögel im Laufe der Nacht überflogen. 

Der auf diese Weise sich allmählig vollziehende Schnepfen- 
durchzug war Mitte Oktober bereits beendet, sodafs die nunmehr 
einsetzenden günstigen Winde ohne den erwarteten Erfolg blieben 
und selbst der am 22. und 23. Oktober bei scharfem NO plötzlich 
auftretende Frühfrost nur noch den Kehraus brachte. 

1909. Ibenhorst, erste Schnepfe 30. September, Hauptzug 10., 
11. Oktober bei SO mit viel Drosseln zusammen. In der 
nächsten Nacht weiter gezogen. 

1910. Ibenhorst, erste 15. September, letzte 23. Oktober, Hauptzug 
22. September, 4., 17., 22. Oktober. SO- und Ostwinde haben 
die Schnepfen gebracht; klares, warmes Wetter. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 



187 



Folgende tabellarische Übersicht: 



Tag u. Monat. 


Windrichtung. 


Wetter. 


Anzahl der ge- 
fundenen Schnepfen. 


15. September. 


0. 


klar, warm. 


7 


16. 


0. 


)? n 


1 


17. 


W. 


regnerisch. 


— 


22. 


SO. 


klar, warm. 


10 


29. 


N. 


j) i> 


4 


30. 


N. 


— 


— 


4. Oktober. 


nachts vorher 
SO; tags W. 


— 


15—20 


5. „ 


nachts 0, 
tags N. 


— 


6 


6. „ 


N. 


— 


— 


11. „ 


nachts NW, 

tags NW. 


regnerisch. 


6 


12. „ 


SO. 


;> 


5 


13. „ 


SO. 


n 


— 


17. „ 


so. 


klar. 


10 


21. „ 


0. 


M 


7 


22. „ 


0. 


»» 


10 


23. „ 


0. 


?1 


6 



1909. Dingken, erste 27. September, letzte 21. Oktober, Haupt- 
zug 11. und 12. Oktober. Witterung warm, klar. 

1910. Dingken, erste 28. September bei NO, letzte 6. November, 
Hauptzug 9.— 13., 10.— 14. Oktober. Ein Haupttag fand 
nicht statt. 

1909. Tawellningken. Waldschnepfen nicht angekommen. 

1910. Tawellningken. Fehlanzeige erstattet. 

1909. Nemonien, erste 2. September, letzte 13. November. Nur 
sehr vereinzelt; Morgen- wie Abendzug aber besser wie in 
anderen Jahren. 

1910. Nemonien. Keine besonderen Zugtage. Nur an wenig 
Tagen Schnepfen gesehen. 

1910. Schnecken, erste 24. September, letzte 28. Oktober, Haupt- 
zug 27. September bis 4. Oktober. Gegen andere Jahre Herbst- 
zug nur gering. 

1909. Wilhelrasbruch, erste 16. September, letzte 10. November, 
Hauptzug 26.— 30. Oktober, besonders am 37. 

1910. Wilhelmsbruch. Diesjähriger Herbstzug so gering, dafs 
genaue Beobachtungen nicht angestellt werden konnten. Nur 
vereinzelt Schnepfen gesehen. 



188 J. TbienemaDD*. 

1910. Jura, bei Schustern. Nachdem die Brutschnepfen 
dieses Jahres sehr schlecht ausgekommen waren, setzte der 
Herbstzug sehr früh ein. Schon um den 20. August herum. 

Am 5. September strich in den Abendstunden ein Flug 
von 50 Schnepfen niedrig von Westen kommend über eine 
Chauseearbeiter-Kolonne. Zwei Stück flogen sich an den Tele- 
graphendrähten tot und wurden aufgenommen. 

Vom 20. September an flaute der Zug ab und vom 
10. Oktober ab wurden trotz günstigen Wetters nur ganz 
vereinzelt Schnepfen gesehen. 

Herbstzug demnach sehr gering. 

1909. Wischwill, erste Ende September. Zug sehr mäfsig, 

1910. Wisch will, erste Mitte September, letzte 18. Oktober. 
Hauptzug 26.— 28. September, 3. und 4. Oktober die meisten. 

1909. Schmalleningken, erste 24. September, letzte 28. Oktober. 
Zug sehr mäfsig. 

1910. Schmalleningken, Hauptzug 3 — 7. Oktober. Diesjähriger 
Herbstzug gering ohne irgend welche auffällige Erscheinungen. 

1910. Troppönen, Vereinzelte bis zum 20. Oktober. Kein Haupt- 
zug. Die beobachteten wahrscheinlich Brutschnepfen. 

1909. Neu Lubönen. Nur von einem Beamten wurden Beob- 
achtungen angestellt und zwar nur auf dem Abendzuge vom 

9. Oktober ab. 

1910. Neu Lubönen. Es sind keine Beobachtungen gemacht 
worden, 

1909. Uszballen. Nicht viel gezogen. Am 10., 15., 17. Oktober 
je eine beobachtet, am 27. zwei Stück. 

1910. Uszballen. Keine besonderen Beobachtungen über häufiges 
Auftreten der Waldschnepfe gemacht. 

1910. Weszkallen. 3. und 7. Oktober wohl mehr im Revier als 
sonst. Herbstzug 1910 nicht auffallend vollzogen. Vom 

10. Oktober an nur sehr wenig Schnepfen. Am 20. leichter 
0, der am 21. und 22. stärker wird. Die Schnepfe bleibt 
trotz des Ostwindes aus. Am 23. mehrere Schnepfen auf 
dem Abendzuge, auf der Suche nichts, 

1910. Försterei Augstutschen bei Schillehnen Kr. Pillkallen, 
erste 21. September, B r u t Schnepfe im Revier, letzte 16. No- 
vember, Hauptzug 17., 18. Oktober (am 19. und 20. stark ab- 
nehmend). Am 31. Oktober kleiner Zuzug. (Am I.November 
weg.) Ost- und Südostwinde. In der ganzen Umgebung, — 
2—3 Meilen im Umkreise — sind Mitte Oktober viel Schnepfen 
beobachtet und auch geschossen worden. 

1909. Warnicken, erste Mitte September, letzte Mitte November. 
Um die Zeit am 20. September Hauptzug, bis zum 8. Oktober 
durch. Die Hauptmassen blieben etwa 3 — 4 Tage. 

1910. Warnicken, erste zweite Hälfte des Septembers, letzte Ende 
Oktober, 1. — 10. Oktober Hauptzug, kein Masseneiufall. Im 
Ganzen nur vereinzelt gefunden. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 189 

1909. Quanditten b. Drugehnen, keine Haupttage. Ziemlich vie 
Schnepfen, aber verstreut. 

1909. Kobbelbude, erste 24. September, letzte 9. November. 
19. Oktober mehr gesehen als sonst. Eigentlicher Haupttag 
nicht. Auf der frischen Nehrung den 10. Oktober und 
3. November Haupttag. Ostwind. Die Schnepfen zogen in der 
nächsten Nacht weiter. Am 6. November im Fischhausener 
Stadtwalde bei einer Treibjagd 16 Schnepfen beobachtet. 

1910. Kobbelbude, erste Anfang Oktober, Hauptzug 4. Oktober 
im benachbarten Fischhausener Stadtwalde. Zug ganz all- 
mählich und ziemlich gleichmäfsig verteilt. 

1909. Stadtwald von Fischhausen, am 10. Oktober 18 Stück beob- 
achtet. Im allgemeinen sehr verstreut, ohne eigentliche 
Haupttage. 

1909. Tellehnen b. Neuendorf Bez. Königsberg i/Pr., erste 25. 
September, letzte 27. Oktober, Hauptzug 24., 25. Oktober. 
Am 24. starker Nebel. Am 1. Juni 1 Schnepfe im Revier 
gesehen. 

1910. Tellehnen b. Neuendorf Bez. Königsberg i./Pr., 5. Oktober 
1 gesehen, 11. Oktober 4 gesehen, 12. Oktober 2 gesehen. 

1909. Fritzen, erste 12. September, letzte 14. November; Haupt- 
zug für die einzelnen Revierteile: 27—29. September, 29. Sep- 
tember, 4. und 5., 10. und 11., 16. und 17. Oktober. 

Der folgende ausführliche, wertvolle Daten enthaltende 
Bericht des Herrn Forstmeisters Steiner soll ungekürzt abgedruckt 
werden : 

Der Schnepfenstrich in diesem Herbst begann Mitte Septem- 
ber, steigerte sich am 26. — 29. September, erreichte am 5. Oktober 
sein Maximum, um dann allmählich nach einer nochmaligen Er- 
holung am 16./17. Oktober immer geringer zu werden und nach 
den hiesigen Beobachtungen am 14. November sein Ende zu 
erreichen. 

Da die Witterung mild und sturmfrei war, so fanden sich 
an allen Tagen Schnepfen im Revier. Die Schnepfenjagd war 
lohnend. Einige von den Beamten haben über 20 Schnepfen auf 
Suche und Strich erlegt. 

Die Schutzbezirke Dammwalde und Gr. Raum mit ihren 
durch Laubholzvorbaulücken vielfach durchbrochenen Altholz- 
stäuden haben den Schnepfen zum Streichen und Einfallen günstige 
Orte geboten. Nach den Angaben der beiden zuständigen Revier- 
beamten hätten selten so viel Schnepfen wie in diesem Herbst 
sich dort gezeigt. 

Am 16. Oktober sind in Gr. Raum innerhalb 1 Minute 
7 Schnepfen auf einem 100 m breiten Streifen gezogen, ebenso 
berichtet Forstaufseher Schulz in Dammwalde, dafs er von 11 
am 4. 10. streichenden Schnepfen 4 Stück geschossen hätte. 



190 



J. Thienemann; 



Nachstehende Übersicht gibt die hier gemachten Beobach- 
tungen an: 



Schutzbezirk' 




"Welche Tage 

waren 

Haupttage 



Witterung 

an 

Haupttagen 

und Nächten 



Wie lange 

hielten sich 

die Schnepfen 

auf 



Besondere 
Erscheinungen. 



Grenz (Sar- 
kauer Teil) 

Grenz (alter 
Teil) . . . 

Cranz .... 



üggehnen . 
Dammwalde 

Gr. Baum . 



Wilky 



3.x. 


9. XL 


6.x. 


11. XL 


17. IX. 


11. XI. 


12. IX. 


5. XL 


20. IX. 


14. XL 


5.x. 


28.x. 



10. u. 11. X. 
lO.u.ll.X. 

29. IX. 

27.-29. IX. 
4. u. 5. X. 

16./17. X. 



Tags klar, 
nachts dunkel. 

Tags klar, 
nachts dunkel. 

Tags mild, 

nachts bei 
Südostwind 

Gewitter. 

Trockene, 
warme Tage, 
nachts hell. 

Tags klar, 
nachts klar. 



wie vorher. 



nicht 
beobachtet. 
Zug vom 11. 
war am 12. 

fort. 

nicht 
beobachtet. 



3-4 Tage. 



nicht 
beobachtet. 



nicht 
beobachtet. 



bat keine Beobachtungen gemacht. 



Mehrere 

Schnepfen 

zogen 

paarweis. 

Mehrere 
Schnepfen 
zusammen 
streichend 
beobachtet. 



Als besondere Beobachtung möchte ich noch hervorheben, 
dafs die Schnepfen paarweise zogen und, wenn die eine herunter- 
geschossen wurde, die andere im Bogen zurückkehrte, um sich 
nach seinem bez. seiner Reisegefährtin umzusehen, was auch ihr 
den Tod häufig brachte. Sollte das paarweise Ziehen bei der 
milden Witterung das Geschlechtsleben erregt haben oder sind 
diese Schnepfen kinderlose Elternpaare? Man möchte anzunehmen 
geneigt sein, dafs Familienbande die Schnepfen beim diesjährigen 
Zuge besonders zusammengehalten haben, da plötzliche Witterungs- 
stürze nicht eintraten, wodurch sie bei der Sorge um's Leben 
wie im vorigen Jahre zur Eile und dadurch zur vollen Auflösung 
ihrer Familienzusammengehörigkeit gezwungen wurden. Nach 
meinen Beobachtungen möchte ich glauben, bei gewöhnlichen 
Witterungsverhältnissen ziehen die Schnepfen im Herbst familien- 
weise zurück. 

1910. Fritzen, erste: 6. und 7. September. Vom 15. September 
an mehrten sich die Schnepfen im ganzen Reviere. Hauptzug 
Nacht 3./4. Oktober mit Ostwind. (Da der Wind nach NW 
umsprang erst in der windstillen Nacht vom 6./7. Oktober weiter.) 
Am 11. und 12. Oktober wieder viel im Reviere. NW- Wind. 
Von da ab nur einzelne gefunden. Der Zug in diesem Herbste 
nicht so gut wie im Jahre 1909. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 191 

1909. Greiben, erste 25. September, letzte 4. (16.) November, 
Hauptzug 28. September, 19. Oktober. In der nächsten Nacht 
weiter gezogen. Das Jahr 1909 brachte von den letzten vier 
Jahren die meisten Schnepfen. 

1910. Greiben, erste 15. September, am 2.-4. Oktober wohl die 
meisten. Aber keine besonderen Haupttage. 

1909. Leipen, erste 10. September, letzte 31. Oktober, Haupt- 
zug 4. und 5., 10.— 17., 19.— 21., 23.-24. Oktober. An den 
Haupttagen immer Ostwind. Hielten sich mehrere Tage und 
Nächte im Reviere auf. Lagen in diesem Herbste oft zu 
4—6 Stück auf kleinen Flächen zusammen, was sonst nicht 
beobachtet wurde. 

1910. Leipen, Haupzug 5., 6., 10.— 14. Oktober. 

2. Okt. auf der Suche 2 Stück, Wetter schön. Wind NW. 

8 2 

4. „ „ ,, „ 2 ,, auf dem Zuge 2 Stück, 
Regen, Wind W. 

5. Okt. auf der Suche 6 Stück, Wetter schön. Wind NO. 

6. „ „ „ „ 4 „ auf dem Zuge 1 Stück, 
Regen, Wind W. 

7. Okt. auf der Suche 2 Stück, auf dem Zuge 2 Stück, 
Wetter schön. Wind W. 

8. Okt. auf der Suche 1 Stück, Wetter schön, Wind W. 

9. „ „ „ „ 2 „ auf dem Zuge 1 Stück, 
Wetter schön, Wind W. 

10. Okt. auf der Suche 4 Stück, Himmel bedeckt. Wind W. 

11. „ „ „ „ 6 „ Wetter schön. Wind 0. 

l^- n »5 jj j» 4 ,, „ ,, ), ö. 

13. „ Regen, Wind W. 

14. „ „ „ „ 5 „ auf dem Zuge 2 Stück, 
Wetter schön. Wind N. 

15. Okt. auf der Suche 3 Stück, Wetter schön. Wind N. 

l"' V » 55 5» ^ M 15 5' '• » 

18. „ „ „ „ 1 „ Frost, Wind NO. 

^^' 55 55 55 57 ^ 55 55 55 55 

•^'* 55 55 55 55 '^ 55 55 55 OU. 

1909. Tapiau, erste 20. September, letzte 30. Oktober, Haupt- 
zug 28. September bis 2. Oktober. Ein besonderer Haupt- 
tag nicht zu beobachten. 

1910. Tapiau, Zug etwa vom 26. September bis 11. Oktober, Hauptzug 
vom 1.— 4. Oktober. Am 4. die meisten. Besonders starker 
Einfall aber nicht. 

1909. Gauleden b. Gr. Lindenau, erste 19. — 30. September, letzte 
25. Oktober bis 2. November, Hauptzug 28. September, 
6. — 20. Oktober. Zogen am nächsten Tage weiter. Schnepfen 
nur vereinzelt. Gröfsere Züge nicht beobachtet. 



192 J. Tbienemann: 

1910. Gauleden b. Gr. Lindenau, erste 20. September, Haupt- 
zug 8. Oktober, Ostwind. Nach den 8. Oktober Schnepfen 
nur ganz vereinzelt, also in der nächsten Nacht weiter. 

1909, Kl. Naujock, erste 23. Sept., letzte 6. Nov., Hauptzug 
10.— 14. Okt. An einzelnen Abenden zogen an einem Stande 
5—8 Schnepfen. Am 3. Nov. noch 8 — 10 Schnepfen gefunden. 
Ein besonders massenhaftes Auftreten an einem Tage in 
diesem Jahre nicht beobachtet. Der diesjährige Zug erstreckte 
sich über einen auffallend langen Zeitraum und war gleich- 
mäfsig verteilt. Gleichmäfsige Witterung! 

1910. Kl. Naujock, letzte 17. Okt., Zug sehr früh beendet, 
Hauptzug 4.-7. Okt., aber keine Massen. Zug in diesem 
Herbste sehr gering. Witterung milde, meist klar, schwacher 
NO über bis S drehend. 

1909. Pfeil, erste 30. Sept., letzte 11. Nov., Hauptzug 17. Okt. 
In der nächsten Nacht weiter. 

1910. Pfeil, Hauptzug 5. und 6. Okt. Der Zug erstreckte sich 
in diesem Herbste auf eine längere Zeitdauer. Kein Massen- 
durchzug. 

1909. Alt-Sternberg, erste 20. Sept., letzte 25. Okt., Haupttage 
nicht beobachtet. Zug ganz allmählich. 

1910. Alt-Sternberg. Keine bemerkenswerten Beobachtungen. 

1909. Neu-Sternberg, erste 6. Sept., letzte 9. Nov. Massen- 
einfall nicht beobachtet. Verhältnismäfsig noch die meisten 
am 12. Sept. und 15. Okt. Zug sehr gering. Die Schnepfen 
hielten sich 3 Tage im Reviere auf. 

1910. Neu-Sternberg. Keine Haupttage. Verhältnismäfsig die 
meisten am 4.-6. Okt. Zug gering; des anhaltend schönen 
Wetters wegen sehr gleichmäfsig verteilt. 

1909. Mehlauken, erste 21. Sept., letzte 6. Nov., Hauptzug 22. Sept., 
12., 14., 17., 18., 19., 20., 24. und 25. Okt. Gewöhnlich in der 
nächsten Nacht weiter. In der Zeit vom 17.— 20. Oktober 
anscheinend jede Nacht neuer Zuzug. In dieser Zeit der 
Hauptzug. Schnepfen hielten gut. Der Herbstzug 1909 der 
beste in den letzten fünf Jahren. 

1910. Mehlauken, Hauptzug 4., 5., 10. und 11. Okt., aber keine 
Massenzüge. Traten nur sehr vereinzelt bei Ostwind und 
schönem Wetter auf. 

1909. Gertlauken, erste 15. Sept., letzte 10. Nov., Hauptzug 20., 

21. und 28. Sept., 2., 7., 16. und 18. Okt. Überhaupt vom 

20. Sept. — 8. Okt. und vom 18.-21. Okt. bemerkenswert 

viel Schnepfen im Reviere. 3. Nov. 

Der ausführliche Bericht des Herrn Oberförsters W e s e n e r 

folgt ungekürzt: 

Es zeigten sich in diesem Herbst viel Schnepfen im Revier. 
Der Abend- wie Morgenstrich waren häufig vor- 
züglich. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten 193 

Die ersten Schnepfen wurden am 15. September, die letzten 
am 10. November gesehen. Auf der Treibjagd am 3. November 
im Schutzbezirk Klein-Gertlauken kamen noch 5 Schnepfen vor, 
davon wurden 2 geschossen. 

Als Tage, an denen besonders viel Schnepfen im Revier 
lagen, können bezeichnet werden, der 20., 21., 28. September, 
der 2, 7,, 16. und 18. Oktober. Überhaupt waren in der Zeit 
vom 20. September bis 8. Oktober, dann wieder vom 18. bis 
21. Oktober bemerkenswert viel Schnepfen im Revier. Es sei 
jedoch bemerkt, dafs der Zuzug an Schnepfen an den Haupt- 
tagen sich nicht immer gleichmäfsig auf das ganze Revier 
verteilte. 

Die Witterung für die Haupttage war milde, vielfach be- 
deckt und nebelig, mit meist nördlichen und östlichen Winden. 

Nach bemerkenswertem Zuge blieben die Schnepfen bei 
günstiger Witterung — mildem, nebeligem Wetter oder be- 
decktem Himmel — mehrere Tage im Revier; nach hellen, kalten 
Nächten wurden stets wenig Schnepfen angetroffen. 

Die ausnehmend milde Witterung in diesem Herbst, welche 
bis in den November hinein anhielt, liefs die Schnepfe auf ihrem 
Durchzuge an der Küste anscheinend mehr landeinwärts ab- 
weichen und länger bei uns verweilen, und hatte das Revier 
Gertlauken einen so regen Einfall an Schnepfen im Herbst seit 
langen Jahren nicht mehr aufzuweisen. 

1910. Gertlauken, Hauptzug 5. Okt. nach vorhergegangenem 
Ostwinde. Zug Herbst 1910 sehr gering. Keine ausge- 
sprochenen Schnepfentage. 

1909. Drusken, die ersten 14., 21. und 24. Sept., die letzten 
25. Okt. und 2. Nov., Hauptzug 3.-6. und 12.— 14. Okt. 
Hauptmassen konnten nicht beobachtet werden. Es konnte, 
da die Beamten ihre Hunde verloren hatten, nicht gründlich 
gesucht werden. 

1910. Drusken. Keine Haupttage. Am 3, 4., 5. Okt. noch die 
meisten. Sonst nur wenig in diesem Herbste. 

1909. Grofs-Papuschienen, erste 7. Sept., letzte 9. Nov., Haupt- 
zug 6. Okt. im Schutzbezirk Rosenberg. Sonst vom 
3. — 21. Okt. In der nächsten Nacht weiter. 

1910. Grofs-Papuschienen. Zug war hier nur gering. Vom 
20. Sept. — 10. Okt. nur vereinzelt. 

1909. Kranichbruch, erste 20. Sept., letzte 29. Okt., Hauptzug 
23., 24. Sept., 5., 6., 14., 36. Okt. 

1910. Kranichbruch. Fehlanzeige erstattet. 

1910. Padrojen. Zug war hier nur wenig bemerkbar. 
1910. Astrawischken bei Bokellen, Hauptzug 5., 11. Okt. Zug 
ziemlich gleichmäfsig verlaufen. 



194 J. Thienemann : 

1909. Brödlauken, Haupttag nicht zu beobachten. Herbstschiiep- 
fenzug in diesem Reviere ohne Bedeutung. Im Herbst 1909 
aber mehr Schnepfen wie in den letzten 6 Jahren. Im Sommer 
auffallend viel Brutschnepfen. Der Höhepunkt des Frühjahrs- 
zuges in Ostpreufsen fällt mit dem Beginn der Schonzeit zu- 
sammen. So werden die Brutschnepfen geschont und nehmen zu. 

1910. Brödlauken, Zug 4. Okt. bis 16. Okt., Hauptzug 5. Okt.; 
aber auch 6., 7., 8. Okt. noch gut. Zug in diesem Jahre sehr 
lebhaft. Am 5. Okt. im Stadtwalde zu Insterburg etwa 40 
Schnepfen. Das ist für die hiesige Gegend sehr viel. Der 
Stadtwald ca. 2000 Morgen grofs. Auch im benachbarten 
Brödlaukener Revier an dem Tage viel Schnepfen. 

1909. Eichwald, erste zweite Hälfte des Sept., Hauptzug 10. und 
vom 14.— 20. Oktober. 

1910. Eichwald, erste 15. Sept., letzte Ende Okt., Hauptzug 
3.-6. Okt., 7. — 12. Okt. Im allgemeinen nur vereinzelte 
Schnepfen. 

1909. TzuUkinnen, erste 15. Sept., Hauptzug 8.-11. Okt. be- 
sonders den 10. Dann vom 15.— 17. Okt. In der Nacht 
zum 10. Okt. etwas Regen, am Tage trübe. An allen übrigen 
Haupttageu trocken und warm, die Nächte kühl, selten mit 
schwachem Reif am Morgen. Auffallend ist die grofse Menge von 
Brutschnepfen, die von Jahr zu Jahr zunehmen, da der 
hiesige Frühjahrsstrich bereits in die Schonzeit fällt. Am 
1. Juli 09 wurden 11 balzende junge Männchen gehört, viele 
auch schon an den letzten Tagen des Juni, Vom 2. Juli ab 
balzte keine Schnepfe mehr, 

1910. TzuUkinnen, Zug 2. Okt. bis 19. Okt., Hauptzug 2.-6. 
Okt., 12. Okt., aber keine grofseu Mafsen. Schwache nord- 
östliche Winde, warm an den Haupttagen. 

1909. Schorellen, erste 28. Sept., Hauptzug 6.-9. Okt. Ostwind. 
Vom 9. Okt. an nahm der Zug ab. 

1910. Schorellen, Hauptzug 4.-7. Okt., aber keine Massen. Im 
allgemeinen Schnepfen nur vereinzelt anzutreffen im Herbst 
1910. 

1909. Foedersdorfb.Neumark,erste7. Sept., in anderen Revieren am 
23. — 25. Sept., letzte 1 2. Nov., Hauptzug für die einzelnen Revier- 
teile: 1) 5.-6. Okt., 2) 8.-12. Okt., 3) 13.— 17. Okt., 4) 14.— 18. 
Okt., 5) 19. Okt., 6) 23. Okt., 7) 23.-26. Okt. Haupttage 
mit Massenanflügen nicht beobachtet. Länger wie 2 Tage 
nicht im Revier aufgehalten. Meist in der folgenden Nacht 
weiter. In den benachbarten, an's Haff angrenzenden west- 
preufsischen Revieren viel mehr Schnepfenanflug wie in 
Foedersdorf, das vom Haff abliegt. Ostwind bringt die 
Schnepfen. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Eossitten. 195 

1910. Foedersdorf b. Neumark. Für die einzelnen Revierteile: 

1) Erste 20. Sept., letzte Ende Okt., Hauptzug 4., 5., 7. 
und 9. Okt. Besonders viel in der Nacht vom 3./4. Okt. an- 
gekommen. Zwei Tage aufgehalten. Die vom 7. und 9. Okt. 
anscheinend schon in der nächsten Nacht weiter. 

2) Erste Anf. Okt., letzte 16. Okt., Hauptzug 12. und 
13. Okt. Am 14. weg. 

3) Erste Anf. Okt., letzte Ende Okt., Hauptzug 12., 
13. Okt. Gröfsere Mengen nicht beobachtet. 

4) In dem am frischen Haff gelegenen Schutzbezirke 
haben sich keine Schnepfen gezeigt. Allgemeines: Wit- 
terung in den Nächten mit gutem Schnepfenzuzug ziemlich 
warm, nebelig, trübe, schwache östliche oder nordöstliche 
Winde. Am Tage aufklarend. 

1909. Wormditt, erste 5. Okt., letzte 3. Nov. Nur vereinzelte 
Schnepfen. Nie Massenanflüge. 

1910. Wormditt, erste 1. Okt., letzte 3. Nov., keine Haupttage. 
Nur vereinzelte. 

1909. Pr. Eylau, erste 10.— 19. Sept., letzte 28. Okt., Hauptzug für 
die einzelnen Revierteile: 3.-5. Okt., 15.— 16. Okt., 24.-26. Okt. 
Besonders auffallende Haupttage nicht. Ganz besonders 
viel Schnepfen niemals eingefallen. Stärkerer Zug hielt etwa 
2—4 Tage an. Zug in diesem Jahre verhältnismäfsig besser 
wie sonst. 

1910. Pr. Eylau, Zug 15. Sept. bis 26. Okt., Hauptzug 3.-5. 
Okt., 12. und 13. Okt. 

1909. Wichertshof, erste 27. September, letzte 3. November, 
Hauptzug 5. und 6., 14., 24. Oktober. Jedesmal in den vor- 
hergehenden Nächten angekommen, Am 14. die meisten. 
Diese zogen in der nächsten Nacht weiter. 

1910. Wichertshof, erste Ende September, Hauptzug 1., 14. Oktober. 
Am nächsten Tage verschwunden. Am 14. die meisten (cf. 
1909!). Danach flaute der Zug ab. Sonst nur vereinzelt vor- 
gekommen. Den ganzen Sommer über Brutschnepfen. 

1910. Skalliscben b. Gr. Sobrost. Immer nur vereinzelt. Keine 
aufsergewöhnlichen Beobachtungen. 

1910. Warnen, erste 15. September, letzte 22. November, Haupt- 
zug 6.— 17. Oktober: besonders: 6, 9., 12. Oktober. 

1909. Nassawen, erste 22. September, Hauptzug 5. und 6. Oktober, 
(trübe, regnerisch), 7. Oktober (klar und kalt), 15. — 22. Oktober. 
Der eigentliche Zug setzte am 5. Oktober ein. Durch den 
herrschenden Südwind wurden die Schnepfen bis zum 9. Oktober 
zurückgehalten. Bald neuer Zuzug, so dafs man bis zum 
24. Oktober täglich 4—10 Schnepfen auf dem Abendstrich 
beobachten konnte. 

1910. Nassawen, erste: erste Septembertage, letzte 5. oder 6. No- 
vember, keine Haupttage. Zug begann sehr früh und zog 
sich sehr lange hin. Daher keine Haupttage. 



196 J. Thienemann: 

1909. Rominten. Um den 20. Oktober herum viel gesehen. Zug 
hat sich sehr in die Länge gezogen. 

1910. Rominten, erste 18. September, letzte 18. Oktober, Haupt- 
zug 4. Oktober (Ostwind) 10., 11. Oktober (Südostwind). Zug 
normal verlaufen. 

1910. Goldap. Zug Anfang Oktober bis 20. Oktober. Hauptzug 
8., 9. Oktober (Ost), 16. Oktober. Nur immer kleinere Züge 
angekommen, die bald wieder weiter zogen. 

1909. Rothebude, erste 1. Oktober, letzte 24. Oktober, Hauptzug 
5.-9. Oktober. Bedeutend war der Zug wie auch in andern 
Jahren in diesem Herbste überhaupt nicht. 

1910. Rothebude. 7. — 9. Okt. verhältnismäfsig die meisten. 

1909. Borken, erste 22. September, letzte 28. Oktober, Haupt- 
zug 3. und 6. Oktober; gewöhnlich bei Ostwind. An den 
Haupttagen wurden bis 15 Schnepfen morgens auf dem Zuge 
gesehen. 

1910. Borken. Die meisten 25. — 29, September. Zug nur gering; 
viel schlechter wie im vorigen Jahre. 

1909. Lyck, erste in den letzten Septembertagen, letzte 12. No- 
vember, Hauptzug 29. September, 7., 13., 19. Oktober. In 
der Nacht vom 12. zum 13. Oktober kamen die /meisten. 
Herbstzug 1909 so stark wie noch nie zuvor. 

1910. Lyck, erste in den letzten Septembertagen, letzte 25. Oktober, 
Hauptzug 15. — 20. Oktober (sehr nebelige und kühle Tage 
und Nächte). In diesem Herbste viel weniger^Schnepfen als 
im Vorjahre. 

1909. Grondowken, Keine Haupttage. Schnepfenzug hier im 
Jahre 1909 wie in früheren Jahren nur ganz gering. 

1910. Grondowken. erste 17. September, letzte 28. Oktober, 
Hauptzug 12.— 15. Oktober (bes. 14). In einem andern Be- 
laufe: 10. — 13. Oktober. Im ganzen nicht viel. 

1909. Drygallen, erste 22. Sept., letzte 27. Okt., Haupttage nicht 
beobachtet. Schnepfenzug in diesem Reviere nur gering. 

1910. Drygallen. Zug nur unbedeutend gewesen. Vom 8.— 13. 
Okt. einige gesehen bei schwachen südöstlichen Winden. 

1909. Wolfsbruch. Zu wenig Schnepfen hier. 

1910. Wolfsbruch, letzte 9 Nov. Es sind nur ganz vereinzelt 
Schnepfen gesehen worden. 

1909. Kullik, erste 27. Sept., letzte 22. Okt., Hauptzug 3.-9. 
Okt. Nur wenig Schnepfen. 

1910. Kullik, erste 28.— 30. Sept., Hauptzug 12. und 13. Okt. 
(Am 13. bei einer Treibjagd 19 Schnepfen.) Warm, sonnig, 
windstill. Vom 30. Sept. an ruhte der Zug, bis sich vom 
10. Okt. an, besonders aber am 12. und 13. Okt. bedeutend 
mehr Schnepfen zeigten. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 197 

1909. Turoscbeln, erste 18. Sept., letzte 6. Nov., Hauptzug 10., 
12., (14.) Okt. In den Nächten vom 9./10. und 11./12. Ok- 
tober kamen verluältnismäfsig viel Schnepfen an. 

1910. Turoscheln, letzte 17. Okt. (Zug mit dem Tage wie ab- 
geschnitten). Hauptzug 24. Sept., 3. Okt., bes. 13./13. Okt. 
(Bei einer kleinen Jagd 25 Schnepfen gesehen.) 

1909. Johannisburg, erste 29. Sept., kein Hauptzugtag. Schnepfen- 
zug gering in diesem Reviere. 

1910. Johannisburg, keine Haupttage. Schnepfen nur vereinzelt 
angetroffen. Die meisten in der zweiten Hälfte des September. 

1909. Breitenheide. Nur eine Schnepfe ist im Herbst 1909 ge- 
sehen worden, und zwar Anfang Oktober. 

1910. Breitenheide, erste Ende Sept., letzte Anfang Nov. Zug 
im allgemeinen hier sehr gering, doch sind in diesem Jahre 
von Ende Sept. bis Anfang Nov. häufig Schnepfen beobachtet 
worden. 

1909. Rudczanny, erste 28. Sept., letzte 10. Okt. Nur ver- 
einzelt. 

1910. Rudczanny. Nur vereinzelte hier gesehen. 

1909. Cruttinnen, erste kann nicht bestimmt werden, da Brut- 
schnepfen im Reviere. Keine Haupttage. Der gleichmäfsigen 
Witterung wegen Zug sehr gleichmäfsig verteilt. Nur immer 
vereinzelte Schnepfen beobachtet. 

1910. Cruttinnen, erste Mitte Sept., letzte Ende Okt. Keine 
Haupttage. Nacht 28./29. Sept. wohl gröfserer Einfall. Nach 
dem 16. Okt. nur noch vereinzelt. Wetter während der 
Hauptzugzeit meist klar. Windrichtung SO bis NO, an 
einigen Tagen NW. 

1909. Guszianka. Schnepfenzug im Herbst 1909 ganz gering. 

1910. Guszianka, erste 2. Okt., Hauptzug 13.— 15. Okt. (Am 
15. auf einer Treibjagd viel Schnepfen.) Nach dem 15. nur 
noch wenig. 

1909. Pfeilswalde, erste 14. Sept., nicht genau, da viel B r u t- 
schuepfen im Reviere, letzte 16. Nov., Hauptzug 25. Sept. 
bis 4. Okt., besonders 26., 27., 28. Sept. Die Nacht vom 
25./26. Sept. brachte viel Schnepfen, die Nacht vom 28,/29. 
entführte viele. 

1910. Pfeilswalde, erste 25. Sept., letzte 28. Okt., Hauptzug 
28. Sept., 4., 8., 15. — 18. Okt. Aber keine grofsen Mengen. 
Zug hat sich auf mehrere Tage verteilt, wohl infolge des 
anhaltend trockenen und warmen Wetters. 

1909. Nikolaiken, erste 26. Sept., nicht genau, da viel Brut- 
schnepfen im Reviere, letzte 24. Nov., Hauptzug 3. — 22. Okt. 
Keine besonderen Haupttage. Wenig Schnepfen vorhanden. 

1910. Nikolaiken. Keine Haupttage. Nur vereinzelt. 

Joam. 1. Om- L.X. .Jahr«. April 1912. 14 



198 J. Thienemann: 

1909. Ratzeburg, erste 26. Sept., letzte 2. Nov. Keine Haupt- 
tage. Hauptzug uach dem 15. Okt. bei östlichen Winden. 

1910. Ratzeburg. Hauptzug 3, 4., 5., 13. Okt. (Aber keine 
grofsen Mengen.) Wetter an den Haupttagen warm und sonnig. 
Die Schnepfen lagen hauptsächlich an hohen von der Sonne 
beschienenen Stellen. 

1909. Puppen. Besondere Beobachtungen nicht gemacht. 

1910. Puppen, erste 13. Sept., Hauptzug 18.— 20. Sept., 28. Sept. 
bis 3. Okt., 7. Okt., besonders 10. — 13. Okt. (au einem Abend 
an einer Suhle bis zu 20 Stück). In diesem Herbste häutiger 
als sonst. B r ut Schnepfen in mäfsiger Zahl jährlich vor- 
handen. Der am 14. Okt. einsetzende Nordwind nahm die 
Schnepfen mit. 

1909. Kurwien, erste 16. Sept., letzte 22. Okt. Keine Haupt- 
tage. Schnepfen nur vereinzelt gezogen. 

1910. Kurwien, erste 8. Sept., letzte 22. Okt., Hauptzug 3. Okt. 
(NW), 10. Okt. (NW), 16. Okt. (N). In diesem Herbste er- 
heblich mehr Schnepfen wie in früheren Jahren. 

1909. Friedricbsfelde, erste 28. Sept., letzte 4. Nov. Keine 
Haupttage beobachtet. Infolge der grofsen Dürre im Herbste 
1909 weniger Schnepfen im Revier als in den Vorjahren. 

1910. Friedrichsfelde. Keine besonderen Beobachtungen ge- 
macht. 

1909. Sadlowo, erste 16. Sept., letzte 13. Nov., am 1., 6., 10., 
11. Okt. verhältnismäfsig viel bei östlichen Winden. 

1910. Sadlowo, erste 10. Sept., letzte am 2. Nov. Die meisten 
am 13., 22. Sept., 11. Okt. (bei einer Treibjagd 12 Stück). 
Die meisten Schnepfen wie alljährlich im Schutzbezirk Lustig. 
Es sind gesehen worden: 10. Sept. 2 Stück (W). 12. Sept. 
5 Stück (W), 13. Sept. 9 Stück (W), 15. Sept. 2 Stück (W), 
16. Sept. 1 Stück (W), 18. Sept. 1 Stück (W), 19. Sept. 
1 Stück (0), 20. Sept. 2 Stück (0), 21. Sept. 4 Stück (0), 
22. Sept. 7 Stück (0), 24. Sept. 2 Stück (0), 25. Sept. 6 Stück 
(0), 26. Sept. 5 Stück (W), 27. Sept. 1 Stück (W), 28. Sept. 
4 Stück (NW), 29. Sept. 6 Stück (NW), 30. Sept. 3 Stück 
(NW), 1. Okt. 3 Stück (NW), 2. Okt. 5 Stück (NW), 3. Okt. 
3 Stück (NWO, 4. Okt. 2 Stück (NW), 6. Okt. 3 Stück (NO), 
7. Okt. 4 Stück (NO), 8. Okt. 1 Stück (NO), 10. Okt. 3 Stück 
(NO), 21. Okt. 1 Stück (W), 28. Okt. 1 Stück (W), 2 Nov. 
1 Stück (W). 

1909. Corpellen b. Orteisburg, erste 22. Sept., letzte 14. Nov., 
vom 2. — 12. Okt. etwas häufiger. Sonst ganz vereinzelt. 

1910. Corpellen, b. Orteisburg, erste 17. Sept., letzte 18. Nov., 
Haupfzug 26., 27. Sept., 2., 4. Okt., trübe, Ost, aber keine 
Massen. Bei dem verhältnismäfsig geringen Zuge im hiesigen 
Reviere ist es schwer, Haupt tage zu nennen. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 199 

1909. Grüneberge, b. Orteisburg, erste 10. Sept., letzte 20. Okt., 
Hauptzug 27. Sept. 

1910. Grüneberge, b. Orteisburg, erste 10. Sept., letzte 25. Okt., 
Hauptzug 1. — 10. Okt., in einem anderen Belaufe: 9.— 12. Okt. 

1909. Reufswalde, erste 29. Sept., letzte 4. Nov., Hauptzug 14. 
bis 17. Okt., 18.— 20. Okt. Zug sehr mäfsig. 

1910. Reufswalde, erste 18. Sept., letzte 8. Nov. Keine auf- 
fallend starken Zugtage. Die besten : 30. Sept. bis 3. Okt., 
15. Okt., 25. Okt. Zug zog sich in diesem Herbste sehr in 
die Länge. 

1909. Hartigswalde, erste letzte Septemberwoche, Hauptzug 9. 
bis 12. Okt. Der gleichmäfsigen Witterung wegen Zug auch 
sehr gleichmäfsig verteilt. 

1910. Hartigswalde, Hauptzug erste Oktoberwoche. In der 
ersten Oktoberwoche etwas mehr Schnepfen als in früheren 
Jahren. Sonst nichts auffälliges. 

1909. Kaltenborn, erste 18.— 20. Sept , letzte 9. Nov., Hauptzug 
25. Sept.— 1. Oktober. Sehr geringer Schnepfenzug hier; den 
ganzen Sept. über östliche Winde, von NO bis SO. 

1910. Kaltenborn. Von Mitte Sept. bis Mitte Okt. ausnehmend 
viel Schnepfen beobachtet. Der Beginn des Zuges setzte mit 
gelindem SO bis ein; warme Witterung. Das Ende des 
Zuges fiel zusammen mit dem Einsetzen eines starken NO bis 
0. bei mondhellen Nächten gegen den 18. Okt. 

1909. Willetiberg. Beobachtungen liegen nicht vor. Es ist nur 
1 Schnepfe gesehen worden. 

1910. Willenberg. Es sind keine Schnepfen beobachtet worden. 

1909. Commusin, erste 2. Okt., letzte 7. Nov., keine Haupttage. 
Zug im Herbste 1909 so schlecht wie nie zuvor. Die gleich- 
mäfsige Witterung (warm, trocken) und das Fehlen eines plötz- 
lichen Sinkens der Temperatur haben den Zug der Schnepfe 
in grofsen Flügen verhindert. Sind nur ganz vereinzelt nach 
S gezogen. 

1910. Commusin, Hauptzug 13. Okt. nach vorherigem 2tägigeu 
Ostwinde. In diesem Herbste reichlich Schnepfen hier. 

1909. Grünfliefs, erste Anfang Sept., letzte 2. Nov., Hauptzug 
29. Sept. Der Schuepfenzug in diesem Revier bedeutungslos. 

1910. Grünfliefs, erste 27. Sept., letzte 15. Okt., Hauptzug 2. Okt., 

3. Okt., 12.— 15. Okt. 

1909. Purden, erste 20. Sept., letzte 8. Nov., Hauptzug 2., 3., 

4. Okt. (Aber nicht viel.) 

1910. Purden, letzte 8. Nov., Hauptzug am 5. Okt., ungewöhnlich 
viel. Vom 6. an nur vereinzelte. 

14* 



200 J. Thienemann: 

1909. Neu Ramuck, erste um den 20. Sept., letzte 3. Nov., kein 
Haupttag. Vom 1. Okt. ab täglich vereinzelte Schnepfen beob- 
achtet, auch auf dem Abendstrich. Bei sehr flotter Suche 
eines guten Schnepfenhundes bekam man bei 2 — 3 stündiger 
Suche an einem Nachmittage 2—4 Schnepfen zu Gesicht. Auf 
dem Abendstrich sah man 1—3 Schnepfen, die teils allein, 
teils paarweise strichen. Vom 22. Okt. an nahm die Anzahl 
der Schnepfen schnell ab. 

1910. Neu Ramuck, erste 15. Sept., letzte 29. Okt., Hauptzug 
5. Okt. Nach dem 5. nur noch vereinzelte. Die Schnepfe 
hat sich in diesem Herbste allem Anschein nach hier nicht 
lange aufgehalten. 

1909. Lanskerofen, kein Haupttag. Von Ende Sept. bis 30. Okt. 
einzelne. 

1910. Lanskerofen, Hauptzug vom 29. Sept. bis 4. Okt. 
Ungewöhnlich viel nicht. 

1909. Kudippen, erste 16. Okt.?, letzte 5. Nov., Hauptzug 22., 
26. und 27. Okt. (Am 23.-25. Okt. gar keine vorhanden.) 
Zu mehreren auf kleinen Flächen zusammenliegend. 

1910. Kudippen, 11 — 14. Okt. viel im Reviere. 

1909. Jablonken, erste 14 Sept., Hauptzug 26., 27., 28. Sept., 
vom 29. Sept. — 1. Okt. wieder verschwunden. Vom 2.-5. Okt. 
der zweite starke Zug, der bis 13. Okt. verschwand. 

1910. Jablonken. Haupttag 12. Okt. Hauptzug Anfang bis 
Mitte Oktober. 

1909. Hohenstein. Hauptzug 7. Okt. abends im Hohensteiner 
Stadtwalde. In den Staatswaldungen Suchjagd verboten, daher 
keine Beobachtungen. 

1910. Hohenstein, erste 13. Sept., letzte 19. Okt., Hauptzug 
26., 29. Sept., 6., 7., 11., 15. Okt. Windrichtung westlich. 

1909. Taberbrück, Post Locken, erste 23. Sept., letzte 28. Okt., 
Hauptzug 26. Sept., 5., 17. Okt. (Anzahl aber nur gering.) 

1910. Taberbrück, Zug 20. Sept. bis 27. Okt., Hauptzug 2.— 16. Okt., 
besonders: 5., 10. Okt. 

1909. Liebemühl, erste 1. Okt., letzte 8. Nov., Hauptzug 8. Okt. 
In der Nacht vom 7. zum 8. Okt. viele angekommen, die am 
10. Okt. wieder weg waren. 

1910. Liebemühl. Hauptzug 27. Sept., 5.-7., 13.— 20. Okt. 
Sonst nur vereinzelt. 

1909. Prinzwald b. Liebemühl, erste 12.— 16. Sept. Da Brut- 
schnepfen vorhanden erster Termin nicht genau festzustellen. 
Letzte 15. Nov., Hauptzug 28. Sept. bis 3. Okt. In der 
Nacht vom 3. zum 4. Oktober weitergezogen. Am 28. Ok- 
tober beim Abendstrich 4 Schnepfen unmittelbar beisammen 
ziehend. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Kossitten. 201 

1910. Prinzwald b. Liebemühl, erste 7. Sept., letzte 24. Nov., 
Hauptzug 26. Sept., 6., 13., 15., 16. Okt. 

1909. Steegen Danziger Niederung, erste 28. Sept., letzte 18. Nov. 
Hauptzug 11. Okt., 17. Nov. Am 11. Okt. i)esonders viel. 
Gleichzeitig viel Krammetsvögel. In der nächsten Nacht weiter- 
gezogen. Nacht vom 10/11. Okt. fast windstill, dunkel, neblig. 
Am 11. schwacher SO. Die Nacht vom 11./12. Okt., in der 
die Schnepfen weiterzogen, auch windstill, neblig. In der Nacht 
vom 16./17. November starker NO, ebenso am 17. Nov. Nach- 
mittags starker Schneesturm aus 0. 

1910. Steegen Danziger Niederung. Keine Haupttage. Auffallend 
wenig Schnepfen in diesem Herbste. Nur vereinzelt gesehen. 

1909. Alt-Christburg, erste 28. Sept., letzte 6. Nov., Haupttage 
waren nicht. Schnepfen nur vereinzelt. Im Juli und August 
Brutschnepfen. 

1910. Alt-Christburg, erste Mitte Sept. Haupttage nicht aufge- 
fallen. Mehr Schnepfen als in anderen Jahren, aber gleich - 
mäfsig verteilt. Auch mehr Brutschnepfen. 

1909. Finkenstein, Burggräfliche Oberförsterei, erste 22. Sept., 
letzte 21. Okt., Hauptzug 6., 9. Okt. 

1910. Finkenstein, Burggräfliche Oberförsterei, erste 2. Okt., 
letzte 5, Nov., Hauptzug 4. u. 5. Okt. Wetter frisch und klar. 

1909. Riesenburg. Waldschnepfen sehr selten. 

1910. ßiesenburg. Schnepfen nicht beobachtet. 

1909. Lonkorsz. Den ganzen Sommer auffallend viel Brutschnepfen. 
Haupttage nicht beobachtet. 

1910. Lonkorsz. Am 3. Okt. mehr als gewöhnlich, aber niemals viel. 

1909. Schwaigendorf, erste 29. Sept., letzte 8. Nov., Hauptzug 
10. — 13. Okt. Gröfsere Mengen überhaupt nicht vorgekommen. 
(Höchstens bis 4.) Rasch weiter gezogen. Schnepfenzug im 
allgemeinen heuer nur mäfsig. Aber Herbst 1909 mehr als 
in früheren Jahren. Brutschnepfen in geringer Anzahl stets hier. 

1910. Schwaigendorf, erste 2. Okt., letzte Ende Okt. Hauptzug 
13. Okt. Auf einer aufgeforsteten Ödlandfläche 15 Stück gesehen. 
Nacht 12./13. Okt. drehte der aus S kommende Wind nach 
N. Am 13. NW, NO und N, abends unter Regenschauern 
zum Sturm werdend und bis gegen Morgen des 14. anhaltend. 
Temperatur milde. In dieser Nacht Schnepfen abgezogen. — 
Im Frühjahr nur ganz vereinzelt verkommend. Regelmäfsig 
einige Brutpaare. Im Herbste etwas zahlreicher. 

1909. Wilhelsmsberg b. Zbiczno, erste 17. Sept., letzte 22. Okt., 
Hauptzug 10., 17., Okt. Gutes klares Wetter, am Morgen 
starker Nebel. Schnepfenzug hier nur gering. 

1910. Wilhelsmsberg, erste 16. Sept., letzte 1 Nov.; vom 
25. Sept. bis 8. Okt. mehr wie gewöhnlich. In diesem Jahre 
erheblich mehr Schnepfen als im vorigen Jahre. 



202 J. Thienemann: 

1909. Gräfl. v. Fiuckenstein'sche Oberförsterei Schönberg b. 
Sommerau. Nachrichten aus den 7 Schutzbezirken: 

1) Erste 2G. Sept., letzte 3. Nov., Hauptzug 28.-29. Sept., 
11. Okt. 

2) Brut Schnepfen vorhanden, noch am 10. Nov. da, 
Hauptzug 13. und 19. Okt. Nächte kühl bei Windstille, 
sehr starker Nebel. 

3) Erste Mitte Sept., letzte 5. Nov. In diesem Schutz- 
bezirke nicht viel Schnepfen. 

4) Erste 18. Sept., letzte 5. Nov., Hauptzug 10.— 13. Okt. 
(finstere Nächte mit Nebel und Regen). 

5) Erste 11. Okt.?, letzte 30. Okt. Beobachtungen 
konnten nicht angestellt werden. 

6) Erste nach dem 20. Sept., letzte 25. Okt., Hauptzug 
1 Okt. (kühl, sehr nebelig). In anderen Jahren bei starken 
West- und Südwestwinden in der Regel immer Schnepfen im 
Revier gefunden. Dagegen an ruhigen Tagen oder Nächten 
selten eine. 

1) Erste 2. Sept., letzte 9. Nov., keine Haupttage. 

1910. Gräfl. V. Finckenstein'sche Oberförsterei Schöuberg. An 
keinem Tage ungewöhnlich viel Schnepfen. 

1909. Fürstl, Reufs. j. L. Forstverwaltung Raudnitz. Alt.-Eiche 
b. Dt. Eylau, erste 22. Sept., letzte 4. Okt. Nicht häufig. 
Nur vereinzelt gesehen. 

1909. Friedrichsberg b. Forsthausen, erste 1. Okt., letzte 14. Okt. 
Hauptzug 6.— 11. Okt. (An einem Tage 2 — 3 Schnepfen gesehen.) 

1910. Friedrichsberg b. Forsthausen, vom 1. Okt. ab täglich 
Schnepfen im Reviere, letzte 8. Nov., vom 4.— 11. Okt. 
zahlreicher werdend, dann abnehmend. Am 29. Okt. sehr 
viele, die in den nächsten Tagen verschwunden waren. 

1909. Kosten b. Rybnow Kr. Löbau, erste 1. Okt., letzte 26. Okt., 
Hauptzug 26. Okt. Nacht vom 25./26. Okt. kühl und still; 
der 26. schöner sonniger Herbsttag. Schnepfe hier selten. 
Nur im Herbste 1907 und 1909 häufiger. Im Frühjahr hier 
fast niemals Schnepfen geschossen. 

1910. Kosten, erste 20. Sept., letzte 26. Okt., Hauptzug: am 6. 
Okt. bei einer Treibjagd in einem Schutzbezirk (mitten im 
Felde gelegen) 8—10 Schnepfen gesehen. 

1909. Ruda b. Gorzno, erste 29. Sept., letzte etwa 6. Nov. 
\y) Nur 3 Schnepfen gesehen im Ganzen. 

2) Erste Anf. Okt., letzte 8. Nov., Hauptzug: 10. — 14. Okt. 
an nebligen Morgen anscheinend die meisten. 

3) Erste 6. Okt., letzte 6. Nov. Keine Haupttage fest- 
gestellt, da nicht gesucht. Am 2 7. Okt. 6 Stück beobachtet. 



^) Für die einzelnen Schutzbezirke der Oberförsterei. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 203 

4) Erste 3. Okt., letzte 6. Nov., Hauptzug wohl ü.— 17. 
Okt. An den Abenden zuweilen 4 Stück. 

5) Erste 28. oder 29. Sept., letzte 6. Nov. Hauptzug 
23.-27. Okt., 6. Nov. Keine besonderen Haupttage. Zug 
ziemlich gleichmäfsig verteilt. 

6) Schnepfe nursehrvereinzelt, daher keine Beobachtungen. 

7) Keine Schnepfen beobachtet. 

8) Keine Schnepfen beobachtet. 

1909. Darslub. Zug in diesem Herbste ganz gering. Nur 3 
Schnepfen gesehen. Alle Brüche und Wasserläufe aus- 
getrocknet. 

1910. Darslub. Zug in diesem Jahre ganz unbedeutend. In 
früheren Jahren Hauptzugzeit zweite Hälfte des Okt. 

1909. Gohra, keine Haupttage ermittelt. Beobachtungsniaterial 
zu gering. 

1910. Gohra, keine eigentlichen Haupttage. Am 6., 8., 26. Okt. 
mehrere Stück gesehen. Zug gleichmäfsig. 

1909. Neustadt, die ersten 15., 16., 18. Sept., letzte 9. Nov.; 
7.— 10. Okt. war Hauptzug. Ziemlich lebhaft. Abends 7 und 
mehr Schnepfen gesehen. Witterung warm und schön; Nächte 
still und sternenklar. Von einem Beamten am Nachmittag 
an einer Stelle 6 Schnepfen gefunden, wo vormittags keine 
gelegen hatten. Zug am Tage? 

1910. Neustadt, erste 3. Sept.; im Sept. handelt es sich sicher 
um B ru t Schnepfen; letzte 7 Nov., Hauptzug 10.— 20. Okt.; 
eigentliche Haupttage wie in früheren Jahren aber nicht 
beobachtet. Flugrichtung nach SW. 

1909. Gnewau, die ersten 28., 29. Sept., 1. Okt., die letzten 9., 
14. Okt. Keine Haupttage. Nur ganz vereinzelt gezogen. 
In diesem Jahre weniger Brutschnepfen als sonst. 

1910. Gnewau. 16., 17., 18. Okt. als Haupttage. 

1909. Kielau. Zug in diesem Herbste sehr gering. Nur 12 
Schnepfen sind beobachtet worden, wohl alles Brut- 
schnepfen oder junge im Revier erbrütete Vögel. Der Durch- 
zug der Zugschnepfen soll vollständig ausgeblieben sein. Die 
grofse Trockenheit von Ende August bis Anfang November, 
soll die Schnepfen veranlafst haben, andere Zugstrafseu zu 
wählen. 

1910. Kielau. Anscheinend vom 9.— 16. Okt. etwas mehr Zug- 
schnepfen. NW-Sturm bei bewölktem Himmel. Besonders 
starker Durchzug auch in diesem Herbste, ebenso wie früher, 
nicht. Alljährlich viel Brutschnepfen den ganzen Sommer 
über. 

1909. Oliva, erste 28. Sept., letzte 8. Nov., Hauptzug 2., 4., 
13. Okt., 4., 5., 6. Nov. Zuzug in der Nacht vorher. Abzug 



204 J. Thienemann: 

in der Nacht darauf. WiodiichtuDg meist N, NO und 0, 
teils klar, teils nebelig. Vereinzelte Schnepfen fallen auch 
bei andern Windrichtungen ein. Auf Heia scheint die An- 
kunft der Schnepfe in die frühesten Morgenstunden zu fallen, 
auch noch bis 10 Uhr vormittags. Sie zieht dort weder im 
Frühjahre noch im Herbste in den Abendstunden; kann daher 
dort nur auf der Suche geschossen werden. 
1910. Oliva. Keine Haupttage. Herbst 1910 sehr schwacher 
Zug. Durchaus gleichmäfsig verlaufen. Auf Heia nur 3 
erlegt. 

1909. Mirchau, erste 25. Sept., letzte 26. Okt. Sogenannte 
Haupttage, wie auf einigen Revieren Vorpommerns, hier nie. 
Die meisten waren vom 27. Sept. bis 5. Okt. hier, besonders 
am 5. Okt. Nacht vom 4./5. Okt. klar, mild, früh nebelig, 
SO. Auch zahlreiche Drosseln eingetroffen. Die im Herbste 
hier vorkommenden Schnepfen sind wohl B ru t Schnepfen. 
Der aus dem Norden kommende Zug scheint das hiesige 
Revier nicht zu berühren, daher auch keine Haupttage. 

1910. Mirchau, Zug vom 26. Sept. bis 24. Okt., Hauptzug 
IL— 14. Okt., besonders Nacht vom 11. zum 12. Okt. Nachdem 
14. Okt. Zug fast beendet, nur noch einzelne Schnepfen. 
Witterung vom 11. — 14. Okt. schön warm, schwacher Wind. 
Am 11. Okt. W, am 12. S, am 13. NO, am 14. S. 

1909. Karthaus, die ersten 5.-10. Okt., die letzten 30. Okt. bis 
11. Nov. Brutschnepfen im Revier, dadurch Beobachtungen 
erschwert. Keine gröfseren Mengen in diesem Jahre au ge- 
wissen Tagen. Sonst immer solche beobachtet. 

1910. Karthaus. Zug etwa 1. Okt. bis 10. Nov. 16.— 20. Okt. 
scheint Hauptzug. Brutschnepfen im Reviere. 

1909. Stangenwalde, erste Mitte Sept., letzte Anf. Nov. Hauptzug 
etwa vom IL— 20. Okt., aber immer nur vereinzelt. Keine 
Haupttage. Kein starker Zug in diesem Jahre. Seit einiger 
Zeit Brutschnepfen im Reviere. Kalte Höhenlage. 

1910. Stangenwalde. Zug von Anf. Okt. bis Anf. Nov. Haupt- 
zug 10., 14., 15. Okt. Brutschnepfen im Reviere. 

1909. Sobbowitz, erste 28. Sept. Keine Haupttage. Nur ganz 
vereinzelt Schnepfen beobachtet. 

1910. Sobbowitz, letzte 15. Nov., Hauptzug 2., 14./15. Okt., 
2./3. Nov. Zug nur mäfsig. 

1909. Pelplin, erste Mitte Sept., letzte 15. Nov. Keine Haupt- 
tage. Nur vereinzelt den ganzen Herbst hindurch. Schnepfe 
nicht häufig hier. Regennächte bezw. schlechtes Wetter und 
darauf folgender Südost- und Ostwind begünstigen ein zahl- 
reicheres Vorkommen der Schnepfe. 

1910. Pelplin. Schnepfe zieht hier weder im Frühjahre noch 
im Herbste. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Kossitten. 205 

1 909. Rebhof. Für die einzelnen Schutzbezirke 
der Oberförsterei: 

1) Erste 23. Sept., letzte 28. Okt., Hauptzug 13.— 23. Okt. 
Witterung an den Haupttagen schön, zum Teil stärkere süd- 
östliche Winde. 

2) Die ersten 10.— 16. Okt.? 

3) Erste 25. Sept., letzte 5. Nov., Hauptzug 14., 15., 17., 
18., 22. Okt., besonders am 14., 15. Okt. Witterung schön. 
Südostwind und helle Nächte. Am 14. Okt. abends innerhalb 
10 Minuten 6 Stück streichend. Am 15. Okt. abends 8 Stück 
streichend gesehen. Witterung auffallend milde. 

1910. Rehhof, erste 20. Sept., letzte 4. Nov., Hauptzug 1., 2., 3. 
6., 13., 25. Okt., 1., 2., 3. Nov. Ziemlich warm, sonnig, 
trocken. Nächte meist sternenklar, gegen Morgen bewölkt 
und nebelig. Wenn viel Schnepfen da waren, waren auch 
viel Kleinvögel vorhanden. 

1909. Krausenhof b. Kleinkrug, erste 15. Sept., letzte 8. Nov. 
Hauptzug 12. und 13. Okt. (warm, etwas Regen). Schnepfen, 
traten hier nur in sehr geringer Anzahl auf. 

19)0. Krausenhof, erste 28. Sept., letzte 14. Nov., Hauptzug 
30. Sept., 7., 11., 12. Okt., 3. Nov. Nur in geringer Anzahl 
im hiesigen Reviere. Witterung ziemlich warm und trübe, 
Nächte kühl. 

1909. Marienwerder (Bialken b. Sedlinen), erste 18. Sept., letzte 
4. Nov., Hauptzug 4./5., 15./23. Okt., besonders der 30, Okt. 
Es waren in diesem Herbste mehr Schnepfen da als sonst. 

1910. Marienwerder, erste letzte Septembertage, letzte 5. Nov. Am 
3. Nov. Masseneinfall. 

1909. Jammi b. Garnsee, erste 17. Sept., letzte II. Okt., Hauptzug 
29. Sept. bis 2. Okt. und 6.— 11. Okt., Hauptag 2. Okt. 

1910. Jammi, erste 15. Sept., letzte 15. Nov., Hauptzug 1. — 4. Okt. 
Warm, Windstille. 

1909. Graudenz. Keine Schnepfen bemerkt. 

1910. Graudenz. Keine Schnepfen bemerkt. 

1910. Golau b. Gollub, erste 2. Okt., Hauptzug 5., 8. Okt. 
Besonders 13. Okt. Wetter meist trocken, sonnig, mild, Nächte 
mäfsig kühl. 

1909. Drewenzwald b. Schönsee Kr. Briesen. Keine Beobach- 
tungen gemacht. 

1909. Sullenschin, erste 29. Sept., letzte 12. Nov. Keine Haupt- 
tage. Hier nur ganz vereinzelt im Herbste vorkommend. 
Frühjahrszug hier besser: Brutschnepfen häufig. Im Juni und 
Juli kommen viel junge Schnepfen vor; abends ziehend. 

1910. Sullenschin. Nur ganz vereinzelt gesehen. Am 29. Sept., 
21. Okt. und 5. Nov. je eine und am 9. Okt. zwei. 



206 J. Thienemann: 

1909. Buchberg, Post Berent, erste 28. Sept., letzte 13. Nov., 
Haupzug am 6. Nov., fünf Stück beobachtet, Wetter trübe 
nebelig, NO. Zug in hiesigem Reviere sehr gering. 

1910. Buchberg. Den ganzen Sommer über Brutschuepfeu. 
Keine Haupttage. In diesem Herbste ziemlich viel beobachtet, 
aber einzeln verstreut über einen langen Zeitraum. 

1909. Lippusch, erste 10. Okt., letzte 29. Okt., keine Haupttage. 
Schnepfe kommt hier nur sehr selten vor. 

1910. Lippusch. Nur ganz vereinzelt gesehen. Nur recht 
schwacher Zug hier auf der Höhe der Kaschubei. 

1909. Lorenz b. Berent. Es sind keine Schnepfen beobachtet 
worden. 

1910. Lorenz. Nur 2 Schnepfen beobachtet. 

1909. Zwangshof b. Lesno, erste 19. Okt., Hauptzug am 11. Nov., 
4 Stück gesehen. Wetter milde und regnerisch. 

1910. Zwangshof, erste 18. Sept., letzte 2. Nov., Haupttage nicht 
beobachtet. Am 25. Juli 1910 eine Schnepfe beobachtet. 
Wohl Brutschnepfe. 

1909. Gr. Bartel b. Dreidorf Kr. Pr. Stargard. Hauptzug am 
16. Okt., ca. 5 Stück beobachtet. (Viel für hiesige Verhältnisse.) 
Schnepfenzug hier stets sehr gering. Wird gar nicht beachtet. 

1910. Gr. Bartel. Von Jahr zu Jahr mehr Brutschnepfen. Am 
11. Okt. bei einer Treibjagd ungewöhnlich viel. NO. Wind, 
nebelig. 

1909. Wirthy b. Bordzichow, erste 9. Okt., letzte 3. Nov., Haupt- 
zug: am 14. und 15. Okt. von 2 Beamten je 2—3 Schnepfen 
gefunden. Schnepfen im hiesigen Reviere so selten, dafs von 
einem Zuge nicht gesprochen werden kann. Die wenigen, die 
gesehen werden, können ebensogut Brutschnepfen sein. 

1910. Wirthy. Hauptzug 10. u. 11. Okt. Vereinzelt noch am 
18. und 20. Oktober. 

1909. Königswiese, als Brutvogel ziemlich häufig, darum erste 
schwer festzustellen, letzte 28. Okt., Hauptzug: 18.— 21. Okt. 
(auch schon 15. — 16. Okt.) die meisten gesehen. 

1910. Königswiese. Nur vereinzelt gesehen. In diesem Herbste 
sehr wenig beobachtet. Ziemlich viel Brutschnepfen. Im Juni 
und Juli abends vielfach laut streichend. Im Juli 2 alte 
Schnepfen mit je 3 jungen, am 25. Juli vier Junge, die zu- 
sammen aufstanden. 

1909. Cifs b. Czersk, erste 10. Sept., letzte Ende Okt., auch noch 
im Nov., Hauptzug 25. Sept. bis 10. Okt.; besonders 3., 4., 
5. Okt. Brutschnepfen im Reviere. 

1909. Jägerthal b. Czersk, erste ?; mehrere Paare Brutschnepfen 
im Reviere. Nur vereinzelt vorgekommen. Die Tage, an denen 
einzelne Schnepfen beobachtet wurden, waren : 15., 16. Sept., 11., 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 207 

18. (2 Stück) 22., 31. Okt., 3., 4. Nov. Gute Schnepfentage 
sollen hier neblige und regnerische Tage sein. 
1910. Jägertbal, Haupttage hier nicht beobachtet. Die wenigen 
gesehenen Schnepfen nur immer vereinzelt. Am 8. Nov. kamen 
3 Stück vor. 

1909. Königsbruch b. Schlachta Kr. Pr. Stargard. Für die ein- 
zelnen Schutzbezirke der Oberförsterei : 

1) Erste 5. Okt., letzte 8. Nov., Hauptzug 12.— 20. Okt. 
Tage heiter, morgens zum Teil nebelig. Die Nacht sternen- 
klar, ziemlich windstill. 

2) Erste Ende Sept., letzte 3. Nov., Haupttage schwer 
zu bestimmen. Mehr als eine Schnepfe gesehen am 17., 21., 
28. Okt. und 2. Nov. Schnepfen hier nicht häufig. 

3) Erste 23. Sept., letzte 7. Nov., Hauptzug 2., 8., 11.- 
15. Okt.; 26.-28. Okt. Hielten sich 1-5 Tage auf. In den 
Zugnächten starker Nebel. Am Tage Sonnenschein, warm. 

4) Erste 19. Sept., letzte 7. Nov., Hauptzug 12.-15. Okt. 
Witterung warm und ohne Wind. 

1909. Deutschheide Post Lubichow, erste Anfang Sept., letzte 
15. Nov., Hauptzug 24.-26. Sept., besonders den 25. Sept. 

1910. Deutschheide, Zug 18. Sept. bis 20. Okt., Hauptzug 1. 
bis 5. Okt., aber nicht besonders viel. 

1909. Wilhelmswalde, erste 5. Okt., letzte 20. Okt. Nur ganz 
vereinzelt in diesem Herbste angekommen. 

1910. Wilhelmswalde, in diesem Herbste keine Schnepfen wahr- 
genommen. 

1909. Hagenort, nur am 20. Okt. vereinzelte gesehen. Zug hier 
stets sehr gering. Im Herbste 1909 noch geringer als sonst. 

1910. Hagenort. Brutschnepfen hier, die erst Ende April 
erscheinen. Nur vereinzelt. Hauptzug wohl vom 22.— 25. Okt. 
Zug hier sowohl im Frühjahr, als auch im Herbste sehr 
gering. 

1909. Schüttenwalde- Keine Beobachtungen angestellt. 

1910. Schüttenwalde. Nur vereinzelte Schnepfen haben diesen 
Herbst das Revier berührt. 

1909. Rehberg b. Lonsk, erste schwer festzustellen, da Brut- 
schnepfen vorhanden. Wohl in den ersten Tagen des Okt. 
Beginn des Zuges, am 10. Nov. noch viele Schnepfen im 
Reviere. 

1910. Rehberg, erste der Brutschnepfen wegen nicht festzustellen, 
letzte noch am 19. Nov., Hauptzug: 8.— 15. Okt. in gröfserer 
Anzahl. (Gelinde Witterung Nächte nebelig.) Zug in diesem 
Jahre so gering, dafs sichere Beobachtungen unmöglich. 

1909. Junkerhof b. Lonsk, keine Haupttage. Nur vereinzelt in 
diesem Jahre gesehen. 



208 J. Thienemann: 

1910, Junkerhof. In diesem Jahre nur wenig Schnepfen im 
hiesigen Reviere. 

1909. Charlottenthal b. Lonsk, erste 18. Sept., letzte 21. Okt. 
Alljährlich vereinzelt fast den ganzen Nov. hindurch, Haupt- 
zug erste Hälfte des Okt. Alljährlich einzelne Brutschnepfen 
im Reviere. Die Alten im Sommer abends öfter streichend 
bemerkt, Schnepfen hier aber nicht häufig. 

1910. Charlottenthal, Hauptzug am 12. und 20. Okt. sowie am 
3. Nov, mehrfach bei Treibjagden. 

1909. Taubenfliefs Post Poln. Cekzin. (Tuchler Heide), erste 
23. Scpt,, dann erst wieder am 6., 8. Okt. je eine, letzte 26. 
Okt., Hauptzug 14., 15., 16. Okt. Südwest, nebliges Wetter, 
aber nicht in gröfseren Mengen. Im Frühjahr zieht selten 
hier eine Schnepfe durchs Revier, das fast nur Kiefern enthält. 
Ab und zu Brutschnepfen. Diese kommen aber sehr spät, etwa 
5.— 10. April, weil vorher der Boden meist noch gefroren. 
Schnepfen im allgemeinen nicht häufig hier. 

1910. Taubenfliefs, erste 28. Sept., letzte 13. Okt., Hauptzugzeit 
wohl von Ende Sept. bis 5. Okt, Nach Mitte Okt. keine 
mehr. In anderen Jahren noch spät im Nov., ja im Dez. 

1909. Osche, Kr, Seh wetz, erste 18. Sept., letzte 25. Okt. Nur 
vereinzelt beobachtet. 

1909. Hagen bei Jeschewo, erste 25. Sept., letzte am 12. Nov, 
noch da, Hauptzug 25. Sept. und vor allem 4. und 5. Okt, 
Grofse Mengen an den beiden letzten Tagen im Revier. Zug- 
nächte warm und sehr neblig, Haupttage schön. 

1910. Hagen, Hauptzug: 1.— 5. Okt. auffallend viel. 

1909. Warlubien, Kr. Schweitz, erste Mitte Sept., letzte 7. Nov., 
Hauptzug 25. Okt. bis 3. Nov. Im ganzen nur immer ver- 
einzelt angetroffen. 

1910. Warlubien, erste 25. Sept., letzte 7. Nov., Hauptzug: 2. bis 
9. Okt. die meisten. Warm, gelinder Südwind, 

1909, Sommersin bei Gr. Bislaw. Beobachtungen sind nicht 
gemacht worden. 

1910. Sommersin, Hauptzug anscheinend vom 12. bis 18. Okt. 
Vereinzelt während des ganzen Oktobers. 

1909. Lindenbusch, erste 25. Sept., letzte 5. Nov., Hauptzug 
29./30. Sept., 9., 11., 29. Okt. Der Hauptzug fand vorwiegend 
bei Südost und Ostwind in der Richtung nach NW statt bei 
mäfsig bedecktem Himmel und kühler Witterung. 

1909. Grünfelde (Kr. Schactz), erste 23. Sept., letzte Mitte Okt.?, 
Hauptzug 23. Sept., 2. Okt. Beobachtungen etwas unsicher! 

1910. Grünfelde, erste 15. Sept. Keine Haupttage. Nur ver- 
einzelt Schnepfen beobachtet. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 209 

1909. Rosengrund bei Crone a. Br., erste 24. Sept., letzte 4. Nov. 
Anzahl nur verschwindend gering. 

1910. Rosengrund, erste 16. Sept., am 5. Nov. Zug uoch 
nicht zu Ende. Hauptzug 4., 8., 11. Okt. Kamen in den vor- 
aufgehenden Nächten und blieben nicht lange hier. Wetter 
klar und ziemlich windig (N). In diesem Jahre viel Schnepfen 
hier zu beobachten. 

1909. Stronnau (Crone a. Brahe), erste 21., 22. Sept., letzte 
26. Okt. Nur immer in sehr geringer Anzahl hier anzutreffen. 

1910. Stronnau, erste 29. Sept., letzte 6. Nov. Haupttage: 3. und 
4. Oktober. (Auch am 30. Sept. und am 3. Nov. je 3 Stück 
gesehen, doch waren das keine Haupttage.) 3. Okt.: warm, 
etwas Regen. 4. Okt.: warm und trübe. 30. Sept.: W, etwas 
Regen. 3. Nov. : trübe, W. 

1909. Jagdschütz (im nördlichen Teil des Kreises Bromberg), 
erste 18. Sept., letzte 25. Okt., Hauptzug 23. Sept., 10., 17. Okt. 
aber keine gröfseren Mengen. Schnepfen in diesem Herbste 
so wenig wie nie zuvor. Auch auf Treibjagden keine oder 
ganz wenig angetroffen, erst Ende Oktober etwas mehr. 

1910. Jagdschütz, erste 2. Sept., letzte 21. Okt., Hauptzug 3. bis 
8. Okt., 10. Okt. Wetter sonnig und warm. Nächte hell und kühl. 

1909. Glinke (Bromberg), erste 20., 25. Sept., letzte 30. Okt., 
Hauptzug 11., 12. Okt. (aber kein Masseneiufall). Witterung 
warm, still, sternenklar, zum Teil nebelig. Gröfsere Mengen 
an einem Tage nicht gezogen. Zogen an warmen Tagen zum 
Teil laut. Hielten sich nicht länger als einen Tag auf. 

1910. Glinke, erste 19. Sept., letzte 3. Nov., Haupttage mit 
gröfseren Mengen nicht. Etwas stärkeres Vorkommen am 1., 
4., 5., 8., 9., 10., 11., 12., 13., 14. Okt. Zug in diesem Jahre 
stärker als in den Vorjahren. 

1909. Bartelsee (Schöndorf), erste 22. Sept., letzte 3. Nov., Haupt- 
zug: vom 10. — 15. Okt. zogen grofse Mengen zu. Am 16. war 
der Haupttag. (5 erlegt bei einer Treibjagd.) Trockene, warme 
Witterung. Noch nie vorher soviel Schnepfen vorgekommen, 
wie in diesem Herbste. 

1910. Bartelsee, erste 12. Sept., letzte 4. Nov., 4.— 12. Okt. die 
meisten ; aber nicht annähernd so viel wie im vorigen Jahre. 
Trockene, warme Witterung. 

1909. Schulitz (zwischen Bromberg und Thorn), erste 24. Okt., 
letzte 10. Nov., Hauptzug 6., 10., 12. Okt. Trübe und nebelig. 

1910. Schulitz, erste 4. Sept., letzte 2. Nov., Hauptzug 20. Sept. 
bis 12. Okt. Meist trübe und kühl. 

1909. Kirschgrund (Eichenau), erste 20.— 22. Sept., Hauptzug 
12. — 17. Okt.; namentlich 15. Okt. Witterung: tags sonnig, 
nachts nebelig. Auffallend viel Schnepfen hier in diesem Jahre. 



210 J. Thienemann: 

1910. Kirschgrund, erste 20. Sept., letzte Mitte Nov., Hauptzug 
zwischen dem 4.-8. Okt. besonders viel im Reviere. Witterung 
nebelig, trübe. In diesem Jiihre gegen früher bedeutend mehr 
Schnepfen. 

1909. Thorn (Städtische Oberförsterei), erste 26. Sept., letzte 
26. Okt. Nur ganz vereinzelt in diesem Herbste. 

Thorn, Königliche Oberförsterei, erste 2. Okt., letzte 
2. Nov., Hauptzug 2., 30. Okt. warm, Ost. Auffallend wenig 
Schnepfen in diesem Herbste. 

1910. Thorn, Königl. Oberförsterei, erste 23. Sept., letzte 6. Nov., 
Hauptzug 2.— 15. Okt.; besonders: 12. Okt. 

Thorn, Städtische Oberförsterei, erste 20. Sept., letzte 
4. Nov., Haupttage nicht. Etwas mehr vielleicht: 1., 2. u. 
16. Okt. In diesem Herbste mehr Schnepfen beobachtet 
als sonst. 

1909. Wodek. Schnepfen hier zu selten vorkommend. 

1910. Wodek, erste 10. Sept., letzte 27. Okt., Hauptzug 15.— 
22. Sept. klar, NW. Brutschnepfe hier. Im Juni und Juli 
abends überall häufig auf dem Abendstriche. 

1909. Schirpitz. Im Herbste 1909 keine Schnepfen gesehen. 

1910. Schirpitz, erste 8. Sept., letzte 1. Nov., Hauptzug: am 5. Okt., 
5 Schnepfen gesehen. Sonst nur einzeln oder mal 2 Stück. 

1909. Argenau, erste 3. Okt., letzte 28. Okt., Haupttage nicht 
aufgefallen. 

1910. Argenau, erste Anf. Okt., letzte 28. Okt., keine besonderen 
Haupttage. 

1909. Stefanswalde, erste 22. Sept., letzte 4. Nov., keine Haupt- 
tage. Zug der gleichmäfsig warmen, heiteren Witterung wegen 
sehr gleichmäfsig verteilt, Zug in diesem Jahre sehr gering. 

1910. Stefanswalde, erste 30. Sept. Keine besonderen Haupt- 
tage. Nur vereinzelt vorgekommen an fast allen Tagen der 
Zugzeit. 

1909. Taubenwalde, erste 20. Sept., letzte 28. Okt. Nur ver- 
einzelt, über die ganze Zugperiode verstreut, aufgetreten. Im 
hiesigen Reviere Zug notorisch ganz aufserordentlich gering. 

1910. Tauben walde, erste 12. Sept., letzte Mitte Nov., keine 
besonderen Haupttage. Allenfalls der 3. und 4. Nov. (trübes 
Wetter mit nafskaltem W). Zug 1910 stärker als in den beiden 
vorhergehenden Jahren. Seit Ausgang Sept. jeden Tag ver- 
einzelte Schnepfen. Nach Beobachtung eines Beamten bringt 
ein nach Westwinden einsetzender Ostwind stets zahlreichere 
Schnepfen hierher. 

1909. Mirau b. Strelno, erste 4. August, letzte 1. Nov., Haupt- 
zug 19., 20. Okt. (aber nur in geringer Anzahl.) Nacht von 
19./20. kalt, nebelig. Infolge der Dürre Schnepfenzug diesen 
Herbst schlechter als sonst. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 211 

1910. Mirau, erste 21. Sept., letzte 4. Nov., keine gröfseren 
Mengen. Am 9. u. 10. Okt. 4 u. 3 Stück auf dem Zuge. Am 
3. Nov. 5 Stück gesehen. Am 9. und 10. Okt. morgens dichter 
Nebel. Ende Oktober sank die Temperatur vor Sonnenauf- 
gang mehrfach bis — 5*^ C. 

1909. Korschin b. Skorzencin, erste 1. Okt., Hauptzug 11. Okt., 
9. Nov. Nacht lO./ll. Okt. starker Nebel, dann am Tage 
warm, Sonnenschein. Nacht vom 8./9. Nov. Regen, morgens 
kalt, trübe, von 11 Uhr ab Sonnenschein. Herbstzug im 
hiesigen Reviere stets in folgender Weise: Am 20. Sept. etwa 
nach nebeligen, windigen, trüben, kühlen Nächten die ersten 
Schnepfen vereinzelt. Etwa vom 10.— 15. Okt. gröfserer 
Schub, der sich nur 1-2 Tage aufhält, dann nochmal vom 
3.— 10. Nov. 

1910. Korschin, erste 6. Sept., letzte 5. Nov. Am 5. Okt. viele. 
(Nacht vorher regnerisch und stürmisch, Tag windig, bedeckt, 
auch Regen.) Vereinzelte beständig im Reviere, besonders 
nach nebeligen, trüben, windigen Nächten, 

1909. Schulzenwalde, Post Schwessin, Kreis Rummelsburg, erste 
20. Sept., Hauptzug 20.— 30. Sept. (Meist warm mit kühlen 
Nächten.) 

1910. Schulzen walde, erste 26. Sept., letzte 29. Okt. Kein 
Hauptzug beobachtet. 

1909. Wildungen, letzte 3. Nov. Nur ganz wenig Schnepfen 
beobachtet. Von einem Zuge kann gar nicht gesprochen 
werden. 

1910. Wildungen. Kein Haupttag beobachtet. In den ersten 
Oktobertagen überall vereinzelt. 

1909. Zanderbrück b. Wehnershof, erste 15. Sept., letzte 29. Okt. 
Haupttage nicht. 

1910. Zanderbrück. Haupttage nicht beobachtet. 

1909. Chotzenmühl b. Gr.-Konorzyn. In dieser Ödlands-Ober- 
försterei ziehen keine Schnepfen. 

1909. Gildon, Kr. Konitz, erste 10. Okt., letzte 8. Nov., Haupt- 
zug 15. Okt. (kalte, nebelige Nacht), 21., 22. Okt. (an den 
Tagen je 2 Schnepfen beobachtet). Schnepfen selten hier. 
Suche fast gar nicht ausgeübt. Nur Herbst 1909 Zug ziem- 
lich stark. 

1910. Gildon. Schon Anfang Sept. beobachtete Schnepfen wohl 
Brut Schnepfen. Besondere Haupttage nicht wahrgenommen. 
Vielleicht am 5., und vom 12. — 14. Okt. zahlreichere Schnepfen 
im Reviere, auch am 31. Okt. Des geringen Zuges und der 
schwierigen lokalen Verhältnisse wegen (grofse Schonungen) 
Beobachtungen unsicher. 

1910. Rittel, Westpr. Ostbahn. Am 26. Sept. eine Schnepfe er- 
legt, Brutschnepfe? Anfang Okt. viel auf den Treibjagden. 
Keine Suchjagd, daher keine sichern Beobachtungen. 



212 J. Thienemann: 

1909. Lindenberg b. Schlochau Westpr., erste 21. Sept., letzte 
30. Okt., Hauptzug 15.-20., 23.-27. Okt. Trafen in den 
Nächten vom 15./16. und 23./24. ein. Witterung au den 
Haupttagen und Nächten warm. Die Beobachtungen gelten 
nur mit Vorbehalt, da im Reviere viel Brutschnepfen lagen. 
Diese werden immer häufiger. Im Frühjahr fällt der Haupt- 
zug in die Zeit vom 15. bis 23. April, und so werden bei der 
neuen Schonzeit keine Brutschnepfen mehr geschossen. 

1910. Lindenberg, erste 16. Sept., letzte 3. Nov., Hauptzug 20, und 21. 
— 23., 26.— 30. Sept., 4.-6., 11.— 14. Okt. Beobachtungen der 
vorhandenen Brutschnepfen wegen etwas unsicher. 
Zahl der Brutschnepfen hat merklich zugenommen. Im Som- 
mer hört man sie allabendlich murksen. An einem Sommer- 
abend 1910 wurden in einem Jagen einmal 3 Gesperre hoch- 
gemacht. Die im Herbste erlegten Stücke wohl zum gröfsten 
Teil hier erbrütete Schnepfen. 

1909. Konitz, erste Anfang Sept., letzte Anfang Okt.?, Haupttage 
nicht, aber Anfang Okt. die meisten. Schnepfen sehr selten in 
diesem Reviere. 

1910. Konitz, da Brutschnepfe vorhanden Termin für erste unsicher, 
letzte 12 Nov. Am 25. August wurden abends 10 Schnepfen 
beim Zuge beobachtet. 

1909. Lutau, erste unsicher, da reichlich Brutschnepfen vorhanden, 
letzte 8. Nov., Hauptzug: am 20. Okt. mehr als sonst. Massen- 
einfall nicht. 

1910. Lutau. Haupttage hier nicht zu beobachten. Solche wohl 
mehr an der Küste. Zuverlässige Beobachtungen nicht gemacht. 
Im allgemeinen eine Vermehrung der Schnepfe festzustellen. 

1909. Nakel, erste 22. Sept., letzte bis in den Nov. hinein, auch 
am 11. Nov. noch. Nur einzelne Schnepfen beobachtet. 

1910. Nakel, Zug vom 20. Sept. bis 30. Okt. Keine Haupttage. 
Auch Brutschnepfen vorhanden. 

1909. Plietnitz (Kr. Dt. Krone), erste 20. Sept., 28. Okt. letzte 
erlegt. Es wird nicht gesucht. Keine Beobachtungen gemacht. 

1910. Plietnitz. Keine Beobachtungen über besonders starken 
Einfall gemacht. 

1909. Schönthal (Kr. Dt.-Krone), erste 14. Sept., letzte 2. Nov., 
Hauptzug 9. — 14. Okt. (16. Okt.?) A^n den Haupttagen trübes, 
nebeliges Wetter mit feinem Regen. Zug von NO nach^SW. 

1909. Dt. Krone, erste Ende Sept., letzte 26. Okt., Hauptzug 
16.-22. Okt. 

1910. Dt. Krone. Hauptzug 16. und 26. Okt. 

1910, Döberitz. In diesem Jahre Schnepfen nur vereinzelt. 
1909. Seigenau, die ersten 14. Sept. (sind wohl B r u t Schnepfen 
gewesen), letzte Mitte Nov. Am 30. Okt. zahlreiche Schnepfen 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 213 

im Reviere, aber auch noch in den folgenden Tagen. Also 
nicht plötzlicher zahlreicher Zuzug und Abzug. 
Witterung sehr warm. Im Frühjahre 1909 wurden 2 Gelege 
gefunden. 
1910. Seigenau. Zug begann sehr spät: 26. Sept. Zug verlief 
sehr wechselnd, nicht gleichmäfsig, bis 24. Okt. Hauptzug 
30, Sept., 11,, 19. Okt. Am 30. Sept. und 11. Okt. ziemlich 
warm mit darauffolgenden kalten Nächten. Am 19. Okt. 
ziemlich heftiger NO, der augenscheinlich den weitaus gröfsten 
Teil der Schnepfen zum Weiterzuge veranlafste, denn an den 
folgenden Tagen wurden nur noch wenig beobachtet. 

1909. Grabau, erste 21. Sept., letzte 31. Okt. Keine Haupt- 
tage. Nur wenig Schnepfen gezogen. 

1910. Grabau, erste 25. Sept., letzte Mitte Nov., Hauptzug die 
ersten Oktobertage. Besonders der Abend des 7. Okt.; da 
wurden von einem Beamten 9 Stück beobachtet. Witterung 
regnerisch, stürmisch. oder NO. 

1909, Rohrwiese b. Niekosken, erste 30. Sept. Seit dem 30. Sept. 
streichen die Schnepfen jeden Abend vereinzelt. 

1909. Tütz. Schnepfen nicht beobachtet. 

1910. Tütz. Schnepfen sind hier nicht beobachtet worden. 

1909. Schönlanke, Kr. Czarnikau, erste 27. Sept., letzte Mitte 
Nov., zweifellos B r u t Schnepfen darunter, Haupzug 10. Okt., 
warme Witterung, Westwind. Der 10, Okt. stets hier ein 
guter Schnepfentag (nach früheren Beobachtungen). 

1910. Schönlanke, erste 20. Sept., letzte 4, Nov. Am 17. Okt. 
7 Stück; warm, W. Die Schnepfen zogen sehr hoch nach 
Westen. Am 3. Okt. eine Schnepfe beobachtet, die laut balzte 
wie im Frühjahre. 

1909. Hollweg, Kr. Czarnikau, erste 19. Sept., letzte 27. Okt. 
Nacht vom 19./20. Okt. sehr starker Einfall (dunkel, aber 
nicht übermäfsig nebelig). Nacht vom 20./21. Okt. dichter 
Nebel. Schnepfen am 21. deshalb noch da. Nacht vom 
21./22. Okt. nicht so nebelig wie die vorige, Schnepfen 
ziehen ab. Immer mildes Wetter. Am 20. Okt. von einem 
Beamten 12—15 Stück hochgemacht. Am 21. Okt. bei einer 
Treibjagd sehr viel Schnepfen. Am 22. Okt. keine Schnepfe 
mehr da. 

1910. Hollweg, erste 11. Sept. letzte 3. Nov., Hauptzug 13. Okt. 
(abends 9 Stück auf dem Zuge beobachtet, darunter 3 zu- 
sammen). Am 15. Okt. waren sie trotz starken Nebels in 
den vorhergehenden Nächten fort. 

1909. Podanin b. Kolmar, die ersten 18.— 23. Sept., die letzten 
25.-28. Okt., Hauptzug 5., 6. und 14.— 18. Okt. Stilles, 
klares Wetter mit Sonnenschein; Nächte kühl, aber frostfrei. 

Jo»rn. f. Orn. LX. Jahrg. Aj)ril 1912. 15 



214 J. Thienemann : 

1910. Podanin, erste 17. Sept., letzte 8. Nov., Hauptzug 7. bis 
10. und 14. Okt., 2.-4. Nov., besonders den 3. (Trockenes 
oder regnerisches Wetter bei 0.) Am 3. Nov. kamen bei 
einer Treibjagd etwa 30 Schnepfen vor. 

1909. Margoninsdorf, erste 14. Sept., letzte 9. Nov. Am 13. Okt. 
3 gesehen. In gröfserer Zahl in diesem Herbste nicht 
gezogen. 

1910. Margoninsdorf, erste 5. Okt. Mitte Nov. immer noch 
welche im Revier. Keine gröfseren Mengen. 

1910. Durowo b. Wongrowitz, erste 3. Okt., letzte 21. Okt. 
Keine Haupttage. Es sind im ganzen nur 4 Schnepfen ge- 
funden worden. 

1909. Nothwendig b. Filehne, erste 5. Okt., letzte 20. Okt. 
Keine Haupttage festgestellt. 

1910. Nothwendig, erste 13. Sept., letzte 5. Nov., Haupzug 
1. — 5 und 19. — 20. Okt. Die Haupttage folgten nach kühlen 
Nächten mit leichtem Frost und vorwiegend östlichen Winden. 
Im allgemeinen nur wenig Schnepfen gesehen. 

1909. Dratzig. Keine Haupttage festzustellen. Nur vereinzelt 
Ende Sept. und Anf. Okt. aufgetreten. 

1910. Dratzig, erste 28. Sept., letze 18. Nov., Hauptzug die 
letzten September- und ersten Oktobertage (aber nicht viel 
Schnepfen). 

1909. Hartigsheide (Heidchen), erste 24. Sept.?, viel Brut- 
schnepfen, letzte 9. Nov., Hauptzug vielleicht 6., 7., 11. Okt. 
Hielten sich nur 1 — 2 Tage auf. Nacht vom 5/6. Okt. kühl, 
W 2. 6. Okt. warm, W 2. 6./7. Okt. kalt, Reif, SO 2. 7. Okt. 
warm, trübe, W 2. lO./ll. Okt. Regen, mild, SW 4. 11. Okt. 
warm, W 2. 

1910. Hartigsheide, erste 2. Okt., letzte 17. Nov. Keine Haupt- 
tage. Ein eigentlicher Herbstzug hier noch niemals beobachtet. 
Was man im Herbste sieht, sind wohl Brutschnepfen oder im 
Revier erbrütete Exemplare. 

1909. Obornik, erste 24. Sept, letzte 14. Nov., Hauptzug 
14. Okt. Klar, tags sonnig und warm, nachts kühl und 
nebelig. SW. 

1910. Obornik, erste 14. Sept., letzte 21. Nov. Keine Haupt- 
tage festgestellt. Am Abend des 13. Okt. von einem Beamten 
4 Stück gesehen. 

1909. Eckstelle b. Langgoslin, erste Anfang Okt.?, Brut- 
schnepfen vorhanden, letzte 18. Nov., Hauptzug vielleicht 
10.— 14. Okt. Witterung tags warm, nachts kühl z. T. 
nebelig, SW. 

1910. Eckstelle, erste 26. Sept., letzte 22. Nov. Um den 
10.— 12. Okt. lagen die meisten hier. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 215 

1909. Grünheide b, Glembotschek und benachbarte Herrschaft 
Zirzonka, erste 3. Okt., letzte 1. Nov., Hauptzug 10. — 16. Okt. 
Still, klar, NO. In den letzten Jahren mehr Schnepfen wie 
1892 — 1904. In den Jahren 1905 und 1906 auffallend starker 
Frühjahrszug, der sonst hier unbedeutend ist. 

1910. Grünheide. Hauptzug 10.— 12. Okt. Suche unmöglich, 
da die Schnepfen in Kieferndickungen liegen. Eine Zunahme 
der Schnepfen hier zu beobachten, veranlafst jedenfalls durch 
die verlängerte Schonzeit im Frühjahre. 

1909. Warthewald b. Orzechowo (Posen). Zur eigentlichen Zug- 
zeit Schnepfen in diesem Herbste nur ganz selten. Auffallend 
dagegen das verhältnismäfsig häufige Vorkommen zur Zeit 
der Hasentreibjagden zwischen 7.— 18. Nov. Zug also ver- 
spätet. 

1910. Warthewald. Keine Hauptzugtage in diesem Herbste. 
Zugschnepfen sind nur ganz vereinzelt gesehen worden. 

1909. Grenzheide, Post Wielowies, erste 22. Sept., letzte 18. Nov., 
Hauptzug Anf. Okt. 3 Stück, 13. Okt. 3 Stück, 24. Okt. 3 Stück, 
5. Nov. 12 Stück. Bei trübem, regnerischem, aber warmem 
Wetter und südöstlichen Winden. Am 5. Nov. leichter N, 
Zugrichtung nach SSW. Im Vergleich zu den Vorjahren 
wenig Schnepfen. 

1910. Grenzheide. Keine Haupttage. Zug in diesem Herbste 
aufsergewöhnlich schwach. Nur vereinzelt gesehen. Am 
9. Oktober 3 Stück. 

1909. Wanda, erste 7. Okt. bei SO, letzte 21. Nov., Hauptzug 
zwischen dem 10. — 20. Okt. (aber nur vereinzelt). Wetter 
warm, sonnig. Gegen frühere Jahre nur sehr geringer Zug. 

1910. Wanda, Hauptzug 14. und 15. Okt. Wetter heiter, west- 
liche Winde, warm. Sonst noch vereinzelt am 22. Okt., 
25. Okt., 2. Nov. Auf dem „Strich" in diesem Herbste nichts 
beobachtet. 

1909, Wronke (Nadolnik), erste 15. Sept., letzte 2. Nov. Ein- 
heitliche Haupttage fürs ganze Revier nicht wahrgenommen. 
15. Okt. (trübe, Nacht nafskalt) und 9.— 12. Okt. (warm, nachts 
ziemlich kühl, fast windstill). Zug in diesem Jahre gering. 

1910. Wronke, erste 22. Sept., Hauptzug 1.— 5. Okt., 16.— 20. Okt. 

1909. Hundeshagen (Bucharzewo b. Zirke), erste 27. Sept., letzte 
11. Nov. Der eigentliche Zug fiel in die Zeit vom 27. Sept. 
bis 12. Okt. Zug in diesem Herbste zu gering, um genaue 
Beobachtungen anstellen zu können. 

1910. Hundeshagen, erste 13. Sept., letzte 15. Nov. Keine 
Haupttage. Zug wie in den meisten früheren Jahren ganz 
gering und gleichraäfsig auf die Zeit vom 13. Sept. bis 18. Okt. 
verteilt. 

15* 



216 J. Thienemann: 

1909. Zirke, erste 17. Sept., letzte 30. Okt. Am 20. Okt. bei 
einer Treibjagd 5 Stück gesehen (trübe, feucht). Hier meist 
nur sehr vereinzelt auftretend. 

1910. Zirke, erste 22. Sept., letzte 15. Nov. In der zweiten 
Hälfte des Oktobers besonders viel. Bei Treibjagden im Okt. 
und Nov. wiederholt Schnepfen gesehen. 

1909. Waitze(Kl. Krebbel). Schnepfen hier ganz selten vorkommend. 

1910. Waitze. Nur ganz vereinzelt diesen Herbst aufgetreten. 

1909. Birnbaum (Vorheide). Schnepfe im Herbste hier nur 
vereinzelt, im Frühjahre fast gar nicht. 

1910. Birnbaum. Schnepfen kommen hier nur vereinzelt vor, 
auch diesen Herbst nur ganz vereinzelt beobachtet. 

1909. Buchwerder b. Bolewitz, erste 14. Sept., letzte 10. Nov. 
Unbestimmt, da Brutschnepfen im Reviere. Hauptzug 10. Nov. 
Nacht 9./10. erster starker Frost, klar, 0. Nach Einführung 
der verlängerten Schonzeit im Frühjahre starke Zunahme der 
Schnepfen im Herbste zu bemerken. Auch Brut Schnepfen 
in jedem Jahre im B,eviere. 

1910. Buchwerder, Hauptzug 14. Okt., es lagen zahlreiche 
Schnepfen im Reviere. 

1909. Schwerin a. d. W., erste 15. Sept., letzte 14. Nov. Keine 
Haupttage. Schnepfen hier zu selten. Suchjagd wird fast 
gar nicht ausgeübt. Zu dichte Kiefernschonungen. 

1910. Schwerin, erste 16. Aug. (das sind Brutschnepfen), letzte 
11. Nov.; Hauptzug 16., 26. Sept., 10., IL, 12., 16. Okt. Sonnig, 
klar, nachts stürmischer NW und 0. Im Herbst 1910 mehr 
Schnepfen als in den Vorjahren. 

1910. Rosenthal (Schwerin an d. Warthe), erste schon am 26. Aug. 
(das ist sicher Brutschnepfe), letzte Ende Nov.; am 16. und 
26. Sept., 10., IL, 12. Okt. die meisten bemerkt. Zug 1910 
früh begonnen. Hauptzug schon im Sept., sonst im Okt. 

1909. Brätz, erste 19. Sept., letzte 17. Nov., Hauptzug für die 
einzelnen Schutzbezirke: 30. Sept. bis 7. Okt., 16. — 18. Okt., 
17. — 24. Okt., 3. und 4. Nov.; schönes, klares Herbstwetter, 
ohne Regen und Frost. Seit Einführung der verlängerten 
Schonzeit im Frühjahre Zahl der Schnepfen im Herbste sehr 
zugenommen. Brutschnepfe im Reviere. 

1910. Brätz, erste 13. Sept., letzte 17. Nov. Keine Haupttage. 
Zug in diesem Jahre aufsergewöhnlich schwach. 

1909. Ludwigsberg, erste 28. Sept., letzte 16. Nov., Hauptzug 
IL Okt. Warm, klar, schwacher 0, Nachts starker Nebel. 

1910. Ludwigsberg, erste 23. Sept., letzte 9. Nov., Hauptzug 
vielleicht 9. Nov. (Auf einer Treibjagd 7—8 Stück gesehen.) 
Wetter trübe, Regen, SW. Im allgemeinen nur vereinzelt 
und weniger als in den Vorjahren. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 217 

1909. Manche (Reg.-Bez. Posen), erste 24. Sept., letzte Ende 
Nov., keine Haupttage wie in andern Jahren. Des gleich- 
mäfsigen milden Wetters wegen Zug sehr gleichmäfsig. 

1910. Mauche, erste 2. Okt., Hauptzug vielleicht 12. Okt. (5 Stück 
auf einer Treibjagd geschossen). Regelmäfsige Suche hat nicht 
stattgefunden. 

1909. Schwenten, erste 28. Sept., letzte 16. Nov. Schnepfen 
hier wie in jedem Jahre nur ganz vereinzelt. 

1910. Schwenten, letzte 15. Nov., Hauptzug 20. Okt., 7. Nov. 
(Nacht 6./7. starker Nebel). In diesem Herbste hier ver- 
hältnismäfsig häufig beobachtet. 

Es folgt nun eine Zusammenfassung der Ergebnisse. Ich 
werde verschiedene Fragen stellen und sie aus dem vorliegenden 
Materiale zu beantworten suchen. 



I. Zusammenfassung 1909. 

I. Was läfst sich aber die sogenannten Hanpttage 
nnd Hauptzngzeiten sagen? 

Wie schon erwähnt sind solche Tage, an denen ein ganz 
besonders starker Masseneinfall von Waldschnepfen statt- 
gefunden hat, im Herbst 1909 im Beobachtungsgebiete nicht 
zu verzeichnen gewesen. Wenn man die Verhältnisse nicht pressen 
will, so ergibt sich folgendes : In den Nächten vom 9. zum 10. 
und vom 10. zum 11. Oktober ist ein gröfserer Schub Schnepfen 
angekommen und hat besonders die am Kurischen und Frischen 
Haff gelegenen Gebiete bevölkert, ganz ähnlich wie damals in 
der Nacht vom 16./17. Oktober 1908; nur in viel kleinerem 
Mafsstabe. Folgende Oberförstereien melden übereinstimmend 
den 10. und 11. Oktober als gute Schnepfentage an denen starker 
Zuzug stattgefunden hat. Den 10.: Klooschen^), B,ossitten oder 
Kurische Nehrung, Ibenhorst, Fritzen, Fischhausen, Frische Neh- 
rung, ferner Eichwald, Tzullkinnen, Turoscheln und Schönlanke. 
Die letzte Oberförsterei bezeichnet den 10. Oktober als einen 
Tag, der stets gut ist. Den 11.: Klooschen, Norkaiten, Rossitten 
oder Kurische Nehrung, Ibenhorst, Dingken, Fritzen, Steegen, 
Astrawischken, ferner Korschin und Ludwigsberg, Suchen wir 
uns diese Orte auf der Karte auf, so können wir deutlich eine 
breite, an den Haffen sich hinziehende Zugbahn oder besser ge- 
sagt Besiedelungs- oder Einfallsbahn verfolgen. Aus der Nennung 
der aus dieser Bahn herausfallenden Orte Turoscheln, Schönlanke, 
Korschin und Ludwigsberg Schlüsse auf den Fortgang des Zuges 
zu ziehen, unterlasse ich aus den oben angeführten Gründen. 



1) Auf der Karte sind diese Orte mit |~ ~| bezeichnet. 



218 



J. Thienemann: 



Sieht man nun in vorstehender Zusammenstellung die Haupt- 
zugtage genau durch, so wird man finden, dafs noch eine ganze Anzahl 
anderer, eben nicht genannter Obertörstereien den 10. und 1 I.Oktober 
als Tage angibt, an denen mehr Schnepfen als sonst im Reviere 
gelegen haben, aber dann sind diese Tage nicht allein genannt, 
sondern finden sich in einer Serie, etwa „9. — 15. Oktober". Das 
sagt uns nichts über einen einmaligen, plötzlichen 
Einfall, dessen Verlauf wir verfolgen könnten. Berücksichtigt 
man allerdings alle unter „Hauptzug" genannten Tage und 
schreibt die betreffenden Namen der Beobachtungsorte in gleichen 
Abständen für jeden einzelnen Tag untereinander, so erfährt man, 
für das Auge an der Länge oder Kürze der einzelnen Spalten 
schon äufserlich sichtbar, die Haupt zugzeiten, wann in dem 
Beobachtungsgebiete die meisten Schnepfen angetroflfon worden 
sind. Das sieht dann so aus: 





Septem 


ber 1909. 




20. 


21. 


22. 


23. 


Warnicken 


Gertlauken. 




Kranichbruch 


Gertlauken. 


1 mal. 




1 mal. 


2 mal. 








24. 


25. 


26. 


27. 


Kranichbruch. 


Kaltenborn 


Taberbrück 


Schnecken 


1 mal. 


Deutschheide. 


Jablonken 


Fritzen 




2 mal. 


Kaltenborn 


Jablonken 






Pfeilswalde. 


Kaltenborn 






4 mal. 


Orteisburg 
Pfeilswalde. 
6 mal. 


28. 


29. 


30. 




Schnecken 


Schnecken 


Schnecken 




Fritzen 


Fritzen 


Tapiau 




Greiben 


Tapiau 


Prinzwald 




Tapiau 


Prinzwald 


Kaltenborn? 




Gauleden 


Kaltenborn ? 


Lindenbusch. 




Gertlauken 


Grünfliefs 


5 mal. 




Prinzwald 


Lyck 






Jablonken 


Schönberg 






Kaltenborn 


Lindenbusch. 






Pfeilswalde 


9 mal. 






Schönberg. 








11 mal. 










Oktob 


er 1909. 




1. 


2. 


3. 


4. 


Schnecken 


Schnecken 


Schnecken 


Schnecken 


Tapiau 


Tapiau 


Drusken 


Fritzen 


Prinzwald 


Gertlauken 


Borken 


Leipen 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 



219 



Oktober 1909. 



1. 


2. 


3. 


4. 


Sadlowo 


Prinzwald 


Prinzwald 


Drusken 


Kaltenboni 


Jablonken 


Jablonken 


Jablonken 


Schönberg 


Purden 


Purden 


Purden 


Rehhof. 


Corpellen 


Corpellen 


Corpellen 


7 mal. 


Oliva 


Kullik 


Kullik 




Rehhof 


Rehhof 


Oliva 




Jammi. 


Cifs. 


Marienwerder 




10 mal. 


10 mal. 


Cifs 
Hagen. 

12 mal. 


5. 


6. 


7. 


8. 


Fritzen 


Drusken 


Gertlauken 


Schorellen 


Leipen 


Gr. Papuschienen Schorellen 


Goldap 


Drusken 


Kranichbruch 


Nassawen 


Rothebude 


Kranichbruch 


Schorellen 


Rothebude 


Liebemühl 


Wichertshof 


Wichertshof 


Hohenstein 


Corpellen 


Nassawen 


Warnen 


Corpellen 


Kullik 


Rothebude 


Nassawen 


Kullik 


Friedrichsberg 


Tab erbrück 


Rothebude 


Lyck 


Neustadt. 


Jablonken 


Borken 


Friedrichsberg 


8 mal. 


Corpellen 


Sadlowo 


Neustadt 




Kullik 


Corpellen 


Hartigsheide. 




Mirchau 


Kullik 


11 mal. 




Marienwerder 


Finckenstein 






Cifs 


Friedrichsberg 






Hagen. 


Rehhof 






15 mal. 


Schulitz 
Hartigsheide. 
17 mal. 






9. 


10. 


11. 


12. 


Schorellen 


Klooschen 


Klooschen 


Dingken 


Warnen 


Rossitten 


Rossitten 


Leipen 


Goldap 


Ibenhorst 


Norkeiten 


Kl. Naujok 


Rothebude 


Frische Nehrung 


Ibenhorst 


Drusken 


Hartigswalde 


Fischhausen 


Dinken 


Warnen 


Corpellen 


Fritzen 


Fritzen 


Schwaigendorf 


Kullik 


Leipen 


Leipen 


Hartigswalde 


Finckenstein 


Kl. Naujok 


Kl. Naujok 


Corpellen 


Friedrichsberg 


Eichwald 


Schwaigendorf 


Turoscheln 


Neustadt 


TzuUkinnen 


Sadlowo 


Schönberg 


Lindenbusch 


Schwaigendorf 


Hartigswalde 


Ruda 


Schönthal 


Sadlowo 


Corpellen 


Krausenhof 


Wronke. 


Hartigswalde 


Steegen 


Königsbruch 


13 mal. 


Corpellen 


Schönberg 


Glinke 



220 






J. Tbienemann: 






Oktober 1909. 




9. 


10. 


11. 


12. 




Turoscheln 


Friedrichsberg 


Bartelsee 




Schönberg 


Ruda 


Schulitz 




Friedrichsberg 


Stangenwalde 


Schönthal 




Ruda 


Königsbruch 


Eckstelle 




Wilhelmsberg 


Lindenbusch 


Grünheide 




Neustadt 


Glinke 


Wronke 




Bartelsee 


Bartelsee 


Hundeshagen 




Schulitz 


Korschin 


Wanda. 




Schönthal 


Schönthal 


22 mal. 




Schönlanke 


Hartigsheide? 






Eckstelle 


Eckstelle 






Grünheide 


Grünheide 






Wronke 


Wronke 






Wanda. 


Ludwigsberg 






28 mal. 


Wanda. 
29 mal. 




13. 


14. 


15. 


16. 


Leipen 


Leipen 


Leipen 


Fritzen 


Kl. Naujok 


Kl. Naujok 


Neu-Sternberg 


Leipen 


Drusken 


Drusken 


Eichwald 


Gertlauken 


Schwaigendorf 


Kranichbruch 


TzuUkinnen 


Eichwald 


Lyck 


Eichwald 


Reufswalde 


TzuUkinnen 


Schönberg 


Wichertshof 


Rehhof 


Goldap 


Ruda 


Reufswalde 


Königsbruch 


Reufswalde 


Oliva 


Ruda 


Bartelsee 


Gr. Barthel 


Rehhof 


Rehhof 


Kirschgrund 


Bartelsee 


Krausenhof 


Königsbruch 


Grünheide 


Grünheide 


Königsbruch 


Bartelsee 


Wronke 


Wanda. 


Bartelsee 


Schönthal 


Wanda. 


11 mal. 


Schönthal 


Obornik 


12 mal. 




Eckstelle 


Eckstelle 






Grünheide 


Grünheide 






Wanda. 


Wanda. 






16 mal. 


16 mal. 






17. 


18. 


19. 


20. 


Fritzen 


Mehlauken 


Kobbelbude 


Leipen 


Leipen 


Gertlauken 


Greiben 


Mehlauken 


Pfeil 


Eichwald 


Leipen 


Eichwald. 


Mehlauken 


Augstutschen 


Mehlauken 


Reufswalde 


Eichwald 


Reufswalde 


Eichwald 


Marienwerder 


TzuUkinnen 


Rebhof 


Reufswalde 


Hollweg 


Augstutschen 


Wanda. 


Lyck 


Zirke 


Taberbrück 


7 mal. 


Schönberg 


Wanda. 


Reufswalde 




Wanda. 


8 mal. 


Wilhelmsberg 




9 mal. 





X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 



221 





Oktober 1909. 




17. 
Rehhof 
Wanda. 
12 mal. 


18. 


19. 


20. 


21. 
Leipen 
Hollweg. 
2 mal. 


22. 
Kudippen 
Rehhof. 
2 mal. 


23. 
Leipen. 
1 mal. 


24. 
Tillehnen 
Leipen 
Mehlaukeu 
Wichertshof. 
4 mal. 


25. 

Rossitten 
Tellehnen 
Mehlaukeu 
Rehhof. 
4 mal. 


26. 
Rossitten 
Kranichbruch 
Kudippen 
Kosten 
Königsbruch, 
5 mal. 


27. 
Wilhelmsbruch 
Kudippen 
Ruda 

Königsbruch. 
4 mal. 


28. 
Rossitten 
Königsbruch, 
2 mal. 


29. 
Lindenbruch. 
1 mal. 


30. 


31. 






N V e m b 


er 1909. 




1. 

Rehhof. 
1 mal. 


0^ 

Rossitten 
Rehhof. 
2 mal. 


3. 
Frische Nehrung 
Kl. Naujok 
Gertlauken 
Rehhof. 
4 mal. 


4. 
Oliva. 

1 mal. 


5. 
Oliva 

Grenzheide 
2 mal. 


6. 

Oliva 
Buchberg. 
2 mal. 


7. 
Warthewald 

(7.— 18. Nov.). 


9. 
Korschin. 


10. 
Buchwerder. 









Was sagt uns diese Zusammenstellung? An den zuerst 
genannten Tagen (20. September ff.), die verhältnismäfsig viel 
Schnepfen gezeigt haben, wird es sich wohl vielfach noch um 
Brutschnepfeu, oder in der Nähe erbrütete Vögel gehandelt haben. 
Mit dem 28. September ist ein Steigen des Zuges zu bemerken. 
Dann verläuft der Zug ziemlich gleichmäfsig, hebt sich etwas am 
5. und 6. Oktober, um am 10. und 11. Oktober seinen Höhepunkt 
zu erreichen. Dann flaut er ziemlich gleichmäfsig ab und ist 



222 • J. Thienemann : 

von Ende Oktober an schon sehr unbedeutend. Eine kleine 
Steigerung findet noch einmal in den ersten Novembertagen statt. 
Der 10. und 11. Oktober 1909 sind für das Beobach- 
tungsgebiet kritische Tage. Sie werden wir auch noch 
bei Betrachtung der Witterung heranziehen müssen. 

Der Herbstschnepfenzug 1909 zeichnet sich also durch das 
Fehlen von hervorragenden Haupttagen aus. Damit ist sein Typus 
gegeben: er ist mehr gleichmäfsi g und allmählich ver- 
laufen und hat sich über einen verhältnism äfsig 
langen Zeitraum erstreckt. Auf diese Tatsache wird in 
den Berichten klipp und klar hingewiesen. Allein 14 Ober- 
förstereien betonen diesen Umstand ganz ausdrücklich, und zwar 
wird als Grund dieser Erscheinung die gleichmäfsige Witterung 
angegeben. Damit kommen wir auf die zweite Frage: 

2. Was lehrt das gesammelte Material über die Beziehungen 
zwischen Witterang nnd Schnepfenzag? 

Um deutlich zu sein, mufs ich ganz kurz auf die Ergebnisse 
meiner Untersuchung des grofsen Schnepfeneinfalles vom 17. Ok- 
tober 1908 zurückgreifen. Es wurde damals festgestellt, dafs der 
Oktober 1908, was die Witterung anlangt, in zwei ganz ungleich- 
förmige Hälften zerfiel. Die erste auffallend warm und ohne 
Ostwind, und die zweite kalt mit durchgehenden Ostwinden. 
Die Grenzscheide zwischen diesen 2 Witterungsperioden bildete 
eben der kritische grofse Schnepfentag. Durch diese plötzlich 
eintretende Witterungsveränderung waren also die Schnepfen zur 
Wanderung getrieben worden. Wie stehts dagegen 1909? Da 
sind, wie die Monatstabellen der hiesigen meteorologischen Station 
zeigen, Wind und Temperatur gl eichm äfsig über die zwei 
in Betracht kommenden Monate, September und Oktober, verteilt. 
Es fehlt an durchgehenden Ostwinden. Die Summe der 
Temperatur-Tagesmittel in der ersten Oktoberdekade 1908 betrug 
127,5^ in der zweiten nur 73, 5^ in der dritten 47, ö*'. Man be- 
achte diese starke Abkühlung, die damals schon Schnee und Frost 
brachte. Für Oktober 1909 dagegen lauten dieselben Zahlen: 
126,2"; 124,1« und 102,7° und für September 1909: 147,30; 150,4« 
und 148,7«. Diese Gleichmäfsigkeit 1 Frühfröste fehlten 1909, 
der Sommer zog sich lange hin, die Schnepfen hatten also keine 
Veranlassung, in Massen plötzlich aufzubrechen, sie zogen mehr 
einzeln dem Süden zu. 

Sobald aber einmal im Oktober 1909, wenn auch nur für 
kurze Zeit, durchgehende Ostwinde einsetzten, da waren auch so- 
fort mehr Schnepfen da, und das war um die Zeit der schon 
mehrfach erwähnten kritischen Tage, 10. und 11. Oktober. Ich 
will den betreffenden Ausschnitt aus der Monatstabelle hierher- 
setzen (vom 7.— 15. Oktober 1909): 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 223 



7. 


NW 2 


NW 2 


NW 1 


8. 


SO 2 


SO 3 


SO 3 


9. 


SO 4 


4 


4 


10. 


3 


1 


NO 1 


11. 


3 


1 


3 


12. 


4 


5 


5 


13. 


SO 3 


3 


4 


14. 


SO 4 


SO 4 


SO 4 



15. S 4 SW 4 S 2 

Es ist schon mehrfach von Ost winden die Rede gewesen, 
die für unser Beobachtungsgebiet Schnepfensegeu bringen. Diese 
Regel ist in ostpreulsischen Jägerkreisen ganz bekannt. Das 
vorliegende Material gibt auch über diese Frage deutlich Auf- 
schlufs. Als Begleiterscheinung der aufgeführten Haupttage wird 
angegeben : 

Ostwind 19 mal 

Südost 17 - 

Nordost 6 - 

Südwest 5 - 

Nord 3 - 

West 3 - 

Süd — - 

Nordwest — - 

Südwesten und Westen werden auffallenderweise für Beob- 
achtungsorte angeführt, die verhältnismäfsig nahe bcieinander- 
liegen, nämlich für Schönlanke, Hartigsheide, Obornik, Eckstelle, 
ferner noch für Taubenfliefs und Schönberg. Die Erklärung da- 
für ist meines Erachtens die: Aus allen diesen Revieren werden 
B r u t Schnepfen gemeldet, die die Unterscheidung der eigentlichen 
Herbst Wanderung von dem Umher st reichen der Brut- 
vögel erschweren. 

Im allgemeinen sind die Angaben über die Witterung ziemlich 
lückenhaft. Ich will keine Schlüsse weiter daraus ziehen. Bemerken 
will ich aber doch noch, dafs für die guten Zugnächte und Tage 
25 mal Nebel angegeben wird. Öfter heilst es „früh Nebel". 
Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, dafs die Schnepfen durch 
eintretenden Nebel veranlafst werden, sich niederzulassen, um dann 
das Revier zahlreicher als sonst zu bevölkern. Ferner werden die 
Zugnächte 11 mal als sternenhell und klar und 4 mal als dunkel 
bezeichnet. 

Am Schlufs dieses Abschnitts will ich nochmals die Regel 
aufstellen, die nicht nur für den Schnepfenzug, sondern nach 
meinen Erfahrungen für den Vogelzug im allgemeinen gilt: 
Lang anhaltende gleichmäfsige, für den Vogelzug 
passende Witterung, also eine lange Reihe von warmen, 
trocknen, hellen, ruhigen Tagen läfst den Vogel- 
zug ganz allmählich vor sich gehen. An jedem Tage 



224 J. Tbienemaon: 

zieht etwas, man merkt nicht viel davon, der Zug 
schläft nach und nach ein. Wenn aber während der 
Hauptzugzeit eine solche Reihe schöner Tage durch 
eine schlechte Witterungsperiode unterbrochen wird 
(Kälte, Regen, Nebel, Sturm), dann kommen nach 
deren Beendigung Haupttage, dann tritt der Vogel- 
zug in seiner Grofsartigkeit für den Beobachter in 
die Erscheinung. 

Diese Regel gilt für die Vogelzugstrafse Kurische Nehrung. 
Ob's anderwärts anders ist, lasse ich dahingestellt. 



3. Wie lange hielten sich die Schnepfen nach dem Einfall 

an den Hanpttagen im Reviere anf? 

(Bei dieser Frage ziehe ich die Beobachtungen von 1910 mit hinzu.) 

Den Jäger interressiert diese Frage ohne Zweifel ganz 
besonders, denn er mufs seine Jagd danach einrichten. Das vor- 
liegende Beobachtungsmaterial gibt die deutliche Antwort, dafs 
die Schnepfen, wenn es die Witterung irgend gestattet, 
in der nächsten Nacht schon weiter ziehen. 25 mal ist 
auf diese Gewohnheit der Schnepfen ausdrücklich hingewiesen; 
6 mal heifst es: 1—2 Tage; 1 mal 3 Tage; 2 mal 3—4 Tage; 
1 mal 1—5 Tage. 

So kann's kommen, dafs der Jäger, der mit Unterbrechungen 
die Suchjagd ausübt, gerade die Haupttage verpafst und nichts 
zu sehen bekommt, obgleich Unmassen von Schnepfen durch sein 
Revier gezogen sind. 

Dieselbe Regel gilt übrigens auch für eine grofse Anzahl 
anderer Zugvögel. Heute wimmelt z. B. nach einer guten Zug- 
nacht die Pallwe bei Rossitten von Steinschmätzern. Man braucht 
einige für die Sammlung, kommt aber nicht dazu sie heute zu 
erlegen, und morgen ist alles wie weggefegt. 

4. Was sagt das Beobachtangsmaterial über erste Anknnft 

and letzten Abzug der Schnepfen? 

Das ist eine heikle Frage. Erstens befinden sich in zahl- 
reichen Revieren Brut Schnepfen (ich verstehe darunter auch die 
erbrüteten erwachsenen Jungen), die die Feststellung des ersten 
Eintreffens von Zug Schnepfen erschweren, und zweitens gehört 
ein peinlich genaues tägliches Absuchen des Revieres dazu, um 
wirklich den ersten Ankömmling herauszufinden. Wir wollen 
also das vorhandene Beobachtungsmaterial nach der Richtung 
hin nicht zu sehr pressen und deuten. Etwa ein Vorrücken der 
Schnepfen von NO nach SW zeigen die gegebenen Daten nicht. 
Zu solcher Feststellung ist allerdings das Beobachtungsgebiet 
zu klein. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 225 

Die erste Ankunft wird gemeldet für den: 

2. September 1 mal. 24. September 6 mal. 



6. 


- 


1 


- 


25. 


- 


4 


7. 


- 


2 


- 


26. 


- 


3 


10. 


- 


4 


- 


27. 


- 


4 


12. 


- 


2 


- 


28. 


- 


12 


14.1) 


- 


5 


- 


29. 


- 


5 


15. 


- 


7 


- 


30. 


- 


3 


16. 


- 


3 


- 


1. 


Oktober 


5 


17. 


- 


3 


- 


2. 


- 


1 


18. 


- 


8 


- 


3. 


- 


2 


19. 


- 


4 


- 


5. 


- 


4 


20. 


. 


10 


- 


7.? 


- 


1 


21. 


- 


4 


- 


9.? 


- 


1 


22. 


- 


9 


- 


10.? 


- 


2 


23. 


- 


7 


- 









Der letzte Abzug wird gemeldet für den: 

20. Oktober 3 mal. 6. November 5 mal. 



21. 


- 


3 - 


7. 


- 


1 


22. 


- 


3 - 


8. 


- 


9 


24. 


- 


1 - 


9. 


- 


7 


25. 


- 


3 - 


10. 


- 


6 


26. 


- 


5 - 


11. 


- 


4 


27. 


- 


3 - 


12. 


- 


4 


28. 


- 


8 - 


13. 


- 


3 


29. 


- 


3 - 


14. 


- 


4 


30. 


- 


4 - 


15. 


- 


3 


31. 


- 


2 - 


16. 


- 


3 


1, 


November 


2 - 


17. 


- 


1 


2. 


- 


6 - 


18. 


- 


3 


3. 


- 


8 - 


21. 


- 


1 


4. 


- 


6 - 


24. 


- 


1 


5. 


- 


3 - 









Für die Ankunft werden also am häufigsten gemeldet der 
20., 22. und 28. September. 

Für den Abzug der 28. Oktober und der 3. und 8. November. 

5. Wie steht es mit der Häaflgkeit der Schnepfen? 

Darüber erfahren wir mancherlei. Wir müssen mehrere 
Fragen unterscheiden. 



1) Es mag dahingestellt bleiben, wie oft sich bis zu diesem 
Termine Brut Schnepfen unter den beobachteten Exemplaren befunden 
haben. 



226 J. Tliienemann: 

a) In welchen Revieren ist die Waldschnepfe im Herbste 1909 
wenig zahlreich vorgekommen, seltener wie in andern Jahren? 

(Auf der Karte sind diese Orte mit Y bezeichnet.) 

In Neu-Sternberg, Guszianka, Nikolaiken, Friedrichsfelde, 
Reufswalde, Commusin, Darslub, Kielau, Stangenwalde, Wilhelms- 
walde, Hagenort, Junkershof, Rosengrund, Jagdschütz, Thorn, 
Schirpitz, Stefanswalde, Mirau, Wildungen, Grabau, Grenzheide, 
Wanda, Wronke, Hundeshagen. Im ganzen in 24 Revieren. 

Bestimmte Regeln ergeben sich dafür nicht. Die be- 
treffenden Orte sind über das ganze Beobachtungsgebiet ver- 
streut. 

b) In welchen Revieren ist die Schnepfe im Herbst 1909 
besonders häufig vorgekommen, häufiger wie in andern Jahren? 

(Auf der Karte sind diese Orte mit \ bezeichnet.) 

In Nemonien, Fritzen, Greiben, Mehlauken, Gertlauken, 
Brödlauken, Pr. Eylau, Lyck, Schwaigendorf, Kosten, Marien- 
werder (Bialken), Bartelsee, Kirschgrund, Gildon. Im ganzen 
in 14 Revieren. 

Bevorzugt ist entschieden das Gebiet in der Nähe des 
Kurischen Haffs. Die Karte zeigt, dafs Orte, die in derselben 
Zugperiode wenig oder viel Schnepfen haben, dicht beieinander 
liegen können. Bleiben also einmal die ersehnten Schnepfen in 
einem Reviere aus, so soll man nicht gleich verallgemeinern und 
sagen „es gibt heuer wenig Schnepfen". Der Nachbar kann ihrer 
viele haben. 

c) Für welche Reviere wird die Schnepfe überhaupt als 
selten gemeldet? 

(Hier ziehe ich die Beobachtungen aus dem Jahre 1910 mit hinzu.) 
(Auf der Karte sind diese Orte mit / bezeichnet.) 

Für Wischwill, Schmalleuingken, Neu-Lubönen, üszballen, 
Wormditt, Rothebude, Grondowken, Drygallen, Wolfsbruch, Kullik, 
Jobannisburg, Breitenheide, Rudczanny, Corpellen, Kaltenborn, 
Willenberg, Grüufiiefs, Alt-Christburg, Riesenburg, Schwaigendorf, 
Wilhelmsberg, Alt-Eiche, Kosten, Sobbowitz, Pelplin, Krausenhof, 
Graudenz, Buchberg, Lippusch, Lorenz, Gr. Bartel, Wirthy, 
Hagenort, Charlottenthal, Taubenfliefs, Stronnau, Wodek, Tauben- 
walde, Chotzenmühl, Gildon, Konitz, Tütz, Hundeshageu, Zirke, 
Waitze, Birnbaum, Schwerin a. d. W., Schwenten. 

Arm an Zugschnepfen zeigt sich danach in zusammenhängen- 
der Weise besonders der südliche Teil der Provinz Ostpreufsen. 
Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dafs sich dort aus- 
gedehnte geschlossene Nadelwaldungen finden. Ich kenne die 
Reviere leider nicht aus eigener Anschauung. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Kossitten. 227 

d) Welche Reviere melden das Vorkommen von Brut Schnepfen? 
(Auch bei dieser Frage berücksichtige ich die Beobachtungen 

von 1910.) 

(Auf der Karte sind die betreffenden Orte mit ß bezeichnet.) 

Rossitten; Jura; Trappönen; Brödlauken (auffallend viel); 
Tzullkinnen (von Jahr zu Jahr zunehmend); Wichertshof; Crut- 
tinnen; Pfeilswalde (viel); Nikolaiken (viel); Puppen; Prinzwald; 
Alt -Christburg (mehr als sonst); Lonkorsz (auffallend viel); 
Schwaigendorf; Schönberg; Gnewau (weniger als sonst); Kielau; 
Mirchau; Karthaus; Stangenwalde; Sullenschin (häufig); Buchberg; 
Zwangshof; Gr. Bartel (von Jahr zu Jahr zunehmend); Wirthy; 
Königswiese (ziemlich häufig); Cifs; Jägerthal; Hagenort; Rehberg; 
Charlottenthal; Taubenfliefs; Wodek; Gildon; Rittel; Lindenberg 
(immer häufiger werdend); Konitz; Lutau (reichlich vorhanden 
und immer häufiger werdend); Nakel; Seigenau; Schönlanke; 
Hartigsheide (viel); Eckstelle; ßuchwerder; Schwerin a. d. W.; 
Rosenthal; Brätz. Man beachte vor allem die zusammenhängen- 
den Brutgebiete nordöstlich von Konitz in der Tucheier Heide. 

Ich mufs gestehen, dafs ich von der Häufigkeit der Mel- 
dungen über das Vorhandensein von Brutschnepfen in unserm 
Beobachtungsgebiete freudig überrascht war. Dabei ist eine 
dahingehende Frage in dem betreffenden Regierungs-Rundschreiben 
nicht ausdrücklich gestellt worden, so dafs man sich die obige 
Liste wohl noch erheblich verlängert denken darf. Und nicht 
in kümmerlicher, versprengter Weise fristen die Brutschnepfen 
in den genannten Revieren ihr Dasein, nein, es sind ihrer „viel", 
„auffallend viel" vorhanden, wie man oben lesen kann, ja ihre 
Zahl ist in steter Zunahme begriffen. Überhaupt — und darauf 
soll besonders hingewiesen werden — liegt keine einzige Klage 
darüber vor, dafs der Schnepfenbestand mehr und mehr abnimmt. 
Wohl heifst es oft genug, dafs dies oder jenes Revier überhaupt 
nur von ganz wenig Schnepfen berührt wird, dafs der Zug im 
Herbst 1909 oder 1910 ganz schlecht gewesen sei und dergl. 
mehr, aber dafs die Individuenzahl der Waldschnepfen in ihrer 
Allgemeinheit von Jahr zu Jahr geringer werde, diese Ansicht 
kann man aus dem eingegangenen Materiale glücklicherweise 
nicht herauslesen. Dagegen findet man öfter den gegenteiligen 
Hinweis, dafs nicht nur, wie oben schon bemerkt wurde, der 
Bestand an Brut Schnepfen, sondern an Waldschnepfen im all- 
gemeinen zunimmt und dafs diese Zunahme ohne Zweifel auf 
Rechnung der verlängerten Frühjahrsschonzeit zu setzen ist. 
Man freut sich, wenn man heutzutage einmal eine derartige 
Nachricht verkünden darf, heute, wo man in Bezug auf Vorkommen 
von seltenen Tier- und Pflanzenarten nur zu leicht geneigt ist zu 
schwarz zu sehen. Es ist, als ob man jetzt die Menschheit dazu 
erziehen möchte, beim Anblick schöner und seltener Natur- 
objekte in Klagen und Jammern auszubrechen, dafs es mit all 



228 J. Thienemann: 

dieser Herrlichkeit doch bald vorüber sein wird, wenn nicht 
durch Erfüllung übertriebener Forderungen, etwa durch Abschaf- 
fung irgend welcher notwendiger Kultureinrichtungen „ge- 
rettet wird, was noch zu retten ist", anstatt dafs man dafür 
sorgt, dafs Freude und Genufs in die Herzen des Natur beob- 
achtenden Menschen einzieht und dafs mehr Verständnis für die 
Natur erweckt wird, worauf das Bestreben nach Schutz ganz 
von selbst folgt. Man verzeihe mir diese kleine Abschweifung, 
aber mir ist das Herz von dieser Sache so voll, weil die so schöne, 
herrliche und notwendige Naturschutzbewegung durch das Un- 
geschick und den blinden Übereifer mancher sogenannter Tier- 
schutzapostel zu leicht in Mifskredit gerät und unnötigerweise 
viele Gegner erhält. Man ist ja beim Verfechten und Ausbauen 
irgend einer Sache nur zu leicht geneigt, über's Ziel hinaus zu 
schiefsen. 

Es soll hier noch auf zwei bemerkenswerte Erscheinungen 
hingewiesen werden, die man in den obigen Auszügen aus den 
Berichten selbst nachlesen mag. Das ist erstens das Herum- 
streichen der jungen und wohl auch alten Schnepfen an Juni- 
und Juliabenden in den Brutrevieren und zweitens das sehr oft 
erwähnte Streichen auch während der Zugzeit an September- und 
Oktoberabenden. Dies Letztere hat mit der eigentlichen Wanderung 
meines Erachtens nichts zu tun. Es stellt nicht, wenigstens nicht 
immer, den Aufbruch zur nächtlichen Wanderung dar. Ich möchte 
als Beweis dafür folgendes anführen: Wenn im Herbste an guten 
Schnepfentagen das ganze Rossittener Revier voller Schnepfen 
liegt, dann stelle ich mich an dessen Südgrenze, wo die Nehrung 
ganz kahl und übersichtlich wird, und wo die Beobachtungshütte 
Ulmenhorst liegt, in der Dämmerung zur Beobachtung an. Da 
hätte ich bei so häufiger Wiederholung dieser Probe schon einmal 
eine nach Süden abziehende Schnepfe sehen oder hören müssen. 
Noch nie ist das der Fall gewesen, aber am nächsten Morgen 
waren die Schnepfen jedesmal aus dem Reviere verschwunden. 
In der Dämmerung waren sie nicht bei mir vorbei gezogen, 
es sei denn sehr hoch. 

6. Vergleich zwischen dem Herbstschnepfenznge 1909 

In Ostprenrsen, Westprenfsen nnd Posen einerseits and dem anf 

Helgoland nnd in Ostfriesland andrerseits. 

Zu Grunde liegt diesem Vergleich der I. Jahresbericht über 
den Vogelzug auf Helgoland 1909 von Dr. Weigold. Wie ist 
danach der Schnepfenzug 1909 auf Helgoland verlaufen? Kurz 
zusammengefafst folgendermafsen : Im September und Oktober 
war „nicht viel von Schnepfen zu spüren". Im November „war 
der Zug schon besser", und der 12. November zeigte sich als ein 
„grofser" Tag mit etwa 270 Stück Waldschnepfen auf der Strecke. 
In der Folgezeit nur noch vereinzelte bemerkt. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 229 

Welcher Unterschied gegen die oben behandelten drei öst- 
lichen Provinzen ! Wir waren hier im Osten Ende Oktober und 
Anfang November längst fertig mit dem Schnepfenzuge, unsere 
Hauptzeit war, wie die obige Zusammenstellung der Haupttage 
zeigt, in die Zeit um den 10. und 11. Oktober gefallen, wir 
hatten die Flinte längst an den Nagel gehängt, da begann in 
Helgoland erst der Schnepfensegen. Zu so später Jahreszeit 
(Mitte November) hoffen wir hier überhaupt nicht mehr auf 
„grofse Schnepfentage". Wohl sind auch hier im Osten im Laufe 
des November 1909 auf Treibjagden noch oft Schnepfen vorge- 
kommen, vielleicht häufiger als sonst, aber das hängt damit zu- 
sammen, dafs der milden Witterung wegen die Wanderer sehr 
zögerten, worauf oben mehrfach hingewiesen ist, und was auch 
Dr. Weigold erwähnt. Von einem bedeutenden Zuzug aber 
von auswärts, der Haupttage hervorbringen könnte, verspüren 
wir zu so später Jahreszeit hier im Osten nichts mehr. 

Dr. Weigold nimmt nun an, dafs die Helgoländer Schnepfen 
jedenfalls aus Schweden und Finnland kommen und auf ihrem 
Weiterzuge nach Westen Deutschland gar nicht berühren. Dem 
ersten Teile dieser Behauptung stimme ich bei. Helgoland 
hat jedenfalls die Skandinavische Halbinsel als Hinterland, 
Rossitten mehr das westliche und nordwestliche Rufsland. Für 
den zweiten Teil der Behauptung dürfte aber eine Schwierigkeit 
entstehen. 

Ostfriesland meldet nämlich für den 17. November 
1909 einen grofsartigen Schnepfeneinfall. Es hat von den braunen 
Vögeln „gewimmelt". (Bericht von W. B u 1 1 e r b r o d t in der 
„Deutschen Jägerzeitung" Nr. 25 Band 54, den Dr. Weigold 
auch heranzieht.) Diese Schnepfen weist nun Dr. Weigold 
von sich weg, er will mit ihnen nichts zu tun haben; seine aus 
Schweden stammenden Helgoländer Schnepfen waren mit dem 
12. November schon durch, und jetzt vom 17. November an bekam 
erst „Norddeutschland seine Schnepfen und zwar wahrscheinlich 
aus dem nördlichen Rulsland". Und der Zug soll an den Fest- 
landsküstenstrichen vor sich gegangen sein, müfste also doch auch 
Ostpreulsen berührt haben. So müfste sich also die Vogelwarte 
Rossitten mit diesen Schnepfen abfinden. Ich weifs aber auch 
nichts mit ihnen anzufangen. Norddeutschland, soweit das oben 
behandelte Gebiet in Frage kommt, dachte am 17. November gar 
nicht mehr an Schnepfenzug. Nichts ist hier bemerkt worden. 

Ich unterlasse es absichtlich, weitere Vermutungen auf- 
zustellen und breche nur in die aufmunternden Worte aus: 
„Schnepfen markieren!" „Waldschnepfen markieren!" Worüber 
wir uns jetzt den Kopf zerbrechen, das kann durch die Erbeutung 
von ein paar beringten Langschnäbeln klipp und klar erwiesen 
werden. Das Experiment mufs helfend einspringen, und so soll 
auch jetzt das Experiment zum Schlufs darüber Auskunft geben, 
wie lange wohl die Schnepfen brauchen würden, um von Rossitten 

Jonm. f. Om. LX. Jahrg. April 1912. 10 



230 J. Tbienemann : 

bis nach Helgoland oder Ostfriesland zu gelangen, ohne etwa 
behaupten zu wollen, dafs diese Reisebeziehungen tatsächlich 
bestehen; aber solche auf exakten Versuchen beruhenden Be- 
rechnungen geben immerhin positive Grundlagen zum Aufbau 
von Schlüssen. 

Es sollen die auf der Vogelwarte Rossitten durchgeführten 
praktischen Versuche über die Eigengeschwindigkeit der ziehenden 
Vögel zu Kate gezogen werden, veröffentlicht im IX. Jahresberichte 
der Station. Es stehen mir zur Verfügung die Eigengeschwindig- 
keiten von Star, Dohle, Kreuzschnabel, Wanderfalk, Zeisig, Fink, 
Saatkrähe, Nebelkrähe, Mantelmöwe, Heringsmöwe und Sperber. 
Der ziehenden Waldschnepfe selbst einmal mit Stoppuhr, Telephon 
und Windmesser auf den Leib zu rücken, dürfte wohl schwer 
gelingen. So ziehe ich den schnellsten der oben genannten Vögel 
zum Vergleich heran, den Star. Die Waldschnepfe ist ja ein 
schneller Flieger. Wenn ich sie über weite Strecken streichen 
sehe, so möchte ich ihren Flug, was Schnelligkeit anlangt, mit 
dem des ziehenden Stares vergleichen. Der Star zeigt 20,6 m 
Eigen geschwindigkeit pro Sekunde. Das macht für die Stunde 
74,160 km. Ich nehme bei der Berechnung nur die ganzen 
Zahlen. Die Strecke Rossitten bis Helgoland beträgt in Luftlinie 
840 km. So wären für diese Reise rund 11 Stunden Flugzeit 
nötig, bei zu Grundelegung der Eigen geschwindigkeit. 

Nun nehme ich einen günstigen Ostwind von 5 m p. Sek. 
an; nicht willkürlich, sondern auf Grund der Tatsache, dafs an 
den grofsen Schnepfentagen 16. und 17. Oktober 1908, an denen 
erwiesenermafsen viel Schnepfen gezogen sind, die Durchschnitts- 
geschwindigkeit des Ostwindes 4,8 m pro Sekunde betrug. So 
bewegt sich also die ziehende Schnepfe mit einer Geschwindigkeit 
von 25,6 m in der Sekunde vorwärts; macht pro Stunde 92,160 km. 
Also Flugzeit von Rossitten bis Helgoland rund 9 Stunden. 
Schnepfen also, die 5 Uhr morgens in Helgoland ankommen, 
wären am Abend vorher um 8 Uhr in Rossitten losgezogen, oder 
eine gleichzeitige Ankunft in Ostfriesland würde, wenn wir für 
diese Strecke eine Stunde länger Flugzeit nehmen, die Abreise 
in Rossitten auf abends 7 Uhr festlegen. 

Nun wollen wir ein Beispiel heranziehen, wie es im Herbst 
1909 tatsächlich vorgekommen ist. Rossitten hatte, wie oben 
bemerkt, am 2. November einen guten Schnepfentag. Der Abzug 
der Vögel erfolgte in der Nacht vom 2. zum 3. November. 
W. Butterb rodt meldet für A u r i c h in Ostfriesland den 
3. November als Haupttag, die Schnepfen waren in der Nacht 
vom 2. zum 3. November angekommen. Das könnten nach den 
obigen Berechnungen dieselben Vögel sein. Die physische 
Möglichkeit besteht. Glaubt einer der verehrten Leser, dafs die 
Schnepfen in einer Herbstnacht so weite Strecken zurücklegen? — 

Meine Ansicht ist die, dafs die Schnepfen, die am 17. No- 
vember 1909 in Ostfriesland einen Haupttag brachten, mit Rossitten 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 



281 



und Nordost-Deutschland gar nichts zu tun haben. Sie stammten 
aus ganz anderen Brutgebieten wie die Rossittener Zugschnepfen. 

II. Zusammenfassung 1910. 

Die Fragen sind dieselben wie oben bei 1909. 



1. Was läfst sich fiber die Haapttage and Hanptzagxelten 
sagen ? 

Wir bekommen diesmal eine ausführlichere Antwort als 
1909. Es folgt zunächst wieder die Zusammenstellung aller 
Haupttage der einzelnen Reviere. Dann erhalten wir folgendes 
Bild: 

September 1910. 



16. 


18. 


19. 


20. 


Schwerin a.W. 


Puppen. 


Puppen. 


Puppen 


Rosenthal. 


1 mal. 


1 mal. 


Lindenberg. 


2 mal. 






2 mal. 


21. 


22. 


23. 


24. 


Lindenberg. 


Ibenhorst 


Lindenberg. 


Turoscheln. 


1 mal. 


Lindenberg. 
2 mal. 


1 mal. 


1 mal. 


25. 


26. 


27. 


28. 


Borken 


Wischwill 


Schnecken 


Schnecken 


Wilhelmsberg. 


Borken 


Wischwill 


Wischwill 


2 mal. 


Hohenstein 


Borken 


Borken 




Prinzwald 


Liebemühl 


Pfeilswalde 




Wilhelmsberg 


Wilhemsberg 


Puppen 




Lindenberg Br. 


Lindenberg Br 


. Wilhelmsberg 




Schwerin a. W. 


6 mal. 


Lindenberg Br. 




Rosenthal. 




7 mal. 




8 mal. 






29. 


30. 






Schnecken 


Schnecken 






Borken 


Puppen 






Cruttinnen 


Reufswalde 






Puppen 


Lanskerofen 






Lanskerofen 


Wilhelmsberg 






Hohenstein 


Wilhelmsberg 






Wilhelmsberg 


Krausenhof 






Lindenberg Br 


. Lindenberg Br. 






8 mal. 


Seigenau. 
9 mal. 







16* 



282 



J. Thienemann 



Oktober 1910. 



1. 

Schnecken 
Warnicken 
Wichertshof 
Puppen 
Grüneberge 
Reufswalde 
Lanskerofen 
Wilhelmsberg 
Rehhof 
Jammi 

Deutschheide 
Taubenfliefs 
Hagen 
Glinke 
Thorn 
Nothwendig 
Wronke. 
17 mal. 



Schnecken 
Warnicken 
Greiben 
Tzullkinnen 
Puppen 
Corpellen 
Grüneberge 
Reufswalde 
Grünfliefs 
Lanskerofen 
Wilhelrasberg 
Sobbowitz 
Rehhof 
Jammi 

Deutschheide 
TaubenÜiefs 
Hagen 
Warlubien 
Thorn 

Nothwendig 
Wronke. 
21 mal. 



Rossitten 
Schnecken 
Wischwill 
Schmalleningken 
Weszkallen 
Warnicken 
Greiben 
Drusken 
Eichwald 
Tzullkinnen 
Pr. Eylau 
Turoscheln 
Ratzeburg 
Puppen 
Kurwien 
Grüneberge 
Reufswalde 
Grünfliefs 
Lanskerofen 
Lonkorsz 
Wilhelmsberg 
Rehhof 
Jammi 

Deutschheide 
Taubenfliefs 
Hagen 
W^arlubien 
Stronnau 
Jagdschütz 
Nothwendig 
Wronke. 
31 mal. 



Ibenhorst 

Rossitteu 

Schnecken 

Wischwill 

Schmalleningken 

Warnicken 

Fischhausen 

Fritzen 

Greiben 

Tapiau 

Kl. Naujok 

Neu-Sternberg 

Mehlauken 

Drusken 

Eichwald 

Tzullkinnen 

Schorellen 

Foedersdorf 

Pr. Eylau 

Rominten 
Pfeilswalde 
Ratzeburg 
Corpellen 
Grüneberge 
Lanskerofen 
Finckenstein 
Wilhelmsberg 
Friedrichsberg 
Jammi 

Deutschheide 
Taubenfliefs 
Hagen 
Warlubien 
Rosengrund 
Stronnau 
Jagdschütz 
Glinke 
Bartelsee 
Kirschgrund 
Lindenberg 
Nothwendig 
Wronke. 
42 mal. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 



233 



Oktober 1910. 



Klüoschen 
Rossitten 
Norkaiten 
Schmalleningken 
Warnicken 
Leipen 
Kl. Naujok 
Pfeil 

Neu-Sternberg 
Mehlauken 
Gertlauken 
Drusken 
Astrawischken 
Brödlaukeu 
Eichwald 
Tzullkinnen 
Schürelleu 
Foedersdorf 
Pr. Eylau 
Ratzeburg 
Grüneberge 
Purden 
Neu Ramuck 
Taberbrück 
Liebemühl 
Finckenstein 
Wilhelmsberg 
Friedrichsberg 
Golau 

Taubenfliefs 
Hagen 
Warlubien 
Jagdschütz 
Glinke 
Bartelsee 
Kirschgrund 
Schirpitz 
Korschin 
Gildon 
Lindenberg 
Nothwendig. 
41 mal. 



6. 
Schmalleningken 
Warnicken 
Leipen 
Kl. Naujok 
Pfeil 

Neu-Sternberg 
Eichwald 
Tzullkinnen 
Schorellen 
Warnen 
Grüneberge 
Hohenstein 
Liebemühl 
Prinzwald 
Wilhelmsberg 
Friedrichsberg 
Kosten 
Rehhof 
Warlubien 
Jagdschütz 
Bartelsee 
Kirschgrund 
Lindenberg. 
23 mal. 



7. 
Klooschen 
Rossitten 
Schmalleningken 
Weszkallen 
Warnicken 
Kl Naujok 
Eichwald 
Schorellen 
Foedersdorf 
Rothebude 
Puppen 
Grüneberge 
Hohenstein 
Liebemühl 
Wilhelmsberg 
Friedrichsberg 
Krausenhof 
Warlubien 
Jagdschütz 
Bartelsee 
Kirsch grund 
Grabau 
Podanin. 
23 mal. 



8. 
Warnicken 
Gauleden 
Eichwald 
Goldap 
Rothebude 
Pfeilswalde 
Grüneberge 
Wilhelmsberg 
Friedrichsberg 
Golau 
Rehberg 
Warlubien 
Rosengrund 
Jagdschütz 
Glinke 
Bartelsee 
Kirschgrund 
Podanin. 
18 mal. 




234 



J. ThienemaDD: 



Oktober 1910. 



Dingken 
Warnicken 
Eichwald 
Foedersdorf 
Warnen 
Goldap 
Rothebude 
Grüneberge 
Friedrichsberg 
Kielau 
Rehberg 
Warlubien 
Glinke 
Bartelsee 
Podanin. 
15 mal. 



10. 
Dingken 
Warnicken 
Leipen 
Mehlauken 
Eichwald 
Rominten 
Grondowken 
Puppen 
Kurwien 
Grüneberge 
Taberbrück 
Friedrichsberg 
Neustadt 
Kielau 

Stangenwalde 
Wirthy 
Rehberg 
Jagdschütz 
Glinke 
Bartelsee 
Podanin 
Eckstelle 
Grünheide 
Schwerin a. W. 
Rosenthal. 
25 mal. 



IL 

Klooschen 
Rossitten 
Dingken 
Tellehnen bei 
Neuendorf 
Fritzen 
Leipen 
Mehlauken 
Astrawischken 
Rominten 
Grondowken 
Puppen 
Sadlo wo 
Grüneberge 
Kudippen 
Hohenstein 
Friedrichsberg 
Neustadt 
Kielau 
Mirchau 
Krausenhof 
Gr. Bartel 
Wirthy 
Rehberg 
Rosengrund 
Glinke 
Bartelsee 
Lindenberg 
Seigenau 
Eckstelle 
Grünheide 
Schwerin a. 
Rosenthal. 
32 mal. 



W 



12. 

Norkaiten 

Dingken 

Fritzen 

Leipen 

Tzullkinuen 

Foedersdorf 

Pr. Eylau 

Warnen 

Grondowken 

Kullik 

Turoscheln 

Puppen 

Grüneberge 

Grünfliefs 

Kudippen 

Jablonken 

Neustadt 

Kielau (Nacht 

11/12) 
Mirchau 
Krausenhof 
Rehberg 
Charlottenthal 
Glinke 
Bartelsee 
Thorn 
Gildon 
Lindenberg 
Eckstelle 
Grünheide 
Schwerin a. W. 
Rosenthal 
Manche. 
32 mal. 



13. 

Foedersdorf 

Dingken 

Pr. Eylau 

Grondowken 

Kullik 

Turoscheln 

Guszianka 

Ratzeburg 

Puppen 



14. 
Leipen 
Dingken 
Wichertshof 
Grondowken 
Guszianka 
Grünfliefs 
Kudippen 
Liebemühl 
Neustadt 



15. 
Lyck 

Grondowken 
Guszianka 
Pfeilswalde 
Reufswalde 
Grünfliefs 
Hohenstein 
Liebemühl 
Prinzwald 



16. 

Goldap 

Lyck 

Pfeilswalde 

Kurwien 

Liebemühl 

Prinzwald 

Neustadt 

Gnewau 

Kielau 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 



235 



Oktober 1910. 



13. 


14. 


15. 


16. 


Commusin 


Kielau 


Neustadt 


Karthaus 


Grünfliefs 


Mirchau 


Kielau 


Thorn 


Kudippen 


Stangenwalde 


Stangenwalde 


Wodek 


Liebemühl 


Sobbowitz 


Sobbowitz 


Dt. Krone 


Prinzwald 


Rehberg 


Rehberg 


Wronke 


Schwalgendoi 


•f Glinke 


Wodek 


Schwerin a. W 


Neustadt 


Gildon 


Wanda. 


15 mal. 


Kielau 


Lindenberg 


16 mal. 




Mirchau 


Podanin 






ßehhof 


Wanda 






Golau 


Buchwerder. 






Rehberg 


20 mal. 






Glinke 








Gildon 








Lindenberg 








Hollweg. 








25 mal. 








17. 


18. 


19. 


20. 


Rossitten 


Augstutscheu 


Lyck 


Lyck 


Ibenhorst 


Lyck 


Liebemühl 


Liebemühl 


Augstutscheu 


Pfeilswalde 


Neustadt 


Neustadt 


Lyck 


Liebemühl 


Karthaus 


Karthaus 


Pfeilswalde 


Neustadt 


Wodek 


Charlottenthal 


Liebemühl 


Gnewau 


Seigenau 


Wodek 


Neustadt 


Karthaus 


Nothwendig 


Nothwendig 


Gnewau 


Wodek 


Wronke. 


Wronke 


Karthaus 


Wronke. 


8 mal. 


Schwenten. x 


Wodek 


9 mal. 




9 mal. 


Schönlanke 








Wronke. 








12 mal. 








21. 


22. 


23. 


24. 


Wodek. 


Rossitten 


Norkaiten 


Hagenort. 


1 mal. 


Norkaiten 


Hagenort. 


1 mal. 




Ibenhorst 


2 mal. 






Hagenort 








Wodek. 








5 mal. 






25. 


26. 


29. 


31. 


Reufswaide 


Dt. Krone. 


Friedrichsberg, 


Gildon. 


Rehhof 


1 mal. 


1 mal. 


1 mal. 


Hagenort. 








3 mal. 









236 



6 


J. Thienemann: 






N V e m b 


er 1910. 




1. 

Rehhof. 
1 mal. 


2. 
Sobbowitz 
Rehhof. 
2 mal. 


3. 
Rossitten 
Sobbowitz 
Rehhof 
Krausenhof 
Marienwerder 
Charlottenthal 
Taubenwalde 
Mirau 
Podanin. 
9 mal. 


4. 
Tauben vvalde. 
1 mal. 


7. 
Schwenten. 
1 mal. 


9. 
Ludwigsburg. 
1 mal. 







Vergleichen wir diese Zusammenstellung mit der von 1909, 
so mufs uns eine merkwürdige Übereinstimmung auffallen. Die 
Schnepfenzüge dieser zwei aufeinanderfolgenden Herbste sind, was 
Heben und Sinken des Zuges anlangt, recht gleich verlaufen. 
Das bestätigt die Ansicht vieler aufmerksamer Jäger, dafs die 
guten Schnepfentage in ein und demselben Reviere ungefähr 
immer in ein und dieselbe Zeit fallen. Würde man die Unter- 
suchungen, wie ich sie jetzt für 2 Herbste durchgeführt habe, 
für eine ganze Reihe von Jahren weiter fortsetzen und dann 
die Hebungen und Senkungen des Zuges bildlich darstellen, ich bin 
überzeugt, man würde recht übereinstimmende Kurven bekommen. 

Auch für diese Erscheinung lassen sich Seitenstücke aus 
dem allgemeinen Vogelzuge anführen. So sind z. B. die Tage 
um den 17. April herum für die Kurische Nehrung immer raub- 
vogelreich. 

Was zeigt nun die obige Zusammenstellung von 1910? 

Bis zum 25. (27. ^) September war mit dem Schnepfenzuge 
nicht viel los. Am 26. (28.) ist eine kleine Steigerung zu ver- 
spüren. Dann verläuft der Zug ziemlich gleichmäfsig (ebenso 1909) 
und erreicht am 3., 4. und 5. Oktober seinen Höhepunkt (Hebung 
1909 am 5. und 6. Okt.). Eine nochmalige starke Hebung findet 
am 11., 12. Oktober statt (10., 11. Oktober 1909 Höhepunkt); 
dann allmähliches Abflauen (ebenso 1909). Ende Oktober ist 
der Zug schon sehr gering (ebenso 1909); eine kleine Steigerung 
findet noch einmal am 3. November (3. November) statt. 

So heben sich also 1910 folgende Tage als „gut" heraus: 
3,, 4. und 5. und ferner der 11. und 12. Oktober. Das sind die Tage, die 



1) Die entsprechenden Daten von 1909 setze ich vergleichshalber 
immer in Klammern daneben. Die Übereinstimmung wird dadurch dem 
Leser deutlicher. J. Tb. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 



237 



ich hier in Rossitten selbst als Haupttage festgestellt habe. Ich 
konnte durch sorgfältiges Suchen und Beobachten ermitteln, dafs 
es sich dabei um neuen Zuzug von auswärts handelte. Dieses 
Zusammenpassen mit den auswärtigen Beobachtungen ist von Inter- 
esse, und so wollen wir diese Tage noch einer besonderen Prüfung 
unterziehen, ob sie uns etwas über den Verlauf, namentlich über 
die Richtung des Zuges sagen können. Ich behandle diese Tage 
nicht als 5 einzelne Tage, sondern als zwei Hebungen des Zuges. 
3., 4., 5. Oktober einerseits und 11. und 12. Oktober andrerseits. 
Zunächst halte ich Auslese; lasse alle die Orte weg, die 
nur die Hauptzug z e i t durch Nennung von Tagesserien auf- 
geführt haben und nehme blofs die Stationen, die die obigen 
Tage allein als wirklich gut bezeichnen, die also ausdrücklich 
betonen, dafs an den fraglichen Tagen plötzlich viel Schnepfen 
dagewesen seien. Dann zeigt die Liste folgendes Bild: 



Oktober 1910. 



3. 
Rossitten i) 
Wischwill 
Weszkallen 
Fritzen 
Drusken 
Pr. Eylau 
Turoscheln 
Ratzeburg 
Kurwien 
Lonkorsz 
Stronnau. 



Rossitten 1) 

Ibenhorst 

Wischwill 

Fischhausen 

Fritzen 

Tapiau 

Neu-Stern- 

berg 
Mehlauken 
Drusken 
Schorellen 
Foedersdorf 
Pr. Eylau 
Rominten 
Ratzeburg 
Finckenstein 
Rosengrund 
Stronnau. 



5. 
Klooschen ^) 
Rossitten 
Norkaiten 
Pfeil 
Neu-Stern- 

berg 
Mehlauken 
Gertlauken 
Drusken 
Astrawischken 
Brödlauken 
Schorellen 
Foedersdorf 
Pr. Eylau 
Ratzeburg 
Purden 
Neu-Ramuck 
Taberbrück 
Finckenstein 
Korschin. 



11. 

Klooschen 2) 
Rossitten 
Tellehnen b. 
Neuendorf 
Fritzen 
Mehlauken 
Astrawischken 
Rominten 
Saldlowo 
Krausenhof 
Gr. Bartel 
Wirthy 
Rosengrund 
Eckstelle 
Grünheide. 



12. 
Norkaiten ^) 
Fritzen 
TzuUkinnen 
Foedersdorf 
Pr, Eylau 
Kullik 
Turoscheln 
Jablonken 
M irchau 
(Nacht 11/12.) 
Krausenhof 
Charlotten- 
thal 
Thorn 
Eckstelle 
Grünheide. 



Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dafs der in diesen Revieren 
beobachtete Zug in örtlichem Zusammenhange steht. Die Orte 
sind auf der Karte entsprechend gekennzeichnet. Sie lassen 
Schlüsse über den Verlauf des Zuges zu. Man mag die Zwischen- 
räume zwischen ihnen durch die in den erweiterten Listen stehenden 



1) Diese Reviere sind auf der Karte mit |= bezeichnet. 

2) Diese Orte sind auf der Karte mit p bezeichnet. 



238 J. Thienemann: 

Stationsnamen ergänzen. Zweierlei sagt die Karte: 1. Von den 
fraglichen Einfällen sind nicht nur die an den Haffen gelegenen 
Reviere betroffen worden, sondern auch der von den Schnepfen 
sonst etwas stiefmütterlich behandelte Osten und Süden der Provinz 
Ostpreufsen haben etwas mit abbekommen. 2. Der Zug scheint vom 
Ende des frischen Haffs an die Küste zu verlassen und eine mehr 
südwestliche Richtuug anzunehmen. Da fehlen mir die Beob- 
achtungen aus Pommern, die ich hoffentlich später auch noch 
berücksichtigen kann. Nun können wir uns auf der Karte auch 
die Orte aufsuchen, die von allenS gröfsereu oben näher behandelten 
Schnepfeneinfällen vom Herbst 1909 und 1910 ihr Teil ab- 
bekommen haben. Es sind die Orte: Klooschen, Norkaiten, 
Rossitten, Fritzen, Astrawischken, Turoscheln. 

Von zwei Einfällen sind betroffen worden : Ibenhorst, Meh- 
lauken, Fischhausen, TzuUkinnen, Foedersdorf, Pr. Eylau, Rominten, 
Rosengrund, Korschin. 

Das mögen alles bevorzugte Schnepfenreviere sein, und so weit 
sie mir selbst bekannt sind, stimmt das auch. Auffallen mufs 
es, dafs alle diese guten Reviere bis auf zwei in Ostpreufsen liegen. 

Die Zugwelle, die am 22. Oktober in Rossitten eintraf, ist 
nur von geringer Ausdehnung gewesen. Nur noch Norkaiten und 
Ibenhorst nennen diesen Tag, wie die obige Liste zeigt. Das 
sind 3 verhältnismäfsig eng zusammenliegende Reviere, deren 
Zugverhältnisse sicher im Zusammhange stehen. Der Anführung 
von den entfernt liegenden Orten Hagenort und Wodek 
möchte ich keine Bedeutung beimessen. 

Auffallend sind mir die Verhältnisse des 3. November. Da 
konnte ich in Rossitten persönlich das Vorhandensein von ver- 
hältnismäfsig zahlreichen Schnepfen feststellen, und doch nennt 
kein einziges in der Nähe gelegenes Revier diesen Tag. Erst 
die bei Danzig und Marienwerder befindlichen Obertörstereien 
Sobbowitz, Rehhof, Krausenhof, Marienwerder selbst, Charlotten- 
tal, und ferner noch Taubenwalde, Mirau und Podanin haben an 
dem Tage verhältnismäfsig viel Schnepfen gehabt. Ich sehe aber 
auch hier davon ab, besondere Schlüsse daraus zu ziehen. Feststellen 
mufs man aber auch solche Kleinigkeiten. Vielleicht sind es 
Bausteine, die einem später aufzuführenden zusammenhängenden 
Bauwerke gerade noch fehlen. 

2. Was lehrt das gesammelte Material über die Beziehangen 
zwischen Witterung und Schnepfenzng? 

Die alte Regel, dafs östliche Winde bei uns Schnepfensegen 
bringen, wird auch hier wieder bestätigt. Als Begleiterscheinung 
der aufgeführten Haupttage wird genannt: 

Ostwind 23 (19) i) mal 
Nordost 13 ( 6) - 

1) Ich setze wieder die Zahlen von 1909 in Klammern daneben. 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 239 



Südost 


7 (17) mal 


Nordwest 


6 (-) - 


West 


4(3)- 


Nord 


3(3)- 


Süd 


1 (-) - 


Südwest 


1(5)- 


Windstille 


2 (-) - 



Nebel wird 9 (25 1) mal anf:5egeben. Es findet sich öfter 
die Bemerkung, dafs gerade nach nebeligen Nächten viel Schnepfen 
anzutreffen waren. 

Nun ist ein Ausnahmefall zu behandeln, der einem auf- 
merksamen Leser auffallen mufs. Ich meine die Tage vom 23. 
bis 29. Oktober 1910. Da finden wir oben in dem Berichte über 
die Beobachtungen bei Ulmenhorst 1910 für diese Periode die 
günstigsten durchgehenden östlichen Winde verzeichnet, und 
nehmen wir die Wetterkarten von diesem Tage zur Hand: überall 
Ostwinde, auch im westlichen und nordwestlichen Rufsland, woher 
unsere Schnepfen stammen, und doch — nicht die Spur von 
Schnepfen. Ganz spärlich, ja fast gleich Null sind die Meldungen 
über ihr Auftreten in unserem Beobachtungsgebiete während dieser 
Periode. Warum? Nun ich kenne glücklicherweise diese Tage 
aus eigenster Erfahrung ganz genau. Ich habe sie draufsen 
mitten in der Vogelzugstrafse in der Beobachtungshütte Ulmen- 
horst zugebracht. Herr Rittmeister von Lucanus war bei 
mir, um etwas vom Vogelzuge zu sehen. Wir können ein Lied 
von diesen Tagen singen. Was war das für ein Ost! Eisig kalt, 
schneidend, dabei trübe, dunstig, Thermometer immer unter 0. 
Es sind die trostlosesten ödesten Tage, die ich während der Zug- 
zeit je in der Hütte erlebt habe. Auch nicht ein Vogel war zu 
sehen. Da zieht natürlich auch keine Schnepfe. Man beachte 
also nicht nur den Wind an diesen Tagen, sondern auch die be- 
gleitenden Witterungserscheinungen. 

Die Schnepfenregel mufs also so lauten : Wenn viel Schnepfen 
bei uns anzutreffen sind, dann hat sie sicher der Ostwind her- 
geführt, aber nicht jeder Ostwind bringt Schnepfen. ^) 



1) Ich setze wieder die Zahlen von 1909 in Klammern daneben. 

2) Anmerkung: Nachdem das Manuskript von dieser Arbeit 
fertig war und zum Druck abgehen sollte, brachte Dr. W e i g o 1 d in 
der „Deutschen Jägerzeitung", Neudamm, Nr. 1 und 2 Band 57 einen Be- 
richt über den „Schnepfenzug auf Helgoland und in Nordwestdeutschland 
im Herbst 1910", den ich natürlich mit gröfstem Interesse zur Hand 
nahm, um vor allem zu sehen, wie es an jenen genannten öden trostlosen 
Tagen (23. — 29. Oktober) in Helgoland um den Schnepfenzug gestanden 
hat. Und siehe da, dort ist an jedem Tage was gezogen, von Öde und 
Totenstille wird nichts erwähnt, ja in der Nacht zum 26. Oktober sind 
sogar zum ersten Male grölsere Mengen von Schnepfen gezogen, und 
Helgoland konnte in den allernächsten Tagen (30., 31. Oktober) einen 



240 J. Thienemann : 

3. Was sagt das Beobachtangsmaterlal über erste Ankunft 
and letzten Abzog der Schnepfen? 

Unter den für die erste Hälfte des September gemeldeten 
Schnepfen mögen sich sicher manche Brutschnepfen befunden 
haben. 

Die erste Ankunft wird gemeldet für den: 



2. Sepi 


teml 


ler 


1 


mal. 


20. 


Sept 


;ember 


9 mal 


3. 


- 




1 


- 


21. 




- 


1 - 


•4. 


- 




1 


- 


22. 




- 


2 - 


6. 


- 




2 


- 


23. 




- 


1 - 


7. 


- 




1 


- 


24. 




- 


1 - 


8. 


- 




2 


- 


25. 




- 


2 - 


10. 


- 




3 


- 


26. 




. 


6 - 


11. 


- 




1 


- 


27. 




- 


1 - 


12. 


- 




3 


- 


28. 




- 


5 - 


13. 


- 




5 


- 


29. 




- 


1 - 


14. 


- 




1 


- 


30. 




- 


4 - 


15.1) 


- 




10 


- 


1. 


Oktober 


5 - 


16. 


- 




3 


- 


2. 




- 


7 - 


17. 


- 




3 


- 


3. 




- 


1 - 


18. 


- 




5 


-. 


4. 




- 


1 - 


19. 


- 




1 


- 


5. 




- 


1 - 


Der letzte 


AbZ 


;ug 


; wird gemeldet für 


den: 




11. Oktobei 


• 


1 


mal. 


22. 


Oktober 


1 mal, 


13. 


- 




1 


- 


23. 




- 


1 - 


15. 


- 




2 


- 


24. 




- 


2 - 


16. 


- 




1 


- 


25. 




- 


2 - 


17. 


- 




2 


- 


26. 




- 


2 . 


18. 


- 




3 


- 


27. 




- 


2 - 


19. 


- 




3 


- 


28. 




- 


4 - 


20. 


- 




3 


- 


29. 




- 


2 - 


21. 


- 




2 


- 


30. 




- 


1 - 



Schnepfenzug erleben, so gewaltig, wie er seit 25 Jahren nicht vorge- 
kommen ist. Wenn aber Schnepfen an diesen Tagen in Helgoland ge- 
zogen sind, dann sind sicher auch andere Vögel durchgewandert, — und 
bei uns im Osten Totenstille. Man sehe sich nun mal die Wetterkarten 
von diesen Tagen auf die Temperatur hin an. In Nordostdeutsch- 
land und im westlichen Rufsland eisige Kälte und in Südskandinavien 
Wärme, ja bis -j- 8°. Von dort bat Helgoland in diesen Tagen sicher 
seine Schnepfen und anderen Zugvögel bekommen. Auch Helgoland hatte 
es an jenen Tagen viel wärmer wie wir hier im Osten. 

1) Unter dem 15. oder 1. eines Monats fasse ich auch die 
Meldungen zusammen, welche lauten „Mitte September" oder „Anfang 
Oktober". 



X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten.' 241 

31. Oktober 5 mal. 11. November 1 mal. 



1. 


November 


4 - 


12. 


- 


1 


2. 


- 


3 - 


14. 


- 


2 


3. 


. 


4 - 


15. 


- 


9 


4. 


. 


5 - 


16. 


- 


1 


5. 


- 


4 - 


17. 


- 


2 


6. 


- 


3 - 


18. 


- 


2 


7. 


- 


2 - 


19. 


- 


1 


8. 


- 


4 - 


21. 


- 


1 


9. 


- 


2 - 


22. 


- 


2 


10. 


- 


1 - 


24. 


- 


1 



Für die Ankunft werden also am häufigsten gemeldet der 
15. und 20. September. (1909 der 20., 22. und 28. September.) 

Für den Abzug der 31. Oktober und der 4. und 15. November. 
(1909 der 28. Oktober und der 3. und 8. November.) 

Im übrigen gelten hier dieselben Bemerkungen, die dieser 
von den Beobachtern ziemlich lückenhaft beantworteten Frage 
bei 1909 angefügt sind. 

Der Zug scheint 1910 etwas früher als im Vorjahre ein- 
gesetzt zu haben. Auf diese Tatsache weisen auch verschiedene 
Beobachter ausdrücklich hin. 

5. Wie steht's mit der Häufigkeit der Schnepfen? 

a) In welchen Revieren ist die Waldschnepfe im Herbst 1910 
wenig zahlreich vorgekommen, seltener wie in andern Jahren? 

(Auf der Karte sind diese Orte mit T bezeichnet.) 

In Norkaiten, Nemonien, Schnecken, Wilhelmsbruch, Jura, 
Schmalleningken, Fritzen, Kl. Naujock, Neu -Sternberg, Gert- 
lauken, Drusken, Grofs-Papuschienen, Padrojen, Borken, Lyck, 
Grondowken, Drygallen, Wolfsbruch, Steegen, Kielau, Oliva, 
Königswiese, Wilhelmswalde, Schüttenwalde, Rehberg, Junkers- 
hof, Nothwendig, Warthewald, Grenzheide, Hundeshagen, Waitze, 
Birnbaum, Brütz, Ludwigsberg. 

Im ganzen in 34 Revieren. (1909 in 24 Revieren.) 

b) In welchen Revieren ist die Schnepfe im Herbst 1910 besonders 

häufig aufgetreten, häufiger als in andern Jahren? 

(Auf der Karte sind diese Reviere mit ^ bezeichnet.) 

In Brödlauken, Breitenheide, Puppen, Kurwien, Hartigswalde, 
Kaltenborn, Commusin, Alt-Christburg, Wilhelmsberg, Buchberg, 
Rosengrund, Glinke, Kirschgrund, Thorn, Taubenwalde, Schwerin 
a. d. W., Swenten. 

Im ganzen in 17 Revieren. (1909 14 Reviere.) 



242 ' J, Thienemann: 

Auch hier ist die Tatsache festzustellen, die sich schon 
oben aus den Untersuchungen unter Nr. 1 ergab, dafs im Herbst 
1910 der Süden Ostpreufsens verhältnismäfsig viel Schnepfen 
hatte, wenigstens mehr als sonst. 

6. Kurzer Vergleich zwischen dem Herbstznge 1910 In Ostpreofsen, 

Westprearsen nnd Posen einerseits and dem In Helgoland, Ostfrlesland 

nnd einigen andern westdeutschen Gebieten andrerseits. 

Der Jahresbericht 1910 der Vogelwarte Helgoland ist noch 
nicht heraus. So kann ich für den Vergleich nur die Notizen 
heranziehen, die Dr. We i g o 1 d in der „Deutschen Jägerzeitung" 
Band 56, Nr. 15 unter der Überschrift „Die grofse Schnepfen- 
schlacht" bringt und die von andern Autoren aus westlichen 
Gebieten in derselben Zeitschrift niedergelegt sind. 

1. In Helgoland waren der 30. und 31. Oktober „grofse*' 
Tage mit etwa 300 Schnepfen auf der Strecke, eher noch 
mehr als weniger. ^) 

2. In Ostfriesland den Oktober über Schnepfe nur ver- 
einzelt. (!) In der Nacht vom 3 0. zum 31. Oktober 
ein Masseneinfall von einer Stärke, wie er noch nie vorher 
zu verzeichnen gewesen ist. (W. Butterbrodt, Aurich, 
Ostfriesland, Deutsche Jägerzeitung Nr. 20 Band 56.) 

Dieser Einfall steht sicher mit dem obigen Helgoländer 
in Verbindung. 

Nach einer zweiten Notiz von M. B r u n s in Norden, 
waren auch der 7, und 14. November grofse Schnepfen- 
tage für s t f r i e s 1 a n d. Ein wahrer „Schnepfensegen" 
strömte über das Land. (Ebenda, Band 56. Nr. 25.) 

3. Am Nieder rhein sind „im Oktober sozusagen keine 
Schnepfen beobachtet worden". (!) Von Anfang November an 
mehrten sie sich, traten in der ersten Hälfte des Monats sehr 
zahlreich auf, und am 20. November war der Durchzug durchaus 
noch nicht zum Stillstand gekommen. (Hugo Otto, Mors, 
ebenda Band 56. Nr. 20.) 

4. Aachen und Eschweiler im Rheinlande hatten 
in der Zeit vom 14.— 2 5. November grofse Schnepfen- 
tage. (C. Gassert, Förster. Ebenda Bd. 56 Nr. 20.) 

5. Aus Oldenburg kommt die Meldung vom 5. November, 
dafs „in den letzten Tagen" Waldschnepfen in auffallend grofser 
Zahl angetroffen wurden. („Nachrichten für Stadt und Land" 
Nr. 305 2. Beilage.) 

Für diese westlichen Gebiete fällt also der Hauptzug, 
ja der Beginn des eigentlichen Zuges in die Tage: 



1) Siehe den oben schon erwähnten nachträglichen genauen Bericht 
von Dr. Weigold in Nr. 1 und 2 Bd. 57 der „Deutschen Jägerzeitung". 



Journ. f. Ornith. 1912. 



Taf. 2. 




3 




Bericht der Vogelwarte Taf. 1. 



Journ. f. Ornith. 1912. 



Taf. 3. 




Journ. f. Ornlth. 1912. 




Bericht der Vogelwarte TaF. 3: Zug der Störclie nach Afrika. 




Bericht der Vogelwarte Taf. 4: Rückkehr der Störche. 



Journ. f. Ornith. 1912. 



Taf. 5. 




In Rossilten markiert: +L4nj's ridibundus, ©des^l am Brutort, ^Totanuj littoreua, ^Trinöa alpina^ ^Archibuteo lagopus, 

Bei Kiel markiert: 7" Larus ridibundus; bei München markiert: X Laru» ridibundus, bti üsdtn mark: ■* Sturnus vulgaris. 



k 



Journ. f. Ornith. 1912. 




X. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 243 

30. und 31. Oktober, 7. und 14. November, Tage um 
den 5. November, erste Hälfte des November, 
14. — 2 5. November. 
Und wie stehts in den von mir behandelten drei östlichen 
Provinzen? Am 3., 4. und 5. Oktober war der Höhepunkt 
des Zuges, eine nochmalige Hebung am 11. und 12. Oktober. 
Vom 20. Oktober an Zug schon sehr gering. An den oben ge- 
nannten späten November-Haupttagen aus dem Westen dachten 
wir hier im Osten nicht mehr an Scbnepfenzug. Also dieselbe 
Erscheinung wie oben 1909. 

Zwei bemerkenswerte Unterschiede sind hier zwischen dem 
Osten und Westen festzustellen: 

1. Ein zeitlicher Unterschied in den Haupttagen, ja im Beginn 
des Zuges von etwa 4 Wochen, teilweise sogar noch mehr. 
(Und dabei kann die Schnepfe von Rossitten aus in 9 Stunden 
in jenen westlichen Gebieten sein.) 

2. Im besonderen für 1910 ein ganz aufs ergewöhnlich 
starker Zug für den Westen, der den im Osten weit über- 
flügelte. 

Ob die drei von mir behandelten östlichen Provinzen mit 
den obigen westlichen Gebieten, speziell mit Helgoland und Ost- 
friesland in Bezug auf Schnepfenzug in Verbindung stehen? 



Zur Erinnerung an August Franz Helm. 

Von Ricliard Heyder, Oederan Sa. 

Oberlehrer Dr. phil. August Franz Helm verschied 
plötzlich und unerwartet, nachdem ihn Herzschwäche (Aderver- 
kalkung) auf ein kurzes Krankenlager geworfen hatte, am 11. Dez. 
1911 in Chemnitz, einen Tag vor der Wiederkehr seines Geburts- 
tages. In Arnoldsgrün liegt er begraben. 

Er war am 12. Dez. 1857 in Schoeneck i. V. als Sohn eines 
Landwirts geboren. In seiner frühen Jugend siedelte sein Vater 
in das benachbarte Dörfchen Arnoldsgrün über und hier, im 
schönen grünen oberen Vogtland ist der Knabe aufgewachsen. 
Kein Wunder, dafs in dem begabten Kinde schon frühzeitig die 
Liebe zur Natur starke Wurzeln schlug. In Plauen i. V. bereitete 
er sich zum Hochschulstudium vor und bezog dann die Universität 
Leipzig. Nach Absolvierung seiner Studien arbeitete er kurze 
Zeit als Versicherungs-Inspektor, um bei dem damaligen Stellen- 
mangel nicht untätig zu sein. Nebenher gingen damals schon 
fleifsige ornithologische Beobachtungen. 

Am 1. April 1888 fand er Anstellung als wissenschaftlicher 
Hilfsarbeiter am Zoologischen und Anthropologisch -Ethnogra- 
phischen Museum zu Dresden, an dem aufser ihm damals noch 



244 Richard Heyder: 

drei Ornithologen wirkten: Dr. A. B. Meyer, K. G. Henke 
und L. W. Wiglesworth. Keiner von ihnen hat ihn über- 
lebt, jeder aber hat wohl bis zu einem gewissen Grade auf seine 
wissenschaftliche Tätigkeit befruchtend eingewirkt, und namentlich 
Wiglesworth war sein ständiger und treuer Begleiter auf 
den zahlreichen Exkursionen in die Umgebung Dresdens, ins- 
besondere an die nahen Moritzburger Teiche. Hier verlebten 
die Freunde Stunden schönster Forscherfreuden, und Helm legte 
vor Allem hier den Grund zu den reichen biologischen Kennt- 
nissen, die er später bei der Bearbeitung des „Neuen Naumann" 
verwerten konnte. Aufser anderen musealen Arbeiten fiel ihm 
dienstlich die Redaktion der ,, Jahresberichte der ornithologischen 
Beobachtungsstatiouen im Königreich Sachsen" zu, die von Meyer 
im Gegensatz zu den Berichten der übrigen deutschen Beobachter- 
stationen gesondert und als selbständige Publikationen veröffent- 
licht wurden. Er hatte die umfangreiche Korrespondenz mit 
dem Beobachternetz zu führen, dessen Arbeit zu organisieren, 
die Ergebnisse kritisch zu sichten und zu verarbeiten, er wufste 
aber auch Anregungen zu geben und wurde dadurch bald die 
treibende Kraft des ganzen Unternehmens. Obschon diese Jahres- 
berichte ein faunistisch und für das Studium des Zuges gleich 
reichhaltiges Datenmaterial brachten , erfüllten sie doch die 
Hoffnungen ihrer Väter nicht, denn die Beteiligung au dem breit 
angelegten Werke liefs nach einigen Blütejahren auffallend nach 
und sein Zweck wurde dadurch illusorisch. Einen besonderen 
Wert behalten die Jahresberichte in der Beziehung, als sie eine 
ganze Anzahl ehemaliger Beobachter als spätere Ornithologen ins 
wissenschaftliche Fahrwasser führten und auch im allgemeinen 
einen erheblichen Aufschwung der Vogelkunde nach sich zogen, 
zum nicht geringen Teile Helms ureigenes Verdienst. 

Am 15. April 1891 schied er aus dieser Stellung und ging 
als Lehrer an die Landwirtschaftliche Schule zu Chemnitz. Orni- 
thologische Ausflüge führten ihn von hier aus in die Teichgebiete 
des westsächsischen Niederlandes, nach Hasel bach, wo damals 
Cygnus olor noch brütete, und nach Frohburg, wo er viele Jahre 
hindurch die Ferien verlebte und wochenlang beim Teichvogt zu 
wohnen pflegte. 

Ende der 90er Jahre beteiligte er sich an der Neuheraus- 
gabe von Naumann's klassischem Vogelwerk und bearbeitete 
einige Wasserläufer-, Gänse- und Entenarten in musterhafter und 
dem Naumannschen Geiste völlig gerecht werdender Weise. 

Er befand sich noch in voller Arbeit am Naumann, als die 
IL Auflage von Heinrich Gaetkes „Vogelwarte Helgoland" 
erschien, ein Werk, das für seine weitere Tätigkeit bestimmend 
wirken, ihr scharf und eng begrenzte Richtlinien geben sollte. 
Schon in früheren Jahren finden sich unter seinen Arbeiten 
solche, die als Anläufe zum plaumäfsigen Studium des Vogelzugs 
gedeutet werden können , auch die Jahresberichte sollten ja 



Zur Erinnerung an August Franz Helm. 245 

bekanntlich diesem Zwecke dienen. Aber erst mit dem Neuer- 
scheinen von Gaetke's Lebenswerk vertiefte er sich in Spezial- 
frageu des Zuges. Mit kritischem Auge betrachtete er die Beweis- 
führungen des Helgoländer Vogelwarts und stellte sich mit 
starkem Skeptizismus dessen kühneu Hypothesen gegenüber. In 
verschiedenen Abhandlungen wandte er sich gegen Gaetkes An- 
sichten über die Höhe und Schnelligkeit des Wanderflugs der 
Vögel und den gesonderten Zug von Alt und Jung, Männchen 
und Weibchen. Seine reiche Erfahrung als Feldornitholog und 
seine immense Literaturkenntnis glänzen hier im hellsten Lichte. 
Noch bis in seine letzten Tage sammelte er mit staunenerregeuder 
Ausdauer Material zur Beantwortung dieser Fragen, und seine 
Ferien wurden stets zum Zwecke gröfserer Exkursionen, die ihn 
besonders an die Nordsee und an die grofsen Teiche bei Bud- 
weis in Böhmen führten, seinen Bestrebungen dienstbar gemacht. 

Helm war kein Himmelsstürmer auf wissenschaftlichem 
Gebiet, hats auch nie sein wollen, in stiller und zäher Klein- 
arbeit schulte und entfaltete er sein Können. Seine Arbeiten 
wirken nüchtern, sind Tatsächlichkeiten ohne spekulatives Beiwerk. 
Und doch leuchtet aus seinem ganzen Wesen das Aufgehen in 
der geliebten Wissenschaft hervor, seine ganze Tätigkeit bezeugt 
sein Hineinwachsen in die Natur. Seine gesamte freie Zeit und 
wohl noch mehr opferte dieser persönlich äuCserst anspruchslose 
Mann der Wissenschaft. Um ihrem Rufe unbehindert folgen zu 
können blieb er, wie er mir selbst versicherte, unverheiratet. 
Wer ihm fern stand oder für seine Ideale und seine Eigenart 
kein Verständnis hatte, dem mag er verschlossen vorgekommen 
sein, doch suchte und liebte auch er Gesellschaft auf seine Weise: 
Er besuchte gern wissenschaftliche Veranstaltungen und Ver- 
sammlungen und erzählte mir mit wahrer Begeisterung von dem 
4. Internationalen Ornithologen-Kongrefs in London. 

Wir verlieren viel mit diesem Mann ! Die Deutsche Ornitho- 
logische Gesellschaft, der er seit 1889 angehörte, ein treues 
Mitglied, ebenso der Deutsche Verein zum Schutze der Vogelwelt 
und die Naturwissenschaftliche Gesellschaft zu Chemnitz, die 
Ornithologie einen trefflichen und fleifsigen Gelehrten, die Vogel- 
schutzsache einen warmen Freund, seine Schüler einen pflicht- 
getreueu Lehrer und alle, die ihm näherstanden, einen adeln und 
liebenswürdigen Freund! 

Ehre seinem Andenken 1 



Jonrn. f. Orn. LX. Jahrp. April 1912. 17 



246 Richard Heyder: 

Verzeichnis 
Helms ornithologischer Arbeiten. 

Im Nachfolgenden gebe ich ein Verzeichnis von denjenigen 
ornithologlschen Arbeiten Helms, die mir aus der mir zugäng- 
lichen Literatur oder sonstwie bekannt geworden sind. Doch 
will ich vorausschicken, dafs ich auf Vollständigkeit dieser Liste 
keinerlei Anspruch erhebe, da ich der Meinung bin, dafs mir 
manches entgangen sein dürfte. . 

1. Über die Hautmuskeln der Vögel, ihre Beziehungen zu den 
Federfluren und ihre Funktionen. — Naumburg 1883. 

2. Die Hautmuskeln der Vögel. — Monatsschrift des Deutschen 
Vereins zum Schutze der Vogelwelt 1886 p. 295—302, 
337—342. 

3. Die Brutvögel von Aruoldsgrün und Umgebung. — Ebenda 
1887 p. 142—148, 193 — 198. 

4. Nydale Tengmalmi Brutvogel bei Arnoldsgrün. — Ebenda 
1887 p. 231. 

5. Aus meinem ornithologischen Tagbuch. L Rauhfufskauz {Nyc- 
tale Tengmalmi Gm.). — Ebenda 1887 p. 251—253; H. Sperber 
{Accipiter nisus Liiin.) p. 295—296; HL Weifse Bachstelze 
{MotaciUa alba Linn.) p. 359-360; IV. Wachholderdrossel 
{Turdus pilaris Linn.) p. 360—362. 

6. Rauhfufskauz wieder auf Arnoldsgrüner Revier. — ürnitholog. 
Monatsschrift 1893 p. 192—193. 

7. Referat [über „Scheidt; Vögel unserer Heimat"]. — Ebenda 
1893 p. 195. 

8. Ornithologische Beobachtungen an den Teichen von Moritz- 
burg. — Ebenda 1893 p. 270—274, 336—342. 

9. Tannenhäher. — Ebenda 1893 p. 438. 

10. Der Rauhfufskauz {Nyctale Tengmalmi [Gm.]) im Königreich 
Sachsen. — Ebenda 1894 p. 3—10. 

11. Ein Gesangstalent unter den Zeisigen. — Ebenda 1894 p. 239 

12. Beobachtungen über Ankunft und Abzug des Mauerseglers 
(Cypselus apus L.) im Königreich Sachsen. — Ebenda 1894 
p. 376—382. 

13. Einige Beobachtungen über das schwarze Wasserhuhn {Fulica 
atra L.). — Ebenda 1895 p. 8-12. 

14. Gute Kameradschaft. — Ebenda 1895 p. 41—42. 

15. Über das Vorkommen einiger seltener Vogelarten in Sachsen. — 
Ebenda 1895 p. 237—238. 

16. Einiges überdasVorkommen derSäger im Königreich Sachsen. — 
Ebenda 1895 p. 239—242. 

17. Der Rauhfufskauz. — Ebenda 1896 p. 75—77. 



Zur Erinnerung an August Franz Helm. 247 

18. Gelegenheitsbeobachtungen auf Helgoland. — Ebenda 1901 
p. 181-184, 219--225. 

19. Frühjahrsbeobachtungen an den Teichen von Frohburg. — 
Aquila 1896 p. 124-125. 

20. Kropf- und Mageninhalt einiger einheimischer Vogelarten. — 
Biolog. Centralblatt 1895 p. 295-298. 

21. Seltene Brutvögel im Königreich Sachsen. ~ Ebenda 1896 
p. 638—654. Auch in St. Hubertus 1896 p. 257. 

22. An den Teichen von Moritzburg. — St. Hubertus 1896 
p. 167—170. 

23. Die wichtigsten einheimischen Raubvögel. — Wissenschaftl. 
Beilage der Leipziger Zeitung 1894 p. 165—167, 

24. Sachsens Vogelwelt. — Dresdener Journal 1893 No. 128 
p. 964-965, No. 135 p. 1010—1011, No. 141 pg. 1054—1055, 
No. 156 p. 1152 — 1153, No. 157 p. 1163. 

25. Über seltene, auf Moritzburger Gebiet vorkommende Vögel. 
— Abhandl. und Berichte d, Zool. u. Anthropol.-Ethnogr. 
Museums z. Dresden. 1898/99 p. 76—83. 

26. [In Verbindung mit Dr. A. B. Meyer] 1.— 10. Jahresbericht 
0885 — 1894) der ornithologischen Beobachtungsstationen im 
Königreich Sachsen 1886-1892, 1896. 

27. [In Verbindung mit Dr. A. B. Meyer] Verzeichnis der bis 
jetzt im Königreich Sachsen beobachteten Vögel nebst An- 
gabe über ihre sonstige Verbreitung. Mit 1 Karte. — 
6. Jahresber. d. orn. Beobachst. im Kgr. Sachs, 1892 p. 65— 135. 

28. [In Verbindung mit Dr. A. B. Meyer] Liste der im Dresdener 
Museum sich befindenden, im Königreich Sachsen erlegten 
Vögel. — Königl. Zoolog. Museum zu Dresden. Zirkular 
No. 6. 

29. Verbreitung der Eiche durch den Eichelheher {Garrulus 
glandaricus L.) in der Gegend von Arnoldsgrün bei Schöneck 
in V. — Der Zoolog. Garten 1889 p. 143-145. 

30. Trommelt der Grünspecht wirklich nicht? — Journ. f. Orn. 
1893. 

31. Betrachtungen über die Beweise Gaetke's für die Höhe des 
Wanderflugs der Vögel, — Ebenda 1900 p, 435—452. 

32. Über den Zug des Stares mit besonderer Berücksichtigung 
der Gaetkeschen Ansicht über den Zug der Vögel nach Alter 
und Geschlecht. — Ebenda 1901. 

33. Weitere Betrachtungen über die Beweise Gaetkes für die 
Höhe und Schnelligkeit des Wanderflugs der Vögel. — Ebenda 
1901 p. 289-303. 

34. Weitere Beiträge zu der Gaetke'scheu Hypothese über den 
Zug der Vögel nach Alter und Geschlecht. — Ebenda 1904 
p. 50-69. 

17* 



248 Richard Heyder: Zur Erinnerung an August Franz Helm. 

35. Ornithologisclie Beobachtungen. — Ebenda 1904. 

36. Ornithologische Beobachtungen. — Ebenda 1905 p. 563—600. 

37. Neuere Beobachtungen über den Herbstzug des Stares {Sturnus 
vulgaris). — Ebenda 1907 p. 154 — 164. Auch Proc. Fourth 
Intern. Orn. Congr= 1907 p. 544-553. 

38. Einige Beobachtungen auf Helgoland. — Orn. Monatsber. 
1901 p. 149—151. 

39. In welcher Entfernung werden in der Luft schwebende Vögel 
für das unbewaffnete Auge des Beobachters unsichtbar? — 
Ebenda 1902 p. 151 — 152. 

40. Ornithologische Beobachtungen an den Teichen von Wittingau 
in Böhmen. — Ebenda 1903 p. 161—163. 

41. Vorläufige Mitteilung. — Ebenda 1904 p. 136. 

42. Ornitholologische Beobachtungen auf einigen Friesischen 
Inseln. — Zool. Beobachter 1908 p. 231—251. 

43. [Naumann; Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas. Neu 
herausgegeben etc.] Bd. V. Rauhfufskauz. Bd. VI. Ringel-, 
Hohl-, Turteltaube. Bd. IX. Bruch-, Punktierter-, Gambett-, 
Dunkelfarb.-, Hellfarb.-, Teich-W^asserläufer, Höckerschwan, 
Schneegans, Zwerg-, Saat-, Blässen-, Rotfufsgans. Bd. X. 
März-, Pfeif-, Mittel-, Krick-, Spitz- und Löffelente. 

44. Beobachtungen an einem Amselneste. — XVI. Ber. Naturw. 
Ges. Chemnitz 1907 p. 3—12. 

45. Das Vogelleben während des Winters und Frühlings in den 
bewaldeten gebirgigen und ebenen wasserreichen Teilen 
unseres Vaterlandes. — Ebenda 1907 p. 28 — 41. 

46. Ornithologische Beobachtungen in und bei Chemnitz. — 
Ebenda 1909 p. 108. 

47. Beobachtungen über den Zug der Vögel. — Ebenda 1911. 

48. Ornithologische Beobachtungen an der Nord- und Ostsee. — 
Ebenda 1911. 



249 



Ein Monat Ornithologie 

in den Wüsten und Kulturoasen Nordwestmesopotamiens 

und Innersyriens. 

Von Dr. Hugo Weigold, Helgoland. 

Allgemeine Bemerkungen. 

Wenn ich meine Beobachtungen so ausführlich wiedergebe, 
so möge der Leser Nachsicht haben und bedenken, dafs ich es 
mit der Absicht tat, meine Arbeit möglichst allgemein nutzbar 
zu machen. Ich bin immer bemüht, meine Berichte so abzufassen, 
wie ich sie bei andern Autoren finden möchte, d. h. so, dafs ein 
späterer Forscher für jede Fragestellung ohne weiteres das ent- 
nehmen kann, was für ihn in Frage kommt. Dazu ist es nötig, 
dafs man all sein Material in extenso gibt. Nehmen wir als Beispiel 
Danford! Er hat auf langen kostspieligen Reisen ganz Kleinasien 
durchquert, macht aber seine Angaben ganz allgemein wie etwa,: 
„ziemlich selten im Innern". Was soll ein späterer Forscher mit 
solchen Angaben anfangen, wenn er den Zug der Vögel oder die 
Verbreitung der Formen oder die Brutzeiten u. s. w. feststellen will. 
Ohne genügend ausführlichen Bericht geht eine 
Unsumme wertvollsten Materials verloren und 
die Arbeit ist nur faunistisch und auch da nicht 
einmal vollkommen verwertbar. Sehr oft geschieht 
eine Abkürzung oder Verallgemeinerung gerade in dem Sinne, 
der der Absicht eines späteren Forschers strikte entgegen läuft, 
sodafs für ihn die Arbeit jenes Vorgängers nutzlos ist. Jede 
Beobachtung eines Vogels mufs man ebenso behandeln wie das 
tatsächliche Belegstück, und auch diese müssen genau angegeben 
werden. 

Dr. Hartert in Tring hat die meisten zweifelhaften Sachen 
gesehen in spezieller Hinsicht auf die Fragen, die er in seinen 
„Vögel der paläarktischen Fauna" noch offen lassen mufste. Prof. 
Reichenow kontrollierte einzelne Anthus, Phylloscopus u. a., 
Justiz rat KoUibay die Lerchen, Stieglitze und Sperlinge, 
Ritter von Tschusi zu Schmidhoffen die Braunkehl- 
chen, Pastor K 1 e i n s c h m i d t die Rotschwänze, Blaukehlchen 
und Steinschmätzer. Nur so war eine Bewältigung des Materials 
möglich von meinem Isolierschemel Helgoland aus. Das überaus 
liebenswürdige Entgegenkommen aller dieser Herreu verpflichtet 
mich deshalb zu herzlichstem Danke. 

Auf der Reise selbst hatte ich manches Beutestück und manche 
ergänzende Beobachtung meinem Begleiter und Präparator, Herrn 
Otto T e i c h m a n n aus Leipzig, zu verdanken. Den Herren 
aber, die mir unterwegs mit Rat und Tat zur Seite standen, soll 
im Text des Reiseberichts mein Dank ausgesprochen werden. 



250 Hugo Weigold: 

Die Bestimmung der geographischen Formen ist für die 
Zugforschung und die Tiergeographie sehr wichtig, aber mitunter 
— gerade an Grenzgebieten — überaus schwer, zumal wenn man 
ungenügendes Vergleichsmaterial hat. Ich habe deshalb die Hülfe 
unserer besten Kenner in Anspruch genommmen, die sie 
mir auch, wie gesagt, in liebenswürdiger Weise gewährt haben. 

Um Anhaltspunkte für den Charakter des erbeuteten Vogels 
als Brut- oder Durchzugsvogel zu erhalten, notierte ich meist den 
Grad der Entwicklung der Geschlechtsorgane, 
wobei 1 „noch nicht geschwollen", 11 „etwas geschwollen", III „stark 
geschwollen, also in Paarung oder in der Legezeit" bedeuten soll. 

A. Bericlit über die Reise. 

Schon lange hatte ich mich gewundert, dafs man gar so 
wenig über die Naturgeschichte Mesopotamiens, dieses gewaltigen 
Gebietes von allergröfstem historischen und neuerdings auch 
praktischem Interesse, wufste. Entweder war diese Vernachlässi- 
gung rein zufällig — doch das war schwer glaublich — , oder es 
gab irgendwelche Schwierigkeiten in der Bereisung des Landes, 
oder schliefslich: es gab da eben sehr wenig zu holen. Und in 
der Tat waren es wohl diese beiden letzterwähnten Umstände, die 
an der grofsen Unkenntnis über unser Gebiet schuld sind. 

Über Syrien wissen wir ja schon allerhand. Vor allem 
aber ist darüber in der Zoologischen Sammlung des American 
College in Beirut so erstaunlich viel Material bester Art aufge- 
häuft, dafs man nur unendlich bedauern mufs, diesen reichen 
Schatz au wissenschaftlichen Tatsachen noch immer nicht publi- 
ziert zu finden. Deshalb reizte mich die Tier-, spez. die Vogel- 
welt Syriens weniger, um so mehr die des Innern, nach Osten 
hin zum Euphrat und darüber hinaus nach den kurdischen Bergen 
zu, die das mesopotamische Tiefland einrahmen. Denn dorthin 
war noch kaum ein Zoologe gekommen, nur Danford und Tristram 
sind durch einige Teile des Landes gereist. Die Vogelwelt war 
also noch kaum bekannt. 

Was mich bei diesem Gebiete besonders interessierte, 
waren tiergeographische Fragen : welchen Charakter 
würde die Avifauna dieses nördlichsten Teiles 
der grofsen heifsen Ebene tragen? War er mehr 
südlich oder mehr boreal wie die des armenischen Hochlandes, 
das sich nördlich anschliefst? Und dann: wie verhält sich 
hier der Vogelzug? Ziehen überhaupt hier nennenswerte 
Mengen Vögel durch und wo? Und woher kommen, wohin 
gehen diese Wanderer? Würde ich von den vielen Sonder- 
formen Turkestans etwas zu sehen bekommen, oder wendet sich 
kein einziger Zweig dieser Tiergesellschaft nach Westen? 

Dafs ich keinen grofsen Reichtum an Vögeln antreffen 
würde, darauf war ich gefafst, doch hoffte ich dafür auf umso 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 251 

interessantere Formen. Leider hatte ich auch darin nicht viel 
Glück. Und so kann ich wenigstens das vorausschicken: Der 
Grund, dafs in diesem Gebiet wenig zu holen ist, war durchaus 
stichhaltig, und es war früheren Forschern wahrlich nicht zu 
verdenken, wenn sie sich reicheren Gebieten zuwandten. 

Ehe ich nun an die Schilderung meiner Reise gehe, seien 
einige Bemerkungen über meine Vorgänger erlaubt! 

Über Palästina und das nördlich benachbarte Syrien 
hat ja bekanntlich Canon T r i s t r a ra ausführlich berichtet in 
seinem Buche „ S u r v e y o f Western P a 1 e s t i n e " (im 
folgenden immer nur W. P. abgekürzt). Hemprich und 
E h r e n b e r g , A n t i n o r i u. a. Unbedeutendere haben in 
Syrien gesammelt und man findet einige Angaben darüber in 
Dressers „History of the Birds of Europe". Schrader 
publizierte seine Beobachtungen in Beirut und Damascus im 
Ornith. Jahrbuch III. p. 11 — 19 unter dem Titel „Ornithologische 
Beobachtungen auf meinen Sammelreisen". 

Im östlichen K 1 e i n a s i e n ist D a n f o r d gereist 
und berichtet darüber im Ibis 1877 und 1878 unter dem Titel 
„A Contribution to the Ornithology of Asia Minor" und 1880: 
„A further C. t. t. 0. o. A. M." Ab und zu findet man eine 
ergänzende Einzelheit dazu im Dresser. In Armenien sam- 
melten in Erzerum und Trapezunt die englischen Konsuln für 
Dresser und man findet Angaben darüber in den Birds of Europe 
und in Dressers Aufsatz: „On a Collection of Birds from Erzeroom" 
im Ibis 1891 Vol. III No. 11 p. 364—370. Die kleineren Arbeiten 
über Syrien sollen hier nicht aufgezählt werden. 

In Mesopotamien selbst scheint noch kein Ornithologe 
gereist zu sein oder man hat es nur berührt oder ist rasch 
durchgereist, ohne zu beobachten. Danford kam von Klein- 
asien über Marash nach Biredjik am Euphrat und ging dann 
wieder zurück nach Norden in das kurdisch-anatolische Bergland. 
Man findet also ein paar Notizen über diesen kleinen Teil seiner 
Reise in der oben erwähnten Arbeit. T r i s t r a ni kam umge- 
kehrt von Syrien nach Biredjik, ging von da nach Kurdistan und 
kehrte offenbar über Urfa zurück. Er macht aber fast gar keine 
speziellen Angaben darüber, sodafs man von seinem Bericht 
zwar etliche Korrekturen der syrischen Aviphänologie, für Kur- 
distan aber fast und für Mesopotamien absolut gar nichts hat. 
Der Bericht betitelt sich: „H. B. Tristram, Ornithological Notes 
of a journey through Syria, Mesopotamia and Southern Armenia 
in 1881" und steht: Ibis 82 p. 402—419. 

Was sonst noch an einzelnen Exemplaren — und es sind 
wenig genug — von Mesopotamien vorhanden ist, darüber findet 
man ja Angaben in Dressers Birds of Europe und Harterts 
Vögel der p a 1 ä a r k t i s c h e n Fauna, das für die erst 
neuerdings studierte Rassenverteilung die Hauptquelle darstellt. 



252 ■ Hugo Weigold: 

Ein Jahr vor meiner Keise durchquerten diei Gelehrte des 
Wiener Hofmuseums unter Leitung des Herrn Dr. P i e t s c h- 
m a n n Mesopotamien von Aleppo über Urfa, Diarbekr, Mossul 
bis Bagdad. An ornithologischem Material konnten sie aber nur 
wenig sammeln trotz bald 14 mal längeren Aufenthalts. Auch 
sie schildern das Land als ziemlich trostlos in dieser Hinsicht. 
Das Material hat Herr Dr. M o r i t z S a s s i in Wien zur Be- 
arbeitung übernommen. In liebenswürdiger Weise haben mir die 
Herren Dr. Pietschmann und Dr. Sassi gestattet, ihre Daten, 
obgleich bisher der Reisebericht noch nicht veröffentlicht ist, zur 
Vervollständigung meiner Darstellung zu benutzen. Dafür möchte 
ich auch hier meinen Dank aussprechen. 

So war also Nordmesopotamien in ornithologischer Hinsicht 
noch ganz Neuland. — 

Wie ich in einer andern bald folgenden Arbeit mitteilen 
will, ging meine Reise zuerst nach Jonien in die Mäanderebene. 
Von dort wollte ich mit der Bahn ostwärts Afiün-Karahissar an 
der Bagdadbahn erreichen, mit dieser soweit als möglich südlich 
fahren, den Taurus überschreiten und dann über Adana und 
Marasch ostwärts nach Urfa gehen. Dieser ganze Plan ward da- 
durch vereitelt, dafs — wie ich erfuhr — auf dem Taurus der 
Pafsübergang noch nicht passierbar sei, soviel Schnee läge da 
noch. Hatte man doch in ganz Westasien einen ganz unglaublich 
strengen Winter hinter sich, wie er seit mindestens 70 Jahren 
nicht vorgekommen war. 

So mufste ich also den andern, den Seeweg, wählen zu 
meinem gröfsten Bedauern. Am 31. März gingen wir also in 
Smyrna an Bord des Messageries maritimes-Dampfers Niger, 
eines grofsen, aber nichts weniger als komfortablen Schiffes in 
Anbetracht der kolossalen Preise. 

Abends 9 Uhr lichten wir die Anker und waren etwa 7 h 
am L in Samos, am 2. bekamen wir Cypern und die schnee- 
bedeckten cilicischen Bergketten in Sicht, am 3. früh landeten 
wir nach einer ungewöhnlich schnellen Fahrt in Beirut. Das 
Wetter war herrlich, aber sehr warm. Trotzdem ging ich mit 
der Kamera fleifsig spazieren. Von der See aus sieht die Stadt 
recht europäisch aus mit ihren guten Steinbauten und roten 
Ziegeldächern. Im Innern ist sie schon bedeutend orientalischer. 
Natürlich gibt es Rauchschwalben und Segler in grofser Menge. 
In einem Vorstadthause erhob sich aus dem Hofe ein Wiedehopf, 
ein sehr bezeichnendes Bild! Auf dem Wege nach dem Leucht- 
turm boten sich zwar sehr schöne Strandfelspartien, aber aus 
den kaktusumsäumten Gärten liefs sich kein Vogel aufser dem 
einen oder andern Grünling vernehmen. Auf der See gibt es 
auch nichts zu sehen aufser ein paar Lachmöwen im Hafen. 

Am Abend bestiegen wir bereits wieder den Zug der fran- 
zösischen Bahnlinie nach Aleppo. Nachdem ich die tadellos 
gehaltene englische Bahn Smyrna -Aidin kennen gelernt hatte, 



Zur Oruithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 253 

war ich nicht gerade befriedigt von dieser Linie hier und ihrem 
Personal. Hoffentlich wird unsere Bagdadbahn auch in dieser Hin- 
sicht einmal den Ruf deutscher Ordnung und Gründlichkeit wahren. 

Die Nachtfahrt über den Libanon war schauderhaft, der 
Zug war überfüllt wie fast immer, die Gesellschaft mit ihrem 
barbarisch klingendem Arabisch nicht gerade angenehm. Wer 
nicht mit der Zeit knickern mufs, wie ich, der fahre ja am Tage 
die prächtige Tour über den hohen Libanon und raste unterwegs 
in Baalbek. 

Etwas vor 5 h ging strahlend die Sonne auf und beleuchtete 
herrlich den dick mit Schnee bedeckten kahlen Libanon zur 
Linken. Vor der parallelen Schneekette des Antilibanon zur 
Rechten braut eine dicke Nebelbank. Davor breitet sich eine 
hochrote Ebene, zum guten Teil mit dürftigen Gersten- und Weizen- 
feldern bestellt, die der Eingeborene noch immer mit seinem 
hölzernen Hakenpflug bebaut, während unmittelbar nebenan an 
einzelnen Stellen schon der Dampfpflug tätig sein soll. Erst jetzt, 
nachdem die Bahn schon werweifs wie lange besteht, fängt mau 
an, eiserne moderne Pflüge einzuführen, wodurch dem Boden wohl 
die dreifache Ernte abgerungen werden kann. — Gegen 6 h hält 
der Zug in Baalbek, der altberühmten Tempelstadt, die jetzt eine 
schöne bäum- und gartenreiche Oase in dem entsetzlich kahlen 
trockenen Lande darstellt. Wer da denkt, der ganze Libanon 
sei noch bewaldet oder es gäbe doch wenigstens überall Busch- 
vegetation, der wird durch die kahlen Felsen und die jeglicher 
höheren Vegetation entbehrenden Lehmebenen davor bitter ent- 
täuscht. Alles, alles hat die Unvernunft der Menschen vernichtet, 
bis auf Stumpf und Stiel ausgerottet. Und die Tierwelt mit der 
Vegetation! Fast noch lieber als die entsetzlich öden Felder sind da 
dem Naturforscher noch die weiten sehr kahlen oder mit saftig- 
grünen Asphodillbüschen bewachsenen Steppen, durch die der Zug 
stundenlang fährt. 

Li den Anlagen des reichbewässerten Baalbek beobachtete 
ich vom Zuge aus Mauersegler, 2 Kolkraben, 1 Wiedehopf und 
trillernde Grünlinge. Eine Stunde weiter steht eine Schar grofser 
Vögel auf den öden Feldern, kreist empor und zieht nach Norden 
weg : Störche sind es. Etwas weiterhin rasten noch mehr. Wo 
ziehen sie hin? Wir glauben es zu wissen: „Grüfst uns den 
Vogelwart auf Rossitten und grüfst uns die fleifsigen Ungarn in 
der Ornithologischen Zentrale zu Budapest!" Hier in dieser 
Gegend sind ja Ringstörche geschossen worden. Ich konnte mich 
eines eigenartigen begeisternden Gefühls nicht erwehren ange- 
sichts dieser ziehenden Storchscharen in der syrischen Steppe: 
es ist doch etwas Grofses und Schönes, so in die Geheimnisse 
des gewaltigen Problems jener gefiederten Weltreisenden einge- 
drungen zu sein, dafs man, ärmlich und klein ihren Spuren folgend, 
den vorbeisegelnden zurufen kann : Seid mir gegrüfst, vertraute 
Gestalten der Heimat! 



254 Hugo Weigold: 

So geht es weiter über weite Felder, wo Schwalben schiefsen 
und Krähen stolzieren, und durch Dörfer, wo nie der Hausspatz 
fehlt. Ab und zu mal eine grüne Oase blühender Mandel- oder 
Aprikosenbäume, wo künstliche Bewässerung einen üppigen Garten 
hervorgezaubert hat. 

Dann mit Steinen übersäte Wüste mit ganz kurzem, über- 
aus dürftigen Grase, Araberdörfer aus termitenbauartigen Lehm- 
kegelhütten, gelbgrau wie die Umgebung und kein fingerlanges 
lebendes Holzgewächs in weiter Umgebung, entsetzlich in der 
brennenden Sonne! 

Dann wieder ungeheure Steppen, wo nur die ewigen blau- 
grünen Asphodillbüsche wachsen, die im Jonien längst blühten, hier 
aber in der Höhe noch nicht ihre Blütentrauben geschoben haben. 
Und zwischen den ungeordneten Büschen guckt öfter schüchtern 
die ärmliche Saat der Anwohner, von denen man nichts sieht, 
von deren Dörfern aber die vielen Rötelfälkchen zeugen, die über 
der Ebene rütteln und flattern. Sie werden häufiger: Homs, die 
staubige öde Steppenstadt wird passiert. 

Wieder erdfarbene Kegelhütten — ein Milan schwebt vor- 
bei — Steinwüste mit bischen Gras hie und da. Ab und zu ein 
Milan, eine braune Weihe, ein plumper Bussard, ein Wiedehopf! 
Nicht einmal Lerchen scheint es hier häufig zu geben. Auf den 
Stationen wie immer Rauchschwalben — weifsbäuchig wie bei 
uns — und Hausspatzen. In der Stadt Hama dazu noch Segler. 

So geht es den Tag durch. Heifser und heifser glüht die 
Sonne herab auf diese Landschaft, die schon jetzt im Frühjahr so 
vertrocknet aussieht. — Der Wiedehopf wird häufiger, Bussarde 
und Rötelfalken seltener. Zwei grofse Vögel gehen ab: es müssen 
Trappen gewesen sein. Bei der Station Teledjin stagniert eine 
Wasserpfütze und die hat richtig ein Flug gröfserer Totaniden 
gefunden. Steinschmätzer wird und mufs es in diesem Gelände 
geben, doch ist vom Zuge aus nur einmal ein oenanthe zu er- 
kennen. Eine halbe Stunde vor dem Ziele, Aleppo, eine Station 
Jedije. Da gibt es eine Pflanzung von Fruchtbäumen und darin 
mind. iVi Dtzd. Bussarde, vielleicht auch Raben, dazu zwei 
Graureiher und einen Storch. An den Bewässerungsgräben sonnen 
sich Schildkröten und lassen sich erschreckt ins Wasser plumpsen. 

Gegen 4 h nachm. kommen wir nach 19 stündiger Fahrt 
in einer ganz niedlichen Temperatur in Aleppo an, einer Riesen- 
stadt, die aber fast ebenso trostlos aussieht als die übrigen 
Steinhaufen unterwegs. Der Araber gurgelt das Wort in seiner 
rauhen Sprache so heraus, dafs es wie Chaleb klingt. In weiter 
Ebene dehnt sich eine aus weifsem Kalkstein gebaute Häuser- 
masse, nur entlang einem Tälchen mit grünen Gärten, sonst mit 
braunen Feldern rings umsäumt. Von den Eigentümlichkeiten 
solch einer orientalischen Stadt zu erzählen, ist hier kein Platz. 
Doch gibt es ja dabei immer auch genug Ornithologisches zu 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 255 

berichten, denn der Muhammedaner ist überall derselbe Tierfreund, 
den die Vögel in seinem Heime aufsuchen. 

Vor allem sind es die Rötelfalken, die zu Hunderten die 
Stadt in anmutigster Weise beleben. Ganz vertraut nisten sie 
in Löchern der kahlen äufseren Wände der türkischen Häuser. 
Überall hört man ihr heiseres Kichkichkich und sieht ihre elegante 
Gestalt zu Dutzenden rütteln und schweben. Besonders viel gibt 
es auf der alten Citadelle, die ich dank einer liebenswürdigen 
Einladung unseres Konsuls Röfsler am andern Tag besuchen 
durfte. Dort oben sah ich auch die ersten beiden schwarzen 
Milane in einer orientalischen Stadt. Massenhaft sind natürlich 
auch die Mauersegler und etwas weniger zahlreich vielleicht die 
Rauchschwalben. Auf den hohen Bäumen der Gärten aber und 
in der Citadelle treiben sich in ziemlicher Zahl Nebelkrähen 
herum, die anscheinend z.T. schon brüten, wenigstens schon fertige 
Horste haben. Obgleich ich keine geschossen habe hier, bin ich 
doch sicher, es schon hier mit Corvus cornix sharpei zu tun zu 
haben. Manche Paare treiben sich noch, wie sich auch die Falken 
erst treten. In dem Garten hinter dem Parkhotel, wo ich ab- 
gestiegen war, und in dessen Hofe gurrten die Ägyptischen wein- 
roten Turteltäubchen (T. sevegalensis) ihr niedliches Liedchen 
und brüteten bereits auf frischen Eiern in den Fensternischen, 
was die Armenier in den Stand setzt, sich ihrer wie Hausvögel 
zu bedienen, während der Türke natürhch nie solche Sünde be- 
gehen wird. Die Täubchen sind so vertraut wie bei uns die 
Spatzen, die ihrerseits hier sehr stark zurücktreten. In einem 
Hofe eines türkischen Hauses sang auch ein Star, dessen Form- 
zugehörigkeit ich leider nicht bestimmen konnte. 

Anderntags, am 5. April, suchten wir vormittags den Garten 
am Hotel und die nächstgelegenen nicht eingezäunten Gärten 
und Felder am Flusse Kueik ab, die durch Reihen von Frucht- 
bäumen, die z. T. blühen, voneinander getrennt sind. Hier gab 
es reichlich Nebelkrähen. Einzelne Buchfinken 9) Hausspatzen, 
1 Baumpieper, einige Kohlmeisen, allerhand Weidenlaubsänger, 
eine Klappergrasmücke und ein Mönchsgrasmücken-9, ein Garten- 
rötling d* belebten einigermafsen das Gelände. Also alles ganz 
gewöhnliche vertraute Sachen. Zum Glück gab es wenigstens 
noch einige Blaukehlchen in dem Unkraut der Gräben. Doch 
war es offenbar das Ende ihres Zuges, denn alle drei geschossenen 
waren 9- Wahrscheinlich handelt es sich um Vögel, die in Ar- 
menien brüten. Nach den Laubsängern waren sie in dieser vogel- 
armen Gegend noch die häufigsten Vögel. Auch schofs ich einen 
Wendehals und glaubte, einen Zwergspecht zu hören, kann mich 
schliefslich aber auch getäuscht haben. 

Anderntags konnte ich diesen Beobachtungen nur noch die 
einer Grauammer, eines von Krähen verfolgten Sperbers und 
einer braunen Steppen ?-Weihe hinzufügen, da ich im übrigen 
genug mit Besorgungen in der Stadt zu tun hatte, wobei ich von 



256 Hugo Weigold: 

der liebenswürdigen deutschen Familie Koch und von Herrn Dr. 
Schnoelluer vom Konsulat in freundlichster Weise unterstüzt wurde. 

Bei Herrn Konsul Röfsler hatte ich das grofse Vergnügen, 
Herrn Dr. Rohrbach, den bekannten Kolonialsocialpolitiker, und 
dessen Gattin kennen zu lernen, die am andern Tage nach Urfa, 
einer der gröfsten Städte in Nordmesopotaniien, aufbrechen wollten. 
Das war eine gute Gelegenheit, mich anzuschliefsen. Denn hier 
in Aleppo schien es mir traurig und öde. Wenn ich nun auch 
kaum zu hoffen wagte, in Urfa etwas Besseres zu finden, so war 
es doch wenigstens eine jungfräuliche Gegend, wohin noch kein 
Ornithologe gekommen war. Der Entschlufs war also rasch ge- 
fafst und mit Hülfe des Herrn Konsul und der ob ihres Ent- 
gegenkommens von allen Durchreisenden hochverehrten Familie 
Koch waren auch bald alle nötigen Vorbereitungen getroffen, 
d. h. es wurden die nötigen zwei Wagen, den einen für mich 
und meinen Begleiter, Präparator Otto Teich mann, den 
anderen für das leidige Gepäck, besorgt und der Kontrakt 
mit dem Fuhrmann geschlossen, Proviant und Schlafzeug be- 
schafft und zur Reise gepackt. Für Bedeckung brauchte ich 
nicht zu sorgen, da Herr Dr. Rohrbach bereits einen Saptjeh, 
einen berittenen Gendarm, bestellt hatte, der später alle halben 
Tage abgelöst werden sollte. Wir wollten nämlich doppelte Tages- 
touren machen, um recht rasch zu reisen. Die Gendarmen wurden 
aber immer an den üblichen Nachtquartieren, also nach einer 
Karawanentagereise, gewechselt. 

Man reist entweder in Landauern oder den gewöhnlichen mit 
rundem Planendach überspannten gefederten ßauernwagen, beide 
mit je drei sehr ausdauernden Pferden bespannt, die oft stunden- 
lang im Trab die unendliche Steppe durcheilen, keine Kleinigkeit 
bei der oft barbarischen Hitze in dem kahlen Gelände, das meist 
viel eher den Namen Wüste denn Steppe verdient. — Hinten 
auf den Wagen packt man seine Schlafdecken und -teppiche und 
an den Wagen hängt man rings um die Körbe mit dem Proviant, 
den zu beschaffen für den Fremden nicht leicht ist, wenn er 
sich nicht blos auf Brot, Eier und Ölsardinen beschränken will. 

So fuhren wir denn am 7. April mit 3 Wagen los, der uns 
zur Bedeckung beigegebene Saptjeh ritt bald hinter uns drein, 
bald sprengte er im Galopp voraus, da er natürlich wie alle 
Naturreitervölker sehr ungern Trab reitet. Ist doch der Kara- 
wanenmarsch ausschliefslich Schritt. Hat man es ausnahmsweise 
mal eilig, so galoppiert man, trabt aber nicht. Hinter sich am 
Sattel hat er seinen schweren Mantel und einen Schlafteppich 
aufgeschnallt, das schwere grofskalibrige Grasgewehr hängt ihm 
wie angeleimt an der linken Schulter, ohne dafs er es festhält, 
beim Galopp greift er über den Kopf und schwingt es vor sich 
auf den Sattel. 

Oft treffen wir unterwegs wandernde Karwanen. Stumpf- 
sinnig trottet die lange Schnur aneinander gefesselter Kamele hinter 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 257 

einander her, geführt von einem trippelnden Eselchen, das schwer- 
bepackt ist mit den Schlafteppichen der Führer. Und obendrauf 
sitzt dann gewöhnlich noch so ein langer Kerl seitlich auf dem 
Polster und läfst die Beine immer dem armen Tierchen in die 
Weichen baumeln. Jeden Augenblick glaubt man das Eselchen 
zusammenbrechen zu sehen, und es hält doch immer ruhig seinen 
Trippelschritt bei. — Die Kerle waren natürlich alle mit Pistolen 
oder langen Flinten bewaffnet. 

Tierleben war natürlich sehr wenig zu bemerken, so gespannt 
wir auch Ausguck hielten. Vor der Stadt Aleppo liefen Nebel- 
krähen und 3 Weifse Bachstelzen herum, ein Wiedehopf flog 
auf. Weiterhin liefen und flatterten Kalander- und Haubenlerchen 
und einige Rötelfalken rütteln noch. Doch begleiten uns diese 
nicht lange, sie halten sich immer in der Nähe der Stadt. So 
geht es stundenlang durch dürftige, steinige Getreidefelder, ohne 
eine einzige höhere Pflanze. Ab und zu calandra, weniger cri- 
stata, war alles. 

Gegen Mittag kamen wir in eine ziemlich grofse Stadt aus 
Lehmhäusern, B ä b , und hielten hier Rast im Chan, dem üblichen 
ünterkunftshaus. Vor der Stadt gibt es sogar einige Vegetation, 
d. h. Bäume und Sträucher. Bald ging es aber weiter, jetzt nur 
noch ab und zu im Trab, durch immer gleiches, mäfsig gewelltes 
Terrain, das absolut holzlos ist, und Getreide, meist aber nur 
sehr spärliches winziges Gras erzeugt, so dafs man nicht begreift, 
wie das Vieh der Bevölkerung davon leben kann. Hier gibt es auch 
nicht einmal die grofsen Liliaceen (Asphodill) mehr. Auf dieser zweiten 
sechsstündigen Strecke beobachteten wir wieder nur sehr wenig 
Vögel, am ehesten noch Kalander-, dann Kurzzehenlerchen, deren 
Rufe sich ähneln. In der Nähe der 5 Dörfer, die wir auf der 
ganzen Tages-Strecke passierten, gab es auch einzelne Weifse 
Bachstelzen, natürlich auch Rauchschwalben, in Bäb auch Mauer- 
segler. Einmal sahen wir drei, dann eine Zwergtrappe, diese auf 
etwa 150 m. In den Wüstenpartien blühte häufig die kleine 
blaue Moschushyazinthe. Von auffälligen Insekten sah man nur 
je zwei Arten Schmetterlinge und Mistkäfer. In der einzigen 
ideinen Lache gab es Frösche und in der Steppe eine Land- 
schildkröte. Öfters sprang ich aus dem Wagen, fing Schmetter- 
linge, las Käfer von der Karawanenstrafse auf oder schofs eine 
Kurzzehenlerche, alles, ohne die Wagen halten zu lassen. 

Abends nach 6 h kamen wir in dem Orte Membidj an. 
In dem kleinen Chan räumte uns der Chandschi (Wirt) sein 
eigenes Privatzimmer ein, wo ein zahmes Flughuhn {Pterocles 
aldiata) kurrend herumlief, das in der Nähe gefangen war. 

Andern Tags, am 8., kamen wir endlich 57^ h fort, auf- 
gestanden waren wir schon um 3 h. Am Ort gab es künstliche 
Bewässerung, deshalb auch etwas höhere Vegetation, sogar einige 
Bäume, in denen ein Laubsänger und ein Trauerfliegenschnäpper(?) 
im Vorbeifahren entdeckt wurden. Nahebei noch eine Grauammer. 



258 Hugo Weigold: 

In der Steppe wieder zweimal je eine Zwerg-Trappe, Hauben-, 
Kalander- und Kurzzehenlerchen. Steinschmätzer wurden nur 
selten gesehen, zwei Arten, oenanthe und ein grauer (isabellina 
oder hispanica Q). Ein Kolkrabe sucht die Strafse ab nach 
etwa gefallenen Tieren, zwei VViedehopfe sitzen auf Steinen. Fast 
die ganze Strecke ist eine armselige Steppe mit sehr kurzem 
und einzeln stehenden Grase und meist häufigen weifsen, selten 
hellblauen ganz niedrigen Schwertlilien, ab und zu auch mal 
einer der roten Anemonen, die in Jonien schon vor 14 Tagen so 
wundervoll blühten, die hier aber erst Knospen haben. Kurz- 
zehen- und Kalanderlerchen singen. 

Plötzlich senkt sich der Weg und es geht steil hinunter in 
ein breites in die Hochebene geschnittenes Tal: wir sind am 
Euphrat. Kahl war die Ebene, kahl, öde, trocken war auch 
das Tal, waren die Hänge und Felswände, die es einschlössen. 
Es war eine gewaltige Enttäuschung. Denn wo sollte es denn 
Vegetation geben, wenn nicht am Euphrat?! Ein paar Vögel 
gab es freilich: eine Zwergtrappe und ein Wiedehopf kurz vor 
dem Tal, einen Pieper glaube ich zu hören und Schafstelzenruf. 
Rauchschwalben schiefsen durch die Luft. So weit man sieht, 
kein Strauch, kein Baum, das Tal am Flusse ist trockene Wüste, 
die aber wohl noch bestellt wird. Alles ist noch schrecklich 
eintönig, gelbgrau, Land und Wasser. Alles flimmert unerträglich 
im wütenden Glanz der Sonne. Auf der Westseite des Flusses 
bricht das Plateau in etwa 500 m Entfernung vom Flusse in 
gelblichweifsen Kalkwänden ab und dort schweben zwei prächtige 
NeopJiron, deren Namen Schmutzgeier man so lange nicht be- 
greift, als sie hoch in der Luft ihre prächtige Figur zur Schau 
stellen. Drei Kolkraben hetzen sich und schweben wenig aufser 
Schufsweite, sie wollen wohl hier horsten. P^in paar Schwarze 
Milane kichern und wiehern, lachen und schreien und schweben 
auf und ab an der Wand, in einem Rifs der Wand hat sich ein 
einziges kleines Sträuchlein vor den gierigen Augen der Beduinen 
gerettet und in seinem sprossenden Grün ruft richtig ein Laub- 
sänger. Viele Kilometer in der Runde findest du kein andres 
grünes Zweiglein, aber diese kleinen Wanderer entdecken doch 
jedes Blättchen. 

Im Flufs ist eine Insel und von dort her ruft ein ganzer 
Trupp grofser Wasserläufer, anscheinend der Helle, seine schönen 
Hochzeitsrufe. 1 Reiher- oder Bergeute (cf) läfst sich herab- 
treiben, dann einmal 5 Pfeifenten. 

Auf dem kahlen unbestellten Acker am Ufer sitzeu auf 
Disteln zwei schwarzweifse Steinschmätzer und singen wunder- 
schön, etwas an Rotkehlchen erinnernd. Es war Saxicola liigens, 
wie das glücklich geschossene 9 bewies, das sich noch in ein 
Lebmloch in einer Wand flüchtete, wahrscheinlich ein üfer- 
schwalbenloch. Mit Hilfe des Messers bohrte ich es aber wieder 
heraus. 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 259 

Lange mufsten wir mit dem Übersetzen warten, da schon 
eine Reihe von Wagen und eine Karawane warteten, es aber 
nur ein paar der ganz eigenartigen vorsintflutlichen Fährboote 
gab. Diese Boote trieben erst über den einen schmalen Arm 
nach der Insel, dort wurden sie wieder hochgetreidelt und 
rauschten dann schräg durch die Strömung dem andern weit 
entfernten Ufer zu. Ich liefs mich trotz des wahnsinnigen 
Sonnenbrandes nach der Insel übersetzen, um dort zu beobachten, 
bis unsre Wagen daran kommen würden. Schon lauge hatte ich 
gesehen, dafs es auf der Insel das Kostbarste gab, was das Land 
ornithologisch bieten konnte: wohl 20 Mähnenib isse ([{Tcrow- 
iicus eremita) liefen dort umher wie die Truthühner. Wie gern 
hätte ich dazwischen geknallt. Aber ringsum waren ja eine 
Menge Araber und zwar nicht die besten! Und der Eingeborene 
dort hält den Ibis heilig. So versuchte ich zunächst, die Vögel zu 
photographieren und kam auch auf vielleicht 30 Schritt heran. 
Sie wurden aber sehr bald scheu und als ich es schliefslich bei 
einer Gelegenheit riskierte, mufste ich schon weiter schiefsen und 
konnte mit 5 Schüssen Nr. 4 keinen mehr zur Strecke bringen. 
Sie müssen sehr zähes, hartes Gefieder haben. 

Am Ufer tummelten sich drei Sporeukiebitze, schöne 
bunte Vögel, leider nur zu scheu. Ihre Stimme erinnerte mich 
sehr an die des Rotschenkels, wenn man ihn am Brutplatz stört. 
Einer der Vögel safs lange still an einer Stelle, wo ein paar 
Süfsholzstengel beisammen standen, und ich dachte, er würde da 
sein Nest haben aber ich fand nichts. — Zwei Flufsregen- 
p f e i f e r rannten über den glühendheifsen Boden, der durch die 
Schuhe brannte, eine Bekassine flog ätschend auf, ein Pieper 
ruft: sicher war es pratensis. Ferner eine Haubenlerche, 
ein Trupp Grauammern und auffallenderweise eine Gold- 
ammer, leider wurde ich von dieser abgelenkt durch Schwarz- 
kopfstelzen. Ein paar herrliche cf safsen sehr vertrautauf 
dem handhohen Gesträuch, das die Insel vor der ganzen Um- 
gebung rühmlich auszeichnete, und lockten andauernd. Am 
andern Ufer standen in der Ferne vier Graureiher, und 
eine Flufsseeschwalbe schaukelte über dem Wasser. 
Einzelne Dohlen lassen sich höien und ein Rötelfalk 
fängt Mistkäfer. 

Nach 3 V4 stündigem Aufenthalt ist glücklich der Strom 
passiert, die Bakschichschlacht geschlagen und die Weiterfahrt 
durch die Steppe oder Wüste kann beginnen, nachdem wir wieder 
die Höhe gewonnen haben. Die Steppe wird fruchtbarer, d. h. 
das Gras wird ganze 2 — 3 m hoch und steht nicht mehr meter- 
weit auseinander, auch gibt es öfters winzige Anemonenkräutlein. 
An Vögeln sehen wir einen Wiedehopf, dann mal zwei, 
einen Kolkraben, zwei Pieper (sp.?) auf einem ausnahms- 
weise frischgrünen Hügel! — Wir kommen an einen veritablen — 
Teich und dabei steht sogar ein Baum und wächst ein kleiner 



260 Hugo Weigold: 

Schilfhorst, in dem Vögel zur Ruhe gehen, die wir für Stare 
hielten. Dort rastet auch ein Schwärm von etwa 30 Schafstelzen, 
den wir vielleicht noch mal wiedersahen, wenn es nicht ein andrer 
war. Auf einem Steinhaufen schofs ich ein Saxicola hispanica cf . 
Kalander- und Kurzzehenlerchen wie immer, Haubenlerchen 
sehr selten. 

Stunde um Stunde verrinnt, die Sonne brennt unglaublich. 
Nur ein einziges Dorf wird passiert und dessen Bevölkerung soll 
aus „lauter Dieben und Banditen" bestehen, wie uns der Dol- 
metscher erzählte. Na so schlimm wird es wohl nicht sein, wenn 
die Kerle auch „verboten" genug aussahen. 

Ein Pferd stürzt von meinem Dreigespann und bleibt mit 
dem Kutscher in der Einöde zurück, um später nachzukommen, 
wir fahren mit dem Genda rm weiter. Längst ist die Sonne ge- 
sunken, als endlich wiederLehmkegeldörfer auftauchen, wo höch- 
stens ein einziges trübes Licht Menschen verrät. Wir sind in 
die Serudjebene gekommen, wo etwas künstliche Bewässerung 
möglich ist und deshalb die Bevölkerung sofort dichter wird. Bei 
Mondschein kommen wir endlich spät mit todmüden Gäulen in dem 
guten Chan der grofsen Lehmstadt Serudj an. 

Am 9. geht es mit Morgengrauen noch reichlich müde zwar 
nicht aus den Federn, aber aus den Decken. 6V2 ^^ Aufbruch. 
Auf dem Begräbnisplatz vor dem Ort ist eine halbverfallene Ge- 
dächtniskapelle, d. h, eine Steinkuppel auf vier Säulen, und darauf 
hat ein Storchenpaar sein Heim errichtet; es läfst sich auch 
ruhig knipsen. Überall auf den Dächern und vor den Häusern 
erklingt das Upupup und das Quatschen der Wiedehopfe, zwei 
Rötelfalken kichern, Segler schreien, Rauchschwalben zwitschern. 

Aber bald steigen wir wieder ans dem fruchtbareren Kessel 
in die steinige unberührte Steppe oder Wüste — denn das ist 
hier fast dasselbe. Unterwegs viele Kurzzehen-, weniger Hauben-, 
höchsten einzelne Kalanderlerchen, ein Sax. hispanica 9- Am 
Wege findet sich mitten in der Einöde ein aus dem anstehenden 
Gestein gehauenes Bauwerk, Reste eines Tempels aus alter Zeit? 
Hier suchen ein paar Ziegen ihr ärmliches Futter, 2 Wiedehopfe 
und eine Weifse Bachstelze leisten ihnen Gesellschaft. Überall 
rollen die Pillendreher wie besessen ihre Kotkugeln und Mist- 
käfer bedecken zu Hunderten jede Kamels-, Pferde- und Esel- 
„visitenkarte". 

— Am Wege liegt eine frischgefallene Kuh, lang hängen 
blaue Gedärme heraus, ein Gänsegeier, ein Kolkrabe und Milan 
erheben sich widerwillig von dem leckeren Mahle, — 

Auf einmal taucht ein Felsendefilee auf: wir nahen dem 
Höhenzug, hinter dem Urfa, unser Ziel liegt. An dieser günstigen 
Stelle haben vor Alters — wie viel hundert Jahre sind seitdem 
vergangen — kurdische Räuber tiefe Höhlen aus den Kalkwänden 
herausgemeifselt. Jetzt sind die Räuber vertrieben, getötet; — 
,, friedliche?" Hirten suchen zuweilen Zuflucht mit ihren Herden 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 261 

in den Höhlen, so in dem vergangenen überaus strengen Winter. 
Dutzende und Dutzende von Hammeln und Ziegen sind dabei 
verhungert, erfroren. Die Kadaver warf man vor den Eingang 
und da stinken sie jetzt zum Himmel. Es gehört einiger Mut 
dazu, unmittelbar neben dem Leichenhügel die alten byzan- 
thinischen Inschriften über dem Eingang zu photographieren. 
Über den Höhlen scheinen 2 Paar Rötelfalken und ein 
Zwergadler horsten zu wollen. 

Hier bei den Höhlen erreichen wir die tadellose Kunst- 
strafse, die nach Biredjik führen soll, aber noch nicht ganz bis 
dahin durchgeführt ist. Mit Staunen sieht man hier im Hinter- 
land solch moderne von einem europäischen Baumeister erbaute 
Autostrafse. Langsam geht es den Felsrücken hinan, dann sieht 
man auf einmal die gelblichweifse grofse Stadt Urfa in der 
Ebene unter sich liegen, aber auch hier kein labendes Grün, 
kahl und öde scheint — Gott sein Dank: scheint — auch hier zu- 
nächst alles, und mit stillem Grauen über dieses entsetzliche 
Land rollen wir rasch hinab in die Stadt, ein Steinmeer, hell 
wie der Fels nebenan, aus dem sie gebaut, heifs wie er, unschön 
wie er. Flache Dächer natürlich, nur die paar Staatsgebäude 
und die Europäeranlagen mit europäischer Bauart. 

Dank der Liebenswürdigkeit des Herrn Chefarztes Dr. 
Fischer fand ich freundliche Aufnahme in dem Hospital der 
deutschen Orientmission, einem grofsen praktischen Krankenhause, 
in dem Muhammedaner und Christen ohne Unterschied nach den 
allermodernsten Methoden behandelt werden. Dr. Fischer wird 
in seiner aufopfernden schweren Arbeit aufs trefflichste unterstützt 
von seinem Assistenten Herrn Künzler, ebenfalls einem 
Schweizer wie Dr. Fischer, und einem armenischen Assistenzarzt. 
Hier konnte man so recht sehen, wie eine Mission arbeiten soll: 
nicht Betschwestern sollen die Missionare sein, sondern echte 
Christen, d. h. Helfer der leidenden Menschheit. Dieses stille 
aufopfernde Wirken übt unmerklich einen gewaltigen Einflufs 
auf die gesamte Bevölkerung aus, die sich äufsert in der unbe- 
grenzten Hochachtung und Verehrung, die Türke und Kurde, 
Araber und Armenier für diese Pioniere der Kultur hegen, die 
ihr Leben christlicher Liebe gewidmet haben. Hatte ich bisher 
sehr starke Bedenken gegen viele Missionare und ihre Tätigkeit 
gehegt, die oft, sehr oft mehr schadet als nützt, so werde ich 
im Gegenteil immer mit gröfster Verehrung und aufrichtiger 
Bewunderung der Herren in Urfa gedenken. 

Wieder anders, aber ebenfalls werktätig, arbeitet in der Mission 
ein dritter Herr, der Teppichfabrikbesitzer Eckart, der unter- 
stützt wird von seinem technischen Leiter Massalsky. — 
Als vor längerer Zeit ein furchtbares Christengemetzel die ar- 
menische Bevölkerung total verarmen liefs, führte die Mission 
als Gewerbe die Teppichknüpferei ein, um den Armenierwaisen 
einen Lebensunterhalt zu geben. Aus praktischen Gründen ist 

JoMrn. f. Gm. LX. Jahrp. April 1912. 18 



262 Hugo Weigold: 

der Betrieb jetzt ein selbständiges Unternehmen geworden, das 
ganz vorzügliche Arbeiten leistet. 

In den Familien all dieser Herren fanden wir die liebens- 
würdigste Aufnahme und es war ein Hochgenufs, nach all den 
Anstrengungen der Jagd und desPräparierens mal wieder ein Stünd- 
chen in einem deutschen Hause weilen zu dürfen, das einem den 
ungeheuren Unterschied zwischen dem landesüblichen Milieu und 
der verpflanzten Heimat so recht vor Augen führte. An alle 
denke ich nur mit dem Gefühl herzlichsten Dankes. 

Da Herr Dr. Fischer bald nach meiner Ankunft zu seinem 
Urlaub nach Europa abreiste — Herr Dr. Rohrbach und Frau 
gingen übrigens auch nach einigen Tagen zurück — , so bin ich 
vor allem Herrn Künzler zu allergröfstem Danke verpflichtet. 
Wie hat er, der doch mit Arbeit überlastet war, mich in jeder 
Weise unterstützt ! Er tat alles, was ihm nur möglich war, und 
ich kann wohl sagen, dafs er zum guten Teile an dem noch leid- 
lich ausgefallenem Erfolge Anteil hat: er sagte mir die günstig- 
sten Stellen, er gab mir sein Pferd und sorgte für unsere Ver- 
pflegung. Gelebt haben wir freilich, unserem eigenem Wunsche 
entsprechend, ziemlich primitiv, weil absolut unregelmäfsig. 
Aber wir wollten es ja so haben. 

Nachdem ich noch am Tage meiner Ankunft der obersten 
Behörde, dem Herrn Mutessarif, meine Aufwartung gemacht und 
von ihm alle Freiheiten erlangt hatte, richteten wir uns in den 
beiden uns im Spital überlassenen Zimmern häuslich ein und so 
konnte es denn am 10. April losgehen mit der Arbeit. 

Die Stadt Urfa liegt am Mordende der Harranebene, durch 
die ja bekanntlich die Bagdadbahn von West nach Ost (durch 
die Stadt Harran) in Kürze gelegt werden wird. Diese Ebene 
wird von einigen Bächen bewässert, die aus den Kalkbergen 
kommen, die in erschreckender Öde und Kahlheit die Stadt im 
Westen und Norden einfassen. Die Bäche ermöglichen in ihren 
Tälern die Anlage von Gärten mit Baumwuchs. Auf den Hängen 
wächst auch nicht ein Strauch, höchstens ist auf sanften Lehnen 
noch ein Weingarten angelegt, aber auch die Ebene ist fast 
absolult baumlos und nur mit Getreide bestellt. Die Bauern 
haben ihre Häuser inmitten ihres Gartens, deren es natürlich 
nicht allzuviele gibt. Die gröfste Gartenfläche befindet sich im 
Süden der Stadt und wird von Bewässerungsgraben durchzogen, 
die von dem Winterflufs Urfas, dem Nar el Kut, gespeist 
werden. Das ist aber nur ein ärmlicher Bach. Die Auteile der 
einzelnen Bauern sind hier durch übermannshohe Zäune aus 
senkrechten Rutengeflechteu getrennt, die kaum zu überklettern 
sind und die Jagd recht erschweren. Diese Zäune fielen glück- 
licherweise in den viel günstigeren kleineren Garten- resp. Baum- 
oasen im Norden der Stadt fort, die meist etwa eine halbe Stunde 
entfernt waren. Da lag am weitesten nach Westen an dem hohen 
Gebirgszug, über den wir gekommen, das langezogene Direkletal, 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 263 

weiter östlich kommen : Das schöne kleine Tal an der Suleiman- 
(Salomo-)quelle, dann ein noch kleineres Tälchen (bezeichnet: 
„Tal im Norden der Stadt"), dann die paar kleinen trockenen 
Gärten in den Weinfeldern um Herrn Eckarts und Massalskys 
Haus („Ms. Garten") an einer sanften Lehne gelegen, aber mit 
nur wenig Bäumen, die gerade erst recht ein Stelldichein für 
die Vögel abgeben. Weiter ein Stück östlich führt die Strafse 
nach Norden vorbei, an der in einer Stunde Entfernung nord- 
wärts das Dörfchen Kara-keuprü (= Schwarze Brücke) mit einem 
mäfsig grofsen Gartenkomplex inmitten von Hügeln liegt, der 
aber nur an dem Bache üppige Vegetation aufweist (Brombeer- 
geranke, Weiden etc.). Geht man nach Osten über die stein- 
übersäten kahlen Berge, so findet man hinter der zweiten Kette 
einen Ort Garmusch, der nur von Armeniern bewohnt wird, 
einen armenischen Pfarrer, eine Kirche, eine Schule und eine 
mäfsige Fläche nicht gerade üppiger Gärten besitzt. 

Oliven sind wenig angeflanzt, leider aber in dem verflossenen 
Winter sämtlich eingegangen, erfroren, ebenso die Feigenbäume 
und manches andere. Die Weinrebe wird fast immer ohne jede 
Schattenpflanze in ziemlich grofsen furchtbar trockenen Feldern 
gezogen, die von Mauern aus Lesesteinen umhegt sind. Man 
prefst den W^ein zwar nicht, ifst aber allgemein viel Rosinen und 
aus Traubensaft gefertigte Süfsigkeiten (Helwa und Kesma) zu 
dem Fladenbrot. 

Weitaus die schönste, üppigste Stelle im ganzen Lande sind 
die Gärten an den heiligen Teichen zwischen Stadt und Citadelle 
(also mitten zwischen den Häusern) unmittelbar vor der berühmten 
heiligen Abrahamsmoschee mit den beiden heiligen Teichen und 
ihren zahllosen geweihten Fischen. In dem einen Garten, Moschee- 
eigentum, steht ein dichter tiefschattiger Hain von jungen Laub- 
bäumen, so recht ein Ideal für Nachtigallen, überragt von einigen 
alten Riesenbäumen, auf denen Störche und Nebelkrähen horsten. 
In der Nähe ist auf der Südwestseite der Stadt noch ein dünn 
mit Bäumen bestandener Garten, in dem ich meine erste Irania 
schofs. 

Soviel zur vorläufigen Orientierung! 

Als ich am 10. April zum ersten Male mit grofser Spannung 
und wenig Hofi"nung auf Kundschaft auszog, da war der erste 
Eindruck unendlich traurig, wie schon der Anblick der Stadt vom 
Berge her. Ich ging in die grofsen Gärten südöstlich der Stadt. 
Aber die waren noch erschreckend kahl. Den Bäumen, die an 
dem Gewirr kleiner und kleinster Bewässerungsrinnen stehen, 
fehlt noch das Grün, denn der Frühlingsregen ist ausgeblieben 
bisher. Schlecht sind die Ernteaussichten und damit auch die 
meinen. Die Folge dieser Lage ist natürlich eine grofse Armut an 
Vögeln. Dazu kommt, dafs ein unerhört strenger Winter hinter 
uns liegt, wie er hier seit Menschengedenken nie vorgekommen. 
Hat doch der sonst kaum gekannte Schnee mehrere Meter hoch 

18* 



264 Hugo Weigold: 

monatelang gelegen, die Menschen ohne Feuerung und ohne 
Nahrung in ihre Hütten gebannt, dumpfer Verzweiflung preis- 
gegeben. Das Vieh verhungerte, weil es keine Futtervorräte 
gibt und die, wenn auch trostlos dürftige, Weide tief vergraben 
lag. Die Pflanzen erfroren, die man mühsam aufgezogen: Oliven 
und Feigen und andre südliche Arten. Aber auch die wilde 
Tierwelt litt ungeheuer schwer. Die Vögel kamen in Scharen 
und fielen den hungrigen Menschen zum Opfer und viele viele 
erfroren. Viele wanderten aus und die Entwicklung der Vege- 
tation und der Tierphänologie war gegen andre Jahre sehr stark 
verschoben, verspätet. Denn das Schmelzwasser war infolge der 
total kahlen Erdoberfläche des ganzen Landes im Nu nutzlos 
abgeflossen und darauf folgte eine Dürreperiode . ohne Regen. 
In diesen südlichen Gegenden richtet sich aber die Tierwelt viel 
mehr als in unserem gleichmäfsigen Norden genau nach der 
Entwicklung der Pflanzenwelt. Die Vögel kehren später zurück, 
denn das Insektenleben erwacht später, die Reptilien kommen 
später hervor, und alle schreiten erst zur Fortpflanzung, wenn 
die Vegetation die nötige üppige Entwicklung erreicht hat. Die 
Säugetiere aber, deren es sowieso sehr wenig gibt, waren fast 
alle verhungert oder erfroren. Erhielten wir doch in 17 Tagen 
nur zwei Hasen, einen Igel und eine Fledermaus. Dazu gab es 
noch Wanderratten und — wie ich mich nachträglich überzeugen 
konnte — den weitverbreiteten Blindmoll. Aber selbst die 
Hausmäuse müssen sehr rar geworden sein, da wir keine be- 
kommen konnten. 

Kein Wunder also, wenn mein erster Gang geradezu nieder- 
schmetternd ausfiel. Nur Hausspatzen gab es in schwerer Menge 
in den Gärten, wo sie off'enbar in den unzähligen Baumlöchern 
brüten wollten. Dazu viele Nebelkrähen (sharpü). Am ehesten 
gab es noch Laubsänger, zumal in einem Garten mit rosa- 
blühenden Mandel(?)sträucherD. Wir schössen zwei trochilus und 
einen collyhita. Aber diese Vöglein hüpften und schlüpften stets 
stumm umher. Als ich ein Gartenrötlings-cf sah und schofs, 
war ich ordentlich erfreut. Dazu noch ein paar einzelne Baum- 
pieper und sehr viel Wiedehopfe. Diese letzteren aber mauserten 
„wie immer" und waren miserabel zu präparieren. — In der 
Luft flogen gewöhnliche Rauchschwalben und sehr viele Rötel- 
falken, die ja überall in der Stadt, so auch über unserem 
Fenster, horsteten. Störche haben ihre Nester in der Stadt. 
Auf den Feldern um die Gärten glitten eine braune Steppen(?)- 
weihe und einzelne Schwarze Milane umher, ein Trupp Schaf- 
stelzen fliegt rufend überhin, paar weifse Bachstelzen laufen am 
Wassergraben an der Strafse, 1 Haubenlerche und 2 Ortolane 
sitzen auf der Saat. Von einer Steinmauer schofs ich ein Saxi- 
cola hispanica 9 und von einem isolierten gröfseren Baume im 
Felde ein schön singendes cT, An einem dünnen Wässerchen, 
das durch die Felder sickerte, suchten ein paar Baumpieper und 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 265 

eine Weifse Bachstelze nach Nahrung, und, wo es den Weg und 
eine Mauer kreuzte, da schlüpfte ganz vertraut ein Blau- 
kehlchen 9- 

Wenn man bedenkt, dafs das alles war, was wir in 6 Stunden 
bei aller Anstrengung beobachten konnten, dann wird man be- 
greifen, wie mir zu Mute war! 

Doch schon am nächsten Tage wurde es besser, wie über- 
haupt jeder Tag fast Neues brachte. War ich doch wegen 
der allgemeinen Verspätung im Binnenlande 
und infolge des Winters zu früh gekommen und 
erlebte so noch den ganzen Durchzug. 

Mein Präparator Teichmann streifte das kleine B a c h t a 1 
nördlich der Stadt ab, beobachtete wieder: Nebelkrähen, 
Ortolane (ein Trupp von 30), einen Trupp Baumpieper, Laub- 
sänger in ziemlicher Anzahl, ca. 10 Saxicola hispanica, eben- 
soviel Gartenrötlings cf, 1 Wiedehopf, massig Rötelfalken, dazu 
neu: 4 Gebirgsbachstelzen, 3—4 kleine Grasmücken, von denen 
er ein Sylvia mystacea cT schofs, eine Nachtigall (9), vielleicht 
auch einen Häherkuckuck. 

Ich war von 7^2—'^ h auf dem Weg und suchte erst den 
g r f s e n G a r t e n k o m p 1 e x ab, um dann mittags nach 
Süden in die Harranebene hinaus zu wandern. In den 
Gärten wieder Krähen, Hausspatzen, einzelne Baumpieper — das 
erste Muscicapa hypoleuca semitorquata cT geschossen — , am 
häufigsten waren wieder Laubsänger (1 collybita erl.); ich glaube 
auch eine Cettia zu hören. Grasmücken erst wenig: eine sang 
auf einem Bäumchen sehr lieblich und ich dachte erst an Rohr- 
sänger, geschossen stellte sich der Vogel aber als die anmutige 
Sylvia mystacea heraus. Auch eine curruca schofs ich. In den 
Brennesseln eines Grabens lief ein Blaukehlchen, ein andermal 
ein W^achtelpärchen. Von phoenicurus sah ich hier nur 1 cf, 
hier halten sich überhaupt immer weniger auf als in den andern 
kleinern Pflanzungen. Rauchschwalben gabs natürlich viele, 
Segler bemerkte ich aber den ganzen Tag über nur 2 St., abends 
aber einen Trupp: sie scheinen noch im Anzüge begriffen zu 
sein. Wiedehopfe waren so häufig, wie in keiner der andern 
Pflanzungen. Am Rande der Baumpflanzungen saust plötzlich 
ein Häherkuckuck vorbei, den ich auf den ersten Blick erkannte, 
aber vor Überraschung mit grobem Schrot fehlte. Sein Flug 
erinnert an Sperber oder Kuckuck, sein langer Schwanz an die 
Elster. In einem sehr trockenen Baumgarten ruft eintönig eine 
Zwergohreule, verstummt aber natürlich rechtzeitig. Über die 
Gärten streicht eine bunte Rohr- und eine wundervolle blaue 
Steppen(?)weihe. Störche streichen oft vorbei. 

Der Weg über die trockene glühende Ebene war entsetzlich 
langweilig. Fata morgana spiegelte in der Ferne immer Wasser 
und Schilf vor, aber nie war es zu erreichen. Die Felder lagen 
trocken mit dürftiger Saat oder mit Disteln bestanden oder ganz 



266 Hugo Weigold: 

kahl. Dabei ist das die fruchtbarste Gegend des ganzen Nord- 
mesopotamiens, es fehlt aber eben noch der Regen und kluge 
Ausnutzung der Wasservorräte. Von Steinschmätzern sehe ich 
nur 2 hispanica und draufsen bei dem 2. Araberdorf einen isa- 
hellina, der erste, den ich erbeutete. Er war vertraut und 
hüpfte auf dem Begräbnisplatz herum, wo es ein paar Steine 
gab. Ein Zwergadler reviert, viele Rötelfalken rütteln, noch 
zwei Rohrweihen und zwei junge Steppen-Weihen schweben über 
die Ebene. Eine der letzteren setzt sich auf einen Stein nahe 
des Weges und läfst mich ruhig auf etwa 60 Schritt heran, sodafs 
sie mein rauchloser Schrotschufs tot herabwirft. Darob grofse 
Bewunderung bei den Arabern, die sich, verwundert über den 
zu Fufs gehenden Europäer, mir angeschlossen hatten. Sie 
konnten sich den geringen Knall nur in Verbindung mit der 
Kugel vorstellen und ich machte ihnen denn auch weis, ich 
hätte mit der Kugel geschossen, was mein Ansehen kolossal er- 
höhte, eine wichtige Sache in einem Lande, wo die persönliche 
Sicherheit keineswegs berühmt ist. — Eigenartig berührte es 
mich, als plötzlich aus der Luft der helle Ruf des Totanus 
ochropus erklang. Ja, e r hatte es leicht, diese öden Gebiete im 
Nu zu überfliegen und glücklichere Gefilde aufzusuchen. — Weit 
draufsen in der Ebene sah ich zwei Gänse in grofser Entfernung 
fliegen, die ich dank der klaren Luft deutlich als Nilgänse er- 
kennen konnte. Da war eine der schönsten Entdeckungen. 

Da aber das gesuchte Wasser sich immer noch nicht fand, 
kehrte ich schliefslich um. Vorher aber kehrte ich in einem 
Araberdorfe ein, einem wüsten Haufen von Lehmkuppeln, die eher 
Hundehütten als Menschen wohnstätten glichen, Im Nu hatte ich 
die ganze Bevölkerung um mich und man staunte, wie überall, 
meinen Selbstspannerdrilling an, der das einzige Interesse aller 
Männer bildete, wo auch immer ich hinkam. Denn nie hatteu 
die Leute so etwas gesehen. Die geheimnisvollen Mechanismen 
daran — nur in meiner Hand ging das Gewehr los 
(Sicherung!) — erweckten fassungsloses Staunen. Darüber, dafs 
ich eine Haie, eine grofse Giftschlange, wenn auch tot, ein- 
gesteckt hatte, konnten die Leutchen nun gar in die gewaltigste 
Aufregung geraten. Ich möchte wohl wissen, wofür sie mich ge- 
halten haben. Denn von Arabisch verstand ich nichts als den 
Grufs. So kostete es grofse Mühe, dem Scheech (Dorfoberhaupt) 
begreiflich zu machen, ich wolle etwas zu essen. Endlich brachte 
er alles, was er hatte: schmutzig grauschwarze Fladen aus Schrot, 
sogenanntes Brot. Es kostet einige Überwindung, ein Stückchen 
dieses trockenen Zeugs hinunterzuwürgen. Einen Schluck aus 
der braunen Pfütze, worin Kühe und Kinder wateten, zu nehmen, 
dazu freilich hätte mich kein Preis bewegen können, Nachdem 
ich noch einer der wenigst häfslichen Weiber — diese Araberinnen 
sind die reinsten Hexen — zwei Silbermünzen für ihren Schmuck 
verehrt hatte, verabschiedete ich mich von diesen unglaublich 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 267 

bedürfnislosen Leuten, die harmlos sind, wenn man sie harmlos, 
wie Kinder, behandelt, und ihrem entsetzlichen Lehmnest, das ohne 
ein Sträuchlein in der sonnendurchglühten Ebene klebte. 

Man sollte denken, dafs es wenigstens Lerchen in Menge in 
dieser Gegend gab, aber in den vier Stunden sah ich in der Ebene 
höchstens 8 Haubenlerchen, das war alles. 

Am nächsten Tage, dem 12. April, wandten wir uns nach 
Norden, nach dem 1 Stunde entfernten Orte Kara-keuprü 
(d. i. Schwarze Brücke). Die recht gute Strafse führt bald in 
die Hügel, die mit Steinen wie übersät sind. Wo diese nicht 
allzu dicht liegen, hat man gleichwohl noch versucht, Getreide 
anzubauen, grofse Strecken hört natürlich auch das auf. Auf 
den Steinen sitzen einzelne prächtige Saxicola hispanica cf und 
sind noch nicht übermäfsig scheu. Auch einzelne Lerchen, wahr- 
scheinlich calandray lassen sich ab und zu hören. Auf dem Drahte 
einer Telegraphenleitung safsen mehrere Rötelfalken, die man 
mit ganz schwacher Teschinladung schiefsen konnte, denn sie 
liefsen einen öfter auf 15 oder 20 Schritt heran. 

In einem Tale liegt der Ort und seine von einem ziemligh 
wasserreichen Bach bewässerten Gärten. Diese sind ebenfalls 
nicht gerade üppig, nur am Bache entlang gibt es an dessen 
eingerissenen Rändern dichte Vegetation von undurchdringlichem 
Brombeergerank. Darin fühlten sich natürlich ein paar Seiden- 
sänger sehr sicher. Dort hielten sich auch einzelne der wunder- 
vollen Sylvia mystacea auf, die sich immer durch ihr warnendes 
Errr verraten. Krähen gab es hier wenig, ebenso, Gott sei dank, 
Hausspatzen. Dagegen flogen zu meiner Überraschung — Frin- 
gilliden sind hier äufserst selten — drei Stieglitze überhin. Eben- 
so konnten einzelne Baumpieper und ein paar Schafstelzeu nur 
durch den Ruf festgestellt werden. Ein prächtiges semitorquata 
cf hielt sich mit konstanter Bosheit immer über den Köpfen dreier 
ausruhender Bauern auf, die ich selbstverständlich gar nicht erst 
um die Erlaubnis gefragt hatte, ob ich in ihren Gärten herum 
schiefsen dürfe. Der endlich geschossene Vogel fiel den Leuten fast 
in den Schofs. Das machte aber nichts. Nur konnten sie nicht 
begreifen, was ich mit dem kleinen Tierchen anfangen wollte. — 
Laubsänger waren auch hier häufig genug, wir schössen collyhita, 
trochilus und einen von zwei beobachteten honelli. An ihrem 
eigenartigen Rufe Djib djib kennt man diesen von weitem sofort 
heraus, wenn man gewöhnt ist, peinlich auf Vogelstimmen zu achten. 
Das langgezogene geheimnisvolle Hiht verriet mir eine Nachtigall, 
Auch ein hispaniea-(f flog von Baum zu Baum, war aber über- 
aus scheu. Dagegen konnte ich das erste Braunkehlchen-cT 
nach einiger Mühe schiefsen. Gartenrötlings-cf waren erst ganz 
einzelne da. Rauchschwalben selbstverständlich überall viele. Sie 
sollen fortan gar nicht mehr erwähnt werden. Wieder flog ein Totanus 
ochropus lockend über die Gärten und ein Neophron schwebte über 
die Hügel. Segler gab es übrigens in Urfa immer noch erst wenige. 



268 Hugo Weigold: 

Am 13. kamen endlich die von der Bevölkerung und auch 
mir so lang ersehnten Frühlingsregen, freilich nur erst starke 
Schauer. Trotzdem waren wir unterwegs. T. besuchte wieder 
sein kleines Tal im Norden. Er beobachtete wieder: wenigcorma;, 
Hausspatzen, Lerchen, Gebirgstelzen S. hispanica. Neu angekommen 
waren heute vier rotrückige Würger cf. Von den reichlich vor- 
handenen Laubsängern schofs er einen trochüus und den ersten 
sibilatrix, auch bonelU war da. Fhoenicurus cf mehrere. Zwei 
Häherkuckucke jagen sich und einer setzt sich gerade vor ihn in 
einen Baum, so dafs er das prächtige d^ mühelos herabschiefsen 
kann. Auch schiefst er den ersten Wendehals und sieht noch 
1 üpupa, 1 herrliche blaue Steppen (V) weihe, viele Rötelfalken 
(die auch nicht mehr immer erwähnt werden sollen) und 4 Störche. 

Ich ritt unterdessen 8 h nach Osten über zwei Hügelketten 
nach dem Armenierdorf G a r m u s c h. Erst ging es durch 
steinige Felder, wo lange Zeit keine Feder zu spüren war, aufser 
einer alten weifsköpfigen Rohr- und einer jungen Steppen (?) weihe, 
bis sich endlich ein Sax. hispanica cT blicken und schiefsen liefs. 
Dann kamen öde Berge, die so mit Steinen übersät waren, dafs 
man kaum Platz für den Fufs oder den allerdings daran gewöhnten 
Gaul fand. Hier sah ich einzelne Hauben- und etwas mehr Kalander- 
lerchen. Von den Steinhühnern, die es hier geben soll, merkte 
ich nichts, habe freilich auch nicht lange diesem Phantom in 
dieser schlimmen Gegend nachgejagt. Als ich in eine Senke 
hinunter kam, wo ein jämmerliches Feld durch Steinwälle markiert 
war, von dem man aber nicht herausbekommen konnte, ob es als 
bestellt oder nicht bestellt anzusehen war, da ertönte von diesem 
„Felde" her ein tolles Stimmengewirr, das ich als bald als tausend- 
stimmiges Kalanderlerchengezwitscher erkannte. In der Tat 
wälzte sich bald wolkengleich eine Schar von 1000— -2000 Stück 
hoch unter grofsem Getöse. Ich hatte hier eine Wanderschar 
angetroffen, die auch baljj weiterzog und meine Hoffnung auf „endlich 
mal einen Geflügelbraten" zu nichte machte. Sonst gab es in 
diesem Steinmeer nur noch einzelne Steinschmätzer: ca. b hispanica 
(f, ein sehr scheues 9 und etwa 4 offenbar ziehende oenanthe 
beieinander. Auch ein Laubsänger trieb sich zwischen den Steinen 
herum. Wo gäbe es keine Laubsänger in einer Gegend, wo sie 
in Menge durchziehen! 

Jenseits der zweiten Kette liegt auf dem Hang der Ort, 
aus Steinhäusern, einer Kirche und einer Schule bestehend. Nach 
der Ebene breiten sich die Gärten, die aber auch nicht gerade 
üppig sind. Diese Gärten sind meist von Baumreihen umgeben, 
und in Beeten, die von Wasserfurchen durchzogen sind, baut man 
Zwiebeln und Lauch, andere Gemüse kaum. Andere Stücke sind 
mit einem übermannshohen Fruchtstrauch bepflanzt, der infolge 
des strengen Winters überall erfroren war, ebenso wie die Oliven. 
In diesen Buschfeldern fanden sich merkwürdigerweise sehr wenig 
Vögel. Auf den Bäumen nisteten wieder Nebelkrähen, die aber 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 269 

noch Dicht gelegt hatten. Hausspatzen gab es hier nur im Ort. 
Am Bach sucht ein Trupp von 8 — 10 Baumpiepern nach Nahrung 
und auf einem Zaune sehe ich den ersten rotrückigen Würger (cf). 
Laubsänger beider Arten waren nicht mehr so häufig, auch 1 
oder 2 bonelli entdeckte ich, zerschofs aber leider einen. In einigen 
Büschen und geschlagenen Ruten schlüpften 2 Sylvia mystacea, 
wovon sich die eine, schwer getroffen, doch noch unauffindbar zu 
verkriechen wufste, ebenda schofs ich auch noch die erste Dorn- 
grasmücke. Fhoenicurus cf waren erst wenige hier. Hier be- 
gegnete mir auch der erste Kurzzehensperber, ein prächtiger 
kleiner Kerl. Er blockte auf einem Baum, wohl 70 Schritt weit, 
ich glaubte aber, dafs er mich nicht näher heranlassen würde 
und beschofs ihn leider erfolglos. Auf den Schufs erhob sich in 
der Nähe ein Schmutzgeier und kreiste über mir. Mein Schufs 
machte ihm nichts, vielmehr kam er gleich wieder, und nun zer- 
schmetterte ich ihm einen Flügel. Stark blutend lief er auf den 
umgegrabenen Beeten umher und über ihm kreisten aufgeregt 
zwei Störche und stiefsen mehrere Krähen. Möglicherweise sah 
ich hier auch den ersten Kuckuck, wenn es nicht doch der Sperber 
war. — Im ganzen war es ein klägliches Resultat des weiten 
Ausflugs und der vielen Stunden. Nur der Geier tröstete mich 
einigermafsen, denn es war mein erster Neophron. Um einen 
zweiten habe ich mich freilich nicht bemüht, denn das Tierchen 
roch sehr „nett". Mitten auf den engen Wegen zwischen den 
Gartenmauern und im Orte selbst lagen nämlich Kadaver ver- 
hungerter Schafe und Ziegen vom Winter her, die aus Garmusch 
alles andere als einen Luftkurort machten. Ensetzt fragte ich 
den sehr gut englisch sprechenden armenischen Pfarrer, ob er denn 
nichts gegen diese wahnsinnige Unsitte tun könnte. Er meinte 
aber, nur die Regierung könnte die indolente Bevölkerung dazu 
zwingen, etwas hygienischer zu verfahren. Nur angesichts solcher 
Zustände kann man verstehen, warum man oft den Neophron 
geschützt und fast verehrt findet: er mufs eben die Sanitätspolizei 
spielen. Aber es fiel mir auch hier wieder auf, dafs statt einer 
ganzen Rotte nur der einzige Geier dawar. Freilich waren die 
Kadaver schon stark zusammen geschrumpft in der trockenen 
Hitze und die Hunde mochten vorher schon „das Beste" davon 
abgeknabbert haben. 

Bisher waren also die Erfolge recht traurige. In soviel 
Stunden, täglich 7—8, so wenig beobachten und erlegen zu 
können, das hatte ich denn doch nicht geahnt. Doch allmählich 
wurde es besser. — 

Am 14. besuchte ich das Direkletal im Nord-Westen 
der Stadt, eine halbe Stunde entfernt. An der tief eingerissenen 
Schlucht des Urfabaches hin geht es über den kahlen weifsen 
Kalkfelsen in eine Niederung, wo sich einige Saatfelder dehnen. 
Am Hange schliefsen sich trockene öde Weinfelder an, in denen 
ein paar einzelne Bäumchen stehen. Und auf diesen safs der 



270 Hugo Weigold: 

erste Schwarzstirnwürger (Lanius minor) und narrte mich wohl 
eine halbe Stunde lang, bis ich die aussichtslose Verfolgung 
aufgab. Hatte ich doch keinerlei Deckung. Weniger scheu 
waren einige coUurio cT. Am Hang stand auch eine Reihe von 
etwa 6 stärkeren, natürlich kahlen Bäumen, von dort her hörte 
ich das Kick eines Buntspechtes. Also doch! Schon lange hatte 
ich auf Spechte gelauert. Ich sah ihn auch von weitem und 
glaubte eine rote Brust zu erkennen, aber er wufste sich natür- 
lich rechtzeitig zu salvieren. 

So wandte ich mich denn dem Direkletale zu, einem 
schmalen Gartenstreifen entlang eines leidlich wasserhaltigen 
Baches, der sich ein ziemlich tiefes und breites Bett ausgerissen 
hat, angefüllt mit blendend weifsen KalksteiugeröUen. In der 
Böschung entdeckte ich ein paar alte Bienenfresserröhren. Der 
Bach speiste eine Reihe hübscher, frischer Gärten, die eben 
anfingen, sich zu begrünen, aber auch schon blühende herrlich 
rosa prunkende Mandelbäumchen. Die bewässerten Beete waren 
oft eingefafst von Alleen schöner alter Maulbeerbäume, die an 
alte Weiden erinnern, und am Bach zog man schlankaufschossende 
Pappeln, die eben zu grünen anfingen. Nachts hatte es geregnet 
und das hatte wie ein Zauberwort der Landschaft einen frischen 
Frühlingshauch aufgedrückt. Zugleich waren Vögel zurückge- 
kommen, und der Tag übertraf seine Vorgänger bei weitem. 
Der Mut kehrte zurück: es mufs doch besser, mufs doch Früh- 
ling auch in diesem dürren Lande werden, das dürr nur durch die 
Unvernunft seiner Bewohner geworden ist. 

Einige Krähen empfangen mich aufgeregt und machen grofsen 
Spektakel, als ich ihr Nest auf einer jungen Pappel erklettere. 
Und doch war dieses Nest noch leer. Hausspatzen gab es hier 
glücklicherweise ebenfalls viel weniger als in den grofsen Gärten. 
Dagegen kam zwitschernd ein bunter Stieglitz geflogen, konnte 
aber keinen Pardon bewilligt bekommen. Einzelne Baumpieper 
rasteten hier und im Bachbett lief eineGebirgsstelze. Was aber ganz 
besonders auffällig war, das war die Massenankunft von prächtigen 
Männchen des Rotrückigen Würgers, von dem wenigstens 1 Dzd. 
da war, sehr wenig scheu und den Jäger immer wieder ent- 
täuschend, wenn der einmal was Besseres zu sehen geglaubt. Laub- 
sänger {collyhita und trochilus) schlüpften und hüpften umher, 
aber fast immer waren sie stumm, nur ein bonelli lockte laut. 
Von Sylvien liefsen sich nur zwei Dorngrasmücken blicken. Da- 
gegen waren viele Gartenrötlingsmännchen angekommen und 
trugen mit ihren Prachtfarben viel zur Belebung der Landschaft 
bei. In einer schattigen Ecke huschte eine Nachtigall. Ein 
Wiedehopf hüpfte unter den Bäumen und einige bunte Bienen- 
fresser sausten mit lustigem Brü brü in der sonnigen Luft umher, 
denn um die roten Blüten summten und brummten Hummeln 
und Bienen genug. Auch zwei Wendehalspärchen hatten sich 
eingestellt. AmsteilenkahlenSteinhang aber schwebte phlegmatisch 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 271 

ein Gänsegeier dahin und ein weifser Schmutzgeier leistete ihm 
Gesellschaft. Zu meiner grofsen Überraschung erhebt sich vom 
Bache ein bunter Purpurreiher, während der helle Flötenpfiff 
eines Waldwasserläufers wie immer nur aus der Luft erklang. 

Abends hatten wir einen schönen, leider nur kurzen Spazier- 
gang zu den HeiligenTeichen mit Herrn Künzler. Wieder 
geht es denselben Weg um das Riesenbegräbnisfeld an dem 
kahlen Nordhange des Stadtberges herum nach der Niederung 
mit ihren Saaten. Überall erklang vielstimmig und aufregend das 
Brü brü, brü brü der Bienenfresser und endlich entdeckte ich 
auch eine Kette von etwa 100 dieser feenhaft bunten Tierchen 
wie eine Perlenkette aufgereiht auf dem Draht der Telegraphen- 
linie nach Aleppo gerade mitten über einer grofsen Saat. Als 
ich auf 80 Schritt etwa herangekommen war, erhob sich wie eine 
Wolke das bunte Gewimmel und nur einer „zierte" die Strecke. 
Also gingen wir weiter, während die Schatten der westlichen 
Berge immer weiter und weiter der strahlenden Sonne Abbruch 
tun. Einige Segler und sehr viele Rauchschwalben schwirren 
umher und über der Stadt sammeln sich hoch im Abendsonnen- 
schein die Rötelfalken in einer einzigen Schar und wenigstens 
250 Stück tummeln sich gerade über einem Storchneste auf hoher 
Silberpappel unter vielem Kich kich kich, während an der Cita- 
delle ein Pärchen Turmfalken sein Kik kik dazwischen ruft. — 
Wie wonnig safs es sich hier nach der Hitze und Arbeit des 
Tages auf den Bänken an den Heiligen Teichen im Schatten 
riesiger Laubbäume bei einem Täfschen gesüfsten türkischen Kaffees ! 

Da man mir Dank der Fürsprache des Herrn Künzler ge- 
stattet hatte, in diesen Gärten, selbst in denen, die Eigentum 
der Moschee waren, zu schiefsen, brachten wir gleich den nächsten 
Vormittag dort zu. Die Gärten sind im ganzen vielleicht 400 m 
lang und 100 m breit, aber gleichwohl ist es weitaus der schönste 
und üppigste Platz im ganzen Land. Hier gibt es Wasser in 
Hülle und Fülle, in Bächlein rieselt es aus den Teichen durch 
die grüne Insel. Wir tauchen ganz unter in einem dichten Hain 
junger Laubhölzer, über die sich einzelne riesige Silberpappeln 
erheben, auf denen der Storch und die Krähen ihre Nester gebaut 
haben und wo die zierlichen Fälkchen so gern ruhen. 

Auf selten betretenen Schleichwegen pürschen wir leise durch 
hohe Umbelliferendickichte. Vögel gab es natürlich genug hier 
und wird es zu späterer Jahreszeit wahrscheinlich noch mehr 
geben. Von der benachbarten Citadelle her läfst sich ein Kolk- 
rabe hören. Der erste Gefleckte Fliegenschnäpper sitzt auf dem 
untersten Aste eines Riesenbaumes an der Strafse. Von den 
schwarzweifsen Schnäppern schiefsen wir alles, was zur Beobachtung 
kommt und haben 1 hypoleuca und 2 semüorquata cf und 1 9 
erbeutet. Laubsänger sind nicht viele da, zwei erlegte erweisen 
sich als collyhita und einen, der ganz kurze Gesangsbruchstücke 
hören läfst, sprach ich als sibilatrix an. Auch einen bonelli er- 



272 Hugo Weigold: 

kenue ich au seiner grauen Farbe und erlege ihn. Der Seiden- 
sänger fühlte sich hier natürlich sehr zu Hause; was er braucht: 
Feuchtigkeit und Gelegenheit zum versteckten Schlüpfen, das fand 
er hier in reichem Mafse. Einer zeterte und schimpfte auf ein 
Hündchen wie ein Zaunkönig mit lautem raschen Tschecktscheck- 
tscheck und sterzte dabei seinen langen Schwanz in die Höhe. 
Ebenso war dieses Tal ein Dorado für eine Menge Nachtigallen. 
Von Sylvien war plötzlich die Mönchsgrasmücke häufiger ange- 
kommen, sogar ein 9 sah ich schon. Plötzlich schwenkte ein 
Kuckuck durch die Äste, der erste. Er ward mit Freude begrüfst, 
hiefs es doch, es gäbe diesen Frühlingsboten hier nicht. Als 
er ein zweites Mal kam, warf ihn mein Schufs in das Gestrüpp. 
Sehr erstaunt war ich auch, als eine Zwergrohrdommel dicht vor 
aufging und sich zehn Schritt vor mir auf einen Heister setzte, 
wo sie mein schwacher Einsteckrohrschufs ereilte. — Über den 
Wipfeln aber wetteiferten die Bienenfresser hoch in der Luft mit 
den Rauchschwalben in der Insektenjagd. — Wenn es hier also 
auch nicht viel Arten gab, so waren doch wenigstens Vögel über- 
haupt da. 

Ein Stück weiter lag am Wege ein Garten mit wenigen 
Obstbäumen in raumer Pflanzung. Dort beobachteten wir noch 
1 irivialis, einzelne collurio cf und auch das erste 9; einzelne 
Sylvia atricapüla cf und eine communis, allerhand phoenicurus 
cf und ein 9- Ein üpupa durfte natürlich nicht fehlen. Der 
Glanzpunkt des Tages aber war ein kleibergrofser blaugrauer 
Vogel mit prächtig roter Unterseite, den ich plötzlich vor mir 
auf einem Maulbeerbaum sah und im Nu herunterschofs: Die 
erste Bekanntschaft mit der schönen Irania guUuralis war 
gemacht. 

Es wäre ein schöner Frühlingstag gewesen, wenn nur die 
Vögel gesungen oder auch nur gelockt hätten. Aber aufser dem 
lustigen Cettia liefs kaum einer auch nur einen Pieps hören. — 

Am 16. gab es endlich mal eine wohlverdiente Sonntagsruhe, 
denn es regnete bis nachmittags. Gott sei Dank! Nun konnte 
es doch allmählig grün werden und damit kamen ja auch wohl 
mehr Vögel. Nachmittags stapften wir durch aufgeweichten 
grundlosen Lehm nach dem Hause desHerr nMassalsky, 
das draufsen vor der Stadt an einem trockenen Hang inmitten 
grofser Weingärten lag, wo aber ein Wasserrinnsel die Anlage 
einer kleinen Baumpflanzung gestattet hatte. So dürftig die war, 
so viel gab es in dieser kleinen Raststation doch Vögel, die freilich 
nach einigen Umherpürschen und etlichen Teschinschüssen bald 
das Weite suchten. T. glaubte hier einen Trupp Stare fliegend 
zu sehen, das wäre aber die einzige Begegnung damit gewesen. 
Etliche Fhylloscopus, collyhita und trocMlus, sogar 1 honelli durften 
nicht fehlen. Aber auch Dorn- und Zaungrasmücken schlüpften 
einige umher, einzelne Gartenrötlings cf safscn auf den Wipfeln 
und 1 9 ward geschossen. Sogar gegen 4 Nachtigallen hatten 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersjriens. 273 

sich hier am Wässerlein zusammengefunden. Bienenfresser sausen 
durch die Luft, ein Kuckuck und ein Häherkuckuck fliegen über 
den Hof, wobei letzterer ein leises „Wiehern" hören läfst. Ebenso 
streichen ein Schwarzer Milan (V) und ein Rötelfalk dicht vorbei. 
Ein Schwärm von 40 Turteltauben fällt in den Bäumen ein. 
Steinkäuze kommen öfter vor, Herr M. hatte noch eine Mumie 
vom Winter her daliegen. — Auf dem Rückwege sang noch in 
der Dämmerung ein Saxicola hispanica und zwei Strandvögel 
flogen mit einsilbigem regenpfeiferartigen Rufe, der mir noch 
unbekannt war, überhin nach Norden. — 

Auch die folgende Nacht regnete es zu unsrer Freude bis 
10 Uhr am andern Vormittag. Jetzt war es prächtig frisch, die 
ganze Natur atmete auf, alles war mit einem Schlage verändert. 
Wie wurde jetzt alles mit einem Male grün! Wir wählten heute 
das Tälchen an der Suleiman-(Salomo-)quelle als 
Jagdrevier. Es stellte sich als eins der besten heraus. Schöner 
reicher Baumbestand, reiche Bewässerung, sogar mit Wasser- 
becken, gute Bodenvegetation und ringsum Weinfelder liefsen 
eine gute Beute erhoffen. 

Einige cornix brüten auch hier. Auf den kahlen Hügeln 
ringsum läfst sich eine oder die andre Haubenlerche hören und 
über die Oase fliegt lockend ein Vogel, den ich nur als Hänfling 
ansprechen konnte, der mir aber sonst nie begegnet ist. Baum- 
pieper und rotrückige Würger waren einzeln, von letzterem jetzt 
auch 9- Zum ersten Male sahen wir hier auch zwei Masken- 
würger {Lantus nuhicus) und es gelingt, von den etwas scheuen, 
stummen Vögeln den einen zu erlegen. Die schwarzweifsen 
Fliegenschnäpper sind jetzt ziemlich häufig angekommen und es 
werden alle drei Arten, am meisten collaris, aber auch 2 9» ge- 
schossen. Viele collyhita, aber wenige andre Laubsänger. Gras- 
mücken gab es nicht viele, doch wurden einige iderops und 
1 curruca geschossen. Gartenrotschwänze dagegen waren reich- 
lich da und auch 1 9 konnte geschossen werden, von Stein- 
schmätzern ward nur ein hispanica in den Weinäckern gesehen. 
Ein wahres Dorado war auch dieses feuchte Tal für Nachtigallen 
und Sprosser, die gleich häufig waren und von denen wir leicht 
zwei Dutzend hätten schiefsen können. Wiedehopfe sahen wir 
hier nur zwei, Kuckucke einzelne. Auch einen Wendehals fand 
ich und ein Syrischer Grofser Buntspecht entging leider wieder 
unseren Nachstellungen. Das Beste an diesem Tage aber waren 
etwa 5 — 6 Zwergadler, die sich meist niedrig in dem Gehölz 
umhertrieben. Da sich einer neben einen kleinen Horst in einer 
Pappel setzte, kamen wir auf die Vermutung, die drei gar nicht 
weit von einander befindlichen Horste seien von den Adlern an- 
gefangen, und diese wollten hier brüten. Deshalb begnügten 
wir uns, zwei Stück zu erlegen, und gaben uns weiter keine 
Mühe, weil wir hoff"ten, später Gelege und die andern Vögel zu 
holen. Aber die haben sich dort nie wieder blicken lassen und 



274 Hugo Weigüld: 

die Horste waren Krähennester. Das eine weifsbäuchige Exem- 
plar ward aus ziemlicher Höhe herabgeschossen, das andre ein- 
tönig dunkelbraune niedrig in Weingärten. Alle waren sie nicht 
sehr scheu, sodafs man ihnen mit einigem Glück und Geschick 
beikommen konnte. 

Auch ein Purpurreiher im Prachtkleide zog an uns vorbei. 
Dann blockte er auf einem einzeln in den Weinfeldern stehenden 
Baume auf, wo T. bis auf Schufsweite herangehen und ihn im 
Abstreichen herabdonnern konnte. Er sah auch 4 Brachschwalben 
in der Luft sich tummeln. 

Während wir in den ersten Tagen alles, was P'edern hatte, 
schössen und dabei doch kaum 20 Stück am Tage zusammen- 
bekamen, betrug die Strecke heute 37 Stück und dabei hatten 
wir sehr mit Auswahl geschossen. — 

Am 18. machte ich wieder eine grofse Exkursion an der 
Suleimanquelle vorbei nach Norden. Lange führt der Weg 
über öde Kalkberge, an deren Hängen aber doch öfter Wein- 
felder, selten auch die Anfänge einer winzigen Baumpflanzung 
sich finden. Auch Äcker sind in den Mulden, die abwechseln 
mit Stücken urwüchsiger Steppe. Der Weg war langweilig. 
Kalanderlerchen waren ja noch ziemlich reichlich, Haubenlerchen 
sehr spärlich, Kurzzehenlerchen fanden sich nur an einer Stelle, 
wo die natürliche Trockensteppe noch unberührt war. An der 
Mauer eines Weinfeldes standen ganz einzelne graugrüne Sträuch- 
lein und auf einem solchen entdeckte ich zu meiner Freude den 
ersten Rotkopfwürger, der sich sogar als die östliche Subspezies 
niloticus erwies. Und ein Stück weiter safs wieder einer auf 
den kaum erst spriefsenden Weinstöcken und mufste auch daran 
glauben. Auch 2 oder 3 collurio cf und 1 9 trieben sich in 
den Weinfeldern herum und 1 Kuckuck flog nach einem einzelnen 
Bäumchen. In fast jedem der so sehr einzelnen Sträuchlein an 
den Mauern aber schlüpfte eine Dorn- oder eine Klapper- 
grasmücke, von jeder sah ich im ganzen wohl je V2 Dtzd. Von 
Steinschmätzern sah ich auffällig wenig, im ganzen nur 1 hispa- 
nica cf und 3 Q, und die waren sehr scheu. Offenbar war der 
Durchzug zu Ende und ich hatte es nun mit Brutvögeln zu 
tun. — Endlich, endlich kam ich an einen leidlich starken Bach, 
der den Weg kreuzte und an dem sich ein ganzer Streifen frisch- 
grüner Bäume, ja sogar ein winziger Hain, angesiedelt hatte. 
Voller Hoffnung schlich ich dem Bach entlang. Das erste, was 
meinem Schritt Halt gebot, war ein Flufsuferläufer, der in grofser 
Vertrautheit auf 15 Schritt vom Bach die Böschung hinauflief 
und wippend stehen blieb, bis ich ihn schofs. Über dem Tale 
kreisten zwei mittelgrofse Adler und schwärmten etliche Rötel- 
falken, die, wie auch die Rauchschwalben, von dem weiter hin 
gelegenen Lehmdorfe M a s c h i k herkamen. Auf den Bäumen 
safsen Fliegenschnäpper iierum, striata nur 2, hypoleuca aber. 
cT und 9? io ziemlicher Zahl, auch sah und schofs ich ein 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 275 

coUaris cf. Laubsänger waren ebeufalls reichlich da, sogar ein 
bonelli liefs sich hören und 2 — 3 sibilatrix flüchteten die Baum- 
reihe entlang, konnten mir aber nicht entwischen. Gartenrötlinge, 
meist cf, und Baumpieper waren nur einzeln. So winzig der 
Hain war, so schlüpften doch einige Sprosser in dem abge- 
fallenen Laub umher. Ein Paar Nebelkrähen wollte hier sein 
Nest bauen, 2 oder 3 Stieglitze flogen zwitschernd vorbei, wovon 
ich einen schofs. Aber noch eine andre leise, mir gänzlich 
rätselhafte Stimme hörte ich ein paarmal aus der Luft, bis es 
mir endlich gelang, den geheimnisvollen Rufer auf einen Baum 
fliegen zu sehen. Ich schofs ihn da herunter und fand ihn, weil 
ich mal weggeblickt hatte, erst lange nicht, so wundervoll war 
der Vogel der graubraunen trockenen Erde angepafst. Endlich 
hatte ich also meinen ersten Rhodospisa in der Hand, leider war 
es aber auch der letzte. Ich hörte den Ruf, einen leisen Triller, 
wie Türrrrr, noch ein paarmal vor mir, ohne den unheimlichen 
unsichtbaren Vogel entdecken zu können, von dessen Ruf man 
auch nie recht weifs, woher er kommt. — — 

T. hatte inzwischen wieder sein kleines Revier im Norden 
der Stadt abgestreift. Auch er hörte Stieglitze rufen, sah coUurio 
(5 cT, 2 9) und schofs ebenfalls zwei Senator nüoticus, eine Art, 
die wir dann nie wiedersahen. Fhylloscopus collyhita war massig, 
aber auch sibilatrix und bonelli war vorhanden. Dorn- und 
Klappergrasmücken gabs nicht viel, ebenso von Gartenrötlingen 
nur etliche cf und 9- Dagegen entdeckte und schofs er ein 
Pärchen ßraunkehichen. Nachtigall oder Sprosser und Bienen- 
fresser wurden gehört, Wiedehopfe 1 oder paar, Kuckucke 2 ge- 
sehen, wovon ein rotes 9 geschossen. Eine blaue Steppen(?)weihe 
und Rötelfalken schwebten überein. Die grofse Neuheit aber 
war ein Pirol. — 

An diesem Abend hatten wir mal 27 Stück Vögel zu prä- 
parieren. — 

Am 19. gings bei ziemlicher Hitze wieder einmal in die 
Grofsen Gärten, die inzwischen erfreulich ergrünt waren und ihr 
Gesicht, Gott sei Dank, jetzt sehr viel freundlicher gestalteten. 
Das erste volle (6 St.) Krähengelege wird gefunden, 1 Pirol ge- 
hört. Baumpieper kamen 2 — 3 zur Beobachtung. An dem Be- 
wässerungsgräben trippelten ein paar Gebirgsstelzen, auf den 
Wegen 2 — 3 Weifse Bachstelzen. Paar cf und 9 collurio safsen 
auf den Flechtzäunen oder Bäumen, einige Muse, semitorquata 
cf und 9 u'itl 2 collaris vertraten die Schnäpper, viele coUybita 
und weniger trochilus, sowie 1 oder 2 bonnelli die Laubsänger. An 
dem Hauptbache erklang das Tschifut von ein paar Cettia^ deren 
Auffindung nach dem Schufs zu den schwierigsten praktischen 
Aufgaben der Ornithologie gehört. In den üppig geschossenen 
Brennesseln glaube ich eine Locustella zu erblicken. Von Gras- 
mücken gab es jetzt auch den Mönch (2 cf, 1 9), einzelne curruca 
und wieder 5 singende mystacea. Auch hörte und sah ich hier 



276 Hugo Weigold: 

die einzige Singdrossel auf der Reise. Gartenrötel cf gab es nicht 
mehr so viel, nur etwa 1 Dtzd. auf dem grofsen Komplex. Paar 
Nachtigallen (und Sprosser?) sangen bruchstückweise. Paar 
Upupa durften natürlich nicht fehlen und ebensowenig die Bienen- 
fresser in der Luft. Kuckucke sahen wir 1 oder 2, Wendehälse 2. 
An Raubvögeln schwebten über den Wipfeln 2 Zwergadler, die 
üblichen Rötelfalken und 1 Rohrweihe. Ein gemeiner Sperber, 9» 
sauste durch die Äste mir gerade in die Flinte, ein zweites 
schofs T. gleich darauf von einem Baume. Am Bache spazierten 
mindestens 9 Störche, ein Purpurreiher überraschte uns ein paar 
mal, 1 Seidenreiher zog hoch überhin und 1 Stumme Bekassine 
steht aus einem Graben mitten in den Gärten auf. — Also auch 
jetzt glänzten diese grofsen Gärten nicht durch Vogelreichtum 
und standen darin vor den kleineren Baumpflanzungen zurück. ~ 
Abends tummelten sich wieder 20 Merops vor der Stadt. 

Am 20. war der Himmel teilweise bedeckt und es war windig, 
wenn auch warm. Ich dachte deshalb, heute einmal den an der 
Aleppostrafse beobachteten Kolkraben zu Leibe zu gehen. An 
dem ßienenfresserfelde vorbei steige ich hinauf in die weifsen und 
gelblichen Kalkberge, die so entsetzlich kahl und öde sind. Nur 
an dem Südhang nach der Strafse zu gibt es Vegetation und 
zwar wieder die üppigen Asphodillbüsche, die jetzt in schöner rosa- 
farbener Blütenpracht standen. Auch endeckte ich da ein paar 
einzelne andere Blümlein: eine kleine dunkelrote ßraunwurz und 
niedliche kleine Veronica. Die Hänge steigen steil auf zu den 
Resten des Plateaus, die hier am Rande der Hochebene 
wie Citadellen auf den herauserodierten Einzelbergen thronen. 
Und in den Wänden dieser Steinmassivs haben sich in alter Zeit 
schon Menschen grofse Höhlenwohnungen in Menge ausgehauen. 
Die schönsten geräumigsten, die sogar mehrere miteinander ver- 
bundene Zimmer aufweisen, beherrschen die Strafse. Hier mögen 
die Häuptlinge der alten Wegelagerer gewohnt haben. Noch 
früher aber, vor dem Menschen, drückten sich in natürlichen 
Höhlen Bär und Schakal. — Von der Tür der schönsten Höhlen- 
wohnung aus schofs ich einen Kolkraben, der überraschend 
um die Ecke bog, verpafste aber einige Minuten drauf den 
zweiten, der es gerade so machte. Hoch in der Luft flog ein 
Stieglitz und 1 Schafsteize überhin, ein oder der andere Ortolan 
läfst geheimnisvoll seine Stimme ertönen, aber lange dauerte es, bis 
ich einen finde: er sitzt in den Lilienbüschen und geht erst unter 
dem Fufse heraus. Sogar ein „verrücktes'' collurio cT hatte sich 
die Blütenstengel der „Lilien" als Lieblingsplatz erkoren. Von 
Lerchen hörte ich nur eine oder die andere Kalander- und 
Haubenlerche, sonst mied alles Getier diese wilde Einöde. Doch 
nein : am trockensten Hang in einem Meer von Steinen, da laufen 
auf einmal ein paar Baumpieper, ein paar Weidenlaubsänger 
schlüpfen unter die Steine und ein Saxicola Jiispanica cf tront auf 
dem gröfsten. Es war so überraschend, hier diese Vögel, wenigstens 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Jnnersyriens. 277 

die ersteren, zu finden, dafs ich mich durch den Schufs über- 
zeugte, auch nicht falsch angesprochen zu haben. 

Aber wegen der kleineren Vögel war ich ja auch nicht hier 
herauf geklettert: Raubvögel wollte ich schiefsen und ihre Horste 
finden. Doch ich hatte kein Glück mit der letzteren Absicht und 
mit der ersten nicht viel. Ein Schwarzer Milan strich über die 
Strafse, viele Rötelfalken schwärmten am Felsen, ein Gänse- und 
ein Schmutzgeier liefsen sich nur aus der Ferne bewundern. 
Plötzlich tauchte in der Ferne ein grofser, aber merkwürdig — 
„zierlich" möchte ich fast sagen — ausseiiender Raubvogel auf 
mit heller Unterseite und scharfgeschnittenem Keilschwanz, die 
gefingerten Flügel viel eleganter als bei fulvus. Wie ein 
Eindecker schwebte er ohne Flügelschlag kilometerweit und ver- 
schwand hinter den Bergen, die die Aussicht abschlössen: ich 
hatte meinen ersten Lämmergeier gesehen. 

Ich hatte gehofft, hier endlich mal ein Steinhuhn zu finden, 
aber mir ging es wie einem eingeborenen Raubschützen, der auch 
keine fand. Doch halten die Leute öfter lebende im Käfig. 

Gegen 11 h stieg ich hinab in das benachbarte Direkletal, 
um wenigstens etwas mitzubringen. Mein Begleiter war bereits 
in den Gärten. Ich fand eine Krähe, die in einer dichten Olive 
mit ihrem braunen abgestorbeneu Laub auf nur 2 Eiern fest safs. 
Baumpieper zogen noch durch, u. a. ein Trupp von 15 — 20, collurio 
war noch überreichlich, aber die 9 waren noch immer selten. 
Bei den Fliegenschnäppern fangen die striata an, die schwarz- 
weifsen zu ersetzen: von ersteren waren zwei, von letzteren einzelne 
hypoleuca da. T. schofs an der feuchtesten Stelle des Tales je 
einen Seiden- und Drosselrohrsänger, den ersten Rohrsänger über- 
haupt. Die Grasmücken waren durch einzelne curruca und 
communis und 2 cf atricapilla vertreten. Eine Saxicola hispanica 
(9) und 1 ruhetra cf schofs ich. Die Gartenrötel nehmen ab, 
9 sah ich aber nur eines. Einige Nachtigallen und 1 Sprosser 
hüpften im Schatten. 1 Wiedehopf und Bienenfresser lassen sich 
hören. Kuckucke werden häufiger: einmal sitzen drei zugleich 
vor mir auf zwei einzelstehenden Bäumchen am Berghang und 
lassen mich auf Schufsweite heran, scheu sind sie also nicht 
besonders. Auch ein paar Wendehälse schlüpften im Gezweig 
der Maulbeerbäume, und der Syrische Buntspecht, der uns so 
lange genarrt, kommt endlich nach vieler Mühe zur Strecke. Vier 
gefundene Federn verraten, dafs hier auch der Steinkauz zu 
Hause ist. Von Wasservögeln flog wieder ein Totanus ochropus 
vorbei und im Bach fischen zwei ganz vertraute schrecklich 
magere alte Zwergreiher. 

Am 21. wollten wir uns die übrigen Zwergadler bei der 
Suleimanquelle holen. Wer sich aber nicht sehen liefs, waren die 
Adler. Ihre vermeintlichen angefangenen Horste gehörten den 
Krähen. Eine hatte übrigens wieder in einem Olivenbaum ein 
Gelege von 5 Stück. Nur gehört wurden 1 Stieglitz, 2—3 Ortolane, 

Joam. f. Gm. LX. Jahrtf. April 1912. 19 



278 Hugo Weigold: 

einzelne Kalanderlerchen und Baumpieper. Sonst kam fast das- 
selbe wieder zur Beobachtung: paar collurio cf, 2 Muse, striata, 
1 hypoleuca, 1 collurio cf, Fhyll. collyhita und trochilus wie immer, 
paar einzelne Sylvia communis^ 1 Sax. hispanica cT und 2 9» 
alle mafslos scheu, 1 Paar ruheira, einige phoenicurus cT, singende 
Nachtigallen und Sprosser. Der erste Pirol (von zweien) wird 
erlegt, Merops jagen sich immer in der Luft und ein paar 
Kuckucke sitzen offen herum. Auch ein Wendehals hat sich ein- 
gefunden. Ein hellschwänziger Raubvogel, wahrscheinlich Buteo 
ferox, kreist in grofser Ferne, ein Schwarzer Milan streift vorbei 
und viele Rötelfalken spielen in Scharen in der Luft. Als wir 
einmal ganz offen, aber doch im Schatten an der Mauer der 
Gärten unter hohen Bäumen standen, kam vom Freien her ein 
Raubvogel gestrichen und setzte sich gerade vor mir auf den 
Ast, wo ihn mein Schufs umgehend herunterbeförderte. Mit 
grofser Freude erkannte ich meinen ersten Zwerghabicht (Ästur 
hrevipes), der mit seinem blauen Reif auf Kopf und Rücken und 
der roten Unterseite einen herrlichen Vogel abgibt und übrigens 
auch einem alten Kuckuck ganz verblüffend ähnelt in dem Ton 
seines blauen Gefieders. Während ich ihn noch bewunderte, 
fällt ganz ähnlich ein Nachtreiher bei uns ein, streicht aber dann 
übers Tal und setzt sich auf ein kleines Bäumchen im jenseitigen 
Weinfelde. Dort gelingt es aber, ihn anzuschleichen und herab- 
zuschiefsen. Es war ein herrliches altes 9- Schliefslich wurden 
noch zwei Turteltauben gesehen von T. 

Der Lämmergeier liefs meinem Begleiter keine Ruhe und 
so kletterte er am 22. trotz seines lahmen Fufses in dieselben Berge 
wie ich kurz vorher. Aber er sah nur 2 Raben, 4 Neophron, 
1 Milan, 3—6 Rötelfalken und wieder 3—4 Baumpieper. Sogar 
Insekten gab es nur höchst einzeln. 

Ich wanderte indessen wieder mal hinaus nach K a r a - 
keuprü, denn wir waren ja nun bereits herum mit den paar 
Vegetationsoasen. Das Bild hatte sich doch ein wenig verändert: 
jetzt blühten die Weiden, die Bäume und Sträucher waren in 
frischem Grün und die Vogelwelt war reicher. Auf dem Wege über 
die Steinberge auch jetzt wieder einige Kalander- und einzelne 
Haubenlerchen und etliche cf und 9 der Saxicola hispanica, die 
jetzt meist sehr scheu waren. Die cT sangen ihre stereotype 
Strophe, offenbar beginnt die Brutzeit. An einem Weinfeld steht 
ein Bäumchen und darauf sitzt ein Schwarzstirn würger und singt 
allerliebst vor sich hin, Leider ging er mir dann angeschossen 
verloren. In dem Garten wieder cornix, ein oder paar Carduelis, 
einzelne trivialis. Collurio cT und 9 sind jetzt auch hier, wie 
überall, ziemlich häufig, die schwarzweifsen Fliegenschnäpper sind 
nur mehr durch ganz einzelne hypoleuca vertreten, während aller- 
hand striata an ihre Stelle getreten sind. Laubsänger, collyhita 
und trochilus gibt's wie immer, dazu einzelne honelli. Eine Cettia 
lärmt im Geranke und wird geschossen. Ebenso geht es der 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 279 

ersten Garteiigrasmücke. Eine mystacea sang, wie immer sehr 
schoenohaenus2ivi\g. Dagegen sangen die paar Pärchen curruca und 
communis — auch neue Ankömmlinge — noch nicht. Auch ein 
atricapilla cf war da. Von Gartenrötlingen sah ich mehrere cT 
und 9» Nachtigallen sangen, jetzt in ziemlicher Zahl angelangt. 
Ein oder der andere Wiedehopf rief im Garten, Bienenfresser 
in der Luft. Als ich am Bach entlang die Oase verliefs, 
hörte ich an den letzten Bäumen einen leisen eisvogelartigen Pfiff 
und richtig: da sitzt ja der schillernde kleine Fischer dicht vor 
mir, so nahe, dafs ich mit meiner schwachen Ladung noch etwas 
vorbeizielen mufs, um ihn sauber zu schiefsen. Weiter drin, wo 
das Bachbett dicht bewachsen war, war schon vorher ein Purpur- 
reiher hochgegangen. Von Raubvögeln sah ich nur 1 — 3 Schwarze 
Milane, einen Zwergadler und die üblichen Rötelfalken. 

Nachdem ich so die ganze Umgebung Urfas systematisch 
abgesucht hatte, sollte es nun mal weiter gehen zu dem nächsten 
Vegetationsgebiet im Osten , dem Hüfschen DjuUab. Herr 
Massalsky machte mir die grofse Freude, uns zu begleiten als 
Jagdgenosse und Landes- und Sprachkundiger. Mit einem Diener 
und einem Lastpferd wanderten wir am 23. April früh 6 h los. 
Erst geht es stundenlang durch die mit dürftigen Getreidefeldern 
bestellte Steppe, in der wir auf 6 stündigem Marsch nur zwei 
bis drei Dörfer antrafen. Wahnsinnig öde war es streckenweise. 
Dann kam wieder ohne ersichtlichen Grund eine Stelle, wo mau 
gleichzeitig allerhand Kalanderlerchen hörte. Und dann ging es 
in die unbebaute Wüste, wo nur der Hirt noch dürftige Weide 
für seine rasch weitereilende Schafherde findet. Da safs wohl 
mal eine Haubenlerche an dem durch Fährten kenntlichen Weg, 
und in einer Senkung trippelten zwei Brachpieper, die ersten ; 
sie waren gar nicht scheu und wir hiesen sie natürlich mitgehen. 
Bei einer Schafherde war ein Trupp von etwa 40 ziehenden 
Schafstelzen eingefallen, ging aber bei dem Versuch, sie näher 
zu beobachten, auf Nimmerwiedersehen davon. Von Stein- 
schmätzern sah ich statt der erwarteten isahellina und deserti 
wieder nur 2 9 hispanica. In der Gesellschaft des einen befand 
sich ein — Fitislaubsänger. Auf einer mit Disteln bestandenen 
Fläche ruhten zwei coUurio cT aus. Einmal safs ein Wiedehopf 
auf einem Stein, einzelne Bienenfresser flogen überhin, einzelne 
(1 — 3) Zwergadler revierten, einer ward, auf einem Stein sitzend, 
auf etwa 80 m leider mit der Kugel gefehlt, 1 — 2 Milane und 
einzelne Rötelfalken hatten wir nur in der Nähe der Stadt gesehen, 
weiter draufsen ersetzten sie eine alte blaue und eine braune 
Steppen(?)weihe. Zwei Wachteln stehen vor uns auf und ein- 
mal hatten wir zwei Grofstrappen vor uns, deren nächste aber 
auf 200 m abging. Im ersten Steppendorfe hatte übrigens ein 
Storch seinen Horst gebaut. 

Mittags erreichten wir, weidlich gebraten von der brennenden 
Sonne, endlich den ersten Baumgarten an einer Mühle am Djullab- 

19* 



280 Hugo Weigold: 

bach. Es war eine Freude, wieder grofse schattige Bäume zu 
sehen und Vögel. Natürlich fehlten auch hier Nebelkrähe 
und Hausspatz nicht. Sonst traf ich in diesem Mühlengarten 
noch: etliche Muse, striata, Fhjll. collyhita und trochiltis, 1 Sylvia 
atricapilla, 1 communis, etliche Gartenrötlinge und Nachtigallen, 
und den Wiedehopf. Viele Bienenfresser flogen überhin nach 
dem nächsten Dorfe, ein grofser Raubvogel wird gesehen, ein 
prächtiger Kurzzehensperber fliegt T. genau so vor die Flinte 
wie mir mein erster, mindestens 2 gewöhnliche Turteltauben 
gurren in den Bäumen und ich schiefse mir eine davon. Auch 
ein Storchnest war vorhanden. 

Jetzt überschritten wir den Flufs, der etwa 3 m breit und 
an der tiefsten Furtstelle knietief war. In seinem Wasser gab es 
mindestens 3 Arten Fische, wie ich später sah. Am hohen Ufer 
legte der Kadaver eines Kiebitzes Zeugnis davon ab, dafs hier 
auch dieser in Syrien so seltene Vogel durchzieht. Am Flusse 
dehnen sich schöne Getreidesaaten, in denen es Wachteln gab, 
die aber noch nicht riefen. Einmal safs ein Steppeubussard am 
anderen Ufer auf etwa 150 m. Wir legten uns hin und eröffneten 
mit und ohne Fernrohr das Feuer. Mein erstes Geschofs mufs 
ihn — wie wir nachher im Fluge sahen, ein wenig am Flügel 
gestreift haben. Er blieb ruhig sitzen und markierte nur die 
ganz dicht bei ihm einschlagenden Kugeln durch einen Schritt 
seitwärts. Wir gingen ihn dann an und bekamen ihn doch nicht. 
Als wir so Schiefsübung abhielten, pfiffen uns selbst plötzlich 
Kugeln von dem Dorfe her über die Köpfe. Was die Kerle sich 
eigentlich dabei gedacht haben, ist mir noch heute unklar, wahr- 
scheinlich wollten sie nur zeigen, dafs sie auch knallen konnten. 
Wir nahmen gar keine Rücksicht darauf und begrüfsten freund- 
lich einige ältere Eingeborene, Araber, die uns entgegenkamen. 
Einer darunter war Christ, Syrianer, der Pächter der schönsten 
Gärten. Er lud uns ein, in seinem Garten im Freien zu schlafen, 
er wollte uns Decken und alles Nötige beschaffen. Das war 
sehr nett von dem Manne, denn in den ungezieferbesetzten Lehm- 
Hundehütten der Araber zu schlafen — brrrr! 

Vorher besuchten wir aber das Dorf, das nicht etwa, wie 
es vernünftig wäre, im Schatten der Bäume, sondern in prallster 
Sonnenglut auf kahlem ausgetrockneten Boden stand. Nur drei 
Bäume standen dabei. Auf dem einen hatte der Storch sein 
Nest, auf den andern beiden rasteten die Bienenfresser mit Vor- 
liebe, die mit grofser Vertrautheit mit den Schwalben umher- 
schossen. Ein Schufs warf einmal drei Stück zugleich herunter 
und der Bedarf war im Nu gedeckt. 

Auf der andern Seite des Baches — alias Flusses — waren 
die Gärten angelegt, ganze Wäldchen junger Pappeln, deren 
Holz als Balken für flache Dächer sehr begehrt ist. Natürlich 
waren auch Obstbäume, z. B. Aprikosen, angepflanzt. Gemüse 
aber kennen die Leute noch kaum. Welche Wonne, hier im 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 281 

Grünen im Schatten von dem heifsen Marsch ausruhen zu 
können auf rasch herzugeschleppten Filzdecken! Doch lange war 
nicht Zeit zum Ruhen. Fieberhaft ging es dann ans Abziehen 
der Vögel. Als es aber stark auf Sonnenuntergang ging, da 
warf ich Vögel und Messer hin, ergriff das Gewehr und schlug 
mich seitwärts in die Büsche, um womöglich Raubvögel zu 
schiefsen, die zum Übernachten in der Baumoase einfallen würden. 
Denn wenn es in Transkaspien so ist, wie ich bei Loudon gelesen, 
warum sollte es hier unter gleichen Verhältnissen nicht auch so 
sein!? Das erste, was ich sah und schofs, war ein Kuckuck, den 
zweiten liefs ich leben. Dann ging ich durch die berieselten 
dichten Haine, in denen es schon stark dämmerte. Da rauscht 
es über mir, ein grofser Vogel streicht über die Wipfel, undeutlich 
nur sichtbar, der Schufs kracht, ein schwerer Aufschlag! Mit 
der stillen Hoffnung im Herzen, einen grofsen Adler geschossen 
zu haben, gehe ich hin, aber nur ein Purpurreiher liegt verendet 
vor mir, den ich mit einem halbnackten Araberbengel, der mir 
immer nachgelaufen war, nach dem Lagerfeuer schickte. Bald 
wiederholt sich das Schauspiel, diesmal war es ein Steppenbussard, 
mein erster. Einen zweiten schofs ich an, er blieb in den Ästen hocken 
und ich wartete jeden Augenblick auf sein Herabstürzen. Nochmal 
schiefsen wollte ich nicht, weil eine Wolke grofser Raubvögel auf 
den Knall hin rauschend aufgestiegen war und unheimlich, wie die 
wilde Jagd, auf harten brausenden Schwingen unmittelbar über 
die Pappeln, also nur einige Meter über meinem Kopfe dahin- 
fegte in engen Kreisen. Schwarze Milane waren es. Finsterer 
und finsterer wurde es. Plötzlich streicht mein kranker Bussard 
ab, in der Eile geht mein Schufs in der Dunkelheit fehl, wieder 
rauschen wild mindestens 50 Milaneutiügel, bis einer der Vögel 
im Feuerstrahl herunterschmettert. Heimwärts lenke ich nun 
meine Schritte, schiefse noch zwei schwarze Klumpen von den 
Bäumen, die sich aber leider als Krähen entpuppen. Auch eine 
Turteltaube fällt zwei oder drei Meter über meinem Kopf ein 
und steckt bald das Köpfchen unter den Flügel, klatscht aber 
erschreckt ab, als ich weitergehe. Turtelchen fielen überhaupt 
in ziemlicher Menge ein und ihr leises Gurren war eine wunder- 
volle harmonische Abendmusik. — In Schweifs gebadet kam ich 
endlich am Lagerfeuer an und warf mich totmüde auf die tau- 
feuchten Decken, während im Topf ein Huhn schmorte. — Wie 
haben wir dann geschlafen dort unter dem strahlenden Sternen- 
himmel des Südens, von dem bis tief in die Nacht hinein die 
Stimmen heimkehrender (oder wandernder??) Bieuenfresser er- 
klangen! Eine geheimnisvolle Stimme, ein nicht sehr lauter Triller 
mit dem Vokal i, gab uns noch Rätsel auf. Er erklang aus dem 
Baume. War es ein Vogel? Oder ein Insekt? Oder ein Durch? 
Ganz fremdartig mutete jedenfalls das Geisterstimmchen an. 

Die Morgenstunden wurden zur Jagd benutzt. Ein Kolk- 
rabe liefs sich hören, er mufs wohl vom weitentfernten Karadscha- 



282 Hugo Weigold: 

dagh, den schwarzen Bergen, hergekommen sein. Nebelkrähen 
mögen hier 2 Dtzd. hausen, in ihrer Gesellschaft befand sich 
merkwürdigerweise eine Dohle. Mehrere Pirole, cT, zeigen sich 
ziemlich wenig scheu, rufen aber nicht, zwei werden geschossen. 
Ganz einzelne Stieglitze und Ortolane (je 1 — 3) lassen sich um- 
gekehrt nur hören, aber nicht sehen. Baumpieper waren ganz 
selten, 2 Schafstelzeu flogen überhin. Allerhand Rotrückige 
Würger (cf9) ^^Q*^ Graue Fliegenschnäpper sitzen herum, doch 
nur ein einziges semitorquata cf ward noch gesehen und ge- 
schossen. Laubsänger beider Arten waren gar nicht mehr so 
sehr häufig, den Fitis hörte ich hier zum ersten Male etwas 
singen. Auch honelli war in ein paar Exemplaren vertreten. 
Dagegegen waren Sylvien merkwürdig selten: nur etwa 2 Paar 
Dorn-, 1 oder 2 Klapper- und einzelne Mönchsgrasmücken konnte 
ich bestätigen. Nachtigallen gab es auch hier reichlich, sie sangen 
auch bruchstückweise. Die Wiedehopfe waren sehr zahm, die 
Bienenfresser verstummten keinen Augenblick und Kuckucke 
safsen reichlich in den Hainen herum, ja wir hörten sogar den 
Ruf einige Male. Ein Wendehals ward geschossen. Rauch- 
schwalben gabs natürlich in Menge. Ein paar Zwergadler und 
Bussarde hatten hier ihr Standquartier, waren aber, ebenso wie 
die Schwarzen Milane, tagsüber nur selten zu sehen. Rötelfalken 
gab es einzelne, der erste ßaumfalk wurde beobachtet und herab- 
geschossen. Wenn es am Vormittage immer heifser wird, kommen 
verschiedene Vögel von der Wüste herein in die kühle Baumoase, 
so z. B. die Zwerghabichte. Die blocken dann mit offenem 
Schnabel auf dem ersten besten Baume, lassen sich ruhig an- 
gehen und herabknallen, so schössen wir an diesem Vormittag 
mühelos noch zwei Stück, d. h. jeden, den wir sahen. Auch Turtel- 
tauben stellen sich während der gröfsten Hitze wieder ein. Das 
Interessanteste waren aber für mich ein paar Flughühner 
(Pterocles sp.). Unter einer Art hohlen dumpfen Rollens oder 
Gurrens schwirrten in unheimlich raschem Fluge noch am frühen 
Vormittag ein paar dieser Vö^el über die Bäume, ohne dafs ich 
Schufsfreiheit hatte in dem Ästegewirr. Eine Wachtel machte 
ich sogar in einem feuchten Doppeldickicht hoch, wo ich sie 
erst für eine Rallenart gehalten hatte, als ich sie wie eine Ratte 
huschen sah. Ein Graureiher flog überhin und noch ein zweiter 
Purpurreiher wird beobachtet. Auch ein Waldwasserläufer flog 
wieder rufend überhin. 

Gegen Mittag ward noch ein kleiner Fischzug in einem 
abgedämmten, deshalb halb trocken gelaufenen Bewässerungs- 
und Mühlgraben arrangiert. Der Müller watete im Wasser, trieb 
die Fische mit einer Ruten-Flechtwand vor sich her in seichte 
Stellen, wo er ihnen dann als höflicher Mann mit dem Grufse 
Salem aleikuml mit einem Knüttel auf den Kopf hieb. 

1/4 3 h brachen wir auf und marschierten bis in die Nacht 
hinein. Es war eine tolle Strapaze infolge der Hitze, des harten 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersjriens. 283 

Bodens und des endlosen öden Weges. Der Gaul war dem 
Zusammenbrechen bedenklich nahe, stolperte entsetzlich und auch 
wir konnten kaum nach laufen. Unterwegs begegneten uns mitten 
in der Wüste zweimal Herdenkiebitze (zus. 3 St.), waren aber zu 
scheu, um sie erlegen zu können. Ebenso mitten in der Einöde 
safs auf einem Steine eine Blaurake, die erste. Müde mochte sie 
ruhen von der Wanderschaft, so dafs sie sich mühelos schiefsen 
liefs. Wiederholt rasteten auch Bienenfresser in gleicher Weise 
auf Steinen, waren aber etwas scheuer. Auch drei Wiedehopfe 
trafen wir am Weg. 

Am 25. war arm.enischer Osterfeiertag. Wir präparieren 
und erholen uns dabei von den Anstrengungen der weiten Tour. 
Wieder fliegen spät in der Nacht, mehrere Stunden nach Sonnen- 
untergang — bei Regen — Bienenfresser rufend überhin. 

Auch der 26. ist ein Regentag. Herr Massalsky bringt mir 
noch einen Zwerghabicht, den er nahe seinem Haus in dem kleinen 
Garten geschossen hatte. Ein Junge schofs uns die erste Sperber- 
grasmücke. Wir sind am Einpacken unseres Gepäcks. 

Am 27. wird früh auch noch gepackt, und dann gehen wir 
vormittags wieder einmal hinaus zu Herrn Massalskis Haus. 
Wieder war der winzige Garten nebenan überaus reich an Vögeln. 
Es war ein richtiges Stelldichein aller Sänger, die es in der 
Runde gab. Eiue solche Konzentration war mir in den letzten 
14 Tagen noch nicht vorgekommen. 1 Kolkrabe und Nebelkrähen 
strichen überhin. Herr M. hatte eben einen Pirol (cT) geschossen. 
Ortolane fliegen vorbei. Ein Baumpieper ist immer noch auf dem 
Zuge. Überall sitzen colhirio beiderlei Geschlechts in für den winzigen 
Fleck unglaublicher Menge (mind. 1 Dtzd.). Schwarze Fliegen- 
schnäpper gibts jetzt nicht mehr, wohl aber mehrere gefleckte. 
Auch F'itislaubsänger sind nicht mehr viel da. Dagegen war 
eine unglaubliche Vergesellschaftung aller möglichen Grasmücken- 
arten hier zu beobachten : 1 nisoria, 1 horin, 1 Paar airicapüla, 
einzelne communis^ currnca und mystacca, sodafs ich einmal 
vier Arten zugleich im Glase hatte. Plötzlich ertönte ein an- 
genehmer nicht zu lauter Gesang, der mir ganz neu war. Gleich 
sehe ich auch den Sänger nahe vor mir, wie er mit steil hocli- 
gestelztem Schwanz im Gebüsch umherhüpft. Drei dieser Hecken- 
sänger sah ich, die off'enbar kaum erst angekommen waren, und 
schofs zwei. Es war nicht mehr die syrische, sondern bereits 
die östliche sehr blasse Rasse (Agrohates galactotes familiaris). 
Gartenrötlinge waren nur mehr durch ein Pärchen vertreten, 
Nachtigallen durch ein einziges Ex. Ihr Zug neigt sich eben 
dem Ende zu. Rauchschwalben und Bienenfresser blitzen durch 
die Luft, ein Flug Turteltauben schwankt umher, eine kleine 
Schnepfenart wischt aus dem Bewässerungsgraben im Gärtchen, 
ist aber sofort meinen Augen entschwunden. Ein Steinkauz wird 
aufgescheucht, die Schwalben stofsen auf ihn, er läfst sich aber 
nicht erlegen. Auch ein Zwergadler schwebte wieder in der Ferne. 



284 Hugo Weigold: 

So war der Tag des Abschieds gekommen. Schade! Noch 
8 Tage weiter und der Zug wäre zu Ende gewesen und ich hätte 
siclierer feststellen können, was als Brutvogel in diesem Lande 
zurückbleibt. Aber leider erreichte mich das Telegramm mit der 
Bewilligung von 2 Wochen Nachurlaub nicht mehr. Diese 14 Tage 
wären mir äufserst wichtig gewesen, sie hätten mir erlaubt, meine 
Untersuchungen zu Ende zu führen und das Bild der Avifauna 
einigermafsen abschliefsen zu können, was die abnorme Verspätung 
in diesem Jahre mir entgegen meiner für normale Verhältnisse 
richtigen Berechnung verdorben hatte. — 

Auch bei der Abreise habe ich wieder die rührende Auf- 
opferung unsres Herbergsvaters, Herrn Künzlers, in der Be- 
schaffung eines Wagens und Orientierung der Leute dankbar zu 
erwähnen. Hatte ich doch beschlossen, diesmal auf Bedeckung 
und Dolmetscher ganz zu verzichten. Nur eine Jaila ward bestellt, 
das Gepäck so weit als nur irgend möglich reduziert und dahinein 
verstaut. Wir selbst hatten noch knapp Platz, uns in bequemer 
Sitzstellung halb auszustrecken unter der Wagenplane. Freilich 
war es bei diesem Apparat nicht so bequem, während der Fahrt 
abzuspringen, weil es allemal eine komplizierte gymnastische 
Übung erforderte. Aber auch das wurde möglich gemacht. 

Am 28 April also setzten wir uns in unsre Jaile und fuhren 
los. Gleichzeitig brach eine Rotte armenischer Rekruten nach 
Aleppo auf unter einem kolossalen Geleit, gerade als ob es in den 
Krieg ginge. Wieder ging es über die Hochebene, wo ein geradezu 
kalter Wind wehte im Gegensatz zu dem heifsen von reflektierenden 
hellen Kalkbergen eingeschlossenen Urfa. Unterwegs kommen 
wieder zur Beobachtung: einige Hauben-, Kalander- und Kurz- 
zehenlerchen, an den Höhlenfelsen wieder der Zwergadler und 
die erste Schwarzkappenammer (cT Emberiza nielanocephala), 
in der Steppe 1 Saxicola hispanica, 1 Ortolan, 1 Schafstelze, 
Wiedehopf und 1 Kuckuck! mitten in der Öde auf dem Telegraphen- 
draht. Bienenfresser an den Dörfern, ein Flug Turteltauben im 
Ackerland vor Serudj. 

Schon 2 h Nachmittags langten wir in dem uns schon be- 
kannten Städtchen Serudj an, das mitten in der Steppe 
liegt, sich eines kleinen Teiches erfreut — eine grofse Seltenheit — 
und eine sehr kleine, noch junge Pappelpflanzug, aber sonst keinerlei 
Gärten aufweist. In dem Teiche gab es massenhaft Schildkröten, 
an seinen Ufern graste Vieh, bei dem kleine Trupps scheuer 
Schafstelzen liefen, über die Wasserfläche selbst flüchteten 4 Flufs- 
uferläufer und ein Flufsregenpfeifer. Also auch hier zeigt es sich 
wieder, dafs die Strandvögel sich in die wasserärmste Wüste wagen, 
wenn sich dort nur eine kleine Wasserfläche als grofse Ausnahme 
bietet. — Über der Stadt schwärmen Segler, Rauchschwalben 
und zum ersten Male, aber sehr einzeln, eine kleine dunkle 
Schwalbenart, vielleicht lUparia Bienenfresser fehlten natürlich 
auch nicht, auch eine Blaurake ward uns verehrt. Das Storch- 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 285 

liest auf dem Begräbuisplatze kennen wir schon. Hier glaubte 
ich auch wieder die erste Grauammer zu hören. In dem winzigen 
Haine gab es doch immerhin allerhand Vögel, die es verstanden 
haben, diese verschwindend kleine Oase zu finden, so: 1 Baumpieper, 
paar collurio cT 9 — ^^ich hier der häutigste Baumvogel — paar 
Graue Fliegerschnäpper und Fitislaubsänger. In dem einzigen 
feuchten Busch entdeckte T. ein paar Drosselrohrsänger 1 und 
schofs einen. Von Grasmücken sah ich einige lorin, atricapilla 
(f 9) curruca, communis und 1 tnystacea, also alles mögliche. 
Im Schatten der Pappeln hüpfte am Boden einer Nachtigall ähnlich 
das zweite Exemplar der herrlichen Irania gutturalis, das auch 
erlegt wurde. Ferner gab es hier einzelne Gartenrötlinge cT 9» 
einzelne Sprosser, wenigstens gehörte einer der Vögel dieser Art 
an, ich glaube aber auch eine Nachtigall erkannt zu haben. 
Selbst je ein Kuckuck und Wendehals fanden sich. Ein Sperber 
9 — -^cc. nisus — jagte in einem einzelstehenden Baume nach 
kleinen Vögeln und flog uns dann sehr dreist in die Flinte. Ferner 
sah ich noch einzelne Rötelfalken und einen Flug Turteltauben. 
Von all diesen Singvögeln können kaum zwei Paar hier gebrütet 
haben, vielleicht kein einziger. Wie können die Vögel solche 
winzige, durch ungeheure kahle Flächen getrennte Oasen finden, 
wenn sie auf festen Zugstrafsen wanderten?! Aber so starr ist 
die Natur nicht. Auch sie probiert und spielt mit tausend 
Möglichkeiten, von denen nur wenige sich als richtig heraus- 
stellen. — — 

Am andern Tage brachen wir mit Sonnenaufgang auf. Früh 
war es sehr angenehm kühl, wurde aber später wieder reichlich 
warm. Heute war das Ziel die alte Stadt Biredjik am Euphrat. 
Der Weg führte erst durch die fruchtbare Serudj-Ebene, dann 
durch Steppe, in der jetzt graugrüne Kräuter mit verschiedenen 
Blümchen vorherrschen, d. h. immer in einzelnen Büschen. Ehe 
man nach Biredjik kommt, geht es über ein weites Kalkgebirge, 
wo der Weg mangels jeglicher künstlicher Nachhilfe furchtbar 
ist und auf dem glatten Fels dicht neben tiefen Felsschründen 
auch geradezu lebensgefährlich. Wir mufsten für alle Fälle aus- 
steigen und den Wagen mit stützen helfen. — Unterwegs sahen 
wir ab und zu Bienenfresser, Kalander-, Hauben- und Kurzzehen- 
lerchen. Einmal liefen vier Schafstelzen, meist 9 luit grauem 
Oberkopf, bei einer Kuhherde, und ich konnte eins der freilich 
unbestimmbaren 9 schiefsen. Einzelne Wiedehopfe safsen neben 
dem Wege; ihnen geben die Exkremente der Karawaneotiere 
Nahrung. Ein Aasgeier bleibt lange auf 20 Schritt vom an- 
haltenden Wagen bei seinem frischen Kuhkadaver sitzen. Einzelne 
Rötelfalken künden die Stadt an. An einem der kleinen Bäche, 
die zum Euphrat herabfliefsen, sich aber ungeheure schroffe 
Schluchten ausgewaschen haben, flüchten zwei Flufsregenpfeifer. 
Am Wege finden sich unterirdische Wasserläufe, die manchmal 
als Brunnen oder Tümpel zu Tage treten. An einem solchen sah 



286 Hugo Weigold: 

ich meinen ersten Steinsperliug, der sich durch sein Trippeln und 
das charakteristische Wäil sofort legitimierte. 

Biredjik, die Perle des nördlichen Euphrat, liegt ganz 
wunderschön am linken Ufer des breiten reifsenden Stromes an 
den Hängen und in Tälern, die den schroffen Absturz des Fels- 
plateaus zum Flusse mildern. Diese Erosionstäler haben gerade 
am Flusse einen inselartig hochragenden Felsen ausgespart, der 
das alte Gemäuer einer einst gewaltigen Sarazenenfeste trägt. 
Dieser Citadellenfelsen stürzt nach dem Flusse zu senkrecht ab, 
ebenso wie das ganze Plateau auf dieser Seite, das weiter ober- 
halb kaum einem schmalen Wege noch Raum läfst. Das gegen- 
überliegende Ufer fällt dagegen ganz sanft zum Flusse ab, der 
jetzt gerade infolge starker Regengüsse im kurdischen Hochlande 
kolossal geschwollen war. Das Leben und Treiben in dieser bunt 
orientalischen Stadt zu schildern ist hier leider kein Platz. Zu 
dem orientalischen Charakter gehören vor allem auch gewisse 
Charaktervögel, die ich in Urfa ziemlich vermifst hatte, die hier 
aber vorhanden waren: da safsen einzelne Schmutzgeier ziemlich 
dreist auf den alten Mauern und schwebten über der Stadt, paar 
Schwarze Milane kichern und kreisen, Rötelfalken rütteln in 
Unmenge und von den Häusern erklingt das süfse Durükukukü 
der ägyptischen Turteltaube, die jetzt eifrig bei der Balz ist. 

Was aber Biredjik so berühmt gemacht, was ihm sein ur- 
eigenstes Gepräge aufdrückt, das sind die Schwarzen 
Mähnenibisse (Gerontictis eremita), die in einer Zahl von 
etwa 1000 Stück hier brüten, heilig gehalten von den Bewohnern 
und unter deren Schutz nistend an den Schichtkanten der Fels- 
wand, wie im Norden die Lummen und Alken. Da sitzen sie in 
schwarzen Reihen auf der dem Strome zugekehrten Wand des Berg- 
felsens, wo man an einige Nester auf 20 m herankann. Ruhig 
bleiben die Vögel sitzen. Andere fliegen mit Nistmaterial heran, 
über dem Wasser ziehen ganze Ketten auf und ab und auf den 
Strominseln laufen sie wie die Truthühner. Alles aber geht in 
grofscr Ruhe vor sich, denn die rabenartigen Rufe des Ibisses 
sind zwar rauh und tief, aber leise und werden nicht oft aus- 
gestofsen. — Unter den Ibissen nisteten einzelne Steinsperlinge in 
der Wand. 

Nachdem ich mir sofort nach der Ankunft die Citadelle 
und ihre Ibisse angesehen hatte, gingen wir noch am Abend nach 
Süden am P'lusse hinunter in die wundervollen Gärten. 
Das war nun doch endlich mal Vegetation, schöne üppige Vege- 
tation wie in Deutschland in einem schönen Park, nur natürlich 
viel wilder. Freilich Palmen gab es hier noch nicht, aber hohe 
Bäume, die sich eben belaubten, und dichte giüne Dorn- und 
Rankenhecken. Zwischendurch standen im Grünen die Steinhütten 
der Bauern, die auf reich bewässerten Beeten ihren Lauch zogen. 
Was könnte aber hier nicht alles wachsen, wenn die Leute nicht 
so konservativ und phlegmatisch wären. Freilich die Oliven 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 287 

waren auch hier erfroren, aber das war ja auch ein Ausnahme- 
winter. 

Die Nebelkrcähen durften natürlich hier nicht fehlen. Eine 
stiefs lebhaft auf einen Adler, der mir ein grofser Schreiadler 
zu sein schien. Pirole riefen im Laub und abends in der Däm- 
merung fiel ein ganzer Trupp von 9 i» einen Baum ein, gar nicht 
scheu, bis ein Sperber zwischen sie fuhr und in alle Winde zer- 
streute. Stieglitze gab es hier viel mehr als bei Urfa, einmal sogar 
einen Trupp von 15 St., Hausspatzen glücklicherweise nicht viel. 
Ein Ortolan cf schofs ich von einem einzelnstehenden Baum. 
Zwei weifse Bachstelzen trippelten am Ufer, eine Kohlmeise 
zetert: wir sind hier wieder in einem anderen faunistischen Ge- 
biet Der Schwarzstirnwürger ist hier häufiger, schon vor der 
Stadt safs einer auf einem Zaune und auch hier wieder sah ich 
zwei Stück, scheu wie immer, collurio war noch reichlich ver- 
treten, ebenso der geflecke Fliegenschnäpper, der jt tzt im besten 
Zuge ist. Von Laubsängern gibts nur mehr wenige trochilus und 
1 bonelli. Für die kleinen Grasmücken war die Zeit zu kurz, 
auch war es zu spät am Tage, ich sah paar horin, curruca und 
communis, glaube auch öfters nisoria gehört zu haben, sah sie 
aber nicht in den dichten Büschen. Einen Heckensänger ent- 
deckte ich erst in tiefer Dämmerung und schofs ihn leider vor- 
bei; hätte gern gewufst, welche Rasse hier auf dem Grenzgebiet 
vorkommt, wahrscheinlich ist es noch syriaca. Ein paar Nach- 
tigallen sangen, aber wie immer, schlecht. Rauchschwalben flitzen 
in Masse umher, dazu einige Uferschwalben, ebenso viele Segler. 
Die zahlreichen Wiedehopfe benehmen sich sehr dreist, kaum 
scheuer waren die lärmenden Blauraken, die hier schon in Menge 
angekommen waren. Man hätte viel schiefsen können mit einem 
Teschin. Auch die Bienenfresser waren sehr häufig, leider, leider 
war aber persicus noch nicht angekommen. Ein paar Häher- 
kuckucke jagten sich unter Trillern und heiserem Krätschen und 
vergafsen dabei ihre Vorsicht, so dafs ich das 9 schiefsen konnte. 
Ein oder paar Grofse Buntspechte (sicher syriaciis) lassen sich 
leider nur hören, ebensowenig läfst sich ein (oder paar?) Stein- 
kauz erwischen, der andauernd aus (Jen Bäumen rief. Ab und 
zu kreiste, prächtig anzusehen, ein weifser Aasgeier. Der König 
von allem, der herrliche Steinadler aber, überraschte uns in- 
mitten der Bäume, dafs wir beide nicht zu Schufs kamen, weil keine 
Kugel und kein grobes Schrot im Lauf war. Das war ein 
trauriger Augenblick für den Jäger, der doch in jedem Ornitho- 
logen mehr oder minder steckt. Ein anderer schwarzbrauner 
Adler — wohl ein Aquila clanga — blockte auf einem Baume, 
unter dem sich gerade einer jener verfl . . . grofsen Köter herum- 
trieb, die mit dem Fremden immer sofort einen Kampf auf Leben 
und Tod anfangen, wozu mich mein Ehrgeiz keineswegs verführte. 
Paar Zwergadler und mehrere Schwarze Milane safsen auf den 
Wipfeln herum oder revierten, letztere sehr dreist. Auch eine 



288 Hugo Wejgold: 

blaue Weihe zog übeihiii. Die Rötelfalken fehlten selbstver- 
ständlich nicht. Was aber überaus auffällig war, das war die 
Menge Baumfalken, die herumflitzten. Ein 9 schofs ich vom 
Baum herab, worauf sofort das cT ankam und ebenfalls im An- 
streichen herabgeschossen wurde. Ich hätte noch mehr schicfsen 
können, aber wie bei allen Vögeln heute: wir hatten keine Zeit 
mehr, die Sachen zu präparieren. Deshalb liefsen wir auch die 
zahlreichen Turteltauben ungeschoren. Die Ibisse flogen, wie um 
uns zu ärgern, in schönster Schufsweite über uns hin, aber immer 
waren Leute in der Nähe und warnten uns sogar davor, auf sie 
zu schiefsen. Ein Storchenpaar hatte seinen Horst auf einem 
Baume inmitten der Gärten gebaut. Vom Elufs her hörte ich 
einen Tringoides, paar Totamis littoreus und sah zwei Flufs- 
regenpfeifer. 

Als ich am andern Tage, am 30., übersetzen wollte, war 
der Strom infolge starker Regengüsse weiter oberhalb kolossal 
geschwollen und ging in reifsenden Wirbeln, so dafs kein 
Kaikdschi (Fährmann) überfahren wollte. Bald gofs es denn 
auch hier in Strömen. Vorher aber hatte ich noch auf der Burg 
Ibisse photographiert, und auf der Citadelle an Vögeln beob- 
achtet: Steinsperlinge, 1 singenden Ortolan, 2 Muse, striata, 
einige Fhyll. trochilus, Rauchschwalben, Segler, Wiedehopf, aller- 
hand Blauraken, etwa 3 Pärchen Schwarze Milane, eine Anzahl 
Rüttelfalken und Ägyptische Turteltauben. 

Am Chan safsen auf einem Dach 8 Siiirnus purimrascens^ 
eine Schar Mchlschwalben, ziemlich die ersten, strich tiufsauf, ein 
Storch schwebte überhin. 

Da es allzu stark regnete, taten wir das Vernünftigste, was 
wir tun konnten: wir schliefen erst mal eine Runde. Gegen 
Abend ging ich noch mal aus, unter der schroften Felswand 
entlang nach Norden. Dort brüteten noch etwa 100 Ibisse, aber 
ich konnte und konnte keine Gelegenheit finden, ungesehen einen 
herunterzuknallen. Dazu gabs dort Unmengen Rötelfalken, miud. 
100 auf einer kurzen Strecke, jedenfalls aber viel mehr. Mit 
Teschin hätte man beliebig viel schiefsen können. Auch einige 
Paare Felsentauben brüteten in den Wänden, etliche Blauraken 
safsen wie Nippsachen auf kleinen Vorsprüugen der weifsen 
Felsen herum, Bienenfresser schwärmen einzeln umher und ein 
Paar der begehrten Steinspatzen lärmte unerreichbar in der 
Höhe. Aus der Luft hörte ich einen oder den andern Stieglitz, 
eine Weifse Bachstelze (cf) trippelt am W^eg, 3 collurio cf sitzen 
auf einzelnen Bäumchen, Graue Fliegenschnäpper an allen mög- 
lichen Orten. Dagegen ist FhyU. trochilus nur mehr vereinzelt 
zu sehen und ein bonelli zu hören. Dazu weiter viele Rauch- 
schwalben, weniger Segler, 1—3 Wiedehopfe, mehrere Neophron, 
sogar schufsrecht, aber geschont, 2-3 Schwarze Milane, allerhand 
Turtur senegalensis, 1 paar Störche, 1 Tringoides, Totanus littoreus 
und Charadrius duhius gehört. 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens, 289 

Am 1. Mai war das Wasser etwas gefallen, und so ging es 
denn mit viel Gebrüll und Aufregung an die Überfahrt, wobei 
ein Pferd in der fürchterlichen Enge des Kahnes tobsüchtig 
wurde und in grofse Gefahr geriet. Na, alles ging gut und die 
Reise konnte am andern Ufer, in Syrien weitergehen. Bei 
der Überfahrt beobachtete ich noch zwei Totanus (anscheinend 
fuscus), 2 Char. dubius, 1 Sporenkiebitz und 1 Flufsseeschwalbe. 

Die Wege waren durch die Regengüsse aufgeweicht, denn 
das ganze Land ist eine Art klebrigen Lehmes und die Wege 
sind reine Naturwege. Wir kommen also nur sehr langsam 
voran und die drei Gäule quälten sich weidlich ab. In tieferen 
Lagen gab es Felder, in den höheren Wüste, resp. Steppe. 

Unterwegs sehen wir einen Kolkraben und in der Nähe der 
Dörfer Hausspatzen, eine Anzahl Grauammern, Ortolane, in der 
Einöde viele Kalander- und Kurzzehenlerchen, weniger Hauben- 
lerchen. Auch einzelne Schafstelzen bei dem Vieh. Am Dorfe 
Hekidje in der Nähe des Flusses Kersin gab es ein Weinfeld 
mit einzelnen kleinen Bäumchen, in denen sich ein paar hoch- 
gelbe Ammern mit ortolanähnlichem melodischem Kampfgesang 
jagten : es waren Emheriza melanocephala. Mit Mühe erbeutete 
ich ein schönes cf. Auch späterhin sahen wir davon noch die eine 
oder andre am Boden nach Nahrung suchen. Plötzlich über- 
raschten uns mitten in der Steppe zwei Nebelhrähen, aber es war 
doch nicht so sehr weit vom Flusse Kersin, wo es ja Gärten 
gibt. In dieser Gegend gab es sogar — man staune! — ganz 
vereinzelt kleine Sträucher, auf deren Spitze jedesmal eine Ammer 
oder ein Schwarzstirnwürger safs, der sich aber nie schiefsen 
liefs. Ab und zu war es auch ein weniger scheuer collurio. 
Auch Graue Fliegenschnäpper safsen öfters da, trochihis war 
selbstverständlich sehr selten so mitten in der Öde. In allen 
Dörfern und bei einer rastenden Beduinenkarawane gabs Rauch- 
schwalben und ein paar Bienenfresser, die Mehlschwalbe sah ich 
nur einmal. Bei den Dörfern durfte natürlich der Wiedehopf 
nicht fehlen; auf dem Telegraphendraht, der ein Stück den Weg 
begleitete, safsen zwei Blauraken. Am Kersin sah ich auch einen 
Zwergadler und einzelne Rötelfalken. — Wir überschritten die 
Flüfschen Kersin und Satschour auf Brücken, derentwegen wir 
kolossale Umwege machen mufsten, da man für gewöhnlich die 
Flüfschen durchfurtet. Auf Teilen meiner Route mögen wir wohl 
die ersten Europäer gewesen sein. In dieser Nacht blieben wir 
in einem entsetzlichen Nest, einem winzigen Lehmdorf namens 
Kara-Köi (Schwarzes Dorf), dessen Chan aus einem aus Lehm 
gebauten aber mit glattem Dach versehenen Viehstall bestand, 
dessen eine Ecke, etwas erhöht und dadurch abgegrenzt, als 
Schlafraum diente. Hier sah ich noch die primitivsten Kultur- 
zustände, z. B. die verschiedenen Arten der Handmühle, und 
machte ethnographisch interessante Aufnahmen. Sogar die 
Schönste des Dorfes knipste ich, ohne verprügelt zu werden. 



290 Hugo Weigold: 

V2 3 h am andern Morgen hatte ich geweckt, Yg 6 h 
aber kamen wir erst zum Aufbruch. An diesem Morgen hub 
mein Leiden an: es entwickelte sich ein Darmkatarrh, der dann 
sehr schlimm wurde und der noch heute, nach 10 Monaten, nach- 
klingt als Andenken an dieses „Schwarze Nest". 

Und wieder ging es am 2. durch Steppe und dürftige 
steinige Felder, über Berge, wo kein Platz war für den Wagen 
vor lauter grofsen Steinen und wo wir dachten, vor lauter 
Rumpeln müfste die Karre in Stücke gehen. Die Vogelwelt 
war immer dieselbe: Kalander-, Kurzzehen- und Haubenlerchen. 
Unterwegs sah ich vom Wagen aus endlich wieder mal eine 
Saxicola isahellina, sprang heraus und schofs sie, am Dorfe 
Schitar eine Emberiza melanocephala, mehrere hortulana und 
einige — trivialis, hier mitten in der absolut Strauch- und 
baumlosen Öde am Boden nach Nahrung suchend mit den 
Ammern vor dem Dorfe. Vor dem Dorfe Schitar lagen frische 
Lehmziegel zum Trocknen und darauf safs ein Lantus nubicus cf, 
das ich mühelos schiefseu konnte. Was wollte der hier?! Mitten 
durch die Wüste ziehen eben Vögel, die man nur an vegetations- 
reichen Flüssen sucht. Über demselben Dorfe schwebte dreist 
ein Schwarzer Milan, sausten Rauchschwalben und auch schon 
einzelne Mehlschwalben umher. Unterwegs lief eine Wachtel un- 
mittelbar vor den Rädern beiseite. Ein Beduine hatte — jetzt 
in der Satzzeit — mit seinem dürftig aussehenden Windhunde 
einen der sehr seltenen Hasen erbeutet. 

Gegen Mittag hatten wir endlich die Steingebirge über- 
wunden, wo vor uns vielleicht kein Wagen gefahren war, und 
nun ging es durch eine etwas fruchtbarere Ebene, wo allerlei 
Feldblumen, so wunderschöne dunkelviolette grofse Gladiolen- 
büsche, stellenweise auch kleine hellblaue Iris, viel Mohn, Adonis- 
röschen, gelhe und lila Kreuzblütler das ermüdete Auge erfrischten. 
Wir kamen nach Bab, wo wir 2h im Chan anlangten. 

Trotz der grofsen Hitze präparierten wir in dem verhältnis- 
mäfsig sehr guten Chan die unterwegs erbeuteten Vögel und gingen 
dann gegen Abend, als die Glut nachliefs, in die Gärten vor der 
Stadt, die zwar nicht sehr grofs sind, immerhin aber doch genug 
schattige Bäume aufweisen. Mittels Schöpfräder holt man das 
Wasser aus Brunnen, denn in dem Kalkgefels gibt es unterirdische 
Rinnsäle genug, nur oberirdisch fehlt das Wasser. Bei einem 
Kawedschi erholten wir uns im kühlen Schatten bei einem Täfschen 
Kaffee. Währenddes kam ein Zwerghabicht herangestrichen 
und blockte 150 Schritt entfernt auf einem Baume. Ich 
ging hin und schofs ihn herab: so benehmen sich diese Vögel meist. 
Darauf ward noch rasch bei Sonnenuntergang ein Rundgang durch 
die paar Gärten gemacht. Etliche Nebelkrähen horsten hier, ein 
Trupp Überhin fliegender Vögel wird als Stare angesprochen, der 
Stieglitz ist hier gar nicht selten, sehr im Gegensatz zu Meso- 
potamien. Etliche Graue Fliegenschnäpper, wenige trochilus, 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 291 

1 Sylvia atricapilla 9, einzelne rjirruca und ein Paar subalpina (?'?) 
vertreten die kleinen Insektenfresser. Dagegen war der Hecken- 
sänger, aber eine andere Form als in ürfa, nämlich syriaca, 
geradezu häufig. Mit Vorliebe safsen sie offen auf den Reisig- 
baufen und waren sehr vertraut. Von Gartenrötlingeu gabs 
höchstens ein Stück und Nachtigallen nicht viel. Ihr Zug ist 
eben zu Ende. Ein paar Wiedehopfe fehlten natürlich nicht, Bienen- 
fresser schwirren in Menge in der Luft und Blauraken sind nicht 
selten. Von Raubvögeln sah ich einen Zwergadler (?), einzelne 
Milane, Rötelfalken genug und allerhand Zwerghabichte. Dazu 
sah man überall Turteltauben in der Luft, auf die einige Ein- 
geborene mit vorsintflutlichen Vorderladern eifrig, aber mit wenig 
Erfolg Jagd machten. 

In einer Stunde konnte man in so winzigem Revier wahrlich 
nicht gut mehr verlangen. Man hat aber auch in kurzer Zeit 
alles abgestreift. 

Anderntags, am 3. Mai, brechen wir sehr zeitig im Finstern 
auf, sodafs wir bei Sonnenaufgang schon ein gutes Stück zurück- 
gelegt hatten. Aufser einem Neophron und 1 Raben und einem 
Wachteljäger mit Jagdhund sahen wir bis Aleppo nichts Neues. 
Schon gegen 9 h vormittags kamen wir dort an und quartierten 
uns wieder im Parkhotel ein. 

Wie nett war es nach diesen letzten Tagen in öden welt- 
fremden Gegenden, wieder mal in einem modernen deutschen 
Haushalt zu weilen, wie bei dem deutschen Konsul Röfsler und 
bei der Familie Koch, die mich beide ja bei meiner Reise so 
überaus liebenswürdig unterstützt hatten und denen ich nun 
persönlich danken durfte. 

Am Nachmittag ward ein Ausflug vom Konsul arrangiert 
zu den eben in Angriff genommenen Streckenarbeiten für die 
Bagdadbahn, deren Teilstrecke Alexandrette-Biredjik z. T. von hier 
aus gebaut werden soll. Schon waren einige Kilometer Bahn- 
körper in Arbeit und bald wird man es unendlich viel bequemer 
und billiger haben als ich. Möge deutscher Fleifs und deutsche 
Arbeit, vor allem aber deutsche Ordnung hier einen gründlichen 
Wandel zum Besseren schaffen. Das Land hat es nötig. Schätze 
schlummern hier, zu deren Hebung es nur des belebenden Wassers 
bedarf. Dann kann uns hier ein zweites Ägypten erstehen. — 

Schwül, furchtbar schwül war dieser Nachmittag. Das konnte 
mich aber nicht abhalten, noch rasch (von 5 — 7 h) einen Gang 
in die jetzt üppig begrünten wildverwachsenen Gärten zu machen. 
Denn ich hatte noch immer keine Hippolaisa.Yt gefunden und die 
mufste es geben, das war mir absolut sicher. Sollte ich aber 
weggehen, ohne sie gefunden zu haben?! Nein, nein! Nun gerade 
mufste ich den Vogel haben und wenn es in der letzen Minute 
war. Es waren hier ganze Flächen mit jungen Laubbäumen, 
Pappeln oder so etwas, angepflanzt, durch die man sich nur sehr 
mühsam, meist in Kniebeuge durchwinden konnte. Es dauerte 



292 Hugo Weigold: 

denn iiuch nicht lange, dii ertönt der langersehnte unverkennbare 
Hippolais-Gesa.ng. nicht ganz so laut wie bei unserer Art und 
nicht so abwechslungsreich. Die Vögel waren gar nicht selten 
und immer ganz nahe, aber sehen — das gab's nicht. Man niufste 
froh sein, wenn man die Blätter wackeln sah, und mufste dann 
in diese Gegend funken, natürlich mit ganz schwacher Ladung. 
Einen erwischte ich auch auf diese Weise, aber natürlich war 
er arg zerschossen: es war ein Hippolais pallida. Aber, wie 
teuer war der Vogel erkauft. Der Schweifs lief in so dicken 
Strömen von der Stirn und über die Schiefsbrille, dafs ich zuletzt 
nicht mehr zielen konnte. Dabei in I^niebeuge in der wahnsinnigen 
feuchten Treibhausathmosphäre unter den Sträuchern, Spinnfäden 
dazwischen, ab und zu ein breiter Bewässerungsgraben, der nur 
mit gewagten Klettereien zu nehmen war, Mauern, die sich quer 
vorstellten und die überstiegen werden mufsten. Mein Lebtag 
habe ich noch nicht so geschwitzt wie in dieser Stunde. Dabei 
bekam ich gleichdrauf ein zweites Exemplar des Spötters in einem 
einzeln stehenden Baume vom Wege aus ganz bequem. Ich hörte 
erst den Gesang, aber lange dauerte es, bis ich den Vogel huschen 
nicht sehen, aber ahnen und glücklich schielsen konnte. Sonst 
schienen mir diese Gärten nicht allzu reich an Vögeln zu sein, 
freilich hatte ich auch nur sehr wenig Zeit zum Beobachten. In 
der Eile sah ich noch : cornix natürlich, Stieglitze ziemlich reichlich, 
eine Ammer, die ich für caesia gehalten habe, die aber doch wohl 
nur hortulana war, 1 Baumpieper, 1 Kohlmeise, nur mehr 1 collurio 
cf, mehrere Muse, striata und trochilus noch, 1 bonelli. paar 
Sylvia atricapilla cf 9i glaube auch horin und curriica gesehen 
zu haben. Die Nachtigall war noch häufig. Wiedehopfe ein paar, 
Bienenfresser viel, ein scheuer Buntspecht, ein oder paar Zwerg- 
adler oder Bussard, einzelne Milane, Rötelfalken natürlich sehr 
viel und sehr vertraut: einer blieb auf zehn Schritt ruhig sitzen. 
Einen grolsen Sperber mufste ich für nisus 9 ansprechen, einzelne 
andre dagegen für hrevipes. Schliefslich flogen auch hier die 
Turteltauben in Trupps herum, während in der Stadt wieder 
zahlreiche senegalensis auffielen. — — 

Am 4., dem anderen Morgen, brachte uns der Zug der 
französischen schlechten, unglaublich unkultivierten Bahn wieder 
nach Süden, wobei ich infolge eines abscheulichen Darmkartarrhs 
und starker Opiumdosen eine miserable Fahrt hatte. Dabei eine 
18-stündige Fahrt ohne „Kabinet"! Doch war die Fahrt jetzt 
wenigstens interessanter, denn die vereinzelten Baumpflanzungen 
hatten sich jetzt in Grün gehüllt, Blauraken flogen umher, Grün- 
linge und Stieglitze liefsen sich wieder hören. Baalbeck prankte 
im Frühlingsschmuck und ich wäre so gern einen Tag dageblieben. 
Aber am nächsten Tage sollte der Dampfer nach Konstantinopel 
abgehen. Natürlich tat er das dann nicht, was mich gewaltig 
ärgerte. Übrigens war die Überquerung des Libanon bei Mond- 
schein sehr romantisch. Trotzdem war ich heilfroh, als ich um 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 293 

Mitternacht endlich im Deutschen Hof in Beirut mich niederlegen 
konnte. 

Da also, wie ich erfuhr, am 5. der Dampfer wieder mal 
nicht ging, machten wir trotz meiner Krankheit einen mehr 
dem Photographieren gewidmeten Ausflug am Meeresstrande ent- 
lang nach Norden bis zu der Station Sarba-Djounin. Der Libanon 
erhebt sich hier in schönem Amphitheater, und an seinem Fufse 
schmiegen sich Villen, Landhäuser und Bauernhütten in grofse 
Maulbeerplantagen, während am Hange darüber Kiefern und noch 
höher Sträucher den Felsen überkleiden. Hier am blauen Mittel- 
meer konnte man doch endlich wieder mal üppiges Grün, weit- 
gedehnte Gärten und bunte Blumen sehen. Rosen blühen und 
Orangenblüten duften betäubend, so unscheinbar sie sind. Wilde 
purpurrote Gladiolen recken sich unter Aleppokiefern und bunte 
Schmetterlinge gaukeln um Glockenblumen. Es gibt schon reife 
Erdbeeren und Obst. Hier, sollte man denken, müfsten die 
Gärten widerhallen von süfsem Vogelsang. Statt dessen knallt 
es hier, knallt es da, ein Schwarzplättchen nach dem andern fällt 
und wird mit dem Hals an einem zugespitzten Zweig gespiefst, 
bis der infame Vogelmörder ein dickes Bündel zusammen hat. 
Damit sieht man sie dann stolz umherziehen. Grauenhaft! Alle 
solche Bündel, die ich durchsah, enthielten fast nur Sylvia atri- 
capilla, dazu noch 2 Wachteln, 2 Bienenfresser, 1 Steinschmätzer, 
1 Rohrsänger? und 1 Laubsänger. Man sieht, die Kerls knallen 
und fressen alles, nicht einmal der winzige Laubsänger ist vor 
ihnen sicher. Die Schiefser waren wohl meist Griechen und Le- 
vantiner. Was sollte es unter solchen Umständen noch zu beob- 
achte n geben?! In der Tat war die Ausbeute sehr, sehr mäfsig. 
Vom Zuge aus sah ich an der Felsenküste einen Eisvogel. In 
den Bäumen sah man nur selten mal ein Schwarzplättchen oder 
einen Fitis, der erstere mufs jetzt noch immer in Masse durch- 
ziehen. 1 Saxicola hispanica sang im trockenen Bachbett. Die 
paar anderen Vögel waren durch die ewige Schiefserei viel zu scheu, 
ich hörte nur eine ammerartige und eine mir ganz unbekannte 
Vogelstimme, auch 1 Stieglitz. Bienenfresser, Rauchschwalben und 
jetzt auch viele Mehlschwalben tummeln sich in der Luft. 1 Nebel- 
krähe flog Überhin, Rötelfalken und Segler durften natürlich nicht 
fehlen. Am ganzen langen Strande entdeckte ich vom Zuge aus 
nur 5 gröfsere Strandvögel. — So gierig waren die „Jäger", dafs 
einer sogar vom Zuge aus schofs. So wird die schöne Landschaft, 
wo man in wenigen Stunden vom heifsen Gestade des Meeres 
bis zu den Schneegipfeln des Libanon aufsteigen kann, entweiht 
durch menschliche Rohheit. Und dabei gibt es in der Tat ein 
Schongesetz, Aber kein Polizist kehrt sich an die Wirtschaft. 

Geschossen haben wir an diesem Tage keinen einzigen Vogel. 
Nur der Wunsch beseelte uns: rasch fort aus dieser Mördergrube. 

Dafs aber der Küstenstrich sehr reich an Durchzugsvögeln 
ist, das ist ja a priori zu erwarten und den besten Beweis dafür 

•fonm. f. Om. LX. .Jahrg:. April 1912. 20 



294 Hugo Weigold: 

bekommt man in dem prächtigen Zoologischen Museum des 
American College, das es an praktischer Bauart, tadellosen Glas- 
schränken und guter Aufstellung mit den meisten europäischen 
Museen aufnehmen kann. Es ist glücklicherweise ein Landes- 
museum für Syrien und Palästina bis zum Toten Meer und als 
solches sehr lehrreich. Es ist erstaunlich, welch reiches aus- 
gezeichnetes Material hier aufgespeichert liegt, ohne der Wissen- 
schaft noch recht zugänglich gemacht zu sein. Aber der Kustos, 
ein deutschsprechender Professor, findet vor Uuterrichtstätigkeit 
leider noch immer nicht die Zeit, einen Katalog oder sonst eine 
Bearbeitung zu publizieren. — — 

Am Abend dieses Tages, des 6., konnten wir an Bord des 
Messagerie-Dampfers gehen. Das Meer war glatt und hochblau. 
Keine andere Möwe läfst sich sehen als einzelne Heriugsmöwen. 

Am andern Tage, ehe wir nach Cypern kamen, flogen 
2 Turteltauben stundenlang ums Schiff. 

Am 8. waren wir vor Rhodos, am 9. vor Smyrna, wo wir 
wegen Quarantäne nichts an Bord nehmen durften. Am 10. abd. 
kamen wir in Konstantinopel an und gingen sofort zur Bahn, um 
nach Deutschland zurückzukehren. 



B. Besprechung der einzelnen Arten. 

1. Corvus corax laurencei Hume. 

Cf IL ürfa 20. IV. al. 465 c. 275. 

Der Kolkrabe war wohl weit verbreitet, aber — leider! — 
alles andere als häufig. So war es auch nur möglich ein einziges 
Stück zu erlegen. 

In Syrien sah ich die ersten beiden am 4. April vom Zuge 
aus in Baalbek, vielleicht auch den einen oder anderen kurz 
vor Aleppo, Auf dem Wege von Membidj zum Euphrat am 8. 
fliegt einer in der Wüste den Weg entlang, wohl seine gewohnte 
Inspektionstour, um nachzusehen, ob wieder mal ein Stück Vieh 
unterwegs gefallen sei. Am Euphrat selbst trieben sich drei St. 
an den Felswänden an der Fähre von Bumbudj herum. 

Auf der Rückfahrt sah ich am 1. Mai einen in der Steppe 
westlich des Euphrat bei Biredjik, ebenso am 3. einen zwischen 
Bab und Membidj. 

In Mesopotamien ganz ähnlich : am 8. April einen in 
der Wüste zwischen Euphrat und Serudj, am 9. einer zwischen 
Serudj und Urfa an einer toten Kuh. Bei Urfa selbst war der 
prächtige, aber stets sehr scheue Vogel leider auch selten: erst 
am 15. hörte ich einen im Westen der Stadt. Am 20. machte 
ich mich auf die Suche nach ihm in die Bergwände an der 
Aleppostrafse. Als ich dort alte kurdische Höhlenwohnungen 
fand und davor in kleinen Wasserbecken eine interessante Mikro- 
fauna untersuchte, überraschte mich plötzlich ein Kolkrabe, der 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 295 

an der Wand entlang gestrichen kam und plötzlich auf 15 Schritt 
um die Ecke bog. Sein entsetztes rauschendes Flügelschlagen 
schreckte mich auf, ich konnte noch rasch das weggestellte Ge- 
wehr ergreifen und ihn glücklich noch herunterdonnern. Anstatt 
nun auf den ev. Gatten des Vogels zu lauern, wandte ich mich 
wieder meinen Branchipus zu und ward richtig nicht fertig, als 
der andere Rabe genau so um die Ecke bog. Nun schlich ich 
mich immer an der Kalkwand hin, in der Hoffnung, dafs die 
Gewohnheit, daran entlang zu streichen, mir den Burschen noch- 
mals vor die Flinte führen würde. Er kam auch in der Tat noch 
einmal, aber recht weit, so dafs der Schufs nicht mehr wirkte. 
Ich glaube ganz sicher, dafs das Paar in der Nähe seinen Horst 
hatte, konnte aber nichts davon finden. T. ging am 22. in diese 
Berge, um sein Heil auf den zweiten Raben zu versuchen. Der 
aber hatte sich schon wieder einem anderen Gatten zugesellt und 
war viel zu schlau, um sich schiefsen zu lassen. In der ganzen 
weiten Umgegend waren das die einzigen Raben, wo man doch 
paar Dtzd. hätte erwarten sollen. 

Am Djullab hörte ich am 23. und 24. einen Raben, der 
wohl vom Karadschadagh bis dahin gestrichen war. 

Es ist aufserordentlich zu bedauern, dafs ich nur ein einziges 
Stück erbeuten konnte, da schon längst die Vermutung ausge- 
sprochen worden ist, dafs die Raben, die jetzt unter dem Namen 
lanrencei zusammengefafst werden, in Wirklichkeit verschiedene 
Formen bilden. Die Variation ist auffallend grofs. Das gröfste 
bisher bekannte Stück hatte 450 mm Flügellänge, mein Exem- 
plar dagegen 465, es nähert sich durch diese langen Flügel also 
dem tihetanus. Sonst ist es dem C. corax sehr ähnlich, sehr 
schwarz und weist — am 20. April, also doch wohl in der Brutzeit 
— noch fast schwarze, kaum merklich braune Halsfedern auf. 
Doch sagt Uartert (in litt.), die Halsfedern würden erst nach 
der Brutzeit ganz braun. Mein Material ist aber zu gering, um 
danach eine neue Form aufzustellen. Herr Dr. Hartert hatte 
die Liebenswürdigkeit, den Vogel zu untersuchen, wofür ich ihm 
auch hier herzlichst danke. 

In Palästina ist diese Art gemeiner Standvogel (Tr. W. P.). 
Um Beirut sah ihn Schrader nur ab und zu. In Kleinasien über- 
all verbreitet und gemein. Nach dem inneren Syrien und Meso- 
potamien zu wird er also viel seltener, wohl entsprechend der 
dünneren Bevölkerung, obgleich dieser Faktor bei den grofsen 
Städten doch auch ausscheidet. So ist es mir nicht recht be- 
greiflich, dafs er überall so einzeln auftrat. 

2. Corvus cornix sharpii Gates? 

(f III. Urfa 13. IV. al. 311 c. 179. 
d* III. „ 16. IV. al. 310 c. 180. 
Die Nebelkrähe war ein häufiger Brutvogel im inneren 
Syrien und in Nordwestmesopotamien, 

20* 



296 Hugo Weigold: 

Zuerst sah ich sie auf der Fahrt zwischen Libanon und 
Antilibanon am 4. April auf den Feldern, in Aleppo angekommen 
fand ich sie sehr häufig in den Gärten nistend und sehr dreist. 
Offenbar paarten sie sich noch, denn sie jagten sich viel umher. 

In Mesopotamien sah ich erst in Urfa wieder welche, 
da aber gleich am ersten Exkursionstage in den Gärten, ebenso 
auch in der ganzen Umgebung bis zum Djullab in Menge und von da 
an tagtäglich. Sogar vom Fenster aus schössen wir einmal eine, 
denn sie waren ziemlich vertraut, obgleich sie ihre angeborene 
Scheu und Schlauheit nicht ganz verleugneten. Am 13. April 
beobachtete ich eine in Garmusch auf dem Neste sitzend, das 
Nest war aber leer. Ebenso war ein Nest am 14. im Direkletal 
noch leer. Das Nest hatte eine sehr tiefe Mulde, worin ein Fetzen 
Tuch lag. Die Krähen regten sich über meine Kletterei sehr auf. 
Am 19. endlich war ein Horst mit 6 Eiern belegt, am 20. einer 
in einem erfrorenen dichten Olivenbaum mit nur 2 Eiern. Die 
Krähe safs sehr fest auf den beiden Eiern. Am 21. enthielt ein 
ähnlich angelegtes Nest 5 Eier. — In dem kleinen Pappelhain 
zu Serudj fehlten sie, der war ihnen doch zu klein. In Biredjik 
gab es Nebelkrähen, wenn auch nicht so viel. Eine stiefs kühn 
auf einen Schreiadler. 

Wieder in Syrien sah ich am 1. Mai in der Steppe zu 
meinem Erstaunen 2 Nebelkrähen, doch war es immerhin nicht 
so weit vom Flusse Kersin, wo es ja Gärten gibt. In Bab waren 
sie nicht so häufig, in Aleppo dagegen genau wie erst sehr häufig. 
Bei Beirut sah ich nur eine. 

In Palästina kommt die Nebelkrähe nach Tristram nur im 
südlichen und zentralen Teil vor. Doch schon bei Damascus ist 
sie wieder überall nach Schrader. Russell kennt sie schon als 
Brutvogel von Aleppo. Hemprich und Ehrenberg erhielten sie 
ebenfalls aus Syrien. In Kleinasien ist sie nach Danford in allen 
kultivierten Distrikten gemein. 

Meine Exemplare sind etwas dunkel für sharpii wenn auch 
heller als cornix. Kleinschmidt möchte glauben, dafs es sich um 
die bisher noch zweifelhafte Form, die Ägypten und Syrien bewohnt, 
handelt, von der auch Hartert berichtet. Wahrscheinlich gehen 
die verschiedenen Formen in Vorderasien unmerklich in ein- 
ander über. 

3. IHca pica pica (L.). 

In Urfa ward mir von den Herren Künzler und Massalsky 
mitgeteilt, dafs sie dort auch schon Elstern beobnchtet hätten. 
Da ich absolut keine auffinden konnte, glaubte ich an eine Ver- 
wechslung mit Coccystes. Doch teilt mir Dr. Pietschlmann (resp. 
Dr. Sassi) aus einer noch unveröfifentlichen Notiz mit, dafs er in 
Mossul im Mai 1910 zwei Elstern erlegt habe. Demnach ist es 
sehr wohl möglich, dafs sich ein oder das andere Exemplar auch 
mal in Urfa gezeigt hat. 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 297 

4. Colaeus tnonedula coUaris (Drumraond), 

Dohlen begegneteu mir nur zweimal : am 8. April einzelne 
am Euphrat bei der Fähre von Bumbudj an der Karawanenstrafse 
Aleppo-Bab-Serudj-Urfa. Dann hörte ich zu meiner gröfsten 
Überraschung weit im Nordosten, am Djullab-Flüfscheu am 23. 
IV. abends wiederholt ein Exemplar unter Nebelkrähen. Beide 
Male mufs es sich um Durchzügler handeln, da weit und breit 
keine Nistgelegenheit für sie war. 

In Palästina kommt sie überall vor, aber nicht zahlreich, 
hat jedoch zwei grofse Brutkolonien in Jerusalem (Tristram W. P.)- 
Schrader nennt sie „gemein" für Damascus. Danford traf sie 
erst nördlich von Kaisarieh bis zum Schwarzen Meer und zwar 
als Brutvogel. Am Euphrat fand weder er sie noch Tristram. 
Uartert nennt als Fundort auch Mesopotamien. 

5. Pastor roseus (L.). 

Leider lernte ich diesen so ersehnten Vogel nicht mehr 
kennen. Er kommt erst im Mai an und ist dann in Urfa sehr 
häufig in den Weingärten. Er wird dort allgemein Weinvogel 
genannt. Auch Krüper berichtet ja von dem Plündern der 
Weintrauben und auch Maulbeeren durch die Vögel. 

Tristram erzählt von einem gewaltigen Zuge am Orontes 
bei Kelat Seijar in Syrien am 26. Mai. Auch brütet der Vogel 
zuweilen in Palästina in Menge. Schrader schreibt merkwürdiger- 
weise, er habe schon bei seiner Ankunft in Beirut (15. April 79 
— das ist sehr früh — ) Rosenstare durch die Gärten ziehend 
gefunden. Doch ist das Datum sicher nicht genau zu nehmen. 
Danford traf sie in Schwärmen im inneren Kleinasien Mitte Mai. 
Von Ersirum wird der Rosenstar nicht aufgeführt. In Jonien 
fand sie Krüper auch erst vom 12. Mai an, wenngleich er die 
ersten übersehen zu haben glaubt. (Fortsetzung folgt.) 



298 



Beobachtungen und Aufzeichnungen während des Jahres 

1911. 

Von Dr. Erioli Hesse. 

Als weitere faunistische Beiträge zur Oruis des Berliner 
Gebietes seien nachstehende Angaben aus dem Jahr 1911 ver- 
zeichnet; ich werde mich nur auf verhältnismäfsig wenige 
Mitteilungen beschränken. Durch diesen dritten Bericht sollen 
die Aufzeichnungen aus obigem Gebiet eine gewisse Abrundung 
erfahren. 

Anordnung und Nomenklatur wie in den früheren Berichten. — 
An fast allen gröfseren Exkursionen nahm wiederum Herr 
K. Sekretär Stahlke teil. — 

1. Urinator arcticus L. Am 29. X. ein junger Vogel auf 
dem Nordende des Scharmützel-Sees in der Bucht bei Saarow; 
ab und zu nach Seetaucherart den Vorderkopf nur bis über die 
Augen ins Wasser versenkeod; neben den Haubentauchern, au 
denen er öfters ganz nahe vorbeischwamm, seine bedeutende 
Gröfse und der abweichende Habitus besonders augenfällig; später 
lebhaft zu tauchen beginnend und dabei jedesmal aufserordentlich 
grofse Strecken sehr schnell unter Wasser zurücklegend, so dafs 
er bald auf den See hinaus verschwand. 

2. Colynihus cristatus L. Brutkolonie an der Pfaueninsel: 
21. VH. im Parschenkessel nur wenige Alte (Sturm), an der ge- 
schützten Erdzunge 78 Alte, aber nur ca. 15 Junge in den ver- 
schiedensten Stadien, von etwa dreiviertelwüchsigen bis zu ganz 
kleineu, von den Alten noch auf dem Rücken getragen; 11. VHI. 
Parschenkessel 57 Alte, 29 Junge, Erdzunge 60 Alte, 38 Junge, 
letztere meist völlig erwachsen und nur ein kleiner Teil mitt- 
lerer Gröfse, an der Erdzunge aber auch noch ein 9 ^^it Jungen 
auf dem Rücken (!); 30. VHI. Parschenkessel nur einzelne 
wenige, Erdzunge 53 Alte, 81 Junge; 14. IX. Parschenkessel 
7 Alte, 9 Junge, Erdzunge 27 Alte, 103 Junge, unter letzteren 
noch einige wenige etwa dreiviertelwüchsige „flaumige". Die 
Kolonie war also beinahe doppelt so stark wie in den beiden 
Vorjahren (vgl. Ber. 09 u. 10); in der letzten Zeit schienen sich 
die Jungen der Familien aus dem Parschenkessel mit denen an 
der Erdzunge vereinigt zu haben. Bemerkenswert sind die ver- 
schiedenen verspäteten Brüten. (An dieser Erdzunge mit dem 
vorgelagerten Kälberwerder ist ein stiller Winkel von dem rings- 
herum wogenden Wasserverkehr abgeschnitten; in den sich weit- 
hinaus erstreckenden Seerosendecken lagern zur Brutzeit neben 
den Taucherscharen und den unvermeidlichen Bläfshühnern noch 
Stock-, Tafelenten und Gänsesäger, ab und zu streicht wohl auch 



BeobacbtuDgen unä Aufzeichnungen während des Jahres 1911, 299 

eine Ardetta vom nahen Rohr dicht überhin ; ein immerhin erfreuliches 
Bild inmitten der Kultur.) Ks ist dies zur Zeit die stärkste 
Taucherkolonie, wenigstens auf verhältnismäfsig so engen Raum 
zusammengedrängt; eine grofse ist auch auf dem Werbellin-See 
vertreten, in einer Bucht etwas nördl. vom Forsthaus Schorfheide; 
am 25. V. waren 73 Alte versammelt, die Nester aber schienen 
systematisch geplündert worden zu sein, alle in der Nähe des 
Ufers waren der Gelege beraubt, und zu jedem führte ein schmaler 
Gang durchs Rohr. Auf verschiedenen anderen grofsen Seen, 
soweit sie noch nicht vom Wassersport übermäfsig behelligt sind, 
finden sich zwar z. T. noch gröfsere Mengen von Tauchern, so 
auf dem grofsen Grimnitz-See, doch sind dann die Brutpaare 
entlang der Ufer mehr über den ganzen See zerstreut und nicht 
in solcher Weise zu Kolonien zusammengeschlossen. Kleinere 
Brutgesellschaften zu 15—20 St. bewohnen u. a. die Buchtungen 
der Havel gegenüber Werder. 

3. Colymhus grisegena Bodd. Auffälligerweise konnte in den 
vergangenen 3 Sommern übereinstimmend festgestellt werden, dafs 
der Rothalstaucher fast überall nur da auftrat, wo der Hauben- 
taucher fehlte. Brutplätze des ersteren sind z B.: Die Linumer 
Karpfenteiche (alljährlich ca. 30 Paare und mehr), Teiche und Lachen 
im Kremmener, Nauener und Golmer Luch sowie in den Brüchern 
nordöstl. von Paaren, die Entenfänger Teiche (Wildpark). Auf 
dem in das Kremmener Luch eingelagerten Kremmener See 
stofsen die Brutplätze beider Arten aneinander. Jedenfalls ist 
der Rotbaistaucher in unserm Gebiet ganz aufserordentlich viel 
seltener als der Haubentaucher, was ehedem auch schon Schalow 
in seinen Berichten hervorhebt; auf so manchem kleineren dichter 
verwachsenen See oder Teich und so manchem abgelegenen Zipfel 
grofser Wasserbecken, wo man ihn eigentlich hätte erwarten 
können, fehlte er, und auch das weit hörbare Brunstgeschrei, das 
ihn am Brutplatz bald verrät, auch wenn ihn üppiger Pflauzen- 
wuchs noch verdecken sollte, war nirgends sonst zu vernehmen. 
Er scheint auch gegen den Schiffereiverkehr viel empfindlicher 
zu sein als der Haubentaucher. 

4. Colymhus nigricans Scop. Weitere Brutplätze : Nauener 
Luch, Teiche am Bucher Wald (hier am 9. VHP noch mit Dunen- 
jungen; auch Balztriller;), Nicolas- und Melln-See. 

5. Larus canus L. Einzelne oder Trupps bis ca. 20 St. 
wiederum bis Ende April und von Anfang November an auf den 
gröfseren Gewässern; am 13. VHP auch einzelne unter ca. 
80 Lachmöwen auf dem Grimnitz-See (vgl. auch bei M-merganserh.). 

6. Larus ridihundus L. Zusammenrottungen zu Schwärmen 
von ca. 30 — 100 St. auf der Havel (Pfaueninsel, Werder, Phöben, 
Ketzin u. s. w.), ferner auf verschiedenen gröfseren Seen (vor 
allem Gr. Zern- und Grimnitz-See) schon von Ende Juli an ; 
die alten Vögel z. T. stark überwiegend. 



300 Erich Hesse: 

7. Sterna hirundo L. Auf dem Grofsen Plage-See stets mehrere 
Paare; am 9. VII. schwärmten ca. 16 St. durcheinauder. — Am 
15. VI. eine einzelne auf dem Wann-See. ~ Am 7. VII. auf der 
Havel von Phöben bis Ketzin allenthalben mit Trauerseeschwalben 
und Lachmöwen; es ruhten da auf Netzgestellen z. B. zusammen 
7 Sterna, 3 Hpdrochelidon, 3 Larus, ein Stück weiter 12 Sterna, 
5 Hydrochelidon, 6 Larus, dazwischen einzelne, u. s. f. 

8. Hydrochelidon nigra L. Erloschen waren wiederum die 
Kolonien im Nauener Luch und am Paretzer Kanal, stark zurück- 
gegangen diejenigen an den Neu-Töplitzer Teichen und im Golmer 
Luch, in der bisherigen Zahl der Brutpaare nur die im Linumer 
Luch geblieben; eine weitere etwa gleichstarke fand ich in den 
Lachen und Teichen nördl. von Ketzin (s. auch bei Sterna). 
Am 16. Vn. waren die Jungen in den Töplitz-Golmer Kolonien 
(s. 0.) teils schon flugbar, teils standen sie noch in den Nestern. 

9. Mergus merganser L. Wann-See — Havel — Pfaueninsel: 
25. IL 4 cT, 4 9; 2 cf, 4 9; 1 er, 3 9; 2 cT, 4 9; 2 cf, 2 9; 
dazwischen 5 einzelne Paare; 4. III. 8 cT, 10 9; 1 cf, 4 95 

4 9; 2 cT, 2 9; 4 einzelne Paare; 11. IIL 2 cT, 2 9; 1 cT, 2 9; 
2 cT, 1 9; 3 cf, 2 9; 2 cf, 2 9; 6 einzelne Paare; 18. III. 1 cf, 
2 9; 1 cf, 1 9; 7 einzelne Paare; 25. IIL 1 cT; 1 cT, 2 9; 1 cf ; 

5 einzelne Paare; 2. IV. 2 cf, 2 9; 5 einzelne Paare; 6. IV. 
1 cT; 1 Paar; 30. V. 1 9 mit 7 kleinen Dunenjungen; 12 9 (!) 
ohne Nachkommenschaft; 15. VI. 1 9 tnit nur einem halberwachse- 
nen Jungen, 1 9 niit 7 Jungen (die vorhererwähnte Familie); bis 
in den Herbst Zahl der Säger mit den herangewachsenen Jungen 
ungefähr konstant, dann wieder Vermehrung gegen den Winter: 
19. XL 3 cf, 1 9; 6 9; ca. 35 St., unruhig und lebhaft tauchend, 
Geschlechter etwa gleich; 1 Paar; 26. XL 5 cT, 7 9; 16 cT, 45 9 (!); 

I Paar; 25. XII. 6 cf, 8 9 ; 1 cT; 2 cf, 3 9; 2 cT, 2 9; 10 cT, 

II 9. — Sakrower See: 2. IV. 2 cf; 1 cf, 3 9; 2 cf, 2 9; 
1 Paar; 15. VI. 1 9 »lit 10 halberwachsenen Jungen. — Trotz 
des regen Verkehrs ist also der Gänsesäger auch jetzt noch in 
dem Havel-Seen-Gebiet südwestl. von Berlin in einzelnen Paaren 
alljährlicher Brutvogel. — Schwielow-See: 5. IIL 3 einzelne Paare; 
19. III. 3 cf, 2 9; 1 Paar; 26. XIL ca. 60 St., unruhig, etwa 
V3 cf und V, 9; 1 Paar. — Caputher See: 5. HL 2 cf, 1 9; 
19. IIL 1 Paar; 26. XIL 1 Paar. — Gr. Müggel-See: 8. I. (ver- 
eist): 1 Paar. —Werder: 19. IIL 1 Paar. - Werbellin-See: 25. 
V. 1 9 J^iit 8 halberwachsenen Jungen. — Dovin-See: 27. V. 
1 9- — Scharmützel-See: 10. XII. 2 cT, 10 9. — Sehr bemerkens- 
wert war gegenüber den erwähnten gröfseren Scharen auf dem 
Wann- und Schwielow-See das Verhalten der Sturmmöwen; über 
den oft in breiter Front fischenden Sägern schwärmten häufig 
Trupps dieser Möwen lebhaft durcheinander; sobald die Säger mit 
Fischen im Schnabel auftauchten, stürzten jene unter Gekreisch 
herab und versuchten ihnen, oft mit Erfolg, die Beute abzujagen 
und zu entreifsen. 



Beobachtungen und Aufzeichnungen während des Jahres 1911. 301 

10. Mergus albeUus L. Wann-See: 25. II. 1 Paar; 4. III. 

2 Paar. — Caputher See; 5. III. 2 -f- 1 Paar; 19. III. 2 9; 26. 
XII. 2 cT, 13 9 (bez. Junge); 1 9; 1 cT, 3 9- — Sakrower 
See: 2. IV. 1 Paar. — Scharmützel-See: 10. XII. 1 9. 

11. Oidemia fusca L. Wann-See 25. II. 1 cf. 

12. Oidemia nigra L. Havel bei Pfaueninsel 2. IV. 1 cf, 
eine merkwürdige Anhänglichkeit an ein einzelnes Gänsesäger- 
paar zeigend ; obwohl es von dem merganser-cS verschiedentlich 
weggebissen wurde, suchte es doch immer wieder Anschlufs an 
das Paar zu gewinnen. 

13. Nyroca fuligula L. Wann-See — Havel — Pfaueninsel: 
25. II. ca. 200; 4. HL ca. 100; 11. III. ca. 100; 18. III. ca. 40; in allen 
diesen Fällen Geschlechter etwa gleich: 25 III. 1 cf ; 2. IV. 2 cT, 

3 9; 5 cf, 1 9; dann wieder von Anfang November bis zum 
Jahresende in einer Gesamtzahl von ca. 400 St., sich öfters 
in kleinere Schwärme und Trupps auflösend ; Geschlechter an- 
nähernd gleich. — Schwielow-See: 5. HL 3 cf, 19; 19. HL 
ca. 180, in mehrere Schwärme und Trupps verteilt, etwas mehr 
cf ; 26. XIL ca. 400, Geschlechter ungefähr gleich. — Scharmützel- 
See: 29. X. ca. 100, etwa Vs cf, Vs 9; 10. XIL ca 30, sehr 
unruhig, Geschlechter etwa gleich. — Ferner noch auf den ver- 
schiedensten anderen Seen, z. B.: Caputher See: 19. HL 6 cf, 

4 9; 26. XIL 2 9; — Sakrower See: 2. IV. 7 cf, 4 9; 2 Paar; 
— Zeesener See: 9. IV. ca. 60, Geschlechter etwa gleich; 19 cf, 
9 9; 7. V. 5 d', 2 9; 3 Paare; — Todnitz-See: 9. IV. 3 cf, 
I9;4cf, 29; lief, 89; — Patzer Vorder-See: 9. IV. ca. 
70, etwas mehr cf, aufgelöst; — Parsteiner-See: 11. VL ca. 10 
Paare unter zahlreichen Tafelenten, also zur Brutzeit ; ■— Grim- 
nitz-See: 10. X. ca. 20 Paare; u. s. w. — Neben den Heerscharen 
der Stockente war die Reiherente in den vergangenen Wintern 
an Zahl die stattlichste, sie war die einzige Tauchente, die in 
Schwärmen von mehreren hundert Stücken die grofsen Seen be- 
völkerte; wenn eine solche Schar in einiger Ferne über dem 
Wasser kreist, so verschwimmt zumeist das Ganze auf dem dunklen 
Hintergrund des Föhrenhochwaldes der Uferhöhen und nur die 
weifsen Spiegel blitzen, während bei einer anderen Schwenkung 
plötzlich die weifsen Unterseiten aufleuchten, 

14. Nyroca ferina L. Caputher See: 5. u. 19. III. ca. 130, 
davon etwa ^/^ cf. — Vorkommen im Winter: 26. XIL 1 Paar 
auf ebengenanntem See; 10. XIL 2 cf, 1 9 mit 3 cf, 5 9 iV. 
fuligula L. zusammen auf dena. Scharmützel-See. 

15. Nyroca clangula L. Überall wieder nur einzeln oder in 
kleinen Trupps, z. B.: Schwielow-See: 19. HL 2 Paar; 26. XII. 
2 9; — Caputher See: 19. HL 2 + 1 cf; 26. XIL 1 cf; — 
Sakrower See: 2. IV. 2 d", 3 9; 3 9; 1 cf, 2 9; — Zeesener See: 
9. IV. 1 cf, 4 9; — Patzer Vorder-See: 9. IV. 3 cf , 1 9, lebhaft 
balzend; 3 Paar; — Wann-See: 26. XL 3 9; 25. XIL einzelne 
cf u. 9; ~ Scharmützel-See; 10. XII. 19; ca. 5 cf unter 



302 Erich Hesse: 

Reiherenten; — Glindow-See: 26. XII. 1 9; "• s. w. — Zur Brutzeit: 
24. — 28. V. auf dem Werbellin-, Grimnitz- und Dovin - See 
einzelne beiderlei Geschlechts oder kleine Trupps (z. B. 2 cf ; 
1 cf, 4 9; 1 cf, 5 9 etc.) ferner auch auf verschiedenen kleineren 
verwachsenen Lachen im Forst Grumsin einzelne 9» von Nach- 
kommenschaft aber nirgends etwas zu bemerken. 

16. SpatuJa clypeata L. Als Brutvogel vor allem wieder in 
den Luchgebieten vertreten; Brutplätze sind: Die tieferen Brücher 
des Havelländischen Luchs; die des Rhin-Luchs nebst den ein- 
gelagerten Seen; die Nuthe-Brücher mit dem Rangsdorfer See; 
das Golmer-Luch; das Schmergower und Phöbener Bruch; das 
Luchgebiet von Dyrotz- Priort mit dem Wublitz-See; die Brücher 
entlang des Sakrow-Paretzer Kanals; der Prierow- und der 
Meilen - See bei Zossen. Die cT machen sich immer wieder, 
namentlich wenn sie sich noch während der Brutzeit umherjagen, 
durch ihre tiefen „gock gock" bemerkbar. 

17. Anas penelope L. Naueuer Luch: 15. IV. 3 Paar; 17. 
IV. ca. 18 P. — Gr. Plage-See: 20. VIII. 1 9 bez. Junger. 

18. Anas acuta L. Nauener Luch: 12. III. ca. 20 Paare; 
26. III. ca. 10 P.; 15. IV. 1 cf, 2 9; 1 Paar. Eins schritt hier 
zur Brut, brachte aber nur 3 Junge hoch, die am 18. VI. flügge 
waren. (Die Ansammlungen zur Zugzeit genau an gleichem Ort 
wie im Vorjahr; s. Ber.) — 9. IV. Zeesener See: 1 Paar. 

19. Anser anser L. Gr. Plage-See: 11. VI. 1 Paar, auch 
langsam über den ganzen See hinschwimmend, aber ohne Nach- 
kommenschaft. — 25. VI. bei Paretz 12 St. unter Geschrei etwas 
planlos umherschweifend, allmählich aber nach SSW weiter- 
streichend, wohl eine irgendwo glücklich hochgekommene Familie. 
Interessant hierzu ist eine Bemerkung Schalows in seinem zweiten 
Beitrag (Journ. f. Orn. 1881 p. 297); „Bolle beobachtete 1879 
junge Vögel bei Paretz, welche sicherlich in der Nähe ausge- 
brütet worden waren." Ob indessen obige Familie wirklich in 
dem Paretzer Luchgebiet erbrütet wurde, bleibt natürlich ungewifs. 

20. Anser spec. Wildgänse, die in fast allen Fällen als 
Saatgänse. A. fabalis Lath., bestimmt werden konnten, im Winter 
wieder an den verschiedensten Stellen, z. B.: Havelländisches 
Luch: 22. I. ca. 100; 12. III. 3; — 19. bis 22. X. allenthalben 
kleine Trupps von 3—7; 17. XII. ebenso; 27. XII. desgleichen 
Schwärme von ca. 20—50; — Nuthe-Brücher: 29. I. ca. 50, ca. 
100, 20, ca. 125 (in dieser Herde auch ein weithin sichtbares 
und auffallendes abenant silbergrau gefärbtes Stück), 27, ca. 60, 
15; — Feldmarken Lichtenrade-Schönefeld-Selchow: 26. II. 21, 
12, 25, ca. 90, 4, 34, 15; — Dahlem: 15. u. 19. IL Trupps von 
3—8 streichend; — Gr. Müggel-See: 8. I. 23; — Melln-See: 
10. X. 2; — Rauensche Berge: 29. X. 10 streichend; — Ruhls- 
dorf: 12. XL ca. 90 ; — Trappenfelde: 22. XL 6; — u. s. w. 

21. Anser fabalis arvensis Brehm. Havelland. Luch 17. 
XII. eine einzelne, isoliert von den Saatgänsen. 



Beobachtungen und Aufzeichnungen während des Jahres 1911. 303 

22. üi/gnus cygnus L. Flatower Luch: 12. III. 4 Alte, 1 
Junger; 26. III. an genau gleicher Stelle 6 Alte, 1 Junger, unter 
diesen also wohl die vorigen, dann ev. Aufenthalt mindestens 14 
Tage. — Schwielow-See: 19. III. ein einzelner, sich von den 
zahlreichen Höckerschwanpaaren getrennt haltend ; 26. XII. eben- 
falls ein einzelner, diesmal aber mit einem Höckerschwanpaar 
eng vereint am Ufer, mit diesem Paar nur ca. 150 m auf den 
See hinaus entweichend, unentschlossen zum Abfliegen, wohl nur 
durch das ruhige Verweilen der halbzahmen Höckerschwäne zum 
Ablegen der sonstigen grofsen Scheu veranlafst. — ZeesenerSee: 
9. IV. 8 Junge. 

23. Charadrius dubius Scop. 7. V. Patzer Vorder-See ein 
einzelner. — In jener Sandgrube bei Alt-Töplitz, wie in den 
beiden Vorjahren, am 16. VII. ein einzelner. — 30. VII. an 
einem der Linumer Karpfenteiche 1 Paar. 

24. Tringa alpina L. 19.— 22. X. an den Linumer Karpfen- 
teichen ca. 25 St., einzeln und in verschiedenen Trupps; am 
22. X. 19 St. auf einer Schlammbank vereinigt, .Brustschild 
teils noch vorhanden, teils schon verschwunden; an bestimmter 
Stelle ein einzelner regelraäfsig mit einem Kampfläufer-9 zu- 
sammenhaltend. 

25. Tringoides hypoleucos L. 3 VI. 1 St. an der Havel 
nördl. von Pritzerbe. — 11. VIII. abends an der Pfaueninsel 
mehrfach rufend. 

26. Totanus pugnax L. U.V. Prierow-See 1 cf mit schwarzem 
Kragen, 2 9- — 19- V. Hecht-See (südwestl. v. Zossen) 1 9« — 
Linumer Karpfenteiche: 22. IX. 1 cf (sehr grofs); 22. X. 1 9. 
mit Alpenstrandläufer (s. o.). 

27. Totanus toianus L. Wie in den Vorjahren in den 
Seggenbrüchern aller Luchgebiete und an fast allen Seen, soweit 
sie Fenne und versumpfte Ufer besitzen, zahlreicher Brutvogel, 
er ist auch hier die häufigste Totanusart, nächst der allverbreiteten 
Bekassine an besagten Stellen die gemeinste der kleinereu 
Scolopaciden. Er setzt sich auch öfters, namentlich in der Erregung, 
auf etwa vorhandene erhöhte Gegenstände seines Nistrevieres, 
auf Pfähle, Geländer, selbst auf hohen Steinhaufen zerfallener 
Hütten fufsten einige. 

28. Totanus fuscus L. 19. — 22. X. an den Linumer Karpfen- 
teichen im ganzen ca. 10 St., Junge, einzeln oder in Trupps 
herumstreichend und die Tümpel der abgelassenen Teiche ab- 
fischend; auch noch abends bei völliger Dunkelheit unter ihren 
lauten pfeifenden „tjüit" oder „tjübit" umhereileud. Übrigens 
ein sehr später Termin, vielleicht Folge des enorm heifsen Som- 
mers. (Über das entenartige Gründein dieser Art vgl. meine 
Angaben Journ. f. Orn. 09 p. 8.) 

29. Totanus ochropus L. 9. VIII. Teiche am Bucher 
Wald 2 St. 



304 Erich Hesse: 

30. Totamis glaredla L. 11. V. Prierow-See eiuer mit 
Kampfläufern (s. o.) zusammen. — 14. V. Bruch nordöstl. Paaren 
ca. 6. — 16. VII. einer im Fenn des Kl. Zern-See. 

31. Limosa limosa L. An den verschiedenen namhaft ge- 
machten Brutplätzen der Luche wieder in etwa gleicher Stärke 
vertreten; am 15. IV. im Nauener Luch 15 zusammen auf eiuer 
Schlammbank stehend, jenseits mehrere Paare balzend. Als 
weitere Nistorte kommen hinzu: Im Havelland. Luch die Brücher 
zwischen „grofsem" und „kleinem" Graben, unweit Schäferhorst, 
mit ca. 12 — 15 Paaren; dies ist bisher der stärkst besetzte Brut- 
platz, dringt man hier ein, so erheben die Limosen und die 
mitnistenden Brachvögel (vgl. dazu Journ. f. Orn. 1911 p. 
370) natürlich schon einen ganz erheblichen Lärm; am 5. VI. 
liefen bereits halberwachsene Junge herum; — im Rbin-Luch 
das Kreramener Luch mit ca. 3—4 Paaren; — in den Nulhe- 
Brüchern das Gebiet westl. Jühnsdorf mit ca. 3 Paaren. — Aus 
den Beobachtungen der vergangenen drei Sommer geht somit 
hervor, dafs die Pfuhlschnepfen zur Zeit an verschiedenen Stellen 
der drei gröfsten Luche, des Havelland, und Rhin-Luchs sowie 
der Nuthe-Brücher, z. T. in recht stattlicher Anzahl, brüten, 
wobei indessen einzelne der engeren Nistorte von Jahr zu Jahr 
wechseln können. 

32. Scolopax rusticola L. Ende Mai allabendlich im Forst 
Grumsin wieder mehrere cf balzend. 

33. Otis tarda L. Zusammenrottungen im Winter: Havel- 
land. Luch: 12. HI. 25, z. T. balzend; 26. IIL 3, 6, 2; 
15. IV. 2, 8; — 2. IX. 5, 16; 21. IX. 8; 20. X. 19, 6; 21. X. 
20; 17. XII. 52, 96, letzteres die gröfste bisher au einer Stelle 
beobachtete Herde; 27. XIL 52, (vgl. 17. XII.!) 28, 17, 3, 2, 4, 
33. — Ehin-Luch: 20. IX. 36; 19 X. 7; 22. X. 60. — Feld- 
marken Buckow-Schönefeld: 26. IL 13, 6, 2, 31; 1. X. 10. — 
Feldmarken Teltow-Grofsbeeren: 29. I. 13, 5; 12. IL 37, 1. — 
Feldmarken Höhnow-Trappenfelde; 31. XII. 3, 6. — Kleine Trupps 
wie in letzterem Fall noch au vielen anderen Stellen, auch noch 
zur Brutzeit, z. B. bei Veiten, Vehlefanz, Pausin, Satzkorn, Paretz, 
Phöben, in den Nuthe-Brüchern, u. s. w. Die Rieselfelder scheinen 
ihnen weniger zu behagen. — Die Feststellungen der letzten "Winter 
haben mithin ergeben, dafs sich gewissermafsen vier grofse Sammel- 
zentren unterscheiden lassen, nämlich das Havelländische und 
das Rhin-Luch sowie die Feldmarken von Bukow-Schönefeld und 
Teltow-Grofsbeeren; die gröfsten an einer Stelle getroffenen 
Herden in der Reihenfolge genannter Gebiete zählten: 96 (17. 
XIL 11); 60 (22. X. 11); 56 (7. XL 09); 37 (12. H. 11). Be- 
merkenswerterweise entsprechen diese Zahlen auch der verschiede- 
nen Gröfse der Gebiete; diese letzteren würden sich, nach ihrem 
Flächeninhalt geordnet, in derselben Folge aneinanderreihen. 
Schon die Addition dieser Mindestwerte ergibt eine beträcht- 



Beobachtungen und Aufzeichnungen während des Jahres 1911. 305 

liehe Summe, und vergleicht man die weiteren Aufzeichnungen, 
so folgt, dafs jedenfalls der Bestand der Trappen allein in der 
weiteren Umgegend Berlins zur Zeit mehrere Hundert beträgt. — 
Bei strenger Kälte ist ihr Gefieder zuweilen z.T. gefroren; beim 
Auffliegen hört man dann öfters recht deutlich das Auseinander- 
platzen der grofsen Federn. 

34. Grus grus L. Im Frühjahr: 12. III. westl. Kuhhorst, 
Havelland. Luch, 10, auch tanzend; 26. III. ebendort 9, 15; 28. III. 
mittags wahrscheinlich ein sehr grofser Zug nordostwärts über 
Dahlem ziehend, nur die fortgesetzten Rufe zu hören, die Vögel 
wegen des diesigen Wetters unsichtbar. — Höchstzahl der Trupps 
zur Brutzeit bez. im Sommer: 12 am 18. VI. im Havelland. Luch; 
15 am 6. VI. im Rhin-Luch; 20 am 5. Vü. im Luchgebiet bei 
Priort (hier am 21. V. u. a. ein oberseits ganz aufserordentlich 
„rostiges" Exemplar). — Zwei weitere Brutplätze, die in der 
Abhandlung von Baer, „Die Brutplätze des Kranichs in Deutschland", 
nicht aufgeführt sind, können wiederum namhaft gemacht werden: 
Das Phöbener Bruch und das Luchgebiet nordöstl. von Paretz 
mit je einem Paar. In letzterem Luch spielte sich am 14. V. 
ein Vorgang ab, der zu den schönsten feldornithologischen Beob- 
achtungen zählt, die ich jemals habe machen können : Nichts 
störte zunächst das vielgestaltige Leben des Bruches, über das 
die Sonne des Maimorgens ausgebreitet lag; plötzlich schrieen 
zwei Brachvögel, die über einer bestimmten Stelle in höchster 
Aufregung durcheinanderflogen und auch niederzustofsen versuchten, 
unaufhörlich ihre gellenden „kiwiwi", dem Stimmenkenner als 
ihre Angstrufe wohllaekannt, ein Rehbock schreckte unweit, mehrere 
Fischreiher erhoben sich kreischend, und auf jenes Warnungs- 
geschrei hin kam unverzüglich der eine Kranich, der auf nahem 
Felde weidete, herangestrichen, flog schliefslich nach besagter 
Stelle, um sofort, ebenfalls sichtlich erregt, den Kampf gegen 
ein Etwas, das zunächst noch im hohen Ried verborgen blieb, 
aufzunehmen, es unter Ansprüngen mit kräftig ausgeteilten Schnabel- 
hieben und Flügelschlägen vor sich hertreibend und verjagend; 
nach und nach gerieten die Kämpfenden auf höher gelegenes 
Gelände, und hier entpuppte sich nunmehr das Angegriffene als 
ein — Fuchs, der, noch eine Strecke vom Kranich rennend ver- 
folgt, schleunigst das Weite suchte. Noch so manche andere 
schöne Beobachtung liefse sich da übrigens angeben, wenn z. B. 
die Alten noch nicht flügge Junge führen und diese dann bei 
Annäherung zu verbergen suchen, und dergl. mehr, doch würde 
dies hier viel zu weit führen ; es gewährt jedenfalls stets von 
neuem einen wahren Naturgen ufs, die klugen Vögel in ihren 
Nistrevieren zu belauschen. — Der bereits im Vorjahr mehrmals 
besuchte Brutplatz am Melln-See bei Joachimsthal bedarf einiger 
Erörterungen. Baer gibt in seiner Abhandlung (Ornith. Monatsschr. 
1907 p. 233) für Brutplatz Nr. 265, „Der versumpfte „Meilen-See", 



306 Erich Hesse: 

5 km NNO. von Joachimsthal''^) unter „Näheres" folgenden Ver- 
merk: „Stets in einer grofsen Anzahl von Paaren, bis auf 50 an- 
gegeben." Hier liegt nun offenbar seitens der damaligen Gewährs- 
leute Baers eine Verwechslung von Zug- und Brutzeit vor. Das 
in Frage kommende Gebiet hat nur etwa 1 km im Durchmesser, 
der bogenförmig sich hinziehende See selbst an seinen breitesten 
Stellen nur ungefähr Y2 ^^^ 5 ^r ist zwar sehr stark mit Rohr 
durchsetzt, enthält aber noch überall offene Wasserflächen, auf 
denen sich u.a. sogar Bläfshühner und Zwergtaucher (s. 0.) tummeln ; 
GS würde somit nur ein verhältnismäfsig sehr kleiner Bereich der 
Uferzone für eine so aufserordentlich grofse Zahl von Kranichbrut- 
paaren vorhanden sein. Schon im vorigen Sommer konnten am 21. u. 
22. V. sowie 30. u. 31. VII. stets nur höchstens zwei oder drei 
Paare, zuletzt auch mit Jungen, festgestellt werden. In diesem 
Sommer habe ich wieder vom 24. — 28. V., am 1. u. 3. VII. sowie am 
13. VIII. dieses Gebiet besucht, habe an mehreren Tagen von 
frühmorgens ununterbrochen bis zum Eintritt völliger Dunkelheit 
am See geweilt, habe mich fast einen vollen Tag an dem auf 
der Höhe führenden Kommunikationsweg Glambeck- Schmelze 
(Parlow), von dem aus man das ganze Gelände zu seinen Füfsen 
liegen hat und übersehen kann, wohlgedeckt angesetzt, bin an 
der Ostseite des Sees, wo der Laubhochwald, am Rande z. T. 
in Erlenbruch übergehend, direkt herantritt, auf einem schmalen, 
eigentlich nur nach sehr trockenen Sommern erst gegen den 
Herbst ohne Gefahr zu passierenden Pfad um das ganze teilweise 
schwimmende Ufer herumgegangen, bin hier auch auf Bäume 
gestiegen, um noch besseren Umblick zu gewinnen, aber immer und 
immer wieder ausnahmslos dasselbe Resultat: Im südöstlichen Ge- 
bietsteil nur zwei oder drei Paare, im übrigen stets negative Be- 
funde. Trompetete eins von jenen, so antworteten immer auch nur 
die wenigen anderen; nirgends sonst sah man einen Kranich auf- 
oder anfliegen oder auf den Bruchwiesen äsen; nicht ein einziges 
Mal waren gröfsere Trupps anzutreffen. Und nun stelle man sich 
einmal vor: P'.twa 50 Paare würden etwa 100 alte Vögel ergeben; 
nehmen wir einmal an, dafs jedes Paar nur ein Junges grofszöge, 
so würden wir also mit dem Heranwachsen der letzteren min- 
destens ca. 150 Kraniche erhalten; man stelle sich weiter das 
ganz beschränkte Gebiet vor, es müfste ja geradezu wimmeln 
von weidenden Kranichen auf den Wiesen ringsherum und auf 
den jenseits sich anschliefsenden Feldern; bedenkt man ferner, 
dafs man sich von den verschiedensten Seiten völlig gedeckt im 
Wald heranschleichen kann, sodafs einen die Kraniche gegebenen 
Falles gar nicht bemerken können, — und wie oft konnten auf 
diese Weise gerade die wenigen vorhandenen Stücke immer 
wieder in ihren ganz bestimmten Revieren bestens beobachtet 



1) Der See heilst übrigens „MoUnsee", der Mollensee liegt südl. 
von Zossen (vgl. Journ. f. Orn. 1911 p. 369). 



BeobachtuDgen und Aufzeicbnungen während des Jahres 1911. 807 

werden ! — dafs man, wie erwähnt, das Gelände, das vollkommen 
vom Verkehr abgeschlossen ist, wo man nur selten einmal einen 
Menschen trifft, wo also die Kraniche ganz und gar ungestört 
sind, von erhöhtem Standpunkt überschauen kann, — stellt man 
dem allem die gewonnenen Befunde gegenüber, so ist noch mehr 
zu sagen wohl überflüssig. Die Angabe von den „50 Paaren" 
hat auch Eckstein ohne weiteres in den von ihm bearbeiteten 
I. Bd. der „Landeskunde der Provinz Brandenburg" (p, 315, 316) 
übernommen. — Von den Kranichen am Gr. Plage-See war am 
10. u. 11. VI. sowie am 9. VII. nichts zu bemerken ; doch fand ich am 
Morgen des letzteren Tages an einer freieren Stelle des dicht ver- 
wachsenen Fenns, das sonst keinerlei Überblick gewährt, mehrere 
Federn, die noch nicht einmal der Tau genetzt hatte und die also erst 
kurz zuvor abgeworfen waren. — Auch in der z. T. ebenfalls 
sehr stark verwachsenen Pritzerber Laake war am 3, u. 4. VI. 
nichts von Kranichen zu spüren, sie sollen hier schon seit einigen 
Jahren verschwunden sein. Baer (1. c. p. 273) gibt an: „Stets 
mehrere, meist 6 Paare", dazu aber als Anmerkung: „Nach dem 
genannten Gewährsmann haben die Kraniche der Pritzerber Laake 
von Eiersammlern sehr zu leiden. — R. von Nathusius auf Meyen- 
dorf bei Seehausen sah daselbst vor einigen Jahren im Mai 
einen Flug von 26—29 Kranichen." — Im Herbst: Rhin-Luch: 
30. VIII. 2, 3 (2 Alte, 1 Junger), 1, 4, 9, 3 (2 A., 1 J.), 2, 1 
(mit etwas hängendem Bein); 20. IX. 11 (nur A.); 21. IX. 19, 4 
(2 A., 2 J.), 3 (2 A., 1 J.), 38; 22. IX. 8, 3 (2. A., 1 J.), 8 (nur 
A.), 12, 15 (13 A., 2 J.l), ca. 40; 23. IX. 18 (15. A., 3. J.!); 24. 
IX. 13. Auffällig ist die starke Minderheit der Jungen, soweit 
sich das Zahlenverhältnis genau feststellen liels; ihr Piepen ist 
übrigens noch aus ca. 100 m Höhe und mehr deutlich vernehm- 
bar. Hauptsammelpunkte sind gewisse Partien des Kremmener, 
Flatower und Linumer Luchs. — 10. X. Joachimsthal 41 hoch 
nach SW. — Kranichstudien kann man also, wie schon oben 
angedeutet, in unserm Gebiet noch ausgiebig betreiben. 

35. Rallus aquaticus L. und 36. Ortygometra porsana L. 
Übereinstimmend in fast allen Fennen der Seen und Teiche sowie 
in den Brüchern der Luche Brutvögel, in ersteren mehr die Ralle, 
in letzteren mehr das Tüpfelsumpfhuhn überwiegend. In gewissen 
dieser Brücher (Caricetum) ist Ortygometra von erstaunlicher 
Häufigkeit, was sich so recht erst abends und in der Nacht offen- 
bart; wenn es dunkelt, beginnen einzelne zu rufen, mehr und 
mehr fallen ein, bis schliefslich das vielstimmige „cuid" oder 
„cuäd" (bald mehr einsilbig, bald mehr zweisilbig in die Höhe 
gezogen) stellenweise alles andere übertönt. Die Hauptbalzzeit 
ist die letzte April- und die erste Maihälfte, man hört die Vögel 
aber auch in den späteren Monaten noch oft ; vereinzelt rufen sie 
auch am Tage; dies tat z. B. ein St., das sich kaum 10 ra vor 
mir zwischen den Seggenkufen herumtrieb und ab und zu von 
einer Ralle heftig bekämpft und verjagt wurde, am 6. VI. im 



308 Erich Hesse: 

Linumei' Luch mittugs gegen 2 h bei jener enormen Hitze über 
eine Viertelstunde lang; bei jedem Ruf wird mit dem Kopf eine 
nickende Bewegung ausgeführt. Besonders Rallen hört man auch 
noch bis tief in den Herbst hinein grunzen und quieken. 

37. Fulica atra L. Wie in den Vorjahren auf gewissen 
gröfseren Seen (Wann-, Schwielow-, Gr. Müggel-See u. s. w.) zu 
mehreren Hundert überwinternd, auf kleineren Wasserbecken 
allenthalben einzelne oder kleinere Trupps; bei strengerer Kälte 
dann die wenigen noch offenen Stellen in schwarzem Gewimmel 
mit dem anderen hier zusammengedrängten ausdauernden Wasser- 
geflügel besetzt haltend. 

38. Ciconia ciconia L. ^Yeitere besetzte Horste in Rohrbeck, 
(hier am 14. V. 12 St. auf den umliegenden Wiesen), Hoppen- 
rade, Blankenburg, Choriochen, Brodowin, Nahmitz, Döberitz 
a. d. Havel, Schmelze (Parlow); auch der bekannte Horst auf dem 
Hungerturm in Bernau war natürlich alljährlich besetzt. Trotz der 
vielfach stattgehabten Entwässerungen und kulturellen Verände- 
rungen noch, wie die dreijährigen Notizen ergeben, in zahlreichen 
Ortschaften des Berliner Gebietes Brutvogel. 30. VÜI. ab und 
zu im Rhin-Luch einzelne nach SO ziehend. 

39. Botaurtis stellaris L. Aufser in den früher genannten 
Bezirken zur Brutzeit auch noch an der Wublitz bei Ütz und 
am Gr. Plage-See gehört. Am Kremmener See brüllten bereits 
am 12. III. einzelne; ihre alljährliche grofse Häufigkeit in diesen 
weiten Rohrbrüchern des Rhin-Luchs bleibt ein sehr bemerkens- 
wertes faunistisches Vorkommnis, (vgl. besond. vor. Ber.). 

40. Ärdetta minuta L. Wie in den zwei vorigen Sommern 
häufiger Brutvogel der Rohrwälder der Havel; am 7. VII. noch 
einzeln bei Ketzin brummend. Am 25. V. auch am Grimnitz- 
See rufend. 

41. Columha oenas L. Noch am 22. XI. eine einzelne in 
Kieferwäldchen nordöstl. von Höhnow. 

42. Turtiir turtiir L. Regelmäfsig auch in einigen kleinen 
bruchigen Erlenbeständen brütend, z. B. bei Jühnsdorf, am Werns- 
dorfer und Melln-See. — 

Alle drei Wildtauben auch in dem kleinen Eichholz westl. 
Ütz Brutvögel. — 

43. Tetrao tetrix L. Gröfsere Trupps im Havelland. Luch 
am 26. HI. 22 9; 22. IX. 12 cf, U 9; 17. XII. 33 cf; 27. XII. 
23, 20, 25 cf ; — im Rhin-Luch am 22. X. 10 cT, 15 9; — in 
den Nuthe-ßrüchern am 29. I. 22 cT. — Ein vor mehreren 
Hennen aufserordentlich lebhaft balzender Hahn am 12. III. in 
erstgenanntem Gebiet schaltete ohne Ausnahme zwischen die 
einzelnen Kollertouren etwa 5 schnelle „djuck" ein, auf diese 
Weise eine lange lückenlose „Balzarie" vortragend. Kollern im 
Herbst: 17. IX. von Yi^ ^ an vereinzelt in den Nuthe-Brüchern. 

44. Archihuteo lagopus Brunn. Noch bis zum 15. IV. ein- 
zelne im Havelland. Luch; die ersten im Herbst am 19. X. bei 



BeobacbtuDgen und ÄufzeicbnuDgen während des Jahres 1911. 309 

Veiten und im Rhin-Luch. — Auf den weiten Flächen der Luche 
sind Eauhfufsbussarde allwinterlich eine ganz gewöhnliche Er- 
scheinung; nicht selten kann man 4 — 6 an verschiedenen Stellen 
zugleich beobachten. Ihre Stimme, die man nicht oft hört, 
klingt etwas dünner und vibriert auch gewöhnlich noch mehr 
als beim Mäusebussard. 

45. Aquila pomarina Brehm. In dem schon öfters erwähnten 
Gebiet des Melln-See waren in diesem Sommer stets mehrere 
Schreiadler, die erfreulicherweise noch in den herrlichen urwüchsi- 
gen Waldbeständen des Forst Grumsin horsten, auf ihren Jagd- 
streifzügen ausgezeichnet zu beobachten. Zogen sie über dem 
Gelände ihre Kreise und gesellten sich dann die mehrfach in der 
Nähe nistenden Bussarde hinzu, so trat, abgesehen von der be- 
deutenderen Gröfse, die schöne „Adlersilhouette" von pomarina, 
also die zur Längsachse des Körpers rechtwinklig gehaltenen 
langen Flügel, die gespreizten Handschwingen etwas gesenkt, be- 
sonders auffällig hervor; ein leider jetzt schon sehr seltener Anblick, 
mehrere Schreiadler und Bussarde zugleich kreisen zu sehen. Vor 
dem Niederstofsen, das mit heruntergestreckten Läufen und Fängen 
zu geschehen pflegt, rüttelten auch die Adler häufig; einer erbeutete 
einmal eine Schlange, der Länge und Dünne nach eine Ringel- 
natter, die er während des P'luges nach und nach stückweise aus 
den Fängen, aus denen sie lang herabhing, frafs. Auch der 
Schreiadler führt jene bogenförmigen Flugspiele aus, wie ich sie 
nun schon für eine ganze Reihe von Tagraubvögeln kurz beschrieben 
habe; betreffs der Flügelhaltung verweise ich wieder auf die 
kleinen früher von mir gezeichneten Figuren im Journ. f. Orn. 
1907 p. 120 u. 1911 p. 376; der Schreiadler legt bei der ab- 
steigenden Kurve seine grofsen Fittiche meist besonders stark 
nach unten zurück. Bei gewisser Beleuchtung stechen die 
helleren Flügeldecken ganz erheblich lebhaft von den dunkleren 
Schwingen ab. Einzelne „kjüp" oder kleinere Reihen von „kjü . . ." 
liefsen die Vögel wiederholt vernehmen. — Leider sind auch hier 
schon von Eiersammlern Gelege geplündert worden. — 20. VIII. 
Gr. Plage-See ein Paar streichend; der eine Vogel mehrmals von 
Bussard belästigt, aber in keiner Weise darauf reagierend. 

46. Fernis apivorus L. Brutreviere : Forsten Brieselang, 
Chorin, Grumsin und Grünaue (Pritzerber Laake). — Noch am 
23. IX. 1 St. bei Linum nach SO überhin. 

47. Milvus milvus L. Brutvogel in der Schorfheide. — 
9. VII. 1 Paar am Gr. Plage-See. 

48. Milvus Tcorschun Gm. Brutreviere: Dubrow, Schorfheide, 
Forst Grünaue (Pritzerber Lake). — Je ein einzelner am 20. IV. 
an der Pfaueninsel und am 15. VI. am Sakrower See. ^) 



1) Über die Weiben (Circus) und Sumpfobreule wird demnächst 
ein gesonderter Aufsatz in den Ornith. Monatsber. erscheinen, 

Jo«D. f. Orn. LX. Jahrg. April 1912. 21 



310 Erich Hesse: 

49. Drijocopus martius L. Dafs der Schvvarzspecht durch- 
aus nicht mehr überall der „scheue Einsiedler" ist, als der er 
mit Vorliebe hingestellt wird, kann man in belebteren Forsten 
gar oft beobachten; im Grunewald, z. B. in der Ncähe der Bade- 
anstalten am Wann-See, trieben sich wiederholt einzelne herum, 
die, von Baum zu Baum fliegend und diese bearbeitend, sich durch 
die direkt an den betreffenden Bäumen vorbeigehenden zahlreichen 
Leute nicht im mindesten stören liefsen (vgl. auch Journ. t. Orn. 
1910 p. 508); bei seiner zunehmenden Häufigkeit weifs er sich 
sehr wohl gegebenenen Falls den veränderten Verhältnissen an- 
zupassen. Am 15. X. rief in der Jungfernheide ein cf, das eben- 
falls bis unmittelbar an seine Kiefer ankommen liefs, noch leb- 
haft Balztouren. — Im übrigen Brutvogel in allen gröfsereu 
Forsten ; auf dem Strich auch öfters in ganz kleinen Gehölzen. 

50. Dendrocopus maior L. In den Rade-Bergen (Dubrow) 
vollzog sich am 9. IV. auf horizontalem Ast einer alten Kiefer 
ein Begattuugsakt; das cf beflog das 9i glitt aber alsbald an 
dessen linker Seite herab, so dafs die eigentliche Begattung im 
Nebeneinandersitzen erfolgte; während derselben legte das cT 
seinen rechten Flügel fächerartig ausgebreitet über den Rücken 
des 9 und stiefs mehrere gedämpfte „knäk . . ." aus, 

51. Picus viridis L. An gleichem Ort und Tag trommelte 
ein Grünspecht-cf an einer alten Eiche; es safs ziemlich weit 
oben am Grunde eines grofsen Astes; die auserkorene Stelle 
lag etwas links von ihm, so dafs es beim Trommeln jedesmal den 
Kopf links nach der Seite biegen mufste; zwischen dem Trommeln 
liefs es ab und zu seine Balzrufe ertönen. Der ganze Vorgang 
spielte sich also im wesentlichen genau so ab, wie ich es von 
einem früheren Fall augeführt habe (vgl. Journ. f. Orn. 1909 
p. 349, 350). Jener Grünspecht in den Rade-Bergen trommelte 
während ca. IV2 Stunden 31 mal, und als wir das Gelände ver- 
liefsen, balzte er immer noch weiter, i) — 

An dieser schon früher erwähnten Lichtung des alten Eichen- 
hains, wo auch die verlassenen Fischadlerhorste stehen, balzten 
übrigens an genanntem Frühlingstage: Schwarzspecht, grofser, 
mittlerer und kleiner Buntspecht, Grünspecht; Gelegenheit zu 
ausgiebigen Vergleichen. 

Über das Trommeln weiblicher Spechte vgl. Journ. f. 
Orn. 1908 p. 51 u. 1909 p. 349. - 

1) Hartert schreibt in seinen Vögeln der paläarktischen Fauna, 
Hft. VII (Bd. II, 1), Beriin 1912, p. 891: „Er trommelt aufserordentlich 
selten — falls nicht überhaupt ein BeobachtuDgsfehler vorliegt", und 
dazu als Anmerkung: „Verschiedene Beobachter berichten über gelegent- 
liches Trommeln von Grünspechten. Ich selbst habe es niemals gehört, 
ebensowenig die Mehrzahl der Beobachter." Demnach fühlt sich Hartert noch 
sehr unsicher im Ansprechen der heimischen Spechte in der freien Natur, 
da er Anderen „Beobachtungsfehler" in dieser Hinsicht zutraut. 



I 



Beobachtungen und Aufzeichnungen während des Jahres 1911. 311 

52. Alcedo ispida L. Ralinsdorf 8. I. 1 ; — Flaken-See und 
Woltersdorfer Schleuse 8. I. ca. 5; — Machnower Schleuse 12. 

11. 1 Paar sich jagend; — Wann-See 11. III. u. 19. XI. je 1; — 
Pfaueninsel 2. IV,, 30. V. (Futter tragend) u. 21. VII. je 1; — 
Sakrower See 2 IV. u. 15. VI. je 1 ; — Werbellin-See 25. V. 1, 
Futter^tragend; — Amts See. Chorin, 11. VI. 1; — Dovin-See: 
3. VII. 1; — Wublitz 16. VII. 1; — Karpfenteiche Linum 21. IX. 
1 ; — Scharmützel-See 29. X. 1 ; — Lache in der Heide Kl. Beeren 

12. XI. 1; — Teiche von Höhnow 22. XI. 2. — Auch in der 
weiteren Umgegend Berlins kann man somit noch allenthalben 
Eisvögel sehen. 

53. Coracias garruhis L. Ausgesucht die beiden alten 
Kiefern im Grunewald, in denen in den Vorjahren je ein Blau- 
rakenpaar brütete, waren gefällt worden. Das Paar im nordwestl. 
Revier hatte ca. y, km weiter südl. eine Schwarzspechthöhle 
ca. 14 m hoch in Kiefer angenommen: am 12. VII. schienen die 
Alten vornehmlich die gerade um diese Zeit zahlreich schwärmenden 
Bockkäfer Spondylus buprestoides L. den Jungen zu füttern; die 
quer im Schnabel getragenen Käferleiber vermochten sie, namentlich 
wenn sie vor dem Einfliegen ihre erregten „käck käck" ausstiefsen, 
oft kaum festzuhalten und versuchten sie dann immer wieder 
durch komische Schluckbewegungen in die rechte Lage zu bringen. 
Von dem Paar im östl. Grunewald war nichts zu bemerken. — 
In der Schorf beide brütete u. a. ein Paar ganz oben in der 
ausgefaulten Höhlung eines grofsen Seitenastes einer in die Kiefern 
eingesprengten Linde. ~ Noch immer Biutvogel in den gröfseren 
Forsten. 

54. üpupa epopa L. Bereits am 9. IV. rief einer, und zwar 
fast stets V i e rteilig, lebhaft in Erlenbruch am Todnitz-See. — 
Brutplätze sind: Der Grunewald; Forst Wildpark; Gehölze bei 
Leest und Töplitz; die Jühnsdorfer Heide; Gehölze bei Daben- 
dorf; ebensolche südl. von Königswusterhausen; Rade-Berge 
(Dubrow); Eisbruch, nördl. Berkenbrück; Seelensdorfer Heide, 
nördl. Pritzerbe; Schorfheide. — Zur Zugzeit (April, August) an 
den verschiedensten Stellen, auch zu mehreren, beobachtet. 

55. Apus apus L. In der Schorfheide auch in mitten im 
Kiefernwald aufgehängten Nistkästen brütend. 

bQ.Muscicapa parva Bebst. In den schönen Buchenbeständen 
des Forst Grumsin an den verschiedensten Stellen Brutvogel. 
Die besten Sänger brachten ihre Strophe etwa in folgender 
Weise: „zit . . . hi^gch^ . das ganze also 

■ * ■ ^^ • • • • tu . . . .", 
vierteilig und jede Tour tiefer liegend, die zweisilbigen Rufe meist 
5—6 mal, die einsilbigen 6—12 mal nacheinander. Aber nicht 
nur die verschiedenen (f sangen ganz verschieden, sondern auch 
individuelle Variationen waren häufig zu konstatieren, bald wurde 
die eine bald die andere Tour ausgelassen, bald mehr bald 

21* 



312 Erich Hesse: 

weniger Töne aneinandergereiht, die Intervalle der einzelnen 
Touren bald mehr bald weniger abweichend, u. s. w. In den 
Pausen während des Herumhuschens, gewöhnlich oben in den 
Baumkronen, in deren Halbdunkel man die kleinen unruhigen 
rotbrüstigen Vögel oft nur mit Mühe schärfer aufs Korn nehmen 
kann, erklangen vereinzelt weiche „hühd"-Rufe. Noch bis 
Anfang Juni singen manche cT recht lebhaft. (Vgl. im übrigen 
auch Voigt, Exkursionsbuch, 5. Aufl., p. 168, 169.) 

57. Lantus excubitor L. 12. II. einer von der Spitze eines 
Ahorn des Kommunikationsweges Teltow- Grofsbeeren singend; Kufe 

wie „kürrr^'^'^" (ähnlich dem des Krickerpels), „tjüp", „rüllüll", 
„kirrr" „garrr" schwatzend aneinanderreihend, bald mehr ein 1, 
bald mein- ein r durchklingen lassend, die einzelnen Rufe oft 
repetierend. Wetter trüb und kühl. — 18. VI. auf den Falken- 
hagener Wiesen 2 Alte mit 3 kaum erst flüggen Jungen, in 
den Gebüschen, einzelnen etwas kümmernden Horsten von Salix 
caprea, Rhamnus, Sorbus, Viburnum, Sambucus und Betula, herum- 
streichend. Bedrängte man die Jungen hart, so riefen sie klägliche 

„grä^ ^'' sonst rauhere „rrräh" oder „dschrrräh"; die Alten 
schackerten wütend. — Im Winter, wie alljährlich, vielfach durch 
die einspiegelige Form ersetzt; besonders wieder in den Luchen 
vertreten. 

58. Lanius minor Gm. In einer alten Ahornallee südl. 
Wustermark brüteten 3 Paare. Die Nester standen verschieden 
hoch in den dichten Kronen. Am 21. V. war das eine Paar sehr 
eifrig mit dem Nestbau beschäftigt und trug vor allem auch Triebe 
aromatischer Kräuter (Artemisia, Gnaphalium etc.) von den nahen 
Sandhängen ein, wie dies schon oft beobachtet ist. Am 5. VII. 

führte das eine Paar bereits flügge Junge, die bettelnde „grä "^" 
(s. 0.) aus ihren gelben Rachen schrieen, während die Alten unter 
erregtem „tschäkäkä . . ." umherstrichen und Futter holten ; der 
eine Vogel des andern Paares safs noch fest auf dem Nest, während 
dasjenige des dritten Paares, dessen erstes Nest zerstört war und 
das nun einen Nachbarahorn angenommen hatte, wegen der dichten 
Belaubung des letzteren unsichtbar war. Am 25. VII. waren auch 
die anderen Jungen flügge, eins safs noch auf dem Nestrand. 
Von Rufen der Alten vernahm man sonst noch gedehnte und 
heruntergezogene, „quäh", genau wie vom Neuntöter, ebenfalls 

„grrä ' zeternde „tä . . . ." oder intimere, „grä . . . .", ferner 
leise elsterähnlich schwätzende Strophen. Sie safsen mit Vorliebe 
auf den Telegraphendrähten. Die Strecke, innerhalb der die 
Nester standen, war nur 0,9 km lang; 3 Brutpaare auf ein ver- 
hältnismäfsig so kleines Stück ist ziemlich viel! 

59. Nucifraga caryocatactes, vermutlich macrorhyncha ßrehm. 
24. IX. ein einzelner in Alleebäumen unweit Kuhhorst im Havel- 
land. Luch, öfters von Krähe verfolgt; wohl ohne Zweifel ein 



Beobachtungen und Aufzeichnungen während des Jahres 1911. 313 

Exemplar der dünnschnäbligen Form, von der diesjährigeu Invasion. i) 
Aufser diesem einen Stück konnte sonst nicht ein einziges wieder 
bemerkt werden. 

60. Fringilla montifringilla L. Noch am 16. IV. einzelne 
unter ca. 50 Buchfinken im Havelland. Luch; die ersten im Herbst 
am 10. X. im Forst Grumsin. 

61. Äcanthis flavirostris L. Am 17 und 27. XII. Schwärm 
von ca. 25 St, in Birken bei Domäne Kienberg, Havelland. Luch; 
beim Herumklettern und Ausklauben der Birkenkätzchen auch 
die rosenroten Bürzel der cT gut sichtbar. Ab und zu plaudernde 
„tschui" und ,,tschuä", im Umherstreichen schnelle „gä . . .". 

62. Äcanthis linaria L. Die letzten, ein einzelner und Schwärm 
von ca. 20, im Winter am 22. I. im Brieselang; dann wieder am 
10. XII. am Scharmützel-See Schwärm von ca. 30 sowie einzelne 
mit Erlenzeisigen zusammen in P>rlen. 

63. Pyrrhula. Einzelne oder kleine Trupps an den ver- 
schiedensten Stellen bis Ende März und wieder von Anfang 
Oktober an. Vorherrschend die grofse Form. 

64. Loxia curvirostra L. 2. VII. Schorfheide einzelne und 
kleine Trupps herumstreichend; ein einzelnes rotes cf, das 
eifrigst Kiefernzapfen entsamte, rief ab und zu, während die 
Samenschuppen zur Erde herabrieselten, ein hastiges „rige . ." 

— 20. X. einzelne im Havelland. Luch streichend. 

65. Motacilla hoarula L. Hoch oben unter dem Dachgesims 
der Klosterkirche zu Lehnin hatte ein Paar in dem umgebogenen 
Winkel einer Dachrinne ein Nest gebaut; am 23. VII. wurden 
Junge darin gefüttert. Höchst bemerkenswert ist der haushohe 
Stand des Nestes und die relativ grofse Entfernung vom Wasser. 

— In den grofsen Schleusenanlagen von Kl. Machnow brütete 
sowohl weifse wie Gebirgsbachstelze. 

66. Certhia. Zur Brutzeit die verschiedenen Sangesweisen 
wieder in vielen Gebieten, mehrfach an einem Tag in ein und 
demselben, festgestellt. — Aus diesen dreijährigen Aufzeichnungen 
geht somit hervor, dafs auch in der weiteren Umgegend Berlins 
beide Baumläuferformen, familiaris typ. und hrachydacUjla 
Brehm, z, T. nebe neinander, vorkommen. 

67. Aegithalus. Im Winter wieder öfters schwarzbrauige 
mit rein weifsköpfigen gemischt oder auch gesondert streichend. 
Erstere sollen bekanntlich nicht mehr auf roseus Blyth. sondern 
auf europaeus Herm. bezogen werden. — Schalow führt in seinem 
„revidierten Verzeichnifs der in der Mark Brandenburg beobachteten 
Vögel" (Vierter Beitrag, Journ. f. Orn. 1890, p. 38—42) beide 
Formen noch nicht gesondert an. 

68. Äcrocephalus palustris Bebst. In den Luchen alljährlich 
der seltenste aller Rohrsänger, nur zerstreut in Gebüschen an der 
Peripherie angetroffen. Vereinzelt auch in Feldern (Roggen, Gemenge 
aus Hafer, Gerste, Raps, Erbsen), z. B. bei Zossen, Hoppenrade. 

1) Vgl. Ornith. Monatsber. 1911 p. 185. 



314 Erich Hesse: Beobachtungen und Aufzeichnungen 1911. 

69. Äcrocephalus aquaticus Gm. Häufiger Brutvogel auch 
in den Seggenbrüchern nördl. von Pritzerbe, die also schon nicht 
mehr zum eigentlichen Havelland. Luch gehören; desgleichen in 
den Brüchern nördl. von Ketzin, die sich, durch die Havel ge- 
trennt, den Schmergower und Phöbener Brüchern nordwärts 
anschliefsen. Diese weiteren Brutplätze sind demnach einigen 
der früher genannten — vgl. Journ. f. Orn. 1911 p. 381, 382-- 
eng benachbart. 

70. Locustella naevia Bodd. Vom Schwirl, der auch überall 
mit dem ebengenannten Binsenrohrsänger die Brutgebiete teilt, 
sangen zur Brutzeit sogar mehrere in einer nassen Wiese unterhalb 
des Bahnhofs Zossen, nur ein kleines Stück von den Häusern und 
der belebten Strafse entfernt. 

71. Turdus musicus L. Von Singdrosseln, die fremde 
Vogelstimmen nachahmen, habe ich wiederholt berichtet; im Forst 
Grumsiu, am Melln-See, flocht eine ab und zu, aber regelmäfsig, 
täuschend das „pickperwick" der Wachtel in den Gesang ein. 



Vergleicht man meine dreijährigen Aufzeichnungen in fau- 
nistischer Hinsicht mit den vier Beiträgen Schalows, so ergeben 
sich vielfach interessante Übereinstimmungen und Parallelen, 
andererseits aber auch mancherlei Verschiebungen, Änderungen 
und Neuerungen. Diese Verhältnisse etwas näher zu beleuchten 
würde einer späteren zusammenfassenden Arbeit über die Ornis 
der Mark Brandenburg vorbehalten bleiben. In das soeben er- 
wähnte Verzeichnis Schalows würden Änser fabalis arvensis Brehm, 
Certhia familiaris hrachydactyla Brehm und Aegithaliis caudatus 
europaeus Herm. als dort noch nicht angeführte märkische Vogel- 
formen aufzunehmen sein. 



Dentsehe Ornithologische Gesellsehaft. 
Bericht über die Dezembersitzung 1911. 

Verhandelt Berlin, Montag den 4. Dezember, abends 8 Uhr, 
im Architektenvereinshause Wilhelmstrafse 92. 

Anwesend die Herren: Rörig, Reichenow, v. Tres- 
kow, Schuster, Jung, K. Neunzig, Steinmetz, 
Hesse, Deditius, Kracht, 0. Neumann, Haase, 
H e i n r t h. 

Als Gäste: Herr D e t m e r s und Frau H e i n r o t h. 

Vorsitzender: Herr Reichenow. 

Schriftführer: Herr H e i n r o t h. 

Der Vorsitzende begrüfst Herrn Forstassessor Schuster, 
der vor Kurzem erst aus Ostafrika zurückgekehrt ist, und legt 



Bericht über die Dezember-Sitzung 1911. 315 

ebenso wie die Herren H e i n r o t h und N e u m a n n die ein- 
gegangenen Bücher und Zeitschriften vor. Ferner macht er auf 
eine in „Wild und Hund" veröffentlichte Bemerkung aufmerksam, 
wonach südlich von Petersburg tagelang ein sehr starker Tannen- 
heherzug, der sich anscheinend auf viele tausende von Stücken 
belief, beobachtet worden ist. Die Wanderung dieser Vögel nach 
Westen soll darauf zurückzuführen sein, dafs in Sibirien die 
Zirbelnüsse mifsraten sind. Herr Reichenow legt dann aus 
den Sammlungen des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg eine 
Reihe neuer und seltener Vögel vor, so ein Perlhuhn von Ubaugi, 
das der Ftilorhi/ncha- Gruppe angehört, aber nach Art von Nuniida 
meleagris einen bläulich violetten Kropf hat; Caprinmlgus sharpei 
aus Süd Kamerun ; einen eigentümlichen grauköpfigen Poeocephalus 
ähnlich dem F. crassus von Sharpe; Cinnyris decorsei; Cisiicola 
ferruginea. Barbatula chrysocoma, die im Westen beheimatet ist, 
wird im Sudan durch eine Form vertreten, die in der Mitte 
zwischen dieser Form und Barbatula centralis aus Mittelafrika 
steht. Herr N e u m a n n macht einige Bemerkungen zu dem 
vorgelegten neuen Poeocephalus, insbesondere betont er, dafs P. 
flavifrons aus dem Hochgebirge von Abessinien schon in der 
Jugend bereits einen gelben Kopf hat. 

Herr H e i n r o t h berichtet das Ergebnis des letzten Brief- 
taubenwettfluges Berlin-Rotterdam. Aus Holland werden dem 
Berliner Zoologischen Garten in jedem Sommer eine gröfsere 
Zahl Brieftauben übersandt mit der Bitte, sie an einem bestimmten 
Tage früh um 4 Uhr, falls das Wetter klar und nicht zu windig 
ist, aufzulassen. Im Juli d. J. flogen 60 Tauben, von denen die 
erste in Rotterdam um 3 Uhr nachmittags, 5 weitere im Laufe 
des späteren Nachmittags eintrafen. Am folgenden Tage erschienen 
6, am dritten keine, am vierten eine, am fünften 3, und im Laufe 
der nächsten Wochen waren im ganzen 25 Tauben angekommen. 
Dieses Ergebnis entspricht durchaus den Erfolgen der vorher- 
gehenden Jahre : es kommen also nur ganz wenige Tauben auf 
dem geraden Wege nach Hause. Etwa fünfsechstel der Tauben 
irren tage- und wochenlang umher, und die meisten finden ihre 
Heimat überhaupt nicht wieder. Mit dem vielgerühmten Ortsinu 
der Brieftaube ist es also nicht weit her. Bei den so häufig 
angestellten Betrachtungen darüber werden nach Heinroths An- 
sicht die Verluste an Tauben viel zu wenig berücksichtigt. Man 
kann demnach sehr wohl annehmen, dafs die Tiere überhaupt 
keinen Richtungsinn haben, sondern sich nach ganz verschiedenen 
Richtungen zerstreuen. Eine oder die andere Taube wird dabei 
natürlich zufällig auf dem geraden Wege nach Hause geraten, 
einige andere kommen wenigstens in die Nähe und in ihnen 
bekannte Gegenden, aus denen sie sich dann nach Erinnerungs- 
bildern zurückfinden. Der gröfste Teil aber gerät auf ganz falsche 
Bahn. Die entsprechenden Versuche mit Insekten haben etwa 
dieselben Ergebnisse geliefert. Leider war nicht bekannt, in 



316 Bericht über die Dezember-Sitzung 1911. 

wie weit diese Tauben schon auf diese, 600 km betragene Strecke 
Rotterdam-Berlin eingeflogen waren. Herr Reich enow bemerkt 
hierzu, dafs er bei einem grofsen Brieftaubenauf lafs bemerkt habe, 
dafs die Tiere erst in geschlossenem Schwärm hoch auffliegen, 
um dann gemeinsam eine bestimmte Richtung einzuschlagen. Herr 
Heinroth erwiedert, dafs dies in dem von ihm berichteten Falle 
ebenso zugegangen sei. Wahrscheinlich fliegen sie in ihrer ersten 
Erregung zunächst dem energischsten Vogel nach und verteilen 
sich erst später. 

Herr Heinroth erstattet hierauf Bericht über die während 
des verflossenen Jahres dem Berliner Zoologischen Garten zu- 
gegangenen Neueinführungen und Seltenheiten auf ornithologischem 
Gebiete. Nach sehr langer Zeit ist zum ersten Male wieder der 
Kahnschnabel, Cancroma cochlearia in 2 schönen Stücken ein- 
getroffen, ebenso die Sonnenralle Eurypyga helias. An diesem 
sehr schutzgefärbten Vogel, der sich vor allen Dingen als ge- 
wandter Fliegenfänger erweist, konnte eine merkwürdige Bewegungs- 
weise wahrgenommen werden. Ungemein vorsichtig beschleicht 
er die sitzende Fliege und macht, auf Halslänge in ihrer Nähe 
angelangt, gleichmäfsige, langsame, seitlich schaukelnde Be- 
wegungen mit seinem Hinterteil, wobei aber Brust und Kopf ganz 
ruhig bleiben. Plötzlich fährt der zurückgelegte Hals vor, und 
das Insekt wird mit gröfster Sicherheit ergriffen. Die Aufmerk- 
samkeit des Beutetieres wird offenbar auf das sich bewegende 
Hinterende des Vogels hingelenkt, und während es dieses beob- 
achtet, wird es ergriffen. 

Von Herrn Grote wurde dem Garten aus Mikindani in 
Deutsch-Ostafrika Guitera harhata, Pternistes melanogaster und 
Turacus hyhridus mitgebracht, aus dem Naryn-Gebiet, Ost Tur- 
kestan, kam Columba ewersmanni. Ferner wurde ein Paar Dunkle 
Goldfasanen, Chrysolophus ohscurus beschafft und von diesem auch 
Nachzucht erzielt. Das Dunenkleid dieser Vögel ist ganz über- 
raschend gefärbt: die Pulli sind einfarbig braunschwarz mit einem 
scharf abgesetzten weifsen Kropf- und Kehlschild, sie ähneln also 
in keiner Weise den jungen gewöhnlichen Goldfasanen und unter- 
scheiden sich von diesen viel mehr, als es bei den ausgefärbten 
Vögeln dieser beiden Arten der Fall ist. Dies ist um so bemerkens- 
werter, als es das gerade Gegenteil des sonst doch ziemlich all- 
gemein gültigen Satzes ist, dafs die Jugendformen verschiedener 
Arten sich ähnlicher sind, als die vollkommen ausgebildeten Tiere. 
Von Raubvögeln traf der Cap-Adler, Aquila verreauxi, in zwei 
prachtvollen Stücken ein, von Eulen ist Buho dharonii zu er- 
wähnen, sowie B. coromandus, ein recht kleiner Uhu, der durch 
die riesigen, seitlich abstehenden Federohren und den sehr 
grofsen gelben Schnabel und die gelben Fänge auffällt. Zu dem 
schon länger im Garten befindlichen prächtigen Lapplandskauz 
Scotiaptex lapponica, ist noch ein zweites Stück hinzu gekommen. 
Sollten sich die beiden als ein Paar erweisen, so ist vielleicht 



Bericht über die Dezember-Sitzung 1911. 317 

auf Nachzucht zu hoffen; hat diese Art doch im Stockholmer 
Zoologischeu Garten in diesem Jahre mit Erfolg gebrütet. Das 
Junge ging im Alter von einigen Wochen, anscheinend durch einen 
Unfall, zu Grunde. 

Zu einer weiblichen Sperbereule, Surnia nisoria, die in diesem 
Frühling hier gelegt hatte, konnte vor kurzem ein anscheinend 
männliches Stück beschafft werden. Leider mufste man die Tiere 
sofort trennen, da das alte Weibchen über den Neuling herfiel. 
Dieselbe Eule hatte in diesem Herbst ihren im selben Käfig be- 
findlichen Artgenossen eines Nachts getötet. Von sonstigen Neu- 
eingängen ist ein grüner Arassari Aulacorhamphus sulcatus^ zwei 
prächtige Bartvögel Lybius torquatus und Trachyphonus levaillanti, 
ein äufserst zahmer Zebraspecht, Melanerpes aurifrons, ein Rot- 
hornvogel, Cranorhinus cassidix, zu erwähnen, und zu den schon 
länger hier befindlichen Paradiesvögeln Faradisea apoda, F. minor 
und Cicinnurus regius ist noch Farotia sefilata hinzugekommen. 
Aus Südafrika kam der eigenartige Schweifwürger, ürolestes melano- 
leucus, ferner Fiscits collaris und die ihm in Färbung und Be- 
wegungskreise ungemein ähnliche Bradyornis silens, sodann 
Crateropus bicolor und die winzige Lerche Spizocorys conirostis, 
auch ein Sekretär, Serpeniarius, hat sich prächtig eingelebt und 
sein anfänglich stark bestofsenes Gefieder schön vermausert. Von 
seltenen Asiaten seien Orcicola ferrea und Garrulus bispecularis 
erwähnt, letzterer bildet ein schönes Gegenstück zu der bereits 
1910 eingetroffenen Lalociita lidthi. Buarremon hrunneimicha, 
Ridgwayia pinicola und Toxostoma cinereiim wurden erworben, 
und aufser Turdus swainsonii und niustelinus hielt auch T. mel- 
pomcne ihren Einzug, sodafs zur Zeit also die drei kleinsten Drossel- 
arten vereinigt werden konnten. Von Mischlingen wurde aus 
Amsterdam ein prächtiger Hahn beschafft, der eine Vereinigung 
von Gallus varius mit Haushuhn darstellt^ Man beabsichtigt, 
diesen Vogel im nächsten Jahre mit Hybriden von Sonnerats- 
und Haushuhn zu kreuzen; die Angabe, dafs die Mischlinge von 
Sonnerats- und Haushuhn unfruchtbar sein sollen, hat sich im 
Berliner Garten seit Jahren als irrig erwiesen. Von einem weib- 
lichen Mischling zwischen Daßla acuta und Chatilelasmus streperus 
wurden mit einer männlichen Metopiana peposaha Nachkommen er- 
zeugt. Zwei junge Möwen, deren Vater Larus fuscus und deren 
Mutter L. leucopterus ist, sind prächtig herangewachsen. Natürlich 
sehen sie vorläufig aus wie alle anderen jungen Möwen auch, und erst 
nach 3 Jahren wird man über ihre Farbenmischung ins Klare 
kommen können. Die freifliegenden Braut- und Mandarinenten 
haben sich auch in diesem Jahre stark vermehrt. Eine diesjährige, 
beringte Brautente ist Mitte November bei Dieuze, etwas west- 
lich von Strafsburg, erlegt worden. Bereits im vorigen Winter 
sind angeblich 2 Brautenten bei Genf beobachtet worden, sie und 
die Ente von Dieuze sprechen dafür, das Lampronessa bei uns 
dazu neigt, im Herbst eine südwestliche Richtung einzuschlagen. 



818 Bericht über die Dezember-Sitzung 1911. 

Auffallend ist dabei, dafs sie nicht einfach einem Flufslauf gefolgt 
ist, sondern mehrere Flufsgebiete überquert hat. An dem Meinungs- 
austausch beteiligen sich die Herreu Reichenow und Det- 
mers. Herr Neumann macht auf einen durch verschiedene 
Zeitungen gegangenen Bericht der Schweizerischen Naturschutz- 
kommission aufmerksam. Es handelt sich um vier Steinadler, 
die vollkommenen Schutz geniefsen und von einem kantonalen 
Waldhüter beobachtet werden, den Bewohnern des Steinadler- 
gebietes wird der durch die Vögel angerichtete Schaden vergütet, 
er betrug aber im verflossenen Jahre nicht mehr als 113 Francs! 
Man glaubt die Erfahrung gemacht zu haben, dafs man Lämmer 
durch Anlegen grofser, roter Halsbänder vor den Adlern schützen 
könne. O. Heinroth. 

Bericht über die Februar-Sitzung 1912. 

Verhandelt Berlin, Montag, den 5. Februar, Abends 8 Uhr 
im Architekten-Vereiushause Wilhelmstr. 92, 

Anwesend die Herren Deditius, Reichenow, v. Treskow, 
Krause, 0. Neu mann, Schiller, Graf v. Zedlitzund 
Trützschler, Steinmetz, Kracht, Jung, K. Neunzig, 
Hesse, v. Versen, v. Lucanus, Haase und Heinroth. 

Als Gäste: die Herren P. Spatz, C. Wache, und Frau 
H e i n r t h. 

Vorsitzender: Herr Reichenow. 

Schriftführer: Herr H e i n r o t h. 

Im Anschlufs an die Verlesung des Berichtes der Januar- 
sitzung weist Herr Reichenow hinsichtlich des Vortrages 
des Herrn P o 1 1 , wo hervorgehoben wird, dafs bei Störungen 
in den Keimdrüsen wohl weibliche Vögel häufig männliche 
Geschlechtscharaktere anlegen, aber nie das Umgekehrte der 
Fall sei, auf eine Notiz Pykrafts im „Bull. of. Brit. Ornith. Club" 
hin, in der berichtet wird, dafs eine Anzahl männlicher Jagd- 
fasane und Birkhähne ein weibliches Gefieder bekommen haben. 

Nach Besprechung der eingegangenen Bücher und Zeitschriften 
durch den Vorsitzenden legt Herr H e i n r o t h einen Brief von 
Herrn Georg Krause in Wittenberge vor, worin dieser 
schreibt, dafs bei ihm die Rauchschwalben im verflossenen Jahre 
häufig Nester aus Halmen ohne Zusatz von Lehm auf Dachbalken 
errichtet haben. Die Tiere waren zu dieser Bauweise gezwungen, 
weil infolge des sehr trockenen Sommers kein für sie geeigneter 
Lehm zur Verfügung stand. 

Herr Reichenow berichtet über ein neues Vogelschutz- 
gesetz für Deutsch-Ost-Afrika: Reiher, Kraniche und andere 
werden darin unter den Jagdschutz gestellt, Sekretär, Hornrabe 
u. a. werden vollkommen geschont. 

Herr Hesse legt die Bälge einer Anzahl verschiedener 
Grauspechte von sehr weit auseinander liegenden Fundorten 



Bericht über die Februar-Sitzung 1911. 319 

vor. Es finden sich schwarznackige und graunackige, sowie auch 
Übergänge zwischen diesen beiden Färbungsweisen. Näheres 
darüber wird er demnächt veröffentlichen. 

Herr Neumann macht darauf aufmerksam, dafs ähnliche 
Färbungen, wie sie der besprochene Altai-Grauspecht in der 
lebhaft gelben ünterschnabelwurzel besitze, bisweilen auch ver- 
einzelt an anderen Orten auftreten. Er erinnert an das Verhalten 
der Schnabelfärbung bei Indicator, der im Alter stets weifs- 
schnäbelig ist, nur in Angola haben alle, auch alte Stücke einen 
schwarzen Schnabel. 

Herr R e i c h e n o w stellt die Frage, ob die Grünfärbung 
der Grauspechte von Westen nach Osten abnähme, Herr Hesse 
bestätigt dies für die paläarktischen Formen. 

Herr Heini'oth hat eine Anzahl in ausgebreiteter Stellung 
getrockneter Vogelflügel mitgebracht und nimmt Gelegenheit, an 
diesen den sogenannten Aquintocubitalismus zu besprechen, indem 
er ausführlicher über die 1899 erschienene Arbeit von Pycraft 
berichtet. An manchen Flügeln kann man die Zugehörigkeit der 
ersten fünf Armschwingendeckfedern zu den vier ersten Arm- 
schwingen an der Färbung (Gänsesägerweibchen) oder an der 
Gröfse (z. B. Änser hrachyrhynchus) ohne weiteres erkennen. 
Herr R e i c h e n o w gibt seiner Verwunderung darüber Ausdruck, 
dafs der Aquintocubitalismus als das fortgeschrittenere Stadium 
im Gegensatz zum Quintocubitalismus bezeichnet wird, da der 
erstere doch gerade bei den im allgemeinen als weniger hoch 
entwickelt geltenden Vögeln vorkommt Herr H e i n r o t h 
erwidert, dafs embryologisch der Aquintocubitalismus aus dem 
Quintocubitalismus hervorgehe. 

Herr Reichen ow berichtet dann über die Schnabelfärbung 
von Anas sparsa. Die Stücke aus Süd-Afrika haben alle einen 
schwarzen Schnabel mit nur ganz wenig Gelb an der Wurzel, 
während die Vögel aus Ost- und Nordost-Afrika einen gelben 
Schnabel mit schwarzem Fleck auf der Firste aufweisen. Diese 
beiden Formen sind demnach zu trennen, der ostafrikanischeu 
gebührt der Name A. leucostigma Rüppell. Ferner hat er den 
Balg einer Dendrocygna guitulata mitgebracht und zeigt, dafs 
hier die erste Handschwinge einen merkwürdigen Ausschnitt an 
der Innenfahne erkennen läfst, der wahrscheinlich ebenso wie bei 
D. arcuata als Schallorgan aufzufassen ist. Aufserdem legt er 
eine Anzahl Vögel von Fernando-Po und Kamerun vor, die sich 
nach diesen beiden Fundorten unterscheiden. 

Zu dem in den letzten Monatsberichten erschienenen 
H e i nr t h'schen Aufsatz über das Baden der Vögel bemerkt 
Herr Reichenow, das er kürzlich Stare bei einem Schneebade 
gesehen habe, und Herr N e u m a n n fügt hinzu, dafs der 
Straufs häufig im Salzwasser bade, H e u g 1 i n hat im Roten 
Meere dasselbe beobachtet. O. Heinrotli. 



320 

Neue Arten aus dem Üelle-Oebiet in Mittel- Afrika. 

Von Reiolienow. 

Herr Dr. S c h u b o t z , der Begleiter des Herzogs Friedrich 
zu Mecklenburg auf dessen im vergangenen Jahr nach iMittel- 
Afrika ausgeführten Expedition, hat, wie bekannt, vom französischen 
Sudan aus die Reise ostwärts fortgesetzt uud das mittlere Afrika 
durchquert. Er ist den Uelle, den Ncbenflufs des Ubangi, in 
dessen ganzer Ausdehnung entlang gezogen und hat bei Gondokoro 
den Weifsen Nil erreicht. Die jetzt vorliegenden Sammlungen 
aus dem Gebiet des Uelle enthalten viele wertvollen Ergebnisse, 
von denen ein paar vorläufige Mitteilungen hier gegeben werden. 

Guttera pluniifera schubot^i Rchw. n. sp. 

Ein bei Koloka am Uelle gesammeltes Haubenperlhuhn 
weicht von der typischen Form der G. plumifera aus Kamerun, 
Gabun und Loango durch einen gelben Ring um den hinteren 
Teil des nackten Halses dicht vor Beginn der Befiederung und 
durch einen länglichen gelben Fleck quer über die untere Wange 
vor der Ohröffnung ab. Auch scheint der Schnabellappen etwas 
kleiner zu sein. 

Francolinus lathatni schuhot^i Rchw. n. sp. 

Eine Abart des Francolinus lafhami a,us dem westafrikanischeh 
Küstengebiet, gesammelt in Angu am Uelle. Sie gleicht jenem 
im allgemeinen, aber die ganze Unterseite ist bis zum Steifs 
schwarz mit rundlichen oder herzförmigen weifsen Flecken, 
während bei F. lathami die weifsen Flecke nach dem Bauch zu 
in breite Querbinden übergehen. Der Steifs ist schwarz und 
weifs quergebändert, bei F. lathami dagegen weifs oder bräunlich- 
weifs mit einzelnen schwarzen Querbinden oder Flecken. Ebenso 
sind die Unterschwanzdecken schwarz mit weifsen Flecken oder 
Binden, während bei F. lathami die weifse oder bräunlichweifse 
Färbung überwiegt. Die Schenkel sind tiefschwarz mit weifsen 
Flecken, bei typischen F. lathami hingegen dunkelbraun mit 
hellen Flecken. Das Grau auf den Kopfseiten ist heller als bei 
der typischen Form, unten und hinten reinweifs. Die Schwingen 
haben nicht den weifsen Aufsensaum, der bei F. lathami an der 
Wurzel der Aufsenfahne der 2. bis 5. oder 6. Schwinge vorhanden ist. 

Vinago calva uellensis Rchw. n. sp. 

Diese Form von Jakoma und Koloka am Uelle steht der 
Form V. c. sharpei von der Goldküste und Togo am nächsten 
und unterscheidet sich von dieser durch etwas helleren Ton der 
Gesamtfärbung. Sowohl das Grün der Oberseite wie das Grau 
des Nackenbandes und des Schwanzes ist heller. 



Neue Arten aus dem Uelle-Gebiet in Mittel-Afrika. 321 

Floceus anochlorus Rchw. n. sp. 

9 von Jakoma am Uelle. Gleicht im allgemeinen dem 9 
von F. nigricollis Westafrikas, hat schwarzen Oberkopf und 
schwarzen Augenstrich, aber Nacken, Rücken und Bürzel sind 
nicht braun, sondern olivengrün, etwas düsterer als bei F. hrachy- 
pterus, auf dem Bürzel reiner grün. Jüngere Vögel von F. nigri- 
collis sind grüner auf der Oberseite als alte, aber stets überwiegt 
die braune Färbung. 

Cinnyris chloropyglns uellensis Rchw. n. sp. 

Diese Abart von Koloka, Angu und Amadi am Uelle steht 
der C. eh. orphogaster Rchw. am nächsten, unterscheidet sich von 
dieser aber durch etwas längeren Schnabel und gelblicheren, ins 
Messinggelbe ziehenden grünen Glanz von Oberseite und Kehle. 

Alethe uellensis Rchw. u. sp. 

Oberkopf und Kopfseiten dunkelbraun, ein weifsgrauer Strich 
oberhalb des Zügels und Auges bis etwas hinter das Auge, Zügel 
schwarz, Nacken rostolivenbraun auf dem Rücken in Rotbraun 
übergehend, Bürzel und Oberschwanzdecken rotbraun, Kehle weifs, 
übrige Unterseite blafsbraun, Mitte des Unterkörpers, Unter- 
schwanz- und Unterflügeldecken weifs, Flügeldecken olivenrost- 
braun, Schwanzfedern schwarzbraun mit rostbraunem Aufsensaum, 
Lauf getrocknet blafsbraun, Zehen blafsgelblich. L. etwa 180, 
Fl. 85, Schw. 60, Sehn. 16, L. 28 mm. 

Angu am Uelle. 

Diese Art steht der A. Mkuyuensis am nächsten, ist aber 
etwas kleiner und an den braunen, nicht grauen, Oberkopf und 
Kopfseiten und nicht auf die Schläfen fortgesetzten grauen Augen- 
brauenstreif zu unterscheiden. 

Alethe 2>olioparea Rchw. n. sp. 

Oberkopf dunkelbraun, Nacken und Rücken olivenbraun, ins 
Rostbraune ziehend, Bürzel und Oberschwanzdecken lebhafter 
olivenrostbraun, Flügel wie der Rücken, Augenbrauenstrich und 
Wange grau, Kehle und Mitte des Unterkörpes weifs, übrige 
Unterseite, Unterflügel- und Unterschwanzdecken olivenbraun, 
Schwanzfedern schwarzbraun mit rostbraunem Aufsensaum. L. 
etwa 150, Fl. 67, Schw. 54, Sehn. 14, L. 24 mm. 

Angu am Uelle. 

Diese Art steht der Ä. moniana Rchw. am nächsten, unter- 
scheidet sich aber durch den dunkelbraunen Oberkopf, der wesent- 
lich dunkler als der Rücken ist, die grauen Wangen und oliven- 
braune, nicht rahmfarbene Unterschwanzdecken. 



322 

Dem Herausgelber zugesandte Schriften. 

Aquila. XVIII. Jahrg. Budapest 1911. 

Club van Nederlandsche Vogelkundigen. Jaar- 
bericht No. 1. Deventer 1911. Ä. E. Kluwer. 

Internationaler Frauenbund für Vogelschutz. 
(Deutsche Abt.) Jahrbuch f. d. Jahre 1909/1 1. VI. bis 
VIII. Jg. Im Auftr. d. Vorst. herausg. v. Dr. Heufs. 
Berlin-Charlottenburg 1912. 

Verhandlungen der Ornitholog. Gesellschaft 
in Bayern. Bd. XI, Hft. I. München 1912. 

V. Baxter and J. Rintoul, On the occurrence of the 
Nightingale {Luscinia megarhynchos megarhyncJios) on the 
isle of May: an addition to the avifauna of Scotland. 
(Abdruck aus Annais Scott. Nat. Eist. Juli 1911.) 

St. C h e r n e 1 v. C h e r n e l h a z a , Die gesellschaftliche 
Tätigkeit für praktischen Vogelschutz in Ungarn. (Abdruck 
aus Ber. üb. d. V. Internat. Ornith.-Kongrefs Berlin 1910. 

F. C h 1 g i , Riapparizione di caratteri atavici nel ,^Falco vesper- 
tinus'"''. (Abdruck aus Rivista Ital. di Ornitol. I. Jg. Nr. 
1—2. 1911.) 

E. Clark e, J. Rintoul and V. Baxter, Some new 

Scottish and British Birds. (Abdruck aus Scott. Naturalist 
Jan. 1912.) 
T. A. Co ward, The migration of birds. Cambridge 1912. 

T. Csörgey, Der praktische Vogelschutz in Ungarn in den 
Jahren 1909—11. (Abdruck aus Aquila, XVIII. Bd. 1911.) 

H. Ekam a , Der Vogelzug in Holland im Jahre 1910. (Abdruck 

aus Aquila, XVIII. Bd. 1911.) 
J. G e n g 1 e r , Das Liebesleben in der Vogelwelt. (Naturwissensch. 

Wegweiser. Herausg. v. Prof. Dr. K. Lampert. Serie A, 

Bd. 26.) 
J. G e n g 1 e r , Bilder aus dem Vogelleben. (Naturwissenschaft!. - 

Technische Volksbücherei No. 7—9. Leipzig, Theod. Thomas 

Verlag.) 
A. Goldman, A new kingfisher from Panama. (Abdruck aus 

Smiths. Miscellan. Collect. Vol. 56, Nr. 27. 1911.) 

F. G 1 1 s c h a 1 k , Die Vogelfreistätte des Ornithologischen 
Verein „Johann Friedrich Naumann" in Cöthen auf den 
Werder-Inseln. (Abdruck aus Ornith. Monatsschr. XXXVII, 
Nr. 1.) 

E. G r e s ch i k , Magen- und Gewölluntersuchungen unserer 
einheimischen Raubvögel. (Abdruck aus Aquila, XVIII. Bd. 
1911.) 



Dem Herausgeber zugesandte Schriiten. 323 

B, Gunning and A. Roberts, New records and descriptions 
of new species of birds in the Transvaal Museum Collection 
(Abdruck aus Annais Transv. Mus. 7587— 26/10/11—25.) 

E. Harter t, Die Vögel der paläarktischen Fauna. Hft. VII 

(Bd. II, 1). Berlin 1912. 

F. Helm, Ornithologische Beobachtungen an der Nord- und 

Ostsee. (Abdruck aus Achtzehnt. Ber. d. Naturwissensch. 
Gesellsch. z. Chemnitz.) 

II. H e n s h a w , Migration of the pacific plover to and from the 
Hawaiian Islands. (Abdruck aus Smiths. Report f. 1910, 
Public. 2041. Washington 1911.) 

0. Hermann, „Aviatik" und Ornithologie, (Abdruck aus Aquila, 
XVIII. Bd. 1911.) 

R. Hey der, Ornithologische Notizen aus dem Wermsdorfer 
Teichgebiet während des Jahres 1910. (Abdruck aus Ornith. 
Monatsschr. XXXVl. Nr. 12.) 

E. Klein, Über einen aus dem Alters- ins Jugendgefieder 
mausernden Schreiadler {Aquila clanga Fall, oder Aquila 
pomarina Brehm). (Abdruck aus Ber. üb. d. V. Internat. 
Ornith.-Kongr. Berlin 1910.) 

0. Koch, Übersicht über die Vögel Estlands. (Herausgegeb. 
V. Verein f. Naturkunde Estlands. Reval-Leipzig 1911.) 

K. L a m b r e c h t , Der Vogelzug in Ungarn im Frühjahre 1910. 
J. Hegyfoky. Der Vogelzug und die Witterung im 
Frühling des Jahres 1910. (Abdruck aus Aquila, XVIII. Bd. 
1911.) 

R. L a u t e r b r n , Über das frühere Vorkommen des Schopfibis 
(Geronticus eremita L.) Gesner's ,,Waldrapp" in Mittel-Europa. 
(Abdruck aus Zoolog. Jahrbuch. Suppl. XV, 1. Bd. 1912.) 

E. L ö n n b e r g , Birds coUected by the Swedish Zoological 
Expedition to British Fast Africa 1911. (Abdruck aus Kungl. 
Svenska Vetenskapsakad. Handling. Bd. 47. No. 5. 1911.) 

J. V. L s y , Prinzipielle Standpunkte zur Beurteilung des Vogel- 
schutzes und der Insektenvertilgung. (Abdruck aus Aquila, 
XVIII. Bd. 1911.) 

H. Baron Loudon, Meine vierte Reise nach Zentral-Asien 
und Talysch Januar— März 1908. (Abdruck aus Ber. üb. d. 
V. Internat. Ornith.-Kongr. Berlin 1910.) 

H. Baron Loudon, Corvus corax laurencei Hume im Trans- 
caspischen Gebiet. (Abdruck aus? [Russisch]). 

M. M a t u n äk , Etwas über Vogelgesang. (Abdruck aus Aquila, 
XVIII. Bd. 1911.) 



324 Dem Herausgeber zugesandte Schriften. 

W. L. M c A t e e , Woodpeckers in relation to trees and wood 
products. (U. S. Depart. of Agricult. Biolog. Surv. — Bull. 
No. 39.) 

E. A. Mearns, Descriptions of seven new african Grass-Warblers 

of the Genus Cisticola. (Abdruck aus Smiths. Miscell. Collect. 
Vol. 56, Nr. 25. 1911.) 

D. van Oort, Het ringen van in het wild levende vogels in 
Nederland. (Abdruck aus Jaarb. Nederland. Ornith. Vereenig. 
1911.) 

D. van Oort, Ornithologische waarnemingcn, gedaan in Neder- 
land van 1 September 1910 tot en met 31 Augustus 1911. 
(Abdruck aus Jaarb. Nederland. Ornith. Vereenig. 1911.) 

The Hon. W.Rothschild and E. Harte rt, Ornitho- 
iogical explorations in Algeria. (Abdruck aus Novit. Zool. 
Vol. XVni. Jan. 1912). 

K. Rufs, Der Kanarienvogel. 12. Aufl. Bearb. u. herausg. von 
K. Neunzig. Magdeburg 1911. 

J. Schenk, Bericht über die Vogelmarkierungen im Jahre 1911. 
(Abdruck aus Aquila, XVIH. Bd. 1911.) 

J. Schenk, Die Darstellung des Brutgeschäftes des Rotfufs- 
falken in der Literatur. (Abdruck aus Aquila, XVHI. Bd. 
1911.) 

C. Schulz, Studien über die Posener Wirbeltierfauna. (Abdruck 
aus Festschr. z. 51. Versammlg. Deutsch. Philologen u. Schul- 
männer.) 

F. E. Schulze, Über die Luftsäcke der Vögel. (Abdruck aus 

Verhandl. d. VÜL Internat. Zoolog.-Kongr. z. Graz 1910. 
Jena 1911.) 

W. Sclater, A history of the birds of Colorado. London 1912. 

Baron Snouckaert v. Sc hau bürg. Vogelzugsdaten und 
Notizen aus Neerlangbroek. (Abdruck aus Aquila, XVHL Bd. 
1911.) 

H. S w a r t h , Report on a collection of Birds and Mammals 
from Vancouver Island. (Abdruck aus Univers. Californ. 
Publicat. Zool. Vol. 10. Nr. 1. 1912.) 

W. Taylor, Field notes on Amphibians, Reptiles and Birds of 
Northern Humboldt County, Nevada. (Abdruck aus Univers. 
Californ. Publicat. Zool. Vol. 7. Nr. 10. 1912.) 

V. Ritter v. Tschusi zu Sc hmid hoffen, Ornitholo- 
gisches Jahrbuch. Organ für das palaearktische Faunengebiet. 
22. Jahrg. Hft. 5, 6 1911. 



lonrn. f. Ornith. 1912. 



Taf. 7. 




RElSEWcG im Jahre 1911 '• 

OTTO GRAF ZEDLITZ. 

G£Z, .. &EORG KRAUSE 

' ' f " 'f 'l Y Mm 



I-ichlHruck von All>rit Frisch, Berlin W. 



JOURNAL 



für 



ORNITHOLOGIE 




Sechzigster Jahrgang. 



No. 3. Juli 1913. 

Von Suez zum Sankt Eatharinen-Eloster. 

(Ein ornithologischer Streifzug.) 

Von O. Graf Zedlitz. 

(Mit 1 Karte.) 

I. Allgemeiner Teil. 

Bei der Jahres-Versammlung der Deutschen Ornithologischen 
Gesellschaft am 8. Okt. 1898 erstattete Prof. A. Koenig einen kurzen 
Bericht von seiner im Frühling desselben Jahres zur Ausführung 
gelangten Sinai-Reise. Am 9. Okt. 1911 wiederum gelegentlich 
der Jahres-Versammlung der Deutschen Ornith. Ges. hatte ich 
die Ehre, einen kleinen Vortrag über die ornithologische Sammel- 
reise halten zu dürfen, welche mich im letzten Frühjahr nach dem 
Sinai geführt hatte. In den 13 Jahren von 1898—1911 ist die 
ornithologische Forschung mit. Riesenschritten vorwärts gestrebt, 
insbesondere haben Gesichtspunkte wie die Zoogeographie, Formen- 
kreise (im weitesten Sinne gemeint), nahe verwandte Unterarten 
(Subspecies) erst während dieser jüngsten Zeit sich zu allgemeiner 
Geltung durchgerungen. Eine schier fabelhaft erfolgreiche Arbeit 
bereicherte in dieser Periode unser ornithologisches Wissen auf 
systematischem und biologischem Gebiete. Die Sinai-Halbinsel 
aber scheint dabei nahezu vergessen worden zu sein, keine ernste 
wissenschaftliche Arbeit über ihre Avifauna ist mir aus diesen 
13 Jahren bekannt, sei es in deutscher, sei es in englischer Zunge. 
Nur aus einigen sehr wertvollen Bearbeitungen der Nachbargebiete, 
Egyptens, Palästinas, Arabiens fallen hier und da einige Streif- 
lichter auch auf die Felskegel des Sinai. 

Vor dem Jahre 1898 begegnen uns zunächst im Anfang der 
■90 er Jahre die Aufsätze des deutschen Jägers und Sammlers 
Kaiser, der Monate lang ununterbrochen in einem Häuschen am 
westlichen Fufse des Sinai-Gebirges gelebt hat. Einen streng 
wissenschaftlichen Mafsstab darf man an diese Veröffentlichungen 
nicht legen, sie sind jedoch frisch und anregend geschrieben und 

lourn. f. Oro. LX. Jahrg. Juli lyi2. 22 



326 0. Graf Zedlitz: 

erfüllen vollkommen den Zweck, welcher ihnen wohl zu Grunde 
lag, die Forschung im Sinai anzuregen, zur Lösung 
wissenschaftlicher Fragen bieten sie hingegen nur 
wenig. 

Ferner haben wir eine Reihe Arbeiten englischer Autoren 
über dies Gebiet, zumeist aus berufener fachmännischer Feder, 
und dem entsprechend auch wertvoll. Sie leiden aber fast alle 
an zwei gemeinsamen Mängeln, die Forscher haben sich gerade 
die ungünstigste Zeit, den Winter und das erste Frühjahr, für 
ihre Reisen ausgesucht, und sodann stammen sie aus einer Periode, 
wo die ornithologische Forschung noch himmelweit entfernt von 
der modernen Methode war. Das ist lediglich die Konstatierung 
einer natürlichen Tatsache, beileibe etwa kein Vorwurf, die Soldaten 
vor hundert Jahren hatten auch noch keine Maschinen-Gewehre 
und konnten doch nichts dafür! In erhöhtem Mafse gilt das von 
mir Gesagte für die ersten ornithologischen Pioniere im Sinai, 
wiederum Deutsche: Rüppell und Cretzschmar, Hemprich und 
Ehrenberg. Sie haben übrigens die Halbinsel nur flüchtig ge- 
streift, das eigentliche Feld ihrer Tätigkeit lag weiter südlich an 
den Ufern des Roten Meeres. Bei ihnen figuriert der Sinai 
übrigens unter der Bezeichnung „Arabien", wodurch schon Mifs- 
verständnisse entstanden sind. Rüppell sammelte überhaupt nicht 
in dem Lande, das wir heute Arabien nennen, und Ehrenberg 
meint mit der nach heutigen Begriffen auch noch vagen Angabe 
„Arabien" in der Regel gerade den Sinai, während er bei süd- 
licheren Punkten des eigentlichen Arabiens gewöhnlich die Namen 
nennt wie „Djedda", „Kunfuda". Ich meine hier natürlich die 
Fundorte auf den Etiketten, in seinem Werke sind ja die 
einzelnen Gebiete sorgfältig auseinander gehalten. 

Nach der Summe dieser Feststellungen erschien mir der 
Sinai doch als ein lohnendes Feld der Tätigkeit für einen nach 
modernen Gesichtspunkten arbeitenden Ornithologen, leider aber 
war die Zeit, welche ich auf sein Studium verwenden konnte, 
recht beschränkt. Um trotzdem mir einen etwas weiteren Über- 
blick zu ermöglichen, machte ich zunächst im Januar 1908 gele- 
gentlich meiner ersten Reise nach Eritrea und Abessinien einen 
kurzen Abstecher nach Suez und El Tor, um von dem Vogelleben 
im Winter, das sich naturgemäfs zumeist an der Küste kon- 
zentriert, wenigstens einen Eindruck zu erhalten. Später unter- 
nahm ich dann von Ende März bis Anfang Mai 1911 eine Tour 
hoch zu Kameel durch das eigentliche Gebirge. Dieser Zeitpunkt 
war gewählt, um die dort heimischen Vögel beim Brutgeschäft 
oder doch kurz vor dessen Beginn anzutreffen, nebenbei aber 
möglichst viel nordische Durchzügler zu beobachten, welche den 
im Winter reisenden Forschern selbstredend entgangen sein mufsten. 
Die Resultate waren dem entsprechend auch befriedigend, wenn 
man sie mit denen vergleicht, welche Andere in der doppelten 
und dreifachen Zeit erreichten. Immerhin sind sie quantitativ 



Von Suez zum Sankt Katbarinen-Kloster. 327 

noch recht spärlich, ist doch die Sinai-Halbinsel das an Vogelleben 
weitaus ärmste Gebiet, das ich je besucht habe; die südlichen 
Ausläufer des Atlas am Rande der Sahara sind im Vergleiche 
damit ein Paradies, und an das herrliche tropische Afrika darf 
man schon gar nicht denken. Nach dem kurzen Blick, den ich 
auf die Vogelwelt des Sinai werfen durfte, ist es natürlich nicht 
meine Absicht, nun eine vollständige Avifauna des Gebietes zu 
geben, was ich bezwecke, ist lediglich, für solch eine umfassende 
Arbeit in der Zukunft heute einiges zuverlässige und geordnete 
Material bereit zu stellen. Deshalb füge ich auch am Ende dieses 
allgemeinen Teils eine kurze Übersicht über einschlägige Literatur 
bei. Auf diese Werke werde ich aber dann in meinem speziellen 
Teil nur insoweit von Fall zu Fall wieder Bezug nehmen, als 
meine eigenen Feststellungen dazu Veranlassung bieten, eine Zu- 
sammenstellung alles bereits früher Gebotenen ist also bei Be- 
sprechung der einzelnen Arten nicht beabsichtigt. Diejenigen 
Schriften, welche sich mit den Nachbargebieten Palästina und 
Arabien befassen, werde ich im Einzelfalle überhaupt nicht mehr 
zitieren, da es mir nicht möglich ist festzustellen, ob dort immer 
mit demselben Namen auch wirklich dieselbe Unterart (Subspezies) 
gemeint ist, von welcher ich gerade spreche. 

Als ich meine ornithologischen Untersuchungen schon bei 
Suez begann, wufste ich sehr wohl, dafs ich mich in einer Grenz- 
region befand, welche noch keineswegs zum eigentlichen Sinai- 
Gebiet gehört. Die Gegend von Suez steht in ihrer Ornis immer noch 
Unter-Egypten am nächsten, zeigt aber auch Anklänge an Palästina 
und hat schliefslich in den Gestalten ihrer Sandwüste und Meeres- 
küste auch vieles mit der Westseite der Sinai-Halbinsel gemein, 
bietet also gerade vom Standpunkt des zoogeographischen Forschers 
aus doch einiges Interessante. Aufserdem habe ich durch Aus- 
flüge in die Wüste von Suez bezw. El Tor aus den sehr lang- 
wierigen Fufsmarsch von einem zum anderen Ort ersetzt. Der- 
selbe dauerte ca. 1 1 Tage, führt stets an der Küste entlang durch 
absolute Wüste und bietet nach übereinstimmender Aussage aller 
Forscher, die ihn unternommen haben, in ornithologischer Hinsicht 
fast nichts, insbesondere nichts, was man an den beiden Endpunkten 
nicht auch anträfe. Ich legte diese Strecke daher zu Schiff zurück 
und sparte so 10 Tage, welche mir bei meiner Rundtour durchs 
Hochland dann viel besser verwertet erschienen sind. Von El Tor 
marschierte ich in direkt nördlicher Richtung durch die Wüste 
Kaa nach dem Ausgange des Wadi Hebran, durch dieses und das 
westliche Wadi Selaf nach der Oase Firan als nordwestlichstem 
Punkt. Von dort ging es zurück bezw. südostwärts durchs ganze 
Wadi Selaf zum Wadi Gharb, über den Pafs Nakb el Haui zum 
Katharinen-Kloster und Gebel Musa. Von diesem Zentralpunkt 
machte ich einen Abstecher nach Osten ins Wadi Nasb und kehrte, 
das Kloster nordwärts liegen lassend, durchs Wadi Tarffa und 
Wadi T'lih nach der Kaa und schliefsich El Tor zurück. 

22* 



328 0. Graf Zedlitz: 

Das Gebirge besteht aus Urgestein, grauem oft ins Rötliche 
spielenden Granit in verschiedenen Stadien meist recht vorge- 
schrittener Verwitterung. Vieli'ach sind Bänder dunklen Gesteins, 
wohl Felsit, eingesprengt, besonders im Osten. Die höchsten 
Erhebungen erreichen 2200—2600 m, es sind der Gebel Oum 
Schomer im Westen oberhalb des Wadi T'lih, der zackige Geb. 
Serbai im Nordwesten bei Firan, der Geb. Tarbousch im Norden 
des Central -Stocks, südlich von ihm der Geh Katharine und 
dicht neben dem Kloster der Geb. Musa (Mosesberg), mit nur 
2200 m Höhe niedriger als die vorigen, dafür aber um so berühmter. 
Im äufsersten Nordwesten längs dem Ufer des Golfs von Suez 
ziehen sich Kalk-Formationen hin, mäfsig hohe laug gestreckte 
Höhenzüge. Im ganzen Norden wird der eigentliche in sich 
abgeschlossene Sinai durch die Hochebene El Tih begrenzt, 
welche mit dem Hochland von Edom faunistisch zu Süd-Palästina 
rechnen dürfte, wie schon Wyatt 1870 mutmafst und Koenig 
bestätigt hat. Sie soll über die Mafsen öde und trostlos sein, 
aus eigener Anschauung kenne ich sie nicht. Im Westen und 
Osten längs des Golfs von Suez und des Golfs von Akaba liegt 
ein breiterer (die Kaa) bezw. schmälerer Wüstenstreifen. Die 
Kaa steigt unmerklich aber doch recht beträchtlich ostwärts bis 
zum Fufs des Gebirges an, sie dürfte ihre Existenz wohl der Arbeit 
des Meeres verdanken. Dicht am Strande bei El Tor erblickt 
man einige niedere dünenartige Höhenzüge. Die Wüstenstreifen 
sind so gut wie ganz wasserlos, der Süden des Gebirges ist 
wasserarm, die übrigen Teile bieten ausgiebig Wasser teils in 
Rinnsalen, welche in den Wadis oft auf mehrere Kilometer 
weit zu Tage treten, teils in natürlichen oder künstlichen Felsen- 
brunnen. Am fliefsenden Wasser stehen überall Tamarisken, 
sehr vereinzelt kleine Gruppen verkümmerter Dattelpalmen; 
üppige Vegetation findet sich nur in der Oase Firan (800 m) 
und im Garten des Katharinen-Klosters (1500 m). In den Wadis 
des Westens und Nordens stehen noch einige niedere Schirm- 
Akazien, im übrigen müssen Retam und andere spärliche Wüsten- 
büsche die Vegetation darstellen. An niederen dem Boden sich 
anschmiegenden Gewächsen, vielfach mit bunten Blüten, war 
stellenweise kein Mangel. In Firan und dem Wadi T'lih finden 
sich kleine Rohr-Dickichte von sehr beträchlicher Höhe und 
grofser Dichtigkeit. Feldbau sah ich nur bei Firan in beschei- 
denstem Mafse, was ich sonst noch an bestellten Feldern entdeckt 
habe, betrug alles zusammengenommen wohl keine 10 ha. 

Die Temperatur in der Wüste war ziemlich warm, bei 
Firan und in den mittleren Lagen angenehm wie bei uns im 
normalen Sommer, im Central-Gebirge meist recht kalt und 
unwirtlich. Einmal am Tarbousch hatten wir Neuschnee, mehrfach 
starke Gewitter mit Hagel und Regen. Das Unangenehmste aber 
ist der „Chamzim" eine verbesserte Auflage des Sirocco, der 
mindestens an 6 Tagen der Woche etwa von 8° V. bis zum 



Von Suez zum Sankt Katharinen-Kloster. 329 

Nachmittag meist mit sehr grofser Kraft bläst und den Sammler 
einfach zur Verzweiflung bringen kann. Jeder, der selbst bei 
starkem Winde auf kleine Vögel, besonders Sylvien, Laubsänger, 
Schlüpfer hat Jagd machen müssen, weifs, wie aufserordentlich die 
schon an sich nicht ganz leichte Aufgabe dadurch erschwert wird. 
Alle diese Momente mögen mir als Entschuldigung dienen, 
dafs meine Ausbeute nicht reichhaltiger ausgefallen ist, an gutem 
Willen, Fleifs und Ausdauer hat es nicht gefehlt. Mögen spätere 
Sammler im Sinai bessere Resultate haben, das wünsche ich von 
ganzem Herzen l 

Zusammenstellung 
der wichtigsten Literatur über die Ornis des Sinai. 

1820—1839. Temminck, „Planches Coloriees", 102 Lieferungen 
zu je 6 Tafeln (über Inhalt und Datum des Erscheinens 
der einzelnen Lieferungen cf. C. Davis Sherborn Ibis 1898, 
p. 485—488). Einige von Rüppell in der heutigen Sinai- 
Halbinsel (damals Arabien genannt) gesammelte Arten 
werden hier beschrieben, z. B. Saxicola (Cercomela) melamira 
i. J. 1824 und Saxicola monacha 1825. 

1826. Cretzschmar, „Atlas zu der Reise im nördlichen Afrika von 
E. Rüp\)ell". 

Es finden sich hier die Beschreibungen und ersten 
Abbildungen mehrerer Vögel vom Sinai und dem Roten 
Meere, so von Maluriis {Vrinia) gracilis, Malurus {Crateropus) 
squaniiceps, Emberiza caesia, Malurus (Scotocerca) inquietus. 

1828. Hemprich und Ehrenberg, „Symbolae Physicae, decas prima" 
und 1829 decas secunda. — Vom Sinai und Golf von 
Akaba werden 45 Arten als gesammelt aufgezählt, vor- 
wiegend Sänger. Mehrere Neubeschreibungen, die gröfsere 
Zahl der hier genannten Arten ist aber schon auf den 
Seiten vorher aus Syrien und Egypten beschrieben, sodafs 
diese Länder für die betreffenden Formen als terra typica 
zu gelten haben z. B. für Ixus {Pycnonotus) xanthopygos 
Syrien, für Saxicola xanthomelaena und S. rostrata Egypten. 

1835. Rüppell, „Neue Wirbeltiere". 

Zumeist werden hier Arten aus NO.-Afrika beschrieben, 
jedoch auch einzelne, deren Verbreitung ins paläarktische 
Gebiet reicht, z. B. Corvus afßnis. 

1856. Heuglin, Th. v., „Syst. Übersicht der Vögel NO.-Afrikas" 
Stzb. Math. Nat. Gl. Ak. Wiss. Wien XIX, p. 255—324. 

1870. Wyatt, C. W., „Notes on the Birds of the Peninsula of 
Sinai". Ibis 1870, p. 1 — 18. 

Diese Arbeit ist als erste Zusammenstellung der Vögel 
von der Sinai - Halbinsel für deren ornithologische Er- 
forschung grundlegend. Es sind 84 Arten aufgezählt, von 
denen der Verfasser einige nur gesehen hat. Eine kleine 



33 0. Graf Zedlitz: 

durch Sterne angemerkte Zahl wurde nicht vom Verfasser, 
sondern von seinem Begleiter Rev. Hollands beobachtet. 
Die Studienreise begann hart südlich Suez am 11. XI. und 
endete bei Akaba am 6. IV. Alle Hauptpunkte des Sinai 
mit Ausnahme des Südens sind in der Zischenzeit besucht 
worden. Später ist Verfasser von Akaba nordwärts über 
die Hochebene von El Tih und Edom weitergezogen, ohne 
zu sammeln, hat aber mit scharfem Blick erkannt und als 
Erster ausgesprochen, dafs hier eine andere Ornis lebt, 
welche der von Süd-Palästina näher steht. 

1873. Wyatt, C. W., „Report of the Ordnance Survey of the 
Peninsula of Sinai" erwähnt und besprochen im Ibis 1873, 
p. 429. 

1874. Kennedy, A. W. M. Clark, „Notes on the Avifauna of the 
Desert of Sinai". Ibis 1874, p. 107—112. Zuerst ein 
kurzer allgemeiner Teil, dann Aufzählung von 5 Arten, 
sämtlich Raubvögeln. Die in Aussicht gestellte Fortsetzung 
fehlt. Interessant ist die Erwähnung von Aquila pennata, 
von dem ein Pärchen am 18. IV. in der Wüste bei Dohorizeh 
(?) beobachtet wurde. 

1883. Hornby, H. P., „Short Notes on Birds of Sinai". Ibis 1883 
p. 124. Als Ergänzung zu Wyatts Arbeit «werden noch 
einige Vögel aufgeführt. 

1884. Tristram, H. B., „The Fauna and Flora of Palestina". 
Eigenes Werk, tDisher das Beste und Reichhaltigste über 
die Ornis Palaestinas, es werden 348 Arten aufgeführt. 
Viele davon erscheinen auch im Sinai. Besprechung dieser 
grofsen grundlegenden Arbeit Ibis 1884, p. 464. 

1891. Hart, C, „Fauna and Flora of Sinai, Petra and Wadi 
Arabah". London. 

Hart war in erster Linie Botaniker, doch hat er sich 
mit Erfolg für die Ornis interessiert und auf seiner Reise 
in der ungünstigsten Jahreszeit November — Februar 94 Arten 
zusammengebracht, darunter fast alle für das Gebiet 
besonders charakteristischen Standvögel und einige recht 
seltene, z. B. Cinnyris oseae und Rhynchaea capensis. 
Besprechung dieser Arbeit durch Sclater. 

1891. Sclater, „Notes on Harts Fauna and Flora of Sinai". Ibis 
1891, p. 452. 

1891. Kaiser, A., „Zehn Jagdtage im Sinaigebirge". Monatsschrift 
z. Schutze d. Vogelw. 1891, p. 417—430. 

Der Aufsatz schildert in feuilletonistischer Weise neben 
der Jagd auf Steinbock und Gazelle einen kleinen Ausschnitt 
aus dem Vogelleben des westlichen Sinai im August. Am 
interessantesten sind mir die Beobachtungen von Bartgeiern 
am geschossenen Steinbock, den der Schütze erst durch 
ihre Vermittelung findet. 



Von Suez zum Sankt Katharinen-Kloster. 831 

1892. Kaiser, A., „Zur Ornis der Sinaihalbinsel". Ornith, Jahrbuch 
1892, p. 207—248. 

Die Beobachtungen des Verfassers erstrecken sich auf 
die Monate August— Dezember der Jahre 1890 und 1891, er 
beschäftigt sich weit mehr mit dem Zugproblem europäischer 
als mit Biologie und Systematik dort heimischer Vögel. 
Über den Frühjahrszug und die Brut der Standvögel hat 
er nach eigener Aussage so gut wie keine Studien gemacht, 
was ihn leider nicht abhält, lediglich durch Verallgemeinerung 
seiner Herbst-Beobachtungen auch darüber Behauptungen 
aufzustellen, welche natürlich vielfach unzutreffend sind. 
Innere Widersprüche eigener Behauptungen und systema- 
tische Entgleisungen kommen auch vor. Der in der Arbeit 
steckende Fleifs und das bewiesene Interesse an der Vogel- 
welt sind anzuerkennen, aber auf „Wissenschaftlichkeit" 
kann der Aufsatz nicht Anspruch erheben, soll es wohl auch 
nicht. 

1893. Kaiser, A., „Unser Fischadler im Roten Meere". Monats- 
schr. z. Seh. d. Vogelw. 1893, p. 276—278. 

1894. Sclater, P, L., ,, Notes on Kaisers Birds of Sinai". Be- 
sprechung des Aufsatzes aus dem Orn. Jahrbuch im Ibis 
1894, p. 307... 

1899. Koenig, A., „Über einen Ausflug nach dem Sinai". Vortrag 
gehalten am 8, X. 98 bei der Jahres-Versammlung der 
Deutschen Ornith. Ges., Besprechung desselben im J. f. 0. 
1899, p. 114, ohne spezielle Angaben des Inhalts. Wichtig 
ist, dafs der Vortragende, welcher vom Sinai nordwärts 
nach Palästina weiter marschiert ist, am Rande des Plateaus 
El Tih etwa die nördliche Grenze des zoogeographischen 
Gebietes „Sinai" gegen „Süd-Palästina" feststellte ganz im 
Einklang mit Waytts Vermutung v. J. 1870. 

1903, Merill, S., „On Birds new to Palestine". Ibis 1903, p. 324 
— 330. Ergänzungen zu Tristams „Fauna and Flora of 
Palästina". 

1903—1910. Hartert, E., „Die Vögel der paläarktischen Fauna". 
Das in systematischer Hinsicht mafsgebende moderne Werk, 

1905. Reichenow, A., „Die Vögel Afrikas". 

Die Vögel respektieren vielfach nicht die vom Menschen 
künstlich gezogene Grenze zwischen der tropischen und 
paläarktischen Region. So finden wir auch viele Arten aus 
NO.-Afrika am Nordende des Roten Meeres wieder, sei es 
als Durchzügler, sei es als Standvögel. Insbesondere bemerke 
ich, dafs ich, mit Rücksicht auf die bei Reichenow so voll- 
ständig wiedergegebene Synonymik, in der Regel nur auf 
ihn verweisen werde, wo dann das Weitere leicht nachzu- 
lesen ist. 

1907. Koenig, A,, „Die Geier Aegyptens". J. f. 0. 1907, p. 59—91, 
und „Die Falconiden Aegyptens" p. 391 — 582. 



332 0. Graf Zedlitz: 

Bei der eingehenden Besprechung der egyptischen Raub- 
vögel ergeben sich wiederholt auch Beziehungen zur Ornis 
des Sinai. 

1910. Carruther, D., „On a Collection of Birds from the Dead Sea 
andNorth-Western Arabia, with Contributions to the Ornitho- 
logy of Syria and Palestina". Ibis 1910, p. 475—490. 
Sehr interessante Notizen über eine Reise durch Syrien, 
Palaestina und das nordwestliche Arabien östlich der Hedjas- 
Bahn bis zur Oase Teima nahe dem 27.°. Aufgeführt sind 
49 Arten, eine Karte ist beigegeben. Die Region östlich 
des Golfs von Akaba war bisher ornithologisch so gut wie 
unerforscht. 

1910 — 1911. Zedlitz, 0. Graf, „Meine ornithologische Ausbeute 
in NO.-Afrika". Verschiedene in Januar 1908 vom Verfasser 
bei Suez und Tor gesammelte Vögel werden neben denen 
aus der tropischen Region erwähnt. 

Spezieller Teil. 

I. Familie: Laridae. 
1. Larus ridibunäus L. 

Wyatt 1870 p. 18: Chrococephalus ndibundus\ Rchw. V. A. I 
p. 47: Larus ridibundus; Zedl. J. f. 0. 1910 p. 297. dito. 

Als Wintergast ist die Lachmöwe besonders im Hafen von 
Suez und seiner näheren Umgebung gemein, ich habe im Januar 
08 dort mehrere Exemplare gesammelt. Auch Ende März 11 war 
sie dort noch nicht selten, hingegen erscheint sie weiter südwärts 
im Roten Meere nicht so häufig. Am 5, IV. 11. wurde noch eine 
Lachmöwe bei El Tor von uns erlegt. Anfang Mai bei meiner 
Rückreise sah ich keine mehr. 

2. Larus leueophthalmus Temm. 

Temm. PI. Col. 336 (1825); Kaiser 1892 p. 211; Rchw. V. 
A. I p. 48; Zedl. J. f. 0. 1910 p. 298. 

Im nördlichen Teil des Roten Meeres ist diese Möwe nicht 
so häufig als im Süden z. B. bei Massaua. Immerhin wurde sie 
vereinzelt im Januar bei Suez und Anfang April auf der Fahrt 
Suez-El Tor beobachtet. Im Winterkleide ist dieser Vogel übrigens 
auf einige Entfernung nicht leicht von Larus hemprichi zu unter- 
scheiden, welche etwa die gleiche Verbreitung hat. 

3. Sterna caspia Pall. 

Rchw. V. A. I. p. 56. 

Die Raub-Seeschwalbe ist nach Reichenow Standvogel im 
Roten Meere, doch ist die Zahl der bisher von dort nachgewiesenen 



Von Suez zum Sankt Katharinen-Kloster. S33 

Stücke sehr gering. Ich habe am 4. und 5. IV. im Hafen von El Tor 
ein einzelnes Exemplar mehrfach mit dem Glase beobachtet, konnte 
aber nicht zu Schufs kommen. Eine Verwechselung mit einem 
anderen Vogel, etwa Sterna bergei, ist wegen der Schnabelfarbe 
ausgeschlossen. 

4. Sterna bergei Licht. 

Rchw. V. A. I. p. 57; Zedl. J. f. 0. 1910 p. 299. 

Von dieser Seeschwalbe habe ich im Februar 1909 eine 
Serie auf den Dahlak-Inseln und sodann am 30. IV. und 1. V. 
1911 weitere 6 Stück bei El Tor gesammelt. Jene tragen noch 
Winterkleid mit weifsen Tüpfeln auf der schwarzen Kopfplatte, 
die Aufsenfahnen aller Handschwingen sind auf dunkelbraunem 
Grunde mehr oder weniger silbergrau bestäubt, wie es Reichenow 
beschreibt. Die Frühjahrsvögel von El Tor hingegen zeigen bereits 
volles Sommerkleid mit Ausnahme eines einzigen offenbar noch 
nicht einjährigen Stückes. Die Kopfplatte bei diesen ist voll- 
kommen tiefschwarz bis auf die weifse Stirnbinde, die Oberseite 
auffallend dunkelgrau — nicht silbergrau wie im abgetragenen 
Kleide — , die Aufsenfahne der vordersten Handschwinge ist zum 
gröfsten Teile schwarzgrau, nur an der Spitze etwas lichter, erst 
von der zweite Schwinge an zeigt sich die graue Bestäubung. 
Im übrigen trifft auch hier Reichenows Beschreibung noch voll- 
kommen zu, auf der Innenfahne der Handschwingen läuft entlang 
dem weifsen Schafte ein tief dunkelgrauer Streifen, der in gerader 
Linie scharf abgesetzt ist von dem weifslichen Innensaum, doch 
reicht dieser nicht bis zur Spitze der Feder. Meine Vögel messen: 
Fl. 360—365, Sehn. 65 — 69 mm. 

Als Standvogel belebt diese grofse schöne Seeschwalbe die 
Küsten des Roten Meeres. Anfang Mai traf ich sie noch in 
Gesellschaften, die Brutzeit fällt in den Hochsommer. Heugliu 
besuchte Brutplätze auf den Korallen-Inseln zwischen Suakin und 
Massaua im Juni und Juli. Er fand 10—40 Paare bei einander 
brütend, die Eier in einer Bodenvertiefung ohne Unterlage (wie 
bei den meisten Sternal) nahe der Flutmarke. Aufserhalb der 
Brutzeit sind die Vögel nach meinen Erfahrungen ziemlich scheu, 
ist aber die Erste herabgeschossen, so stofsen die Übrigen genau 
so toll darauf wie alle ihre Verwandten. 

Zu meinem Erstaunen erwähnt Kaiser 1892 p. 211 nicht 
diese Art für die Küste bei El Tor, wohl aber die gleichfalls 
gelbschnäblige jedoch kleinere Sterna media Horsf. 

IL Familie: Phaetonidae. 
5. Phaeton indicus Hume. 

Rchw. V. A. I. p. 85; Zedl., J. f. 0. 1910 p. 300. 
Ein Brutvogel des Roten Meeres (nach Heuglin), der jedoch 
während der Wintermonate zumeist weit nach Süden verstreicht. 



334 0. Graf Zedlitz: 

Am 4. IV. während der Fahrt von Suez nach El Tor habe ich im 
Golf von Suez den Tropicvogel auf 100—200 m Entfernung mit 
dem Glase genau beobachtet. Später vom Lande aus sah ich 
ihn nie mehr. Seine Brutplätze dürften weiter südlich liegen. 

III. Familie: Phalacrocoracidae. 

6. Phalacrocorax carbo L. 

Rchw. V. A. I. p. 90; Kaiser 1892 p. 211. 

Ein häufiger Wintergast bei Suez wird der grofse Kormoran 
anscheinend bald weiter südlich selten. Im Januar 08 sah ich die 
schwarzen Gesellen täglich bei Suez, konnte auch ein erlegtes 
Stück untersuchen, Ende März schien keiner mehr da zu sein. 

IV. Familie: Anatidae. 

7. Anas acuta L. 

Wyatt 1876 p. 17; Rchw. V. A. I. p. 117; Zedl. J. f. 0. 
1910 p. 304. 

Die Spiefsente ist Wintergast in ganz Unter-Egypten und 
auch bei Suez mehrfach von mir im Januar 08 beobachtet bezw. 
erlegt worden. 

V. Familie: Charadriidae. 

8. Charadrius geoffroyi Wagl. 

Wyatt 1870 p. 17: Aegialifis leschenauUi', Kaiser 1892 p. 211 : 
Charadrius morinellus; Rchw. V. A. I. p. 166: C. geoffroyi; Zedl. 
J. f. 0. 1910 p. 307 dito. 

Eine häufige Erscheinung am Strande während des Winters 
scheint dieser Regenpfeifer zur Brutzeit sich mehr nach den süd- 
lichen Teilen des Roten Meeres zu ziehen (z. B. Dahlak-I.). Da 
Kaiser im Gegensatz zu den anderen in der Systematik mehr 
bewanderten Autoren den C. geoffroyi als Wintergast bei El Tor 
nicht nennt, wohl aber C. morinellus, scheint es mir höchst wahr- 
scheinlich, dafs er beide verwechselt hat. Solch ein Irrtum ist 
immerhin begreiflich und noch nicht der schlimmste, den wir bei 
Kaiser konstatieren werden. 

9. Charadrius alexandrinus L. 

Kaiser 1892 p. 211; Rchw. V. A. I p. 169; Zedl. J. f. 0. 
1910 p. 308. 

Bisher galt dieser Rogenpfeifer zumeist als Wintergast an 
den Küsten des Roten Meeres, ich selbst habe ihn J. 0. 10 p. 
308 als solchen behandelt. Nach meinen letzten Beobachtungen 
mufs ich jedoch annehmen, dafs wenigstens einzelne Paare auch 



Von Suez zum Sankt Kathgtrinen-Kloster. 335 

zur Brutzeit am Golf von Suez zurückbleiben. Ich traf den 
Vogel im Winter und auch noch Anfang April in kleinen 
Gesellschaften, Anfangs Mai hingegen paarweise am Ufer auf 
dem Schlick bezw. bei hohem Wasserstande nahe der Flutmarke. 
Die einzelnen Pärchen hielten fest an ihrem Stande, auch wenn 
man sie verscheucht hatte, kehrten sie bald wieder. Die gTcT 
trugen um diese Zeit volles Sommerkleid mit schöner roter 
Kopfplatte. 

Wyatt erwähnt p. 17 (1870) für die Gegend von Tor auch 
Aegialitis fluviatilis [dubius). Es ist durchaus natürlich, dafs 
dieser Regenpfeifer, den ich als nicht seltenen Wintergast in 
NO.-Afrika fand, auf dem Zuge an der Meeresküste entlang geht 
und so auch die Sinai-Halbinsel berührt. 

10. Hoplopterus spinosus L. 

Kaiser 1892 p. 211; Rchw. V. A. I. p. 186; Zedl. J. 0. 
1910 p. 310. 

Am 5. IV. 11 Nachmittags sah ich auf einem freien Platze 
zwischen den um jene Zeit meist unbewohnten Häusern der 
Quarantäne-Station Tor 4 Kiebitze einfallen, die ich mit Sicher- 
heit als Sporeukiebitze ansprechen möchte, leider fehlte ich sie 
beim Abstreichen, da dafs Schufsfeld sehr beengt war. 

Aufserdem sah ich vom Rande der Oase Suez aus am 31. 
III. draufsen über den Flugsand einen Kiebitz streichen, über 
dessen Identität ich mir kein bestimmtes Urteil erlauben möchte. 
Vielleicht war es Vanellus gregarius {Chaeiusia gregaria Pall.), 
den Wyatt 1870 p. 17 als Durchzügler für den Sinai erwähnt. 



VI. Familie: Scolopacidae. 
11. Totamis (Tringa) totanus L. 

Kaiser 1892 p. 11: T. calidris; Rchw. V. A. I. p. 220: T. 
totanus; Zedl. J. 0. 1910 p. 320 dito. 

Überall am Roten Meere Wintergast, zuletzt am 4. und 5. 
IV. bei Tor gehört und gesehen. 

12. Totanus (Tringa) ochropus L. 

Wyatt 1870 p. 17; Rchw. V. A. I p. 222; Zedl. J. 0. 1910 p. 320. 

Dieser Wasserläufer wurde von mir stets an kleinen Süfs- 
wasserläufen des Binnenlandes angetroffen, so in den Atlasländern, 
auf dem Plateau von Asraara in Eritrea und auch im Sinai am 
unteren Rande der Oase Firau. Dort wo der Bach die Oase 
verläfst, hielten sich einige Exemplare ständig auf, ohne sich durch 
die unmittelbare Nähe unseres Lagers stören zu lassen, 2 Beleg- 
stücke wurden erlegt. Sie tragen schon Sommerkleid mit zahl- 
reichen hellen Punkten auf der Oberseite. 



336 0. Graf Zedlitz: 

13. Totanus (Tringa) glareola L. 

Rchw. V. A. I p. 222. 

Dieser lustige kleine Wanderer begegnete mir auch wieder 
im Sinai und zwar im Wadi Gharb, einem Tale am Nordrande 
des Central-Stockes. Die Vögelchen trieben sich am Bache dicht 
bei den Zelten herum, Lagerhöhe 1100 m. Am 17. und 18. IV. 
schofs ich dort je ein 9- 

14. Calidris arenaria L. 

Kaiser 1892 p. 211; Rchw. V. A. I p. 226. 

Der Sanderling überwintert fern im Süden des Roten 
Meeres, Heuglin beobachtete an der Nord-Somaliküste im Oktober 
und November Scharen von vielen hunderteu auf dem Schlick 
ihre Nahrung suchend (vgl. Rchw. 1. p. 228) und beschreibt dies 
sehr anschaulich. Ich fand auffallender Weise auf den Dahlak-I., 
diesem Dorado der Regenpfeifer und Schnepfenvögel im Winter, 
den Sanderling nicht (Februar 1909), konnte aber diesmal ein 
Exemplar vom Strande bei Tor heimbringen. Es was am 30. IV., 
der Vogel befand sich jedenfalls auf dem Zuge nach Norden. 

15. Tringa (JErolia) minuta L. 

Wyatt 1870 p. 17; Rchw. V. A. I p. 233. 

Nur ein d* wurde am 17. IV im Wadi Gharb (ca. 1100 m 
hoch) am Bache von mir erlegt, es trägt schon sein buntes 
Sommerkleid. 

16. Gallinago gallinago L. 

Rchw. V. A. I p. 237. 

Am 19. IV. revidierte ich im Wadi Gharb die Büsche am 
Bachufer früh Morgens noch vor dem Kaftee. Dabei machte ich 
einen Vogel hoch, der durch sein ,, Schräg" sich sofort als Bekassine 
vorstellte für den Fall, dafs ich ihn nicht erkennen sollte. Leider 
schofs ich etwas eiliger, als es nötig war, sodafs Kopf und Hals 
total zerrissen wurden und der Vogel zwar noch gemessen und 
für die Küche verwendet, aber nicht mehr gebalgt werden konnte. 
Es handelt sich hier um die echte Bekassine, Kaiser führt 1870 
p. 212 nur Gallinago gallinula, also die kleine oder stumme 
Sumpfschnepfe auf, falls es sich nicht um eine Verwechselung 
handelt. Diese überwintert nicht im tropischen Afrika, sondern 
in den Mittelmeerländern bezw. in Indien. 

VIL Familie: Pterociidae. 
17. Pterocles coronatus Licht. 

Wyatt 1870 p. 16; Rchw. V. A. I p. 308. 
Meine eigenen Erfahrungen mit Pterocliden im Sinai sind 
leider äufserst dürftig. Ich habe im Wadi Hebran und Wadi 



Von Suez zum Saokt Katharinen-Kloster. 337 

T'lih ao den der Wüste zunächst liegenden Wasserstellen früh 
und abends ohne den j^eringsten Erfolg angesessen, überhaupt 
sind mir nur einmal auf der ganzen Tour 2 Wüstenhühner zu 
Gesicht gekommen, welche am 12. IV. unterhalb der Oase Firan 
in so beträchtlicher Höhe vorbeiflogen, dafs ich sie nicht mit 
Bestimmtheit zu erkennen vermochte, zumal sie stumm blieben. 
Der Lockton der einzelnen Arten ist ja sehr von einander ab- 
weichend. Auch hier war mein Ansitz an der Stelle, wo das 
Wasser des Baches sich allmählich im Sande verläuft, ohne 
Erfolg. Anscheinend waren es Gäste vom Plateau El Tih, welche 
nur ausnahmsweise einen so weiten Ausflug unternommen hatten, 
in der Regel aber irgend eine näher gelegene Wasserstelle auf- 
suchten. Wenn ich sonach hier von P. coronatus rede, so ge- 
schieht es vor allem im Vertrauen auf den meist sehr zu- 
verlässigen Wyatt und ganz besonders auf unseren vorzüglichen 
deutschen Kenner der Pterocliden Prof. A. Koenig, welcher mir in 
liebenswürdigster Weise mündlich mitteilte, dafs im Sinai tatsächlich 
in erster Linie P. coronatus regelmäfsig vorkommt, daneben hat er 
an einigen Stelleu auch F. senegalus L. in der Wüste gefunden. 
Keinesfalls kann es sich um Pteroclurus alchata handeln, welches 
Kaiser 1870 p. 211 anführt. Wahrscheinlich hat er es mit 
senegalus verwechselt. Auf die ebenso interessanten wie lehr- 
reichen Mitteilungen Koeuigs über die Biologie der nordafrika- 
nischen Wüstenhühner J. 0. 1896 p. 148 — 160 möchte ich nicht 
verfehlen, hier hinzuweisen. Die diesbezüglichen reichen Beob- 
achtungen sind zwar in einer anderen Gegend, jedoch mit Bezug 
auf die auch hier im Sinai vorkommenden aber leider so 
spärlich vertretenen Arten gemacht. 



Vin. Familie: Ciconiidae. 

18. Ciconia ciconia L. 

Wyatt 1870 p. 18: C. alba; Kaiser 1892 p. 211: C. ciconia; 
Rchw. V. A. I p. 345: C. ciconia. 

Die beliebteste Zugstrafse des osteuropäischen Storches geht 
anscheinend direkt über El Tor, denn alle Weifsen wufsten mir 
von den ungeheuren Scharen zu erzählen, welche gelegentlich 
dort erschienen und auch meist nach Überfliegen des Golfs von 
Suez sich zu einer Ruhepause niederliefsen. Ich fand dies 
vollkommen bestätigt: als ich am 30. IV. Mittags die Kaa-Wüste 
endlich hinter mir hatte und in El Tor einritt, standen viele 
hundert Störche dicht hinter den Häusern am Strande und wohl 
eben so viele kreisten niedrig darüber. Allmählich gesellten sich 
zu diesen immer mehr, die sich genügend ausgeruht hatten, 
und schliefslich zogen alle in nordöstlicher Richtung und geringer 
Höhe von kaum 100 m ab. Dabei blies ein ganz böser Chamzim 
von Stärke 7—8 nach meiner Taxe. Auch im Sinai selbst hatte 



338 0. Graf Zedliti: 

ich bereits vorher Storchzuj; festgestellt, jedoch in raäfsigen 
Grenzen; im Wadi Nasb. Ost-Sinai, bei einer Lagerhöhe von 
1310 m zogen vom 24.— '26. IV. regelmäfsig Störche, es wurden 
auch 2 Exemplare erlegt, leider trug keiner von beiden einen 
Fufsriug der Vogelwarte Rossitten. Natürlich hätte ich als Mitglied 
des Kuratoriums hier gern einen „Ringstorch'' festgestellt, aber 
ich konnte doch deshalb kein grofses Morden veranstalten. 

Wenn Kaiser ganz allgemein die Behauptung aufstellt, dal's 
alle Vögel, welche im August nach Süden ziehend durchkämen, 
erst im Mai wieder nordwärts wanderten, und auch den Storch 
mit hierunter aufführt, so ist der Satz in dieser allgemeinen 
Fassung selbstverständlich unrichtig. Wyatt berichtet von ziehen- 
den Störchen, welche Capt. Palmer bereits am 5. März bei Firau 
sah, und dafs die meisten Vögel Ende März und im Laufe des 
April den Sinai wieder passieren müssen, das beweist schon das 
Datum ihres Eintreffens in der Heimat. 

IX. Familie: Ardeidae. 
19. Ardea puvpurea L. 

Kaiser 1892 p. 211; Rchw. V. A. I p. 377. 

Am 17. IV. habe ich beim Einmarsch ins Wadi Gharb ein 
Exemplar am Bache hoch gemacht, leider war es so weit, dafs 
meine Schrotschüsse erfolglos blieben, doch habe ich den Purpur- 
reiher genau erkannt. Er schien über die Art meiner Begrüfsung 
verstimmt und empfahl sich auf nimmer wiedersehen. 

20. Hcrodias garzetta L. 

Kaiser 1892 p. 211; Ärdea garzetta; Rchw. V. A. I p. 387. 

Am 1. V. beobachtete ich einen Seidenreiher am Strande 
nördlich El Tor bei Ebbe im seichten Wasser herumwatend. Leider 
hatte ich nur die Schrotfliute bei mir und versuchte vergeblich, 
mich auf Schufsweite zu nähern. Infolgedessen wäre eine Ver- 
wechselung mit einer der anderen kleinen weifsen Reiherarten 
immerhin denkbar, ich halte sie aber für unwahrscheinlich, da 
ich die ganze Gesellschaft doch aus der Praxis recht gut kenne. 

X. Familie: Columbidae. 

21. Columha livia schimpeH Bp. 

Bouaparte Consp. generum avium 1854 p. 48: C. schimperi: 
Wyatt 1870 p. 16 dito;^ Hartert Kat. d. Frankf. Vogel-Slg. 1891 
p. 186 Anm. 348 dito; Kaiser 1892 p. 212: C. livia; Rchw. V. 
A. I p. 681: C. schimperi; v. Erlanger J. 0. Od p. 48: C. l. 
schimperi. 

Was zunächst die rein formelle Frage der Nomenklatur 
betrifi't, so habe ich ernste Bedenken gehegt, ob es angängig sei, 



Von Suez zum Sankt Katharinen-Kloster. 339 

C. livia mit w e i f s e m Bürzel und C. schimperi mit grauem 
Bürzel in dieselbe Gruppe als zoogeographische Formen zu rechnen. 
Nun teilte mir kürzlich Prof. Koenig freundlichst mit, dafs er 
ein intermediäres Stück mit nur zum kleinen Teil weifsen Bürzel 
erhalten habe; daraufhin liefs ich meine Bedenken fallen. Hin- 
gegen kann ich mich nicht damit einverstanden erklären, alle 
Felsentauben von Egypten, dem Sinai, ganz Arabien und Palästina 
unter dem einen Namen schimperi zusammenzufassen. Als terra 
typica für diese Form hat Egypten zu gelten. Zwar schreibt 
Bonaparte an der oben genannten Stelle des Consp. gen. av. 
1854 p. 48 „ex Abyssinia ab Erkelo, Mus. Frankf.", aber das ist 
ein Irrtum. Diese Taube kommt gar nicht in Abessinien (auch 
im weitesten Sinne gefafst) vor, und Hartert hat im Kat. d. 
Frankf. V.-S. p. 186 Anm. 348 schon in dankenswerter Weise den 
Fehler verbesssert: Bonapartes Typen sind durch Dr. Erkel, den 
Begleiter Rüppells, bestimmt in Egypten gesammelt worden. 
Die egyptischen Stücke scheinen, soweit mir Material vom B.M., 
Museum Koenig, Tring.-Mus. und der eigenen Sammlung vorliegt, 
sich nicht wesentlich von den Sinai-Vögeln zu unterscheiden, es 
messen: Egypter Fl. 188 — 209,^ -*^ , .„ . -r 

Sinai-Stücke „ 202-213 / ^^ ^^'^' ^^^'^^ ^rofser. 
Die Färbung, besonders der Ton der Oberseite, ist ziemlich licht, 
frisches Gefieder natürlich stets etwas dunkler als abgenütztes. 
Aufserdem ist eine gewisse individuelle Variation nicht zu leugnen, 
immer aber ist der Metallglanz auf der Unterseite matt und wenig 
auf den Kropf hinab ausgedehnt. Dem gegenüber zeigen Exemplare 
von Palästina gröfsere Mafse: Fl. 215—218, allgemein dunkleren 
Ton besonders auf der Oberseite, Unterseits lebhafteren Metallglanz, 
welcher weit auf den Kropf hinabgeht. Ich halte diese Form für 
gut genug kenntlich, um sie neu zu benennen: 

Columha livia palaestinae subsp. nov. 

Typus: B. M. cT Wadi Fara No. 497, Schmitz leg. 2. IV. 10. 

Mir fehlt augenblicklich noch das Material, um mir über 
die Felsentaube Süd-Arabiens ein Urteil bilden zu können; bisher 
geht sie ebenfalls unter dem Namen schimperi (vgl. Lz. Hellm. J. 
Ö. 1901 p. 244 und v. Erlanger J. 0. 1905 p. 115/116). Bis 
auf weiteres hätten wir es also mit folgenden Formen zu tun: 

1. C. l. livia Briss., Westl. paläarkt. Gebiet; 

2. C. l, gymnocyclus G. R. Gray; NVY.-Afrika, Senegal; 

3. C. l. schimperi Bp., Egypten, Sinai; 

4. C. l. palaestinae Zedl., Palästina; 

5. C. l. intermedia Strickl., Süd-Persien, Indien, China. 

Die Felsentaube des Sinai ist zwar im Durchschnitt der 
Mafse etwas gröfser als typische C. schimperi aus Egypten, ich 
möchte sie aber doch noch damit vereinigen. Ich traf sie bald 
paarweise bald in kleinen Gesellschaften in den Tälern des 
Westens, am häufigsten im Wadi Hebrau. Die Tauber balzten 



340 0. Giaf Zedlitz: 

eifrig, besonders am trüben Morgen, trotzdem waren sie durcbweg 
recht scheu und keineswegs ganz einfach zu beschleichen. 

22. Coluniba oenas L. 

Die Hohltaube ist meines Wissens bisher noch nicht für 
den Sinai nachgewiesen. "Während ich mit dieser Arbeit beschäftigt 
war, bekam ich ein Stück in die Hand, welches das B. M. soeben 
vom Sammler Schrader erhalten hatte. Es ist von ihm erlegt bei 
Tor am 4. XI. 1911 und ein cT. Wenn ich auch keine eigenen 
Beobachtungen mitzuteilen habe, so glaubte ich doch diese 
Tatsache erwähnen zu sollen, da ich in der Literatur keine 
bezüglichen Notizen finde. 

23. Turtur (Streptopelia) turtur turtur L. 

Rchw. V. A. I p. 405; Zedl. J. 0. 09 p, 291. 

Die Turteltaube zieht spät im Frühjahr wieder noch Norden, 
so habe ich sie auch im Sinai erst in den letzten Tagen des 
April erscheinen sehen. Solche Massen wie in Tunesien habe ich 
hier nicht beobachtet, doch kamen die grofsen Schwärme in N.- 
Afrika auch erst in der ersten Hafte Mai durch. Die Bewohner 
von El Tor berichteten mir, dafs an guten Zugtagen die Palmen 
von den rastenden Vögeln fast bedeckt seien. 

Ein Beleg-Exemplar, das ich am 26. IV. im Wadi Nasb, 
O.-Sinai, schofs, zeigt auf Rücken, Bürzel und Oberschwanzdecken 
vorherrschend braune Färbung, welche den graulich-blauen 
Unterton vielfach fast verdrängt bat. Ähnliche Exemplare besitzt 
des B. M. aus Transkaspien, Turkestan. Ich möchte für spätere 
Untersuchungen empfehlen, auf diese Vögel aus dem Osten zu 
achten. Nicht identisch ist diese Turtur mit T. t. arenicola 
Hartert (Nov. Zool. 1894 p. 42) vom Persischen Golf bis zu den 
Atlasländern. Auch mit der egyptischen Form isabellina Bp., 
bei welcher der ganze Kopf und Nacken weinrötlich wie der 
Kropf gefärbt ist, hat sie nichts zu tun. Am 28. IV. im Wadi 
T'lih wurden noch einige ziehende Stücke erlegt. 

Nun mufs ich noch darauf eingehen, dafs Kaiser 1892 p. 
211 als häufigen Durchzügler ,,Turtur senegalensis"^ anführt, ohne 
T. turtur zu nennen, was mich sofort stutzig machte. Von 
typischer T. senegalensis aus dem tropischen Afrika kann selbst- 
verständlich hier nicht die Rede sein. Nun haben wir in N.- 
Afrika die etwas gröfsere und auf dem Bürzel dunklere Form T 
senegalensis aegypiiacus Lath. (Ind. Orn. 1790 p. 607). Diese 
kommt überall im Süden der Atlasländer vor und geht ostwärts 
bis Egypten, wo sie in der Provinz Giza nach Nicoll Ibis 1909 
p. 639 nicht selten ist. Überall aber ist sie Standvogel, 
vgl, die übereinstimmenden Berichte von Koenig (J. 0. 1896), 
V. Erlanger (J. 0. 1900 u. 1905) und mir (J. 0. 1909 p. 291). 
Auf meine spezielle Anfrage versicherte mir soeben Prof. Koenig 



Von Suez zum Sankt Katharinen-Kloster. 341 

nochmals mit aller Bestimmtheit, dafs von einem Zuge bei 
T. s. aegypUaciis nicht die Rede sein könne. Wenden wir uns 
nun nach Osten bezw. Nordosten, so finden wir bei Konstantinopel 
und in Kl. Asien T. t. cambayensis Gm., deren Verbreitungsgebiet 
sich noch weit nach Südosten, nicht aber nach Südwesten erstreckt. 
In Palästina ist in ganz wenig Fällen nur eine Turiur der senega- 
lensis Gruppe gefunden worden, welche nach dem Brit. Kat. und 
Tristram der cambayensis nahe steht, jedoch intermediär zwischen 
ihr und typischer senegalensis sein soll. Ich vermag das heute 
nicht nachzuprüfen, es genügt auch festzustellen, dafs alle im 
Brit. Kat. (teste Tristram) aus Palästina angeführten Stücke im 
Januar erlegt sind, also ist auch dort die senegalensis-Form 
ebenso wenig Zugvogel wie sonst überall. Natürlich ist diese 
östliche Taube auch noch nie in Afrika gefunden worden, 
dorthin raüfste sie aber ziehen, wenn sie den Sinai passiert. 
Auf Grund dieser Feststellungen müssen wir annehmen, dafs 
Kaiser zwei so verschiedene Arten wie T. turtur und T. sene- 
galensis einfach verwechselt hat. Vielleicht liefs er sich 
täuschen, weil die Vögel bei El Tor aus Mangel an anderen 
Bäumen auf Palmen rasten. 



XI. Familie: Phasianidae. 
24. Caccabis chuear sinaica Bp. 

Bonaparte Ext. Acad. Sc. Paris XLII p. 882 (1856): Perdix 
sinaica, J. 0. 1858 p. 31; Wyatt 1870 p. 16: C. saxaüUs; Kaiser 
1892 p. 212: C. synaica. 

Dies Steinhuhn war 1 898 nach Koenigs Beobachtungen ziemlich 
häufig, ich habe es leider nur ganz ausnahmsweise angetroffen. 
Das erste Pärchen konstatierte Präparator Müller am Tarbousch, 
an einem Abhänge des westlichen Hauptkegels oberhalb des Wadi 
Hebran in 1800—2000 m Höhe, mit dem Glase auf weite Ent- 
fernung, ohne es nachher wiederfinden zu können. Derselbe sah 
dann am Nord-Abhange oberhalb des Wadi Selaf am 16. IV. 
wieder ein Pärchen dicht vor sich laufen, als er gerade die Büchse 
in der Hand hatte. Später war auch das Suchen nach diesen 
Vögeln erfolglos. 

Schliefslich am 22. IV. schofs er ein Stück an den Fels- 
hängen des Nakb-el-Haui Passes herunter, ohne es nachher finden 
zu können. Ein cf, das mir ein Grieche brachte, ist schliefslich 
das einzige geblieben. Hingegen habe ich vom 17. IV. ein 
bebrütetes Gelege von 7 Eiern und vom 19. IV. ein frisches 
Einzelei. Ich vermute, dafs die Hühner gerade zur Brutzeit 
besonders heimlich sind, denn gar so selten können sie wohl nicht 
sein, da man sehr häufig gefangen gehaltene trifft, z. B. überall, 
wo griechische Mönche wohnen. Die Mafse der Eier sind: 

Joom. f. Om. LX. JaluR. Jnli 1912. 23 



342 0. Graf Zedlitz: 

Gelege 17. IV. 1911. 

Lg. Br. Dopp. Lg. Br. Dopp. 

1. 39,1 29,7 17,5 mm 5. 39,3 29,4 17 mm 

2. 39,2 31,2 17 - 6. 39,2 30,2 17 

3. 40,4 30,2 17,5 - 7. 39,7 29,6 16,5 - 

4. 40,3 29,6 18 

Einzelei 19. IV. 1911. 
Lg. 37,4. Br. 28,9. Dopp. 16 mm. 

Die Schale ist kräftig mit schwachem Mattglanz und vielen 
deutlich sichtbaren Nadelstichporen, Gestalt leicht kreiseiförmig 
mit intensivem Spitzpol. Die Färbung ist die typische hell isabell- 
farbene, welche eine sehr feine aus winzigen braunen Pünktchen 
bestehende Zeichnung überzieht. 

Die Flügelmafse von 4 cT und 5 9 des Mus. Koenig sind 
155 — 166 mm bezw. 147—155 mm, wie mir Dr. Le Roi freundlichst 
mitteilt. 

25. Ammoperdix heyi Temm. 

Temm. PI. Col. V. 1825 T. 328, 329; Wyatt 1870 p. 17: Cac- 
cahis heyi; Kaiser 1892 p. 212: Ä. heyi; Rchw. V. A. I p. 503 dito. 

Bei den Ammoperdix ist die systematische Frage noch wenig 
geklärt. Früher glaubte man, in A. heyi und cholmleyi zwei ganz 
verschiedene Arten vor sich zu haben. Nun hat aber Nicoll 
(Ibis 1909 p. 640) nachgewiesen, dafs die weifse Kopfzeichnung 
individuell variiert und nicht als Unterscheidungs- Merkmal dienen 
kann. Es bleibt nun als Kennzeichen von cholmleyi nur die etwas 
dunklere Oberseite übrig. Bei so geringem Unterschiede lag es 
für Nicoll nahe, beide als nahe verwandte Formen ternär A. h. 
heyi und A. h. cholmleyi zu nennen, doch hat er dabei ein sehr 
berechtigtes Bedenken: Die Verbreitung beider Formen steht 
noch so wenig fest und es liegen so viel ältere ungenaue Angaben 
(z, B. ,,Egypteu" ganz allgemein) über Fundorte vor, dafs hier 
erst Klarheit geschaffen werden mufs. Ich kann mich diesen 
Ausführungen nur vollkommen anschliefsen und beschränke mich 
darauf, zu konstatieren, dafs meine Stücke vom Sinai nicht voll- 
kommen mit solchen aus Palästina übereinstimmen. Die Flügel- 
mafse von 5 cT meiner Sammlung sind 124 — 129 mm, Q l\\ mm, 
Vögel des B. M. aus Palästina messen cfcT 126—130, 99 120 mm. 
Aus den Mafsen liefse sich also wohl nicht ein Unterschied her- 
leiten, hingegen sind meine cfcf am Kopfe, besonders auf Scheitel 
und Wangen, etwas dunkler als solche von den Ufern des Toten 
Meeres, mein 9 ist bedeutend dunkler und stärker gebändert 
als jene. Ich halte aber mein 9 mit Rücksicht auf die sehr kleinen 
Malse und das „scheckige", d. h. gebänderte und getüpfelte Gefieder 
für ein noch nicht voll erwachsenes Stück aus einer späten Nach- 
brut, wie sie bei Hühnervögeln ja keine grofse Seltenheit ist. 



Von Suez zum Sankt Katharinen-Kloster. 343 

Diese Hühnchen beleben das ganze Gebirge, nirgends fehlen 
sie ganz, nirgends sah ich sie sehr häufig. Jedes Pärchen scheint 
sein eigenes Revier während der Brutzeit zu behaupten. Am 
frühen Morgen und bisweilen am Nachmittage lockt der Hahn 
mit weithin vernehmbarer Stimme. Versucht man es, sich ihm 
zu nähern, so läutt er flink aufwärts und verschwindet bald zwischen 
den Steinen. Gelingt es, ihn gedeckt anzuschleichen, um dann 
überraschend vor ihm zu erscheinen, so entschliefst er sich meist 
aufzufliegen, und ist dann leicht herunter zu holen. Zwischen 
dem Gestein rettet ihn seine vorzügliche Schutzfärbung gar zu 
leicht vor Nachstellung, so lange er laufen und sich drücken 
kann. Während die Caccabis nur im eigentlichen Hochgebirge 
lebt, kommt Ammoperdix überall auch in den mittleren Lagen 
vor, am liebsten, wo inmitten steiniger Hänge kleine Felstürme 
und Kuppen emporragen. Die Eingeborenen fangen sie, indem 
sie etwas Futter unter einen flachen schräg gestellten Stein schütten, 
welcher von einem einfachen Stellholz gehalten wird. Der ara- 
bische Name ist „H'djel", der für Caccabis „Schennär", doch 
werden beide Vögel von den meisten Beduinen oft verwechselt. 
Übrigens erinnert die Stimme von Ammoperdix tatsächlich an 
den Lockton von Caccabis (allerdings ^e^rosa- Formen, die ich oft 
in N. -Afrika gehört habe), eine Bemerkung die auch schon Schwein- 
furth gemacht hat. 

26. Coturnix coturnix coturnix L. 

Wyatt 1870 p. 18: C. communis; Kaiser 1892 p. 211: C. 
coturnix; Rchw. V. A. I p. 505 dito; Zedl. J. 0. 1909 p. 296, 
1910 p. 362. 

Die Systematik der Wachtel bildet auch ein recht schwieriges 
Kapitel, es fehlen mir die Unterlagen, um mich erschöpfend damit 
beschäftigen zu können. Unter den Brutvögeln N.-Afrikas kommen 
vielfach sehr helle Exemplare vor, doch scheint diese Färbung 
auch bei ihnen nicht konstant zu sein, eine Differenz in den 
Mafsen gegenüber Europäern vermag ich nicht festzustellen. Die 
Wachteln, welche Ende März massenhaft jedes grüne Fleckchen 
in der Oase Suez belebten, waren echte europäische Zugwachteln, 
als VVintergäste habe ich sie an den Ost-Abhängen des Plateaus 
von Eritrea i. J. 1908 gefunden. Der stärkste Durchzug fand bei 
Suez um den 1. IV. statt. Noch Mitte April konstatierte ich 
vereinzelte Wachteln in Firan, ich glaube aber, dafs die bevor- 
zugte Strafse nicht über die Höhen des Sinai führen dürfte. Dafs 
die Wachtel in Massen das Mittelmeer überfliegt, ist längst bekannt, 
Heuglin z. B. schildert in anschaulicher Weise das Eintreffen der er- 
matteten Wanderer im Frühherbste auf den Dünen bei Alexandria. 
Ich sammelte nun am 25. IV. im Wadi Nasb, O.-Sinai, eine Wachtel, 
deren Reiseziel offenbar viel weiter östlich lag als das der Vögel, 
welche das Mittelmeer passieren. In ihrer sehr lebhaften Gesamt- 

23* 



344 0. Graf Zedlitz: 

färbung stimmt sie gut zu Stücken des B. M. aus Transkaspien 
und dem Kaukasus. Allerdings ist auch bei Brutvögeln aus jener 
östlichen ßegion eine individuelle Variation in starkem Mafse zu 
konstatieren, je mehr Material man vornimmt, desto schwerer 
wird ein Entschlufs. Jedenfalls aber möchte ich auf die Tatsache 
hier hingewiesen haben. 

Das vorläufige, keineswegs abgeschlossene Resultat meiner 
Untersuchungen betr. Systematik der Wachtel ist folgendes: 

1. Coturnix coturnix coturnix L. 

cf ad. Kehlmitte schwarzbraun bis schwarz, unten von 
einem weifslichen Bande umsäumt, Kropfifärbung mäfsig hell- 
bräunlich. 

cf juv. Kehlfleck nur wenig angedeutet, später mattbraun. 

Alle cf haben Kropf und Brust ungefleckt aufser pulli. 

9 ad. Kehle rahmweils, Kropf und Brust schwarzbraun 
gefleckt, Form der Flecken länglich. 

9 juv. im ganzen ähnlich, Flecken zahlreicher und runder. 

Verbreitung: Ganz Europa, vielleicht N.-Äfrika und W.- 
Asien. 

2. C. c. africana Temm. Schleg. 

cT ad. Kehlfleck rotbraun, nicht von einem weifsen Bande 
umsäumt, ganze Unterseite, besonders der Kropf lebhafter 
bräunlich, Oberseite dunkler als typische coturnix, 

9 ad. dunkler und rotbrauner als coturnix typ. 

Verbreitung: S.-Afrika. 

3. Stücke aus Abessinien, von Erlanger bei Harer gesammelt, 
zeigen schwarzbraunen Kropf gegen rötlichbraunen heiafricana. 
Sie repräsentieren wohl sicher eine neue Form, deren Ver- 
breitung jedoch noch nicht feststeht. Ich möchte für sie den 
Namen: C. c. erlang eri vorschlagen, Typus: Coli. v. Erlanger 
cf No. 11661 Cunni 6. V. 1900, Hilgert. leg. 

4. Vögel vom Kaukasus und aus Daurien sind im allgemeinen 
bräunlicher als coturnix aus Europa und stehen in der 
Färbung africana fast näher vgl. BM. 9 ^^s Daurien, 
Dybowski leg. und cf Nr. 187 Baksantal, ßyssel leg. Da 
jedoch der Brit. Kat. ähnliche dunkle Stücke auch aus 
Österreich, Schweiz, Ungarn vereinzelt aufführt, erscheint 
diese Frage noch nicht genügend geklärt. Hierher gehört 
auch mein Stück aus dem O.-Sinai. 

5. Auf iMadeira kommt eine Wachtel vor, deren cT nur wenig 
lebhafter gefärbt ist als coturnix typ., deren 9 ^.ber auf 
der Unterseite stärker gefleckt, auf der Oberseite dunkler 
ist, vgl. B. M. 9 Funchal, Hartwig leg. und Brit. Kat XXII 
p. 239 über intermediäres cf ad. von Madeira, Cossart leg. 

6. Brutvögel aus den Atlasländern und Egypten sind anscheinend 
oft etwas blasser als alle anderen, die egytischen wohl am 
hellsten, hingegen ist die hie und da auftauchende Behauptung, 
sie seien gröfser, nicht zutreffend. Ob wir es hier mit einer 



Von Suez zum Sankt Katharinen-Kloster. 345 

gesonderten Rasse zu tun haben, kann nur an der Hand 
sehr grofser Suiten entschieden werden. 
7. C. c. japonika Temm. Schleg. 

Die Federn an den Seiten von Kropf und Brust sind 
nicht lancetförmig sondern rundlich. 

Verbreitung: Japan. 
Aufser diesen Formen und Varietäten kommen überall 
gelegentlich melanistische Exemplare vor, anscheinend besonders 
häufig in der Gegend von Valencia, Spanien vgl. 0. Grant. Brit. 
Kat. XXII p. 237. Ich besitze aber auch in meiner Sammlung 
ein ähnliches Exemplar, das ich selbst in Schlesien erlegt habe. 
Hiermit sei der kleine Ausflug ins Reich der Wachtel vor- 
läufig abgeschlossen. 

XII. Familie: Vulturidae. 
27. Gyps fulvus fulvus L. 

Wyatt 1870 p. 10: G. fulvus; Kennedy 1874 p. 110 dito; 
Kaiser 1892 p. 212; v. Erlanger J. 0. 1904 p. 142; König J. 0. 
1907 p. 70 ff.; Hartert Nov. Zool. 1912 p. 530. 

Harter t hat an der Hand sehr grofsen Materials festgestellt 
(Nov. Zool. 1912), dafs sich die westliche Form C. f. occidentalis 
Schleg. doch nicht konstant unterscheidet und zieht sie deshalb 
ein. Ich schliefse mich seiner Autorität an und ändere entsprechend 
meine im J. 0. 1909 vertretene Anschauung. 

Ich fand den Gänsegeier im Sinai nur ganz vereinzelt im 
Gegensatz zum Atlas, wo er ja leider auch in der Abnahme 
begriffen ist. Im Centralstock nahe dem Kloster sah ich ihn 
einige mal hoch in der Luft seine Kreise ziehen, am 24. IV. 
zeigten mir Beduinen dort auch den Kopf eines vor wenigen 
Tagen von ihnen erlegten Exemplars. Zur Quarantäne-Zeit soll 
er bisweilen bis nach El Tor hinabkoramen, die Entfernung ist 
für diesen kolossalen Flieger ja winzig. Wyatt erklärt den Gyps 
übereinstimmend mit meinen Beobachtungen für selten, nur sein 
Begleiter Rev. Holland sah einmal einige Stücke an einem 
Kameel-Kadaver unweit von Akaba. 

Als auffallend sei noch Kennedy's Mitteilung im Ibis 1874 
p. 110 registriert, welcher neben G. fulvus auch Vultur monachus 
gesehen haben will. Ausgeschlossen ist dies nicht, da einige, 
allerdings sehr wenige Fälle vorliegen, wo seine Erlegung in 
Egyten verbürgt ist. Hingegen ist G. fulvus nach Koenigs 
Beobachtungen (J. 0. 07 p. 72) in Egypten „weitschichtig ver- 
breitet". 

28. Neophron percnopterus L. 

Wyatt 1870 p. 11; Kennedy 1874 p. 110; Kaiser 1892 p. 
211; Rchw. V. A. I p. 521; v. Erlanger J. 0. 1904 p. 152—154; 
Koenig J. 0. 1907 p. 60 ff.; Zedlitz J. 0. 1909 p 207, 1910 p. 364. 



346 0. Graf Zedlitz: 

Der Aasgeier, nach Koenig in Egypten sehr häufig, ist auch 
in dem an Raubvögeln so armen Sinai relativ gemein. Schon 
Erlanger hat auf einen anscheinend konstanten Färbungs-Unter- 
schied hingewiesen, nach dem der Neophron aus NO.-Afrika 
häufig rostfarbenen Anflug auf dem Kragen zeigt, der aus den 
Atlasländern hingegen weifs bleibt. Ich finde das an den Bälgen, 
welche ich in den beiden Regionen sammelte, bestätigt, und 
konnte jetzt an einem im Sinai, Wadi Gharb 18. IV., erlegten 9 
feststellen, dafs es im rostgelblichen Ton den NO. -Afrikanern 
näher steht als den Tunesen. Der Flügel mifst 510 mm, 
deutlicher Brutfleck ist vorhanden. Schon bei El Tor sah ich 
fast täglich adulte Vögel, meist Pärchen, semiadulte einzeln. 
Wohl in jedem gröfseren Gebirgstale ist mir dann gelegentlich 
der Vogel wieder zu Gesicht gekommen, doch nie mehr als 
2 Stück gleichzeitig. 

XIII. Familie: Falconidae. 
29. Circus macrourus Gm. 

Rchw. V. A. I p. 535; Koenig J. 0. 07 p. 582: C. swainsonii. 

Bei Suez sah ich Ende März einige mal Weihen in der 
bekannten Weise die Felder absuchen, und halte es für höchst 
wahrscheinlich, dafs es Steppenweihen waren. Koenig nennt 
diese die häufigste der 3 Arten in Egypten und betont ihr 
besonders zahlreiches Auftreten bei angebauten Flächen im März 
und April zur Zugzeit. 

30. Astur badius brevipes Severz. 

Severz. Bull. Soc. Imp. Nat, Moscau XXXIII p. 234; A. 
brevipes; v. Erlanger J. 0. 1904 p. 169: Ä. badius brevipes,. 

Es ist V. Erlangers Verdienst, zuerst die 6adm-Gruppe an 
der oben citierten Stelle durch ternäre Benennung vereinigt zu 
haben, ich stelle hierunter nochmals kurz die Formen neben einander: 

1. A. b. badius Gm.: Indien- Afghanistan; 

2. A. b. poliopsis Hume: Hinterindien, Formosa, Hainan; 

3. A. b. brevipes Severz.: SO.-Europa, Kl. Asien, Persien; 

4. A. b. sphenurus Rüpp.: NW.- und NO.-Afrika bis S.-Somali; 

5. A. b. polyzonoides A. Sm.: 0.- und S.-Afrika. 

Vom Accipiter nisus nisus, neben welchem er im Sinai vor- 
kommt, unterscheidet sich dieser Astur leicht durch den sehr 
viel kräftigeren Lauf, stärkere Zehen, etwas kürzere Mittelzehe, 
braune Iris und lebhaftere Bänderung der Unterseite. Bei 
A. nisus ist die Iris goldgelb bis orangegelb. Ich erwähne dies 
besonders, weil bei Rchw. V. A. I p. 557 das Auge der verwandten 
Subspecies A. b. sphenurus ,, orangerot", das von A. b. polyeonoides 
p. 556 ,,oraugegelb bis karminrot" beschrieben wird, also in der 
Farbe eher mit Accipiter nisus als mit dem viel näher stehenden 



Von Suez zum Sankt Katharinen-Kloster. 347 

A. b. brevipes übereinstimmt. Die Brustbänderung ist beim 9 
ad. ausgeprägter und dunkler (brauner), beim cf ad. verwaschener 
und blasser (rötlicher). Dasselbe konstatiert v. Erlanger bei Ä. 
b. sphenurus J. 0. 04 p. 170. 

Ich fand diesen kleinen Habicht nur im östlichen Sinai im 
Wadi Nasb, wo ich am 25. und 26. IV. zusammen 3 Stück (2 cf, 
1 9) erlegen konnte. Ich halte den Vogel dort nicht für einen 
Durchzügler, sonst hätte ich ihn wohl auch anderswo als in diesem 
eng begrenzten Gebiet einmal angetroffen. Ich vermute, dafs ich 
hier oberhalb des Golfs von Akaba eben die westlichste Grenze 
seiner Verbreitung erreicht hatte, Beweise für den Beginn der 
Brut vermag ich allerdings nicht zu erbringen, es war wohl noch 
etwas zu früh dafür. 

31. Accipiter nisus nisus L. 

Kaiser 1892 p. 211; Rchw. V. A. I p. 559; Koenig J. 0. 
1907 p. 413. 

Es liegen von meiner Sinai-Tour 4 (f vor, eins im schönen 
frisch vermauserten Alterskleide von Firan 12. IV., ein ebenfalls 
adultes aber noch nicht mit dem Kleide ganz fertiges vom WTadi 
Tarffa 27. IV (südlich Katharinen-Kloster) und 2 jüngere, ober- 
seits noch vorwiegend braune Vögel vom Wadi Nasb (0.- Sinai) 
26. IV und Wadi T'lih (W.-Sinai) 28. IV. Iris bei allen gelb- 
orangegelb. 

Der Sperber überwintert nach Koenig sehr zahlreich in 
Egypten, ich fand ihn im Januar 1908 auch in der Oase Suez. 
In den Tälern des Sinai trat er während des ganzen Monats 
April überall einzeln auf, zumeist wohl als Durchzügler, da au 
Nahrung für ihn dort kein Überflufs ist, doch halte ich es nicht 
für ausgeschlossen, dafs in der Oase Firan auch einige Exemplare 
überwintern. Koenig erwähnt die Erlegung von 2 cf am 15. III. 
in Egypten als auffallend späten Termin, meine Daten liegen, wie 
ersichtlich, z. T. noch um 6 Wochen später. Der Sperber streicht 
im Winter weit südwärts, v. Erlanger fand ihn im Oktober und 
November in Abessinien, da ist es nicht wunderbar, wenn einzelne 
Stücke auch erst spät im Frühjahr wieder die Rückreise antreten. 

Wenn Koenig in den „Falconiden Aegyptens" den Gedanken 
seines Brütens in Egypten naheliegend nennt, so kann ich mich 
dem nur anschliefsen, ohne jedoch neues Beweismaterial beizu- 
bringen. Jedenfalls wird der Vogel weit eher im fruchtbaren 
Unter-Egypten als im kahlen Sinai sich sein Haus bauen. 

32. Aquila fulva L. 

A. Brehm Naumannia 1855 p. 11; Koenig J. 0. 1907 p. 392 
und 393. 

Bei der Nomenklaturfrage möchte ich mich doch Koenig an- 
schliefsen, der die Bezeichnungen „/wZva" für den westlichen und 



348 0. Graf Zedlitz: 

^ychrysaetos''^ für den östlichen Steinadler vorläufig noch getrennt 
halten möchte, wie er J. 0. 07 p. 392 Anm. 2 begründet. Auch 
mir scheint die Sache noch nicht ganz klar, und da die Namen 
einmal, existieren, bediene ich mich ibrer. 

Über das Vorkommen des Steinadlers im Sinai haben wir 
wenig Zeugnisse. Dafs er überhaupt dort erscheint, ist schon 
darum wahrscheinlich, weil er sogar für NO. -Afrika bereits in 
2 Fällen (Schrader, Zedlitz) festgestellt wurde. Einen einwand- 
freien Beweis erbringt uns Brehm an der oben näher bezeichneten 
Stelle, wo er von mehreren Exemplaren spricht, welche der franzö- 
sische Forscher de Malzac auf Ausflügen von Tor aus sammelte. 
Ich selbst habe beim Rückmarsch durch das Wadi T'lih mehrfach 
Adler kreisen gesehen, welche ich für Steinadler hielt. Beweisen 
kann ich es nicht, doch ist Ende April — es war am 29. und 
30. IV. — die Zugzeit von A. clanga und naevia vorbei, die hier 
in Frage kommenden Vögel nisteten wohl in den Hängen des 
riesigen Gebel Oum Schomer oder seiner Nebenberge. Hätte ich 
nur einen meiner bewährten Horstfinder aus dem Atlas hier ge- 
habt, aber mit den Sinai-Beduinen ist eben gar nichts anzufangen, 
sobald sie etwas anderes tun sollen, als ihre unvermeidlichen 
Steinböcke jagen! 

Der Habichtsadler (Eieraaeius fasciatus fasciatus Vieill.) 
ist mir nie zu Gesicht gekommen. Ich bezweifle stark, dafs er im 
Sinai horsten sollte. In Egypten konstatierte ihn König als 
Brutvogel, aber doch nur in einem Falle. Wyatt (1870 p. 11) 
will ihn einige mal gesehen haben, stimmt das, so handelte es 
sich wohl um ein Stück aus Egypten, das einen der bei Adlern 
nicht ungewöhnlichen weiten Winter-Ausflüge unternommen hatte. 

Auch Äguila pennata wird von einem Beobachter genannt, 
es ist Kennedy Ibis 1874 p. 111, der ein Pärchen am 18. IV. 
nach seiner Meldung bei Dohorizeh (Norden am Plateau El Tih) 
gesehen hat. 

33. Aquila clanga Pall. 

Koenig J. 0. 1907 p. 395, 396. 

Der Schelladler ist nach Koenig legelmäfsiger Wintergast 
und Durchzügler in Unter-Egypten, der Forscher erlegte selbst 
dort cf am 20. III. 99 auf einer Nil-Insel bei Esneh. Immerhin 
soll diese Art seltener sein als Ä. naevia. Ich befand mich am 
8. IV. 11 auf dem West- Abhänge des Tarbousch oberhalb des 
Wadi Hebran, als ich unter mir einen mäfsig grofsen Adler kreisen 
sah, der durch seine leuchtend weifsen Oberschwanzdecken im 
Gegensatz zur sehr dunklen Allgemeinfärbung auffiel. Selbst- 
verständlich kam ich nicht auf ihn zu Schufs. Ein 9 (^) ^^ fast 
genau demselben Kleide erhielt soeben das B. M. durch Schrader, 
der es am 16. X. 11. im Sinai von El Tor aus gesammelt hatte. 
Das interessante Stück lag bei der Januar-Versammlung der D. 
Ornith. Ges. in Berlin vor und wurde für Aquila clanga juv. 



Von Suez zum Sankt Katharinen-Kloster. 349 

(d. h. aus dem letzten Jahre) erklärt. Die Mafse sind sehr klein; 
Fl. 492 (Koenigs cf 545!), Schnabel incl. Wachshaut 47, ohne 
Wachshaut 34 mm. Um einen ra'pax kann es sich nicht handeln, 
da dieser niemals weifse Oberscbwanzdecken zeigt. Das im 
ganzen sehr dunkle, oberseits vielfach heller gefleckte Gefieder 
ist noch gar nicht abgestofsen, die Laufbefiederung hebt sich in 
ihrer auffallend schwarzbraunen Tönung besonders ab. 

34. Buteo buteo ^immermannae Ehmke. 

Ehrake J. 0. 1893 p. 117, 173: B. isimmerniannae; König 
J. 0. 1907 p. 551: B. deseriorum. 

Ich besitze 4 Buteo vom Sinai und zwar: 
cf No. 4150 Wadi Gharb (Centralstock) 18. IV., 
9 No. 4196 Wadi Nasb (O.-Sinai) 24. IV., 
Cfd* No. 4206/07 Wadi Nasb 26. IV. 

Zweifellos sind es Zugvögel, und es handelt sich zunächst 
um die Frage: haben wir hier B. h. desertorum oder B. b. 
eimmermannae vor uns? Alle 4 Stücke tragen ein sehr abge- 
stofsenes verbrauchtes Gefieder, die Fleckung der Unterseite 
variiert, bei No. 4150 ist sie am stärksten, bei No. 4196 am 
schwächsten, aber alle zeigen am Schwanz eine deutliche über 
die ganze Feder quer sich erstreckende Bänderung. Die rost- 
rötliche Färbung der hellen Felder zwischen den dunklen Schwanz- 
binden tritt bei dem stark abgenutzten Gefieder nicht recht 
deutlich hervor, noch weniger ist bei einem der Vögel, wie ich 
nochmals betone, von einem einfarbig roten Schwanz die 
Rede. Das B. M. besitzt einen Balg 9 Stoll leg. 21. V. 98 
Smilten, Livland, welcher das Gefieder etwa im gleichen Stadium 
zeigt und meinen Exemplaren genau gleicht mit Ausnahme der 
mittelsten Schwanzfedern, deren Grundfarbe lebhafter roströtlich 
ist. Mögen auch junge desertorum ebenfalls deutliche Schwanz- 
binden zeigen, so verschwinden diese doch bald, und zwar zuerst 
an der oberen Hälfte der Feder beim noch nicht mehr als ein- 
jährigen Vogel. Im Jugendkleide dürften zimmermannae 
und desertorum während des Zuges kaum zu unterscheiden sein, 
wenigstens nicht immer. Hier ist es aber doch sehr unwahr- 
scheinlich, dafs alle meine Stücke gerade vorjährige Junge sein 
sollten, und gibt man ihnen ein höheres Alter zu, dann sind es 
eben zimmermannae. Im übrigen zeigen Wintervögel von desertorum, 
welche, nach der Schwanzbänderung zu urteilen, noch unter 
einem Jahr alt sein dürften, einen röteren Ton im Gesamtkolorit 
als meine ausgesprochen fahlen Stücke (vgl. B. M.: B. desertorum 
Schmitt leg. Jringa 25. I. 99). 

König geht in den „Falconiden Aegyptens" gar nicht auf 
die Form zimmermannae ein, sondern erwähnt nur desertorum, 
begreift also offenbar beide nur schwach unterschiedenen Formen 
unter diesen Namen. Darüber läfst sich wohl streiten, hingegen 



350 0. Graf Zedlitz: 

mufs ich auch hier wieder meinen Standpunkt als prinzipiell 
von dem seinigen abweichend festlegen, indem ich „cirtensis Lev." 
keineswegs als Synonym zu desertorum, sondern als Subspecies 
der /eroaj-Gruppe auffasse. In ihren Brutgebieten schliefsen sich 
einerseits ferox (SO.-Rufsland, Transkaspien, Ober-Egypten) und 
cirtensis (Atlasländer), andererseits buteo (Mittel-Europa), zimmer- 
mannae (West-Rufsland) und desertorum (Üst-Rufsland, an- 
grenzendes Asien) aus (vgl, auch Hartert Nov. Zool. 1912 p. 535, 
der sich in meinem Sinne ausspricht). 

35. JPernis apivorus L. 

Rchw. V. A. I p. 613; Koenig J. 0. 1907 p. 403. 

Der Wespenbussard passiert den Sinai auf dem Zuge, im 
Frühjahr ziemlich spät, im Herbste früh. Koenig berichtet, er 
„solle" im September bei Alexandria häufig sein. Im B, M. sah 
ich mehrere Bälge, welche Schrader im Herbst 1911 bei El Tor 
gesammelt hatte. Eigene sichere Beobachtungen über den Früh- 
jahrszug konnte ich leider nicht anstellen. 

36. Gypaetus barbatus atlantis Erl. 

Wyatt 1870 p. 10: G. barhaius, Kaiser 1891, 1892 p. 211, 
212 dito; v. Erlanger J. 0. 1904 p. 204; Koenig J. 0. 1907 p. 91. 

Diese westliche Form des paläarktischen Bartgeiers wurde 
durch Erlanger aus dem tunesischen Atlas beschrieben. 
Koenig beschäftigt sich an der oben angeführten Stelle eingehend 
mit der systematischen Stellung des egyp tischen Bartgeiers 
und stellt fest, dafs wir es hier keinesfalls mit der südlichen, 
tropischen Form meridionaUs (ossifragus, nudipes), sondern mit 
einem barbatus typ. oder barbatus atlantis zu tun haben. Mangels 
an Beweisstücken ist letztere Frage noch in der Schwebe gelassen, 
jedoch sehr mit Recht die gröfsere Wahrscheinlichkeit für 
atlantis betont. Inzwischen hat das Mus. Koenig durch Schrader 
einen Bartgeier vom Sinai erhalten, der zwar noch nicht volles 
Alterskleid trägt, aber doch als atlantis aufzufassen ist, da die 
Laufbefiederung nicht bis auf die Zehen hinabreicht (Prof. Koenig 
u. Dr. Le Roi in litteris). 

Der Bartgeier ist neben dem Aasgeier der Raubvogel, den 
mau im Sinai am häufigsten zu sehen bekommt. Bei El Tor 
erscheint er wohl nur selten, ich selbst beobachtete ihn dort 
nicht, hingegen ist im Gebirge mir kaum ein Tag verflossen, an 
welchem das charakteristische Flugbild nicht an meinem Auge 
vorübergezogen wäre. Dafs ich trotzdem nicht ein einziges mal, 
sei es auch unter schwierigen Verhältnissen, zu Schufs gekommen 
bin, ist ein Moment, welches den Gesamt- Erfolg der Tour für mich 
passionierten Adler- und Bartgeier-Jäger wesentlich herabdrückt. 
Es ist mir nur ein recht geringer Trost, dafs selbst ein Koenig 
(NB. der aus Bonn !) s. Z. denselben Mifserfolg erleben mufste. 
Es ist eben direkt ein glücklicher Zufall zu nennen, wenn mau 



Von Suez zum Sankt Katharinen-Kloster. 351 

auf diesen stolzesten Bewohner der Berge zu Schufs kommt, wie 
es Kaiser (vgl. 1891. Monatsschr. z. Seh. d. Vogelw.) ergangen 
ist, der gemütlich unter einen Felsen safs, als 2 Bartgeier auf 
Schufsweite ihm gegenüber einfielen und dadurch auch noch die 
Stelle anzeigten, wo ein vorher krank geschossener Steinbock ver- 
endet lag. Wie gern hätte ich einen Luderplatz angelegt, aber 
das ist im Sinai, wo Vieh so selten ist, nicht ganz einfach. Mit 
einer Ziege habe ich es versucht, aber nur Milvus und Neophron 
damit angelockt, ein altes Kameel zum totschielsen war nicht zu 
bekommen, und gutwillig brach sich leider auch keins die Knochen, 
so vertröstete man sich von einem Tag zum andern, bis es 
zu spät war. 

Die beste Chance der Erlegung bietet ja der Ansitz am 
Horst, wie ich ihn im Atlas stets mit Erfolg ausgeführt habe. 
Aber auch damit hat es im Sinai seinen Haken. Der Eingeborene 
ist viel zu faul, um sich irgendwie mit dem Aufsuchen von 
Horsten zu inkommodieren. Ich habe im Katharinen-Kloster, 
der Zentralstelle für alle umwohnenden Beduinen, für Auffindung 
eines besetzten Horstes 2 Pfund ausgeboten, nach den dort 
geltenden Begriffen ein Vermögen, aber nicht ein einziger Bursche 
hat auch nur den Versuch gemacht, es sich zu verdienen. Wir 
selbst haben allerdings einen Horst gefunden, zuerst entdeckte 
ihn Müller, er stand auf dem östlichen Gipfel des Geb. Tarbousch 
Front nach dem Wadi Selaf. Es dürfte derselbe Horst sein, den 
auch Koenig i. J. 1898 besetzt fand. Er steht absolut un- 
erreichbar in einer ca. 200 m hohen senkrechten Wand. Dem 
ab- und zustreichenden Vogel ist weder von oben noch von unten 
mit der Schrotflinte beizukommen, und mit der Kugel ist auch 
nichts zu machen, da der Horst, wie meist beim Bartgeier, in 
einer tiefen Nische im toten Winkel steht, sodafs der innen 
aufhakende Vogel überhaupt nicht zu sehen ist. Dafs wir 
aufserdem Mitte April dort oben ganz hübsch einschneiten, 
trug auch nicht dazu bei, den Ansitz verlockender zu gestalten. 

Ks blieb also nur die sehr geringe Chance übrig, einen 
zufällig vorbeistreichenden Bartgeier mal herabzuholen. Stets 
hatten wir auf den Märschen die Flinte möglichst zum Gebrauche 
fertig, aber nur einmal überflog uns ein Gypaetus von hinten 
kommend und daher überraschend in so geringer Höhe, dafs ein 
Schrotschufs nicht ganz aussichtslos gewesen wäre. Es war dies 
im Wadi Selaf unterhalb des besetzten Horstes, und die Gefahr 
lag doch andererseits gar zu nahe, den herrlichen Vogel nutzlos 
krank zu schiefsen. 

37. Pandion haliaetus L. 

Kaiser 1892 p. 211 ; Monatsschr. z. Seh. d. Vogelw. 1893 p. 
276-178; Rchw. V. A. I p. 607; Koenig J. 0. 07 p. 408; 
Zedlitz J. 0. 10 p. 390. 



352 0. Graf Zedlitz: 

Den Fischadler nennt Koenig für Ünter-Egypten wie auch 
das obere Gebiet eine gewöhnliche Erscheinung, auch an den 
Ufern des Roten Meeres ist er überall zu Hause, ich selbst stellte 
ihn bei Massaua, Assab und auf den Dahlak-I., hier als Brut- 
vogel, bereits in den Jahren 1908/09 fest (vgl. J. 0. 1910. II p. 
390). Auch 1911 sah ich ihn wieder bei El Tor am 30. IV. und 
1. V., also während der Brutzeit. Der Adler war nicht übertrieben 
scheu, und wir hätten ihn wohl bekommen, wenn die Zeit nicht 
so knapp gewesen wäre. Als ßrutplatz kam m. E. zunächst die 
Hügelkette in Frage, welche wenige Kilometer nördlich von El 
Tor beginnend dem Meeresgestade parallel läuft. Da sich am 
1. Mai Abends ganz überraschend und früher, als wir erwarten 
konnten, eine Schiffsgelegenheit nach Suez bot, mufste ein Besuch 
dieser Dünen leider unterbleiben. 

38. Milvus aegyptius Gm. 

Wyatt 1870 p. 11; Kaiser 1892 p. 211; Rchw. V. A. I p. 
609; Koenig 1907 p. 567, 568. 

Dieser Milan trägt seinen Namen mit Recht, er ist geradezu 
ein Charaktervogel Egyptens und kommt auch bei Suez nicht 
selten vor, wenn auch nicht so massenhaft wie im Niltale. Weit 
hinein nach der Sinai-Halbinsel erstreckt sich aber anscheinend 
seine normale Verbreitung nicht. Wyatt fand ihn nur noch im 
Wadi Gharandel wenige Tagemärsche südsüdöstlich von Suez. 
Ich mö'^hte vermuten, dafs zur Zeit der Quarantäne, der Hoch- 
saison in El Tor, auch der Schmarotzer-Milan sich dort wohl 
einfinden dürfte, doch konnte ich keinen Beweis dafür erbringen. 

39. Milvus korschun korschun Gm. 

Wyatt 1870 p. 11: M. migrans ; Kaiser 1892 p. 211 dito; 
Rchw. V. A. I p. 612: M. Jcorschun. 

Neben der Farbe des Kopfes ist dieser Milan durch den 
beim alten Vogel schwarzen Schnabel mit Sicherheit vom vorigen 
zu unterscheiden. Es ist der eigentliche Bewohner des Sinai, 
jedoch dort nicht sehr häufig, während er weiter nach Palaestina 
hin auf der Hochebene von Edom nach Wyatt ganz gemein sein 
soll. Bei El Tor sah ich am 5. IV. einige Exemplare, bei Firan 
war der Vogel am häufigsten, spät Nachmittags sah man dort 
oft wohl ein Dutzend und mehr kreisen und dabei allmählich 
sich nach den Schlafplätzen ziehen. Die Brutzeit schien hier 
am 11.— 14. IV. im aligemeinen noch nicht begonnen zu haben. 
Im Wadi Gharb erlegten wir am 18. IV. 2 anscheinend angepaarte 
Stücke, die Mafse derselben sind normal. Ich kann mich Kaiser 
nicht anschliefsen, der diesen Milan für einen Zugvogel erklärt, 
welcher vom September bis Dezember nur im Sinai weilen soll. 
Dafs der Dezember gerade als Schlufsmonat genannt wird, hat 
wohl darin seinen Grund, dafs Kaiser vom Januar bis Ende Juli 
keine Beobachtungen gemacht hat. 



Von Suez zum Sankt Kathariuen-Kloster, 358 

40. Fäleo tanypterus subsp. 

Wyatt 1870 p. 11: F. lanarius; Kaiser 1892 p. 211: F. 
lanarius und F. barbarus; König J. 0. 07 p. 456—465. 

Dafs eine Form der Lannerfalkeu im Sinai vorkommt und 
wahrscheinlich auch dort horstet, wird von mehreren Forschern 
verbürgt. Wenn aufserdem auch F. barburus hie und da ange- 
führt wird, so ist diese Mitteilung mit Rücksicht auf die grofse 
Seltenheit des rotnackigen Falken mit Vorsicht aufzunehmen, so 
lange nicht Beleg-Exemplare vorhanden sind. Jedenfalls dürfte 
Kaiser nicht in systematischen Fragen genügend sattelfest gewesen 
sein, um einen lebenden Falken in gröfserer Entfernung mit 
Sicherheit als tanypterus oder barbarus ansprechen zu können, 
in den meisten Fällen wird das überhaupt unmöglich sein. Ich 
habe nur einmal am 8. IV. in den Felsen oberhalb des Wadi 
Hebran einen grofsen Edelfalken gesehen, leider war er für einen 
Schrotschufs viel zu hoch. Ein Horst dürfte nicht in der Nähe 
gestanden haben, da der Vogel innerhalb mehrerer Stunden nicht 
zum zweiten mal erschien. Ich kann natürlich nicht mit voller 
Bestimmtheit sagen, welcher Form er angehörte, in erster Linie 
käme F. tanypterus erlangeri Klschdt. in Frage, der Brutvogel 
am südlichen Mittelmeer-Gestade. Vielleicht aber war es F. 
tanypterus tanypterus Schleg., der in Ober-Egypten heimisch ist. 
Meines Wissens steht noch nicht fest, wohin der im Sinai 
brütende Edelfalke gehört. Wegen der sehr interessanten 
systematischen Fragen, welche diesen Formenkreis betreffen, 
verweise ich auf Kleinschmidt, Aquila 1901 (der Formenkreis 
Falco Eierofalco), 0. Neumann J. 0. 1904 p. 369, Koenig J. 0. 
1907 p. 456 ff. (Über Lannerfalken) und Zedlitz 1910 p. 392. 

41. Cerchneis tinnuncula tinnuncula L. 

Wyatt 1870 p. 11: Tinnunculus alaudarius; Rchw. V. A. I 
p. 641: C. tinnunculus; Koenig J. 0. 1907 p. 416/17; Zedlitz 
J. 0. 1910 p. 393, 394 dito. 

Der Turmfalke ist häufiger Wintergast in Egypten (vgl. 
Koenig), bei Suez traf ich ihn nicht selten im Januar 1908 und 
erlegte einige Stücke, darunter ein sehr blasses. Auch als 
Brutvogel fand ihn Koenig nicht selten am Nil und erklärt, dafs 
wir es hier nicht mit einer gesonderten lokalen Form zu tun 
haben, die rotköpfigen cfcf, welche bisweilen vorkommen, sind 
nach seinen Untersuchungen sämtlich semiadulte Vögel. Im Sinai 
nennt Wyatt den Turmfalken weit verbreitet aber nirgends häufig, 
ich kann dies nur bestätigen. Ich sah ihn vereinzelt bei El Tor, 
ein Pärchen im Wadi Hebran und ein Pärchen im Wadi Gharb. 
In letzterem Falle safs das 9 ^"^ einem Steinhaufen, das cf 
umkreiste es im bekannten Balzfluge und liefs sich wiederholt 
dicht daneben nieder. Das 9 habe ich erlegt, ich glaube, dafs 
ohne mein Dazwischenkommen wohl die Vögel dort in der Nähe 



354 0. Graf Zedlitz: 

gebrütet haben würden. Einzelne Exemplare sah ich noch am 
24. IV. im Wadi Nasb und am 28. IV. im Wadi T'lih. 



XIV. Familie: Strigidae. 

42. Bubo bubo aharonii Hart. 

Hartert Nov. Zool. 1910 p. 112 und 0. M. 1910 p. 169. 

Hartert hat unter diesem Namen den Uhu aus Palästina 
beschrieben. Da schon dieser dem B. b. ascalaphus von Nord- 
Afrika nicht sehr fern steht, ist anzunehmen, dafs im Sinai nicht 
eine dritte geographische Form vorkommt, sondern dafs der Uhu 
dort mit dem von Palästina übereinstimmt. Übrigens äufsert 
Hartertselbst in Nov. Zool, 1912 p. 528 Zweifel an der Berechtigung 
seiner Form „aharonii^'. Leider habe ich selbst ihn nicht er- 
beutet und mir auch kein Exemplar zur Ansicht besorgen können, 
weder im B. M. noch im Mus. Koenig ist eins vorhanden. 
Zweifellos ist diese grolse Eule im Sinai auch recht selten, Wyatt 
z. B, erwähnt (1874 p. 11) ausdrücklich, dafs er nie dort einen 
B. ascalaphus gefunden habe und auch die Eingeborenen nichts 
von ihm wufsten. Ich kann bezeugen, dafs der Uhu in den 
Bergen oberhalb wie unterhalb der Oase Firan vorkommt. Zuerst 
hörte ich ihn am 11. IV, bei El Buweb (deutsch: Pforte), einer 
pittoresken Felspartie ca, 1 Stunde oberhalb Firan, schon Nach- 
mittags kurz vor Sonnen-Untergang rufen, doch erkannten wir 
ihn erst, als wir ihn zu Beginn der Dämmerung streichen sahen. 
An den folgenden Tagen hörten wir regelmäfsig, aber erst nach 
Eintritt der Dunkelheit, den Ruf vom Zelt aus am unteren Ende 
der Oase, Müller sah ihn auch einmal, aber natürlich war er 
zu weit für einen Schufs. Wir haben dann am Tage eifrig nach 
dem nächtlichen Musikanten gesucht, ihn aber nicht gefunden. 
Das klingt erstaunlich, ist es aber gar nicht, wenn man sich 
klar gemacht, dafs die Bergwände rings um Firan unzählige 
künstliche Höhlen, teils verlassene Wohnungen, teils Vorrats- 
räume, teils Grabstätten enthalten, die meisten jetzt halb verfallen 
und beliebte Schlupfwinkel für Fledermäuse und jedenfalls auch 
den Uhu, Einige 50 dieser Steinlöcher haben wir vergeblich 
durchforscht, es war aber nur ein kleiner Teil. 

Sonst habe ich von Eulen nichts bemerkt, von anderen 
Forschern werden noch eine Scops und Nyctala tengmalmi er- 
wähnt. Letztere hält Kaiser sogar für einen Standvogel, doch 
ist die Zeit vom August — Dezember, in welcher er seine Studien 
machte, wenig geeignet, um Stand- und Zugvögel sicher zu 
unterscheiden. 

Im allgemeinen ist der Sinai an dort brütenden Raubvögeln 
und Eulen recht arm, da die Nahrung für sie doch knapp ist, 
Hasen sind recht selten, ich habe sie nur vereinzelt im Wadi 
Selaf und am Ausgange des Wadi T'lih gespürt, Klippschliefer 



Von Suez zum Sankt Kntharinen-Kloster. 355 

sah ich nur einmal am Tarbousch, und selbst Ratten, von denen 
2 Arten, eine rötliche mit starren liückenborsten und eine graue, 
vorkommen, sah ich nirgends häufig. 

XV. Familie: Cuculidae. 
43. Cuculus canorus canorus L. 

Wyatt 1870 p. 11: C. canorus; Kaiser 1892 p. 212 dito; 
Rchw. V. A. II p. 89 dito; Hartert V. d. p. F. II. Bd. p. 943: 
C. canorus canorus. 

Nur ein Exemplar wurde am 19. IV. im Wadi Gharb (ca. 
1100 m Höhe) beobachtet und gesammelt, es ist cT, der Flügel 
mifst 227/228 mm. Neben diesem grofsen Mafs erweist auch die 
hellgraue Oberseite, dafs wir es mit einem typischen canorus zu 
tun haben, es handelt sich nicht etwa um C. c. kleinschmidti 
Schiebel (Orn. Jhbch. 1910 p. 103), den Brutvogel Korsikas. 
Dieser hat kleinere Mafse, Fl. 190—197 mm, eine dunklere, oliv- 
grünlich überflogene Oberseite und dürfte im Winter nach SW,- 
Afrika wandern (vgl. auch Parrot M. 0. 1910 p. 156). 

XVI. Familie: Picidae. 
44. Jynx torquilla torquilla L. 

Rchw. V. A. II p. 163: J. torquilla Hartert V. d. p. F. 
II. Bd. p. 938. 

Nur ein 9 wurde am 20. IV. beim Marsch über den Pafs 
Nakb-el-Haui in ca. 1600 m Höhe auf etwas ungewöhnliche Art 
erbeutet: Der Vogel hüpfte in einem niederen Busch herum, wo 
wir ihn zunächst nicht recht erkennen konnten. Als wir ihm 
auf den Leib rückten, strich er ab und kroch, obgleich voll- 
kommen gesund, vor unseren Augen in ein Felsloch. Ich ver- 
suchte, ihn darin zu fangen, da meine Hand gerade Platz hatte, 
behielt aber schliefslich nur einige Schwanzfedern zwischen den 
Fingern, während der Wendehals entfloh und dann erst im Fluge 
von Müller, der „Hilfestellung leistete", herabgeschossen wurde. 
Das Flügelmafs ist knapp 87 mm, Kehle und Kropf sind lebhaft 
lehmgelb gefärbt, mein Stück pafst am besten zu Vögeln vom 
Altai im B. M. Baron Loudon hat 0. M. 1912 Heft 3 p. 44 
unter dem Namen .,,Jynx torquilla sarudnyi'''- eine kleine ober- 
seits blasse Form aus Turkestan beschrieben. Mein Stück ge- 
hört ihr bestimmt nicht au. Da mir das Loudon'sche Material 
nicht vorliegt, kann ich mir über diese Form kein Urteil erlauben, 
möchte aber auf die allgemeine Erfahrung hinweisen, dafs in 
Steppengebieten die Vögel schneller und mehr verblassen, be- 
sonders oberseits, als in waldigen Regionen, vgl. Lantus Senator 
Senator N.-Afrikas und Europas. Nach den Untersuchungen 
unseres Specht-Spezialisten Dr. Hesse steht mein Exemplar 



356 0. Graf Zedlitz: 

genau wie die Asiaten des B. M. in der Mitte zwischen Europäern 
mit grofsen Mafsen und blasser Unterseite einerseits und 
Chinesen mit kleinen Mafsen und lebhafter Unterseite 
andererseits. Von Westen nach Osten nehmen im paläarktischen 
Gebiet die Jynx stetig an Gröfse ab und an Lebhaftigkeit des 
Kolorits zu, am kleinsten und buntesten (dunkelsten) sind die 
Japaner. 

XVII. Familie: AIcedinidae. 
45. Alcedo ispida ispida L. 

Wyatt 1870 p. 12:^. ispida; Kaiser 1892 p. 211 : dito; Zedlitz 
J. 0. 1909 p. 194; Hartert V. d. p. F. II. Bd. p. 880: Ä. i. ispida. 

Unser europäischer Eisvogel überwintert nicht selten in 
N.-Afrika, ich habe im Januar 1908 bei Suez ein Stück gesammelt, 
das ich für typisch hielt, nicht für einen Vertreter der in N.- 
Afrika als Brutvogel vorkommenden Art Ä. i. pallida Br. {Ä, i. 
spatei [Kg.] Erl). Leider ist das Exemplar verloren gegangen. 
Ich habe im J. 0. 1909 bei Besprechung der tunesischen Vögel 
mich gegen die Form spatzi (pallida) ausgesprochen, indem ich 
hervorhob, dafs konstante Unterschiede in der Färbung und in 
den Mafsen sich nicht nachweisen liefsen. Hartert in seiner 
neuesten Veröffentlichung ist eigentlich zu demselben Resultat 
gekommen, nur dafs er in dem schlankeren, spitzeren, längeren 
Schnabel ein Kennzeichen für pallida (das einzige) anerkennt. 
Dagegen gab v. Erlanger J. 0. 1900 p. 8 gerade das umgekehrte 
Kennzeichen an: „Schnabel kürzer und gedrungener". Um das 
herauszufinden, bedarf es eines sehr grofsen Materials, wie es mir 
s. Z. nicht vorgelegen hat. Ich trage daher kein Bedenken, mich 
Harterts Autorität anzuschliefsen, da es sich um einen für mich 
neuen Gesichtspunkt handelt. Im Sinai erscheint der Eisvogel 
bisweilen an der Küste bei El Tor, wird aber von allen Beobachtern 
nur als vereinzelte Erscheinung registriert. 

XVIII. Familie: Meropidae. 
46. Merops apiaster L. 

Wyatt 1870 p. 12; Kaiser 1892 p. 211, 212, 213; Rchw. 
V. A. II p. 320; Hartert V. d. p. F. II. Bd. p. 858. 

Dieser Bienenfresser erscheint wohl nur als Durchzügler im 
unwirtlichen Sinai, passiert ihn aber regelmäfsig im Herbst wie 
im Frühjahr. Kaiser (1892 p. 208) beschreibt ihn als eifrigen 
Vertilger der bisweilen im Frühherbste dort massenhaft auf- 
tretenden Wespen. Von sehr frühem Eintreffen bei Akaba be- 
richtet uns Wyatt, indem er den 6. IV. nennt. Das Gros der 
Vögel dürfte erst 2—3 Wochen später erscheineo, selbst im Atlas 
kommen die meisten erst in der zweiten Hälfte des Aprils. Die 
ziehenden Vögel machen sich durch ihre Stimme bemerkbar, so- 



Von Suez zum Sankt Kathaiinen-Kloster. 357 

dafs man sie nicht leicht übersieht. Die eisten sah ich am 26. 
IV. ziemlich spät am Nachmittag in kleinen Schwärmen über 
das Wadi Nasb (O.-Sinai) streichen. Am 27. IV. während des 
Rückmarsches nach Westen begegneten uns Mittags und Nach- 
mittags bald einzelne Vögel, bald ganze Trupps im Wadi Tarffa 
und oberen Wadi T'lih. Alle zogen in der Richtung der Täler 
von WSW. nach ONO. und hielten sich in Höhen von 10—30 m, 
dabei nie die Randberge überfliegend, sondern entweder direkt 
über der Talsohle oder etwas seitwärts an den Abhängen entlang 
gleitend und zwischendurch oft kreisend. Auch den Pafs zum 
Wadi Tarffa überflogen sie an der niedrigsten Stelle, cf als Beleg- 
stück habe ich dabei erlegt. Wenn Kaiser den Merops gewöhn- 
lich in 100 m Höhe ziehen läfst, so bezweifle ich, ob er sich 
darüber klar war, wie winzig klein der Bienenfresser in dieser 
Entfernung aussieht, wenn er senkrecht über dem Beobachter 
schwebt. Ich halte hier wie sonst noch mehrfach die Schätzungen 
Kaisers über Zughöhen für übertrieben, freilich befindet er sich 
mit diesem Fehler in recht guter Gesellschaft namhafter Ornitho- 
logen aus älterer und leider noch allerneuester Zeit. 



XIX. Familie: Upupidae. 
47. Upupa epops epops L. 

Wyatt 1870 p. 12: U. epops; Kaiser 18Ö2 p. 212 dito; Rchw. 
V. A. II p. 333, dito; Hartert V. d. p. F. II. Bd. p. 867: ü. e. epops. 

Die Schnabelmafse charakterisieren meine Stücke als ü. 
epops epops L., es messen cfd* aus Firan und dem Wadi Selaf 
(13. u. 15. IV.) nur 53 mm (1 Ex. Defekt), 9 vom Wadi Nasb 
26. IV. 52 mm Schnabellänge. Ein weiteres im Wadi Nasb von 
mir erlegtes Exemplar wurde nicht gebalgt, da der Schnabel ab- 
geschossen war. Der Mittelrücken bei allen Stücken ist deutlich 
grau, jedoch weit heller als bei ü. e. indica Reichenb. Dieses 
Grau ist beim frischen Gefieder ganz rein, nützt sich aber stark 
ab, das sieht man deutlich an folgendem Vergleich: Hält man 
meine Stücke vom April gegen die von Ryssel im Mai bei Nalt- 
schik (Zentral-Kaukasus) gesammelten des B. M., so stimmen 
beide Serien bis auf einen kaum merkbar fahleren Ton des 
Rückens bei den Maivögeln überein. Nimmt man nun die im 
Juni von Niedick und Hilgert in Eregli (östl. Kl.-Asien) erlegten 
Stücke dazu, so zeigt sich bereits eine wesentliche Abnutzung 
des Federkleides, von reinem Grau auf dem Rücken kann da 
schon nicht mehr die Rede sein. In diesen Gegenden, Sinai- 
Gebirge Syriens, wo der Winter und das Frühjahr so rauh wie 
manchmal bei uns sind, hingegen im Sommer die Sonnenbe- 
strahlung eine sehr intensive ist, konnte ich vielfach feststellen, 
dafs erst vom April oder Mai an das Gefieder rapide verblafst, 
vorher aber sehr langsam. 

Journ. f. Gm. LX. Jahrg. Afiil 1912. 24 



358 0. Graf Zedlitz : 

Ich habe unseren europäischen Wiedehopf als Wintergast 
auch nicht selten in NO.-Afrika getroffen (vgl. J. 0. 1910 p. 777), 
der Sinai dürfte von diesen Vögeln, deren Heimat zumeist im öst- 
lichsten Europa zu suchen ist, auf dem Zuge regelmäfsig besucht 
werden. Ich konnte während des ganzen Monats April dort kleine 
Gesellschaften von 2—4 Stück beobachten, die ersten gleich nach 
der Landung in El Tor am 5. IV., dann häufig in der Oase Firan 
und gelegentlich in den Tälern des Zentralstocks, zum Schlufs 
wieder recht häufig im Osten, Wadi Nasb. Hier liefsen auch die 
cfcT eifrig ihre Stimme erschallen, ich halte es für wahrscheinlich, 
dafs einige Pärchen sich schon ernstlich mit dem Gedanken 
trugen, einen Hausstand zu gründen, an hohlen Bäumen längs 
des Baches war dort übrigens kein Mangel. Nach Hartert brütet 
U. e. epops höchst wahrscheinlich schon in Palästina, hingegen 
die grofsschnäblige Form U. e. major Br. nur in Egypten. 

Hartert zieht in seinem neuesten Werk die Form ü. e. 
pallida Erl. von Tunesien wieder ein in Übereinstimmung mit 
meiner Aufl'assung J. 0. 1909 p. 197. 



XX. Familie: Macropterygidae. 
48. Apus murinus murinus Br. 

Brehm Vogelf. 1855 p. 46: Cypselus murinus; Kaiser 1892 
p. 212, 213: Micropus apus; Hartert „Macropterygidae^^ Tierreich 
1897 p. 86: Äpus apus murinus. V. d. p. F. II. Bd. p. 840: 
Apus murinus murinus. 

Die Systematik bietet bei den paläarktischen Apodiden 
manche Schwierigkeit. Abgesehen von den oben angeführten Stellen, 
welche direkt auf den Mauersegler Egyptens bezw. des Sinai 
Bezug haben, verweise ich noch auf einige allgemeine Abhandlungen : 
Kollibay „Die paläarktischen Apodiden" J. 0. 1905 p. 297—303; 
ferner v. Tschusi, Orn. Jahrb. 1902 p 234 und 1907 p. 27—30. 
Für die Form murinus ist Egypten die terra typica, doch gibt schon 
Hartert in seinem eben erschienen 1. Heft IL Bd. die Verbreitung 
ostwärts als bis zum Persischen Meerbusen, Balutschistan, Sindh 
reichend an. Ich verdanke dem Mus. Koenig' in Bonn ein schönes 
Vergleichs-Material an Bälgen aus der terra typica, mit dessen 
Hilfe ich feststellen konnte, dafs der Segler vom Sinai, den ich 
in mehreren Exemplaren sammelte, sich nicht von seinem Nach- 
bar in Egypten trennen läfst, also gleichfalls ein typischer muri- 
nus ist. Die Mafse beider Suiten stimmen überein, in der Färbung 
sind unterseits meine Stücke im Durchschnitt um eine kaum 
merkliche Nuance dunkler, doch zeigen auch die Egypter unter 
einander in dieser Beziehung kleine individuelle Abweichungen, 
sodafs ich alle diese Schwankungen im Kolorit auf biologische 
aber nicht systematische Momente zurückführen möchte. 



Von Suez zum Sankt Katharinen-Kloster. 359 

Ich fand den fahlen Segler recht zahlreich Mitte April bei 
der Oase Firau und vereinzelt später noch im Wadi Tarffa süd- 
lich des Katharinen-Klosters. Die Vögel erschienen regelmäfsig 
gegen Mittag und kurz vor Sonnen-Untergang, um zumeist in 
recht beträchtlicher Höhe zu kreisen. Es waren sicher keine 
Zugvögel, denn sie hielten diese Tages-Einteilung regelmäfsig 
inne bei gutem wie schlechtem Wetter. Ich glaube, dafs die 
Brutzeit bereits begonnen hatte, die Nester weiter oben in den 
Felslöchern lagen und die alten Vögel besonders wegen der 
Nahrung sich unten bei der Oase einfanden. 

Auffallenderweise erwähnt Wyatt 1870 p. 12 statt des fahlen 
Seglers den weifsbürzligen A. affinis aus Palästina, ausgeschlossen 
erscheint es nicht, dafs er im Winter auch einmal in den Sinai 
verstreichen könnte, um so mehr, da ihn der Forscher im äufsersten 
Osten, bei Akaba, gesehen haben will, Belegstücke hat er nicht 
erlegen können. A. affinis galUlejensis Ant. brütet in Palästina, 
Persien und ist Zugvogel. 

XXI. Familie : Hirundinidae. 
49. Sirundo rustica rustica L. 

Wyatt 1870 p. 12; Kaiser 1892 p. 211; Rchw. V. A. II 
p. 406; Zedl. J. 0. 1910 p. 786; Hartert V. d. p. F. I. Bd. p. 800: 
Chelidon r. r. 

Im eigentlichen Sinai habe ich nur 2 Rauchschwalben gesehen, 
welche schnellen Fluges am 30. IV. die Wüste Kaa durcheilten. 
Es waren, nebenbei bemerkt, die einzigen Vögel, welche ich auf 
einem ca. 6 stündigen Ritt zu sehen bekam. Da sie dicht bei 
meinem Kameel vorbeistrichen, konnte ich die fast weifse Unter- 
seite ziemlich genau erkennen und sie demnach als rustica an- 
sprechen. Der Termin ist anscheinend spät für nordische Rück- 
wanderer, doch bildeten diese beiden Vögel noch keineswegs die 
Nachhut (Wyatt sagt übrigens ausdrücklich, dafs auch er die ersten 
Rauchschwalben am Golf von Akaba erst am 6. IV., später dann eine 
Menge gesehen habe). Bei meiner Rückfahrt über das Mittelmeer 
von Alexandrianach Neapel vom 4.-7. Mai reisten eine ganze Schar 
Rauchschwalben und einige Mehlschwalben als blinde Passagiere mit. 
Ich möchte bei dieser Gelegenheit wieder einmal darauf hinweisen, 
dafs man bei Beobachtungen an bevorzugten Zugstrafsen ein ganz 
anderes Bild vom Vogelzuge in seiner zeitlichen Ausdehnung er- 
hält als zu Hause in der Brut-Heimat der Wanderer. Besonders 
viele Laien glauben so gern, wenn die ersten Vertreter der Art 
sich im Frühjahr wieder zeigen, dann seien innerhalb weniger 
Tage auch alle Vögel dieses Namens eingetroffen. Das ist 
natürlich nicht richtig, zunächst einmal ist schon festgestellt, dafs 
alte und junge Vögel im Herbst wie im Frühling getrennt reisen, 
d. h. nach einander, im Herbst die Jungen zuerst, im Frühling 
umgekehrt. Ganz abgesehen davon richtet sich die Zeit des 

24* 



360 0. Graf Zedlitz: 

Zuges auch nach Lage und Klima des Brutrevieres, also Vögel 
mit hochnordischer Heimat kommen z. B. am Mittelmeer bedeutend 
später durch als solche aus wärmeren Lagen. Ich erwähne nur 
den einen Fall: ich besitze eine ganze Suite Saxicola oenanthe 
ad., im Mai bei Tunis gesammelt, welche Kleinschmidt für Wan- 
derer nach dem nordöstlichen Europa, Rufsland, erklärt hat, als 
ich sie ihm zur Ansicht übersandte. Ebenso konnte ich, wie schon 
in dieser Arbeit erwähnt, noch am letzten Apriltage bei Tor sehr 
starken Storchzug konstatieren zu einer Zeit, wo Adebar bei uns 
in Mittel-Deutschland wohl schon vollzählig wieder eingetroffen 
ist. Ein weiteres Pendant bildet der hier erwähnte Schwalbeu- 
zug Anfang Mai. Schon im J. 0. 1910 p. 787 wies ich auf Hi- 
rundo rustica rustica hin, welche noch Mitte April im Roten 
Meere zogen, die neueste Beobachtung fällt nun noch rund 
3 Wochen später. Jedenfalls zieht sich der ganze Frühjahrszug 
einer weit verbreiteten Art viel mehr in die Länge, als es früher 
allgemein und bis heute noch vielfach von lokalen Beobachtern 
bei uns geglaubt wurde. 

50. Mirundo rustica savignii Steph. 

Wyatt 1870 p. 12: H. riocouri; Hartert V. d. p. F. L Bd. 
p. 802: Chelidon rustica savignii. 

Diese Form ist Brutvogel in Egypten und nistet auch gar 
nicht selten bei Suez. In El Tor habe ich sie weder im Januar 
noch im April oder Mai angetroffen, doch erwähnt Wyatt 1 Exemplar 
aus dem Wadi Ureit. 

Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dafs die ihr nahe- 
stehende Form H. r. transitiva Hart, gelegentlich im Winter von 
Palästina aus auch auf der Sinai-Halbinsel erscheinen dürfte, 
doch konnte ich leider keinen Beweis dafür erbringen. 

51. Miparia riparia riparia L. 

Hartert V. d. p. F. I. Bd. p. 811. 

Nur ein Stück liegt mir vor von der Oase Firan cf Nr. 4107, 
gesammelt am 12. IV. Das Flügelmafs von 106 mm und das sehr 
ausgeprägte dunkle Kropfband erweisen den Vogel als typische 
riparia. B. r. littoralis aus Egypten, welche vielleicht noch in 
Frage kommen könnte, ist kleiner, Fl. 90—97 mm (vgl. Hartert 
p. 812). Eine etwa durchziehende B. r. diluta aus Afghanistan 
müfste auf Oberseite und dem Kropfbande blasser sein. 

52. Miparia obsoleta obsoleta Gab. 

Wyatt 1870 p. 12: Cotyle palustris (errore!); Kaiser 1892 
p. 211, 212, 213: Cotyle rupestris; Rchw. V. A. II p. 398: R 
obsoleta', Hartert V. d. p. F. I. Bd. p. 816: R. obsoleta obsoleta; 
Zedlitz J. 0. 10 p. 785, 786: H. rupestris obsoleta. 



Von Suez zum Sankt Eatbarinen-Eloster. 361 

Zur Nomenklatur bemerkte ich vorweg, dafs ich mich jetzt 
doch Hartert anschliefsen und obsoleta mit arabica, pusilla^ 
reichenowi in eine eigene von rupestris getrennte Gruppe fassen 
möchte. Wenn Wyatt von C. palustris spricht, so bedient er 
sich eines Synonyms zu „palludicola Vieiil,", der südafrika- 
nischen Uferschwalbe. Aus seiner Beschreibung, nach welcher 
die Schwalbe im Winter zahlreich an der Küste lebt, um sich 
dann wieder von Ende Februar an aufwärts nach Firan und 
ins Hochgebirge zu ziehen, geht deutlich hervor, dafs er die hier 
heimische Eiparia meint. Er unterscheidet sie scharf von der 
typischen rupestris, welche er nach seinen Mitteilungen in Süd- 
Palästina (Edom) zuerst antraf. Nach Tristram soll dort die 
helle und die dunkle Felsenschwalbe sogar bisweilen neben 
einander brüten, ein Hauptgrund, sie nicht als sich vertretende 
Subspecies aufzufassen. 

Im Sinai sammelte ich diesmal eine Suite von 6 Exemplaren 
aus verschiedenen Teilen des Gebirges, es sind bestimmt Brut- 
vögel, ich beobachtete einzelne Pärchen, wie sie stets in dasselbe 
Loch der Felswand einstrichen. Das Flügelmafs ist 115—121 mm, 
die Färbung der Oberseite sehr gleichmäfsig und bräunlicher 
bezw. dunkler als bei meinen reichenowi aus dem Januar. Nach 
Hartert mausert die Riparia nur einmal etwa im August, und 
schon im Winter, noch mehr aber im Frühling verbleicht die 
Oberseite, während die Unterseite fast weifs wird. Danach müfsten 
>^ögel, welche derselben Form angehören, im April doch blasser 
sein als im Januar, es ist aber das Umgekehrte der Fall, deshalb 
möchte ich meine Wüstenform „reichenowi^^ doch noch nicht ein- 
sargen. 

53. Eiparia obsoleta reichenowi Zedl. 

Zedl. J. 0. 10 p. 784: U. rupestris reichenowi; Hart. V. d. 
p. F. I. Bd. p. 786. 

Bei der Durchreise habe ich diesmal in Suez nur eine 
Riparia erlangen können, und das ist anscheinend ein Stück aus 
einer späten Brut des Vorjahres, wie die abnorm kleinen Mafse 
und die Färbung andeuten: Fl. 110 mm, Bauch bräunlich, ünter- 
und Oberschwanzdecken mit breiten hellen Säumen. Zum Ver- 
gleich mit adulten Stücken ist dieses nicht verwendbar. 



ö 



XXII. Familie: Muscicapidae. 
54. Muscicapa striata subsp. 

Kaiser 1892 p. 211: BL grisola; Poche 0. Monatsschr. 1904 
p. 26: M. g. neumanni; Rchw. V. A. III p. 830: M. g. neumanni', 
Hartert V. d. p. F. Bd. I p. 477: M. striata neumanni. 

Nur ein grauer Fliegenfänger wurde erlegt am 25. IV. im 
Wadi Nasb, O.-Sinai. Leider war der Kopf so zerschossen, dafs 
der Vogel nicht präpariert werden konnte. Ob ich mit meiner 



362 0. Graf Zedlitz; 

Vermutung, dafs es sich um die Form „wewwanm" handelte, 
Recht habe, läfst sich leider nicht beweisen. 

55. Muscicapa hypoleuca semitorquata Hom. 

V. Homeyer Zeitschr. ges. Orn. II p. 185 T. X (1885); 
M. smitorquata\ Rchw. V. A. II p. 451: M. atncapilla\ Hartert 
V. d. p. F. Bd. 1 p. 483: M. a. semitorquata. 
Folgende Stücke sind zu besprechen: 

d* No. 4154 Wadi Gharb 18. IV.; 
cf No. 4177 Sinai-Kloster 20. IV.; 
9 No. 4211 Wadi Nasb 26. IV. 
Bei No. 4154 ist II. Schwinge merklich kürzer als V., Fl. 80 mm, 

- No. 4177 - - - minimal - - -, - 80 mm, 

- No. 4211 - - - deutlich - - -, - 79 mm. 

Bei beiden d'cf springt dafs Weifs an den Halsseiten in 
einer deutlichen bis IY2 cm langen Einbuchtung nach dem 
Nacken vor. Die Aufsenfahne der beiden äufsersten Steuerfedern 
ist bei No. 4154 fast ganz, bei No. 4177 ganz weifs, bei letzterem 
auch noch der gröfste Teil der Aufsenfahne des zweiten Paares 
Steuerfedern. Das 9 zeigt an der Aufsenfahne der drei äufseren 
Steuerfedern beiderseits ausgedehntes Weifs. Ein weifser Spiegel 
auf den Handschwingen ist bei allen drei Stücken vorhanden. 
Ich glaube nicht fehl zu gehen, wenn ich auf Grund dieser Merk- 
male meine Vögel als M. h. semitorquata anspreche, deren Heimat 
in Kl. Asien, dem Kaukasus, auch Griechenland liegt. Vom B. M. 
habe ich nur einen guten Balg zum Vergleich cf Wladikawka 
14. XI. 04, der oberseits etwas fahler erscheint. Da diese Vögel 
doppelte Mauser haben, ist es ganz normal, dafs meine ganz 
frischen Stücke reineres Schwarz zeigen. Den Sinai mögen sie 
wohl nur auf dem Zuge passieren, ihre Winterquartiere sind nicht 
einwandfrei festgestellt, Hartert hält die am Persischen Golf 
erlegten Exemplare für Wintergäste dort. 

56. Muscicapa coUaris Bechst. 
Rchw. V. A. II p. 451; Hartert V. d. p. F. Bd. I p. 483. 
Von dieser Art sammelte ich 2 Stücke: 
(f No. 4062 Suez 30. III.; 
cf No. 4152 Wadi Gharb 18. IV. 
Bei No. 4062 ist II. Schwinge ein wenig länger als V., Fl. 83 mm, 

- No. 4152 - - - merklich - - - , - 83 mm. 

Das Nackenband ist vollkommen ausgeprägt, das ganze 
Gefieder frisch und schön. Auf den Handschwingen ist ein grofser 
weifser Spiegel, alle Schwanzfedern sind schwarz. Es kann so- 
mit m. E. kein Zweifel darüber obwalten, dafs wir es hier mit 
coUaris zu tun haben, obgleich No. 4152 an demselben Tage und 
von demselben Lagerplatz aus (18. IV. Wadi Gharb) geschossen 
ist wie eine M. h. semitorquata. 



Von Suez zum Sackt Eatbarinen-Eloster. 363 

Im Gegensatz zum Trauer-Fliegenfänger fand ich den Hals- 
band-Fliegenfänger bei beiden Begegnungen mit ihm recht scheu 
oder vielmehr unruhig. Zuerst erblickte ich in der Oase Suez 
in einem Garten 2 cT, welche zwischen den niederen Obstbäumen 
hin und her strichen, ohne sich je lange aufzuhalten. Verhielt 
man sich still, so erschienen sie immer wieder in kurzen Pausen, 
doch war es nicht leicht zu Schufs zu kommen, da sie sofort 
wieder weiter flogen und die ganze Gegend von Menschen und 
Haustieren wimmelte, die man doch nicht gut mit unter Feuer 
nehmen konnte. Schliefslich glückte es mir aber doch, wenigstens 
den einen Vogel mit dem Einsteckrohr zu erwischen. Auch das 
Exemplar im Wadi Gharb wurde erst am Abend von Müller 
heimgebracht, nachdem ich ihm am Vormittage vergeblich nach- 
gestellt hatte. 

XXni. Familie: Laniidae. 
57. Lantus nubicus Licht. 

Hornby 1883 p. 124; Kaiser 1892 p. 212; Rchw. V. A. H 
p. 612; Hartert V. d. p. F. I. Bd. p. 438; Zedlitz J. 0. 1910 
p. 803. 

Mir fielen diesmal nur 2 Stück in die Hände, d* Wadi Selaf 
11. IV. und 9 Wadi Nasb 24. IV. Bei beiden ist nur das äufserste 
Paar Steuerfedern ganz weifs mit schwarzem Schaft, das zweite 
zeigt schon etwas Schwarz auf der Innenfahne. Die Flügel-Mafse 
aller Stücke, welche ich in NO.-Afrika und im Sinai während des 
Winters und Frühjahrs als Zugvögel gesammelt habe, liegen 
zwischen 85 und 91 mm, dabei ist cT durchaus nicht immer gröfser als 
9, hingegen mifst cT vom 28. IV. 08. aus Tocola iam Barca (unweit 
Cassala) 94 mm, und ich habe nach Jahreszeit und Benehmen 
des Tieres die Vermutung, dafs es sich um einen Brutvogel vom 
Platze handelt. Gröfsere Serien müssen nachweisen, ob dieser 
Gröfsen-Unterschied konstant ist. 

Mein Pärchen vom Sinai hat frisches Gefieder, die kleinen 
Flügeldecken zeigen breite graue Säume, die Armschwingeu 
schmale weifsliche Säume. Aufserdem habe ich am 5. IV. noch 
ein cT bei El Tor auf wenige Schritt gesehen, dies war sicher 
ein Durchzügler, bei den anderen Vögeln könnte es sich unter 
Umständen auch um Brutvögel handeln, obgleich ich sie einzeln 
traf, denn im benachbarten Palästina brütet dieser Würger ja 
regelmäfsig ebenso wie in Egypten. 

58. Lantus excubttor auchert Bp. 

Bonaparte Rev. et Mag. Zool. 1853 p. 294: L. aucheri; 
Wyatt 1870 p. 12: L. excubiior; Kaiser 1892 p. 211: L. meridio- 
nalis\ Rchw. V. A. II p. 618: L. fallax; Hartert V. d. p. F. 
I. Bd. p. 430: L. e. auchen\ Zedlitz J. 0. 1910 p. 804 dito. 



864 0. Graf Zediitz: Von Suez zum Sankt Katharinen-Kl^ter. 

Mir liegen folgende Stücke vor: 

cf No. 4065 Suez 1. IV. 

0*9 No. 4100, 4101 Wadi Selaf 11. IV. (Brutpaar). 

cf No. 4109 Firan 12. IV. 

Das Stück aus Suez zeigt auf der Oberseite ein schmutzigeres 
Grau, der Flügelspiegel auf den Handschwingen ist etwas aus- 
gedehnter. Trotzdem halte ich es für aucheri, wohl noch nicht 
einjährig, denn der graue Fleck auf den Unter-Handdecken ist 
deutlich sichtbar, ebenso ein schmales schwarzes Stirnband. Übrigens 
zeigen hie und da auch Brutvögel, die ich auf den Dahlak-J. 
sammelte, die etwas bräunliche Tönung auf der Oberseite. Nicht 
immer zutreffend ist Harterts Bemerkung, dafs die Schäfte der 
äufsersten Steuerfedern schwarz seien, ich habe unter meinen 
Vögeln vom Sinai, den Dahlak-J. und Eritrea bald solche mit 
schwarzen, andere mit weifsen (Dahlak) und auch solche mit 
am Wurzelteil schwarzen soDst aber weifsen Schäften. 

No. 4100 und 4101 waren angepaart, 9 hatte grofsen Brut- 
fleck. Beide Geschlechter sitzen gern auf den freien Spitzen von 
Büschen, besonders Schirm-Akazien. Wo Akazien ganz fehlen, 
fand ich auch diesen Würger nicht. Bei Suez ist er wohl nur 
Wintergast, ich sah ihn dort schon im Januar 1908. Die terra 
typica von aucheri ist Persien. 

Wenn Kaiser hier L. meridionalis erwähnt, so liegt zweifel- 
los ein Irrtum vor, denn diese Form kommt nur im westlichen 
Europa, Süd-Frankreich, Spanien, Portugal vor und zieht im Winter 
nach NW.- Afrika. 

59. Lantus Senator niloticua Bp. 

Bonaparte ßev. Zool. 1853 p. 439: Enneoctonus niloticus\ 
Wyatt 1870 p. 13: L. auriculatus\ Hornby 1883 p. 124: L. pomera- 
nus\ Kaiser 18&2 p. 212: L. Senator; Hartert V. d. p. F. I. Bd. 
p. 436: L. s. niloticus; Zediitz J. 0. 1910 p. 807 dito. 

Den östlichen Rotkopf-Würger, den ich s, Z. in NO.-Afrika 
nur einmal bei Oberen angetroffen habe, konnte ich im Sinai 
mehrfach während des Aprils als Durchzügler abfangen. Schon 
am 1. IV. sammelte ich ein Exemplar bei Suez, traf dann den 
Vogel wiederholt im Gebirge und habe noch cf vom 29. IV. au£ 
der Kaa nahe dem Ausgange des Wadi T'lih. Ich glaube nicht, 
dafs es sich um Brutvögel handelte, da sie zumeist aufserordent- 
lich scheu waren. Die 9 sind bedeutend matter gefärbt als die 
d* und zeigen an den Steuerfedern mehr Weifs. Mein cf von 
Ende April ist ganz frisch vermausert und sieht sehr sauber aus. 

L. collurio sah ich nicht. Er brütet in Palästina und soll 
nach Kaiser dies auch gelegentlich im nördlichen Sinai tun. 

(Schlufs folgt.) 



365 



Ein Monat Ornithologie 

in den Wüsten und Enituroasen Nordwestmesopotamiens 

und Innersyriens. 

Von Dr. Hugo Weigold, Helgoland. 

(Fortsetzung von Seite 297.) 

6. Sttirnus vulgaris purpurascens Gould. 

Nur selten begegnete ich dem Stare. In Syrien zuerst 
am 4. April in Aleppo, wo einer in einem Hofe sang. Weiter 
fand ich dort kein Stück. Auf der Rückreise glaubte mein Be- 
gleiter in Bab am 2. Mai in einem Trupp überhinfliegender Vögel 
Stare zu erkennen. 

In Mesopotamien kamen wir am 8. April abends in der 
Serudj-Ebene an einem kleinen Teich mitten in der baumlosen 
Steppe vorbei, an dem sogar ein kleiner Horst Rohr stand. Dort 
sahen wir im Vorbeifahren Vögel zum Übernachten einfallen, 
die wir als Stare ansprachen. Am 16. glaubte Teichmann vor 
Urfa einen Trupp zu sehen. Beidemale mufs es sich m. E. um 
Durchzügler gehandelt haben. Dagegen werden wohl 8 Stare, 
die ich am Chan in Biredjik am Euphrat, z. T. singend, beob- 
achtete, in dieser Gegend gebrütet haben. Es war sicher die 
Form purpurascens, soweit man diese aus der Ferne im Leben 
ansprechen kann. Leider ging es nicht gut an, an dieser über- 
aus belebten Stelle zu schiefsen. 

Schrader fand in Syrien keine Stare. Danford führt seine 
Fundorte von vulgaris und purpurascens nicht namentlich auf, 
doch schreibt Dresser: Danford habe 2 Ex. aus einem Schwärm 
nördlich von Kaiserich geschossen und hatte auch im Euphrattal 
in der Nähe von Biredjik einige Ex. erhalten. 

7. Oriolus oriolus oriolus (L). 

d* sen. Urfa 2L IV. 11. al. 157, c. 93. 

cT ad. Nalfaran a. DjuUab 24. IV. 11. al. 153, c. 88. 

Zum Vergleich seien einige Mafse ungarischer Stücke an- 
geführt: (f sen. Temes-Kubin 10. VIL 06 al. 152, c. 89, 9 dito, 
al. 148, c. 89, 9 Orsova 28. VIII. 06, al. 147, c. 88. Also kein 
erheblicher Unterschied. 

In Urfa in Mesopotamien kam das erste Pirolmännchen 
am 18. April an und wurde vergeblich von T. beschossen. Das 
war in einem Gartentale nördlich der Stadt. Am andern Tage 
ward einer in den grofsen Gärten südlich der Stadt gehört. Am 
21. fanden wir im Tale der Suleiman (=Salomo-) Quelle zwei 
cf, die gar nicht überraäfsig scheu waren und öfter sehr unge- 
deckt safsen. Der eine liefs sich nach zwei Weitschüssen in einem 



866 Hugo Weigold: 

Weingarten gut anschleichen und bequem herabschiefsen. Der 
andere erweckte mit seinem besonders langen und schönen Ruf 
und seinem Kreischen — beides nur ein- oder paarmal — traute 
Erinnerungen an die nordische Heimat. 

Fast häufig trafen wir den Pirol, vorläufig nur erst cfcf, 
in den Baumoasen von Nalfaran am Djullab am 23. und 24. April. 
Zwei cTcf wurden geschossen, sie waren leider mächtig fett. Wir 
sahen noch ein paar mehr, aber keiner rief. Obgleich es wahr- 
scheinlich ist, dafs in den Baumgärten Nordostmesopotamiens 
Pirole nisten, glaube ich doch, dafs es sich zum gröfsten Teil um 
Durchzügler handelte. 

Das wurde mir noch wahrscheinlicher am Euphrat in den 
wundervollen Gärten von Biredjik, wo ich am 29. IV. einen oder 
den andern Pirol rufen hörte, in der Abenddämmerung aber 
einen ganzen Flug von etwa 12 Weibchen einfallen sah. Es heilst, 
der Pirol ziehe im Frühjahr einzeln oder paarweise, hier ein Fall 
truppweisen Zuges. Kaum hatten sich übrigens die Vögel ihr 
Plätzchen in einem — irre ich nicht — Orangenbaum gesucht, 
da sauste wie ein Blitz ein Sperber zwischen sie, alle stiebten 
auseinander und der Räuber zog unverrichteter Sache davon. 

In Palästina zieht er von Mitte Mai 14 Tage lang durch, 
doch hält Tristram (W. P.) eine Brut für möglich. Schrader 
beobachtete ihn auf dem Zuge bei Beirut, gibt aber keine Daten 
an, ebensowenig Danford, der nur wenige Ex. in den Gärten des 
inneren Kleinasien sah. Krüper traf ihn übrigens auch in kleinen 
Gesellschaften in Jonien durchziehend, meint auch, dafs er ev. 
einzeln dort brütet. Bei den von mir beobachteten Vögeln mag 
es sich um Brutvögel Armeniens und des Kaukasus handeln. In 
Dressers Ersirumsammlung war aber kein Pirol. 



8. Chlorig cMoris chloris (L.). 

Grünlinge kamen nur in Syrien zur Beobachtung : am 
3. April in den Gärten vor Beirut einzelne, am 4. in den Gärten 
von Baalbeck paar und ebenda welche auf der Rückreise am 4. 
Mai. Weiter im Innern keine mehr, nicht einmal in Aleppo. 

Möglich, dafs es sich schon um Chi. chl. chlorotica (Bp.) 
gehandelt hat, doch schien es nach dem einzigen mit dem Glase 
gut betrachteten nicht so. 

In Palästina ist der gemeine Grünling nach Tristram (W. P.) 
ein sehr gemeiner Wintervogel an den Küsten, ist häufig vor 
allem auf dem Berg Karmel und einigen anderen bewaldeten 
Hügeln, aber selten im Inneren und verschwindet im Frühling. 

Nach Schrader bei Beirut und Damascus nicht selten, nach 
Danfort in den kleinasiatischen Bergen und im Innern allgemein 
verbreitet. Also in Mesopotamien offenbar noch nicht gefunden. 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 367 

9. Acanthis carduelis niedicki Rchw. 

9 I. Urfa 14. IV. Fl. 74, Schw. 48. 

9 I. Maschik 18. IV. Fl. 76,5, Schw. 48. 

Der Stieglitz war in Mesopotamien überall selten und zog 
sicher nur durch. Zuerst fand ich ihn am 12. April in den 
Gärten von Kara-Keuprü nörd. von Urfa: drei Stück flogen 
lockend überhin. Bei meinem zweiten Besuche am 22. war 
dort einer oder ein paar. Am 14. rastete ein Stück im Direkletal 
b. Urfa und ich schofs es. Am 18. war ich am Bache von 
Maschik und beobachtete da 2 — 3 einzelne, wovon ich einen er- 
legen konnte. Am 20. zog ein Stück über die kahlen Berge 
westlich von Urfa. Am nächsten Tage ein Ex. im Tälchen der 
Suleimanquelle. Auch am Djullab hörte ich am 23. ein bis 
drei Stck. Alle waren flüchtig, auch scheint es mir kaum möglich, 
dafs in diesen wüsten Gegenden Stieglitze brüten. Ist doch das 
ganze Land mit Ausnahme dieser Art absolut fringillidenleer. 

Dafs am Euphrat in den üppigen Gärten von Biredjik 
am 29. IV. Stieglitze zahlreicher anzutreffen waren, einmal sogar 
ein Trupp von etwa 15 Stck., kann nicht Wunder nehmen. 
Wenn hier keine waren, dann wüfste ich nicht wo sonst. 

Auch weiter nach Westen, in Syrien, traf ich ihn häufiger 
an: so am 2. Mai in den Gärten der Steppenstadt B ab allerhand, 
ebenso in dem üppigen Gartentale von A 1 e p p o ziemlich zahl- 
reich am 3., in B a a l b e k vom Zuge aus am 4., und am 5. bei 
B e y r u t einmal gehört. 

Trotzdem wieder wunderbarerweise von Schrader gar nicht 
aufgeführt. In Palästina ist er nach Tristram (W. P.) überall 
gemeiner Standvogel. Danford nennt ihn überall gemein in 
Kleinasien, besonders im Winter. Von Ersirum nicht erwähnt. 
Ich hatte es im Osten also offenbar mit armenischen Zug- 
vögeln zu tun. Da nun Reichenow die ostkleinasiatischen 
Stieglitze wegen ihrer helleren Oberseite als niedicki abgetrennt 
hat, wird diese Form auch wohl in Armenien zu Hause sein. 
Doch ist mein Vogel aus Urfa nicht von Europäern zu unter- 
scheiden (auch laut Kollibay), dagegen der von Maschik aller- 
dings oben ziemlich hell. Wahrscheinlich ist niedicki eine nur 
undeutlich ausgebildete Form. 

10. Rhodospi^a ohsöleta (Licht.). 

9 I— II. Maschik nördlich Urfa 18. IV. 11. Fl. 81, Schw. 58. 

Leider nur ein einziges Mal bin ich mit diesen so gespannt 
erwarteten Vögeln zusammengetroffen und das war am 18. April 
zwei Stunden nördlich von Urfa in der Nähe des Ortes Maschik. 
Dort hörte ich an dem Bach, der mit eben ausschlagenden z. T. 
schon frischgrünen Bäumen bestanden war, eine mir gänzlich 
unbekannte Stimme, konnte aber erst den Urheber nicht ent- 
decken. Es war ein leiser Triller wie Türrr. Endlich sah ich 



368 Hugo Weigold: 

den Vogel auf einen Baum fliegen, erst flog er zu zeitig ab, 
dann aber schofs ich ihn herunter. Er fiel auf die weifslich 
braune, fast absolut kahle Erde und trotzdem fand ich das Tier- 
chen nicht, weil ich infolge eines grofsen Schattens weggeblickt 
hatte nach zwei kreisenden Adlern. Lange lange habe ich suchen 
müssen, bis ich den steintot herabgefallenen Vogel an dem eng- 
umgrenzten genau bekannten Platz fand, so fabelhaft ist die 
Anpassung in der Farbe des Vogels. Das übertrat in der Tat 
alles, was ich bisher an Schutzfärbung gesehen hatte. Das 
weifsliche Braungrau des Gefieders ist in der Tat identisch mit 
der Farbe des trockenen Bodens. 

Auch an einem Berghang etwas weiter hörte ich die Vögel 
vor mir, konnte aber aus dem Ruf nie genau ausmachen, wo sie 
waren, und habe sie trotz gröfster Mühe nicht sehen können, bis 
sie verschwunden waren. 

11. Fringilla coelebs coelebs L. 

Der Buchfink begegnete mir nur in Aleppo am 5. April in 
einzelnen durchziehenden Weibchen. 

Im Winter findet er sich in Schwärmen in Palästina, er 
brütet aber auch im Gebirge Hermon und Libanon. Schrader 
erwähnt ihn merkwürdigerweise gar nicht von Syrien. Nach 
Danford überall gemein in Kleinasien. Von Ersirum erhielt 
Dresser 1 9- J^ie AUeppovögel hatten also offenbar nicht mehr 
weit zu ziehen. 

12. Petronia petronia subsp. 

Den Steinsperling fand ich nur in Biredjik am Euphrat am 
29. und 30. April als Brutvogel. Schon draufsen auf den glühend 
heifsen Felsbergeu sah ich bei einer Quelle meinen ersten Stein- 
sperling. An dem überaus charakteristischen Wäil und dem 
Trippeln erkannte ich ihn sofort, beschofs ihn aber in der Eile 
— der Wagen fuhr inzwischen weiter — zu weit. Andern Tages 
hatte ich reiche Gelegenheit ihn in etwa 1 Dtzd. Exemplaren 
am Burgfelsen zu beobachten, wo er mit den schwarzen Ibissen 
zusammen brütete. Ihn mit einem anderen Sperling zu verwechseln, 
mufs sehr schwer sein, wenn man ihn gut sehen kann; und wenn 
man gar das Wäil und die hänflingsartigen Rufe hört, ist es 
unmöglich. 

In der Burg wollte ich es nicht wagen zu schiefsen der 
vielen Menschen wegen, die ja die dort nistenden Ibisse heilig 
halten. Abends ging ich am Felsenufer den Euphrat hinauf auf 
dem öfters der Wand abgerungenem Wege, um dort womöglich 
Steinsperlinge zu schiefsen. Ich fand auch richtig an einer 
Zweigkolonie der Ibisse ein Paar, das aber unerreichbar hoch 
an der Wand sich sonnte und spektakelte. 

Wahrscheinlich sind es Standvögel. Fand doch Danford 
einen Schwärm im Januar bei Xebil am Taurus. Tristram traf 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 369 

ihn zweimal im Februar in Palästina, wo er nicht selten brütet. 
Danford sah ihn häufig in der Gegend von Kaiserich brütend. 
Auch bei Ersirum kommt er — in der Form exignus — reichlich 
vor. In Syrien fand ihn Schrader in den Gärten von Damaskus 
und in den Felsen am Hundsflufs bei Beirut {puteicola oder 
exiguus?'}). 

13. Passer domestica domestica (L.). 

(^ Urfa 11. IV. 11. Fl. 82, Schw. 59. 

Haussperlinge fanden sich fast in jeder Stadt und in jedem 
gottverlassenen Araberdorf, wo nur etwas Getreide gebaut wurde, 
freilich in geringer Zahl, ebensogut in Syrien als in Mesopotamien. 
Unheimlich viel Hausspatzen gab es in den grofsen Gärten von 
Urfa, nicht in der Stadt selbst. Sie nisteten nur in den unzähligen 
Löchern der Maulbeerbäume, lebten also genau wie bei uns die 
Feldsperlinge. Als ich am 10. April dort ankam, sah man fast 
keinen andern Vogel in diesen vielversprechenden Gärten als 
Spatzen. In dem Bestreben, bessere Sachen zu finden, vernach- 
lässigte ich leider Anfangs die Spatzen, die sich anscheinend gar 
nicht von den unsrigen unterschieden, und später gab es zuviel 
zu tun. So ward von einer Anzahl erlegter nur ein cf präpariert. 
Und dieser ist in der Tat nicht von Europäern zu unterscheiden 
(auch laut KoUibay), während man doch schon die westkleinasia- 
tischen Hausspatzen unterscheiden kann. 

In den isolierten Baumpflanzungen wie im Direkletal, iu 
Kara-keuprü u. s. w. gab es nur wenige Hausspatzen, iu Garmusch 
sah ich sie gar nicht in den Gärten, nur ein paar im Ort selbst. 
Auch am DjuUab fanden sich am 23. u. 24. IV. bei allen Ansied- 
lungen Spatzen. Dafs sie in Biredjik am Euphrat nicht fehlten, 
ist selbstverständlich, doch waren sie auch da wenig zahlreich. 

Nach Tristram (W. P.) gemein in Syrien, auch nach Schrader 
gemein in Beirut und Damaskus {bihlicus Hart.), nach Danford 
in den meisten Orten Kleinasiens, doch manchmal auffällig fehlend. 

14. Emberiza citrinella {erythrogenys BrehmV). 

Ein einziges Mal traf ich die Goldammer an und zwar am 
8. April am westlichen Ufer des Euphrat bei Bumbudj. Leider 
ward ich gerade abgelenkt, als ich sie schiefsen wollte. 

In Palästina, Syrien und Mesopotamien scheint die Gold- 
ammer sonst nicht beobachtet worden zu sein. Danford fand sie 
entgegen Krüpers Angaben bei Smyrna und im Winter gemein im 
Taurus. Dresser erhielt von Ersirum drei Ex. Von dieser 
Richtung stammt offenbar mein Ex., ebenso wie die Taurusstücke, 
Wahrscheinlich handelt es sich um die Form erythrogenys Brehm. 

15. Emberiza calandra calandra L. 

Die Grauammer war nicht häufig und wurde nach Osten zu 
immer seltener, so dafs ich bei Urfa in zwei Wochen keine einzige 



870 Hugo Weigold: 

fand. In Syrien notierte ich die erste am 6. April in Aleppo, 
dann am 8. eine in Membidj und einen kleinen Trupp am Euphrat. 
Auf der Rückreise sah ich am 1. Mai wiederholt einige bei den 
Dörfern westlich vom Euphrat auf dem Wege Biredjik-Kersinflufs. 

In Mesopotamien glaubte ich am 28. April eine in 
Serudj zu hören, also nur eine halbe Tagereise östlich des Euphrat. 

In den von Danford bereisten Gebieten Kleinasiens ist sie 
gemeiner Brutvogel in den Bergen, auch in Ersirum kommt sie 
vor. Die von mir beobachteten Stücke sind offenbar etwas weiter 
nördlich in Kurdistan zu Hause. In Palästina ist sie nach Tristram 
(W. P.) sehr gemein in den niederen Ebenen. 

16. Eniberiza melanocephaZa Scop. 

Ost-Syrien: (f I. IV. Hekidje. Fl. 92, Schw. 75. 

Kurz vor Torschlufs erst lernte ich die schöne Kappen- 
ammer kennen, so sehr ich auch gerade nach den südlichen Ammer- 
arten gesucht hatte. Offenbar kommt die Kappenammer dort 
sehr spät an. Das erste Männchen sah Teichmann auf unserer 
Rückreise am 28. April in den kahlen Bergen zwei Stunden west- 
lich von Urfa im Vorbeifahren. 

Als wir im östlichen Syrien nach Überschreitung des Euphrat 
durch die öden Steppen fuhren, kamen wir am 1. Mai in der 
Nähe des Flüfschens Kersin durch eine kleine dürftige Baum- 
pflanzung in einem Weingarten am Dorfe Hekidje. Hier in diesem 
trockenen Gelände trieben sich ein paar hochgelbe Ammern unter 
sehr lebhaftem wetteifernden Gesang, der an Ortolan erinnerte, 
nur am Schlufs der Strophe hinaufgezogen war und sehr melodisch 
klang. Mit grofser Mühe und nach grofsem Schweifsverlust gelang 
es mir endlich, auf weite Entfernung ein prächtiges cf zu erlegen, 
während der Kutscher ungeduldig wartete. Weibchen waren nicht 
zu sehen. Am nächsten Tage traf ich noch ein Ex. am Dorfe 
Schitar am Boden, wo weit und breit nichts Baum- oder Strauch- 
artiges existierte. 

Die Kappenammer ist ringsum zu Hause, brütet also wo- 
möglich auch in dem von mir bereisten Gebiet. Danford, der 
ebenfalls ihren Gesang rühmt, fand sie im inneren Kleinasien 
gemein. Nach Tristram nimmt sie in Palästina und Nordsyrien 
mit allen Bodenarten vorlieb. Er notiert als Ankunftsdatum den 
7, Mai, was zu meinen Beobachtungen und zu denen Krüpers stimmt, 
der in den letzten Apriltagen ihre ersten Vorläufer bei Smyrna an- 
kommen sah. Schrader notiert sie in seiner ungenauen Art schon 
bedeutend früher, indem er schreibt, sie „schon bei seiner Ankunft 
in Beirut" (15. April) in geringer Zahl angetroffen zu haben. 
Es ist ja aber auch in der Ordnung, dafs der Vogel in Syrien 
früher als in Jonien, aber auch eher als im östlichen Innern an- 
getroffen wird. 



87, 


- 70. 


84, 


- 63. 


82, 


- 60. 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 371 

17. Emberi&a hortulana L. 

Mesopotamien: cf 10. lY. Uifa. Fl. 91, Schw. 70. 

Cf 11. IV. - - 84, - 64. 

Cf 11. IV. - - 89, - 70. 

cf II. 29. IV. Biredjik. 
Syrien: 9 1. 2. V. Schitar. 

9 2. V. 

Zuerst begegnete mir der Ortolan in Mesopotamien. 
Gleich beim ersten Ausgang am 10. April safsen zwei cf auf 
einer dürftigen Saat unmittelbar an den Mauern der äufsersten 
Häuser von Urfa, und Teichmann schofs ein Stück davon. Am 
11. sah er in einem Bachtal nördlich der Stadt einen Trupp von 
ca. 30 St. auf dem Felde und schofs zwei cf. Dafs es sich nur 
um Durchzügler handelte, scheint mir daraus hervorzugehen, dafs 
ich erst am 20. wieder welche spürte und zwar in den öden 
Bergen westlich der Stadt, wo ich ab und zu den Lockruf hörte, 
aber keinen Vogel entdecken konnte, bis ich einen aus einem 
der gerade dort noch gedeihenden hohen Asphodillstauden unter 
dem Fufse heraustrat. Doch warf er sich immer kaum 10 Schritt 
weit in den nächsten Busch, so dafs ein Schiefsen ganz ausge- 
schlossen war. Am 21. hörte ich 2—3 Stck. in den trockenen 
Weingärten am Tale der Suleimansquelle, sah aber nur eine 
nach vieler Mühe. Ebenso geheimnisvoll und versteckt benahm sich 
eine Ammer, dem Lockruf nach Ortolan, am 23. bei Nalfaran am 
Djullab, ohne dafs es mir gelingen wollte, dafs Tier anzusprechen. 
Auf dem Wege Urfa— Serudj kam ein Ex. bei einem Dorfe zur 
Beobachtung. 

Ebenso fanden sich am 1. Mai bei der Weiterreise durch 
Syrien die Ortolane, jetzt häufiger werdend, stets vor den 
Dörfern, wohl weil es dort immer etwas mehr zu beifsen gab als 
in der entsetzlich öden Steppe alias Wüste. So konnte ich am 
2. Mai bei einer Rast im Dorfe Schitar von etwa 6—8 Ortolanen, 
meist cT, mir die beiden 9 herauschiefsen. Bei Biredjik sah 
und schofs ich am 29. ein (5* von einem Baume. 

Am 3. sah ich ein cT auf einem Baume in den Gärten von 
Aleppo, hörte auch noch den einen oder andern. Auch am 5. hörte 
ich bei Beirut Ammern locken, ohne sie ansprechen zu können. 
In Aleppo und an der Küste sind die Ortolane sicher Brutvögel 
in den Pflanzungen (s. Tristram), weiter im Osten wohl höchstens 
noch am Euphrat. In der Steppe gibt es wohl kaum genügend 
Nahrung, die dort beobachteten Vögel zogen sicher nur durch. 
Im Libanongebiet und in Palästina kamen nach Tristram 
die Ortolane erst am 4. April an, Schrader nennt sie aber gar 
nicht von Beirut und Damaskus. Am hochgelegenen klein- 
asiatischen Ala dagh kamen sie nach Danford erst am 20. April 
an. Dresser erhielt auch von Ersirum ein 9 gesandt. — Urfa 
hatte also anscheinend eine kleine Verspätung gegenüber dem 
Libanon. 



372 Hugo Weigold: 

Die sehr verschiedenen Mafse meiner Ex, sprechen gegen 
die Annahme einer gröfseren östlichen Form. — Das cT vom 
10. IV, hat ein prächtiges weifslichgraues Brustband um das ge- 
wöhnliche grünlichgraue. 



18. Melanocorypha calandra calandra (L). 

Die Kalanderlerche war in Syrien und Mesopotamien in 
den Wüstensteppen ziemlich gemein, wenn auch in den ödesten 
Gebieten nicht so häufig als die Kurzzehenlerchen. Wo noch 
etwas wenn auch noch so dürftiger Ackerbau getrieben wird, da 
findet sich auch die dicke Kalander, 

Ich traf sie auf der Fahrt von Aleppo nach Urfa am 
7.-9. April auf der ganzen Strecke bis zum Euphrat nicht 
selten, schofs auch zwei, von Euphrat bis Urfa glaube ich zwar 
auch welche gehört zu haben, kann es aber nicht ganz sicher 
beweisen. Doch traf ich auch dort auf der Rückfahrt am 28. 
und 29. genug an. In der Nähe von Urfa hörte ich am 12. und 
am 22. auf dem Wege nach Kara-Keuprü einige. Am 13, etwas 
mehr auf dem Wege nach Garmusch. Inmitten der Steinwüste 
der Berge hatte man dem Boden zwischen all den unzähligen 
Steinen auf einem Felde doch ein paar Hähnchen abgerungen, 
und dort ertönte ein gewaltiger Lärm: ein Schwärm von etwa 
1000 Kalanderlerchen rastete auf seinem Zuge und erhob sich 
wolkengleich unter grofsera Spektakel aufser Schufsweite. Ich 
hatte also wieder vergeblich gehofft, endlich mal etwas Ab- 
wechslung in den entsetzlich eintönigen Küchenzettel zu be- 
kommen. — M. E. waren all die andern verstreuten Kalander- 
lerchen hier schon an ihren Brutplätzen, während also nördlichere 
aus den armenischen Hochländern noch durchzogen. Merkwürdiger- 
weise fehlten die K.-L. fast ganz in der näheren Umgebung Urfas. 
Nur in den entfernteren öderen Gegenden fand sie sich, so am 
18. ziemlich viele im Norden nach Maschik zu, am 20. einzelne 
in den Bergen an der Aleppostrafse und am 21. in der Nähe des 
Tales der Suleimansquelle. 

Auf dem Wege nach dem Djullab hörte man am 23. und 24. 
manchmal lange Strecken weit gar nichts, dann wieder mal eine 
ganze Anzahl. Vielleicht handelt es sich bei letzteren Vor- 
kommnissen noch um durchziehende rastende Trupps. 

Ob überhaupt Kalanderlerchen in dem trockenen Nordost- 
mesopotamien brüten und nicht vielleicht doch alle nur durch- 
ziehen, kann ich leider nicht beweisen, doch scheint mir der 
Phaenologie nach das Brüten zweifellos. 

In Syrien von Euphrat (Biredjik) bis Aleppo gab es 
auch noch am 1. und 2. Mai in der Steppe und in den dürftigen 
steinigen Feldern viel K.-L., die um diese Zeit sicherlich schon 
brüteten. 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 373 

Da die Kalanderlerche ausgezeichnet die Kurzzehen- und 
Haubenlerche imitiert, mufs man jene immer erst gesehen haben, 
ehe man sie notieren darf. 

In Palästina ist sie nach Tristram (W. P.) aufserordentlich 
gemein und brütet häufig im Hügelland. 

Schrader erwähnt sie nicht, Danford fand einige Ex. im 
Taurus und Schwärme in den Grassteppen des inneren Klein- 
asiens. Hartert führt als Brutgebiet auch Armenien auf. Dorthin 
mögen die Wanderscharen gegangen sein. 

19. Calandrella brachydactyla hrachydactyla (Leisler). 



er 


Membidj 


7. IV. 


Fl. 


95, 


Schw. 


60. 


cT 


- 


- 


- 


95, 


- 


56. 


cf 


- 


- 


- 


94, 


- 


59. 


cf 


Urfa 


18. IV. 


- 


93, 


- 


59. 


cf 


Bab 


2. V. 


- 


94, 


- 


59. 


9 


Urfa 


18. IV. 


- 


86, 


- 


54. 


? (9?) 


Schitar 


1. V. 


- 


87, 


- 


53. 



Die Kurzzehenlerche war der Charaktervogel der wüsten- 
artigen Steppe. Ihr hübsches Lied belebt die Einöde und ihre 
Zutraulichkeit unterhält den müden Reisenden. Kaum dafs sie 
vor dem Wagen oder dem Reiter beiseite läuft! Oft würde man 
sie ob ihrer trefflichen Deckfarbe kaum sehen, wenn sie sich 
nicht durch Bewegungen verriete. 

Überall in der trockenen Hochebene zwischen Aleppo und 
dem Euphrat und ebenso zwischen Euphrat und Urfa war sie 
sehr häufig. Ihre Zahl mufs dort in den ungeheuren Flächen 
ungeheuer sein. Mit Vorliebe hält sie sich auch an den Kara- 
wanenstrafsen auf, so dafs der Reisen le in ihr den gemeinsten 
Vogel des Landes kennen lernen mufs. 

Im Tieflande, das doch immer etwas weniger öde und etwas 
belebter ist, so bei Urfa und auch noch nach Osten nach dem 
DjuUab zu, vermifste ich sie ganz, obgleich es auf der letzt- 
erwähnten Strecke auch wüstenartige Gebiete genug gibt. Bei 
Urfa fand ich sie nur am 18. in den etwas höher gelegenen 
trockenen Lehnen im Norden der Stadt ziemlich in der Nähe 
des Dorfes Maschik in geringer Zahl und schofs dort auch 
zwei Stück. 

Der Ruf ist ähnlich dem der Kalander, der Gesang abge- 
setzter und in einzelnen Strophen vorgetragen. 

Nach Tristram (W. P.) ist die Kurzzehenlerche Sommer- 
vogel in Palästina, nach Schrader ebenso Sommervogel von 
Beirut; Tristram fand sie als gemeinen Brutvogel auch im Libanon- 
gebiet. Im Innern Kleinasiens wird sie von C. br. minor über- 
flügelt nach Danford; von B>sirum erhielt Dresser keine Kurz- 
zehenlerche. 

Journ. f. Gm. LX. Jahrg. Juli 1912. 25 



374 Hugo Weigold: 

Im frischen Gefieder sind die Kurzzehenlerchen sehr rot, so 
dafs man von den dunklen Flecken nicht viel sieht. Je später 
im Frühjahr es ist, desto mehr reiben sich die hellen Federränder 
ab, die Fleckuug tritt mehr hervor und der Gesamtton erscheint 
viel grauer. Das kann man sehr schön au meinen Stücken ver- 
folgen: im Anfang waren die Lerchen „rot", am Ende der 
Zeit „grau". 

Herr KoUibay hatte die Liebenswürdigkeit, die Vögel zu 
untersuchen. 

20. Galer ida cristata weigoldi Koll. 

Typus: cf Urfa U. IV. 11. Fl. 109 Schw. 65 

(nach Kollibays Methode „70") 
? - 11. IV. 11. Fl. 101 Schw. 59 

9 IL- 21. IV. 11. - 107 - 64 

V? DjuUab- Wüste 23. IV. 11. - 100 - 60 

Die Haubenlerche war fast überall verbreitet, wenn auch 
in der Wüste bedeutend weniger zahlreich als die Kurzzehen- 
lerche, so doch anderseits manchmal als einzige Lerche in den 
Äckerbaugegenden. Im allgemeinen verhielt sie sich in ihrem 
Vorkommen ganz ähnlich der Kalanderl. — Auf dem Wege 
Aleppo— Membidj war sie am 7. April nicht selten, von Membidj 
bis Serudj am 8. sehr selten, Serudj — Urfa am 9. wenig. 

Bei Urfa selbst fand ich am 10. in den Feldern nur ein Ex., 
ebenso am 11. auf einem vierstündigen Marsch durch die trocke- 
nen Felder südwärts auf dem Wege nach Hara nur höchstens 
8 Stück, wovon ich 3 schofs. Auf dem Wege nach Kara-Keuprü 
sah ich am 12. gar keine, am 22. einzelne (eine geschossen). 
Ebenso am 13. auf dem Wege nach Garmusch nur wenige, am 
17. an den steinigen Hängen in der Nähe der Suleimanquelle 
einzelne (am 21. dort aber keine bemerkt), am 18. im Norden 
nach Maschik zu etliche, am 20. in den Bergen an der Aleppostr. 
eine oder die andere. 

Im Osten nach dem Djullab zu war sie am 23. und 24. auch 
nur einzeln zu finden, ebenso auf dem ganzen Rückmarsch von 
Urfa über Biredjik nach Aleppo am 28., 29. IV. und 1. und 
2. Mai, natürlich nicht in dem fruchtbareren Euphrattale, sondern 
auf den Steppen, wo sie Brutvogel ist. 

Kollibay hat auf meine Bitte meine drei Urfa-Vögel unter- 
sucht und sie wohl mit Recht abgetrennt. Es kam zu folgendem 
Resultat: sie gehören zur ma^wa-Gruppe, unterscheiden sich aber 
von magna, vamheryi und iwanowi durch mehr bräunliche Färbung 
der Oberseite, während sie wieder nicht so dunkel sind wie die 
Haubenlerchen Niedicks von Eregli am cilicischen Taurus, die 
Kollibay als suhtaurica neu beschreibt. Der Schnabel meiner 
Vögel sei noch schlanker als bei vamheryi, während in der 
stärkeren Fleckung der Oberseite und namentlich des Kopfes eine 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 375 

Annäherung an magna und iwanowi statttinde. Vor allem aber 
ist die Kropfzeichnung sehr scharf markiert (nicht verwaschen), 
„heidelerchenartig", schärfer als bei jeder anderen Haubenlerche, 
einschliefslich sogar der Subspecies von theclae. (S. KoUibay, 
„Neue Haubenlerchenformen"). 

Wie weit die neue Form verbreitet ist, mufs die Zukunft 
lehren, — 

Die Haubenlerche (als Art!) ist in Palästina nach Tristram 
(W. P.) der gemeinste Strandvogel, ebenso ist sie nach Schrader 
gemeiner Standvogel bei Beirut. Danford traf sie erst vom 
1. Mai ab nördlich von Kaisarich, was einigermafsen überrascht, 
da sie doch fast überall vorkommt und nicht zieht. 

21. Anthus canipestris campestris (L.). 

cf II. 23. IV. 11. Fl. 94, Schw. 75 abnorm. 

9 I. 23. IV. 11. - 92, - 77. 

So sehr ich diesen Vogel des Ödlandes erwartet hatte, so 
vergeblich suchte ich lange nach ihm. Einzig und allein am 
23. April auf dem Marsche von Urfa nach dem DjuUab begegneten 
uns mitten in der Wüste am „Wege" zwei Stücke, die dicht 
beieinander geschossen wurden. Sie waren gar nicht scheu — 
wie auch Tristram schildert — , flogen nicht auf und waren auch 
durch ihre Deckfarbe sehr gut geschützt. Natürlich handelt es 
sich um Durchzügler. 

Nach Tristram ist diese Art der gemeinste Pieper Palästinas 
und häufiger Brutvogel. Schrader erwähnt den Brachpieper nicht. 
Danford schofs schon am 4. April das erste Paar — den Ort 
gibt er leider nie an — und fand die Art nicht gemein, aber 
gut verteilt in Kleinasien. Dresser erhielt ein Ex. von Ersirum. 
Unsere Ex. stammen daher offenbar aus dem nördlich benach- 
barten Gebiete. 

In Harters V. d. p. F. ist als Unterschied in der Bestimmungs- 
tabelle angegeben für A. leucophrys: Äufsere Fahne des vor- 
letzten Steuerfederpaares schwarzbraun mit feinem rostfarbenen 
Aufsensaum" und für campestris: „rahmfarbeu, nur nach der 
Wurzel zu dunkelbraun". 

Das stimmt nun genau auf das zweite Stück, während an 
dem betr. Schaft auf der Aufsenfahne des ersteren ein schwarz- 
brauner Streifen, sich verschmälernd, bis an die Spitze entlang 
läuft — was auch Naumann als zuweilen vorkommend erwähnt — , 
eingesäumt von einem gleichbreiten rahmfarbenen, also sehr 
ähnlich dem für leucophrys angegebenem Merkmal. Auch sonst 
hat dieses Stück eine dem leucophrys ähnelnde Schwanzzeichnung: 
Der Schaft der linken äufsersten Schwanzfeder ist an der Basis 
ganz schwarz und dieses Schwarz läuft als immer schmälerer 
Streifen bis an die Spitze. Der keilförmige isabellfarbene Fleck 
auf der Innenfahne reicht links etwas über die Hälfte, rechts bis 

25* 



376 Hugo Weigold: 

etwa Dreiviertel der Feder entlang, also wieder links dem l. 
ähnlicher. Das vorletzte Steuerfederpaar hat nur einen kleinen 
18 mm langen, iVg — 3 mm breiten Keilfleck an der Spitze, also 
genau wie leucophrys im Gegensatz zu der völlig normalen 
Zeichnung des andern. 

Gleichwohl ist sonst das Stück ein typischer campestris, 
besonders auch in seinen kleinen Mafsen. Ist es aber ein solcher, 
so ist die Bestimraungstabelle im Hartert für diese beiden Arten 
nicht immer brauchbar. Auch der Neue Naumann gibt solche 
Ausnahmen, wie die geschilderten, nicht an. Sie sind denn auch 
äufserst selten. 

Herr Professor Reichenow hatte die Freundlichkeit, die 
Vögel zu untersuchen, er erklärt aber beide als echte c. cam- 
pestris. 

Die beiden Stücke variieren, wie gewöhnlich, auch sonst 
einigermafsen: das abnorme ist oberseits blasser und mehr grau, 
allerdings auch mehr abgenutzt, das andere mehr rötlich, dies 
auch unterseits, wo das andre mehr gelb ist. Das abnorme Ex. 
hat auch weniger Brustflecken, ist überhaupt in der vorderen 
Körperhälfte sehr viel heller, ebenso an den Weichen. 

22. Anthus trivialis trivialis (L.). 
cf Urfa 10. IV. Fl. 87, Schw. 66. 



cT - 


11. IV. 


- 88, 


- 67, 


er - 


11. IV. 


- 88, 


- 64, 


cTI - 


17. IV. 


- 89, 


- 64, 


9 - 


10. IV. 


- 82, 


- 65 



Zuerst traf ich den Baumpieper in Syrien am 5. April 
in einem Stück vor Aleppo in den Gärten, am 3. Mai in andern 
Gärten auch nur ein Ex. Weiter nach Osten in den Gärten von 
Bab am 2. Mai einige. 

In Mesopotamien war er in allen Oasen, wo es 
Bäume gab, auf dem Durchzuge nicht selten: Am 10. in den 
Gärten und auf einzelnen Feldbäumen vor Urfa mehrere (2 ge- 
schossen). Am 11. in einem Bachtal nördl. der Stadt ein Trupp, 
wovon 2 erl,, in den grofsen Gärten im Süden nur einzelne. Am 
12. über den Gärten von Kara-keuprü einzelne gehört, am 13. 
in Garmusch ein Trupp von 8 — 10 stumm am Bache nach 
Nahrung suchend (1 erl.), am 14. im Direkletal einzelne, am 15. 
an den Heiligen Teichen höchstens einer, am 17. an der Suleiman- 
quelle einzelne, am 18. im Norden am Bach von Maschik 
3—5 Stück, am 19. in den grofsen Gärten südlich Urfa 2 — 3, 
am 20. im Direkletal einzelne und ein Trupp von 15—20 St., 
aber auch hoch oben auf den schrecklich kahlen Bergen einzelne 
als einzige Kleinvögel, ebenso am 22. Es war so überraschend, 
dort oben Baumpieper zu finden, dafs sowohl Teichmann als ich 
je einen schössen, um uns zu vergewissern, dafs wir uns nicht 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 377 

getäuscht hatten. Am 21. an der Suleimauquelle, am 22. in 
Kara-keuprii einzelne. 

Auch in den Oasen am Djullab fand ich am 23. und 24. April 
ganz einzelne Baumpieper. 

Bei Urfa weiter am 27. April ein Ex. Auf der Rückreise 
in der dürftigen Baumpflanzung von Serudj am 28. ebenfalls eins. 
Auf dem Anger vor dem gänzlich baumlosen Steppendorfe Schitar 
suchten am 2. Mai einige Baumpieper unter Ammern am Boden 
Nahrung. Schliefslich fand ich noch ein Stück am 3. in den 
üppigen Gärten von Aleppo. 

Ich glaube nicht, dafs der Baumpieper irgendwo in der 
erforschten Gegend brütet und halte alle die beobachteten Vögel 
für Durchzügler, was bei dem truppweisen Vorkommen und 
dem unreifen Zustand der Sexualorgane wohl zweifellos ist. Eine 
Verspätung der Weibchen war nicht zu bemerken. 

Nach Tristram (W. P.) kommt der Baumpieper im Winter 
in Palästina vor. Schrader schreibt: „Sah bei meiner Ankunft 
(15. April) noch einige Ex." Also eine starke Verspätung im 
Innern. Nach Danford traf der Baumpieper in Aruscha (Taurus) 
am 4. April ein und ist dort in den Gehölzen gemein. Tristram 
und Dresser erwähnen ihn nicht, doch wird der Vogel sicherlich 
auch in Armenien oder Kurdistan brüten, wohin dann wohl die 
von mir beobachteten Stücke gezogen sind, wenn nicht noch 
weiter nordwärts, nach dem Kaukasus. — 

Meine Exemplare variieren ziemlich in der Intensität des 
Braun der Unterseite und der Fleckung. 

23. Anthus pratensis subsp. 

Den Wiesenpieper traf ich nur ein einziges Mal und zwar 
am 8. April am Euphrat bei der Fähre von Bumbudj in einem 
Stücke an. Durch den Ruf wurde er sicher erkannt, es liegt 
also keine Verwechslung mit cervina vor. 

Danford fand ihn in Schwärmen im Winter am Südabhang 
des Taurus, Dresser erhielt ein Ex. aus Ersirum. Der Wiesen- 
pieper meidet also offenbar das innere Syrien und Mesopotamien 
möglichst, wo ihm feuchte Grasflächen ja gänzlich fehlen. Da- 
gegen kommt er in geringerer Zahl im Winter in Palästina vor 
(Tristram W. P.), einige Paare brüten sogar dort. 

24. Motacilla flava melanocephala Licht. 
cT ad. Euphratinsel bei der Fähre v. Bumbudj 

8. IV. II. Fl. 87, Schw. 80. 
subsp.? 9 I- In der Wüste bei Biredjik 

29. IV. II. - 77, - 74. 
Ich erwähne alle beobachteten Schafstelzen unter diesem 
Namen, da die ganz sicher bestimmten hierher gehörten. 

Zuerst traf ich mit der wunderschönen Schwarzkopfstelze am 
Euphrat am 8. April bei Bumbudj zusammen. Dort liegt im Strom 



3 78 Hugo Weigold: 

eine Insel, die z, T. mit handhohem niedrigem Gestrüpp bedeckt ist, 
und auf dessen Spitzen safsen ein paar der herrlichen weit- 
leuchtenden cT und lockten. Ich schofs nur eins, weil ich es auf 
die viel wertvolleren schwarzen Ibisse abgesehen hatte. 

Weiter nach Mesopotamien hinein kamen wir am selben 
Tage in der Serudj-Ebene an einem Teich vorbei und dort beob- 
achteten wir einen Schwärm von etwa 30 Stück Schafstelzen, 
weiter hin noch einmal einen solchen. Bei Urfa flog am 10. 
ein Trupp Schafstelzen überhin und am 12, ebenso ein paar über 
Kara-keuprü und am 20. eine über die Berge an der Aleppostrafse. 

Auf dem Marsche nach dem DjuUab am 23. trafen wir 
mitten in der Steppe bei einer Schafherde eine Schar von etwa 
40 Schafstelzen, die leider so flüchtig waren, dafs sie beim Ver- 
suche, sie näher anzusprechen, sofort auf Nimmerwiedersehen ab- 
zogen. Auch über die Gcärten von Nalfarar zogen 2 St. überhin. 

Auf dem Rückwege nach Syrien beobachtete ich am 28. 
auf der Strecke Urfa-Serudj ein Stück, am Orte Serudj beim 
Vieh ein paar kleine Trupps sehr scheuer Schafstelzen, wovon 
ein grofser Teil jetzt 9- Am 29. zwischen Serudj und Biredjik 
bei einigen Kühen 4 Stelzen, wovon mind. 3 mit grauem Kopf, 
also 9- Davon schofs ich eins. Solange keine andere Schaf- 
stelzenform im Gebiet beobachtet ist, wird man die nicht be- 
stimmbaren 9 nielanocephala zurechnen müssen. 

Jenseits des Euphrats in der Nähe des Kersinttusses kamen 
am 1. Mai auch noch einzelne Schafstelzen zur Beobachtung. 

Selbstverständlich handelt es sich immer nur um Durchzug, 
der also auch durch die trockene Steppe vor sich geht in breiter 
Front. Da überall, wo noch ein Schimmer von Vegetation sich 
zeigt, auch Vieh gehalten wird, so finden auch die Schafstelzeu 
in dessen Nähe stets genügend Insekten. Birgt ja doch die 
trockenste wüsteste Steppe noch immer eine erstaunliche Menge 
von kleinen Insekten und sei es auch nur Heuschreckenbrut. — 
Natürlich kommen auch hier, wie überall, zuerst die cf, dann 
die 9 ^^^ 

Schrader und Tristram erwähnen die Art merkwürdiger- 
weise nicht. Letzterer kennt sie nur aus Palästina als die 
seltenste Schafstelze im Winter, die aber länger bleibt als die 
andern. Dresser erhielt 1 ad. Ex. von Ersirum. Danford fand 
sie sehr gemein in den feuchten Gegenden des inneren Klein- 
asiens, aber erst vom 30. April an. Die von mir beobachteten 
Vögel rücken also anscheinend sehr allmählich hinauf in das 
armenische und kleinasiatische Hochland. 

25. Motacilla boarula (boarida L. <— > nielanope Pall.?). 
cf II. Urfa 11. IV. Kehle noch mehr weifs als schwarz. 

Fl. 83, Schw. 94. 
cT II. - 14. IV. Kehle mehr schwarz als weifs. - 83, - 95. 
9 1. - 19. IV. Kehle weifs. - 82, - 93. 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 379 

Einigermafsen überraschend wirkte es, in dem trockenen 
Mesopotamien Gebirgsstelzen zu finden. Doch gab es ja um 
diese Frühjahrszeit noch genügend wasserreiche Bäche. Nur in 
der Nähe von ürfa, wo es ja Berge und Bäche gibt, fand ich die 
Stelze: am 11. April in einem Bachtale nördlich der Stadt 4 St., 
wovon T. eine schofs, am 13. hörte er ebendort Bachstelzenrufe. 
Am 14. fand ich eine in dem steinigen Bachbett im Direkletal 
stumm herumtrippeln und erlegte sie. Schliefslich entdeckte ich 
noch in den grofsen ebenen Gärten südlich der Stadt am 19. 
an den kleinen Bewässerungsgräben ein Pärchen, wovon ich das 
9 schofs. Alle waren sehr vertraut. 

Dafs die Gebirgsstelze bei ürfa brütet, wäre ja für einzelne 
Paare nicht ganz ausgeschlossen, doch glaube ich nicht recht 
daran. Freilich sah sie Schrader um Beirut fast den ganzen 
Sommer an Gebirgsbächen. Danford beobachtete in den ersten 
Monaten ein paar am Taurus bei Zebil und Arascha. Wahr- 
scheinlich brüteten die Urfa-Vögel auch ein Stück nördlicher in 
den Kurdischen Bergen. In Palästina beobachtete sie Tristram 
(W. P.) nicht selten im Winter, aber nicht länger als bis zum 
zeitigen Frühjahr. 

Wenn auch die Schwänze meiner Exemplare ein wenig ab- 
genutzt sind, so ist es doch auifällig, dafs sie eher noch kürzer 
sind als die kürzesten der westlichen Form 6. boarula. Die 
Schwanzzeichnung entspricht aber durchaus dieser. Der grün- 
liche Schimmer auf dem Rücken fehlt dem cT ganz, beim 9 ist 
er ditfus auf der ganzen Oberseite vorhanden. Es wäre interressant, 
gröfsere Suiten untersuchen zu können. Welcher Form man diese 
Stücke angliedern will, dürfte mehr oder weniger der Willkür 
anheimgestellt sein. Mir scheint es, als hätten wir es hier an 
dem Grenzgebiet beider Formen mit Übergangsstücken zu tun. 
Kommt doch die echte westliche Form noch in Jonien vor, wie 
ein von mir in Priene am 16. III. 11 erlegtes cT mit 101 mm 
Schwanzlänge (dabei stark abgenutzt!) beweist. Anderseits soll 
nach Hartert die östliche Form vom Kaukasus an vorkommen. 
An meinen Urfastücken fällt auch die intensive Färbung auf, die 
bei den cf satt orangegelb ist. 

26. Motacilla alba alba L. 

9 I. ürfa 19. IV. 11. Fl. 82, links 84, Schw. 83. 

Naturgemäfs war die Bachstelze nicht häufig, immerhin 
häufiger als man es in einem so trockenen Lande erwarten sollte. 
Es schien sich aber nur um Durchzügler zu handeln. 

In Syrien sah ich am 7. April 3 St. vor der Stadt Aleppo, 
dann zwischen Bab und Membidj einzelne, meist in der Nähe 
der Dörfer. 

In Mesopotamien auf der Strecke Serudj-Urfa bei den 
Resten eines alten Felsentempels mitten in der Steppe ein Stück 



380 Hugo Weigold: 

am 9. Bei Urfa selbst am 10. an der Stralse mehrere sehr ver- 
traute, am 11. in der Harauebene südlich Urfa ein Stück, am 
19. zwei Stück an den Bewässerungsgräben in den grofsen Gärten 
und eins auf einem Friedhof (erlegt). 

In Biredjik am Euphrat am 29. April zwei Stück und am 
30. ein cf. 

Auch von der Weifsen Bachstelze glaube ich nicht, dafs in 
dem bereisten Gebiete — wenn überhaupt — mehr als einzelne 
Paare brüten. Aber es war etwas überraschend, alle die wasser- 
liebenden Stelzen so mitten in wüsteuhaft trockenen Steppe 
ziehend anzutreffen, freilich immer mehr oder weniger im Anschlufs 
an den Menschen und sein Vieh. 

Schrader und Tristram erwähnen die W. B. gar nicht. 
Letzterer nennt sie nur für Palästina (W. P.) im Winter häufig, 
im Sommer aber seltenen Brutvogel in den Hügeln. Nach Danford 
ist sie allgemein verbreitet und Brutvogel in Kleinasien, und 
Dresser erhielt ein mauserndes Stück von Ersirum. 

27. Favus maior subsp. (wahrscheinlich blanfordi Pracäk). 

Die Kohlmeise fehlte völlig in dem bereisten Teile Meso- 
potamiens. Trotzdem sie in Urfa eigentlich hätte vorkommen 
müssen, war doch alles Suchen während 14 Tagen vergebens 
im hinteren Syrien kommt sie noch einzeln vor, so am 5. April. 
In den Gärten Aleppos einzelne und am 3. Mai eine. Aber auch 
am Euphrat hörte ich in den üppigen Gärten von Biredjik eine 
einzige Meise zetern, die ich für Kohlmeise ansprach, aber nicht 
zu Gesicht bekam. Weiter östlich war sie, wie gesagt, in keiner 
einzigen der Gartenoasen zu finden. 

Nach Tristram (W. P.) ist die Kohlmeise die einzige häufige 
Meise in Palästina. Schrader führt sie als häufigen Standvogel 
von Beirut, aber schon nicht mehr von Damaskus an. Danford 
nennt sie nicht selten in mäfsigen Höhen Kleinasiens. Dresser 
erhielt sie von Trapezunt. Offenbar fehlt sie deshalb in meinem 
Gebiet, weil sie ungern grofse Strecken offenen Landes durchfliegt 
und das müfste sie, wenn sie jene isolierten Baumpflanzungen 
erreichen wollte. Doch glaube ich, dafs in alter Zeit, als man 
noch nicht alle Höhen radikal abgeholzt hatte, dort auch Meisen 
zu Hause waren und ich hielt es deshalb für möglich, dafs sich 
davon noch isolierte Bestände in den Gartenoasen erhalten hätten. 
Dem war aber eben nicht so. 

28. Lantus minor Gm. 

Der erste Schwarzstirn Würger kam bei Urfa am 14. April 
an. Der Vogel hielt sich in einem der trockenen Weingärten, 
in denen einzelne Bäumchen stehen, auf und war unheimlich 
scheu. Den nächsten fand ich erst am 22. in einem ähnlichen 



Zur Ornithologie Nordwestmesopotamiens und Innersyriens. 381 

Weingarten am Wege nach Kara-keuprü. Er sang, frei auf 
einein Baume sitzend, leise, aber sehr niedlich, flüchtete dann 
vor mir weit in die Steinwüste, kehrte aber bald wieder nach 
seinem Baume zurück. Angeschossen verkroch er sich an- 
scheinend in einen Steinwall und ich habe ihn nicht finden können. 

Je weiter wir auf der Rückreise nach Westen kamen, desto 
häufiger begegnete uns der stets überaus scheue Würger. So 
safs am 29. einer auf einem Flechtzaun eines Gartens vor Biredjik, 
ein zweiter auf einem Strauch auf einer Ödfläche am Euphrat. 
Ihn schofs ich schwerkrank und doch entkam er mir noch Am 
1. Mai sah ich auf der Fahrt vom Euphrat westwärts in der 
Steppe auf jedem der dort in der Nähe zweier Flüfschen, wenn 
auch sehr vereinzelt, vorkommenden Büsche einen Schwarzstiru- 
würger, im ganzen wohl gegen 8 Stück, aber alle waren ent- 
setzlich scheu. Einzelne der Sträuchlein waren durch den Aber- 
glauben der Beduinen mit unzähligen Votivtuchschleifen verziert, 
das störte aber den schönen Vogel nicht, den obersten Zweig 
des „Christbaums" zu schmücken. Ich nehme an, dafs es sich 
wenigstens gröfsten Teils um Durchzügler handelte. 

Weiter nach Syrien hinein sah ich merkwürdigerweise keinen 
mehr. Schrader erwähnt ihn nicht, ebensowenig Dresser. Dagegen 
nennt ihn Danford gemein in Kleinasien. Nach ihm kam er im 
Taurus am 29. April an. Nach Tristram kam er 1881 im nörd- 
lichen Syrien erst Mitte Mai an. Das wäre sehr spät, wenn auch 
nach meinen Beobachtungen die Kulmination in die ersten Mai- 
tage fiel. Aber dabei waren die ersten Vorläufer schon lange 
vorher da. Und 1881 kann doch nicht leicht ein strengerer 
Winter vorausgegangen sein als 1911, denn dieser war der strengste 
seit etwa 70 Jahren und hatte auch schon eine Verspätung in 
der Aviphänologie zur Folge. Ich verstehe also Tristrams Angabe 
nicht recht, es sei denn, er kam plötzlich in die Brutgebiete des 
Vogels und meinte fälschlich, er habe noch Durchzügler vor sich. 
Doch betont er in W. P. ausdrücklich die grofsen Schwankungen 
in der Phaenologie dieses Vogels. Danfords Angabe stimmt gut 
zu meinen Beobachtungen. Wahrscheinlich brüten auch in 
Armenien und Kurdistan ebensogut Schwarzstirnwürger wie in 
Kleinasien, dann wüfsten wir ja, wohin die von mir beobachten 
Vögel gehören. Zudem ist er im Kaukasus gemein. In der Tat 
hat Dresser aus der Nähe von Ersirum und vom Kaukasus 
Exemplare erhalten. 

29. Lantus Senator niloticus (Bp.). 
cf Urfa 18. IV. 11. Fl. 98, Schw. 82. 

cf I— II. - - - 96, - 83. 

cT I-II. - - - 99, - 82. 

cT II. - - - 98, - 82. 

Der östliche Rotkopfwürger gab nur ein einziges Mal eine 
Gastrolle, da aber merkwürdigerweise gleich in gröfserer Zahl 



382 Hugo Weigold: 

Am 18. April machte ich eine giöfsere Exkursion von Urfa nach 
Maschik und sah unterwegs zwei einzelne Senator cT, einen auf 
einem der seltenen graugrünen Büsche am Rande eines Weinfeldes, 
den andern scheueren in einen» solchen. Es gelang mir, beide 
zu erlegen. Zu gleicher Zeit hatte Teichmann in einem Bachtal 
in der Nähe der Stadt ebenfalls zwei cf gesehen und auch beide 
geschossen, also 4 Stück au einem Vormittage und sonst in all 
den 14 Tagen in Urfa nicht ein einziger weiter! 

Wo mögen diese Rotköpfe hingezogen sein? Danford fand 
die Art bei seinen ausgedehnten Reisen nicht, Dresser erhielt 
ihn nicht aus Ersirum, Tristram erwähnt ihn nicht. Nur Schrader 
fand ihn als Sommervogcl bei Beirut (welche Form?). Im Kaukasus 
und in Kleinasien soll noch Senator Senator brüten. Nüoticus kennt 
man als sicheren Brutvogel erst aus dem südl Pereien und Palästina 
(dort nach Tristram (W.P.) häufig ab Ende März). Wahrscheinlich 
brütet er also auch in Armenien. 

Meine Exemplare sind typische nüoticus. Rein weifs ist die 
Unterseite bei keinen, sie ist immer rostgelb angehaucht, und 
ein Stück steigert diese Färbung an den Seiten zu schöner 
Intensität. 

30. Lantus nubicus Licht. 

(f I. Urfa 17. IV. 11. Fl. 90, Schw. 91. 

cT II. Schitar 2. V. 11. - 92, - 91. 

Leider war auch der Masseuwürger in dem bereisten Gebiet 
sehr selten. In Mesopotamien begegnete er uns nur am 
17. April in zwei cT im Tale der Suleimansquelle am Rande der 
Gärten und T. schofs den einen. Das zweite cf erbeutete ich 
an einer ganz ungewöhnlichen Stelle: er safs auf frischen zum 
Trocknen ausgelegten Lehmziegeln vor dem Dorfc Schitar in der 
kahlen Steppe westlich vom Euphrat, also im östlichsten Syrien. 
Was er dort suchte, ist mir unerfindlich. Er war gar nicht scheu, 
sodafs ich vom Wagen abspringen und ihn ruhig schiefsen konnte. 

Tristram notiert seine Ankunft vom 20. März in Palästina, 
wo er häufig ist — , vom 11. April in Nordsyrien, also mit dem 
üblichen Vorsprung vor dem Innern. Auch Captain Sperling 
nennt ihn gemein in Syrien. Schrader nennt ihn als spärlichen 
Sommervogel von Beirut. Dagegen führt ihn Danford wunder- 
barerweise überhaupt nicht an. Auch sonst ist er im östlicheren 
Kleinasien sehr selten als Durchzüglcr gefunden worden, im 
Gegensatz zu Jonien. Demnach mufs wohl der Massenwürger 
ziemlich lokal beschränkt brüten. Möglich, dafs er auch in Urfa 
zu Hause war, doch dann h